Ausgabe 
14.10.1932 Frühausgabe
 
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-Staun und Severing zur SPD- bzw. das Der- hältnis der SPD. zur KPD.) neben der allge­mein überaus gespannten Lage und neben anderen Einzeltatbeständen mit zu den Maßnahmen vom 20. 3uü Veranlassung gegeben haben. Das Wort Schuld, soweit es in diesem Zusammenhang ver­wendet wurde, soll aber nicht den strasrechtlichen Begriff in sich schließen. Die Verordnung vom 20. Juli ist a l s eine vorübergehende Maßnahme gedacht und nicht auf die Dauer berechnet- Wie die Reichsregierung und der Reichskanzler wiederholt ausgesprochen haben, ist es der dringende Wunsch der Reichsregierung, den gegenwärtigen außerordentlichen Zustand durch einen normalen Zustand bal­digst erseht zu sehen.

Reichsgerichtspräsident Dr. B u m t e legte der Ver­tretung Der Reichsregierung nahe, etwas Näheres über die Frage zu sagen, ob damit gerechnet werden könne, daß in absehbarer Zeit das preußische Reichs­kommissariat ein Ende finde; ob man schon näheres darüber sagen könne, welche Voraus- s e ß u n g e n insbesondere im Preußischen Landtag in der Frage Der Regierungsbildung «irrtreten müß­ten ehe man sich zu einer Aufhebung der Verord­nung entschließen kann.

Es beginnt nunmehr die Erörterung von Absatz 2 des Art. 48, der von der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit handelt. Präsident Dr. Bumke macht auf die preußi­sche Auffassung aufmerksam, die dahin geht, daß es dem Reich nicht auf die Wiederherstellung der öf­fentlichen Ordnung und Sicherheit ankam, weil das Reich nur in Preußen einbegriffen habe, obwohl auch in anderen Staaten die Ovdnung glei­chermaßen gestört gewesen wäre. Auch trage die Reichsregierung selbst an der Störung der Ordnung und Sicherheit die Schuld wogen Aushebung des Unisormverbots.

Ministerialdirektor Dr. Brecht hob hervor,'daß bereits seit Jahren Unruhen im ganzen Reiche beständen, aber allein gegenPreu- ßen habe sich das Reich entschlossen, mit dem Aus- nahmerecht des Artikels 48 Absatz 2 vorzugehen. Preußen verlange daher auch in diesem Zusammen hange die Aufhebung der Verordnung vom 20. Juli und wende sich ausdrücklich gegen die Ungleich­mäßigkeit der Behandlung der Länder durch das Reich, die zum Nachteil Preußens festzustellen sei, Für das Reich wandte sich Prof. Dr. Schmitt gegen die Auffassung, daß das Reich gegen andere Länder, wo die gleichen Voraussetzungen vorliegen, ebenso hätte einschreiten müssen wie gegen Preu­ßen andernfalls das Einschreiten gegen Preußen rechtswidrig fei. Auf einen Zwischenruf Mi­nisterialdirektors Dr. Brecht:In Oldenburg wohnt es sich für Andersdenkende nicht angenehm!" erklärt Prof. Dr. Schmitt, man schieße bekanntlich mit Kanonen nicht nach Spatzen. Wenn eine Regierung des Landes Preußen mit einem derartigen Machtapparat hinter sich in dieser Weise eine mitwirkende Ursache für die Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung ab gäbe, Dann sei es etwas anderes, als wenn dies in einem kleinen Lande wie Oldenburg geschehe. Der Umfang und Die Größe der politischen Gefahr sei das entscheidende. Wenn irgendwo der Satz gilt: ..Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe", dann sei es in einer solchen Gefahrenlage.

Anschließend trat Ministerialdirektor Gott- Heiner Der Aufsagung entgegen, als ob Die Reichsregierung durch Die Aufhebung Des Uniform- und Des SA. -Verbots selbst D'e Zustände verschuldet habe, die ein Einschrei­ten auf Grund des Artikels 48 erforderlich ge­macht habe. Sie 'et der Auffassung, daß Die Zu- stänDe, die bereits seit geraumer Zeit in Deutsch­land herrschten, nämlich die Zu stände einer völlig einseitigen Behandlung einer großen nationalen Bewegung, einen Erregungsstoff geschaffen hätten, von dem die Gefahr bestand, daß er sich eines Tages ex­plosiv geltend machen könne. Die Reichsregierung habe es aus diesem Grunde für angezeigt und notwendig erachtet, ein Ventil zu schaffen.

