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SJL-'Syoit

VfB.-Gießen.

VfB. Ligareserve FL. Oberbiel 0:3.

Die nur mit 10 Mann spielenden VfDer muß­ten sich im Derbandsspiel dem forscheren Gegner beugen. Trotz aller Ausgeglichenheit kamen die Oberbieler zu 3 Toren, denen DfD. durch Ver­sagen des Sturms nichts entgegensetzen konnte. Zwei sichere Sachen wurden ausgelassen. Der Gastgeber siegte verdient.

Die 3. Mannschaft spielte gegen Tv. Wiesecks Erste 1:2. Trotz Feldüberlegenheit mußten sich die VfDer dem eifrigeren Gegner beugen. Die Tur­ner lieferten ein spannendes Spiel, auch waren, sie vor dem Tor schußfreudiger und sicherer. 'Die Grün-Weißen setzten sich oft vor dem Gästetor fest, Erfolge blieben jedoch aus.

Dugenbfpiele.

Die 1. Jugend spielte gegen Ettingshausens 1. Jugend 2:0. Die Gäste zeigten ein technisch schone- Spiel. VfD. hatte zu kämpfen, um sich gegen den forschen Gegner durchsetzen zu können. Die Verteidigung der VfVer war gut in Form. Den Gästen blieb der verdiente Ehrentreffer ver­sagt.

Die 2. Jugend errang gegen Klein-Lindens 1. Jugend einen 4:1-Sieg. Die VfDer sind zur Zeit gut in Form, insbesondere der Sturm erwies sich als sehr schußfreudig. Die Gäste kämpften mit Wucht und Elan, aber es gelang ihnen nicht, dis Deckung der VfDer zu überwinden. Das Spiel verlief sehr fair.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

Iugendspiele.

1900 2. Jugend spielte gegen Braunfels Jugend 7:1 (4:0).

Der Platzverein war technisch besser und auch viel eifriger wie der Gegner. Die Gäste, die man für stärker hielt, hatten von Anfang bis Ende nicht viel zu bestellen. In einem lebhaften Spiel der Schüler gegen Dutenhofen Schüler zeigten die körperlich schwächeren 1900 ganz beachtliches Können und blieben verdient über den Gast Sieger.

Handball der Sp.-Vg. 1900.

Tv. Heuchelheim I 1900 I 6:8.

Beide Mannschaften traten mit Ersah an. Es entwickelte sich ein flottes Spiel, Las beide Par­teien abwechselnd erfolgreich sah. Die 1900er lagen jedoch stets leicht im Feldvorteil und führ­ten bereits zur Halbzeit 5:3. Bei den Gießenern gefiel wieder der Sturm, insbesondere dos Jnnen- trio, recht gut. In der Hintermannschaft kamen verschiedentlich Schnitzer vor.

Handball im VfB.

VfB. I Tv. Allendorf (Lahn) 6:8.

DfD. bestritt das Spiel mit einigen Gästespie­lern in den eigenen Reihen. Es kam trotzdem ein spannender Kampf zustande, der sehr torreich en­dete. Allendorf stellte eine gut eingespielte, faire Elf.

Handball im Gau Hessen (O.T.)

Vito. Gießen 1. Jugend Tv. (Koppel 1. Jugend 9:1 (5:0).

Die große Zahl der an den letzten Derbands- spielcn teilnehmenden Mannschaften machte es erforderlich, auch in der Jugendklasse die Spiele um die Gaumeisterschaft in drei Gruppen aus­trogen zu lassen. Als Meister dieser drei Dezirks- gruppen gingen hervor: Lv. Cappel, Tv. Wetzlar und Mtv. Gießen. Das erste Entscheidungsspiel um die Gaumeisterschaft führte am vergangenen Sonntag auf dem Mtv.-Platze am Schiffenberger Weg die erste Jugendmannschaft des Gießener Mtv. mit der gleichen des Tv. Cappel zusammen. Die Mtver traten in stärkster Aufstellung an. Hhr Sieg war verdient. Gleich beim Anpfiff gingen die Einheimischen mächtig aus sich heraus, belagerten das gegnerische Tor ständig, und konn­ten in regelmäßigen Abständen fünf Tore er­zielen. Die Cappeler Stürmerreihe kam nur ab

und zu einmal vor das Gießener Tor. In der zweiten Halbzeit wurden die Gäste zusehends besser, doch reichten die schwachen und schlecht- plozierten Würfe nicht aus. um Erfo'g: zu buchen. Während die Männerturner in regelmäßigen Ab­ständen noch vier weitere Treffer erzielten, war den Gästen nur doS Ehrentor beschieden. Die Mtv.'Monnschoft hot somit ihr erstes Entschei­dungsspiel um die Gaumeisterschaft erfolgreich beendet.

