Aus -er Provinzialhaupista-t. |
Sieben, den 15.November 1032.
Oer Reichsbahndienst am preußischen Bußtag.
Anläßlich des preußischen Bub' und Bet- tage6 treten am Mittwoch, 16. November tm Personenzugfahrplan der Re i ch s - bahn folgende Abweichungen gegenüber dem Werktagsfahrplan ein:
8fc verkehren in der Nacht vom 1 v. »um 17.Novernber: Personenzug Nr. 713 Frankfurt (Mi-Gießen, Abfahrt 22.05, Ankunft 0.01 il&r ; Personenzug Nr. 771 Frankfurt (X)- Gieben. Abfahrt 23.51, Ankunft 1.32 Uhr: Per- sonenzug Nr. 1644 Wetzlar—Stehen, Abfahrt 22.58 Antunst 23.14 Uhr: Personenzug Nr. 1661 Sieben—Wetzlar, Abfahrt 0.10, Ankunft 0.25 Uhr: Personenzug Nr. 477 Limburg—Sieben, Abfahrt 22.45, Ankunft 0.33 Uhr.
E S fallen am 16. November aus: Personen-ug Nr. 423 Limburg—Siesten, Abfahrt 5.23, Ankunft 7.30 Uhr: Personenzug Nr. 414 Sieben—Limburg, Abfahrt 17.16, Ankunft 19.06 Uhr; Person?nzug Nr. 1635 Sieben—Würgendorf, Abfahrt 17.43, Ankunft 19.18 Uhr; Personenzug Nr 1634 Wetzlar—Sieben, Abfahrt 18.20, Ankunft 18.37 Uhr.
Sonstige Abweichungen für 16. November: Personenzug Nr. 1611 Sieben—Betzdorf, Abfahrt 5.25 Uhr, verkehrt nur bis Dillenburg: Personenzug Nr. 1649 Sieben—Dillenburg, Abfahrt 23 Uhr, verkehrt bis Haiger; Personenzug Nr. 411 Limburg—Siehen verkehrt im Sonntagsfahrplan, Limburg ab 12.20 Uhr, Sieben an 14.09 Uhr.
Oer Lohnstreit x in der Metallindustrie beendet.
Wie uns mitgeteilt wird, hat der Arbeitgeberverband den Vergleichsvorschlag über d i e Lohnhöhe in der Metallindustrie in Oberhessen und Lahngau angenommen. Seitens der Belegschaften der einzelnen Betriebe ist in Ur- abftimmungen der Vergleich zwar abgelehnt worden, die für einen Streik erforderliche Mehrheit wurde jedoch nicht erreicht. Danach ist für die Zeit vom 16. November 1932 bis 30. April 1933 ein Tarifvertrag zustandegekommen, dessen Inhalt der gestern berichtete Bergleichsoorschlag bildet.
Daten für Dienstag, 15. November.
1630: der Astronom Johannes Kepler in Regensburg gestorben; — 1730: der Generalinspektor der amerikanischen Armee Friedrich Wilhelm v. Steuben in Magdeburg geboren; — 1787: der Komponist Christoph Willibald Ritter von Gluck in Wien gestorben, — 1862: der Dichter Gerhart Hauptmann in Salzbrunn geboren; — 1910: der Dichter Wich. Raabe in Braunschweig gestorben.
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•* Aufgehobene Straßensperren, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. 23. (A. v. D.), Gießen: Die Sperrungen auf den Provinzialstraßenstrecken Alten st adt — Lindheim sowie Selters — Ortenberg sind aufgehoben.
" Die W a s ch in e n b a u s ch u l e Sieben teilt uns zu der gestern veröffentlichten Mitteilung der Maschinenbauschule Offenbach mit, daß bc'be Anstalten im gleichen Verhältnis zum Hessischen Staat stehen, so daß auch an der Ma- 'ch.nenbauschule und ebenso an der Gewerbe- schule Sieben die staatlichen Schulgeld- sähe gesenkt wurden. Zu diesen staatlichen Sähen erhebt jedoch der Träger der Anstalt, in unserem Falle die Stadt Sieben, einen bestimmten Zuschlag als Anteil an den sachlichen Kosten, an deren Ausbringen ttch der Staat nicht beteiligt. Der wirtschaftlichen Lage entsprechend Hal die Stadt Sieben auch eine erhebliche Senkung des Schulgeldes vorgenommen für die Schüler aller Abteilungen, der Maschinenbauschule (mittlere Ne.se) mit ihrer Spezialabteilung für das Elektrogewerbe, und der Sewerbeschule (staatliche Abgangsprüfung mit besonderem Privileg für die Meisterprüfung) mit den Abteilungen Bauschule, Schreinerfachschule, Malerfachschule und der Schuhmacherfachschule.
