Ausgabe 
15.10.1932 Frühausgabe
 
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die Vertreter der Presse und erklärte, bah er vom Ausschuß beauftragt worden sei, Gerüchte, die anläßlich der heutigen Rede Waisiglis ent­standen seien, richtigzustellen. Bei einem Teile der öffentlichen Meinung sei der Sinbrud ent­standen, das) in dem Ausschuß einem abwe­senden Lande, nämlich Deutschland,der Prozeß gemacht werden solle". Alle Mit­glieder teS Ausschußes, einschließlich Massiglis, hätten ihn beauftragt, zu erklären, daß diese Auffassung falsch fei. Im Hooverplan sei vorgesehen, daß die bewaffneten Kräfte Deutschlands als Grundlage für die Berechnungen genommen würden. Dabei fei nun die Frage aufgetaucht, ob die Reichs­wehr allein zur Grundlage genommen werden solle. Der französische Elegierte Wassigli habe die Auffassung vertreten, daß d i e Schupo gleichfalls hinzugezogen wer­den müsse.

Kein militärischer Charakter

-er deutschen Polizei.

Eine deutsche Richtigstellung.

Berlin, 14.Oft, (CNB.) Amtlich wird erklärt, im Auslande, eben erst wieder im Genfer Völker« bunbsausschuß, werde behauptet daß Deutschland unter Umgehung der Versailler Bestimmungen sich neben seinem 100000-Mann-Heer eine gut aus- gebildete, schwer bewaffnete zweite Armee von etwa 1 4 0 0 0 0 Mann geschaffen habe. Man vergißt dabei zu erwähnen, daß, was zunächst die Kopfzahl betrifft, von diesen 140 000 Mann etwa 35000 kommunale Polizei- beamte sind, und daß von dem Rest etwa e i n Drittel für Verwaltungsaufgaben im Bureaudienst verwendet wird. Von den übrig bleibenden zwei Dritteln der Polizeibeamten ist die Mehrzahl nicht kaserniert. Die Äajernie- rung, die den hauptsächlichen Stein des Anstoßes zu bieten scheint, kommt nur für die über das ganze Reich oerteilten etwa 350 P o l iz e i b e r e i t « schäften in Frage, deren durchschnittliche Stärke zwischen 60 bis 100 Beamten schwankt. Es bestehen, wie entgegen den immer wiederholten Be­hauptungen heroorgehoben werden muß, keiner­lei dienstliche ober organisatorische Beziehungen zwischen Polizei und Wehrmacht. Auch von einer militärischen Ausbildung ober einer militärischen Bewaff­nung ber Palizeibeamten kann nicht bie Rebe sein. Ausbilbung unb Bewaffnung sind entsprechend den besonderen polizeilichen Zwecken so verschieden von militärischen Grundsätzen, daß eine Einstellung einer noch so gut ausgebtlbeten Polizeimannschaft in das Heer und ihre Verwendung gegen auswärtige Geg­ner eine technische Unmöglichkeit märe.

Zeitungsverbote in Hessen.

WSA. Darmstadt, 14. Oft Der hessi- sche Innenminister hat auf Grund des § 6 Absatz 1 Ziffer 2 der Verordnung des Reichsprä­sidenten vom 14. Juni 1932 und der hessischen Ausführungsbestimmungen dazu die in Darm­stadt erscheinende nationalsozialistische »Hes­sische Landeszeitun^ mit ihren sämtlichen Kopf blättern bis zum 23. Oktober einschließlich verboten. 3n der Begründung des Verbots wird u. a. ge­sagt: Das Blatt hatte in einem ArtikelP o l i - z e i und wir" gegen den hessischen Innenmini­ster in beschimpfender Form Vorwürfe der par- tcllichen Amtsausüdung erhoben. Weiter wird eine Verächtlichmachung der hessischen und der Reichsregierung in der Behauptung erblickt, daß wir in Zeiten des notorischen Verfassungsbruchs lebten. Heute hat das Blatt den Reichskanzler für das Urteil eines Svndergerichts verantwort­lich gemacht mit den Worten: »Das Leben eines EA.-Mannes steht bei Herrn v. Papen niedrig im Kurs. Für einen polnischen Insurgenten läßt man fünf Deutsche köpfen." Diese falsche Behauptung, die die Tatsache der Beanadigung verschweigt, stellt eine kaum überbietbace Böswilligkeit dar. Für die Derbotsdauer war entscheidend, daß ge­gen das Blatt erst am 28. Juni ein Verbot von

Das Münzkabinett.

