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15.12.1932 Erstes Blatt
 
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Oos Echo in Washing'on.

Washington. 14. Dez. (TU.) Die belgische Zahlungsweigcrung, die französische Kabinettskrise und die Aussicht, daß weitere Schuldner ihre Zahlungsunfähigkeit erklären, hat die politische Lage sehr getrübt. Fest steht zur Zeit nur. daß England, Italien und die Tschechoslowakei die De- zcmberraten bezahlen werden. Man nimmt an, daß die Frage, ob die Dezemberraten (soweit sie überhaupt geleistet werden) auf die Pauschal- schlußzahlung anzurechnen seien, erstnachRoo- sevelts^ Amtsantritt beantwortet werden könne. Cs wird deshalb erwartet, daß Hoovers Kriegsschuldenbotschaft an den Kon­greß nichts weiter als die Mitteilung über die in Washington eingegangenen diplomati­schen Noten enthalten wird. Während die Haltung Englands im Kongreß nach wie vor auf ein gewisses Verständnis stößt, hat die französische Zahlungsweigerung in amtlichen Kreisen Washingtons wie eine Bombe «ingeschlagen, do sie gehofft hatten, daß Frankreich noch im letzten Augenblick zahlen würde. Die französische Entscheidung wird in politischen Kreisen als ein schwerer Fehler betrachtet, die eine später zu erwartende Kriegs­schuldenrevision nahezu unmöglich mache. In Kongreßkrcisen ist man über Frankreichs Weige­rung erbittert und weist erneut daraufhin, daß die Negierung der Vereinigten Staaten bereits drei Viertel der französischen Kriegsschulden g e- st r i ch e n habe. Ferner wird gesagt, daß Frank­reich am wenig st en von ber Ärife be­troffen worden sei, Goldvorräte auf­gespeichert habe und st ungen finan­ziere, so daß es ohne weiteres zahlen könne. Cs wird anerkannt, daß die französische Entschei­dung politischer Natur sei, andererseits aber dar­auf hingewiesen, daß Frankreich, selbst ein Groß- gläubiger, einen gefährlichen Präze­denzfall für die Schuldner Frank­reichs geschaffen habe.

Die Negierung der Vereinigten Staaten wird offiziell die Nichtzahlung der französischen De- zember-Nate ignorieren. Das amerikaniiche Schatzamt wird von den am 15. Dezember fäl­ligen Schuldenzahlungen nach Lage ber Dinge öier Fünftel einka,fieren rönnen. Der Erhalt von 98,3 Millionen Dollars ist bereits praktiich sicher, währenb 26,6 Miläonen Dollar zweifel­haft sind. Auf der Liste der zahlreichen Länder steht England mit der weitaus größten Summe (95,5 Mill. Dollars) an der Spitze. Die fran­zösische Zinszahlung, die nach dem Sturz der Negierung Herriot voraussichtlich nicht geleistet wird, beläuft sich auf 19,26 Mill. Dollars.

Belgiens Zahlunqsweigerung

Brüssel, 14. Dez. (CNB ) Die Weigerung der Regierung, an die Bereinigten Staaten zu zahlen, findet in der öffentlichen Meinung einhelligen Beifall und wird von verschiedenen Blättern mit begeistertem Bravo begrüßt.Wenn die Amerikaner unter allen Umständen für ihre Kriegs­lieferungen bezahlt werden wollen, so mögen sie sich nach Berlin wenden: wir zahlen nicht, cs wäre zu dum m", schreibt die liberale Gazette".Indöpendance Beige" schreibt:Bel­gien kann nicht zahlen, weil Deutsch­land nicht erfüllt, und seine Nichterfüllung ist die Folge des wiederholten Eingreifens der Bereinigten Staaten."

Es ist viel bemerkt worden, daß der Abgeordnete Franklin-Bouillon in der entscheidenden Nachtsitzung der französischen Kammer als erster in der Lage war, die belgische Entschei­dung zu kennen und in die Waagschale zu wer­fen. Zweifellos kam die Zahlungsverweigerung Belgiens der französischen Opposition gegen das Kabinett fterriot sehr gelegen. Man spricht hier von einem inneren Zusammenhang zwi- schen der belgischen Zahlungsverweigerung und der Entscheidung der französischen Kammer.