"Generalversammlung des Siebener Eisvereins. Der Eisverein hielt am Donerstagabend im Stadtkasfee seine diesjährige Seneral-Dersammlung ab, die von Landgerichtsrat Dr. W o d a e g e geleitet wurde. Der Vorsitzende erinnerte zunächst daran, t>ab der Verein in diesem Jahre auf sein 50jährigeS Bestehen zurückblicken kann. Das Jubiläum soll mit einer schlichten, würdigen Feier am Donnerstag, 24. November, begangen werden. Der Vorsitzende gab ferner einige Aufschlüsse über das Programm, das der Jubiläumsfeier zugrunde liegen soll. Im Anschluß daran erstattete der Rechner, Herr Dehmel, den Kassenbericht, der einen kleinen Ueberschuß auswies. Die Rechnung war geprüft worden und in Ordnung befunden. Dem Rechner wurde Dank und Entlastung zuteil. Der Vorsitzende teilte im Zusammenhang mit der Rechnungslegung mit, daß das Vermögen des Vereins flüssig gemacht und für das Haus, das der Verein auf der Eiswiese erstellen lieh, zur Verfügung gestellt wurde. Vor der Vorstands- Wahl berichteten die Sportwarte über die im vergangenen Minter, wie auch in den übrigen Monaten des Jahres gepflegte sportliche Tätigkeit. Herr L oh berichtete über Eishockey und gab Anregungen für die fernere Gestaltung des Sportbetriebs in diesem Zweig der eissportlichen Betätigung; er erwähnte kurz das Eis-Kunstlaufen, - in dem die Mitglieder F»-tschritte gemacht haben, und sprach ferner vom Rollschuhlauf, der als Ergänzungstraining während der Herbstmonate gepflegt wurde und die Mitglieder hinsichtlich der Haltung und der Sicherheit vorangebracht hat. Sportwart Mohr berichtete über das Eisschießen und konnte dabei die Mitteilung machen, daß die Eisschieß-Mannschaft des Gießener Eisvereins auf dem Feldbergfest im vergangenen Minter die Meisterschaft des Südwestdeutschen Eislaufverbandes erringen konnte. Der Eisschieß-Betrieb soll im kommenden Minter erweitert geführt werden. Im Anschluß daran schritt man zur Vorstands- Wahl, die nach kurzer Beratung mit der Wiederwahl der meisten Vorstandsmitglieder ihre Erledigung fand. Reallehrer Etz schied aus dem Vorstand aus. Stadtbaurat Stöbert wurde in den geschäftsführenden Ausschuß gewählt, an Stelle von Reallehrer E h tritt Studienrat Schone b o h m in den Vorstand ein. Im weiteren Verlauf der Versammlung berichtete der Vorsitzende über den Dau des Hauses an der Eiswiese und gab seiner Befriedigung über das Geschaffene Ausdruck. In Verbindung damit machte er auf
verschiedene, mit dem Hausbau zusammenhängende Angelegenhelten aufmcrlfam. Eine sebr angeregte Aussprache entspann sich über die Abhaltung der Südwestdeutschen Meisterschaften, deren Durchführung dem Gießener Cisverein angetragen wurde. Die Südwestdeutschen Cisineisterschaften sollen in der kommenden Saison nicht an verschiedenen Orten, sondern durchweg in Gießen ausgetragen werden. Das würde bedeuten, daß man, wenn der Verein sich zur Uebernahme der Meisterschaften entschließen könnte, ausgezeichneten Sport im Kunstlauf, im Eishockey, im Eisschnellauf und im Eisschießen zu sehen bekommen wurde. Eine endgültige Beschlußfassung brachte die Generalversammlung noch nicht, vielmehr wurden Kommissionen gewählt, die zunächst einen eingehenden Kostenvoranschlag ausarbeiten sollen. Der Rest des Abends war mit der Erörterung interner Angelegenheiten ausgefüllt.