Von Hans Riebau.

I.

Der Stolz ber Einwohner von Duluth ist ihr Museum. So ein Museum gibt es nur einmal in ben Vereinigten Staaten, von Arizona bis Nord- bafota. Das Heiligtum bieses Museums aber, bas Ziel aller amerikanischen Numismatiker, ist bie Münzsammlung. Zweihundert römische Goldmün­zen gibt es ba, unb bie einzigen unb letzten Stücke altchinesischen Perlgelbes aus ber brüten Dynastie.

Das Münzkabinett liegt im fünften Stock. Seine Fenster tnb vergittert, unb die Tür ist mit schweren Eisenplatten beschlagen. Die Sammlung ist, jeber Einwohner von Duluth weiß bas, mit zwei Mil­lionen Dollar versichert.

II.

Abenbs um sechs Uhr wirb bas Museum ge­schlossen. Die Aufseher machen einen letzten Gang durch bie Räume. Der Hauptpförtner selbst schließt bas Münzkabinett ab. Dann gehen sie alle nach Hause, bie Aufseher, die Pförtner unb bie Konser­vatoren.

Gestern abend aber ereignete sich folgendes: Um 6.45 Uhr steigt ein Mann, der, trotzdem es schon Herbst ist, einen Strohhut trägt, langsam unb von Zeit zu Zeit Atem holend, die Treppen des Mu- eums hinauf. Vor dem Münzkabinett bleibt er tehen, zieht einen blanken fUbernen Schlüssel aus >er Tasche und öffnet die Tür. Sein Gesicht nimmt einen halb erstaunten, halb erschrockenen Ausdruck an, als er mitten im Kabinett einen älteren Herrn stehen sieht, der sich über die Glaskasten beugt

Auch ber ältere Herr macht ein erschrockenes Ge- ficht.Hallo!" sagt er unb mustert ben Mann mit bem Strohhut,was wollen Sie hier?"

Dieselbe Frage möchte ich an Sie richten", lächell der Mann.

Ich fertige, mit Erlaubnis des Direktors, Münz- Zeichnungen an", sagt der ältere Herr.Am Tage würde mich das Publikum stören."

Merkwürdiges Zusammentreffen", schüttelt der Mann mit bem Strohhut ben Kopf,ich bin ber Ju­welier Mabstrik unb beauftragt, bie Münzen zu prüfen. Es ist, wissen Sie, schon mehrfach oorgekom- men, baß wertlose Kopien gegen bie echten Stücke ausgetauscht würben. Unb auch mich" der Mann nimmt den Strohhut ab und fährt sich mit der Hand über den Kopfwürde tagsüber das Publikum bei der Arbeit stören."

Hm", macht der ältere Herr,mag sein. Aber ich muß gestehen: Ich kann nicht zeichnen, wenn ich mich dabei beobachtet fühle.'

längerer Dauer erging, das vom Reichsgericht in vollem Umfang bestätigt wurde. Der Ober- Präsident der Provinz Hessen-Ras- f a u hat die in Kassel erscheinende sozialdemokra­tische Tageszeitung »Kasseler Volksblatt" für die Zeit vorn 15. bis einschließlich 18. d. M. verboten, weil die Zeitung in einem Artikel mit der Ueberschrift »Die Gegenrevolution Die Barone enthüllen sich Kriegserklärung an das

Doll", sowie in einem weiteren Artikel »Feinde des Volks?", den Reichskanzler und die Reichs­regierung beschimpft und böswillig verächtlich ge­macht habe. Weiter hat der Oberpräsident die in Frankfurt erscheinende sozialdemokratische Ta­geszeitung »V olks stimme" wegen eines am 13. Of toter erschienenen Artikels »Gegenrevolu­tion der Barone" mit sofortiger Wirkung bis einschließlich 19. d. M. verboten.

