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Dolf rannte, rannte. 3n der Hand schwenkte er sein Zeugnis. Er war verseht worden! Verseht obwohl er sich gar nichts aus der Schule machte und sich lieber Geschichten von Fräulein Lindner erzählen lieh. Nur durch Fräulein Lindners Hilfe war er verseht worden, er muhte zu ihr, sie sollte es gleich wissen, noch vor Papa 'und Mama.
Ei,ne alte Aufwartefrau öffnete ihm. Fräulein Lmdner war noch nicht zu Hause. Sie müsse aber ledem Augenblick kommen, sagte die Frau. Lind ob er so lange warten wolle? Warten, ja! Sie führte ihn in das Arbeitszimmer.
Aach einer Weile, während sie wieder in der Küche beschäftigt war, hörte sie Schritte auf dem Flur. Sie trat hinaus, da stand der kleine Zunge an der Wohnungstür. Sein Kopf war gesenkt.
„Ich will doch nicht warten", sagte er leise. „Sagen Sie, bitte, Fräulein Lindner, ich..
Er lief schon, er war schon zur Treppe hinunter, aber sein Gesicht hatte sie noch sehen können. — „Geweint hat er?" fragte Fräulein Lindner, die einige Minuten später kam.
..Za, geweint", wiederholte die Frau. „Aber wissen Sie: so ein trockenes Weinen, der ganze kleine Körper hat geschüttert."
„Komisch", sagte Fräulein Lindner. „Er ist doch hoffentlich versetzt worden?"
Die Auflösungsurkunde des Reichspräsidenten, gegengezeichnet vom Reichskanzler und dem Reichsinnenminister. Schon die äußere Form der Urkunde läßt die außergewöhnlichen Umstände erkennen, unter denen sie entstand. Sie ist nicht wie sonst mit der Maschine, sondern mit der Hand geschrieben und anscheinend bereits in Neudeck versaßt worden, denn sie trägt die ursprüngliche Datierung „Neudeck". Die Datierung ist dann üurch- strichen und durch die Worte „Berlin, d. 12. Sept. 1932" ersetzt worden.
Die Auffassung des Reichskabinetts
Oie Reichsiagsauflösung zu 2Red>f erfolgt. — Oie nach ihr vorgenommenen Abstimmungen ungültig.
des deutschen Volkes zu führen droht. Die Entscheidung, ob das der Fall ist, steht allein im Ermessen des Reichspräsidenten.
Zm übrigen kann daran erinnert werden, daß der erste Reichstag der deutschen Republik am 13. Qlläti 1924 durch denReichspräsiden-- ten Ebert mit folgender Begründung aufgelöst wurde: „Nachdem die Reichsregierung festgestellt hat, daß ihr Verlangen, die auf Grund der • Ermächtigungsgesetze vom 13. Oktober und 8. Dezember 1923 ergangenen und von i h r als lebenswichtig bezeichneten Verordnungen zur Zeit unverändert fortbe- stehen zu lassen, nicht die Zustimmung der Mehrheit des Reichstages findet, löse ich auf Grund des § 25 der Reichsverfassung den Reichstag auf." Der Tatbestand war genau der gleiche wie am 12. September 1932. Auch damals handelte es sich darum dah die Gefahr bestand, daß der Reichstag von seinem Recht zur Aufhebung von Verordnungen Gebrauch machte. Ebensowenig wie am 12. September 1932 hatte damals vor der Auflösung eine Abstimmung stattgefunden. Die Auflösung wurde wide rspruchslos anerkannt.
hinterher erzählte ihm Fräulein Lindner schönere Geschichten als jemals und Dolf war an diesem Tag so glücklich wie nie zuvor in seinen sieben Zähren.
Am Abend kam Richard zu ihr, mit einem großen Strauß Rosen und einem schmalen Paket. Er ging im Zimmer umher. „Von wem stammt denn diese ulkige Farbenmanscherei?" fragte er und blieb stehen.
„Das?" Sie hob das Gesicht aus den Blumen. „Ach, von meinem kleinen Nachhilfeschüler."
„llnö du als blondes Engelchen in den Wolken!" Er trat auf sie zu. — „Run?"
„Aber das ist ja fabelhaft, Liebster! Bei wem hast du es machen lassen?"
Sie hatte das Paket geöffnet und betrachtete die Photographie: Richards Kopf, kaltweiß aus künstlichem Dunkel hervorglühend, eine zweifellos außerordentlich gut gelungene Arbeit.
