Ausgabe 
15.12.1932 Erstes Blatt
 
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Von Moltke bis Schliessen.

Auf Einladung des Allgemeinen Studen- tenuusfchuiies der Universität sprach gestern abend in der 'Jleucn Aula in einer stark t»e|ud)ien Versammlung der Studentenschaft General a. D. Dr. Bethcke (Gießen) im Rahmen des wehrpoli­tischen Lortragsiurses der Studentenschaft über das ThemaVon Moltke bis Schliesse n".

Nach kurzen Begrüßungsworten des Exrektors Proscfsor Dr. V a tt s e l o w in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Rektors sprach General Dr. Bethcke. Er betonte einleitend, daß zur Wehr- Wissenschaft auch etwas Wissen vom moder­nen Feldherrn gehöre. Unter diesen Gesichts­winkel stellte er seine fesselnden, in freier Rede vor- getragenen Darlegungen über den Weg von Moltke bis Schliessen. Nach einem kurzen Hinweis auf die idealste Lösung, daß der jeweilige Herrscher der ideale Feldherr sei in der erblichen Monarchie ober nur dann, wenn der Inhaber des Thrones auch die Feldherrngabe besitze, andernfalls er sich auf die Rolle des Obersten Kriegsherrn be­schränken und einen anderen Mann zum Feldhcrrn ernennen müßte, nannte der Vortragende Friedrich den Großen als einen solchen idealen Feldherrn, dessen langjährige Arbeit seine geistigen Fähigkeiten zum Genius reifen ließ. An­schließend skizzierte der Redner in großen Strichen andeutungsweise die geschichtliche Entwicklung von Friedrich dem Großen über die Zeit der Befreiungs- kriege hin bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts. König Wilhelm i. habe sich wohl zugetraut, sein eigener Kriegsminister zu fein, und er habe es auch bewiesen, für die Feldherrnaufgabe habe er aber eines anderen Mannes Rat und Hilfe gebraucht. Der damalige Kriegsminister o o n R o o n , der selbst aus dem Generalstab hervorging, habe sich nicht ge­neigt gezeigt, die Stellung des Chefs des General- ftabs zu heben oder zu erweitern, sondern unter rhm sei die überragende Stellung des Kriegsministers erhalten geblieben bis zum Jahre 1866, in dem General von Moltke zum Chef des General­stabs ernannt wurde. Der Vortragende schilderte bei dieser Betrachtung in anschaulicher Weise das Ringen um die maßgebliche Geltung, das auf der einen Seite das Kriegsministerium, auf der anderen Seite die zwingende Notwendigkeit eines erhöhten Ein­flusses der militärischen Kräfte im Generalstab auf die Entscheidungen zeigte. Erst durch eine königliche Verfügung vom 2. Juni 1866 wurde der Stellung des Chefs des Generalstabs in der Führung des Heeres die erforderliche Geltung als oberste Spitze gegeben. Auch in der Armee selbst dauerte es lange Zeit, bis sich die Erkenntnis über die erhöhte Be­deutung der Stellung des Generalstabschefs durch­setzte aber nach Königgrätz und Sedan gab es in der Armee vom Armeeführer bis zum letzten Land- wehrmonn niemand mehr der die Feldherrnlunft des Generalstabschefs von Moltke bezweifelt und ihm nicht vollstes Vertrauen entgegengebracht hätte. Der Vortragende schilderte dann die Beziehungen zwi­schen Moltke und Bismarck seit den Tagen von Königgrätz. Er betonte dabei, daß Bismarck, der nicht die geringste Neigung zur Verehrung anderer Menschen aufgebracht habe, in seinenGe­danken und Erinnerungen" bei der Schilderung der Ereignisse von Königgrätz doch so etwas wie Be­