Ministerialdirektor Dr. Gottheiner gab ein Telegramm des Reichsinnenministers Freiherrn von Gayl bekannt, in dem es u. a. heißt:

.Die im Staatsgerichtshof vorgelegten Dar­legungen des Herrn Ministers Severing be­stätigen voll die wesentlichsten Punkte meiner

Gegen Den Terror im politischen Minnngskomps.

Eine Entschließung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger.

Berlin, 13. Oft. (VDZ.) Am 12. Oktober hielt der Verein Deutscher Zeitungsverleger feine ordentliche Hauptversammlung in Berlin ab Die Tagung beschränkte sich auf die sachliche Arbeit. Der Dorsihende, Kommerzienrat Dr. Krumbhaar, entwarf ein Bild der Lage des deutschen Zeitungswesens. Im Anschluß Daran wurden die aus den verschiedensten Teilen des Deiches und aus den verschiedensten politischen Lagern immer stärker laut werdenden Beschwerden über die in Deutschland bisher unbekannte 21 n - Wendung von Mitteln des Terrors im Meinungskampf erörtert. Gegen diese Bedrängung sowohl der Zeitungen wie ihrer Leser und Inserenten faßte die Hauptversammlung eine Entschließung, in der es heißt:

Wit Dem Wachsen Der Parteileidenschaften und mit der Verwilderung der politischen Kämpfe mehren sich Die Fälle terroristischerHand- lungen gegen d i e Meinungsfreiheit der Persönlichkeit. Dem Verein Deutscher Zeitungsverleger gehen andauernd Mitteilungen zu über Versuche, durch Androhung per­sönlicher oder wirtschaftlicher Schä­digungen schwerster Art weiten Kreisen der Bevölkerung die Zeitungen diktatorisch vorzu­schreiben, die sie lesen müssen, oder Zeitungen zu verbieten, die sie nicht lesen dürfen, wenn sie

früheren Angaben. .... Ich habe von der Unter- reöung den mich stark berührenden Eindruck mit­genommen, baß ein politisch so erfahrener Mann wie Herr Severing den Ernst der Lage im Iuni 1 9 3 2 ähnlich beurteilte w i e ich selbst, und bafj er selbst auf einen Weg wies, um ihr zu begegnen. Es ist selbst­verständlich, daß Herr Minister Severing nicht zu den Maßnahmen, die ich damals noch gar nicht übersehen oder erwägen konnte, michgedrängt" hat. Eine derartige Behauptung ist auch nie­mals aufgestellt worden ..."

Ministerialdirektor Gottheiner gab weiter be­kannt : Der Herr Reichskanzler v. Papen hat mich telephonisch beauftragt, zu erklären. Ver­handlungen oder Vereinbarungen der in der Er­klärung des Vertreters der Reichsregierung vom 11. Oktober 1932 bezeichneten Art sind weder von mir persönlich, noch in meinem Auftrage durch Mittelspersonen erfolgt, und zwar auch nicht vor meinem Amtsan­tritt als Reichskanzler.

(gez.) v. Papen.

Dr. Gottheiner fügt hinzu, Der Reichskanzler lege Wert Darauf, darauf hinzuweisen, daß er sich alsbald nach seinem Amtsantritt ernstlich b e - m ü h t habe, durch Verhandlungen mit Den Par­teien des Preußischen Landtags die Wahl eines preußischen Ministerpräsiden- ten z u beschleunigen.

DieMderung derAotverordnung

Ern Winterzuschla?;

in der Arbeitslosenunterstützung.