Mtv. Gießen I VfL. Wetzlar I 1:8 (1:1).

Aach dem Pflichtspiel der Jugendmannschaften traten sich die ersten Mannschaften des VfL. Wetzlar und des Mtv. Gießen im Freundschafts- Rückspiel gegenüber. Die Einheimischen mußten mit sechs Ersatzleuten antreten. Die Gästemann- schäft hingegen konnte das Spiel in verstärkter Aufstellung bestreiten. Im Gegensatz zu dem »Verbmidsspiel" der Jugendlichen, zeigte dieses Freundschaftsspiel" wenige schöne Momente, da die Gästemannschaft zum Teil auch durch das Verschulden des Schiedsrichters dem Spiel einen sehr unfairen Charakter gab. Während der ersten Halbzeit war das Treffen, wie auch das Holbzeitresultot zeigte, ziemlich ausgeglichen. Als jedoch die Gießener in der zweiten Halbzeit den Fehler begingen, die Hintermannschaft, durch Um­stellung mit dem Sturm, noch mehr zu schwächen, war ihr Geschick entschieden. Schon nach kurzer Zeit waren die Gäste mit 3:1 in Führung. Der Gießener Sturm wurde immer lahmer und auch bei der Hintermannschaft konnte man nur lust­loses Deckungsspiel sehen. Tor auf Tor fiel, der Sieg der Gäste war jedoch in dieser Höhe nicht verdient.

Arbeiter-Turn- und Sporibund.

Wieseck I Heuchelheim 1 2:4.

Beide Mannschaften in veränderter Aufstellung legten auf dem Wiesecker Platz ein flottes Spiel vor Beide Lore kommen öfters in Gefahr. Aach einer Viertelstunde konnten die Gäste in Führung gehen. Aach wechselvollem Spiel gelang es Wie» seck, bis Halbzeit den Ausgleich zu erzielen. Aach Lev Pause sah man weiter flottes Spiel. Anr durch geschicktes Abseitsstellen konnten die Gäste die planvollen Angriffe der Platzbesitzer unter­binden. Trotzdem gelang es Wieseck, die Füh­rung zu übernehmen. Heuchelheim holte aber wie­der auf nnd erzielte sogar zwei weitere Tore^ während alle Angriffe der Einheimischen an dem taktischen Abseitsspiel der Gäste scheiterten.

Heuchelheim Schüler Wieseck Schüler 1:3.

Großen-Linden I Raunheim I 2:10.

Großen-Linden hatte sich den Kreismeister zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Trotzdem die Gäste ersatzgeschwächt antraten, gaben sie doch nie das Spiel aus der Hand. Die Platzbesiher waren vorerst etwas im Vorteil. Allmählich aber kam Aaunheim in Schwung . Großen-Linden ging je­doch zuerst in Führung. Der Ausgleich ließ nicht lange auf sich warten und bei Halbzeit stand das Spiel für Raunheim 1:4. Aach dem Wechsel ge­rieten die Aaunheimer voll in Fahrt und er­zielten bis Schluß noch sechs Tore. Vorher standen sich Großen-Linden 11. und Lang-Göns I. gegenüber. Das Treffen endete unentschieden 3:3.

Gießen (Jugend) wieseck (2. Jugend) 7:0.

Auf dem Trieb hatte Gießen Jugend, verstärkt durch einige Spieler der 1. Mannschaft, die zweite Jugend von Wieseck im Freundschaftsspiel zu Gast. Die Gießener hatten das Spiel jederzeit in der Hand.

Großen-Vuseck I wieseck II 5:2.

Wieseck, mit reichlichem Ersatz antretend, konnte den stürmischen Angriffen der Platzbesiher nicht standhalten und mußte sich bei Schluß mit 5:2 Toren geschlagen bekennen.

Grüningen I Klein-Linden I 0:4.