•• Werbeschau und Gründung eines „Z ie r f i s ch ve r e i ns Gießen". Der Aqua- rimnverein Marburg veranstaltete dieser Tage in Gießen eine Zierfisch-Werbeschau, die sehr stark besucht war. Reichhackiges Material an Zierfischen und Pflanzen stand zur Verfügung. Die gezeigten Aquarien waren schön und zweckmäßig eingerichtet. Während der Ausstellung wurde interessierten Besuchern Aufschluß gegeben über Zucht und Pflege der Tiere, ferner über Krankheiten, die den Tieren gefährlich werden können, Aufklärung geschaffen. Mit der Werbeschau war gleichzeitig die Gründung des „Zierfisch-Äereins Gießen" unter der Leitung des 1. Vorsitzenden des Aquariumvereins Marburg verbunden. Zahlreiche Aquarienliebhaber zeichneten sich in die aufliegende Mitgliedsliste ein. Der Verein macht es sich zur Aufgabe, durch den Austausch von Erfahrungen in der Zucht und Pflege der Fische seinen Mitgliedern zu dienen.
•* „D e r Seiger von Floren z." Diele Freunde des stummen Filmes fanden sich am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße e.n. Man sah einen Film älteren Datums und so ganz anderer Art wie der Tonfilm, so daß man sich um einige Jahre der Filmentwicklung zurückversetzt fühlte. Das war nicht unangenehm, sondern bedeutete für die Zuschauer eine stille Freude. Vor allem fiel dabei auf, wie sehr viel mehr im stummen Film die mimische Ausdrucksfähigkeit der Schauspieler wesentlich wird, im Gegensatz zum Tonfilm, bei dem das gesprochene Mort manches an schauspielerischem Können zu ersehen, oder wirkungsvoller zu gestalten vermag. Hier sah man Elisabeth Bergner in der ganzen ilninerfalität ihres schauspielerischen Könnens und der unendlichen Wandelbarkeit von Mimik und Geste. Konrad Deidt, ihr ernster und würdiger Gegenspieler, und der sympathische Walter R i l l a machten es nicht schwer, das gesprochene Wort zu entbehren. Grete M o o s - heim, die in diesem Film sicherlich eine ihrer ersten Rollen spielte, hat inzwischen gelernt, sich vor der Kamera geschickter zu bewegen. Die Handlung des Filmes war sehr unterhaltsam und endete (es hat sich inzwischen darin gar nichts geändert) mit happy end. L.'bend.ge Musik vervollständigte die,e Kulturfilm-Vorstellung.
*• „Ei n blonder Trau m". Es müssen nicht immer „Drei von der Tankstelle", sondern es können auch einmal zwei von der Fenster- Deinigungs-AG. „Blitzblank" sein, die sich heftig um die blonde Jou-Jou streiten und dabei doch zu keinem rechten Ergebnis kommen. Die beiden Fensterputzer, s e wohnen weit draußen vor den Toren der Großstadt, bei Mutter Grün in aus- rang'.erten Eisenbahnwagen; dahin nehmen sie die kleine Jou-Jou mit. Aber „Vogelscheuche" hat es gleich gesagt, daß das nicht gut gehen kann. Zwei junge Männer und nur ein Mädchen! Unö wenn es „Vogelscheuche" sagt, dann stimmt das auch. So gibt es denn allerlei Krieg und Durcheinander, bis es eines Tages zu einem, ernsten Zwischenfall kommt, der die Situation löst und zum guten Ende drängt. Die Handlung, die in vielen Punkten zum Film der „Drei von der Tankstelle" verwandte Züge aufweist, ist mit einer tüchtigen Portion Situationskomik durchsetzt, gute Regieeinfälle, leichte eingängige Musik, liebenswürdiger Singsang, viel Lachen und was alles zu einem solchen Film mit Willi For st, Lilian Harvey und Willy Fritsch gehört, ist hier vereinigt zum löblichen Zweck, gut zu unterhalten. Die drei Hauptfiguren des Filmes werden dann auch mit der ihnen eigenen Eleganz und spielerischen Leichtigkeit mit dem Thema fertig. Daneben sieht man noch zwei originelle Typen in PaulHörbigers „Vogelscheuche" und der „Illustrierten Ilse" der Trude Hesterberg. Die Darstellung läßt also keinen Wunsch offen, die Photographie ist selbstverständlich gut. die Tonwiedergabe auch einwandfrei. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus.
