N MW 0010 SIKlk
Vornan von Margarete Antelmann.
Copyright by Martin Feuchtwanger, HaNe (Saale)
S ^ortleßung Nachdruck verboten.
»Hel HalloI Sie, guter Mann, ist mein Freund d nicht bei Ihnen, der Doktor Richter?"
Fast ein wenig unwillig über den lauten Eindringling hob der alte Pächter Steingruber seinen grauen Kopf. Sah über das Geländer der Holz- Veranda hinweg gerade auf einen jungen Mann, der ihn ein wenig herausfordernd ansah.
„Was wünschen Sie denn, mein Herr?"
„Sie sind doch der Pächter Steingruber — nicht wahr?"
»Zu dienen, mein Herr!?"
„Können Sie mir nicht sagen, ob August Richter bei Ihnen ist. Er wollte doch hier vorsprechen?"
„Herr Doktor Richter ist vor etwa zwanzig Minuten fortgeritten!"
„Oh, das ist zu dumm! Da renne ich wie ein Verrückter hierher... Aber, ich möchte ja auch mit Ihnen reden, Herr Steingruber. Ich weih von Frau Mertens, daß Sie ehrlich sind und treu und dast Sie es gut mit den Richters meinen. Aber warum haben Sie denn nicht meinem Freund die Augen geöffnet über diesen Betrüger und Schwindler, der hier Verwalter ist?
Hübsche Dinge hab' ich da erleben müssen. So etwas von Rechnungsführung ist mir noch nicht vorgekonimen. Das find ja ungeheuerliche Zustände ...“
Pächter Steingruber unterbrach den Wütenden.
„Wollen Sie mir nicht sagen, mein Herr, wer Sie eigentlich sind?"
„Ich bin Theobald Fischer, der beste Freund August Richters. Er hat mir Vollmacht gegeben, hier Ordnung zu schaffen. Verstehen Sie?"
„Soso! Dann sind Sie wohl der neue Verwalter? Ist Helmer abgesetzt worden?"
„Sagen Sie lieber 'rausgeflogen. Unt> zwar sofort. Einen Betrüger und Trunkenbold können wir hier nicht gebrauchen. Es wird wohl auch noch ein gerichtliches Rachspiel geben, wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung. Dieses Subjekt war es hauptsächlich, das meinen armen Freund allmählich um Hab und Gut gebracht hätte!" .
»Ja. ja! Wir haben es alle mit ansehen müssen und konnten nichts dagegen tun!“
„Aber mein Lieber, ein Wort zu dem Amtsrat, und diese Zustände wären wohl aufgedeckt worden."
„Oh, Sie scheinen keine Ahnung zu haben von dem Herrn Amtsrat. Der war Wachs in den Händen von Helmer: er glaubte an dessen heuchlerischen Worte wte ans Evangelium. Da war wirklich nicht das geringste zu machen. And der Herr August, der lieh sich nie blicken, und schriftlich konnte man da nichts ausrichten.
Aber ich bin froh, wenn ich jetzt endlich frei von der Leber weg reden kann: das hab' ich mir schon lange gewünscht."
Theobald Fischer hatte auf Einladung des Pächters auf der Veranda Platz genommen: er war neugierig, was er alles hören würde. Der Mann da vor ihm sah gut und vertrauenerweckend aus.
„Sie dürfen mir ruhig vertrauen, Herr Steingruber! Wenn ich auch noch jung bin: ich habe den besten Willen, meinem Freund zu helfen."
„Ja! Da sind Sie wohl gar nicht der neue Verwalter?" Fragend sah der Pächter zu Theobald Fischer auf.
„Rein, der bin ich nicht! Aber ich bitte Sie trotzdem, mir alles mu sagen, was Sie wissen. Sonst kann ich nicht helfen.^
Steingruber fah auf den jungen Mann, der auf einmal gar nicht mehr leichtsinnig aussah, und dessen vorhin noch so fröhliches und sorgloses Iungmännergesicht jetzt einen ernsten und gereiften Gindruck machte.
„Also, Herr Fischer, ich sagte Ihnen schon, daß mit dem Herrn Amtsrat nichts anzufangen war. Der glaubte fest und steif an alles, was ihm der Helmer vor schwindelte. Der hätte jeden schief angesehen, der ihm hätte die Augen öffnen wollen. Rein, Herr Fischer, der Herr Amtsrat, der wollte betrogen sein. Er wollte auch nichts mit dem Gutswesen zu tun haben. Feste feiern, große Iagdgelage abhalten — das war seine Lust.
Glauben Sie mir, Herr Fischer, der Herr Amtsrat war nicht zuletzt selbst schuld an dem Verfall des Schloßguts. Don unf er einem wollte er nicht viel wißen. Er wollte nichts zu tun haben mit armen, schwer arbeitenden Männern: er hielt sich lieber an die vornehmen Richtstuer und Windbeutel aus der Stadt, die sich an seinem Tisch den Bauch voll aßen. So lange, bis das Ende kam. Dann lieh sich keiner mehr blicken von der ganzen noblen Gesellschaft. Dann zerrissen sie sich die Mäuler über Löbbau. Das Gesindel!