„Bei Speyer", sagte er, „es muß übrigens Drauf ft eben. Wir könnten es am besten hier unterbringen, wie?"
Und er nahm diese komische heroische Wasserfarbenlandschaft herunter und hängte die Photographie an ihre Stelle.
Sie protestierte schwach. „Das wird Dolf verletzen. Er ist so sehr sensibel."
~ er trat prüfend von feinem
■""? 1V?U nicht verlangen, Da-fr ich dieses infantile Gekleckse da immer vor Olugen habe wenn ich bei dir bin. Uebrigens -:
- E kommt doch sonst niemals zu dir?" „Rem , sagte sie, „er kommt nicht zu mir.“
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Nationalsozialistische Führertagung.
Berlin, 13.Sept. (TU.) Zn Berlin fand am Dienstag in Anwesenheit Hitlers eine nationalsozialistische Führertagung statt, an Der neben dem Reichstagspräsidenten Göring auch die nationalsoizalistischcm Ministerpräsidenten mehrerer deutscher Länder, sowie die Mitglieder der noch in Berlin versammelten nationalsozialistischen Reichstagsfraktion vollzählig teilnahmen, lieber den Verlauf der Sitzung gibt die Nationalsozialistische Korrespondenz einen Bericht heraus, in dem es heißt:
Adolf Hitler gab die Richtlinien für die neue Phase des Kampfes bekannt, in dem die nationalsozialistische Bewegung mit dem jetzigen Tage eingetreten sei und den sie — mit dem Volk und für das Volk — gegen eine reaktionäre Clique durchzuführen entschlossen ist. Die Auffassung und das einmütige Ergebnis der Führertagung wird u. a. wie folgt zusammen gefaßt: Heute versuchten gewisse Kreise, über die die Entwicklung in Deutschland längst hinweggegangen sei, noch einmal in letzter Minute die nationale Erhebung des deutschen Volkes aufzuhalten und den Sieg der deutschen Freiheitsbewegung zu verhindern. Diesen sozialen Freiheitskampf, der mit der nationalen Freiheit untrennbar verbunden sei, habe die NSDAP, ausgenommen und sich an die Spitze des Volkes gestellt. „Die Regierung von Papen, die sich auf nur 42 Stimmen, auf ein Fünfzehnte! der Vertretung des deutschen Volkes stützt, aber trotzdem, wie sie behauptet, noch vom Vertrauen des Reichspräsidenten im Amte gehalten wird, hat es in der Hand, auf welcher Ebene sie diesen Kampf fechten will." Die NSDAP, werde allen Gegnern so entgegentreten, wie sie es nach ihren eigenen^ Gesetzen verdienten und erwarten müßten. Mögen deren Gegner auf stellen, was immer sie wollen: Zede Unterdrückung des legalen Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung werde zur Waffe, die sich gegen die Unterdrücker selbst richte. Zn untrennbarer innerer und äuße- der Verbundenheit treten die Millionen der nationalsozialistischen Bewegung zu diesem entscheidenden Kampf an in dem Bewußtsein, daß der Angriff die beste Verteidigung und in der festen llebergeugung, den glänzendsten Sieg zu erringen, den die Ge- schichte der rationalsozialistischen Bewegung ienne.
Die ruhelosen Pharaonen Mumien.