Schwere Vorwürfe der Korruption gegen den preußischen Jinanzrrrinister Klepper.

OerLandtags Untersuchungsausschuß beschließt Einleitung einesGtrafverfahren s

Berlin, 14. Oft. (ERD. Eigene Meldung.) Der Untersuchungsausschuß des Preußi­schen Landtags zur Rachprüfung der Geschäftsge­barung des früheren sozialdemokratischen Finanz­ministers Dr. Klepperteider Pächter-Kredit- bank und bei der Domänen-Detriebsgesellschaft

Dr. Otto Klepper, 1928 bis 1931 Präsident der Preußenkasse, bann bis Juli 1932 preußischer Finanz­minister.

trat am Freitag unter bem Vorsitz des Abg. Zubke (Dn.) zusammen. Der Berichterstatter, Abg. Steuer (Dn.) legte in seinem Bericht bar, daß fünf Punkte den Verdacht einer in der Haupt­sache durch politische Gesichtspunkte bestimmten rechtswidrigenundinvielfacherHin- sicht strafbaren Verwendung erheb­lich erMittelderPreußenkasse begrün­deten. Präsident Klepper habe über ein »Son­derkonto A verfügt, das dem Präsidenten zur beliebigen Verwendung persönlich zurVer- f v g u n g gestanden habe. Mit einem ber Preußenkasse rechtswidrig entzogenen Betrag von 200 000 Mk. habe Klepper fortdauernd persön­liche und parteipolitische Zuwendun- genanEinzelpersonen,Presseunter­nehmungen und anscheinend auch an Mit­telsmänner politischer Organisatio­nen gemacht. Er habe dieses Verfahren sogar noch fortgesetzt, als er bereits Finanzminister ge­wesen sei. Dem Chefredakteur der wirtschafts­politischen Wochenzeitschrift »Magazin der Wirt­schaft", Raffael D e r n f e l d , sei von der Do- mLnen-Detriebsgesellschaft 1929 ein Darlehen von 1 1 5 000 Mk. ausgezahlt worden. Als das Unternehmen Bernfelds 1931 zus ammen- brach, mußte der Konkurs mangels Masse abgelehnt werden. Weiter habe Staatssekretär Dr. Abegg auf Anordnung Dr. Kleppers von der Deutschen Landmannbank AG. ein Darlehen erhalten, das erst Anfang Sep­tember d. I. zurückgezahlt worden sei.

Heber die Kölner Filiale der DD-Banf habe die Sladt k ö In von der Preußenkasse durch

Vermittlung des Z en t r u m s m i u i- st er, hirtsiefer einen Kredit von 12 Mil­lionen Reichsmark erhalten, der noch nicht zurückgezahlt sei. Schließlich seien 2,33 Millionen Reichsmark aus Mitteln der Preußen­kasse über die Heim-Bank zum Erwerb von Aktien derKölnischen Volkszei­tung" (Zentrum) verwendet worden, wozu später noch 120000 RM. für den Erwerb von Aktien derGermania" (ebenfalls Zentrum) gekommen seien. Aus dem Gesamt­komplex aller fünf Falle zieht der Berichterstat­ter den Schluß, daß der Vorwurf poli- tischer Korruption insbesondere gegen den früheren Minister Klepper durchaus be­gründet erscheine. 3n dem Fall der Stadt Köln sei auch das Verhalten des dem Zentrum an­gehörenden Oberbürgermeisters Dr. Ade­nauer zu beanstanden.