Die Gäste traten mit nur 10 Mann an, legten ein flottes Spiel vor und führten bei Halbzeit mit 0:3 Toren. Aach der Pause wurde Grünin­gen wohl besser, konnte jedoch nichts Zählbares erreichen, während Klein-Linden das Ergebnis um ein Tor erhöhte.

Schlechte Zeiten für fahrendes Tiervolk.

Von Dr. Gustav W. Eberlein, ZHoni.

Italien, im Frühling.

Wie aus Dschungelkreisen berichtet wird, macht sich die allgemeine Wirtschaftskrisis allmählich auch in ben Schichten der Festangestellten bemerkbar, nach- dem dieNachsrage nach ungeschulten Kräften der sog. freien Wildbahn schon seit geraumer Zeit so gut wie erloschen ist. Die gut, wenn auch nur in Naturalien bezahlten Prominenten der öffentlichen Tiergärten brauchen zwar noch nicht um ihre Poften zu bangen, doch ist auch hier bekanntlich die Ueberfüllung schon jo groß, daß beispielsweise der Berliner Zoo die Aufnahme eines Leoparden, der wegen eines Mordes als Haustier abgeschafft werden sollte, rundweg ver­weigerte. Nicht einmal für einen griesgrämig ge­wordenen Affen sand sich ein Plätzchen.

Was aber soll man von den freien Berufen sagen, Don dem fahrenden Volk, das die Heimat verläßt, um in der Fremde einem zweifelhaften Glück nach- Wagen! Fast alle geraten dem Pleitegeier in die Fange, wenn sie nicht buchstäblich auf der Straße verhungern oder gar zum unfreiwilligen Helden furchtbarer Tragödien werden. Anderswo steht es cb.en audjnießt besser als zu Hause. Wer denkt nicht mit Grausen an die in Todesnot trompetenden (Eie- fanten Sarrasanis, die bei lebendigem Leibe in Bel- gten verbrannten? Man hat behauptet, daß hier kein llnglutfsfall oorliege, sondern ein Konkurrenz- manooer, aber wird dadurch die Sache weniger menschlich?

Der Zentralnachweis für Stellenvermittlung Be- fticnabteilung, muß unglücklich gearbeitet haben denn plötzlich strebten alle Zirkusunternehmen nach demschonen Süden" und trafen sich unangenehm in Nom. Nun ist das ungefähr so, als wenn Strauß Weingartner, Furtwängler und Toscanini zugleich in der Oper dirigieren wollten. Die drei Ausländer würden auf dem Pflaster bleiben, bei aller Gast­freundschaft und Hochschätzung, die ihnen Italien ent- gegenbringen möchte. Schneider, Busch und Hagenbeck ist es jedenfalls so ergangen. Der eine blieb in Neapel, der andere in Sardinien hängen. Tragödie über Tragödie. Drama über Drama. Zuerst hörte man es aus den Künstlerecken her brüllen, dann stöhnen, schließlich röcheln. Die menschlichen Künstler konnte man entlassen, die in den Käfigen

nicht. Neapel war wochenlang und ist noch immer in Aufruhr. Einmal soll der Kapitän Schneider gedroht haben, die Gitter der hundert Löwen zu öffnen, wenn man ihm nicht freien Abzug gewähre und so mußte zur Beruhigung der Nachbarschaft Miliz mit scharfgeladenen Gewehren aufgeboten werden. Der Herr Direktor fuhr nach Berlin, fuhr nach Paris, Geld aufzutreiben. Umsonst. Mittlerweile wurde in der Löwenbevölkerung geboren und gestorben. Der Hunger wütet schauerlich, der Tierschutzverein kommt mit dem besten Willen nicht mehr nach. Man wollte die Arbeitslosen, wie in Amerika, an den Meist­bietenden versteigern, da es sich hier aber um hungrige Löwen handelte und infolgedessen mit poli­zeilicher Einmischung zu rechnen war, lauteten die Angebote nur auf 30 ober 40 Lire, ungefähr fo viel, wie das betreffende Pfandobjekt täglich an Fleisch braucht, fei es auch das eines aus Gram gestorbenen Esels. Darauf zog man den verhungerten Opfern der Arbeitslosigkeit das Fell ab und erzielte dafür 299 bis 305 Lire. Nicht um jedermanns Haut wird so gefeilscht.