Berlin, 13. Oft. (TU.) Das Reichskabinett wird sich bereits am Freitag mit Den geplanten Milderungen der durch die Rotverordnung vom 16. Iuni 1932 erfolgten Rentenkürzun­gen beschäftigen. Die vom Reichsarbeitsmini- fterium ausgearbeiteten, Vorschläge gehen bezüg­lich Der Arbeitslosenunterstützung dahin, sürdie Wintermonate (Rovember 1932 bis März 1933) einen nach dem Familienstand gestaffel­ten Zuschlag zu den gegenwärtigen Unter- stühungssätzen zu gewähren. Weiter ist geplant, die Härten auszugleichen, die sich aus Der verschiedenartigen Berechnung der Unter- stühung nach Gemeindegroße und Ortsklasse erge­ben. Schließlich ist die Wiedereinführung gewisser Mehrleistungen der Kran­kenkasse vorgesehen. BeiderUnfallver- s i ch e r u n g und bei den Renten der übrigen Ber-

sich nicht Den Folgen beruflicher 21 ech - tung oder wirtschaftlichen Boykotts aussetzen wollen. Mit solchen ungeiftigen Waffen soll in unzähligen Fällen des privaten Lebens erreicht werden, was mit den Mitteln der körper­lichen Gewalt in den politischen Versammlungen erkämpft werden soll, die Unterdrückung der freien Meinung durch die Mittel der Gewalt.

Durch solche Schreckmittel wird nicht nur Die Freiheit Der Presse gewaltsam eingeengt, fon- Dern durch Die Spekulation auf die Schwäche und Die Bedrohung mit schweren wirtschaftlichen, be­ruflichen und persönlichen Verletzungen eine immer weiter um sich greifende Korruption des öffentlichen Lebens geschaffen. Die sich auch sittlich und kulturell gegen tiefe Lebensinteressen Des deutschen Volkes auswirken muß.

Auf diese Gefahren aufmerksam zu machen, er­scheint uns dringend notwendig. Dem Terror muß die gesetzliche Gewalt, der Unterdrückung der Meinungsfreiheit Die vereinte Ueberzeugungskraft aller Derer entgegengestellt werden, Die nicht wol­len, daß in Deutschland die Sittenverwilderung sich noch weiter ausbreite. Die freie Meinungs­bildung unterdrückt und die Wirtschaft äufs schwerste geschädigt werde."

sicherungsanstalten (Reichsversicherung für An­gestellte usw.) sind gleichfalls Milderungen in Aussicht genommen. Einzelheiten über das Ausmaß Dieser Mehrleistungen stehen noch nicht fest.

In welchem Umfange das Reichskabinett sich Die Vorschläge Des Reichsarbeitsministeriums zu eigen machen wird, bleibt abzuwarten. Ausschlag­gebend für die Beschlüsse des Kabinetts in Dieser Hinsicht Dürften die finanziellen Auswir­kung e n der Neuregelung sein. Die am Mittwoch begonnenen Besprechungen des Reichsarbeits­ministers mit den Gewerkschaften und Den übrigen interessierten Verbänden über die geplan­ten Maßnahmen sollen am Samstag fortgesetzt werden.

Einführung DerGchla^isteuer in Hessen.

D a r m ft a D t, 13. Off. (WHP.) In Der heutigen «itzung teilte die Regierung Dem Finanzausschuß Die von ihr beabsichtigte DerorDnung über Die Ein­führung Der Scylachtsteucr in Hessen mit. Der Finanzminister wies Darauf hin, Daß nun­mehr in fa st allen anDeren LänDern Die Schlachtsteuer eingeführt sei. Die hessische Regierung befinde sich Deshalb geraDezu in einer Zwangslage, zur Deckung Des Durch Den Min- derertrag bei Den Reichssteuerüberweisungen ent- stehenden Ausfalls im Staatsvoranschlag auch Die ^chlachtsteuer heranzuziehen. Sie habe bisher immer nod) Bedenken getragen, Diese Steuer einzuführen, weil sie gehofft habe. Daß in Der Handlungen ber Länder mit der Reichsregierung sich ein anderer Weg für die Deckung dieses Fehlbetrages finden werde. Diese Hoffnung könne aber nicht mehr be­stehen, weil das Reich in seinen Entschließungen auf Die wenigen kleinen Länder, Die bis jetzt noch von dieser Steuer abgesehen haben, keine Rück- ickt nehmen könne. T)ie Frage, ob Die Hous­ch l a ch t u n a Der Steuer entzogen werden olle, sei noch nid)t endgültig geklärt. Es entstehe dadurch nicht nur ein erheblicher Aus­fall, sondern es bestehe auch Die Gefahr, Daß Diese Befreiung zu Schwarzschlachtungen aus­genutzt werde. Trotzdem werde die Regierung versuchen, einen Weg zu finden. Der Den Wünschen Des Finanzausschusses Rechnung trage. Der Fi- ii a n z a u s s ch beschloß einstimmig. Die Re­gierung zu ersuchen, Die Schlachtsteuer in Hessen nicht e i n z u f ii h r e n. Falls jedoch Die Regierung Die Steuer durch Notverordnung in Kraft setzen