An ben Bericht knüpfte sich eine sehr erregte Geschäftsordnungsaussprache. Der Ausschuß be­schloß, am Dienstag die Verhandlungen fortzu­sehen und zunächst die MaterieKölnische Volks­zeitung" zu behandeln. Unter ben geladenen Zeugen tefinben sich Ministerpräsident Braun und die Minister Hirtsiefer, Klepper und Höpker- Aschofs. Außerdem sollen geladen werden Prä­lat Kaas, Konsul Waus von derKölnischen Volkszeitung" und der Vorsitzende der Rhei­nischen Zentrumspartei, Wönnig.

Mit den Stimmen der Nationalsozialisten und der Deutschnationalen bei Stimmenthaltung der Kom­munisten wurde ein nationaksozialisti- scherAntragangenommen, den zuständigen Staatsanwalt mit der Lin leitung eines Strafverfahrens gegen ben Finanz­minister Klepper und die etwa sonst beteilig­ten Personen zu beauftragen und die etwa in Be­tracht kommenden Personen, soweit Gründe wegen Fluchtverdachts mit Rücksicht auf die höhe der zu erwartenden Strafen oder wegen Verdunkelungs­gefahr vorliegen, verhaften zu lasten.

Die kommissarische preußische Staatsregierung kann zur Zeit zu ben gegen Dr. Klepper erhobenen Vorwürfen noch nicht Stellung nehmen. Das Finanzministerium hat schon vor einiger Zeit alsbald nach Bekannt- toerben ber Vorwürfe bei der Preußenkasse unb ben von ihr abhängigen Instituten eine Un­ter! u-ch ung eingeleitet, in deren Ver­lauf zunächst die beteiligten Sachbearbeiter ver­nommen unb auch die Bankkonten geprüft wor­den sind. Eine Aeußerung Dr. Kleppers ist mit Rücksicht auf das vor dem Staatsgerichtshof schwebende Verfahren nicht eingeholt Worten. In der Angelegenheit des 12-Willionen-Krediis für die Stadt Köln hat die Regierung ben Re- gierungspräsitenten in Köln beauftragt, Ober­bürgermeister Dr. Adenauer um eine Stellung­nahme zu ter Angelegenheit zu ersuchen.

Kunst und Wistenschafi.

6. Hauptversammlung der Deutschen Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege de» Deutschtums.

In München fand dieser Tage bie 6. Hauptoer. fammlung ber Deutschen Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums statt. Die Ta- gang wurde eingeleitet mit einer Sitzung, ber u. a. der bayerische Ministerpräsident Dr. Held unb Kul- tusminifter Dr. Golbenberger beiwohnten. Der * Präsiden! der Akademie, Geheimral Professor Fried- > rich v. Müller, beteuerte, daß die Hoffnung auf j . weitere finanzielle Unterstützung für die Akademie sich nicht erfüllt habe. Die Deutsche Akademie sei die einzige unter den wissenschaftlichen Gesellschaften ? ähnlicher Art, die sich in der Notzeit aus eigenen 1 Mitteln erhallen habe. ftuUusminifter Dr. Gol - I denberger spendet ber Akademie hohes Lob. Sie' ' könne sich würdig an die Seite ähnlicher Einrich- . tungen in anderen Ländern stellen. Es sei ihr ge- j langen, das Ansehen Deutschlands im Auslande 1 t wieder zu heben und alle, welche die deutsche Zunge sprechen, in engere Beziehungen zueinander unb ,j zum Mutterlande zu bringen. Nachdem der Prä- fibent ein Schreiben bes Reichspräsidenten bekannt- gegeben hatte, in welchem der Reichspräsident der Tagung besten Verlaus wünscht, überbrachten Ver­treter des Deutschen Sprachvereins, des Deutschtums im Auslande unb namens des Vorstandes des Deut­schen Städtetages Grüße. Der 2. Präsident, Uni- oersitätsprofestor Dr. Meyer, berichtet über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Abteilung, der Ge- schästsführer der Akademie Major a. D. Fehn über bie Tätigkeit der praktischen Abteilung und Dr. , Thierfelder, der Leiter der kulturellen Abtei- # lung, über die Kulturarbeiten im Auslände.