Dazu kam noch, daß der Herr Amtsrat den Herrn August so weit wegschickte. Er sah seiner Mutter so sehr ähnlich und der alte Herr wollte nicht immer an die geliebte Tote erinnert werden. So saß er ganz allein, von morgens bis nachts, und kümmerte sich um nichts mehr. Es wäre vieles anders geworden, wenn der Herr August sich um das Gut gekümmert hätte. Der
Verwalter hätte eine Aufsicht gehabt. Aber der junge Herr wollte ja nicht einmal bleiben, nachdem der Herr Amtsrat tot war. Erst jetzt kam er, wo es fast zu spät ist.
Aber da muß ich Ihnen noch etwas sagen, Herr Fischer! Vielleicht ist das ein Rettungsanker. Ich habe schon Doktor Richter zugeredet. Cs bietet sich nämlich eine glänzende Gelegenheit, den großen Wald dort zu verkaufen. Es wird eine enorme Summe geboten, groß genug, den erheblichen Teil der Belastungen zu decken, die auf Löbbau ruhen."
„Was Sie nicht sagen! Und wer sind die Leute, die den Wald kaufen wollen?"
„Sie kommen von Berlin. Es waren drei Herren."
„Haben Sie eine Ahnung, weshalb sie den Wald kaufen wollen?"
„Rein! Ich vermute, es handelt sich um eine Heilstätte, denn die Luft in unserem herrlichen Tannenwald ist ausgezeichnet. Die Herren schnüffelten auch immerzu in der Luft herum und machten sich gegenseitig auf die Schönheiten aufmerksam.
Ich habe Herrn August eifrig zugeredet. Hnb ich meine, auch Sie sollten das tun. Eine bessere Gelegenheit wird er nie finden. Lind dann, wenn ein großes Sanatorium hierher käme, würden wir doch alle profitieren."
„Vielleicht haben Sie recht, Herr Steingruber! Ich werde mit die Sache auf dem Heimwege überlegen. Aber jetzt muß ich gehen: hoffentlich finde ich meinen Freund bald, damit ich das alles mit ihm besprechen kann. Vielen Dank jedenfalls für Ihre Aufklärungen."
Theobald Fischer schritt schnell aus: er verließ bald die Chaussee und gelangte in den großen Wald. Weit breitete er die Arme aus. Das war wirklich ein herrliches Fleckchen Erde! Lind diese Luft! Wie geschaffen war das hier für ein Sanatorium. Der Pächter hatte recht.
Gemächlich schritt der junge Mann dahin, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Erst durch dichten, tiefen Wald, dann durch eine kleine Schonung, der wieder herrlicher Wald folgte.
Theobald hatte nicht auf den Weg geachtet und stolperte über einen knorrigen Wurzelast, rutschte mehrere Meter tief ab.
Es hatte sich hier eine Erdgrube gebildet, an einer Stelle, wo einige Stämme geschlagen waren. Endlich gelang es dem jungen Manne, Halt zu finden. Er konnte sich an dünnem Gestrüpp sest- krampsen und sich hochziehen, bis er oben stand.
Er sah an sich herab. Schön hatte er sich zu- gerichtet. Sand und feuchte Erde fielen von ihm ab, als er sich schüttelte. Aber die Schuhe, die
schonen, braunen Schuhe: man sah nicht mehr viel von ihrer ursprünglichen Farbe.
Theobald trat fest mit dem Fuße auf, di- Erde abzuschütteln. Komisch war das. Woher kam dieser Staub, wo die Erde doch kaum vom Frost befreit war? Eigentlich noch genug Feuchtigkeit in sich haben mußte?
Theobald Fischer sah sich um. Seltsam war das... dort an dem gesunkenen, zerrissenen Erdreich zog sich ein schwarzbrauner Streifen entlang ... •
Im Ru kroch Theobald wieder in das ausgehöhlte Loch hinunter.
Herrgott! Was hatte er hier entdeckt! Rein, das konnte kaum möglich fein... aber da war kein Zweifel: das war nichts anderes als Kohlenstaub. Ganz gewiß war er seiner Sache. Dieser schmale Streifen nahe der Oberfläche war eine verlaufende Braunkohlenader.
Wie ein Blitz durchfuhr es den suchenden Mann. Darum wollte man plötzlich den Wald kaufen, daher kam dieses Interesse. Den Leuten toa* nicht um die würzige Luft zu tun, um bie schönen Bäume — denen ging es um aam andere Dinge.
Aber sie waren auch noch da, die Waldkäufer vnirden sich verrechnet haben. Lind der August ahnte nichts von seinem Glück! Wußte nicht, daß ihm das Schicksal das Große Los in den Schoß geworfen hatte. Daß der Weg zum Reichtum offen vor ihm lag.
