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Hindenburgs Sieg in Bayern. DerbayerlscheHindcnvurg-Ausschutz fordert zur Treue auch im zweiten Wahlgang auf.

München, 15. März. (WTB.) Wie die Presse­stelle des Hindenburg-Ausschusses für Bayern mit­teilt, hat der erste Wahlgang der Reichspräsidenten­wahl mit einem Siege Hindenburgs geendet, der so groß ist, daß er auch Hindenburgs treueste An­hänger überrascht hat. Es ist zwar tief traurig, daß dem deutschen Volk wegen eines halben Prozentes der abgegebenen Stimmen noch­mals 4 Wochen Wahlkampf zugemutet wer­den müssen, aber es ist ebenso erhaben, daß dieses deutsche Volk in seinen b r e i t e st e n Schich­ten die Ehrfurcht vor der heroischen Gestalt Hin­denburgs klar zum Ausdruck gebracht hat. Wenn alle, die die Treue gehalten haben, auch am 10. April treu bleiben, dann ist Hindenburg gewählt. Eine überwältigende Kundge­bung des ganzen Volkes für Pflicht­treue, Aufbauarbeit und Freiheit, das muß der Sinn des zweiten Hindcnburgs- sieges am 10. April werden.

OerStahlhelm" zur Reichsprafidenienwahl. Berlin, 16. März. (ERB.) In einer Stel­lungnahme des offiziellen Pressedienstes des Stahlhelm wird zum Ergebnis der Reichspräsi- dentenwahl u. a. erklärt:

Der Reichspräsident von Hinden­burg hat am 13. März 18,5 Millionen Stimmen auf sich zu vereinigen vermocht. Bon der nächst höchsten Stimmcnziffer, der des nationalsozia­listischen Parteiführers Hitler, trennen ihn mehr als 1 Millionen. 2ln der absoluten Mehr­heit fehlen nur knappe 200 000 Stimmen. Mär sind nicht Demokraten und Formalisten genug, um zu bestreiten, daß damit Hindenburg praktisch den Sieg im Wahlkampf er­rungen hot. Ein zweiter Wahl gang könnte kein anderes Ergebnis zeitigen. Er ist damit, selbst wenn er aus formellen Gründen stattfinden muß, politisch bedeutungs- l o s geworden. W<mn also eine Möglichkeit be­steht, um die Formalität des zweiten Wahl­ganges h e r u m z u k o m m e n, so haben wir da­gegen nichts cinzuwenden, obgleich un­sere grundsätzlichen Bedenken gegen eine etwaige Verquickung der Präsidcnt- schoftsfroge mit parlamentarischen Ent­scheidungen fortbestehcn."

Der Entschluß, sich keiner national­sozialistischen Parteidiktatur zu unterwerfen, bleibe richtunggebend bestehen.

DerTauschvorschlagSugenbergs.

Deutschnatioualc Diskussion mit derGermania«.

Berlin, 15. März. (TU.) Die parteiamt­lichenMitteilungen der Deutschnationalen Volks- Partei" antworten auf den Artikel derG e r - mani a", des Berliner Zentrumsorgans, in dem der VorschlagHugenbergs, auf den zwei­ten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl zu ver­zichten und dafürReichstagswahlen vor­zunehmen. zurückgewiesen worden war. In der parteiamtlichen Auslassung heißt es u. a.: Auch das Zentrum scheut die Abrechnung im Reich, weil es weiß, daß Brünings Herrlichkeit dann zu Ende ist. Politische Rotwendigkeit ist die Ver­meidung eines unnötigen Wahlganges und dafür die Herbeiführung stabiler Regierungsverhältnisse vor den außenpolitischen Verhandlungen. Zu der 'Behauptung, die Opposition habe es jederzeit in der Hand gehabt, sachlich an den Regierungsge­schäften teil- und auf die Regierungsverhandlun­gen Einfluß zu haben, heißt es: Das ist eine fromme Lüge, die dadurch nicht wahrer wird, daß sie von höchsten Stellen immer wiederholt wird. Man hat uns lediglich freundlichst eingeladen, die Maßnahmen der Regierung, die wir von vorn­herein für verloren hielten, und die sich als ver­fehlt herausgestellt haben, mitzumachen.

Oie erste Hitler-Rede nach der Wahl.

