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15.9.1932 Erstes Blatt
 
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Obecheffen.

300 Jahre Kirche zu Holzheim.

0 Holzheim. 14. Sept. 2lm vergangenen Sonntag hatte unser Dors einengroßen Tag". Galt es doch, das 300jäf)rigc Bestehen unseres Gotteshauses festlich zu begehen. Morgens lauteten die Kirchenglocken den Fest­tag ein. Anschließend lieft der Posaunenchor von lern 36 Meter hohen Kirchturm einige Lob- und Danklieder erklingen. Den Morgenfestgottesdienst eröffnete der Ortsgeistliche Schmid durch Ver­lesen eines Psalmen und des Glaubensbekennt­nisses. Alsdann hielt der Superintendent von Oberhessen, Oberkirchenrat D. Wagner, Die­tzen, die Festpredigt, deren drei Hauptgedanken waren: 1. in diesem Gotteshaus kommt Gott zu euch, 2. und tröstet euch: 3. hier kann bte_ Er­neuerung aller Dinge geschehen. Alsdann über­brachte Prälat D. Ur. Dr. Diehl, Darmstadt, Glück- und Segenswünsche der Hessischen Landes- kirche. Er feierte zunächst den Landgrafen Philipp von Hessen-Butzbach, dem damals Holzheim zu- gehörte, als einen der gröftten Gelehrten seiner Zeit. Dann führte er u. a. aus: 1624 wurden bei Besetzung unseres Ortes durch hessische Truppen der reformierte Pfarrer und der reformierte Schulmeister abgescht und durch lutherische Män­ner erseht. Pfarrer H o l w e g k, ein Vorfahre des späteren Reichskanzlers Dethmann- H o l l w e g, hatte den Bau der Kirche vor- öereitct. Trotz der furchtbaren Rot führten die Holzheimer mitten im Dreiftigjährigen Krieg dieses grofte Werk aus. Dazu gehörte ein tiefer Glaube. Aber er sollte belohnt werden. Brachte doch bald Gustav Adolf den Evangelischen Hilfe. Philipp von Butzbach zwang aber die Holzheimer, noch 16 Jahre lang beim lutherischen Glauben zu bleiben, bis das Dorf 1648 wieder zu Solms- Braunfels kam. Die Festteilnehmer folgten dem Redner mit gröftter Aufmerksamkeit.

Der MännergesangvereinHarmo­nie" unter Stabführung von Gg. Eames sen. verschönte durch einige sehr gut vorgetragene Chöre die Feier. Der gemischte Chor (Leitung D. Engel) umrahmte das gesprochene Wort. Alle von der Gemeinde gesungenen Lieder wurden von der Orgel gemeistert von Organist Kuhl und vom Posaunenchor begleitet. Mit dem Segen, gesprochen vom Ortspfarrer, endigte die Morgenfeier.

Mittags bewegte sich bei herrlichstem Wetter ein grober F e st z u g nach dem Friedhof, um die zu ehren, die vor uns in der Kirche ein- und ausgegangen. Pfarrer K ö d d i n g (Eberstadt) hielt eine Andacht, an der auch viele Andersgläu- bige teilnahmen. Dann ging es wieder zur Kirche. "Da aufterordentlich viele Fremde namentlich aus unferm Filialort Dorf-Düll gekommen wa­ren, reichten alle Plätze unserer sehr geräumigen Kirche nicht aus, so daft Leute vor den Türen sitzen oder umkehren muhten. Pfarrer Freitag (Dieichenbach), der 27 Jahre hier amtierte, hielt eine Predigt. Er feierte den 11. September 1932 als Freuden- und Danktag. da unser Gotteshaus u. a. alle Kriegsstürme, die hier tobten, über­standen hat. Der letzte Prediger Dekan^tellver» treter Stiftsdechan Kahn (Luch) überbrachte die Glückwünsche des Dekanates Hungen und er­wähnte. daft Holzheim im Dekanat seit Jahrzehn­ten hinsichtlich des Kirchenbesuchs an erster Stelle und hinsichtlich Opserfreudigkeit meistens auch an dieser Stelle stehe. Er ermahnte die Gemeinde: Laßt die Kraft des Glaubens auf euch wirken!

Werdet nicht müde im Gebet! Hebet euch in der Siebe!