Auf einmal rannte Theobald Fischer die Land- straße entlang, auf Löbbau zu. Schweißtriefend kam er im Schloß an, stürmte ms Arbeitszimmer, zu August.
August Richter stand mit finster gerunzelter Stirn mitten im Zimmer, noch mit Mütze und Reitgerte in der Hand.
„Gust... Menschenkind, wo treibst du dich nur herum? Ich suche dich wie eine Stecknadel, überall!"
„Aber Theo, weshalb bist du mir bis zum Vorwerk nachgelaufen? Es tut mir wirklich letb.“
»Mir tut es gar nicht leid, Gust!" brüllte Theobald, und die Freude leuchtete aus seinen Augen.
„Du bist ja so vergnügt, Theo! Dos ist denn passiert?"
„Alter Freund, ich weiß, warum die Leute den Wald kaufen wollen..
„Theo, fei still von dem Wald! Er ist das letzte» was ich besitze. Ich bin quer durchgeritten... wie schön ist dieser Wald! Ich kann es kaum über mich bringen, ihn zu verkaufen. Vater hat es auch nicht getan..."
„Gust, du bist ein Glückspilz!"
(Fortsei"""-»
ünpfänge*
ULTRA-GEADEM SUPER-GEADOR sind ausgezeichnet durch den
dessen Komfort den Fernempfang erst zu einem vollen Genuß macht
Auskünfte und Vorführun g bei .Ihrem Radiohändler
Fahmer-Schmuck
daS vornehme Geschenk
, Kunsthandlung
• Vl<o<Seltersweg 22
_______________________________8829 D
Med.-Rat Dr. Frobenius Facharzt für Nerven- u. Gemütskranke Jetzt Liebigstraße 21 Ecke Frankfurter Straße - Tel. 2794
8851D
In keinem Haus sollte der
Webrahmen
fehlen, der so viel Freude bereitet und auf dem Sie so viel nützliche Sachen herstellen können!
C. Röhr & Co.
liefert Ihnen auch 8848 a
Bast und Kettgarne
HL 11 _ Teppich-Illi gl I I Q II Ul IC
CafeAmend
Morgen Donnerstagabend:
Sonderkonzert
unter Leitung des neuen Kapellmeisters
Kurt Scharf • Berlin
(6 Herren) 8855 D
finden Sie in größter Auswahl
bei mir:
Parfüms:
Maroquin, die wundervolle Duftschöpfung des Hauses Monson, Tosca und Rheingold von 4711, Intermezzo und Mimikri von Scherk, Pacific von Dr. Albersheim, die herrlichen Blumengerüche von Schwarzlose u. a.
Geschenk-Packungen:
von 4711, Gegenüber, Uralt, Lavendel und allen bekannten Firmen.
Gerne werden Ihnen die geschmackvollen Packungen unverbindlich vorgelegt.
8807 a
Linoleum- und Stragula-Teppiche mit kleinen Fehlern und Reste 10 bis 20 Prozent Rabatt! Tapetenhaus arno
H. Kreiling, Bahnhofstr. 29
Einen Vorzugsplatz
unter dem Weihnachtsbaum nehmen die Photo-Geschenke ein.
Kameras in allen Preislagen (für Anfänger, Fortgeschrittene und „Alleskönner“) - dazu die hunderterlei verschiedenen Zubehörteile und Photoalben In allen Ausführungen finden Sie sehr preiswert bei mir.
Photo-Winterhoff
Kreuzplatz 9 „30A
& scUwee!
Das kommt vor, daß der Weihnacht*- mann die WOnsche nicht begreift.... Aber machen Sie elch’s leichten. Hier sind ein paar Anregungen fßr Geschenke, Ober die eich Jeder Herr freuen wHi
Taschenmesser,Rasierapparate, Messer, Garnituren und Spiegel «Rasierklingen In allen Preislagen, Taschenlampen, Schlittschuhe, Ski, Rodel.
andere preiswerte, schöne fleeehenke fto den Herrn finden Sie bei
J. B. Häuser/ Gießen
Am Oswaldsgarten - Ruf 2145 und 2146
_____ 8588 A
Nagnt-Geflügel - KömeMer
noch billigerf 8838 a
Samenbans Heinrich Hahn/Dieben Tekphon^401
Kubier
Hanna-Beinkleider undPcinzessröcke
Kühler
Aus edler, zarter, eula- nisierfer Wolle, über* aus angenehm,ge$und und schlankmachend, besonders haltbar durch eingestrickte Schrittverstärkung und beliebt durch weitere
. y,
Kataloge kostenlos durch die Fabrik Paul Kühler & Co., G.m.b. H., Stuttgart-O. g
Kübler Hanna Kleidung führem < Spezialhaus Frdr.Teipel Markt ie J. Schmücker Nacht. Markutr. 4-a Modehaus Salomon schuistrate «
Restern Dekorationsstoffen
für Kissen, Decken und Handarbeiten 87wD
HEINRICH HOCHSTÄTTER
M /006.A
-Schleier ® Modehaus
~ Salomon