Weimar, 16. März. (Sil.) Adolf Hitler sprach in der neuerbauten Weimarer Stadthalle. Die Tatsache, daß die Sozialdemokraten bis zum letzten Mann für Hindenburg eingetreten seien, beweise, daß ihnen die Angst vor dem Rational­sozialismus tief in den Knochen sitze. Er, Hitler, habe das Wunder fertiggebracht, daß die Sozial­demokratie keine Prinzipien, keine Tradition mehr kenne, sondern nur noch den einen RufRette sich, wer kann!" Wenn man die ungleichen Waf­fen, mit denen der Wahlkampf geführt wurde, betrachte, so könne die RSDAP. stolz darauf sein, daß sie als einzige Partei ganz allein 11,3 Millionen Stimmen aufgebracht habe, daß sie nach einem Kampf von kaum 13 Jahren die größte deutsche Partei, die es jemals gegeben habe, darstelle. Er Hitler, müsse die Versicherung abgeben, daß es für ihn auch in Zukunft keinen Tag ohne Kampf geben werde. Wenn er heute angreife, werde er morgen und übermorgen wieder angreifen. Man müsse ihn töten, wenn man ihn von seinen Gegnern losbringen wolle. Der Kampf gehe solange wei­ter, bis die Parteien des gegenwärtigen Systems am Boden lägen. Gleichgültig, ob der Tag des Sieges morgen komme oder in zehn Jahren: Aber dieser Tag komme. Cs bestehe kein Zweifel, daß das Werk der RSDAP. doch noch gelingen werde. Die Parteien des Systems hätten in ihm, Hitler, einen Feind, den sie niemals abschütteln können. Man werde niemals erleben, daß seine Partei kapituliere. Eine ilnterwerfung werde es nie geben, insbesondere nicht in einem Augen­blick, in dem man so recht ermessen könne, was die RSDAP. erreicht habe, trotz aller Wider­stände, trotz der einseitigen Anwendung der Ge­setze. Der Tag des Sieges werde kommen, des Sieges, der die RSDAP. die Macht und die Möglichkeit schenke, das zu verwirklichen, was sie im Rahmen ihrer Bewegung schon zur Tat wer­den ließ: Eine Volksgemeinschaft, erfüllt von Ehre und leidenschaftlichem Freiheitsdrang, ent­schlossen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu neh­men, eisern im Herzen, brutal in der Entschlossen­heit, zäh in der Durchführung, beseelt von einem einzigen ganz großen Willen.

Ein Aufruf zu beginn des Goeihejahres.

Wenn am 22. März der Tag zum hundertsten Male wiederkehrt, an dem Deutschlands vollen­detster Geist seinem Glauben gemäß in die Un- sterblichkeit einging, so kann der Tag, der damals die Klage um den unersetzlichen Verlust ent­fesselte, kein Trauertag mehr sein: Er bedeutet jetzt das freudig -stolze Bewußtsein eines unverlierbaren Besitzes, der dem Volk Goethes nicht geraubt werden kann, es sei denn, daß es sich selbst aufgibt. Die immer neue Erwerbung dieses Besitzes und das gläubige Fe st halten an den geisti- gen Gütern der Ration spendet die Kraft des Aufblicks zum Ewigen und zur Erhebung über die Rot der Zeit.

Goethe hat in den Jahren hoffnungslosen Tief­standes seinem Volk den Weg der Wieder­geburt gewiesen. Seine größte Dichtung zeigt die Vision des freien Volkes auf freiem Grunde als ein Vermächtnis des Dichters, der weit in die Zukunft blickend die Aufgaben neuer Gesellschaftsordnung als Ratur- geseh wechselseitiger Hilfe und werktätiger Liebe auffaßte. Wie er selbst alle Gegensätze der mensch­lichen Ratur in sich trug und den leidenschaft­lichen Zwiespalt seines Innern zum befreienden Einklang brachte, so mahnt sein Geist zur ein­trächtigen Tleberwindung selb st zer­fleischenden Streites. Der Rame Goethe bedeutet dem deutschen Volke eine Botschaft inneren Friedens.

Wie Goethes Werk aus allen Wurzeln des Volkstums aufstieg und dessen Kräfte zusammen­faßte, so wird seine Erscheinung zum Sinnbild eines Cinsgefühls der über Deutschlands Gren­zen hinaus in seiner Sprache verbundenen Ge­meinschaft. Goethes hundertster Todestag soll, wie einstmals Schillers hundertster Geburtstag, ein Weckruf für das Einheits­bekenntnis des über die ganze Erde ver­streuten Deutschtums werden.