wunderung für den stillen Mann, den Generalstabs- chZ von Mottre, mistchwingen lasse. Die Behaupiung, daß 186J eine Spannung zw.,chen Bismarck unö Moltke geherrscht habe, |ei mzw.schen als eine Le­gende ertannt worden^ Dagegen stehe fest, daß 1867 in der Luxemburger Frage die Aufsatzung Moltkcs eine andere gewesen fei cus die Bismarcks. Die Er­eignisse von 1870/71 hätten dann beiden Männern Gelegenheit gegeben, an dem großen Werre mitzu- arbeiten. Rach Sedan sei in Der Armee auch Der leiseste Zweifel und Widerspruch gegen die Maß- nahmen des Generalstavschcss geschwunden, dagegen habe sich eine Spannung zwischen dem politischen Leiter des Reichs, Dem Kanzler von Bismarck, und dem militärischen Führer, Generalstabschef von Moltke, herausgebildet. Der Redner gab hierbei eine anschauliche Schilderung Der Gegensätzlich.eiten zwischen Den beiDen großen Männern, Die in man- chertei Hinsicht von irrigen Ansichten über vermeint- ltche Pläne Des Partners ausgingen unD schließlich das Eingreifen Des Königs erforDerlich machten, der durch zwei Kabinettsorders manche Unklarheiten be­seitigte und Die Grenzen unD ErsorDernisse ststlegte. Wenn auch nach Der Kapitulation von Paris Bis­marck zugeven mußte, daß Die von ihm als verfehlt angesehenen Maßnahmen Der militärischen Leitung richtig waren, so habe der Gegensatz zwischen Den beiDen Männern Doch nicht ausgelascht werden können. Auch in den siebziger und achtziger Jahren seien die persönlichen Beziehungen zwischen Bismarck und Moltke immer äußerst kühl geblieben.

Im Jahre 1882 trat als Generalquartiermeister Der General von WalDersee an die Seite des Feldmarschalls. Er war von Anfang an bemüht, seine Beziehungen zu dem alten Marschall mit großem Zartgefühl zu gestalten. Daneben bemühte er sich aber auch, ganz abgesehen von dem persön­lichen Nimbus Des Marschalls für den Generalstab, die Stellung des Generalstabschefs weiter zu heben. Walderfees Beziehungen zu B i s m a r ck waren zunächst herzlich, kühlten sich aber von 1886 an ab. Der Vortragende gab dann einen Ueberblitf über Die vielfach widerstreitenden Interessen Bismarcks und Walderfees. Der Konflikt zwischen Bismarck und Walderfee griff immer mehr um sich, Feldmarschall Moltke hielt sich aber schweigend unD einsam voll- kommen zurück. Nach seinem Abgang wurde Walder- see zum Chef des Generalstabs ernannt und kam da­durch aus den Höhepunkt seines Ledens. Im Jahre 1889 verschärften sich die Gegensätze zwischen Bis- rnarck und Waldersee immer mehr, eine persönliche Aussprache verlief zwar äußerlich befriedigend, hatte aber innerlich keinen Wert. Der Vortragende berich­tete in diesem Zusammenhang über Waldersees Be­mühungen zum Sturze Bismarcks, zu dem er wesent­lich beitrug. Allerdings mußte er zu seiner lieber- raschung feststellen, daß der junge Kaiser Wil­helm II., als er ihm bei einem Besuche im General- stabsgebäude die Entlassung Bismarcks ankündigte, sich zur gleichen Zeit auch von ihm loslöste. Wenige Monate später erfolgte auch Walderfees Entlassung. Sein Nachfolger wurde der General v o n S ch l i e f - fen, Der Meister Der FelDherrnkunst.

Der außerordentlich intercssante und feingestaltete Vortrag fand bei Der großen Hörerschaft lebhaften Beifall.

Oberheffen.

8. Bezirksschau der oberhessischen Kaninchenzüchter.

w Leihgestern, 14 Dez. Der Kaninchen- zuchtoerein Leihgestern (1908) hatte in diesem Jahre die B e z i r k s s ch a u Des 7. Bezir- k e s übernommen, Die am 10. und 11. Dez. in Dem ?eräumigen Saal der WirtschaftZur Krone" statt- and. 298 Kaninchen unD 78 Nummern Geflügel e-inschl. Tauben waren ausgestellt. Als Preisrichter für.gierten: für Kaninchen Wißler (Neu-Isen­burg) und Wenz (Darmstadt); für Geflügel Sä­ger (Ober-Hörgern).