Die Preußenfrage.

Keine Aussicht auf schnelle Lösung.

B e r l i n , 14. Dez. (BDZ.) Die Koalitionsbe­sprechungen in Preußen sollen in einem größeren Rahmen fortgesetzt werden. Zwischen dem national« sozialistischen Landtagspräsidenten Serri und den deutschnationalen Abgeordneten v Winterfeld und Borck fand bereits eine Besprechung statt, an der später auch der nationalsozialistische Frak- tlonsvorsitzende K u b e teilnahm

Der Borsitzende der Deutschnationalen Landtags- fraktion. Dr. von Winterfeld, hat dem Land- tagspra-sidenten Kerrl folgende Mitteilung zugehen lassen:Die deutschnationale preußische Landtags­fraktion ist aus grundsätzlichen Erwägungen zu einer Beteiligung an der oorgeschlagenen Regie­rung in Preußen zur Zeit n i d) t bereit. Die präge der Mög ichkeit einer Zusammenar- beit mit bem Zentrum, mit dem Berhand- lungen unsererseits nicht stattgefunden haben, braucht hier nicht erörtert zu werden, denn die Ablehnung der Regierungsbeteiligung muß schon deshalb erfolgen, weil wegen der grund­sätzlichen Oppositionsstellung der NSDAP, gegen das Reichskabinett nicht die Gewähr dafür gegeben ist, daß mit Bit- düng der geplanten preußischen Regierung kein neuer Gegensatz zwischen Reich und Preußen und kein neues verhängnisvolles Gegeneinander der Reichsreaierung und der preu- ßvfchen Regierung wieder in Erscheinung treten würde."

Ofienbat besteht bei den Nationalfozia- l ist en, die den jetzigen Reichstagspräsidenten Göring für die Ministerpräsidentschaft nomi­nieren, Steigung zu einem gew.fsen Entgegen­kommen insofern, als sie bereit wären, die Ver­bindung mit dem Reich durch ein Mitglied des neuen preußischen Kabinetts herzustellen. Sie denken aber nicht daran, diese Aufgabe dem Ministerpräsidenten zu übertragen. Den preußi­schen Innenminister zum Verbindungsmann zu machen, würbe aber nicht ausreichen, um das Reich zur Aufhebung feiner Maßnahmen zu ver­anlassen, und damit blieben die Voraussetzungen des Zentrums für seine Veteiligung unerfüllt. An eine Lösung der Preußensrage ist deshalb zum mindesten nicht vor der nächsten Tagung au benten, die Mitte Ianuar beginnen soll.

Oie NSOAP. und das Kabinett Schleicher.

15.Dez. (CNB. Funkspruch.) Zu ?^»?^?^-^^L°ushaltausschub des Reichs.

Nationalsozialistische $° ?JL0 "den). wenn der Nationalsozial,ft Veinhardt bestimmte Vorschläge gemacht habe.

so sei dies lediglich geschehen, um der furcht- baren Not der Arbeitnehmermassen zu steuern und unter Ablehnung einer sturen Verneinung Wege e'ir Behebung dieses Elends zu finden. Hierdurch *olle keineswegs dem Kabinett Schleicherein Ausweg aus der Situation" gebahnt werben. Es werlxr jetzt der Reichsregierung Gele­genheit gegeben, diesozialen Sünden ihrer Vorgängerinnen wieder gutzumachen". In welchem OTafjc dies geschehe, davon werde die Stellungnahme der not orialsozia istischen Reichs­tagsfraktion im Ianuar abhängen. Verwei- gere sich das Kabinett Schleicher dieser nationalen und sozialen Pflicht, dann werde allerdings die Entwicklung zur Auflösung des Reichs­tages führen. Alles andere seien Phantasien. Damit erledige sich auch die Kombination, die Na­tionalsozialisten würden mit Hilse des Neichstags- präsidenten Göring versuchen, die Tagung des Reichstages bis in den März hinein aufzuschieben. um auf diese We.se der Not­wendigkeit einer Stellungnahme zur Negierung Schleicher -enthoben zu sein.

llmorgamsaston der ASÄAP.