Wie nach Goethes Meinung die Erfüllung eigenen Volkstums Schwingkraft verleiht zum Einswerden mit der Welt, so ist sein Dichterwort als Stimme der Menschheit zur Weltsprache geworden, in der

die Völker der Erde einander verstehen lernen. Die Goethe.Feier wird zur Weltfeier.

Wenn am 22. März in der Sterbestunde des Mittags die Glocken läuten, soll der Geist Goethes durch alle deutschen Lande ziehen. Während im Namen des deutschen Volks der Kranz am Sarge der Weimarer Fürstengruft niedergelegt wird, möge jeder Deutsche sich dankbar bewußt sein, daß Goetheauchfür ihn gelebt und gewirkt hat. Das Goethe-Jahr soll die ganze Volksgemein­schaft in einem Erlebnis zusammenführen, das mit großer Vergangenheit verbindet und über die Not der Gegenwart eine Brücke schlägt in eine bessere Zukunft.

Reichspräsident v. Hindenburg. Reichskanzler Dr. Brüning.

Dr. B e r n u s, Landrat a. D., Vorsitzender des Freien Deutschen Hochstifts, Frankfurt a. M.; Prof. Dr. Beutler, Direktor des Goethe-Museums und des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt a. M.; Dr. Hans Carossa; stuck, phil. Friedrich, Vertreter der Leipziger Studentenschaft: Dr. G o e r- d e l e r, Oberbürgermeister von Leipzig; Grimme, preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung; Reichsminister Dr. h. c. (9 r o e n c r; Dr. h. c. Gerhart Hauptmann; Dr. R i - carda Huch; Dr. Kästner, thüringischer Mi­nister für Volksbildung; Professor Dr. Kippen­berg, Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft; D. Dr. h.c. Erwin G. Kolben Heyer; Dr. L a nd- mann, Oberbürgermeister von Frankfurt a. M.; Professor Dr. Litt, Rektor der Universität Leip­zig; Professor Dr. Löhlein, Rektor der Universi- tät Jena; Professor Dr. Madelung, Rektor der Universität Frankfurt a.M.; Professor Dr. Tho­mas Mann; Dr. Müller, Oberbürgermeister von Weimar; Universitätsprofessor Dr. Petersen, Präsident der Goethe-Gesellschaft; Dr. Wilhelm v. Scholz; Hermann Stehr; Dr. Ulbrich, Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters in Weimar; Professor Dr. Wahl, Direktor des Goethe-Nationalmuseums, des Goethe- und Schiller- archios und der klassischen Stätten in Weimar.

Hitlers Einbürgerung in Thüringen.

Hitler, Krick und Siennes vor dem Untersuchungsausschuß.

Weimar, 15. März. (TA.) Im Polizei- Untersuchungsausschuß des Thüringischen Landtages sanden am Dienstag Zeugenverneh­mungen zu der von Minister a. D. Frick ge­planten Anstellung Hitlers im Thü­ringer Staat statt. Als erster Zeuge er­klärte Hauptmann a. D. Stenn es, als früherem Angehörigen der RSDAP. sei ihm im Sommer 1930 bekanntgeworden, daß Erwägungen über die Einbürgerung Hitlers schwebten. Bei den da­maligen Erörterungen habe es sich bloß um private Unterhaltungen gehandelt. Frick sagte aus, als er sein Ministeramt angetreten hätte, sei er der Arberzeugung gewesen, daß d i e Frage der Einbürgerung Hitlers endlich geklärt werden müsse. Eine dies­bezügliche Anfrage bei der Bayerischen Staats­regierung im Jahre 1929 habe gezeigt, daß eine Einbürgerung Hitlers in Bayern aussichtslos sei. Darauf habe er es für richtig gehalten, alles zu versuchen, um sein Ziel zu erreichen. Denn, wenn man seit 1918 Tausende von Ostjuden nach Deutschland hereingelassen habe, so sei es nicht mehr als recht, wenn auch einem Frontsoldaten das deutsche Staatsbürgerrecht verliehen werde. Frick schilderte dann, wie er zu diesem Plane der Anstellung Hitlers als Gendarmerie- kommissar in Hildburghausen kam. Aus dem nationalsozialistischen Parteitag in Gera habe er die Einbürgerung öffentlich bekanntgeben wollen, doch habe Hitler darum gebeten, davon Abstand z u nehmen. Trotz seiner Bedenken habe Hitler jedoch damals die Ur­kunde entgegen genommen, sich aller­dings seine Entscheidung über die Annahme so­fort Vorbehalten. Als kurz danach Hitler

vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig ausgesagt habe, daß er staatenlos fei, habe Frick daraus entnommen, daß Hitler seine Entscheidung in der Anstellungsfrage in ablehnendem Sinne getroffen hätte. Der Versuch der Anstellung fei keine unwürdige Schiebung, sondern ein le­galer Staatsakt gewesen, der nicht per­fekt geworden sei.

Hitler erklärte, er habe die Arkunde vernichtet. Er habe keine Veranlassung ge­habt, das bestehende System um Einbürgerung zu bitten, da er sich seine deutsche Staatsange­hörigkeit schon auf dem Schlachtfelde erworben habe. In erregtem Ton und unter Beifall seiner Parteifreunde fügte Hitler noch hinzu, daß die gegenwärtig herrschenden Parteien überhaupt keine Berechtigung zur Einbürge­rung hätten. Es kam dann zu einem Zwischen­fall, als der sozialdemokratische Abgeordnete Gründler bei einigen Fragen an Hitler dar­auf hinwies, daß es nicht deutscher Art ent­sprochen hätte, wenn zur Einbürgerung Hitlers aufjüdische Art hintenherum" Verhandlungen geführt worden seien. Erregt fiel Hitler dem Redner ins Wort:Din ich hier als Zeuge oder muß ich mich verletzen lassen?" Unter den natio­nalsozialistischen Abgeordneten, die dem Sozial­demokraten Gründler wiederholtHände aus den Hosentaschen" zugerufen hatten, entstand große Erregung. Hitler selbst rief darauf dem sozial­demokratischen Abgeordneten zu:Ich lasse mich nicht von Ihnen brüskieren, nehmen Sie die Hand aus der Hosentasche." Rachdem noch andere Abgeordnete Fragen an Hitler gerichtet hatten, war die Zeugenvernehmung beendet.

Ausschußberatungen in Genf.

Einen Monat Osterpause.

Unter dem Einflntz der Wahlen kein Fortschritt.

Paris, 16. Mär;. (MTV. Funkspruch.) Der Agentur 5)avas wird aus Genf berichtet, daß die Arbeiten der Abrüstungskonferenz trotz formeller Aktivität seit dem 2. Februar kaum Fort­schritte gemacht hätten, ja gegenwärtig sogar auf einem toten Punkt angelangt seien. Daher schienen auch die Delegationen der fjaupt- mächte darüber einig zu sein, bereits Ende dieser Woche eine Osterpause eintreten zu lassen, hierüber soll Henderson gestern mit lar- dieu gesprochen haben. Am die Vertagung zu begründen, berufe man sich auf die Rückwirkungen, die die Ereignisse im Fernen Osten auf den Völkerbund haben könnten, ferner auf die ver­schiedenen Wahlen in Deutschland und auf die Kammermahlen in Frankreich. Diese Begründung spräche für eine Vertagung um 1 Monat. Der Chef der französischen Delegation dürfte aber Henderson gegenüber hervorgehoben haben, daß Frankreich keine Initiative zur Ver­tagung der Arbeiten ergreifen werde, daß die in Genf anwesende französische Delegation vielmehr zu allen Beratungen bereit sei.

Oie Internationalisierung der Zivilluftfahrt.

Genf, 15. März. (SU.) Der Redaktionsaus­schuß des Hauptausschusses der Abrüstungs­konferenz hat heute die Richtlinien für die Ar­beiten des Luftfahrtausschusses ausgearbeitet, in denen die Behandlung der französischen Anträge auf Internationalisierungder Zivil­luftfahrt in engem Zusammenhang mit der grundsätzlichen Frage der Abschaffung oder BeschränkungdermilitärischenLuft- fahrt empfohlen wird. Der Luftfohrtausschuh soll inSbefonbere alle Maßnahmen prüfen, durch

die die zivile Luftfahrt entmilitarisiert werden kann. Hierbei werden auch die Vor­schläge der deutschen Regierung er­örtert werden, in denen zur Entmilitarisierung der Zivilluftfahrt einVerbotdermilitäri- schen Ausbildung auf dem Gebiete der Luftfahrt und andere Maßnahmen zur Verhinderung einer militärischen Verwendung der Zivilluftfahrt gefordert werden.

