Aus aller Welt
ie-
>er
Genf, die „Stadt des Friedens", gleicht jetzt einem Kriegslager
Starke Posten mit Stahlhelm und Maschinengewehren hielten die Straßen im Zentrum von Genf besetzt, um jeden neuen Aufruhr von vornherein im Keim zu ersticken
2lm letzten Derhandlungstag im Freiburger Colloredo-Prozeß würbe der Schriftsteller Schöpwinkel vernommen, der angab, persönlich an einem Doktortitel nicht interessiert gi toefcn zu sein. Nur seine Organisation, die übu bie ganze Welt Filialen habe, habe ihm geraten, einen deutschen akademischen Grad zu erwerben. Er sei mit einem gewissen Legationsrat Dr. Friedrich in Freiburg bekannt geworden und habe mit diesem über die Erwerbung des Eisernen Kreuzes am weih-schwarzen Bande und des Doktorgrades der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg korrespondiert. Er habe gegen Einsendung von 550 Mk. eine recht primitive Urkunde erhalten. Schöpwinkel fühlt sich durch den Angeklagten nicht geschädigt: er hält den Angeklagten für einen kranken Menschen, nicht für einen Schwindler. Oberstaatsanwalt Fitz ne r hielt das Plädoyer. Die Anklage sei in allen Punkten erwiesen. Das Gericht fällte folgendes Urteil: Der Angeklagte Colloredo wird wegen Betrugs und erschwerter Urkundenfälschung zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Die Untersuchungshaft von fünf Monaten zwei Wochen wird angerechnet. Der Angeklagte, Schriftsteller Schmolte, Berlin, wird wegen Hehlerei zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte, Schriftsteller und Kunstmaler A a k e t te , Frankfurt a. M, wird freigesprochen. Der Haftbefehl gegen Colloredo wird aufgehoben und an seine Stelle tritt der Auslieferungshaftbefehl für die Schweiz.
Ein neu gebildetes Trommler- und Pfeiferkorps, das vom Reichsverband zur Erziehung deutscher viugend jetzt im Rahmen einer größeren sportlichen Schau den Vertretern der Marine- und Heeres- leitung auf dem Truppenübungsplatz Döberitz vorgeführt wurde.
Zwei große Dampfer durch Feuer zerstört.
Durch einen heftigen Brand wurde in einer der letzten Nächte im Amsterdamer Hafen der 15 000 Tonnen-Darnpfer „P. C. Hooft" der Dampfschiffahrts-Gesellschaft Neederlande vernichtet. Der Dampfer, der in voriger Woche von einer Reise nach Niederländisch-Ostindien zu- Nlckgekehrt war, wurde vor einigen Tagen zur Vertilgung ton Natten mitBlausäurever- 6 a st- Kurz danach war an Bord des Schiffes üeuer ausgebrochen. Als ein starkes Aufgebot der Feuerwehr und zwei Löschboote an der Brandstelle erschienen, hatte das Feuer auf die Kabinen erster und zweiter Klasse übergegriffen. Trotz der großen Wassermossen, die aus vielen Rohren in das Schiff geschleudert wurden, stand bald der größte Teil des Mittelschiffes in Brand. Unter heftigem Geklirr ging das dicke Spiegelglas der Fensterscheiben in Trümmer. Ein Rettungsboot stürzte in Flammen gehüllt hinunter, brennende Bretter und Balken folgten. Wiederswlt hörte man dumpfe Knalle, die von der Explosion von Sauer-
Das Reichskuratorium für Zugeud- Ertüchiigung Hai seine Arbeit begonnen
Antofagasta haben eine sofortige Untersuchung te- dreisten Ueberfalles angeordnet, ohne jedoch bisher die geringste Spur von den Räubern entdeckt zu haben.
Taifun und Großfeuer in Japan.
An der Küste des Stillen Ozeans wütet, wie aus Tokio gemeldet wird, ein heftiger Taifun. Sn Vokohama sind etwa 30 Häuser ein- gestürzt. Sn Numazu wurden durch einen Brand 500 Häuser vernichtet.
Die polizeilichen Nachforschungen nach den Urhebern des Bombenanschlags auf das Stadthaus in Lausanne sind von der Polizei mit Nachdruck durchgeführt worden. 50 Polizisten besetzten in der Nacht ein bekanntes Nachtlokal. Bisher find jedoch noch keine Spuren von den Tätern festgestellt worden. Unter den fünf verletzten Personen befinden sich ein junges Mädchen und vier junge Männer, die, wie sich jetzt herausstellte, a m ganzen Körper schwer verletzt worden sind. Nach Auffassung der Polizei handelt es sich hierbei um einen wohloorbereiteten 21 n ■ schlag, da die Bombe, die eine außerordentliche Durchschlagskraft besaß, von einem Sachverständigen mit großer Sorgfalt hergeftellt worden sein muß.