Gaus hrer Lenz-Hessen tritt zurück.

München, 14. Dez. (CNB.) Der National­sozialistischen Korrespondenz entnehmen wir fol­gende Anordnungen Hitlers über den Neu­aufbau der politischen Organisa­tion ber NSDAP.: Die Abteilung für Volksbildung, bisher in der Hauptabtei­lung 3 der politischen Organisation, wird von dieser gelost und von jetzt ab der Neichspropa- gandaleitung unie stellt. Die i n n e r p o l it i s ch e Abteilung, bisher in der Hauptabteilung 3 der politischen Organisation wird aus dieser ge­löst und der Rechtsabteilung der Reichsleitung zugewiesen. Der agrarpolitische Appa­ra t der NSDAP., sowie die ihm angeschlossenen Abteilungen der Ncichsleitung der NSDAP, wer­den aus der Neichsorganisationsleitung heraus­genommen und Adolf Hitler unmittelbar unter­stellt. Mit der Leitung beauftragt dieser den Parteigenossen R. Walter Darre. Alle übrigen

landwirtschaftlichen und agrarpolitischen Organi­sationen, Verbände, Vereine usw. der NSDAP, werden entweder von Darre neu bestätigt oder aufgelöst.

Die Neichsinspektionen I und II werden auf­gelöst. Statt ihrer werden die Landesinspekteure und Gauleiter mit dem Posten von Kommissaren größerer Gebiete betr u.. Komm'.ssargauleiter Iakob Sprenger übernimmt an Stelle des wegen Krankheit zurückgetretenen Gau­leiters Lenz den Gau Hessen in vorüber­gehende kommi,sarische Verwaltung. Walter Darre und Dr. R. Ley werden zu Amts­leitern der NSDAP, ernannt.

*21110 aller Welt

Mil ber wcihnachtskasse burchgebrannl.

Bei der seit 20 Jahren bestehenden Weihnachts­sparkasse in Ktingenberg am Main sollten dieser Tage die Spargelder an die Einleger ausgezahlt werden. Es stellte sich heraus, daß rund 2000 Mark fehlten Der Kassierer Anton Becker ist ver­schwunden. Die Borstandschaft des Sparvereins ist bemüht, trotzdem die Spargelder voll auszuzahlen. Die Mitglieder find meist kleine Leute, die sich ihre Notgroschen für Weihnachten sauer erspart haben.

Horry picl im Komps mit einem Geisteskranken.

Vor der Berliner Villa des Filmschauspielers Harry Piel in Westend kam es zu einer Schreckens­szene. Ein 24 Iah re alter Paul Hauck, der den bekannten Schauspieler sprechen wollte, aber ab­gewiesen wurde, geriet darüber so sehr in Wut, daß er mit einem mitgebrachten Beil Piels Auto fast vollständig zertrüm­merte und sich dann gegen den Sohn eines Nachbarn Harry Piels sowie ge­gen diesen selber warf. Nach heftigem Kampf konnte der junge Bursche, der offenbar geisteskrank ist, überwältigt werden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, daß man Hauck schon ein paar Tage zuvor vor der Villa beobachtet hatte. Er war erst vor 14 Tagen aus Augsburg nach Berlin gekommen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Das Buch im Schaufenster.

Bon Peter Sauer.

Die Landschaft des späten Iahres hat keinen Reiz mehr. Sie gleicht einem Vogel in der Mauser, der seinem bunten Federkleid nach­trauert, und sie wartet auf Schnee, um unter einer dichten Decke aus weihen Flocken ihre Dürftigkeit und Leere verbergen zu können.

Da g:ben wir einstwellen der Stadt den Vor­zug, d.e alles ^ut, uns in ihre Straßen au ban­nen. Die Schaufenster überbieten eina-A'r mit ihren Ausstellungen, die jeden Wunsch er;allen und den verwöhntesten Geschmack zu curzücken vermögen.