Miß Europa hat dazwischen ein herziges Zwil­lingspärchen in die Welt gesetzt, man nahm es als gutes Vorzeichen, aber die römische Wölfin auf dem Kapitol, der ich die Neuigkeit überbrachte, lächelte nur ein böses Augurenlächeln. Und in der Tat, No- mulus und Remus, wie sie genannt wurden, nachdem sie Vesuvio und Napoli getauft waren, verhungerten. Mimi, eine bildschöne junge Löwin, hat ihr Erst-' geborenes gestern, als wieder einmal die Zehntels­ration ausblieb, vor Verzweiflung gefressen.

Das geht nun fo Tag für Tag, ohne daß ein Gläubiger weich werden würde. Wir setzten unsere Hoffnung auf die Firma, die auf dem großen Zelt- dach aufgedruckt ist. Sie kam auch, sie sah das Elend und nahm das Zeltdach weg, Löwen und Artisten das Dach über dem Stopfe weg. Ein schlechter Trost, daß cs in China nicht besser zugeht.

Araber sind jetzt eingesprungen, edelstes Vollblut, um ihren Kollegen hinter den Eisengittern einen Happen zu verschaffen. Sie treten im Theater auf, um einen Triumphzug zu verschönern. Hinterher reiftt man ihnen den Flitter vom Leibe, wie einem öirl, und schickt sie in ihre Slrmelcutcftube zurück.

Merkwürdig, wie ähnlich es Mensch und Tier geht, wenn sie nicht aufbegehren können. Da kann selbst einem Tiger die Zirkusgeduld reißen. Dies ist aus Saffari in Sardinien zu vermelden.

Zwei Königstiger Hagenbecks benützten die täg­liche tteinigungsDiertelftunbe, um sich einmal, statt

Oberheffen.

Freiwilliger Arbeitsdienst in Laubach.

Laubach, 15. Mürz. In seiner jüngsten Sitzung befaßte sich der G e m e i n d e r a t mit der Einführung Les freiwilligen Arbeits­dienstes. Da hierbei nur gemeinnützige zu­sätzliche Arbeiten in Betracht kommen, so beschloß man, mehrere Feldwege instand zu setzen und dann auch Waldwege auszubauen. Zunächst soll mit dem Brechen von Steinen für den Ausbau Lev in Betracht kommenden Wege begonnen werden. Abgesehen von dem Vorteil, daß ein Teil der Arbeitslosen, insbesondere solche jugendlichen Al­ters, wieder der Arbeit zugeführt werden, tritt Lurch die Einführung des freiwilligen Arbeits­dienstes auch eine Entlastung des Gemeindewohl­fahrtsetats ein.

Gemeinderat in Grünberg.

4- G r ünberg, 15. März. Der in der Rech­nung für 1930 vorgekommenen Kreditüber­schreitung von 25127,93 Mark, sowie den dafür nachgewiesenen Deckungsmitteln von 27 182,01 Mark, die sich aus Mehreinnahmen bzw. Minderausgaben ergeben, wurde zugestimmt.

Kleber die noch zu leistenden Arbeiten zur Fertigstellung des Schwimmbades berichtete der Bauleiter. Architekt Jäger (Queck- bom). Es wurde beschlossen: Die Ämzaununa geschieht mit einem Bretterzaun: die Erd- und Planierungsarbeiten werden Otto Kühn über­tragen: die von der Firma Bock wegen Kün­digung des Vertrages noch nicht erledigten Deton- arbeiten im Schwimmbecken, desgleichen die üb­rigen Betonarbeiten werden von der Stadt in eigener Regie ausgeführt: wegen der Zimmerer­arbeit soll mit der Firma Georg Haas & Co. verhandelt werden: bei den Schreinerarbeiten sollen sämtliche hiesigen Schreinermeister Beschäf­tigung finden: der Zugangsweg soll unter Ans­icht des Feldschutzpersonals und der beiden tädtischen Arbeiter als Vorarbeiter durch Wohl- ahrtserwerbslose hergestellt werden, ileberßaiipt will man zu allen Arbeiten Erwerbslose durch Vermittelung des Arbeitsamtes hcranziehen, da in diesem Falle für deren Verwendung Zuschüsse geleistet werden.