müßte, sei die Hausschlachtung von ber Schlachtsteuer z u befreien.

Bei drei Stimmenthaltungen fand ein national­sozialistischer Antrag Annahme, bei Der Reichsregie­rung Vorstellungen zu erheben. Damit Die Kar- ftaDt AG. nicht durch Steuermittel der Gesamtheit saniert werd.-. Ein kommunistischer Antrag auf Einführung von Notstandsarbeiten wurde bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten und des Zentrums der Regierung zur Weiterleitung an die Reichsregierung überwiesen. Ebenfalls bei Stimmenthaltung Der Nationalsozialisten fanD Der loztaldemokratische Antrag auf eine großzügige Arbeitsbeschaffung durch die Reichs- und Länderregierungen Annahme. Die Verwaltungsübersichl der Staatsschuldenoerwaltung für das Rechnungsjahr 1928 wurde gegen die Kom­munisten genehmigt. Bei Stimmenthaltung der Na­tionalsozialisten wurde die Regierungsvorlage über tine ~LC n e r u » 9 der Landesanteile z u den Wrnterbeihilfen 1925 26 bis 1929 30 und Dtc Brennstoffbeschaffungsbeihilfe 1928 29 an­genommen. Bei nationalsozialistischer Stimmenthal­tung fand ein sozialdemokratischer Antrag Annahme, bei der Re-chsregierung^auf rechtzeitige Aus­zahlung Der Sozialrentnerunter­st u tz u n g e n aus Dem besonderen Unterstützungs- fonds vorstellig zu werden.

Der Ausschuß erledigte Dann noch eine Reihe von Eingaben.

Aus aller Welt.

Der Betrüger Ignaz Hummel ein polizesi bekannter Einbrecher.

Der Schneider Karl Ignaz Hummel, Der sich als den verschollenen Kriegsgefangenen Daubmann ausgegeben hatte, und dessen Identität jetzt einwand- frel seststeht, ist nunmehr ber Freiburger Staats­anwaltschaft zugeführt worden. Die U n t e r su­ch u n g soll mit größter Beschleunigung durchgefithrt werden; trotzdem Dürfte geraume Zeit vergehen, ehe Hummel vor seinen Richtern stehen wird. Die Gc» ruchte, daß Hummel in Endingen Helfershel­fer gehabt habe sind unbedingt in das Reich der lZabel zu verweisen. Es kann nach dem bisherigen Stand der Vernehmung als sicher angesehen werden, daß Hummel lediglich Die Absicht hatte, kostenfrei nach Deutschland zurückbefördert zu werden. Die (Eltern Oskar Daubmanns haben übrigens für ihren vermeintlichen Sohn erhebliche Geldaufwen- düngen gemacht, ohne daß Hummel ihnen diese durch die ihm reichlich zufließenden Mittel ersetzte. Sie haben dieser Tage bereits die Barschaft und das Sparkassenguthaben von Hummel beschlagnah­men lassen.

Wie die Schweizerische Depeschenagentur mitteilt, 'st der Betrüger Hummel in Basel fein llnbefann- ter. Die Baseler Kriminalpolizei hat verschiedene Male mit Hummel zu tun gehabt. Gegen den Ver­brecher besteht auch ein Ausweisungsbe- schluß, der erst im Jahre 1937 abläuft. Hummel hat sich in Basel vornehmlich als Einbrecher betätigt.

