Ausgabe 
15.12.1932 Erstes Blatt
 
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Donnerstag, 15. Dezember 1952

182. Jahrgang

Nr. 205 Erstes Blatt

Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Frankreichs,,Nein".

Gewinnt in der Politik wirklich immer der­jenige das Rennen, der am längsten seine Rerven- kraft bewahrt? Ter französische Zah­lungsstreik, der soeben durch einen sensatio­nellen Beschluß der französischen Kammer ausge- brachen ist, wird unter Beweis stellen, wo man über die größte Ruhe, aber auch über die größten Machtmittel verfügt. Genau 24 Stunden vor Fälligwerden der Schuldenraten an Amerika haben England und Italien erklärt, daß sie auf jeden Fall die fälligen Zahlungen überweisen wer­den. Um die gleiche Stunde aber ging in der französischen Kammer eine Sitzung zuende, in der zum erstenmal nach dem Weltkriegsende ein Sicgervoll die offene Weigerung spricht, dem ehemaligen Bundesgenossen noch nach den Abmachungen aus der gemeinsamen Kampf­zeit Schulden zu zahlen. Wit 402 gegen 187 Stim­men ist Herriot überstimmt worden. Es nützte nichts, daß er sich um 3 Uhr nachts in D/»stündiger Rede zu dem beschwörenden Satze verstieg: ^Frankreich mutz seine Unter­schrift anerkennen, wie es dies so ost von Teutschland verlangt hat! Zt^i Stunden daraus war das erste und grundsätzliche Rein gefallen, das eine europäische Macht dem hartherzigen Gläubiger Amerika zuruft. Das bel­gische Kabinett ist einstimmig diesem Entschluß, nicht mehr zu zahlen, beigetreten Mag Herriot wiederkehren oder nicht, der Konflikt ist dL Und es ist gut so, datz er da ist. Und es ist noch besser, datz er von Frankreich heraufbeschworen wurde, jenem Frankreich, das seither auf die Heiligkeit der Verträge" Pochte und in drei Wochen sind es zehn Jahre her im Januar 1923 in das Ruhrgebiet einmarschierte, weil Deutschland in der Lieferung von Telegraphen­stangen im Rückstand geblieben war.

Es handelt sich am 15. Dezember um folgende Zahlungsverpflichtung: bei England um 95,7 Millionen Dollar, bei Frankreich um 19 3 Millionen, bei Italien um 1,25 Millionen Dol­lar bei Belgien um 1.8 Millionen Dollar Halw jahreszinsen. Insgesamt haben England noch zu zahlen 32C0 Millionen Dollar, Frankreich 1700 Millionen Dollar, Italien 420 Millionen Dollar, Belgien 190 Millionen Dollar. Das sind ins­gesamt 5510 Millionen Dollar oder rund 23 Milliarden Mark, die Europa noch bis zum Jahre 1987 an Amerika zu zahlen hat. Theoretisch stünden den Zahlungen weder von Seiten der Franzosen noch der Engländer Schwie­rigkeiten entgegen. Praktisch aber hat sich Frank­reich zu dem Standpunkt bekannt, daß es an­gesichts der völlig veränderten wirtschaftlichen Situation kein Beharren mehr geben darf auf Verträgen, die unter ganz anderen Voraussetzun­gen im Verlauf des Krieges oder kurz hinterher abgeschlossen wurden. Psychologisch hat man in Frankreich immer schon unter dem amerikanischen Vorwurf gelitten, es seien die Amerikaner mit ihren unverbrauchten Kräften und ihren un- erschöpflichen Hilfsmitteln gewesen, die den Krieg gewonnen haben. Jetzt hat man Amerika end- gültig die Gefolgschaft aufgesagt. Frankreich w ill nicht mehr zahlen, und es nimmt alle Folgen aus dieser Weigerung in Kauf.