Rach einem Gemeinderatsbeschluß vom 4. Aug. 1930 sollen sämtliche Gebäude, die an kanalisierten Straßen liegen, an die Kanalisation ange- schlossen werden. Da die Durchführung dieses Beschlusses bei einzelnen Hausbesitzern immer wieder auf Schwierigkeiten stößt, erklärte der Bürgermeister unter Zustimmung be£ Gemeinde­rates, daß die Stadtverwaltung ihr Möglichstes tun werde, um die restlose Anschließung sämt­licher Gebäude zu erreichen.

Konzert des Mannergesangvereins Cäcilia" Lich.

a. Lich. 14. März. Das Konzert, das Lev MLnnergesangvereinCacilia" am Sonntagnachmittag in der Turnhalle gab, reiht sich würdig den in früheren Jahren von dem Ver­ein gebotenen Konzerten an. Schon das künst­lerische Programm ließ erkennen, daß der Verein auch diesmal wieder bemüht war, sein Bestes zu geben. Reben den Besuchern aus allen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft hatten sich auch dies­mal wieder zahlreiche Gäste aus den Rachbar- städten Gießen, Hungen, selbst aus Marburg und aus den Landorten der ilmgegenö eingefunden.

Mit dem schwierigenBüßlied", einem russi­schen Volkslied, von Lendvai gesetzt, eröffnete der Chor die Vortragsfolge und errang damit sogleich starken Beifall. Angenehm fiel die gut artiku­lierte Aussprache bei allen Zuhörern, namentlich aber beim ChorVolk" von Heinrichs auf. Sie ermöglichte den Zuhörern, den Liedertexten gut $u folgen. Man konnte bei allen Darbietungen, insbesondere bei dem auf höchstem Riveau stehen­den Chor mit Orchester,Landerkennung" von Grieg, die innere Bindung zwischen Sängern und dem Chorleiter, Lehrer Jlge (Butzbach) klar er­kennen. Mit größter Aufmerksamkeit und innerer Sicherheit folgten die Sänger den Intentionen ihres Leiters, der sämtliche Chöre auswendig dirigiert und auch von seinen Sängern verlangt, alle Liedertexte auswendig vorzutragen, ohne das ja die rechte Bindung nicht möglich wäre. Daß

in den Nebenraum zu gehen, draußen umzusehen. Im Tigerklub wird behauptet, sie hätten sich nur überzeugen wollen, ob es wirklich so schlimm bei den Menschen stehe, wie ihnen zur Erklärung der täglich abnehmenden Ration versichert werde. Dem einen ist der Erkundigungsmarsch nicht geglückt, der andere bummelte neugierig über den Corso Umberto. Und siehe da, das erste, was ihm begegnete, war es nicht ein dicker, fetter, feister, ausgewachsener Esel? Also so sah die Wahrheit aus, auf der Straße liefen die Leckerbissen herum! Nur um es unzweideutig festzustellen, näherte sich Hassan dem Langohr, das ordentlich, wie im Zirkus, an einen Karren gespannt war. Es ist noch nicht aufgeklärt, was den Jungen auf dem Bock veranlaßte, die Peitsche umzukehren und Hassan unter die Nase zu reiben, jedenfalls ist man in allen Katzenschichten darüber einig, daß sich so etwas nicht schickt. Hassan ärgerte sich und ließ feinen Zorn an dem Esel aus. Die Leute auf dem Korso schrien jetzt, als ob sie im Zirkus wären, und zwei Tierbändiger kamen gelaufen und fingen an, das gehört dazu, tüchtig zu knallen. Hassan kannte das und ließ sich nicht stören. Wie sollte er auch auf den Gedanken kommen, daß es in Wirklichkeit Kara- binieri waren, die ernsthaft schossen. Einer feuerte neunmal. Hassan vertrug cs schlecht. Frau Hagenbeck kam gelaufen und, so steht cs in der Zeitung, brach an dem herrlichen Leichnam in Tränen aus. Es war der zweite Königstiger, den sie im Laufe weniger Tage verlor, denn kurz vorher erlag einer der Grippe.