"Märchen-Dachmittag und -Abend imBund Königin Luise. Das Hotel Schütz hakte am Sonntagnachmittag seltene Säfte im Haus. Eine große Schar von Kindern hatte sich eingefunden. um der Märchentante Frau Steinecke zu lauschen, die gekommen war, um ihre Märchen und auch alte Märchen vorzulesen und damit den Kindern eine Freude zu bereiten. Was es da zu hören und zu sehen gab, gefiel den kleinen und auch J>en großen Gästen sehr wohl, und so herrschte bald helle Freude und auch wieder jene ernste aufmerksame Besinnlichkeit. deren die Kinder fähig sind, wenn sie den Geschicken der Wärchenhelden und -Heldinnen folgen, ihre Nöte miterleben, ihre Befürchtungen teilen, um dann, wenn alles gut ausgeht und die Tapferkeit wie auch das Gute gesiegt haben, befreit aufzuatmen. Unb bald darauf klang dann wieder helles Sachen, denn die Märchentante S te i n ecke wußte auch gar zu lustige Dinge zu erzählen. Kleine Gedichte, Schnurren. Märchen wurden vorgelefen, frei vorgetragen und dazu Bilder gezeigt, die der Phantasie der Kinder reichste Nahrung gaben. Daß es die Erzählerin außerdem ausgezeichnet verstand, die Kinder mitwirken zu lassen, war ein besonderes Mittel, die zwei Stunden zum Erlebnis werden zu lassen. — Am Abend versammelten sich dann viele Erwachsene, insbesondere Frauen, die ebenfalls mit großer Aufmerksamkeit den Vorlesungen folgten. Frau Steinecke brachte hierbei nur eigene Märchenerzählungen zum Vortrag und breitete eine Stimmung um sich, die mit den lauten Tagen der Gegenwart nichts mehr gemein hatte. So hörte man ein Märchen vom „Frauenberg", die feinempfundenen Märchen vom „Himmelsschlüsselchen", vom „Prinzeßchen Schnee- flockchen", vom toten KöniZ, der seine Krone und
damit die Ruhe im Grabe suchte, Märchen, die klar wie Quellen einer deutschen, mütterlichen Seele entsprungen zu sein scheinen und ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht verfehlten. Die schöne, einfache Sprache, in der die Märchen geschrieben waren, die Art des Vortrages, wie auch der äußere Rahmen trug nicht wenig zum Erfolg bei, den diese Märchenveranstaltungen darstellte. Am Klavier saß Herr A l t h a u s - Leihgestern und füllte die Pausen mit dezenter Musik, die sich ausgezeichnet den Stimmungswerten der Mär
chen anpaßte. Frau A v p e l fang ein Lied von Schubert und fand dan'baren Beifall. Zum Abschluß des Abends zeigte Frau Steinecke noch eine Anzahl unterhaltsamer Bilder, Aquarelle, Holzschn.tle, Scherenschnitte ihres Sacken. Walter Steinecke, die die Märchen des Abends in oft sehr origineller Weise anschaulich machten. Den finanziellen Ertrag des Nachmittags und des Abends will der Bund Königin Luise (Ortsgruppe Gießen) der Winterhilfe des Bundes zur Verfügung stellen.
„Treten Sie näher, meine Herrschaften..." Bericht von den Berliner edtraßenhändlern.
Don Chr. H. Bauer.
Unter Mitarbeiter hat einen kleinen Berliner Spaziergang durch die belebten Straßen der Geschäftsviertel gemacht, und er hat getreulich ausgezeichnet, was die Straßenhändler ihrem Publikum erzählen.