Die Pharaonen, die in so einzigartiger Weise für ihr Schicksal im Zenseits vorgesorgt zu haben glaubten, haben nicht vorher gesehen, welchen Aunruhigungen sie sich durch ihre vortreffliche Mumifizierung aussehten. Die Pharaonen-Mu- mien, unter ihnen die berühmt gewordene des Tutanchamon, hatten nach der Vertreibung aus ihren Gräbern eine neue Unterkunft im Museum von Kairo gesunden. Aber an dieser Stätte an ber sie nur durch die Neugierde der vielen 'Besucher beunruhigt wurden, dursten sie nicht bleiben, sondern sind in letzter Zeit mehrfach „umgezogen . Der Grund dafür ist in den politischen Verhältnissen Aegyptens zu suchen. Als die nationalistische Partei in dem Nil-Lande regierte, Hütte man dem hochverdienten Staatsmann Zag- lul-Pascha die Ehre eines eigenen Mausoleums zuerkannt. Aber als die Nationalisten die Macht verloren und der Regierung Zedkh-Paschas weichen mußten, änderte sich die Lage. Das Mausoleum war unterdessen errichtet worden und harrte der Aufnahme der Leiche. Doch die Witwe Zag- luls erklärte, dah sie unter einer Regierung, die Den Anschauungen ihres verstorbenen Gatten widerspräche, auf seine Beisetzung in dem Mauso- k^um verzichte. Die prächtige und geräumige o m «te war also für andere Zwecke frei, und Zedkh-Pascha beschloß daher, die Pharaonen aus Dem Museum in Kairo hierher zu bringen und ihnen damit einen würdigen letzten Ruheplatz
.gewähren. Aber der Mensch denkt, und das Schicksal lenkt. Das Mausoleum erwies sich als sEncht und so kalt, dah die kostbaren Mumien in ihrer Erhaltung gefährdet waren, und so brachte ma?1 2^ kn aller Stille nach und nach wieder in Das Museum zurück. Dann aber trat ein Sachverständiger auf, der nachwies, daß das Mausoleum Zagluls durchaus geeignet sei, um Tutan- djamon und seine Kollegen zu beherbergen. Dar- ^'^n mußten die Mumien die Reise nach dieser Grabstätte wieder antreten. Zetzt hat sich, wie ein
französisches Blatt aus Kairo berichtet, die Nässe in so heftiger Weise eingestellt, dah man die Pharaonen von neuem fortgebracht hat, und sie befinden sich wieder im Museum, wo sie hoffentlich endlich Ruhe finden werden.
Neuwahlen auch in Hessen?
Darmstadt, 13. Sept. (TU.) Die sozialdemokratische Landtagsfraktlon beabsichtigt, die Initiative zu ergreifen, um auch in Hessen zu Neuwahlen zu kommen, die in Verbindung mit den Reichskagswahlen stattfinden könnten. Zur Auflösung des Landtages ist die Suff i m m u n g einer Zweidrittelmehrheit des Parlaments notwendig, so dah bei den Nationalsozialisten die Entscheidung liegt. Die sozialdemokratische Fraktion beschloh, alsbald einen entsprechenden Antrag einzubringen.
Aus aller Welt.
Gandhi soll aus dem Gefängnis entlassen werden.
Mahatma Gandhi soll, wie aus Bombay verlautet, am 20. September sofort nach Beginn seiner angedrohten Hungerzeit aus dem Gefängnis entlassen und in sein Heim nach Ahmedabad gebracht werden. Es wird damit gerechnet, daß Gandhi etwa einen Monat lang leben würde, falls er seine Drohung zur Ausführung brächte. Wahrscheinlich wird die nationale Oppositionspartei die Vertagung der gesetzgebenden Versammlung verlangen, um die Lage zu erörtern. Der Präsident des allindischen Verbandes der unterdrückten Klassen hat Gandhi öffentlich seinen Dank dafür ausgesprochen daß er die ganze Welt auf die unterdrückten Klassen aufmerksam gemacht habe.
Hindenburg Ehrenbürger von Nürnberg.
Der Reichspräsident von Hindenburg empfing dieser Tage den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Luppe, und nahm aus dessen Händen den Ehrenbürgerbrief der Stadt Nürnberg entgegen.
Oberammergauer Passionsspiele 1934.
Das Passionsdorf Oberammergau hat sich entschlossen, auch im Jahre 1934 das berühmte Passionsspiel aufzuführen. Anlaß dazu ist das 300jährige Jubiläum der Spiele. Die Oberammergauer Passionsspiele werden sonst nur alle zehn Jahre — zuletzt 1930 — aufgeführt. Dem Jubiläumsspiel soll ein Vorspiel vorausgehen, das die Entstehung der Passionsspiele während der Pest- not vor 300 Jahren vor Augen führen wird. I
Erste Enttäuschung.
Von Joachim Lange.
