Ausgabe 
14.11.1932 Erstes Blatt
 
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Deiner Hände Werk I

übernommen hatte.

15 Fortjetzung.

Nachdruck verboten.

I^oman von Klothilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Fenchtwanger, Halle (Saale)

steht aber die Auffassung, dah es sich hierbei um e-.nen kommunistischen Anschlag han- oe^t, der als Protest gegen die von der Regie­rung ergriffenen scharfen Abwehrmahnahmen ge­gen alle kommunistischen Störungsversuche aus- geführt worden ist.

Abschluß der deutsch - französischen Wirtschafisberatungen.

Das Ergebnis der Verhandlungen in Berlin.

Als er nach langer Zeit aufstand und sich zu traurigen Fahrt in die Heimat rüstete, war er ein Mann, der mit einem bleichen und jäh gereiften Gesicht dastand.

b a u d e, in dem gleichzeitig die gesamte Stadt- und Kommunal Verwaltung unter­gebracht ist, aus einem vorüberfahrenden Kraft- Wagen ei ne Bombe geschleudert worden. Fünf Personen wurden verletzt. Die sofort ein- geleitete polizeiliche Untersuchung hat bisher noch zu keinen endgültigen Ergebnissen geführt. Es be-

Bombenanschlag in Lausanne.

Lausanne, 14. Rov. (£11.) 3n den Spät­abendstunden des Sonntags ist auf das Hotel de Dille, das offizielle Regierungsge-

Erikas Kursus in Buchführung, Schreibmaschine und Stenographie ging nun auch zu Ende. Sie dachte daran, sich zum Herbst eine Stellung zu suchen. Der Betriebsingenieur vom Bremerwerk hatte ihr schon eine bei sich im Privatbüro in Aussicht gestellt. Es war nur noch das Einver­ständnis des Kommerzienrats einzuholen, an dem aber nicht zu zweifeln war.

Ich freue mich so auf die Arbeit", schrieb ScSenf. maI- wenn ich als wohlbestallte Echrelbdame in den heiligen Räumen wirke, in die wir uns immer heimlich schlichen, um die neuen Zeichnungen der Motoren und Maschinen Zu studieren. Am liebsten wäre ich ja richtig in die Werkstatt gegangen. Ich habe keinen größeren Wunsch, als an den Maschinen zu arbeiten und ZU lernen. Warum bin ich kein Junge! Dann hätte ich richtig in die Lehre gehen können,- aber so em dummes Mädel, das darf höchstens die Briefe tippen an die richtige Arbeit kormnen

doch "icht heran, wenn man nicht das Kochen und Flicken als einen Ersatz ansieht. Jetzt wirst Du mich sicher auslachen,- Du hast mir ja so oft gepredigt, daß jede Arbeit wichtig ist.

sHe.lt«: ja nur ein ganz kleines biß» r"'-^?enn icy Vaters und mein kleines Heim so richtig hübsch und ordentlich gemacht habe wsnn er mich dann lobt, Du, dann tausche ich mit keinem anderen Menschen. Aber mitunter zieht es mich doch hinunter zu dem Bootssteg und ich sehne mich, mit Deinem Boot, der kleinen .Wassernixe', hinzufliegen auf dein Flusse zwischen den grünen Ufern und wieder einmal zu steuern wie du mich gelehrt hast ...

Aus der provinzialhaupiffadi.

Gießen, den 14. Rovember 1932.

Jür die deutschen Schulen in Afrika...

Heber Erwarten viele Gäste fanden sich am Samstag zu dem Hnterhaltungsabend der Ab­teilung Gießen des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft in den Räumen des Gesellschaftsvereins ein, um einige angeregte Stunden zu verbringen und dabei gleichzeitig einem guten Zweck zu dienen: der Unterstützung der deutschen Schu­len in Afrika. Die Damen der Abteilung Gießen des Frauenbundes der Kolonialgesell­schaft liehen sich die Vorbereitung der Veran­staltung sehr angelegen sein und sicherten sich schon dadurch den vollen Erfolg, den der Abend brachte.