Die amerikanischen Zeitungen geben die frcmzo- fische Weigerung, fernerhin Schulden zu zahlen, unter der Ueberschrist wieder:Das Drama der internationalen Schulden." Dis zur letzten Mi- nute hat man in Amerika gehofft, die französische Kammer werde ebenso wie Italien und England der Zahlungsverpflichtung unter Vorbehalt zu- ftimmen. Die Kampfansage Frankreichs hat letzt wie eine Bombe eingeschlagen. Vergessen ist die Bundesgenossenschaft aus dem Krieg. Wirkungs­los sind alle französischen Propagandareisen in Len Vereinigten Staaten geblieben. Der neuge- wählte Kongreß ist ausgesprochen antifran­zösisch. Wenn bisher eine außenpolitische De­batte verhindert wurde, so nur deshalb, well man das französische Empfinden schonen wollte, ^eht aber wird diese Aussprache in Fluß kommen, und man wird in Frankreich allerhand zu Horen tue» gen. Man wird nicht davor zuruckschrecken,^Re­pressalien zu verlangen, und man wird den Boy­kott Frankreichs durch amerikanische Touristen pro­pagieren. Im Gegensatz dazu wird man bereit sein, England, Italien und den übrigen zahlungs­bereiten Ländern Europas Zugeständnisse zu ma­chen, an die man seither nicht gedacht hat. Ame­rika leidet Rot, seine Wirtschaft steht im Kampf, eine ungeheure Arbeitslosigkeit bedroht die öf­fentliche Ordnung. Alle amerikanischen Entschlüße werden auf die Volks st immung Rücksicht zu nehmen haben. Sie werden ausgesprochene Kampfcntschlüsse sein, und man darf sich keinem Zweifel darüber hingeben, datz es in Zukunft eine llare antifranzösische Front in Amerika ge­ben wird.

In Deutschland sollte man die Entwick­lung mit Ruhe, aber mit höchster Aufmerksam­keit verfolgen. An uns ist es, immer wieder zu erklären, datz die Schuldenfrage kein Problem für sich bedeutet, sondern datz sie auf das engste ver­bunden ist mit dem Abrüstungsproblem, der Gestaltung der Handelsbeziehungen, besonders im mitteleuropäischen Raum und der Stabilisierung derWährungeninden bedrohten Ländern. Deutschland kann, wenn es die Gunst der Stunde begreift, große Politik machen. Frankreich wird versuchen, eine euro­päische Gesamtfront gegen Amerika zustande zu bringen. Amerika wird nicht minder versuchen, über England und Italien Frankreich zu isolieren. Im nächsten Jahr findet die W e l t w i r t - schaftskonferenz statt und erlebt die Ab­rüstungskonferenz ihr entscheidendes Stadium.

Unfreundliches Echo der Fünfmächtekonferenz.

Oie Kleinen beklagen sich über die Gonderverhandlungen der Großmächte. Deutschland wieder im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz vertreten.

Spannung an der Adria.

Zwischenfälle in Dalmatien. - Heftige Erregung in Rom.

in englischer Sprache den Rednern für den Ausdruck der Sympathie. Die Reichsregierung werde ihre Mitarbeit auf der Aorüstungskonfe- renz nach Weihnachten wieder in vollem Um­fange aufnehmen.. Sie sei überzeugt, daß die praktische Anwendung der Fünfmächtevereinba­rung nicht auf neue Schwierigkeiten stoßen werde, die die deutsche Reichsreg:erung veranlassen würden, neue Entschlüsse zu fassen. Die Aussprache über die Fünfmächtekonferenz wurde damit abgeschlossen.

Rom, 14. Dez. (WTB.) Vorfälle in dem dal­matinischen Städtchen Trau in der Rähe von Spalato, wo von südslawischen Demonstranten Markus-Löwen zerschlagen worden waren, die dort die Erinnerung an die Herrschaft Venedigs an diesem Ufer der Adria wachhalten, haben die Oeffentlichkeit Italiens außerordent­lich erregt. Sämtliche Blätter der Hauptstadt Pro­testieren in heftigen Worten gegen die Vorgänge in Südslawien. Auch der Ausschuß der italieni­schen Eeschchtsinstitute hat in einem Telegramm an den Bürgermeister der italienischen Stadt Zara seiner Entrüstung Ausdruck gegeben. Im Senat fand eine erregte Debatte statt. Das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf den Bäillen der Regierung sah man Musso­lini und sämtliche Minister. Senator Ricci be­tonte, daß die Markus-Löwen in den dalmatini­schen Städten nicht nur Zeugnisse für das italienische Wesen Dalmatiens und wertvolle venezianische Kunstwerke, sondern auch Symbole der Treue gegenüber Ita­lien seien. Die Symbole habe man zerstören kön­nen, nicht aber die Treue. Die Oesterreicher hät­ten jederzeit die italienischen Kunstwerke re­spektiert. Die Serben aber hätten sich aufgeführt