2uch in der Rachverfammluna trugen ge­mischter Chor und Posaunenchor viel zur feier­lichen Ausgestaltung bei. Alle fremden Teilneh- mer, die freudig überrascht waren von der in lichten Farben prangenden Kirche, waren in der Mittagspause und zum Kaffee Gäste der Dorf­bewohner. Mehrere Eingeladene, darunter der Graf von Solms - Laubach, sandten die besten Wünsche zur Feier. Die zwei Kollekten dienen zur Kirchenerneuerung. Eine Haus- fammlung vor dem Fest ergab 5 15 Mark. 2lm kommenden Sonntag feiert die »Evangelische Gemeinschaft in ihrem Dereinshaus ihr Iahres- sest. 3tt diesen Tagen sind eS 25 Jahre, daft die »Reue Schule" auf der Deune eingeweiht wurde.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden. 15. Sept. Gestern abend ereignete sich hier ein Verkehrsunfall. Ein junges Mädchen namens C tlilie Steinmüller, das gegenwärtig zu Besuch bei Bekannten in unserem Dorfe weilt, wurde gegen 22 Uhr, während eines Spazierganges, von einem Auto angefahren und zu Boden ge­schleudert. Die Verunglückte erlitt Wunden am Kopf und an den Deinen. Der Kraftfahrer, dessen Rurnrner festgestellt werden konnte, be­kümmerte sich nicht um die Verletzte, sondern fuhr ohne Aufenthalt weiter. Das Befinden der Ver­unglückten gibt zu ernsten Bedenken keinen Anlab- <£ Reiskirchen, 14. Sept. Durch die hiesige Gendarmerie st ation wurde hier ein schon lange fterfbrieflid) gefugter Schwind- l e r verhaftet und dem Amtsgericht Gießen zuge- führt. Derselbe trieb sich in hiesiger Gegend als angeblicher Homöopath herum und ver­suchte schlechte, minderwertige und teure Heilmittel an den Mann zu bringen.

k. Hungen, 12. Sept. Der seit einiger Zeit im hiesigen Schlosse weilende Kunstmaler Jenner bat eine Anzahl Aquarelle und zwar meist Land­schaften und Erntebilder aus Hungen und Umgebung gemalt, die gestern im Dieben- saal des Rathauses zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt waren. Die Kunstwerke fanden allgemei­nen Beifall und konnten zum größten Teil auch Abnehmer finben. In diesen Tagen veranstaltete das Hessische Heimatwerk seinen ersten Vortragsabend für Zuhörer aus dem frei­willigen Arbeitsdienst. Rach einleitenden Worten von Bürgermeister Fendt, in denen er dem Wunsche Ausdruck gab, daß die vom Heimatwerk getroffenen Maßnahmen insbesondere zur Betreu­ung der jugendlichen Arbeitsdienstfreiwilligen, einen vollen Erfolg bringen mögen, sprach der Redner des Abends Dr. Kammer, Dillingen, überSinn und Zweck des freiwilligen Arbeitsdienstes".

t Stangenrod, 13. Sept. Sonntag formte Stangenrod fein erstes Mifsionsfest feiern. MifsionSpredigten wurden schon immer einmal dort gehalten, aber ein eigentliches Missionsfest hatte gefehlt. Die große Beteiligung bewies, daft ein solches Fest einem Bedürfnis entsprach. Im Gottesdienst, bei dem die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war, predigte Missionar Walther von Beuern. Die festliche gesangliche Ausgestal­tung gaben die Schüler von Stangenrod, die drei schöne Lieder unter Leitung von Lehrer G ö r g vortrugen. Auch die Rachverfammlung war gut besucht und konnte auf dem dafür ausgezeichnet geeigneten Platz oberhalb des Friedhofes gehal­

ten werden. Hm die Herrichtung dieses Platzes durch den Aufbau eines schön geschmücktem Red­nerpultes sowie durch die Beschaffung von ge­nügend Sitzgelegenheiten wie überhaupt um die ganze Zurüstung des Festes hatte sich Lehrer G ö r g besonders verdient gemacht. Rachdem De­kan Schmidt die Erschienenen begrüßt und auf den Iubiläumscharakter des Jahres 1932 für die Mission hingewiesen am 21. August 1732 hatte die Herrnhuter Brüdergemeinde ihre ersten Missionare ausgesandt berichtete Missionar Walther aus seinen Misissivnserlebnissen in Kamerun. Der Gesangverein von Stangenrod un­ter Leitung von Lehrer D ö r g und der Kirchen­gesang verein Grünberg unter Leitung von Lehrer Roth brachten verschiedene Chöre zu Gehör, die dankbar entgegengenommen wurden. Mit kurzem Dankeswort wurde die Versammlung geschlossen. Als Gaben für die Mission konnten Missionar Walther 50 Mark eingehändigt werden.

KreiS Sdiotten.

Saubach, 14. Sept. Am Dienstagnachmitlag erlegte Se. Erlaucht Graf Georg Friedrich zu Solms-Laudach am Schömberg bei dem Dbernfeenerßof einen kapitalen Hirsch (Vier- zehnender).

Laudach , 15. Sept. In der jüngsten G e meinderatsf itzung wurden zunächst 600 Fest- Meter Fichtenstammholz an einen auswärtigen Händler verkauft. Mit der von dem Ministerium des Innern vorgeschlagenen Aenderung der Wasserbezugsordnung erklärte sich der Gemeinderat in der Hauptsache einverstanden. Die von der Freiwilligen Feuerwehr beantragte A n - fchaffung von 100 Meter Schlauch nebst Kupplungen wurde genehmigt.