Moralische" Abrüstung.

Ein polnisches Ablenkungsmanöver

Genf, 15. März. (SU.) Der Politische Aus­schuß der Abrüstungskonferenz beschäftigte sich mit dem polnischen Antrag auf moralische Ab­rüstung. Der polnische Gesandte begründete den Antrag damit, daß zwischen dem gegenwärtigen Stand des internationalen Rechtes und der psy­chologischen Verfassung gewisser Volksgruppen ein Gegensatz bestehe, der die vollständige Verwirk­lichung der internationalen Verpflichtungen un­möglich mache. Die moralische Abrüstung müsse besonders im Schulwesen, im Rund­funk,im Fi-mund aufderBühne durch­geführt werden. Außerdem müßten sich die Re­gierungen zur Propaganda für den Frieden verpflichten. Die polnische Re­gierung wünsche den Zusammentritt einer inter­nationalen Pressekonferenz, auf der praktische Vorschläge für die Durchführung der moralischen Abrüstungspropaganda ausgearbeitet werden sollen.

Li tw i n o w - Rußland, der als einziger zu dem polnischen Vorschlag Stellung nahm, warnte die Konferenz eindringlich, sich durch Erörterung der moralischen Mrüstung von ihrer Hauptaufgabe, der materiel­len Abrüstung, ablenken zu lassen. Ohne vorhergehende materielle Abrüstung sei eine mo­ralische Abrüstung undenkbar. Auf Vorschlag des Präsidenten Henderson wurde ein Ausschuß eingesetzt, der praktische Anträge für die mora­lische Abrüstung ausarbeiten soll. Bei der Ab­stimmung über die Einsetzung des Ausschusses enthielt sich Dotschaftee Radvlnh der Stimme.

Deutsche Klottenabrüstungsvorschlage.

Genf, 15. März. (TU.) In der Abrüstungskonfe­renz brachte am Dienstag der deutsche Vertreter von Rheinbaben Vorschläge für d i e Be­stimmung der Großkampfschiffe, Flug­zeugmutterschiffe, Kreuzer, Zerstörer und U-Boote ein. Er betonte hierbei, daß Deutschland nicht Auf­rüstung, sondern die allgemeine Abrüstung verlange und bereit sei, noch weitergehendeEntwaff- nungsbcstimmungen, als bereits im Versailler Vertrag fe st gelegt seien, anzunehmen, falls diese Bestimmungen ingleicher Weise für al le Staaten Geltung fänden. Die grundsätzlichen Fragen der Gleichberechti- g u n g sowie die mit dem Versailler Vertrag zusam- menhängcnden Fragen müßten jedoch im Hauptaus- schuß geklärt werden. Die deutschen Vorschläge für die Bestimmungen der Kriegsschiffe entsprechen den Deutschland im Versailler Vertrag auferlegtcn Höchsttonnagen. Ferner verlangte von Rheinbaben, daß in dem Abkommensentwurf auch die Regelung der U-Bootssrage ausgenommen würde.

Oer Völkerbundsausschuß in Schanghais

Schanghai, 15. März. (TU.) Die Ankunft des Mandschurei-Ausschusses des Völkerbundes wurde von der chinesischen Bevölkerung Schanghais mit großem Beifall aufgenommen. Am Mon­tag fanden große Studentenumzüge statt. Die De­monstranten trugen Fahnen mit Aufschriften, die den Friedenswillen der Chinesen verkünden. Lord Lytton erklärte, der Dölkerbundsausschuß werde sehr gern zu einer Mitarbeit bei den örtlichen Ver­handlungen zur Lösung des chinesisch-japanischen Streitfalles bereit fein, falls er dazu eingeladen werde. Am Montagabend fand eine wichtige Konfe­renz im englischen Konsulat statt, an der englische, amerikanische, französische, italienische, japanische und chinesische diplomatische Vertreter teilnahmen. Die Erörterung erstreckte sich hauptsächlich auf die chinesische Forderung, vor Vermittlungsverhand­lungen sämtliche japanische Truppen zurückzuziehen.