Das trifft besonders für die Schaufenster der Buchhandlungen zu, die reicher und mannig­facher als je im Iahre ausgestattet sind. Denn keine Zeit zeigt sich dem Buchabsatz günstiger, als die Nähe des Weihnachtsfestes, das als Fest des gegenseitigen Schenkens wie kein zweites auch ein Fest des Buches ist.

Ein Gewimmel von Bänden großen und kleinen Formates, imponierender Dicke und schmächtiger Schmalheit lockt und erregt mit bald geheimnis­vollen, bald verräterischen Titeln, die in bunter Ausmalung auf den Umschlägen prangen. Zeich- nungen und Bildnisse, oft skizzenhaft flüchtig, zu­weilen filmartig ausführlich, dramatisch oder grvtek, steigern die Neugierde. Neue Verfasser- natnen m'schen sich unter bekannte und geschätzte Autoren, die den Ertrag einet fleißigen Iahres- arbeit darbieten. Die Romane sind in der Ueber- zahl. Das alte und doch ewig neue Thema der Liebe kehrt in den mannigfachsten Variationen wieder, wie aus vielen Titeln herauszulesen ist. Daneben überraschen Titel, die einen kühnen Griff in das Kernproblem unserer Tage, in die herrschende Wirtschaftskrise, ernennen lassen. Der Passionsweg der unverschuldeten Arbeitslosig­keit wird hier zu gestalten versucht. Das Sch.ck- sal eines neuen Menschentyps, dessen tragische Existenz heute nicht vereinzelt ist, sondern mil- lionenfach sich wiederholt. Nicht nur in Deutsch­land, sondern in fast allen Bezirken der Erde. Es ist der Mensch, der Zeit hat. Der mit einem Male das in Fülle und in einer kaum über­sehbaren Folge von Wochen, Monaten und Iah­ten besitzt, was dem Vor.riea'mrbe ter noch y- stes Ziel, immerwährende Sehnsucht war, weil es ihm Glück und Seligkeit dünkte.

«... uns fehlt nur eine Kleinigkeit, um frei zu sein, wie die Vögel sind:

Nur Zeit", so sagt der Arbeitsmann in Richard Dehmels glei.chnam-.gem Gedicht, nachdem er vorher auf- gezahlt, was er alles hat:Ein Weib, ein K-nd und sogar Arbeit, sogar zu zweit". Man hort eine he.milche Trauer, eine leise Klage im Unter­ton iittern, wenn er bekennt: uns fehlt ja h* ß.eit! Und nun: welche Umkehrung aller Derhaltm.se! Millionen sindfrei wie die r-^r-_J:n^ , un$ lehlt ihnen nur eines, um F '« n: Arbeit! Arbeit ist Glück, Zeit lst es nicht mehr. Der Arbeitende, nicht der Be- schaftigungslose darf frohlocken. Zeit haben heißt in Not (e:n, vor allem auch in seelischer Not Kleiner Mann, was nun?" Weiß eines der alsArbeitslosenroman" gewerteten Bücher eben Wey. einen Ausweg für ihn?! Es wäre eines Maisenerfolgs sicher, denn das deutsche Buch ist billig, das billigste in der Welt.

Man kann unter seiner Führung nach Indien und Afrika reifen, ohne Strapazen, ohne umständ­liche Vorbereitungen, ohne viel Geld. Die Reise- und Abenteurerbücher der Forscher und Wclt- umsegler bieten anregendste Unterhaltung. Der romantische Reiz der fremden Landschaften, das Ungewöhnliche im Umgang mit unbekannten Menschen, d.e Ueberraschungen und Gefahren die Spannungen und Aufregungen bei tausend Erlebnissen, das alles verdichtet sich zu einem Vergnügen seltenster Art und nachhaltigster Wir­kung.