Ernste Darbietungen leiteten den Abend ein. Rritmeister a. D. Dr. Chälons begrühte die Gaste. Er sprach von den geraubten Kolonien. Man habe uns die Kolonien genommen unter dem lächerlichen und haltlosen Vorwand, die Deutschen könnten nicht kolonisieren. Das sei Lüge! Unter deutschem Einfluß wurde viel Segens­reiches geschaffen, mit Ernst sei in den Kolonien gearbeitet worden, zielbewußter Geist habe all len? r5r[ü[lt, die damals in den Kolonien für das Vatermnd, aber auch zum Ruhen der Dölker- stamme wirkten, die den Ländern eingeboren waren. Roch heute sei die Erinnerung dort leben- dig an die Deutschen und an ihr Wirten, und

Erinnerung im besten Sinne widerlege Cug« von der Kolonial-Unsähigkeit der ®eut* kben- Der Geist, aus dem heraus damals die Ro.on-.en geschaffen wurden, verpflichte uns auch heute noch und immer wieder: nicht müde dürf­ten wir werden, unsere Kolonien zurückzufor- dern. Rie dürfen wir die Hoffnung aufgeben, daß die deutschen Schutzgebiete wieder unser eigen werden unter der Flagge Schwarz-Weiß- Rot.

sehr beifällig aufgenommenen kurzen An- 'p/ache folgte ein Vorspruch (verfaßt von Frau >Rse Schmidt), der von Frl. Flemming (Gießener Stadttheater) eindrucksvoll wiedergege­ben wurde und durch den Ernst, mit dem das gei­stige Verhältnis zu den Kolonien dichterich ge­staltet war, nachhaltige Wirkung auslöste. Frau Wehl brachte ein LiedHeia Safari!" zum Vor­trag das durch seine ausgezeichnete Wiedergabe die Zuhörer zu lebhaftem Beifall veranlaßte. Mit zwei weiteren Liedern nahm Frau Wehl die Aufmerksamkeit der Gäste in Anspruch. Frau Dr. Bernhard (ehemaleges Mitglied des Gieße- ner Stadttheaters) lieh zwei Lieder einer be­schwingteren Muse Horen und erntete dafür eben­falls dankbaren Beifall. Ein Duett aus der Bie­dermeierzeit. von zwei Schülerinnen der Gesangs­schule Frau Ilse Schmidt-Wissendorf gesungen, versetzte die Zuhörer im Geiste für einige Minuten m ein empfindsameres Zeitalter. Herr Dvden- stein. der sich in der Uniform des Kolonial- offizlers präsentierte, sprach unter dem TitelKo­lonien heraus!" ein ernstes Gedicht. Ein kleines Tanzspiel, in dem Kinder als Bananen, Apsel- sinen, Kokosnuß, Kaffeebohne usw. auftraten, löste viel Heiterkeit aus, während zum Schluß des offiziellen Programms junge Damen des Ver­eins in originellen Kostümen einen Reigen zeig- ebenfalls sehr beifällig ausgenommen wurde Beide, Tanzfpiel und Reigen, wurden von Frau Erna Schuhmann einstudiert.

Rittmeister a. D. Dr. C h ä l o n s hatte das Amt eines Conferenciers übernommen und wußte gut zu unterhalten. Der Abend brachte in seinem weiteren Verlauf eine Tombola mit beachtens­werten und garantierten Gewinnchancen, ferner die amerikanische Versteigerung eines Photoappa­rates,Leica" genannt, sowie ein lustiges Rächt- kabarett, das sehr bald wegen lleberfüllung ge- schlossen werden mußte. Die restlichen Stunden des Abends und die ersten Morgenstunden des Sonn-

Wahrend Kurt die Rächt durch der Heimat entgegenfuhr, war Frau Melanie mit* Hiltrud bereits auf Bremerwerk eingetroffen. Axel hatte selbstverständlich angeschlossen. Und selbstverständlich war es, daß, nachdem Melanie Axel als den Verlobten Hiltruds dem Prokuristen vorgestellt, der Rorweger alle die Obliegenheiten übernahm, die mit einem Trauerfall verknüpft

Mit der Geschmeidigkeit, die ihm eigen war, l£nZ> sehr bald in die ihm ungewohnten Verhältnisse hinein. Frau Melanie und Hiltrud sowie der ebenfalls heimgekommene Hans Egon nahmen die Beileidsbezeugungen der zahlreichen Bekannten entgegen, wobei man konstatierte, daß die Bremerschen Damen trotz der Kürze der Zeit die elegantesten Trauertoiletten trugen.