Die Ergebnisse:

Kaninchen: Belgische Riesen: Gg. Schellhaas, Gießen, 97 Punkte; Deutsche Widder: R.ch. Eiff, Leihgestern, 94 P.; Großchinchilla: Hch. Stroh, Wie- feck, Heinrich Kaufmann, Gießen, Joseph Gries, Gießen, je 95 P.; Franz. Riefensilber: Gust. Schra­der, Leihgestern, 96 P.; Blaue Wiener: F. Granne, Lauterbach, Gust. Schrader, Leihgestern, je 95 P.; Weiße Wiener: Karl Schopdach, Lauterbach, Alfred Jung, Grohen-Linden, Aug. Becker, Lauterbach, je 95 P.; Hasenkaninchen: Otto Martini, Leihgestern, 96 P.; Marburger Feh: Willi Zahrt, Großen-Lin- Dcn, 95 P., Alaska: Joh. Schmidt, Lauterbach, 95 P.; Lux: K. Pitz, Steinberg, 95 P., Engi. Schecken: Ludw. Kreiling, Gießen, 95 P.; Sch.varzloh: Will). Sommerlad, Großen-Linden, Heinrich Müller, Leih­gestern, 95 P.; Angora: Ludw. Reitz, Homberg (Oberhessen), 94 P.; Rese (schwarz): Rich Möbus, Leihgestern, 95 P.; Hermelin: W. Fuchs, Daubnin- gen, 96 P.; Kleinchinchilla: Herrn. Koch, Garbenteich, Hch. Müller, Leihgestern, Karl Jung, Leihgestern, je 95 P.; Kleinsilber (braun): Ph. Zimmermann, Großen-Linden, 95 P.; (rau): Aug. Rinker, Otto Funk, Leihgestern, je 95 P.; (schwarz): Karl Pitz, Steinberg, 95 Punkte. (Sämtliche hier genannten Züchter erhielten Ehrenpreise.)

Geflügel: Plymouth Rocks (gestreift): Georg Luh VI., Leihgestern, E, sg 1, sg 2; Wyandottes Silber: Alfred Jung, Großen-Linden, E, fg 2; Sussex (rebhuhnfarbig)-. Joh. Leun, .Leihgestern E; Italiener (rebhuhnfarbig): Karl Dem, Watzen­born, E, Heinrich Müller, Leihgestern, sg 1, sg 2; Barnevelder: Karl Seel, Leihgestern, sg 1; Wel- fumer (rebhuhnfarbig): Willi etein, Gr-Linden, sg 1; Italiener (gelb): Rich. Eiff, Leihgestern, sg 1; Rheinländer (schwarz): Albert Junker, Gr.-Linden, E, K. Andermann, Watzenborn, sg 2; Rhodeländer: Hugo Bauer, Leihgestern, sg 1; Hamburger Sil­berlack: Rich. Velten. Leihgestern, E, sg 1; Ham­burger Schwarzlack: Wilh. Sommerlad, Gr.-Lin- Den, E, sg 1, sg 2; Ostfriesische Silbermimen: PH. Naumann, Gr.-Linden, E, sg 2; Rhodeländer Zwerge: PH. Zimmermann, Gr.-Linden, fg 1; Wyandottes Zwerge (gestr.): Ldw. Kreiling, Gießen, E; Brün- ner Kröpfer (schwarz): Hans George, Gr.-Linden, E; Brünner Kröpfer (weiß): Karl Pitz, Steinberg, sg 1; Franz. Kröpfer (rotgeherzt): Rud. Brock, Stangenrod, E, fg 1; Kröpfer, Hess, (fahl): Wich. Klaum, Gr.-Linden, E, Wilh. Dem, Leihgestern, sg 2, fg 3; Schönheitsbrieftauben: Otto Weil Leih­gestern, E; Brieftauben blauer Binde: Rich. Duten- höfer, Leihgestern, sg 1; Brieftauben, gehämmert. Karl Schieferstein, Leihgestern, sg. 1.

Mit dem Auto in eine Schafherde.

* Alsfeld, 13.Dez. 3n der Aähe von B rei­te n b a ch fuhr am Montag ein Auto, das einem Einwohner von Rieder-Jossa gehört, in eine Schafherde des Gutes Brcitcnbach hinein. Lurch den Kraftwagen wurden der Schäfer und fein Hund erheblich verletzt und drei Schafe getötet. Wodurch der Unfall entstand, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 14. Dez. Wie in frühe­ren Jahren hat der hiesige Frauenverein auch jetzt toietKT für die christlichen Liebesanstalten in Bethel eine Sammlung von getragenen Kleidern in unserem Dorfe vorgenommen. Eine große Kiste, nebst *0 Mark in bar aus auf gesellten Büchsen, konnte als Meihnachtsgabe der Anstalt übersandt werden. Außerdem wurden der Epilep­tiker-Anstalt in Rie^er-Ramstadt 10 Mark Weih- nachtsgabe überwiesen. Eine Weihnachts- sammlung zum Besten der hiesigen Cchwesternstation vom Mutterhaus Äcn- nenweier ergab den stattlichen Betrag von 273,85 Mark. Davon entfallen auf die Kleinkinderschule 155,10 Mark, auf die Krankenstation 118,75 Mk.