. Genf, 14. Nov. (TU.) Die Nacht auf Montag ist hier oöllig ruhig verlaufen. Die Polizei hielt während der ganzen Nacht einen strengen Patrouillendienst aufrecht. In der Nacht wurden von der Polizei die Haussuchungen u n d B e r h a f t u n g e n von Kommunisten fortgesetzt. Drei Kommunisten, denen es gelungen war, in der Kaserne, in der die Truppen untergebracht sind, kommunistische Aufrufe zu verteilen, wurden verhaftet. Es handelt sich bei den Verhafteten um diejenigen, die in der Nacht auf Donnerstag den A n g r i f f auf die Truppen geleitet haben. Man fand bei ihnen Waffen und Stahlhelme von Offizieren und Mannschaften. Das Genfer Regiment mit Ausnahme einer Kom- panie wird heute entlassen werden. Das Walliser Bataillon bleibt zur Verfügung des Platzkomman- vanten in Genf.
k« lt würde. Die gegenwärtigen Bestrebungen, die Gesetzgebungsgewalt des Parlamentarismus zu mindern, könnten von den Kriegsopfern nicht gutgeheihen werden. Der Redner begründete dann das Aktionsprogramm des Reichsbundes, das die vordringlichsten Forderungen der Kriegsopfer für ihre Versorgung in der Gegenwart aufzeigt. Nach weiteren Vorträgen wurde eine Entschließung der Reichskonserenz über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf ti? Kriegsopfer angenommen.
Der Colloredo-prozeß in Freiburg.
«m* LAMPEN
stoff-Flaschen und von Flaschen mit Preßluft her- j^rten. Das in Flammen stehende Schiff bekam inzwischen Schlagseite gegen Land, worauf es nach Chellingwoude geschleppt wurde. Der Schaden wird auf viele Millionen Gulden geschäht Zu erwähnen ist daß das Schiff erst 1926 auf der Werft von St. Nazaire gebaut wuxte, während des Baues bereits einmal brannte, wobei ein großer Teil des Schiffes vernichtet wurde.
Der englische 6000-Tonnen°Frachtdampfer „Ore- gou-Star", der in einer Werft in Habburn auf. gelegt ist, wurde durch ein Großfeuer fast vollständig zerstört. Der erste Offizier des Schiffes kam in den Flammen ums Leben. Dns Feuer, das mit großer Schnelligkeit um sich griff und die benachbarten Schiffe stark gefährdete, konnte erst gelöscht werden, nachdem es 24 Stunden lang von zwei Feuerlöschbooten aus bekämpft worden war. Die Ursache des Brandes, der im Vorderschiff aus- gebrochen war, ist noch unbekannt. Der angerichtete Schaden ist sehr groß.
Grohfeuer in einer Mühle.
Die Hessischen Mühlenwerke G. m. b. H. Altenburg bei Felsberg wurden von einem Grohfeuer heimgesucht, das sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete, da die Flammen in den großen Getreide- und Mohlvorräken reiche Nahrung fanden. Di« Felsberger Ordsweihr und die benachbarten Wehren arbeiteten mit aller Macht an der Eindämmung des Brandes, jedoch waren infolge des starken Windes ihre Bemühungen vergebens. Der Brand dehnte sich immer weiter aus und die Flammen ergriffen das gesamte Muhlengebäude. Hm den anschließend gelegenen gefüllten großen Getreidesilo zu retten, wurde die Kasseler Feuerwehr zu Hilfe gerufen, mit teren Hilfe es nach sechsstündigem hartnäckigen Ringen gelang, di« Gefahr des Hebergreifens des Brandes auf den Getreidesilo zu beseitigen. Der Schaden ist sehr groß: er soll jedoch zum Teil durch Versicherung gedeckt sein. Die Untersuchung über die Ursache des Brandes ist noch im Gange.
Flucht aus der Verbrecherkolonie Cayenne.