Unsere Zukunft liegt im Schnürsenkel.
„Die Damen bitte weiter gehen, die Herren bitte heran, noch dichter, viel dichter — so, jetzt gebt es — die Damen bitte weiter gehen — hier gibt'6 nur etwas für die reifere Herrenwelt...
Liebe stiefeltragende Versammlung! Hört auf die Worte eines Mannes, der sich genug Wind hat um die Nase wehen lassen, ehe er heraus- fand, was denn eigentlich zum Wohle der Menschheit führen kann! Das hat nichts mit Politik zu tun, nein, mit etwas viel Wichtigerem: mit dem Schnürsenkel... Ja, da staunen Sie wohl — aber gleich werden Sie sehen, wie wahr diese meine wohl überlegten Worte sind!
Frühmorgens stehen Sie auf, vielleicht waschen Sie sich auch ein bißchen — aber nicht zuviel, denn Seife macht die Haut dünne — und bann, nach dem Frühstück und dem Zeitungsartikel — dann beginnt die große Plage. In fünf Minuten müssen Sie losgehen - und stehen noch in Latschen — also rin in die Salamitreter. Eins, zwei drei, — und der Senkel ist gerissen. Knoten machen — nun belecken Sie die Spitze von dem Senkel und versuchen, ihn durchs Schnürloch zu bringen — Pustekuchen — is nid)! Endlich jeht's — mit viel Feuchtigkeit: macht rund ne Million Bazillen, die Sie da verschluckt haben. Der Knoten drückt, die Stirne brennt — blaß kommen Sie ins Bureau gerennt — knack: jetzt is der andere gerissen. Wieder der Knoten mit Hindernissen (siehe oben) — zweite Million Bazillen. Unb so geht bas Tag für Tag. Ja — meine Herren, denken Sie nich, daß sich das Ihr Körper auf die Dauer gefallen lassen wird — nee! Nein! Mitnichten! Die Bazillen überfluten Ihr Blut — 61» werden blaß und blässer und sterben eines Tages — wissen Sie nun die Ursache von dem furchtbaren 3eburtenrfidgang ? Aber dem Himmel sei Dank! Cs gibt etwas dagegen, die Menschheit kann noch gerettet werden. Unb bas Mittel?: Knulkes Patent-Gummisenkel! Elastisch und formenschön, stets straffer Sih mit Anti-Dazillenlösung geimpft - unb dieses Wunderwerk der Nächstenliebe gebe ich reklamehalber, auf Anraten meiner hochherzigen Firma, Paar für Paar 20 Pfennig! Lächerlich direkt: 20 Pfennig das Paar. Na, wer versuchtes noch mal. wer will beitragen zur Dolksverrnehrung durch Gummisenkel? Nur 20 Pfennig — bis morgen noch mal die Riesengelegenheit!!!"
Alles aus Liebe!
„Hier mal die große Gelegenheit für Ehemänner, ein Mittel zu kaufen, um sich mit ihrer besseren Hälfte endlich zu vertragen. Ich vermittle Ihnen gute Laune für 15 Pfennije! Muß man da nich zugreifen? Bedenken Sie mal: für 15 Pfennije, die Sie hier anwenden, wird Ihr kleiner Hausdrachen ein frohes Jesicht zeigen! Is das eigentlich nicht mehr wert als die paar Pfennije? Selbstverständlich! Aber ick bin nun mal ein edeldenkender Mensch unb mitfühlender Charakter unb lasse Ihnen deshalb meinen patentamtlich geschützten Wasserstrahler für diesen Spottpreis! Der Wasserstrahlregler wird unten am Hahn, so wie ich Ihnen das hier zeige, befestigt (Kinder, jeht mal ein Stück zurück! Oder soll ich euren Verstandskasten berieseln?) Wie oft war schon Krach am häuslichen Herd! Warum? Weil sich die Holde ihr neues Sonntagsnach-
mrttagskleid an ihrer veralteten Wasserbrause naß jerncrcht hab Ich kenne Ihren Ausguß wie meine Westentasche, meine Damen und Herren? Der Hahn troppt Nacht für Nacht, bis sogar Ihr Hund nich mehr einschlasen kann Tagsüber beginnt aber bann ber richtige Spektakel: bet Ding beginnt zu spritzen, als wenns bafür bezahlt kriegte. All das wirb behoben für 15 Pfennije' Friebe unb Sonne kehren als Dauerjast in Ihr kleines Parabies — für 15 Pfennije! Mann! Greifen Sie zu! Zücken Sie Ihre Gelbmarie unb langen Sie her, die Messingknöpfe! — — Ach so — Sie sind jar nich verheiratet? Wat suchen Ee benn hier eijenttich? Sehen Sie nich, baß alle bie anderen Herren schwergeprüfte Ehemänner sind, die nur darauf warten, daß ich sie bediene? ..."