Man rechnet damit, datz Lebrun den bisheri­gen Ministerpräsidenten auffordern wird, eine neue Regierung zu bilden, bezweifelt aber, datz herriot sich ohne weiteres dazu bereit erklären wird. Der Paris Solr meint, datz nach herriot Paul- Boncour oder Daladier mit der Regie­rungsbildung beauftragt werden dürften. Paul- Boncour würde in diesem Falle ein Kabinett ;u- fammenstellen, das dem gestürzten sehr ähnlich wäre, während Daladier versuchen würde, die So­zialisten an der Regierung zu beteiligen. Die na­tionalistischeLibertL" fordert ein nationales Mi­nisterium. Der .Temps" schreibt:Die Bedeutung der Abstimmung übersteige um vieles die der feier- Uchsten Abstimmungen, die nach dem Kriege statt­gefunden hätten. Die französische Auhenpolitik werde morgen einKlima" antreffen, das von dem gestrigen verschieden sei.

Paris, 14. De;. (TU.) Die Mittwoch-Bespre- chungen des Staatspräsidenten mit führenden Par­lamentariern, die am Donnerstag fortgesetzt werden, haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Am Mittwoch empfing Lebrun den Führer der Sozialisten, Blum, und anschließend den ehe­maligen Ministerpräsidenten Tardleu. Leon Blum erklärte, nach seiner Auffassung dürfe die Lösung der Krise nur in der Wiederaufnahme der Fühlung mit denjenigen Parteien gesucht werden, die die bisherige Kammermehrheit bildeten. Die Sozialisten ständcn jeder Konzen- tratiou ablehnend gegenüber. Auch lat- dieu glaubt nicht an das Zustandekommen einer Konzentration, die er noch nicht für reif hält. Die ftanzösisch-amerikanische Schuldensrage interessiere ihn viel weniger als die Genfer Verhandlungen, denen man bei der Neubildung der Regierung be­sonders Rechnung tragen müsse.

Die Kabineiisknsis in Frankreich

Lebruns Verhandlungen ohne Ergebnis.-Wird Herriot erneut betraut?

land zu fordern, wenn es an England bezahlen müsse. Cs könne sehr gut zahlen.

Lloyd George erklärte, die Franzosen hat­ten die wirkliche Lage viel schneller be­griffen, wenn sie zu den Amerikanern sagten, daß sie erst einmal verhandeln wollten, ehe sie zahlten. Lloyd George bedauerte, datz der englische Schahkanzler nicht vor der Zahlung mit Amerika verhandelt habe. Rötigenfalls hätte er bis zur Amtsübernahme durch Roo» seveltwarten müssen. Der Schahkanzler hatte die Zahlung nur vorbehaltlich der Ergebnisse spä- terer Besprechungen machen dürfen. So habe sein Fehler dem Lande rund 30 Millionen Pfund ge­kostet. Deutschland habe zwei Milliarden Pfund bezahlt, seiner Ansicht nach würde es unbillig fein, wenn man verlangen würde, daß es auch nur einen Pfennig noch zahlen solle. Da­durch, daß Amerika die U n t e r s ch r i f t Wil­sons nicht anerkannt habe, sei es zum Teil mitverantwortlich für die gegenwärtige Lage. Andernfalls würde sich vieles anders ent­wickelt haben.

Auchpolen inZahlungsverzug geraten?

Washington, 14. Dez. (WTB. Funkspruch). (Reuter). Die polnische Botschaft hat eine Erklä­rung veröffentlicht, in der Bedauern dar­über ausgedrückt wird, daß in der Frage der polnischen Schuldenzahlung an Amerika eine f ür beide Regierungen befriedigende Re gelung nicht erreicht worden sei. Au» dieser Erklärung wird der Schluß gezogen, daft Polen offiziell in Verzug geraten sei

Deutschland hat, entweder mit Italien und Eng­land, oder aber mit Frankreich, die Schlüssel­stellung in der Hand. Alle deutschen Entschei­dungen dürfen allein diktiert sein von dem Be­streben : LosvonDersailles und üi a> e r - beit für Deutschland I Frankreich hat uns vorgemacht, wie man feste Verträge außer Kraft fetzt. Amerika hat uns 1917 gezeigt, welchen Wert es hat, sich auf die siegende Seite zu stellen. Italien und England haben mehr als einmal in diesem Jahrhundert denSacroegoismo zum Schaden Deutschlands in die Tat umge,etzt. Deutschland wird zur gegebenen Zeit sichalsge - lehriger Schüler erweisen.