(Btaf Zeppelin" auf ber Fahrt nach Rio de Janeiro.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist zur Weiterfahrt von Pernambuco nach Rio De Ianeiro auf gestiegen. An Bord befinden sich u. a. General­direktor Dorpmüller von der Deutschen Renchsbahngesellschaft und Ministerialdirektor Brandenburg vom Reichsverkehrsministe- mim. Am 20. Oktober wird das Luftschiff mit Dr. Eckener an Bord in Friedrichshafen wieder zuruckerwartet. Dr. Eckener hat seinen drei­wöchigen Aufenthalt in Rio de Ianeiro dazu be­nutzt, um dort den regelmäßigen ganz­jährigen Zeppelinverkehr nach Süd­amerika vorzubereiten. Er traf mit den bra­silianischen Behörden ein vorläufiges Abkommen auf Errichtung eines Ankermastes in Rio de Iane- iro. das später als Endstation der Atlantikflüge ausersehen ist. Eine weitere Reise nach Südame­rika, die ursprünglich nicht vorgesehen war, wird am 24. Oktober von Friedrichshafen angetreten werden. Dies wird die letzte diesjährige Süd­amerikafahrt des Luftschiffes fein.

Geemannsgarn.

Von Bruno Manuel.

In jedem Seeroman kommt mindestens ein Matrose vor, der, im Mastkorb sitzend,Land ahoi!" ruft, worauf sich Die alten Seeleute wei­nend in die Arme fallen und mit tränenerstickter Stimme ihre jeweilige Rationalhymne fingen. Schriftsteller zur See, die einigermaßen Gewicht auf Glaubwürdigkeit legen, lassen Die Matrosen nach getaner Arbeit in die Kajüte gehen, etliche Dutzend steife Grogs trinken und dazu einen Eeemannstabak rauchen, bei dessen Stärke Die Bullaugen blau anlaufen.

Einigermaßen anders sehen die Schilderungen aber aus. wenn der Schriftsteller zur Scc zu­fällig das Seemannsleben aus eigener Erfah­rung kennt. Dann werden, wie es beispielsweise bei Ewald Gerhard öe öliger Der Fall ist, Raufereien nach Möglichkeit vermieden. Seeliger schildert in seiner Geschichte vom Paradies der Südsee, wie Klaas Lehmkuhl sich mit seinem Freunde Hein Krukenbarg jeden Morgen nach getaner Arbeit auf dem kleinen Berg traf, wo Die schönste Aussicht war, und sie Sechsundsechzig spielten.

Worum geht's?" fraafc Klaas, der im Ge- Winnen war. In Sankt Pauli hat er nur um Geld gespielt. Auf dieser Insel aber gab es leinen Pfennig.Ach was!" antwortete Hein, spielen wir um Backpfeifen. Wer eine Partie ge­wonnen hat, darf dem andern eine reinhauen!" Soll mir recht fein! erwiderte Klaas gleich- gültig. Gr gewann, schlug aber nicht zu.Rann?" fragte Hein, ..warum haust du nicht?"Rein", sagte Klaas,ich heb mir das auf. Du kannst sie mir ja wieder abgewinnen." So haben diese bei­den, im Gegenfcch zu den Matrosen in Seemanns­romanen, sich nie geprügelt.

Matrosen sind auch sentimental. Bevor Rin­ge l n a tz als Mariner in den Krieg zog, machte er weinend sein Testament, sintemalen er doch binnen Kurze untergehen würde. Es wurde ein sulininan'tes Dokument, gerichtet an Die Adresse ,cVlcr '^.aute Michel. Er setzte sie zur ilnmerfal- "bnr tonet sichtbaren und unsichtbaren Hinter- llufenichaft em inklusive sämtlicher Schulden Er legte in bewegten Worten seine Stellung zum Tode nieder. Gab zu. viel Boses getan zu haben waS chm Gott verzeihen möge. Ünö schickte sich

3um Tod an. Wochen später sehen wir ihn in Wilhelmshaven. Er ist noch vollkommen am Le­ben. Auch sitzt er nach wie vor auf Dem Trockenen. ilnD feine Aufgabe war es, tagelang auf Befehl seines Vorgesetzten Kartoffeln zu schälen, wobei er zur Belebung dieser kriegerischen Tätigkeit das Lied fang:Stürmisch Die Rächt, unD Die Dee geht hoch!"