Nach einer Meldung aus St. Martin de R6 ist es in der letzten Zeit wieder 15 Strafgefangenen gelungen, aus der französischen Verbrecherkolonie Cayenne au entfliehen. Alle 15 Sträflinge sind in die Wälder von Cayenne entkommen, von wo sie versuchen werden, holländisches Gebiet zu erreichen. Unter den Flüchtlingen befinden sich mehrere Mörder, die von französischen Gerichten zum Tode verurteilt wurden, deren Strafen aber auf dem Gnadenwege in lebenslänglich« Zwangsarbeit umgewandelt worden war.
Deutscher Dampfer auf ein Felsenriff aufgelaufen.
Wie aus der Stadt Mexiko berichtet wird, ist der deutsche Dampfer „Distula" mit 60 000 Faß Petroleum auf der Reise von Tampico nach Hamburg südlich von Veracruz auf ein Felsenriffaufgelaufen. Der Dampfer „Rio Bravo" hat die 808-Rufe der „Vistula" beant- wortet und ist ihr zu H^lse geeilt. Die Besatzung ter „Distula" leidet schwer unter, der strengen Kält« und dem schweren Seegang. Das Schiff ist ein Danziger Dampfer, ter der Baltisch- Amerikanischen Petroleumeinfuhrgesellschaft gehört und 1920 in Kiel gebaut worden ift
Piratenüberfall auf einen deutschen Dampfer in Chile.
Dem „Hamburger Fremdenblatt" wird aus Antofagasta berichtet, daß Piraten den im Hafen von Antofagasta vor Anker liegenden deutschen Dampfer „Eisenach" überfallen und reiche Beute gemacht hätten. Während der größte Teil der Besatzung des rund 4200 Tonnen großen Dampfers sich an Land befanden, erkletterten die Seeräuber unter dem Schutz der abendlichen Dunkelheit den Dampfer, überwältigten nach kurzem Kampf die Bordwache und banden sie an Mast und Reeling fest. Die Piraten nahmen dann eine gründliche Durchsuchung des Schisses vor und raubten schließlich 500 Kisten Tee. Mit der Beute konnten sie ungehindert entkommen. Die Polizeibehörden von
Kunst und Wissenschaft. hauptmann-Feier der BühnenGenossenschafk.
Die Genossenschaft deutscher Dühnenangehori- ger beging gemeinsam mit den Derbänden des deutschen Schrifttums eine Dorfeier des 70. Geburtstages Gerhart Hauptmanns in Berlin. Hauptmann wurde, als er mit seiner Gattin erschien, von den Anwesenden stürmisch gefeiert. Beethovens Leonorenouvertüre leitete ten Abend ein. Oberbürgermeister Dr. Sahm hielt die Festansprache Er nannte den Dichter ten Wegweiser einer neuen Literatur-Epoche. Auf einer Berliner Bühm ,ei Hauptmanns Werk zum Siege geführt worden, auf ten bedeutendsten ‘Berliner Bühnen habe es sein Heimatrecht erworben. — Der Dichter Carl Zuckmayer überbrachte den Dank der schaffenden deutschen Sugenb und °deutschen Schrifttums. Kein Deutscher könne . m öt>n Gerhart Hauptmann geprägten Wort Florian Geyers verschließen: „Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz". - Carl Wa l- lauer ter Präsident der Dühnengenossenschast. stattete den Dank ter Deutschen Bühne und der teutschen Schauspieler ab. - Nachdem Frieda m ^chlußgesang ter Drünhilde aus ter
^Götterdämmerung" vorgetragen hatte, dankte Hauptmann selbst mit bewegten Worten.
80 Jahre Römisch-Germanisches Zentralmuseum in Mainz.
Als Schwesterinstitut des Germanischen Mu- feums in Nürnberg ist 1852, also vor genau 80 Sahren, das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz gegründet wor- dem Das Museum hat die Ausgabe, die Denkmäler ter deutschen Urgeschichte bis zur Zeit Karls des Großen und die der auswärttgen Kulturen, insbesondere ter römischen, die mit dem Werden der Kultur auf deutschem Boden in Zusammenhang stehen, in Originalen und Nachbildungen zu einer Studien- und Lehrsammlung zu bereinigen und ter Wissenschaft wie der Volks- bildung nutzbar zu machen. Das Museum hat den Charakter einer Stiftung und erhält Zuschüsse Vom Reich, von Hessen und von der Stadt Mainz. Der derzeitige Bestand ist auf die Schau- 'äle des Kurfürstlichen Schlosses, eine Studiensammlung, die nur dem Fachmann zugänglich gemacht wird, und eine Verkaufsausstellung im Lehrmittelhaus des „Snstituts für Völkerpäda- aogtr aufgeteilt Als Ergänzung hierzu ist ein „Bildarchiv" eingerichtet. Eine Werkstatt mit fünf * aeschickten Spezialarbeitern ist damit beschäftigt. Altertumsfunte, die aus allen Teilen Deutschlands eingesandt werden, zu konservieren und Nachbildungen für das eigene Museum und für andere herzustellen. Veröffentlichungen verschie- - teuer Art haben den Zweck, das Museum wissenschaftlich und volksbildnerisch auszuwerten.