Daß die Iugend nicht zu kurz zu kommen braucht, steht man an dem Aufmarsch der Bilder-, Märchen- und Fahrtenbücher, sowie der Aben- teurer-Nomane für das vorgeschrittene Alter. Schon dem Kleinsten schenkt man entzückende Bil­der unserer Umwelt, die ihnen Helles Iauchzen entlocken müssen. Und die alten Märchenszenen Imb vom Bildlünstler so neu in der Auffassung

und so berückend schön in den Farben dargestellt, daß s:ch noch Erwachsene von ihnen bezaubern lassen. Der Buchhändler hat einige von den Büchern aufgeschlagen, um einen Einblick in ihre Schönheit zu geben. Was muß auf den un­sichtbaren Seiten noch alles versteckt fein?

Ein Schaufenster mit Büchern ist wie eine ge­deckte Tafel: man bekommt Hunger nach allem Möglichen, je länger man davor verweilt.

Deutsche Kriegergräber im Westen.

Die Ortsgruppe Gießen des Dolksbundes Deutsche Kriegsaräberfürsorge vcranstalt te gcstern abend im Großen Hörsaal der Universität einen Vortragsabend, der täe Zuhörer an die ehe- malige Westfront führte. Lankgerichtsrat Trüm- P e r t hielt eine kurze Begrüßungsansprache. Man habe es erhebend empfunden, so führte er aus, als im Jahre 1914, im Willen das Vaterland zu ver­teidigen eine Einigkeit zutaae trat. Leider habe sich dieser Zustand geändert. Wir stünden mitten im Zwiespalt Aber in dieser schweren Zeit müsse es etwas geben, was das Volk einige: die Erinnerung an Taten und große Zeit, die Erinnerung an die Toten, de in fremder Erde ruhen. Der Volksbund habe es sich zur großen Aufgabe gemacht, die Fried­höfe in Patenschaft zu Übernehmen . und auszu- bauen. Gegenwärtig schweben Verhandlungen, um auch für die Provinzen Oberhessen und Starken­burg einen solchen Friedhof, und zwar jenen von Dun für Meufe, zu übernehmen. E; handelt sich dabei um einen Friedhof, der ursprünglich in der Etappe lag und zum großen Teil diejenigen aufnahm, die mit schweren Verwundungen aus dem Kampfgebiet von Verdun kamen und verstarben. Der Friedhof sei landschaftlich schön gelegen und es bedeute eine dankbare Aufgabe, ihn auszubauen. Mit der Aufforderung, durch den Beitritt zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an dieser Arbeit mitzuwirken, schloß Landgerichtsrat Trum- pert seine Ansprache.

An Hand zahlreicher Lichtbilder führte sodann Herr Z i n s e l (Darmstadt) in die Kampfgebiete der ehemaligen Westfront. Die siebentägige Reise führte über Koblenz durch die Eifel nach Aachen, bei Eupen durch die deutsch-belgische Grenze nach Löwen, Brüssel, Gent, Brügge und Ostende und von dort aus wieder südlich So sah man dann bas flandrische Land, hörte von den beispiellosen Kämpfen, von denen die vielen Friedhöfe Zeugnis ab legten. Der Redner führte die Zuhörer zunächst nach Langemarck, zeigte in vielen Bildern den Friedhof der Studenten, die mit dem Deutsch'and- lieb auf den Lippen die Gräben der Feinde stürm­ten und die nun ein würdiges Ehrenmal in der Erinnerung wachhält. Die Reise führte weiter nach Vpern, nach Lille und zur Lorettohöhe, schießl ch aus den größten deutschen Friedhof von Maison Blanche, der 36 000 deutsche Soldaten birgt. Arras, Laom Chemin des Dames, Reims, Namen, die mit der Gefch chte des Weltkrieges auf das engste ver­knüpft find, klangen auf, Lichtbilder führten an die Stätten der Zerstörung, zeigten die endlosen Grä- berreshen, die die Grüße des Opfers bewußt wer­den ließen. Man hörte bann noch von Verbun, sah bie letzten Ueberreste ber Dörfer Fleury unb Vaux, bie zerschossenen Kasematten unb Festungsanlagen, bie Stadt selbst, die blutgetränkte Erde ringsum unb die vielerlei Gebächtnisstätten für die Hundert­taufende ber Gefallenen, bie Freunb und Feind aus diesem größten Schlachtfeld des Weltkrieges opferten In der Reihe der Bilder sah man auch eine Aufnahme von dem Friedhof Dun für Meuse, ber von den Provinzen Oberhessen und Starken- bürg als Patenfriedhof übernommen werden soll.