Im übrigen soll cs jetzt in Sassari zugehen wie in Napoli. Abbau beim Personal, Verhungern bei den Tierprominenten. Darüber die kreisenden Pleite­geier. Vielleicht werden sie von den Dschungeln aus gesichtet und verraten so, daß überall, selbst im Lande der blühenden Zitronen, dicke Lust herrscht. Ach, wir verstehen den Seufzer der Eingesperrten wie derfreien" Arbeitslosen: Gebt mir meine Wildnis wieder!

Oie ältesten Weine.

Ein alter Jahrgang gilt beim Wein als eine besondere Empfehlung, denn edle Sorten entfalten erst nach vielen Jahren ihr feinstes Aroma und ihre ganze Kraft. Dann erreicht die ..Blume" ihre höchste Feinheit, denn der 'Fruchtäther braucht Zeit, um sich im Wein vollständig auszubilden. Um diese flüchtigen Stosse in der Flasche zurück- zuhalten, muß sie gut verschlossen fein, aber auch der beste Verschluß hält doch nur ein paar

auch Las Volkslied die rechte Pflege erfährt, te* wies sich in dem zweiten Teil des Programms. Es kann wegen Platzmangels hier nicht auf alte Chöre eingegangen werden, aber es fei doch ge* sagt, daß allen Ausdrucksmitteln des Gesangs die rechte Aufmerksamkeit gewidmet war.

Das Orchester, das Musilkorps des Gießener Reichswehr-Bataillons, von Obermusikmeifter K r a u ß e geleitet, leistete ebenfalls Hervorragen­des. Die Durchführung der VoriragSfolge, die Werke von Beethoven, Brahms, Grieg, Liszt und Strauß enthielt, gab ein erfreuliches Bild voiH der künstlerischen Weiterentwicklung der Kapelle.

Wie der Sängerschar, fo wurde auch der Ka­pelle lebhafte Anerkennung zuteil. DieCäcilia" und ihr strebsamer Dirigent, Lehrer Jlge (Butz­bach), können mit Stolz und Befriedigung auf das in allen Teilen wvhlgelungene Konzenck zu- rückblicken.

Landkreis Gießen.

OO Klein-Linden, 15. März. An den letzten Sonntagen hielt der S ch ü h e n k l u bR o l a i. d" sein Saalpreisschießen ab. Jedem Schützen wur­den drei Schuß auf die Zwölferringscheibe zu- gestanden. Die Ergebnisse waren sehr gut. Die Preisverteilung halte folgende»Ergebnis: 1. Preis Friedrich Stein, 2. Karl Otto, 3.-August Weller, 4. Wilhelm Peetz mit je 36 Ringen, 5. Werb Klein, 6. Heinrich Keudel, 7. Erwin Kopp. 8. Hein­rich Mohr mit je 35 Ringen, 9. Wilhelm Volkert, 10. Konrad Keudel, 11. Albert Deibel mit je 34 Ringen, 12. Wilhelm Feh, 13. Ludwig Schwartz. 14. Fritz Größer mit je 33 Ringen, 15. Wilhelm Klein, 16. Steinmüller mit je 32 Ringen. 17. Reinhold Weller mit 31 Ringen, 18. Karl Volk mit 30 Ringen.

z Röd gen, 15. März. Viele Frauen und Mädchen besuchten am Sonntag die Hand- arbeitsausstellung der Rödgener und Troher Schulmädchen, die hier im oberen Schul­saal ihre Arbeiten aus dem letzten Jahre unter der Leitung ihrer Lehrerin, Frau Schneider aus Großen-Duseck, zur Schau geordnet hatten. Die mannigfaltigen Erzeugnisse kindlicher Hand­fertigkeit und der sichtbare Wille zur Vielgestal­tigkeit fanden allgemein Anerkennung und Zu­stimmung.

T Lauter, 15. März. Dieser Tage hielt der hiesige Turnverein seine Generalversamm­lung ab. Die Einnahmen betrugen 219,77 Mark, die Ausgaben 184,03 Mark, so daß ein Kassen- bestand von 35,74 Mark verbleibt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl Hatte folgendes Ergebnis 1. Vorsitzender Rein­hard Tröller, 1. Turnwart und Schriftführer Otto Tröller, 2. Turnwart Karl Webus II., Rechner Ernst Sann, Beisitzer August S ch 1 ö r b.