Inzwischen nahm Axel Jvarsen die Zügel in inI>' Gr verhandelte mit dem Begräbnis- instltut wegen der pompösen Beisetzung: er be­stimmte den ganzen Gang der Trauerzeremonie zusammen mit Frau Melanie, die eine laute und äußerliche Trauer zur Schau trug.

von dem plötzlichen Tod onfhSerccr9riffen' als sie zugeben wollte. Als sie nach ihrer Heimkehr in das Ar- b c dcmr gegangen, in dem der Verstorbene aufgebahrt lag, ging eine eigentümliche Der- anderung in ihr vor. Es war zum ersten Male,

Glicht 5um ersten

-male, daß die Unsicherheit des Lebens ihr wirk­lich zum Bewußtsein kam. Vielleicht lag es auch ?aran, daß sie durch das Erlebnis mit Olaf zum ersten Male einen tieferen Schmerz erlitten, der lhr Herz aufgeruhrt hatte.

Eie hatte in die Verlobung mit Axel gewilligt, getrieben von dem Wunsche, ihre verletzte Eitel- Es uni) sich an dem Hochmut des

heimlich Geliebten zu rächen.

Run sie aber hier in dem stillen Zimmer stand, wo das Gesicht des Stiefvaters ihr in der feier­lichen Strenge des Vollendetseins entgegenblickte, nun erschütterte eine ungeheure Erkenntnis ihre Seele. Vor dem strengen Totengesicht vergingen alle die kleinen und eitlen Gedanken, mit denen

Äurt sah in seinem behaglichen Zimmer in der Universitätsstadt. Gerade hatte er mit einem glücklichen Gesicht den Brief Erikas weggelegt, als er die Depesche empfing, die ihm den jähen Tod des Vaters meldete.

Wie verständnislos flogen seine Augen über die Zeilen mit dem furchtbaren Inhalt. Er konnte faffcnl Zu jäh war der liebergang seiner Glücksstimmung soeben und dem Furchtbaren, das jetzt über ihn hereinbrach. Als er es begriffen, da fiel er mit einem wilden Schluchzen auf dem Sessel zusammen. Es konnte nicht wahr sein es durste nicht wahr sein sein Vater, sein über alles geliebter Vater, er konnte nicht so fortgegangen sein, so schnell, ohne daß er ihn nod) einmal gesehen, ohne daß man noch einmal fctne liebe, ruhige Stimme gehört.

V^vr es möglich, daß man das Teuerste, das man besaß, so schnell verloren, daß nun nach der schmerzlich betrauerten Mutter auch der Vater

Berlin, 12. Rov. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: Rach zweitägigen Beratungen hat heute die Vierte U n t e r k o m m i s s i o n (Zu­sammenarbeit im Ausland) der deutsch- französischen Wirtschafts-Ko ni mis­st o n ihre Tagung in Berlin abgeschlossen. Sie hat die Berichte über die Gründung von zwei Konsortien entgegengenommen, die in Verwirk­lichung der Anregungen bei der letzten Tagung in Paris inzwischen erfolgt ist.

Dos erste Konsortium ist eine technische Ver­einigung von deutschen und französischen indu­striellen Gesellschaften. Das zweite Konsortium ist in der Form einer Aktiengesellschaft zwischen deutschen, französischen und englischen Indu­striellen errichtet worden. Ihre Aufgabe ist die Ausführung großer öffentlicher Arbeiten im Ausland, besonders in den Fällen, in denen die Durchführung finanzieller Transaktionen damit verbunden ist.

Die Vierte Unterkommis ton begrüßt mit auf­richtiger Sympathie die Bildung dieser Konsor­tien als einen wesentlichen Fortschritt auf dem Wege zur Erreichung des gemeinsamen Zieles. Sie hat weiter einen vorläufigen Bericht über eine engere Zusam nie narbeit zwi­schen den Industrien auf dem Gebiet der e l e k - trische.n Konstruktionen und besonders der teilweisen Elektrifizierung von Eisenbahnlinien gewisser europäischer Län­der entgegengenommen. Sie hält die Prüfung der in diesem Zusammenhang gegebenen Anre­gungen für äußerst wertvoll und hat einige Mit­glieder der Kommission mit der Ausarbeitung eines detaillierten Plans bis zur nächsten Tagung beauftragt.

Einen breiten Raum nahmen in den 'Beratun­gen die Fin anzfragen ein. Es wurden bei­derseits Berichte über das in Deutschland und Frankreich geltende System der llebernahme von staatlichen Ausfallgarantien bei Lieferungen ins Ausland erstattet.