Oberpräsident v. Hülsen zum Dr. theol.h.c. ernannt Die theologische Fakultät der Universität Marburg verlieh dem Kurator ber Wllippsunioersität Geh. 1 Oberregierungsrat Dr. jur., Dr. med. h. c., Dr. phik et rer. pol. h. c. Ernst von Hülsen in Anerken- nung seiner erfolgreichen Fürsorge für die geolo­gische Fakultät in Marburg ehrenhalber Titel, Rechte unb Würde eines Doktors der Theo» logie. Die Promotion war schon im Sommer beschlossen worben, sollte aber erst zu Beginn des | kommenden Wintersemesters ausgesprochen werben. Im Hinblick aus ben unmittelbar bevorstehenden 5 Fortgang Geheimrat von Hülsens nach Kassel als jB kommissarischer Oberpräsident der Provinz Hessen* Nassau ist sie jetzt bereits ausgesprochen worden.

Professor Dr. Karl Rothenbücher f.

Der bekannte Münchner Staatsrechtslehrer Pro« J festor Dr. Karl Rothenbücher ist in München - im Aller von 52 Jahren an den Folgen einer fchwe- I ren Angina gestorben. <

Personalveränderungen bei der Reichsbahn.

Berlin, 13. Oft. (TU.) Der Direktor der Be« triebs* und SBauabteilung in ber Reichsbahnhaupt- | Verwaltung, Staatssekretär a. D. Dr.-Ing. h. gy, i ftumbler, fckeibet mit dem 28. b. M. nach Er- < reichung ber Altersgrenze aus seinem Amt. Auf 14 seinen Posten wurde der bisherige Präsident der 1' Reichsbahndirektion Esten, Dr.-Ing. h. c. Leib- M brand berufen ber sich als Schöpfer des Güter- <* kursbuches und Verfasser einer Denkschrift über bie I Rationalisierung des Reicksbahnbetriebes einen Na« 1 men gemacht hat. Zum Nachfolger Dr.-Ing. Leib- branbs wurde der bisherige Direktor des Reichs- bahnzentralamtes für Maschinenbau, Bergmann, w ernannt, dessen Arbeitsgebiet bisher bie Elektrifizie- Kl rung bes Zugbetriebes gewesen rft. Der Nachfolger |H Direktor Bergmanns würbe Reichsbahnbirektor n Emmelius, der während bes Krieges und im | h Jahre 1928 an ber Ausgestaltung ber türkischen ( Eisenbahnen gearbeitet hat unb in ben letzten Jab- 11 ren die oberste Leitung ber Prüfungstätigkeit für V, . bie Wirtschafts, unb Rechnungsführung der Deut­schen Reichsbahngesellschaft innetjattG

Tut mir sehr leib", zuckt ber Mann mit bem I Strohhut bie Achsel. ,Zch meinerseits fühle mich ver­pflichtet ben Auftrag auszuführen, ber mir erteilt würbe/

Der ältere Herr macht ein ärgerliches Gesicht, breht sich um unb guckt aus bem Fenster. Der Mann mit bem Strohhut aber fängt an, bie Schrauben von ben Glaskasten zu lösen. Eine Viertelstunde vergeht.Wie lange dauert es noch?" fragt ber ältere Herr.

Der Mann mit bem Strohhut antwortet nicht. Er häll ben Kopf oorgebeuat unb lauscht. Aus bem Treppenhaus kommen langsame, tappende Schritte. Wenige Augenblicke später, unb bie Tür öffnet sich: Ein Aufseher mit weißem Backenbart unb blauer Mütze eine Taschenlampe in ber Hanb, steht ba.

Ich habe Erlaubnis vom Direktor ...", sagt ber ältere Herr.

Unb ich bin Juwelier Mabstrik", murmelt ber Mann mit bem Strohhut,unb beauftragt ..."