Aber ich habe noch was. meine Herren! Sehn Sie mal her! Was mag wohl in dem Töpfchen drin liegen? Künstlicher Dünger, sagen Sie? Königsberger Fleck, meinen Sie? Malzbonbons behaupten Sie? Neeee! Kartoffeln, gelochte Kartoffeln, wie sie Tag für Tag eine Million Frauen auf dem weiten Erdrund kochen! Solche Kartoffeln kriegt jeder zweite Mann mittags vorgesetzt! Jawoll! Und da fragen Sie mit Recht: Wenn schon bie Kartoffeln aussehen wie künstlicher Dünger, wie steht s da mit Fleuch unb Jemüse? Fragen Sie lieber nich weiter! Sie würben zum sechseckigen Ci erstarren . . Aber auch hier gibt's eine Hilfe, bie Sie davor bewahrt, unabsichtlich von Ihrer jungen Gattin vergiftet zu werden! Kaufen Sie Pieseckes .Kochbuch. Lumpige eine Mark unb fünfzig deutsche Reichspfennige. In echt imitiertem Kunstleder- cinbanb! Den können Sie alleine fchon zu Brühe kochen! Eine Mark fuffzig zur Rettung Ihres Magens — is das zuviel verlangt? Ich sage janz unparteiisch: Nein! Oho! Keineswegs ist das zuviel!"
Die Kanone in der Westentasche.
„Mein Bleistift schlägt alles — er schießt' Kommen Sie ran, Damen und Herren. Volk ströme herzu. Vernehmt ihr Leute und laßt euch fragen: Kann man sich noch auf die Straße wagen? Wohnt nicht überall Raub und Mord? Geht Vater abends vom Stammtisch fort, bann benlt er: „Hütt ich doch wenigstens 'nen Stock, ein Stöckchen — brr ... ist das duster!" Sehen Sie, Damen unb Herren: so geht es vielen tausend Menschern Millionen zittern! Stetten Sie sich diese mal alle auf einen Hausen vor! Das Bild! Doch den Leuten kann geholfen werden: sehen Sie mal her. Was halte ich in ber Hand? Einen ganz gewöhnlichen Drehbleistift, deuten S-e. Falsch jetippt. Dieser scheinbare Bleistift, 'mit dem man auch schreiben kann, ist in Wirklichkeit -- bie Kanone in der Westentasche! Am oberen Ende befindet sich eine Kapsel, in die die prima Tränengaspatrone eingeführt wird. Kommt nun zu mitternächtlicher Stunde ber Räuber und verlangt die Brieftasche, bann ziehen Sie einfach Ihren Bleistift, drücken auf diesen Knopf hier? Unb das Resultat? Ein Feuerschein, ein Knall — und ber Knüppelhelb fängt zu flennen an wie ein neujeborenes Kind! Nun greifen Sie sich den Kunden, bringen ihn schnell zur nächsten Polizeiwache unb verdienen sich eine Belohnung ... Sie sehen also klar, baß mein schie^nder Bleistift nicht nur eine gesetzlich erlaubte Schußwaffe ist, sondern auch die beste Gelegenheit bietet, schnell einen Hausen Geld zu verdienen. Deshalb säumen Sie nicht, sondern kaufen Sie."
(Eine Stimme aus dem Publikum): „Warum sind Sie denn noch nich reich geworden? Mensch, da stimmt doch wat nich?! ..
Buntes Allerlei.
Physik des Zo Jo.