* Äroßen-Buseck, 14 Dez. Am Dienstag hielt Der hiesige Frauenverein im Saale Der Gastwirtschaft Wagner seine ADoents- unD Weihnachtsfeier ab. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Der Posaunenchor half Die Feier verschönern. Zahlreiche Kinder brachten ein Ad­ventsspiel, sowie ein Jahreszeitenspiel zu wohl- gelungener Aufführung. Aus dem reichhaltigen Programm, um dessen Vorbereitung und Einstu­dierung sich Schwester Berta Büchsler und Die HanDarbeitslehrerin, Frau Schneider, besonders verdient gemacht haben, sei noch Die Aufführung: Wie zwei in einer Nacht kuriert wurden" und Das Gedicht:Die Krankenwacht" erwähnt. Der weitere Verlauf Des Abends brachte heitere Darbietungen, Die lebhaften Be fall fanDen. Aus Der Zahl Der Darsteller (Frau Dr. Franz, Schwester Mar­garetha, Lisa Scheld u. a.), Die nicht alle namentlich erwähnt werDen stönnen, seien noch be- sonDers Genannt Die Geschwister ReinschmiDt von Der Leppermühle, Die mit viel Eifer zahlreiche 'Programmnummern bestritten und in Den Auf­führungen die von ihnen übernommenen Haupt­rollen ausgezeichnet spielten. Ansprache und Schluß­wort hielt Der Ortsgeistliche. Mit einem Liede fand Die Feier ihren Abschluß.

a. Burkhards seiden, 14. De$. Der G e - mein Dera t beschäftigte sich in feiner jüngsten öffentlichen Sitzung Zunächst mit der Frage der Entwässerung Der Mönchswiele und Der Chaussierung Des Mönchswiesen- weges bis nur Einfahrt des Pfingstwcges Durch den freiwilligen A r b e i t s D i c n ft. Bürger­meister Albach bemerkte, daß dieses Projekt von 2000 bis 3000 Tagewerken als volkswirtschaftlich bedeutsam angesehen werde und Aussicht habe, ge­nehmigt zu werden. Es könnten dann auch Die­jenigen Leute unter 25 Jahren beschäftigt werben. Die schon beim Sportplatzbau beteiligt waren. Da vorerst nur Die Entwässerungsarbeiten geplant sind,

scksug er vor, die Chaussierungsarb^ten hinzuzu- T nehmen. Der Gemo nderat stimmte 'dem zu. Im weiteren Verlause der Sitzui^ß beschäftigte man sich mit Der Gemeindeschäferei, Die bei einer Einnahme von 698,80 Mark für Pferch, und Weide- geld Ausgaben in Höhe von 841, Mark verursachte. Der Verlust von 142,20 Mark soll auf Die Gemeindekasse übernommen werden. Es wurde mit 7 gegen 2 Stimmen beschlossen. Daß Der Schäfer für das neue Jahr 600 Mark Lohn und 30 Pf. Fortjchlaggeld (seither 800 Mark und 50 Pf.) er- halten soll. Stellt sich im nächsten Jahre Der Ver- Luft höher als 75 Mark, Dann soll Die Gemeinde- (qjäferei aufgehoben werden. Der Antrag wurde angenommen.

+ Grünberg, 11. Dez. Sanilätsrat Dr. Fritz, Der seit Dem Jahre 1900 als praktischer Arzt hier wirkte, siedelte dieser Tage nach Gießen über, um dort feinen ßebensabenb zu verbringen. Seine ernste Berufsauffassung, sowie sein gerades, offenes Wesen sicherten ihm die Anerkennung und Wert­schätzung aller Kreise. Dem Kriegerverein gehörte er als langjähriges Vorstandsmitglied an, ebenso war er Mitglied Des Kirchenvorstandes. Jni Kriege mußte er einen Sohn, der als Leutnant beim Gie­ßener Regiment stand, als vermißt betrauern Sein Vater, Der übrigens einige Jahre als Oberamts richter hier tätig war, ist weiteren Kreisen als Kom­ponist des VHC -LiedesDir meinem Vogels­berg" bekannt geworden. Im hiesigen V o 11 s - bilbungsoercin sprach in zwei Vorträgen Dipl.-Ingenieur Schmitt (Gießen) über Das ThemaDer moderne Wohnbau". An zahlreichen Lichtbildern zeigte der Redner, welche Entwicklung der Wohnbau von der früher beliebten Anhäufung der Wohnungen in den Mietskasernen bis zur heu­tigen Einzelwohnung, dem Eigenheim mit Garten genommen hat. Auch den hier beabsichtigten Um­bau Der Turnhalle zog er in Den Kreis seiner Be- tradjtungen und zeigte eine Lösung dieser Frage. Weitere Vorträge sind nach Weihnachten geplant Dr. Ma le ch (Gießer.) wird über Fragen aus Der Gesundhoitslehre sprechen.