Es wurde beschlossen, die Möglichkeit einer Zu- sammenarbeit auf dem Gebiet solcher staat­licher Ausfallgarantien in einem Sonderaus­schuß aus vier Sachverständigen prüfen zu lassen. Die vierte Unterkommission war sich dar- über einig, daß eine praktische Lösung dieser Frage erst in Verbindung mit konkreten, ein- gehend vorgeprüften Projekten in Betracht kom­men kann.

Die nächste Tagung der Vierten llnterkommis- ston wird im Laufe des Monats Februar in Paris stattfinden.

Beim Abschluß dieser Tagung haben die Herren Pate not re und Marlio von der französi­schen Delegation und Herr Hermes von der deutschen Delegation ihre lebhafte Befrie­digung über die bereits erzielten greif­baren Ergebnisse zum Ausdruck gebracht, die einen bedeutenden Fortschritt in der euro­päischen Zusammenarbeit darstellen.

Die parieisührerbesprechungen haben begonnen.

Hugenberg beim Reichskanzler.

Berlin, 14. Roo. (TU.) Am Sonntag hatte der Reichskanzler, wie derMontag" be­richtet, nach der Rückkehr von einer furjen Reise nad) Schlesien eine Unterredung mit dem Führer der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. hugenberg. Die Besprechungen mit dem Füh­rer der Zentrumspartei, Prälat kaas und dem Führer der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, werden frühestens am Dienstag stattflnden. Ob eine Besprechung mit einem hin­reichend bevollmächtigten Vertreter der n a t i o - nalsoziali st ischen Partei zustande kommt, ist noch nicht zu übersehen.

heute wird der Reichskanzler um 8 Uhr nach Dresden fahren und erst gegen 22 Uhr von dem offiziellen Besuch bei der sächsischen Staatsregie­rung zurückkehren.

ÖieJlof Verordnung fürVermehrung der Arbeitsgelegenheit rechtsgültig.

Leipzig, 12.Rov. (WTB.) 3n der heutigen Revisionsverhandlung im orbeitsrechtlichen Streit wegen des Lohnabbaues im Alexanderwerk in Remscheid hatte das Reichsarbeits­gericht über die R e ch t s g ü l t i g k e i t der Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932 zu befinden. Diese Ver­ordnung war von gewerkschaftlicher Seite aus als verfassungswidrig bezeichnet worden. Man stutzte sich im wesentlichen auf die Auffassung, oag keine ausreichende Ermächtigung zu ihrem Erlaß Vorgelegen habe und daß der durch sie erfolgte Einbruch in den Grundsatz der Unabdingbarkeit des Tarifrechts auch außerhalb des durch sie umrissenen Auf­gabenkreises liegt,zur Erhaltung der sozialen Fürsorge und zur Erleichterung von Wirtschaft Und Finanzen, Zusatzeinrichtungen zu verein­fachen und zu verbilligen." Mit dem Arbeits­gericht Remscheid hat das Reichsarbeitsgericht die Rechtsgültigkeit der Rotverordnung vom 5. September grundsätzlich bejaht, soweit die hier in Frage stehenden Teile in Betracht kommen.

Spanisch -französischer Kolomaliausch?

Alte Gerüchte in neuer Fassung.

L ci n b o n , 14. Noo. (CNB. Funkspruch.)Daily Heralb greift heute bas schon einmal verbreitete unb dementierte Gerücht wieder auf, baß zwi -

Frankreich unb Spanien geheime Verhandlungen über territoriale Regelun- 9 en im kolonialen Besitzstand der bei­den Lander im Gange seien. Das Blatt behauptet, Frankreich habe sich gestern entschlossen, zuzusagen, gegen Ceuta unb andere Teile Spanisch-Nordasrikas Spanien Besitzungen im Fernen Osten abzutreten. Spanien, so wird erklärt, sei bereit, einen großen Teil seiner nordafrikanischen Kolonien herzugeben und dafür Besitzungen einzutauschen, die ihm so­wohl größere Möglichkeiten eines intensiveren Handelsverkehrs bieten, als auch der Notwendig­keit entgehen würden, bas Blut seiner Staats­angehörigen und Geld des Staates für die Auf­rechterhaltung der Ordnung in Rordafrika zu ' opfern.

Erklärungen des französischen Delegationsführers.