Schwierigkeiten

für Tardieus Oonaubund.

Genf, 15. März. TA.'(Funkspruch.) Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sind in den Verhandlungen des französischen Ministerpräsi­denten Sarbieu mit den Vertretern der Kleinen Entente, Oesterreichs und Angarns über den französischen Plan eines engen wirtschaftlichen Zu­sammenschlusses dieser Staaten erhebliche Schwierigkeiten aufgetaucht. In unterrich­teten Kreisen rechnet man deshalb mit einer Ent­scheidung über den Plan nicht vor Ende des Som­mers. Der Plan einer W i r t s ch a f t s konf e- renz zur Erörterung des Planes soll auf ge­geben worden sein, dagegen wird der Gedan­kenaustausch auf diplomatischem Wege fortge­setzt werden.

Englischerseits ist darauf hingewiesen worden, daß die englische Regierung bis zum Abschluß der Ende Juli in Ottawa stattfindenden Reichs­konferenz zu dem französischen Plan nicht endgültig Stellung nehmen könne, da die Wirtschaftsbeziehungen Englands zu den eu­ropäischen Staaten wesentlich von dem Ausgang der Reichskonferenz beeinflußt würden. Im Falle einer grundsätzlichen Verständigung zwischen Eng­land und den Dominien könne England un- m ö glich den europäischen Mächten dieselbe Bevorzugung wie den Do­minien gewähren. Außerdem besteht die englische Regierung darauf, daß aus der Durch­führung des französischen Planes einer and e- reneuropäischenGrotzmachtkeinSvn- dervorteil erwachsen dürfe.

I t a l i e n i f ch e r s e i t s ist man nicht gewillt, aii] die aus dem italienisch-ungarischen und dem kommenden italienisch-österreichischen Handelsab­kommen herrührenden Vorteile zu verzichten. Von italienischer Seite soll ferner die Einbezie­hung von Griechenland und Bulgarien in den französischen Plan gefordert worden sein. Von rumänischer Seite ist darauf hingewiesen worden, daß Rumänien nicht auf die aus dem deutsch-rumänischen Handelsver­trag sich ergebenden Vorteile verzichten könne. Daher könnten vhneZustimmungDeutsch- l a n d s grundlegende Reuregelungen in den Be­ziehungen zwischen Rumänien und den Donau­staaten nicht geschaffen werden.

Das Arbeitsbeschaffungsprogramm des Reichswittschastsrats.

Berlin, 15. März. (VDZ.) Der Zentralaus­schuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats hat das Problem der Arbeitsbeschaffung beraten. Die Beratungen haben ihren Abschluß mit der Auf­stellung eines Rahmenprogramms gefunden. Der Reichswirtschaftsrat ist sich dar­über einig, daß für ein solches Arbeitsbeschaf- fungsprogramm nur zusätzliche Arbeiten in Frage kommen und daß diese Arbeiten zugleich eine wirtschaftliche Rentabilität ge­währleisten müssen, die ihre Finanzierung bei der gegenwärtigen Lage der öffentlichen Finan­zen wie der Reichsbank rechtfertigt. Er hat keine Zweifel daran, daß die Finanzierung zunächst jedenfalls nur unter Mitwirkung und Hilfestellung derReichsbank lösbar ist. Anter voller Würdigung der Bedenken gegen eine solche Finanzierung von Arbeiten, die unter nor­malen Amständen durch langfristige Anleihen zu ermöglichen wären, hat der Reichswirtschaftsrat ein Programm ausgestellt, das Arbeiten auf den Gebieten der Reichsbahn, Reichspost. des Straßen­netzes, des Hochwasserschuhes, der landwirtschaft­lichen Meliorationen und der Milchwirtschaft so­wie der Hausreparaturen umfaßt und die Förde­rung der kommunalen Arbeitslosenfürsorge unter bestimmten Bedingungen empfiehlt. Der Reichs­wirtschaftsrat ist sich bewußt, daß heute niemand voraussehen kann, ob es möglich ist, durch ein solches Arbeitsbeschasfungsprogramm bereits den Weg für einen neuen Anstieg der Konjunktur zu bereiten. Er hofft aber, daß feine Durchführung einem weiteren Produktionsverfall vorbeugen und der deutschen Wirtschaft den Weg durch ein Tief von bisher noch nicht ge- toefen||p Ausmaß offnen werde.