is. © t e i n b a a>. 13. Dez. Bei der am Sonntag vorgenommenen Wahl eines Beigeord­nete n der hiesigen Gemeinde siegte die Liste Hitlerbewegung", Kandidat Karl R e usch - ling IV., mit 300 Stimmen. Der Kandidat der Bürgerliste, Maurermeister August Keßler, er­hielt 239 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war nicht sehr stark.

O Holzheim, 14. Dez. Die vor kurzer Zeit in unserer Gemeinde durchgeführte Viehzäh­lung hatte folgendes Ergebnis: 83 Pferde, 53 Kälber, 95 Jungrinder, 444 Milchkühe, an Rind­vieh insgesamt 817 Stück. An Schweinen wurden festgestellt: bis ein Jahr alt 871 Stück, über ein Jahr alt 30, zusammen 901. Federvieh im ganzen 3247, davon Gänse 308, Enten 53, Hühner 2732 und Hähne 154. Schafe wurden 113, Ziegen 107 gezählt. Bienenstöcke sind neun vorhanden. Hausschlachturgen wurden vom 1. September bis 30. Rovember 90 vorgenommen. Am Samstag hielt dieJagdgesellschaft Holzheim" eine Feld- treibjagd ab. Die Deute an Hasen war ge­ringer als im Vorjahr. Zwei Burschen gelang es zwei Tage vor der Jagd, einen Fuchs zu erschlagen, der sich hinter einer Dickwurz- miete verborgen hatte.

Kreis Friedberg.

tz> Steinfurth, 13. Dez. Don den beiden Kirchenglocken, Die zu Pfingsten 1921 als Ersatz für die im Kriege abgelieferten Glocken neu angeschafft wurden, ist Die mittlere vor einigen Wochen plötzlich gesprungen. Die elfjährige Ga­rantiezeit war kurz vorher abgelaufen. Die Firma Rinker in Sinn, Die beide Glocken geliefert hatte, hat sich nun in Verhandlungen mit Dem Kirchenvorstand bereit erklärt, gegen Rücknahme Der gesprungenen in entgegenkommenDer Weise für 400 Mk. eine neue Glocke zu liefern. Die Viehzählung ergab hier einen Be­stand von 65 Pferden, 644 Rindern, 643 Schwei- nen, 67 Ziegen, 3695 Stück Geflügel aller Art und 21 Bienenvölkern.

Kreis Büdingen.

hr. E ch ze l l, 13. Dez. Dor h.esige Geflügel- zuchtverein wird am 14. und 15. Januar 1933 - eine Lokalgeflügelausstellung veran­stalten. Als Preisrichter sind Wilhelm Ölern (Pohl-Göns) und K. Philipp IV. (Steinberg) gewonnen worden.

Kreis Schotten.

--- Lardenbach, 14. Dez. Das zweijährige Kind des hiesigen Schuhmachers Wilhelm Lein fiel in einem unbewachten Augenblick in einen Kübel mit kochendem Wasser und ver­brühte sich am Körper so sehr, daß Der herbei- gerufene Arzt das Kind sofort in Die Klinik nach Gießen üd-erführte. Dort verstarb es noch am gleichen Nachmittag.

)( Ruppertsburg, 13.Dez. Die Vieh­zählung hatte in unserem Orte folgendes Er­gebnis (in Klammern stehen Die Zahlen des Vorjahres): Pferde 88 (83), Rindvieh 460 (491), Schafe 94 (84), Schweine 360 (377), Z'.egen 109 (105), Gänse 117 (201), Enten 157 (134), Hühner 2433 (2'38), Bienenvölker 36 (25). Bei den Holzh-verarbeiten sind aus unserer Ge­meinde n diesem Winter beschäftigt: im Ge- meindewald 2 Rotten mit zusammen 12 Mann (Wohlfahrtserwerbslose) und im Gras Solms- Laubacher Wald 3 Rotten mit zusammen etwa 18 Mann.