SchuldendebatteimLlnterhaus Churchill und Lloyd George kritisieren die Regierung.

London, 14.Dez. (TU.) Das Unterhaus er­örterte eingehend die Frage der Kriegsschulden. Schatztanzler Reville Chamberlain vertei­digte die Politik der Regierung und ihren Ent­schluß, die am 15. Dezember fällige Rate an Amerika abzuführen. Wenn Amerika einen 'Ver­treter nach Lausanne entsandt hätte, so wäre eine Regelung an Ort und Stelle möglich gewesen. Aus Gründen der Wahrheitsliebe habe die eng­lische Regierung nicht sagen können, datz sie die Zahlung nicht leisten könne, wenn sie nicht ge­zahlt hätte, so würde dies in der ganzen Welt einen schlechten Eindruck gemacht und nachteilige Folgen gehabt haben. Daher habe die Regierung

die Abrüstungskonferenz vor vollendete Tatsachen zu stellen.

In warmen Worten begrüßte der Vertreter Chinas, Ben, den deutscher Vertreter und be­tonte, daß ohne Teilnahme Deutschlands die Ab­rüstungskonferenz niemals zu einem Erfolg ge­langen könne. Zum Schluß brachte Henderson seine Genugtuung über die Rückkehr Deutsch­lands in die Konferenz zum Ausdruck. Der Ver­treter Deutschlands, Gesandter von Weiz­säcker, von lebhaftem Beifall begrüßt, dankte

beschlossen, die ganze Summe zu zahlen. Die Zah­lung bedeute eine ernste Schädigung der Dank­reserven, so daß man vielleicht ein Anziehen des Diskontsatzes erwarten könne. Dem Staatshaushalt entstehe ein Verlust von 29,5 Millionen Pfund, der teilweise durch den Gewinn an den niedrigeren Zinssätzen für Regierungs­papiere und teilweise durch Ausnutzung von Fonds die zur Abdeckung der inneren Kapital­schuld 'bestimmt gewesen seien, gedeckt werden soll. Dies könne wohl einmal gemacht werden, aber es könne nicht wiederholt werden. Genau so wichtig wie eine Regelung mit Amerika fei die Erhaltung des Lausanner Ab­kommens. _ . . ,

Churchill warf der Regierung vor, daß sie die Angelegenheit vollkommen falsch gehandhabt habe. Sein Wortschatz genüge nicht, um alle die schweren Fehler zu charakterisieren, die m vieler ernsten Angelegenheit gemacht seien. Das ßau- sanner Abkommen sei überha u p t k e t n e R e- a e I u n g weil es von einer zufriedenstellenden Regelung mit Amerika abhänge. Das Lau­sanner Abkommen sei der Ausgangspunkt einer -Reihe von weiteren erstaunlichen Forderungen Deutschlands geworden. Kaum sei Deutsch­land von den Reparationen befreit worden, habe es sofort neue Wünsche geäußert. Unter großem Gelächter der Abgeordneten sagte Chur- chill, daß das Schreiben von Roten an Amerika genau so sei, wie wenn man Roten an den Atlantischen Ozean schicken würde. Churchill rügte es, daß sich England mit Frankreich in der Kriegsschuldenfrage verbunden habe. Frankreich brauche keine weiteren Reparationen von Deutsch-

wie der Feind auf fremdem Boden. Das müsse man zur Kenntnis nehmen.

Für die Regierung antwortete, begeistert b-c- grüßt, M u s s o l i n i 's e l b st. Er wies darauf hin, daß der italienische Gesandte in Belgrad den Auf­trag erhalten habe, P r o t e st einzulegen. Darüber hinaus aber zeigten der Ausbruch der studentischen Jugend und die Kundgebungen des italienischen Dolles sowie entrüstete Stimmen im Ausland, wie die Vorgänge in Dalmatien ein^uschätzen seien. Mussolini ging neben den Zerstörungstaten von Trau auch auf serbische Mordanschlage auf Italiener in Dalmatien ein und be­tonte, es seien nicht vereinzelte Gruppen, die die Verantwortung für diese Vorgänge trügen, son­dern es handele sich hier um Anzeichen eines feindseligen Systems. Die wahren Schul­digen seien gewisse Elemente der politischen Eicke des Nachbarstaates, für die eine gegen Italien ge­richtete ft- und Verleumdungspropaganda den Versuch darstelle. Bindungen im Innern zu schaf­fen und im Ausland in einer Italien herabsetzen­den Weise zu arbeiten. Nach der Rede Mussolinis, die mit großen Begeisterungskundgebungen auf allen Bänken ausgenommen wurde, wurde die Sitzung geschlossen, um die Entrüstung über die Vorgänge in Dalmatien zum Ausdruck zu bringen.