Mark Twain, Der älteste unter Den großen Abenteurern Der Meere, war nicht Matrose. Er betrachtet Die Schiffahrt mit Den Augen Des Passagiers- Er hat markante Beobachtungen ge­macht. Bei seinem Bummel Durch Das Mittel­meer fiel ihm das lle&crmafj an Seekranken und Kapitänen auf. Wo er ging und stand, traf er entweder Seereisende, Die Die Herrschaft über wren Magen verloren hatten, oder Männer mit goldener Borte auf Dem Aermel. Es erschienen ehrwürdige Fossile, bis zum Kinn eingemummt wie Mumien, Die von Den Stoßen des Schiffs Mark Twain in die Arme befördert wurden. Guten Morgen", sagte er Dann,schönes Wetter heute." Aber die Veteranen des hohen Seegangs legten Die Hand mit beschwörender Geste auf den Magen und murmelten:O mein Gott'" Stundenlang wurde Mark Twain mit alten Her­ren bombardiert, die nichts anderes alsO mein Gott!" herausbringen konnten. Da es aber eine Vergnügungsreise sein sollte, begab sich Mark Twain in einen Raum, an dessen TürEintritt verboten!" stand. Dort setzte er sich, rauchte emo Zigarre und fühlte sich ziemlich wohl. Dis jemand eintrat undDas geht nun aber doch nicht", sagte,Können Sie denn nicht lesen, was an Der Tür steht?" IlnD Das war ein Kopistin. Mark Twain ging weiter. Er sah auf einem Pult ein langes Fernglas stehen und griff danach.Liegen lassen. Kommen Sie Doch ge­fälligst Da weg!" rief eine Stimme. Das war noch ein Kapitän. Dann hielt es Mark Twain für passenD. mit einem Taschenmesser am Treppen­geländer herumzuschnitzen, bis eine mahnende Stimme ihn anrief:3a. bester Freund, wissen Sie wirklich nichts besseres anzufangen?" Mark Twain erfuhr, daß auch dies ein Kapitän war. Wohin er seine Schritte lenkte, überall stieß er. wenn nicht auf Seekranke, so Doch minDestens auf Kapitäne. Er fragte einen StewarD:Glauben ©ic. Daß ich es wagen konnte, hier einen Ziegel- ftein in irgenDeincr Richtung zu werfen, ohne oabci irgendeinen Kapitän zu erschlagen?" »Wem Herr, Das weiß ich picht", tagle Des *

Steward,vielleicht fragen Sie Den Wachkapitän. Der geraDe Des Weges kommt.

Kapitänleutnant v. K. hat Die Revolution in Haiti miterlebt. Darüber erzählt er in seinen Erinnerungen. Run ist es nichts besonDeres. Die Revolution in Haiti miterlebt zu haben. Denn sie finDet Dort ungefähr jeDes Iahr statt. 2Tber einmal tourDe v. K. mit seinem Kriegsschiffe hin­beordert. um Das Leben Der Haiti-Deutschen zu schützen. GraDe booteten sie Die LanDungstruppe aus, als der Statspräsident von seinen meutern­den Truppen vertrieben wurde. Plötzlich fing das Fort, das oberhalb der Stadt lag, an zu schießen v- K. erschrak und erwartete Granat­aufschläge. Denn offenbar nahmen sie seine Pi- nasse unter Feuer, die gerade im Hafen festmachte. Plötzlich erscheint eine seltsame Kavalkade: Reiter, Wagen, Soldaten und Volk. Aus Dem Wagen springt ein Reger im Cutaway, fleht daß^deutsche Kriegsschiff um Schuh an, besteigt Die Pinasse und bittet im Rarnen von Hgiti. an DorD ge­bracht zu werben. Dies geschieht unter Dem Donner Der Küstengeschütze. Es tourDe aber nicht scharf geschossen. Der Reger in der Pinasse toar der gestürzte Präsident von Haiti. 11 nb die Festungskanoniere. die ihn fliehen sahen, be­gleiteten seinen Abgang mit einem Freudensalut.