Krcis Alsfcld.

ch Rieder-Gemünden, 13. Sept. Zu einer außerordentlichen Hauptversammlung hatte der hiesige Geflügelzuchtverein seine Mitglieder für den vergangenen Sonntag eingela­den. Einziger Punkt der Tagesordrmng war das Programm der vom 16. bis 18. Dezember d. I. hier stattfindenden »Bezirks-Geflügelschau". Zu­nächst gab Zuchtwart S oe d l e r einen Rückblick auf die von auswärtigen Vereinen in letzter Zeit stattgefundenen Besichtigungen hiesiger Zuchten. Die Besprechung der vorgesehenen Ausstellung und die Verteilung der Arbeiten gingen rasch von- statten, da sämtliche Mitglieder den Willen zeig­ten. nach Kräften am Gelingen der Schau rnrtzu- helfen. Die vorgesehene Ausstellungsleitung seht sich wie folgt zusammen: Vorsitzender Bürger­meister Wittich, Ausstellungsleiter: L. Ot­ter dein. 1. Schriftf.: O. Herbst, 2. Schriftf.: Lehrer Loh, Rechner: O. So edler, Techni­scher Leiter.

Kunst und Wiffenschast.

Afrikaforscher Jrobenius aus Tripolilanien zurück.

Wie der Telegraphen-Union aus Rom gemeldet wird, ist der bekannte Afrikaforscher Professor Leo Frodenius von seiner Expedition in das Innere Tripolitaniens mit einer reichen Ausbeute an wissenschaftlich interessanten und wich­tigen Feststellungen über die Felszeichnungen, die den verschiedenen Stilepochen angehören, nach Rom zurückgekehrt. Professor Frodenius wird in diesen Tagen mit dem italienischen Kolonialministe­rium über die Auswertung seiner Funde in Füh- (una treten. Außer den zahlreichen Felszeichnungen soll der bekannte Afrikaforscher auch umfangreiche Strecken von siedlungsfähigem Weide- land in Fezzan festgestellt haben. Die unter der

Leitung von Dr. Jensen stehende Abteilung der Forschungsexpedition, die noch in die Gegend von Gat oorgestoßen ist, dürste erst in einiger Zeit nach Europa zurückkehren.

Professor Deycke hostt aus Diederausnahme des Lalmelte-Prozesies.

Der im Lübecker Calmette-Prozeß verur­teilte Professor Deycke hält sich seit einiger Zeit in Stuttgart auf. Don privater Seite ist ihm ein chemi­sches Laboratorium zur Verfügung gestellt worden, wo er mit bakteriologischen Versuchen beschäftigt ist. Seine Arbeiten sollen so weit fortge­schritten sein, daß er sie in absehbarer Frist abzu­schließen hofft, um dann mit einem Wiederauf­nahmeantrag durchdringen zu können.

Rundfunkprogramm.

Freitag, 16. September.

7.05 (Von Bad Bertrich): Frühkonzert. 12: Mittagskonzert. 13.30: Konzert. 16 bis 16.45 (Von Leipzig): Gustav-Adolf-Feier. 17 (Don Karlsruhe): Rachrnittagskonzert des Philharmo­nischen Orchesters Karlsruhe. 18.25: Stunde der Bühne: »Die Spielzeit 1932 bis 1933 in Darm­stadt". 18.50: Aerztevortrag. 19.30: Lieder, ge­lungen von Maria von Basilides (Alt). 20.15 (Von Hamburg): Schiffahrt tut not! 21.15: Mo- zart-Aoend des Kammerorchesters der Dresdner Philharmonie. 22.45 bis 24: Rachtmusik und Tanz.

Samstag, 17. September.

7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 10.10 bis 10.50: Schulfunk: Szenen aus »Der Königsleut­nant" von Gutzkow. 12: Konzert auf Schallplatten. 13.30 bis 14.40 (Von Freiburg): Aus älteren Ope­retten. 15.30 bis 16.30: Stunde der Jugend. 17: Unterhaltungsmusik. 18.25: »Bedeutet Kredit­schöpfung zu produktiven Zwecken Inflation?". Vortrag von Paul Alt. 18.50: »Hausbesitzer und Mieterschaft, Gemeinsames und Gegensätzliches", Gespräch zwischen Regierungsrat a. D. Ritter und Dr. Wilhelm Schulz. 19.30; Rheinische Frohnatur, eine heitere Stunde mit Rudolf Rieth, Alice Rhode und Schallplatten. 20.10 (Vom Zeppelin­bau Friedrichshafen): Bunter Abend.

Wettervoraussage

Weiterer kräftiger Barometeranstieg hat zur Ent­wicklung eines Hochdruckgebietes geführt, das sich quer über Mitteleuropa erstreckt. Unter seinem Ein­fluß wird vorerst vielfach aufheiterndes Wetter herr­schen, wobei allerdings verbreitete für das herbstliche Hoch charakteristische Frühnebelbildungen eintreten. Die Temperaturen, die durch Ein- und Ausstrahlung bestimmt werden, erfahren zwischen Tag und Nacht aber stärkere Gegensätze.

Aussichten für Freitag: Nach Frühnebel­bildungen tagsüber aufheiterndes und trockenes Wet­ter, Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht sich etwas verschärfend.

Lufttemperaturen am 14. September: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 15,6 Grad; am 15. September: morgens 15,4 Grad. Maximum 21,4 Grad, Minimum 12 Grad.

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