Dolf hatte dem Fräulein Lindner ein Bild zum Geburtstag gemalt, ein großes Bild aus Wasserfarben und mit einem richtigen Holzrah- men, den ihm einer von Papas Leuten gemacht hatte. Das Bild war fast so breit, wie er lang war, und stellte dar ihn selbst, angetan mit sil- bern€r Ritterrüstung, wie er dem bösen Geist Moll em Schwert in den Leib stieß. Dolf ärgerte Uch. daß ihm die Rüstung so blaß geraten war, «laßend sein müssen, aber dafür war Da£ Schwert wirklich flammend rot und die Sonne mit einem sauberen, dichten Strahlenkranz, blinkte wie geputztes Metall. Das Geschehen trug sich zu rn einer zackigen Gebirgslandschaft, doch war m€€r da und über dem ganzen Himmel und Wolken. Auf die eine Wolke, genau über dem Kampfplatz, hatte er eine ausgeschnittene Photographie von Fräulein Lindners Kopf geklebt' die g^bte Lehrerin schaute sich Dolfs Helden- tat kachelnd an, aus großer Höhe, doch konnte sie alles deutlich erkennen. Dolf war sehr stolz auf gen Gemälde: das Blau für das Meer und den Himmel hatte allein ein ganzes Stück Farbe verbraucht.
Gleich nach dem Essen brachte er es ihr, kaum konnte er es tragen und sah auf der Straße au^ wie ein Segel, das schief gegen den Wind steht. Er war noch nie in ihrer Wohnung gewesen: Fräulein Lindner überwachte seine Schularbeiten im Haus feiner Eltern, jeden Nachmittag. Befangen blickte er sich um, während sie sein Geschenk auspackte: wieviele schöne Vasen mit Blumen standen hier herum, wieviele schöne Bilder hingen überall an den Wänden, wie ganz anders war es hier ais zu Hause!
„Ach, das ist aber herrlich, Dolf!" hörte er rufen. Sie ging auf ihn zu, gab ihm einen K>^. „Und das hast du ganz allein gemacht?" Er mckte in zartem Stoh, und spürte Tränen kommen vor Freude. „Bloß den Rahmen nicht", konnte er noch hervorbringen.
..Das soll aber auch den besten Platz bekom- men! Und schon lief sie in die Küche, kam zurück mit Hammer und Nägeln. Dolf wagte nicht aufzusehen, aber wie er es schließlich doch tat, mit eurem scheuen und innigen Blick, fand er, dah sein Bild das schönste war und das bunteste Eier den vielen andern. Darauf tranken sie Schokolade und aßen Kuchen und dann fuhren sie in die Stadt zu seinen Schulaufgaben und
Admiral Zenkers Asche ins Meer versenkt.
Dieser Tage wurde die Asche des verstorbenen Ad« , mirals Zenker, seinem testamentarischen Wunsch« entsprechend, durch den Kreuzer „Köln" auf dem Schauplatz der Skagerrakschlacht in die Nordse« 1 versenkt. Der Sohn des Admirals, Leutnant z. S.
Zenker, nahm an den Feierlichkeiten teil.
Großfeuer in Hamburg.
Zm Dachgeschoß eines in der Danziger Straß« in Hamburg gelegenen Geschäftshauses brach in einer der letzten Nächte auf unaufgeklärte Weis« ein Brand aiüs, der ein großes Warenlager von in Kisten verpackten, getrocknetem Obst vernichtete. Die Höhe des Drandschadens steht noch nicht fest. Da dringender Verdacht der Brandstiftung vorliegt, hat die Krmiinalpolizei sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet.
Dreifacher Mord.
Zn Kattvwitz schoß der 26 Zähre alte Wla- dislaus Z a k dieser Tage seinen Bruder, seine Schwägerin und deren Sohn nieder. Nach der Tat f loh der Mörder in die nahen Wälder. Die bisherigen Nachforschungen der Polizei haben zu keinem Ergebnis geführt. Auch das Motiv der Tat ist in völliges Dunkel gehüllt.
Zehn weitere Opfer des Fährbootunglücks auf dem East-River geborgen.
Zn der Nähe der Stelle, wo sich vor einigen Tagen die Fährbootskatastrophe ereignete, sind einer Meldung aus Neuyork zufolge zehn Leichen an die Oberfläche des Wassers getrieben worden, so daß sich die Gesamtzahl Der bei der Explosion auf dem Schiff ums Leben Gekommenen auf 50 beläuft.
3roei Tote, sieben Verletzte bei einer Straßenschlacht in Ostpreußen.
Aus Ortelsburg (Ostpreußen) wird gemeldet: Zm Dorfe Samplatten entstand in einer der letzten Nächte im Anschluß an eine Geburtstagsfeier eine große Schlägerei, die sich zu einer richtigen Straßenschlacht auswuchs. Der Schlächter K a 11 a n e k und Der LanDwirt A ch blieben mit furchtbaren Verletzungen tot auf dem Platze. Weitere sieben Personen wurden, zum Teil | sch wer, verletzt. Zahlreiche Teilnehmer tour* I Den verhaftet.