Hm. hm", nickt ber Alte,ich weiß. Der Direktor läßt Ihnen sagen. Sie möchten Mittwoch ober Don­nerstag wieberkommen. Heute abenb finb die Herren von ber Columbia-Universität geloben. Sie wollen bie Sammlung pbotograpijieren." Unb er tritt zur Seite, um ben älteren Herrn und ben Mann mit bem Strohhut aus bem Kabinett zu lassen.

. III.

Derbammtes Pech", sagt Ligstone zu Piggewik, bem Wirt ber Kanada-Bar.Ins Museum bin ich glatt gekommen. Auch bie Tür zum Münzkabinett zu öffnen war eine Kleinigkeit. Aber kaum habe ich an- gefangen zu arbeiten erscheint so ein Ibiot von Ju­welier unb will bie Münzen nachprüfen."

Well", nickt Piggewik, ber Wirt,bas war John Stern."

Wieso?" hebt Ligstone den Kopf,w c r war John Stern?"

Der Juwelier", lächelt oer Wirt.Geflucht hat er wie ein Satan. Acht Wochen, sagt er, hat er ge­braucht, um bie Schlüssel zu kopieren, unb als er bann bas Kabinett ansschloß, war ba ein Mann, ber vom Direktor bie Erlaubnis hat, Münzen zu"

Ligstone wirst sein Glas gegen bie Wanb unb stößt einen ächzenden Ton aus. Seine Finger krallen sich ineinander.

Dann aber besinnt er sich. Sein Gehirn fängt an zu arbeiten.Was meinst du?" flüstert er unb tastet nach seinen Schlüsseln,wenn ich jetzt gleich?"

,Jemen Zweck", schüttelt ber Wirt ben Kopf. Samuel Hig" ist längst mit ben Münzen über bie Grenze, nach Winnipeg."

Ligstone guckt ben Wirt an wie ein Gespenst.

Wer?" haucht er,wer ist mit den Münzen über

bie Grenze?"

ISamuel Hig", grinst der Wirt, ,chu hättest ihn

eigentlich erkennen müssen. Er trug einen weißen Backenbart unb hatte sich als Aufseher verkleibct."

Tempo, Tempo!

3n unserer Zeit der Rekorde werden Arbeiten, die früher viel Zeit in Anspruch nahmen, in er­staunlich kurzer Spanne vollendet. Einige solcher Rekordleistungen finden sich in einer englischen Wochenschrift zusammengestellt. Ein Ford-Kraft­wagen wurde einmal infolge einer Wette in 11 Minutengebaut", d. h. man muß richtiger sagenzusammengestellt", denn die einzelnen Telle waren natürlich schon vorhanden. Die wirkliche Herstellung eines Kraftwagens dauert beträchtlich länger, und man rechnete die Zahl der Arbeits­stunden, die dazu nötig waren, als der Ford in 11 Minuten erstand, auf 600 bis 700. Seitdem ist aber die Arbeitszeit infolge der modernen Methoden stark verringert worden, und eine Fabrik, die Wagen in dem Tempo von einem Stück alle 31z2 Minuten erzeugen kann, hat die Zahl der Arbeitsstunden pro Wagen von 376 vor drei Jahren jetzt auf 233 herabgedrückt. Gin Schneider arbeitete früher an einem erstklassigen Maß-Anzug etwa 65 Stunden. Die fertigen An­züge entstehen viel schneller, denn hier wird alles mit der Maschine zugeschnitten und genäht, und so ist es möglich, daß eine Herrenkleider- Fabrik in Leeds in jeder Minute, in der hier gearbeitet wird, zwei Anzüge fertig macht. Weibliche Toiletten erfordern nicht viel mehr Zeit, ja sogar noch weniger, wenn sie in einfachen Formen und großen Massen verfertigt werden. Aber wie lange an einer großen Abendtoilette gearbeitet werden muh, das läht sich niemals voraus sagen. Die Fertigstellung eines großen modernen Dampfers nimmt gewöhnlich zwei Jahre in Anspruch. Eine sehr schnelle Leistung war es, als eine GlaSgower Werft im Jahre 1925 den 5500^Tonnen-DampferRerissa" innerhalb sieben Monaten zum Stapellauf brachte. Ein großer Viseirbahnwaggon für Frachtzüge kann in l/< ^Stunden erzeugt werden, wenn die Einzelleile vorhanden sind. Einen Rekord im schnellen Lokomotivenbau stellte eine Fabrik in Phila­delphia auf, die in 26 Arbeitstagen 104 Loko­motiven herausbrachte. Erstaunlich ist auch die Geschwindigkeit, mit der heutzutage große Dampf­kessel vollendet werden. Man braucht dazu nut einen Tag ober noch weniger. Gin Dampftessel von 40 PS, der sehr rasch gebraucht wurde, war in einer Fabrik um 7 Uhr begonnen Worten und konnte bereits um 15 Uhr abgeliefert werten. Die ganze Arbeit vollzog sich in weniger als acht Stunden. Es gibt aber auch Dinge, bei