'-7- Ob er-Schmi tten, 13.Dez. Der Weih­nachtssparverein, der 185 Mitglieder um­faßt, hielt am Sonntag im Kirchhoffschen Saale seine Generalversammlung ab, die sehr stark besucht war. Der Vorsitzende Otto Jung eröffnete mit Grußworten die Versammlung, wo­rauf bei brennendem Tannenbaum die alten, lie­ben Weihnachtslieder erklangen. Bei der Aus­händigung der eingelegten Spargelder mußte fest- gestellt werden, daß Der Gesamtbetrag gegen Das Vorjahr um 2A zurückgegangen war. Viele Einzahlungen muhten schon während des Jahres zurückgegeben werden. Es wurde beschlossen, den Gerneindegliedern auch im neuen Jahre nieder Ge­legenheit zu geben, sonntäglich ihre Spargelder einzulegen. Der Vorstand wurde in feiner Ge- samtheit einstimmig wiedergewählt, wobei ihm Dank und Anerkennung für fein uneigennütziges Wirken gezollt wurde.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg, 13. Dez. Während im vori­gen Jahre Die eine Hälfte Des Inneren unserer alten Stadtkirche ausgebessert worden war, wurde in Diesem Jahre Die zweiteHälfte neu hergerichtet und auch das Oleuhere mit einem neuen Verputz versehen. Das Innere ist jetzt nach einem einheitlichen Stil umgestaltet wvr- Den. Der Altar wurde versetzt. Die Säulen sind durch Rundbogen verbunden. Eine neue Empore

und modern gestaltete OSänfe bieten reichlich Sitz­gelegenheit. Die Orgel wurde tiefer Feseht, mit einem Motor versehen und das Pfeisenmaterial entsprechend ergänzt. Eine neu« Kanzel mit an­derer Ausstellung ziert das Kircheninnere. Die al­ten Fensterscheiben wurden durch neue erseht, teil­weise sogar bunte Fenster mit besonderen Darstel­lungen eingefügt, wozu freiwillige Stiftungen Die Möglichkeit boten. In den letzten Wochen erhiel­ten sämtliche Bänke und die Kanzel einen neuen Anstrich. Durch Kunstlerhand wurden die Felder der Kanzel und Die der Empor« mit Figuren bzw. Sprüchen sinngemäß verziert. Am Sonntag soll die Einweihung ftattfinDen.

Wird Förster aus der Hast entlassen?

WSR. Frankfurt a. M., 14. Dez. Gegen die in Untersuchungshaft befindlichen vier der Tat verdächtigen Personen scheinen sich kein« neuen Verdachtsmomente erge­ben zu haben. Es hat auch den Anschein, als sei das gegen sie zusammengetragene Belastungs­material lückenvoll und unzureichend. Demnächst steht ein Haftprüfungstermin gegen Förster und Genossen an, und es wird sich er­geben, ob sich die weitere Haft noch rechtfertigen! läßt.

3600 Liter Wein

auf den Bahnkörper geflossen.

WSR. Alzey, 14. Dez. Auf derRoten Drücke" bei Albig kam ein Lastwagen mit An­hänger der Spedition Kehr-Wörrstadt ins Schleu­dern. Der Anhänger riß die Schutzmauer um, blieb aber an Der Böschung hängen. Drei Stück Wein (3600 Liter) stürzten auf Den Bahnkörper, wo Der Wein auslief. Der schwer beschädigte Last­zug wurde abgeschleppt.

Wegen Zahrraddiebstahls ein Jahr Zuchthaus.

Mainz, 13.Dez. (WSR.) Vom Dezirksschöf- fengericht wurde gestern Der schon oft vorbestrafte 54 Jahre alte Fuhrmann HeinrichS tahlhofen aus Mainz wegen Diebstahls zu einem Jahr Zuchtyaus verurteilt. Stahlhofen hatte in Der Kaiserstrahe ein Fahrrad gestohlen unD es sofort für einige Mark weiterverkauft.

Unfall auf der Landstraße.