Kreis Alsfeld.

ch Nieder-Gemünden, 15. März. Da die vor 14 Tagen durchgeführte $ ü r g e r m e i ft e r= wähl keine absolute Mehrheit für einen der Kan­didaten brachte, wurde am Sonntag eine Stichwahl Dorgenommen. Dabei erhielt der seitherige Beigeord­nete Karl Wittich II. 198 Stimmen, sein Gegen-, kandidat Heinrich Becker 67 Stimmen. Von den 360 Stimmberechtigten beteiligten sich 269 an der Wahl, das sind rund 75 v. H.

Preußen.

30000 Mark bei einer Raiffeisenkaffe unterschlagen.

WSR. Biedenkopf, 15. März. Die Höhe der von dem früheren Leiter der Raiffeisen- kasse in Aunzhausen, Lehrer A u g u ft in, unterschlagenen Beträge ist jetzt mit 30 000 Mark festgestellt worden. Wie Augustin die Gelder unterschlagen hat, ist noch nicht ein­wandfrei geklärt, fest steht jedoch, daß er mit ziemlicher Gewandtheit vorgegangen ist. In einer Versammlung wurde den Mitgliedern die Höhe der Haftsumme genannt. Man erregte sich der­maßen, daß man nach Schluß der Versammlung vor das Haus des Dorfbewohners Decker zog. wo sich der Lehrer aufhielt, und hier alle Fenster­scheiben einwarf. Der Lehrer flüchtete mit Decker auf den Speicher und schrie nach Hilfe. Die alarmierte Landjägerei stellte die Ruhe wieder her.

Jahrzehnte dicht, und die ältesten Weine sind nicht immer die besten. Wie Professor Joh. Grüß inForschungen und Fortschritte" mitteilt, haben die beiden ältesten Weine, die erhalten sind, überhaupt keinen Weingeschmack mehr. Alkohol und Fruchtäther fehlen gänzlich: die Flüssigkeit hat ihre Wein-Ratur vollständig verloren und schmeckt fade. Der älteste Wein, der heute noch vorhanden ist, ist der sog. ..Römerwein" im Museum zu Speyer. Dor einigen Jahrzehnten wurde unter den Trümmern der alten Römerseste Remetum, an deren Stelle das 'heutige Speyer steht, eine vierkantige, oben abgerundete Flasche hervorgezogen, die unter einer dichten Oelschicht eine geringe Menge Flüssigkeit enthielt. Die che­mische Untersuchung hat ergeben, daß die Flasche ursprünglich Wein enthielt, der hier etwa ums Jahr 350 n. Chr. vergraben wurde. Aber heute fehlen diesem ältesten Weinrest die eigentlichen für den Wein bezeichnenden (Elemente. Dasselbe ist bei dem zweitältesten Wein der Fall, der zu Rutch bei Kombulta in einem Grabhügel inmitten eines Gräberfeldes im nördlichen Kaukasus ent­deckt wurde. Die kugelförmige, dickwandige Flasche von 22 Zentimeter Höhe und mit einem kurzen, 8 Zentimeter langen Hals, die einen Durchmesser von 15 Zentimeter hat. war noch verschlossen und zwar mit einem Kork stück, das mit Wachs verklebt war. Die Flasche lag in einem rundlichen, 15 Zentimeter hohen Weidenkorb und war wohl dem Toten als Opfergabe mitgegeben worden. Dieser Weinrestfund, der sich jetzt im Germani­schen Museum befindet, hat ein Alter von etwa 800 Jahren, ist also bedeutend jünger als der ..Römerwein". Eine genaue Analyse ergab, daß die zunächst nicht feststellbare Flüssigkeit un­zweifelhaft einmal ein Süßwein war: gegen­wärtig ist aber nur eine Lösung aus verschiedenen Salzen übriggeblicben, die völlig geruchlos ist. Für die Wissenschaft interessant ist es. daß sich in dem Weinrest eine Alge fand, die Solenobicola leptophoria heißt. Diese Pflanze wucherte auf der Rinde der Dergsteinkiefer und wurde von In­sekten in das Harz dieser (Bäume verschleppt. Eine solche Alge, die mit einem Käfer während der Tertiärzeit von dem Harz der Kiefer um­schlossen und dann in dem daraus entstandenen Dernstein begraben worden war, zeigt die gleiche Form wie die Alge in dem Weinrest. Der Ein­schluß im Dernstem ist aber mindestens 280000 Jahre alt.

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