Das neue Modespiel Io - 2 o , das so rasch seinen Siegeszug durch d'e Welt gemacht hat, beruht auf jenen „geheimnisvollen Eigenschaften, durch die die Rolle ohne Gummi unb ohne Feber in bie Hanb des Spielers zurückkehri. Daß dieses kleine „Wunder" schon früher die Menschen ergötzte, ist durch seine vielhundertjährige Geschichte bargetan worden. Aber der Laie, der in ber Physik nicht recht betoanbert ist, fragt sich, auf welchem Prinzip das Spiel eigentlich beruht. Darauf gibt Dr. A. Krebs in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" eine erschöpfende Antwort. Die Funktion des Io-Io läßt sich mit Hilfe des sog. Maxwellschen oder Giesekerschen Rades barstellen. Dabei handelt es sich wie beim Pendel um die Umsetzung von Energie ber Sage in Energie der Bewegung und umgekehrt. Wird das Rad aufgewickelt, so ist damit eine ganz bestimmte Arbeit geleistet, die nun sozusagen in dem Rade steckt; es besitzt „potentielle Energie". Läßt man das Rad los, so bewegt es sich rollend nach unten, wobei sich die Energie der Sage in Energie der Bewegung verwandelt. Die Summe dieser beiden Energien ist am größten im tiefsten Punkt der Bahn, wenn die Schnur gani abgewickelt ist. An diesem Punkt behält aber die Rolle infolge von Trägheit unb Beharrungsvermögen ihre Umlaufrichtung bei und wickelt infolgedessen „selbsttätig" die Fäden um die Drehachse, „krabbelt" also wieder zur Ausgangslage empor. Das Spiel wiederholt sich von neuem in entgegengesetzter Richtung, unb so steigt das Rad längere Zeit auf und nieder. Es erreicht jedoch nicht immer dieselbe Höhe wie zu Anfang, da bei jedem Steigen und Fallen ein Teil ber hineingesteckten Energie durch Reibung und Wärme verloren geht. Schließlich ist diese ganz« Kraft verbraucht und das Rad
bleibt unten. Die 2o-2o-Rolle funktioniert nach demselben Prinzip, aber gelangt infolge ber großen Reibung nach einigem Hin- und Her- pendeln verhältnismäßig rasch in die Ruhelage. Hier muh nun die Geschicklichkeit des Io-Io- Spielers eingreifen, indem dieser im geeigneten Augenblick die durch Reibung verloren gehende Energie durch den Ruck mit dem Finger ersetzt, damit also neue Kraft in die Rolle hineinsteck l_ Tüchtige Spieler lassen das 2o-2o aber nicht nur nach unten fallen, sondern geben ihm sofort eine gewisse Zusatz-Energie mit, wodurch der ganze Vorgang schneller und eindrucksvoller verläuft. Die Masse der Rotte, der Durchmesser des Aufwickel-Zapfens unb gewisse Kreiselwirkun- gen haben bei dem Spiel noch außerdem eine besondere Rotte.
Erdbebenvorhersage aus dem Reisiopf.
Ein junger Reishändler aus Tokio namens Hideji Matsuo behauptet, imstande zu sein, Erdbeben vorherzu'agen durch Beobachtungen am Reis, wenn dieser in der japanischen Form gedämpft ist. Er erklärt, daß et vor jedem größeren Erdbeben, das sich in 2apan in der letzten Zeit ereignete, bestimmte Kennzeichen einer Rostfarbe an dem gekochten Reis der vorhergehenden Ernte beobachtet hat. Diese Theorie ist von den Sachverständigen der meteorologischen Beobachtungsanstalt in Tokio untersucht worden, und man sucht die Erscheinung dadurch zu erklären, daß mit dem Wasser auf den Reisfeldern vor einem Erdbeben gewisse chemische Veränderungen vor sich gehen, bie diese Merkzeichen am gekochten Reis beroorbringen. Es hat sich sogar herausgestellt, daß die Rostflecken am Reis nach ber Schwere der Erschütterungen, die später eintreten, verschieden sind, und so kann man angeblich aus dem Reistopf sogar erkennen, ob eine größere Katastrophe zu erwarten ist.
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