.ber ®e^an- führte der Redner die Zuhörer wieder in die Heimat und bat zum Schluß auch seiner- seits, die Arbeit des Dolksbundes Deutsche Kriegs- graberfurforge zu unterstützen, um so teilzuhaben an der würdigen Ausgestalllmg der deutschen Krie­gergräber in fremder Erde. Die Zuhörer folgten bem Vortrag mit großer Aufmerksamkeit.

Gießener Wochenmarktpreise.

e n, 15. Dez. Es kosteten auf dem heu- das Pfund: Süßrahmbutter J3°, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bss 30 Wirsing, grün 8 bis 10, Weißkraut 6 bls 8 Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Ruben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unter- Mrabl 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Kldsalat 100, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 60 Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepsel 18 bls 35, Dirnen 20 bis 35, Dörrobst

L^rnonzcn.

Tageskalender für Donnerstag: Oberhess. Kunstverein, Turmhaus am Drandplatz, 15 bis 17 Ahr, Ausstellung. Gießener Kon­zertverein, 20 Mr, Llniversitätsaula, Konzert: Lubka und Chrystia Kolefsa. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:(Sine von uns." Astoria-Licht- spiele, Seltersweg:Tod über Schanghai".

35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Gänse 70 bis 80, Enten 80 bis 90, Nüsse 35 bis 43; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 63. ausländische Eier 12 bis 14. inländische 14, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 35 Pfennig, der Zentner: Kartoffeln 2,50, Weißkraut 4, Rotkraut 6, Wirsing, grün 6 Mark.

Daten für Donnerstag, 15 Dezember.

1775: der Komponist Franxois Adrien Boildieu in Rouen geboren; 1784: der Schauspieler Ludwig Dcvrient in Berlin geboren; 1832: ber franzö­sische Ingenieur Alexandre Gustave Eissel in Dijon geboren.

** Reparaturhypotheken bei ber SonbergebäubFsteuer Nach einer Rund­verfügung des Präsidenten des Landesfinanzamts ist eine Reparaburhypothek bei der Sondergebäude- fteuer nicht zu berücksichtigen, wenn sie an einem außerhalb Hessens gelegenen Grundstück bestellt ist.

** Die Bestimmungen über Reichs­baudarlehen für Eigenheime sind in einer umfangreichen Bekanntmachung im neuesten Amtsoerkündigungsblatt des Kreisamtes Gießen enthalten. Gleichzeitig werden dort die von der hessischen Regierung erlassenen Durchführungsbe­stimmungen veröffentlicht. Interessenten seien auf diese Bekanntmachung aufmerksam gemacht.

** Baumschnitt und Telegra phen- lei tun gen. Zum Schutz der Telegraphen- und Fernsprechleitungen werden durch eine Bekannt- machung des Kreisamts Gießen im neuesten Amts- verkünd gungsblatf die Besitzer von Baumpflanzun- gen längs von Telegraphenlinien aufgefordert, ge- letzentl-ich der im Herbst dieses und im Frühjahr nächsten Jahres stattfindenden Ausästungen die Bäume |o weit zurückzuschneiden, daß Berührungen mit den vorbeiführenden Telegraphen- und Fern- sprechleitungen auch b<:m raschen Wachsen der Bäume ausgeschlossen bleiben.

** Zum Fleischbeichauer unb Tri- chinenschauer ernannt wurden: Tierarzt Dr. Erb in L.ch für die Gemeinde L-ich, Wilhelm K r a u s ch in Muschenheim für die Gemeinden Muschenheim unb Arnsburg, Robert Hahn in Obbornhofen zum Fleischbeschauer von Obborn­hofen.

** Die Maul- unb Klauenseuche ist in Nieber-Erlenbach (Kreis Friedberg) er­loschen. Die Sperrmaßnahmen wurden aufgehoben.