Berlin. 13. Rov. (TU.) Der Führer der französischen Abordnung bei den deutsch-,ranzöfi- fchen Wirtschaftsbesprechungen in Berlin, Unter- staattsekretär Raymond Patenotre, hat dem Vertreter desBerliner Börsen-Eouriers" eine Unterredung gewährt, in der er sich eingehend über die geplante deutsch-englisch-fran- zösische Zusammenarbeit auf wirt­schaftlichem Gebiet äußerte. Das Syndi- -at, das in der Form einer Aktiengesellschaft gegründet worden ist, müsse Bankiers zusammen- oringen, um die Industrien zu finan­zieren. Unter den deutschen Firmen höre man Öen Rainen Julius Berger. Die Finanzierungen ,ollen hauptsächlich durch englische Banken er­folgen. unter denen Daring Brothers und Schrö­der in London genannt würden. Die prozentuale Verteilung der Kräfte im englisch-französisch­deutschen Pool betrage 40ProzentfürEng- land, 40 Prozent für Frankreich und 20ProzentfürDeutschland. Die deutsche Quote sei deswegen geringer, weil die Finan­zierung hauptsächlich durch ausländisches Kapi­tals vorgenommen werden solle. Man werde versuchen, durch Vereinbarungen den Wettbewerb der Gesellschaften unter sich zu verhindern. Es ,ei im Prinzip beschlossen worden, daß die Emit- llerung der Obligationen von den Möglichkeiten der Finanzierung auf den entsprechenden Märk­ten abhängig fein sotten.

Die Ziele des französischen Handelsminisiere.

r J?a ri^J2- aiot)- (WTB.)L Ordre" veröffent- licht ein Schreiben des französischenHan- dels Ministers Durand an den Vorsitzen- Cen her Vereinigung für wirtschaftliche Expansion Fouchere, der sich an den Handelsminister in « örage der deutsch-französischen

Einbeziehungen gewendet hat. Du­rand betont, er werde sein Hauptaugenmerk daraus richten, daß die d e u t s ch e n B e s ch r ä n- kungen hinsichtlich der Regelung der Gläu­bigeransprüche, die zur Verringerung des fran­zösischen Exports nach Deutschland stark bei- getragen hätten, sofort fortfielen. Er wolle diese Frage zur conditio sine qua non Ees Handelsabkommens mit Deutschland machen aiucf) die Frage der Gegenseitigkeit werde dabei eine große Rolle spielen. Der Gegenseitig­keitsgrundsatz dürfe nicht eine arithmetische Gleich­wertigkeit des Güteraustausches bedeuten son- dern Konzessionen und Vorteile von vergleich­barem Wert. Was die K o n t i n g e n t i e r u n g anlange, werde er zwar versuchen, sie durch eine geeignete Erhöhung der Zolltarife abzulösen, aber wcht verfehlen, sich ihrer auch als Tauschobjekt zu bedienen und sie, falls es notwendig sein sollte, solange beibehalten, bis das Wirtschafts­leben Frankreichs und seiner Konkurrenten wie­der normal geworden sei.

An dem Morgen, an dem Olaf sich zur Reise nach^Bremerwerk rüstete, fand er beim Frühstück - . Todesanzeige des Kommerzienrats Bremer in der Zeitung. Er las sie mit tiefer Erschütte­rung. Er hatte den vornehmen, alten Herrn lebr geschaht und wußte, wie der Vater an dem alten Jugendfreund gehangen. Run war es zu spat, nun hatte er keine Möglichkeit mehr den alten Herrn vor den Intrigen Axel Jvarsens zu warnen.

Und als er ein paar Tage spater von dritter Seite die Rachricht von Hiltruds Verlobung mit -Axel Jvarsen erfuhr, wußte er, daß Hiltrud ihm für immer verloren war. Sie hatte Axel gewählt er, Olaf konnte nur hoffen und wünschen, daß sie diesen Entschluß nicht zu bald und nicht zu tief bereuen möge. Für ihn war es das ein- »ige, sich gewaltsam von all diesen Erinnerungen loszureißen, die ihn an Deutschland, die ihn an das Bremerwerk banden. Er sandte seinem Vater ein Telegramm, in dem er ihm mitteilte, daß er bereit wäre, die amerikanische Vertretung der Firma in Reuyork zu übernehmen, für die der Vater ihn schon lange ausersehen hatte.

Zwölftes Kapitel.

Surf Bremer hatte die Zeit zwischen den Vfingstferien und dem Schluß des Sommerseme­sters mit eifrigen Studien verbracht. Reben den zahlreichen Kollegs, die er belegt hatte, arbeitete er noch in den Arbeitssälen der Hochschule an seinen eigenen Versuchen.