Biedenkopf, 14. Dez. (WSN.) Ein Gärt­nereibesitzer aus Buchenau erlitt abends dadurch schwere Verletzungen, Daß er mit seinem Auto in der Nähe unserer Stadt mit voller Wucht gegen einen Chausseebaum fuhr. Er erlitt neben anderen Verletzungen einen Beinbruch und blieb hilflos auf der LaiÄstraße liegen. Erst nach mehreren Stunden wurde er von Passanten aufgefunden und einem Arzt zugeführt.

tkinaesandt

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion Dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ein Notruf aus der Bergstraße an die Bolizei und den Stadtrat.

Die Berg st raße ist eine der ruhigsten Stra­ßen der Stadt Gießen Seit etwa zwei Jahren machte sich aber im Sommer nach 10 Uhr ein stär­kerer Verkehr bemerkbar, und zwar überwiegend von Liebespärchen. Dieser Verkehr ging noch, aber es macht sich auch lichtscheues Gesindel auf den Weg.

Vor etwa sechs Wochen rief ein Mädchen kurz nach 9 Uhr um Hilfe. Vor etwa vier Wochen hörte ich, bevor ich mich zu Bett legte, wie ein Bursche zum anderen leise sagte:Bleib doch hier im Dunkeln." Im Oktober l. I. kam ich gegen 11 Uhr von der Bahn nach Hause. Beim Betreten des Hofes stürzte ich über einen Gegenstand. Es war eine Persönlichkeit, welche der Anziehungskraft der Erde an diesem Abend nicht gewachsen war. Kommt man von Der Stephanstraße, durch den Parkweg am JahnDenkstein nach Der Bergstraße, kann man ohne Taschenlampe nicht ge,ahrlos passieren. Erstens stößt man öfters gegen ein festumschlunge­nes Liebespärchen und zweitens tritt man einer gewissen Pflanze die Augen aus. Letzteres Dürften mir Die Strafjenreiniger bezeugen können. Gerade in dem unbeleuchteten Gestrüpp halten sich Die lichtscheuen (Elemente auf und beobachten ihre Opfer. Am Mittwochabend verfolgte einer dieser Burschen ein Mädchen bis zur Haustüre, scheinbar hatte er es auf die Handtasche abgesehen! Die ganze Bergstraße hat nur eine Lampe, und wenn die Bäume belaubt sind, liegt die Straße im Dunkeln. Ich bitte die Herren Stadtväter, ihr Augenmerk auf Diese Beleuchtung Der Bergstraße lenken zu wollen, es müßten unbedingt noch zwei Lampen eingeschaltet werden. Ein Mädchen oder eine furchtsame Frau wagt sich ohne Angstgefühl bei Dunkelheit nicht mehr fort.

Ein Bewohner der Bergstraße.

Wettervoraussage.

Während das Hoch über Polen und den Donau- ländern sich teilförnug über Süddeutschland und die Alpen bis nach Frankreich zurückgeblldet hat, verursacht Die NorDmeerströmungstätigceit, Die an Intensität weiter zunimmt, über NorDdeutschland fortschreitend« Milderung und vereinzelt geringe Niederschläge. In Bodennähe werden dort bis zu 5 Grad beobachtet, und in 400 Meter Höhe regi­strierte das Lindenberger Wetterflugzeug sogar plus 10 Grad. Aber auch bei uns schreitet die Er­wärmung von Den Bergen weiter abwärts. Im Vogelsberg herrschte heute morgen plus 7 GraD, während nur noch in Tallagen ein Kaltluftkissen mit Temperaturen bis zu minus 5 Grad lagerte. Mit Der zunehmenden Störungstätigfeit und Der Damit beginnenDen stärkeren maritinen Lust,zufuhr Dürften auch bei uns Die letzten Kaltluftreste weg­geräumt werden und sicb eine milde Westwetter- lage mit späteren Regenfällen einstellen.

Aussichten für Freitag: Weiteve Mil­derung und nur geringer Aachtfrost, Dunstig und bewölkt, vorerst meist trocken.

Aussichten für Samstag: FortsHrer- tende Milderung, wechselnd wolkig mit Aufklaren, Aeigung zu Aiederschlägen.

Lufttemperaturen am 14.12. mittags 0,8 Grad Celsius, abends3,8 Grad: am 15 12. morgens3,6 Grad. Maximum 1,0 Grad, Mi­nimum 5,5 Grad. GrDtemperaturen in 10 cm Tief« am 14.12. abends1,2 Grad, am 15.12. morgens 2,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer z Stunde.