" Devisenvorschriften über den Reiseverkehr von und nach Tirol. Für die Einfuhr von Zahlungsmitteln nach Oesterreich " besteht keinerlei Beschränkung. Eingeführte Be­träge sind an der Grenze bestätigen zu lassen, da die Ausfuhr von Zahlungsmitteln auf die im Paß bei der Einreise vermerkten Beträge beschränkt ist. Ohne eine solche Eintragung dür­fen ausländische Zahlungsmi! el (Mark, Cireifjo.) nur bis zum ©egentn- von höchstens 530 Schil­lingen aus Oesterr ch aasgeführt werden. Die Ausfuhr von osterre... ^)en Schillingen ist aus­nahmslos auf höchstens 230 Schillinge beschränkt. Für den Grenzausslugsverkehr gelten die glei­chen Bestimmungen. Für Reisen von Deutschland nach Oesterreich dürfen außerhalb der Freigrenze von 200 Mark noch Schillinge bis zum Betrage von 1000 Schillingen in Form von 1. Reise­schecks (erhältlich in Abschnitten von 50 Schilling und 100 Schillingen bei den Re'sebu.eaus), 2. Nom nei. lag b chern der Lest.rr ich scheu P)st- sparkaife (erhältlich bei den Postanstalten oder Reisebureaus) oder in Form von 3. Kreditbriefen, Akkreditiven (erhältlich bei den Banken) mit­genommen werden.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 14. Dez. Ein auswärts wohnender Handwerker, der den Offenbarungseid leisten mußte, hatte in dem von ihm bei dem Amts­gericht eingereichten und vor diesem beschworenen Derniogensverzeichnis ein Grundstück, das ihm zu einem Bruchteil als Eigentümer gehörte, nicht aufgeführt. Seine Angaben, er habe von seinem Eigentumsrecht an diesem Grundstück nichts ge­wußt, schenkte das Gericht keinen Glauben. Es nahm aber zu seinen Gunsten an, daß er nur fahrlässigerweise, und nicht absichtlich es unter» lassen habe, vor Leistung des Offenbarungseides die nötigen Erkundigungen einzuziehen. Wegen fahrlässigen Falscheides wurde er zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Ein arbeitsloser Schlosser, der wegen Dieb­stahls schon wiederholt vorbestraft ist, hatte sich wiederum wegen mehrerer von ihm begangener Diebstähle zu verantworten. Die sich ihm bieten­den Gelegenheiten benutzte er wieder, um sich fremde Sachen rechtswidrig zuzueignen. Er war geständig, einem Bekannten einen Photographen­apparat entwendet zu haben. Außerdem wurde er des Diebstahls eines Mantels, einer Schuß­waffe und einer Taschenuhr überführt. W?gen dieser Diebstähle und wegen verbotenen Waffentragens wurde gegen ihn auf eine Gesamtstrafe von einem Iahr Gefängnis erkannt.

Wegen Gefährdung der Sittlichkeit wurde unter Ausschluß der Oefsentlichkeit gegen eine Gast- toirtin von auswärts, die unter der Anklage der Kuppelei stand, verhandelt. Die Angrllaate wurde

Gefängnis verurteilt. Das

. erwiesen an, daß sie aus Eigen-

nuh,>wubt 'dr Lokal zu älnzuchtszwecken zur Verfügung gestellt hatte. 0

SriefToften der Redaktion

.J>- ^-^Tourenzahlen für bie einzelnen Ma- r- -ölende: Hobelmaschine 4000, Kreis-

U^00 (Sageblatt-Durchm.fs.r 300 Millimeter),

l*Cr ..^m->revu g . Angenommen

u um Maschinen für einen

Holzbearbeitungsbetrieb handeln soll.

Kunst unb Wissenschaft.

Großer Stückpreis für Maler.

®«r Wettbewerb um den Großen Staats« Preuhischen Qltabentie Äünfe $*alT lst letzt entschieden worden. Der Große Staatspreis wurde dem Maler Alfred Kitzia tn Berlin-Charlottenburg verliehen. Die Wett- b^Ärb6-itCx tocÄin öen Ausstellunassälen

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