Dann ist Da noch Der Seebär Willi Stei­ne r t., Er kennt Geschichten, die sich gewaschen haben. Auch er ist ein ehrlicher Mensch; er glaubt kein Wort von dem. was er erzählt, weshalb er sich im Kreise Der großen ®arn- spinner würdig sehen lassen kann. Steinert toar u. a. auch Taucher. Einmal galt es, einen vor ORitau gesunkenen Dampfer zu untersuchen. Auf dem Wege durch das Schiff fand Steinert eine Flasche Kognak. Angeblich fand er gleich daraus aber auch einen Raum, der noch mit Luft angefüllt toar. fo daß er den Taucherhelm abschrauben und den Kognak mit einem Satz heruntertrinken konnte. Dann setzte er den Helm wieder auf und arbeitete toeitcr. Als er an Bord des Taucherfahrzeugs geholt wurde und die Mannschaft ihm den Helm abnahm, staunte sie nicht wenig über die Wolle pon Kognakduft, Die ihr entgegenschoh. Steinert fiel, nachdem er die bleiernen Stiefel aushatte, glatt zu Boden. So benebelt toar er. ilnD er behauptet, noch heute betrachte man es an der getarnten Ostseeküste als ein Rätsel, wovon er betrunken geworben sei..

Tonfilm-Operette.

Ein bißchen Liebe für b i ch" heißt Die neue Tonfilm-Operette Der Emelka. Wir haben ihre Urform bereits vor einiger Zeit hier auf dem Theater gesehen: Das LustspielGeschäft mit Amerika" von Hirschseld und Frank. Man erinnert sich wohl noch an Den Streit zwischen Den Ehegatten um Das Schoßhündchen und an Den schwankhaften Rollentausch zwischen Privatsekretärin und gnädiger Fran dein guten Geschäft mit Amerika zuliebe. Die Fabel ist in den Grundzügen beibehalten, aber Die Komödie Der Irrungen auf der Bühne wurde von der Filmregie (Max N e u f e l d) operettenmäßig ausgebaut, erweitert und mit allerlei Episoden und Schlagern verziert, von denen einer dem Ganzen den Namen gab. Es wird übrigens hübsch und angeregt gespielt; die vertauschten Frauen sind Lee P a r r i) (Clary) Die unseres Wissens hier zum erstenmal in einem deutschen Tonfilm erscheint, unD Die nieDliche MagDa Schneider. Sehr lustig Hermann Thi - miß, Der hier eine ähnliche Rolle hat wie seiner­zeit in DerPrivatsekretärin", unD Georg Hieran- Der als Drollig kauderwelschender Onkel aus Ame­rika. Die Musik stammt von Paul Abraham, der ja über gediegene Erfahrung auf dem Spezialgebiet Der Tonfilm-Operette verfügt. Die Neuigkeit, seit gestern im Lichtspielhaus, fand bei gutem Besuch eine sehr freundliche Aufnahme

Vieh als Gtudiengeld.

Die Tochter eines amerikanischen Farmers, Elena Percy, hatte nur einen Wunsch: sie wollte zur Universität gehen unD eine berühmte Aerztin werden. Der Datcr wollte seinem Kinde diesen Wunsch gern gewähren, verfügte nur leider nicht über die Barmittel, um Die teuren ßtubiengebüp- ren bezahlen zu können. 2lber Elena verfiel auf einen Ausweg. Sie erbat sich von ihrem 2kitcr neun Rinder, die er ihr kopfschüttelnd und ungläu­big gab. Sie aber sattelte ein Pferd und ritt. Die kleine Herde vor sich hertreibend. Damit zur llni» fcerfität Lvuisana unD bot Dort Die Tiere al- Er­sah für Studiengelder an. Zuerst lachte man sie au«, aber schließlich hatte man Mitleid mit Dem Mädchen, nahm das immerhin seltsame Tausch­objekt an und lieh sie zur Universität zu.

Lochschulnacknchten.

Professor Dr. HanS Teschemacher an ber Universität Tübingen hat einen Ruf auf Den durch Den Weggang von Professor Schum­peter an Der Universität Bonn erlcDigtcn Lehr­stuhl für wirtfchasllichtz Staatstoisjenschaxzen erhaltLL