denen der schnellste Arbeiter scheitern muh. de. ihre Güte liegt gerade in der Langsamkeit d mühseligen Herstellung. Das ist z. D. bei ßar geknüpften Teppichen ter Fall. An solchen Kun werken wird viele Monate lang gearbeitet, u jeder Versuch, die Zeit der Herstellung zu v« kürzen, würde der Güte schaden.

Zeitschriften.

lieber ben interessanten Versuch einer phot­graphischen Naturexpeditton, deren Ziele unb 2e beitsmerfe, terichket ter ArtikelEine Photosch»- geht neue Wege" in ter neuesten Nummer ter LeZ. ziaer3 (l u ft r i r t e n Zeitung" (Verlag I. s Weber). Eine eingehende Würdigung des Derr von Slevogt unb Ortif anläßlich bes Totes diese Künstler bringt bem Betrachter ter Bilder zur Bewußtsein, welche Verluste die teutsche Kunst i jüngster Zeit erlitten hat. Den Stand ter neue nationalen Richtung im deutschen Schrifttum

reißt ein Artikel von K N. Nikolaus: dem Te sind die Porträts ter behandelten Dichter, von Hans Grimm bis Werner Beumelburg, beigegeben. Neben ter Welt ter Mote wird bie Tagesgeschichte eingehenb berücksichtigt.

130 tote Walfische.

Wie aus Halifax auf Reu-Schottland bertd wird, sind die Ufer des Flusses Avon auf ei.e- weiten Strecke bedeckt mit den Leichen von 130 Walfischen, was eine schwere Bedrohung für die j Gesundheit der Umwohner dorstellt. Bor kurzem j drangen die Walfische in einer großen Schar in den kleinen Fluß ein und tummelten sich hier getragen von den einströmendcn Wogen der Flu.< zeit, in ausgelassener Weise, intern sie mächtiges Wassersäulen emporsandten. Dieses lustige Trei^ ben der Meerungetüme verwandelte sich aber in eine Katastrophe, als die Ebbe eintrat und die. Wassermengen auS dem Flusse wieder in den Ozean zurückkehrten. Die Walfische waren äugens fcheinlich dieser überraschenden Veränderung ihrer Lage nicht gewachsen, konnten sich nicht meb- retten, sondern blieben in dem dicken rot« Schlamm stecken, in dem sie umkamen, bevor d Flut wieder neues Wasser in den Fluß brachte. 1 das sie flott gemacht hätte. Die Walfische sind l zwischen 2 bis 3 Meter lang und wiegen zwischen 200 unb 500 Pfund: sie sind in Verwesung über- I gegangen und strömen einen unerträglichen hauch aus. Vor 50 Jahren ist schon einmal eine^ solche Walsisch-Katastrophe an den Ufern des* I Avon vorgekommen und hat damals eine schw re I Seuche hervorgerufen.

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