Genf, 14.Dez. (TU. Funkspruch.) DerHaupt- ausschutz der AbrüstungskonfeveiA trat am Mllt- looch zum ersten Male seit dem Austritt Deutsch­lands zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, an der der deutsche Vertreter, Gesandter von Weizsäcker, wieder teilnahm. Präsi­dent Henderson verlas den Wortlaut der Vereinbarungen der fünf Groß­mächte vom 11. Dezember und. teilte dabei mit, daß die Großmächte beschlossen hätten, auch wei­terhin zu regelmäßigen Besprechungen der gro­ßen Streitfragen zusammenzutveten. Auf Wunsch Macdonalds werde er in Zukunft an diesen Be­sprechungen teilnehmen. Die Abrüstungs­konferenz trete jetzt in den abschließenden Der- handlungsabschnitt der praktischen Entschließungen ein. Deutschlands Rückkehr in die Abrüstungs- konfevenz wurde von Henderson nicht erwähnt.

Die Sitzung nahm einen bewegten Verlauf. Der erwartete Protestschritt kleinerer Mächte gegen die von den Großmächten außerhalb der Konferenz getroffenen Vereinba­rungen wurde von dem polnischen Vertreter eingeleitet. Graf R a c z i n s k i verlas eine schrift­lich formulierte Erklärung, wonach sich die pol­nische Regierung ausdrücklich das Recht Vorbehalte, ihren Standpunkt zu der Fünf- mächte-Dereinbarung in der Konferenz zum Ausdruck zu bringen. Dauerhafte Lösungen dürften in Zukunft nur unter Berücksichtigung der Interessen aller Staaten im Rahmen des normalen Verfahrens der Abrüstungs- konferenz getroffen werden. Die polnische Regie­rung habe keine Bedenken gegen die Hinzuziehung Hendersons zu gewissen Besprechungen einzelner Mächte, verlange aber, daß diese Besprechungen sich nicht zu einer ständigen Einrich­tung auswüchsen, de der Entscheidung der Abrüstungskonferenz vorgreifen könnten. Hender­son müsse ermächtigt werden, auch an den De- sprechuntzen anderer Mächte im Rahmen der Abrüstungskonferenz teilzunehmen.

Diesem Protest Polens schlossen sich Südfla- Wien, Griechenland, Rumänien, Uruguay, Spanien und Belgien unter dem lebhaften Beifall der Ver­sammlung an. Die Vertreter dieser Länder mach­ten offiziell Vorbehalte gegen jegliche Vereinbarung der Großmächte geltend, die außerhalb der Abrüstungskonferenz getrof­fen würden und durch die d'.e Kon.ercnz vor voll­endete Tatsachen gestellt würde. Alle Ent­scheidungen müßten im Rahmen des allgemeinen Konferenzverfahrens unter Beteiligung aller Mächte gefaßt werden.

Unter stürmischem Gelächter des ganzen Saales gab sodann der russische Autzenkommissar Lit­winow die Erklärung ab, die Konferenz habe sich nach zehn Monaten glücklich Wiede rin der ursprünglichen Form rekonstruiert. Es sei zu hoffen, daß in den nächsten zehn Mona­ten keine weiteren Verluste entständen, die wieder zehn Monate zur Wiederher­stellung der Konferenz notwendig machen würden.

Der englische Außenminister Simon vertei­digte in einer längeren, sehr geschickten Rede die Vereinbarung der fünf Großmächte. Die englische Regierung habe dabei das Ziel verfolgt, das Werk der Abrüstungskonferenz zu fördern und die Einheit der Konferenz wiederher­zustellen. Diese Methode habe zu einem vollen Erfolg geführt. Simon begrüßte sedann die Rück­kehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz Massigli (Frankreich) versicherte, daß seine Regierung niemals die Absicht gehabt hätte, durch Besprechungen mit den übrigen vier Großmächten