Er war den Professoren schon längst aufgefallen unter der großen Zahl der Studenten. Sein Fleiß, feine außerordentliche Begabung, gepaart mit einem bescheidenen, offenen und doch sicheren patten ihm die warme Sympathie feiner Hochschullehrer gewonnen.

. ^es^ders Professor Stockmann, der Lehrer en Schiffsmotorenbau, hielt große Stücke auf Murt Bremer. Immer wieder war er im Ver- JudjSraum auf getaucht: wenn Kurt an seinen lnDCsttcJferungen arbeitete, hatte er seinen sachverständigen Rat dazugegeben, hatte Kurt in Ijrcf. ebenen Arbeitsräume mitgenommen und teurtt mit Wm diese oder jene Lösung erwogen, foin^om-n Ku" nach dem Sommersemester als feinen Assistenten zu sich zu nehmen, eine Aus- Nracht^kam 9<md besonders Begabte in

Kurt das Leben schön und der- heißungsvoll ausgebreitet da. Die liebevollen

Briefe, die er vom Vater bekommen, gaben ihm immer wieder ein Stück Heimatnähe. Und die kleinen eiligen Briefe, die Erika ihm schrieb waren immer neues Glück für ihn.

Dieser Mann hier, er hatte über den Richtig­keiten des Lebens gestanden, er hatte in treuer, ernster Arbeit sein Bestes gegeben ihn hätte nie der Schein geblendet.

Hiltrud schrak zusammen vor der Frage, die mahnend in ihr aufstieg. Und sie selbst? Der Bru­der? Die eigene Mutter? War ihr Leben nicht nur äußerer Schein? Auf einmal erkannte sie alles: wie hohl das war, was bisher ihr Dasein erfüllt und warum keine Brücke zu dem Toten geführt hatte. Alle drei hatten sie ihn nur als den Menschen angesehen, dessen Arbeit und Geld ihnen das Leben leicht und fröhlich machen konnte.

Was ihn selbst bewegte, mit wieviel Mühen und Sorgen er zu kämpfen gehabt haben mochte, danach hatte niemand gefragt, nicht die Mutter nicht Hans Egon, nicht sie. Jetzt, nachträglich nun es zu spät war, kam es ihr in die Erinne­rung zurück, daß der Stiefvater in der letzten Seit oft so müde und abgespannt ausgesehen, daß er sich immer häufiger von den lauten Gesell­schaften zurückgezogen und die Abende einsam in seinem Zimmer verbracht, wenn es ihn nicht wie­der herübergetrieben in die Fabrik, an den Ar­beitstisch. Und nun war er dahingegangen, stumm und wortlos.

Ein schweres Schuldgefühl lastete auf der Seele des Mädchens. Hans Egons Leichtsinn war der Anlaß zu dem Tode des Stiefvaters. Man hatte der Familie nicht verhehlt, daß Kommerzienrat Bremer wegen der Depesche zusammengebrochen sei, die den ungeheuren Spielverlust Hans Egons gemeldet. Hiltrud sah mit tränenverdunkeltem Ge­sicht auf den stillen Schläfer: sie fühlte sich schul­dig schuldig für den Bruder. Dessen Leichtsinn hatte den immer gütigen Mann gefällt.

. aber auch schuldig gegen sich

^ie hotte sie sich Mühe gegeben, mit dem Stiefvater in nähere Beziehung zu kommen: sie olgte einfach dem Vorbild der Mutter, die mit Citoaf-cbctte9<rner Freundlichkeit diese Vernünft­ige führte. Sie hatte seine Güte, sein Sorgen

/us Selbstverständliches hingenommen, wie alles Angenehme im Leben, was ohne eigenes Zutun einem zufloß. Run stand sie hier und sah ftrcn(Jc Totengesicht, das ihr für immer »erschlossen war. Sie hätte ihm etwas Liebes agen mögen, um Verzeihung bitten für viele Stumden der Gleichgültigkeit, des überlegenen Hochmuts aber es war zu spat. Diesem Toten da konnte sie nichts mehr geben, wie auch er ihr nichts mehr geben würde. Jetzt erst fühlte sie, daß etwas Unwiederbringliches in ihrem Leben gewesen.

(Fortsetzung folgt)

SÄfcUN» »Mir die Stiefmutter und die Stiefschwester waren ihm fremder als der fremdeste Rkensch. Ein bitteres Schluchzen rang sich immer wieder aus der Brust des jungen Mannes, und in diesen heißen Tränen ging die sorglose Jugendzeit unwiderbringlich dahin.