Letzte Nachrichten.
Der amerikanische Gchahkanzler erklärt sich für den Zahlungsaufschub nicht zuständig
Waffjlnglon, 15.Koo. (mZB. Funkspruch.» (Reuter.) Der republikanische Schahsekretär Ogden Mills, der Nachfolger Mellons, hat heute erklärt, die Gewährung eines Zahlungsaufschubs für die am 15. Dezember fälligen Zinsen für Kriegsschulden sei nicht Sache der Cxe- kutive. vorher gehöre die Erörterung dieser Frage vor den Kongreß.
Der Brandstifter von Bühl.
Der 42jährige Schwachsinnige Karl Widmer, der als vermutlicher Brandstifter des Brandes im Kinderheim Bühl (Schweiz), bei dem zwölf Personen umkamen, gesucht wurde, ift jetzt oerhas - t e t und ins Gefängnis eingeliesert worden. Der Verhaftete, der feit seinem 4. Lebensjahr mit einigen Unterbrechungen in der Anstalt untergebracht war, muß als unzurechnungsfähig betrachtet werden. Er hat z u g e g e b e n, den Brand angelegt zu haben.
Drei junge Leute bei einer Mondscheinfahrt ertrunken.
Drei bei einem Gutsbesitzer in Pribbernow (Kreis Gammln) beschäftigte junge Leute unternahmen m j t einem morschen Boot eine Mondscheinsohrt auf dem Gutsteich Als sie am Morgen noch nicht heimgekehrt waren, ging man auf die Suche. Man fand auf dem Teiche den kieloben treibenden Kahn. Später konnte man die Leichen der drei Bootsinfasfen aus dem Teiche bergen.
Vom Lastkraftwagen überfahren und gelötet
Einer oft gerügten Unsitte ist dieser Tage in Kassel wieder ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen. Einige Knaben hatten sich an einen Lieferwagen angehängt, um mitzufahren. In der Magazinstraße stürzte der achtjährige Ernst Horch ab, geriet unter den Wagen und wurde üb er fahren. Der Knabe erlitt einen Schädel- uud Wirbelsäulenbruch und war auf der Stelle t o t.
Reichskonferen;
des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten.
3" Königsberg fand die 21. Reichskonferenz des Reichsbuntes der Kriegsbeschädigten statt. Sn seiner Eröffnungsrede wies ter erste Bundes- vorsihente darauf bin, daß es die Aufgabe dieser Konferenz sei, gegen den Mißbrauch sozialer Not zu parteipolit.scheu Zwecken Derwahrung einzulegen, aber dafür einzutreteu, daß die Lasten des Krieges in gerechter Weife verteilt würden. Aus keinen Fall dürften aber die Kriegsopfer noch neue Lasten aufgebürdet bekommen. Nach einem Vortrag Professor Dr. Hermbergs (Sena) über Wirtschaftskrise und Sozialpolitik sprach ter zweite Buntesvorsitzeude des Reichs- buntes, Soh. N o a, über die Not der Kriegsopfer. Er verwies auf die Zahlen des Reichshaushalts 1927 und 1932. 1927 wurden für etwa 2 300 000 Dersorgungsberechtigte rd. 1 387 000 000 Mark aufgewendet, 1932 betrugen diese Mittel für etwa die gleiche Anzahl Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebenen nur 1 045 324 000 Mk. Diese Rentenversorgung sei durch eine Kette von Notverordnungen in ihren Grundsätzen erschüttert worden. Die Grundsätze der Versorgung, der Versicherung und der 'Fürsorge seien in ihren | Grundlagen nicht mehr klar voneinander getrennt. Eine gute Versorgung und Versicherung entlaste die Fürforge. Es sei daher zu fordern, daß der Dersorgungsauspruch, ter in den letzten Sahren nach und nach seines Charakters als Rechtsanspruch entkleidet worden ist, to i eb er in einen Rechtsanspruch zurückentwik- •