Hai das türkische Kasperle gelebt?
Ka ra g ö s, die komische Figur des alten türkischen Marionetten- und Schatten-Spiels, ist jetzt zum Gegenstand einer lebhaften Erörterung geworden. Der Streit geht um die Frage, ob diests türkische Kasperle eine wirkliche Person war oder ein Mythos ist. Auf einem Friedhof in der Nähe von Brussa befindet sich ein altes Grab, das unter der Bevölkerung Den Namen „Das Grab des Karagös" fuhrt. Ein Verein hatte nun durch eine Tcheater- Auffuhrung, in der der unsterbliche Komiker die Zuschauer zu reichen Gaben begeisterte. Die Mittel aufgebracht, um diese verfallene Grabstätte wieder herzustellen. Aber von anderer Seite wurde dagegen Einspruch erhoben weil KaragÖs niemals gelebt Me und es lächerlich sei, das Grab einer mythischen Gestalt auszubessern. Die Vorkämpfer Der Nestau- rierung hielten dem entgegen, daß KaragÖs eine h'storstche Persönlichkeit sei: er und sein Freund Urn,\??rtrr?aii^iDat seien hn 14. Jährlicher! 2S^-Citer k!m Bau Der Ulu-Moschee zu Brussa beschäftigt gewesen unter Der Herrschaft des Sultans Baiazet Jllbinm, und sie hätten durch ihre destän- b'gen Spaße und Streiche die Arbeit so aufgehal-
U.der Sultan befahl, sie zu enthaup- hör' Überlieferung fand die Hinrichtung
^arl?r<£ bes Humors tatsächlich in ^riJbhJh -' rUS l$re Leichen wurden auf dem kS- k ? Ae'gAtzt, ailf -em sich noch jetzt das Grab
D" Blatter von Konstantinopel haben sich
A Wesenheit bemächtigt und veröffentlichen i-Lt !uS“nDer Historiker und anderer Ge- leyrten, die sich für oder gegen die -historische Echt- Yeit Des türkischen Kasperle aussprechen. Wie Dem aua) Jet —- ober begrabene Karagös ist nickst tot; er lebt noch heute im ganzen Nahen Osten als der freister unzähliger Späße und Witze, von denen eine reiche Literatur erzählt. Viele Generationen haben über feine komischen Einfälle und burlesken gelacht, und nickst nur die Kinder, sondern ble Erwachsenen lauschten den Reden dieses türkischen Eulenspiegels, Denn in Den Zeiten Der t durch die Sultane, in Denen jede unm-fVl Stellungnahme zu den Zeitgeschehnissen v'ch war, besaß allein Karagös das Narren- H' n Wahrheit zu sagen und den Wünschen des Volkes Ausdruck zu verleihen.
Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichstagspräsident hat in Der Sitzung des Reichstags vom 12. September unter Nichtachtung Der Vorschriften Der Verfassung unD Der GeschäftsorDnung Die Verlesung Der von Dem Herrn Reichspräsidenten ergangenen Auflösungsverordnung v e r h i n D e r t. Er hat heute Dem Reichskanzler mitgeteilt, daß nach seiner Auf- faffung Die Auflösung Des Reichstages e r ft nach Der Abstimmung wirksam geworden sei. Ebenso hat Der Ausschuß zur Wahrung der Rechte Der Volksvertretung Die Rechtsgültigkeit Der Abstimmung Des Reichstages behauptet. Diese Auffassung erkennen Der Herr Reichspräsident und Die Reichsregierung nicht an. Darüber, a n welchem Zeitpunkt Die Auflösung Des Reichstages erfolgt, entsch ei Det lediglich der Herr Reichspräsident. Die Auflösung kann entweder durch Verlesung der Verordnung vor Dem Reichstage ober Durch ihre Zustellung an Den ReichstagspräsiDenten erfolgen. M i t Dem Augenblick Dieser Zustellung wird die Auflösung wirksam, sie kann in ihrer Wirksamkeit nicht von Dem Belieben Des ReichstagspräsiDenten abhängig g e - macht roerDen.
Die Reichsregierung hat sich bereit erklärt, mit Dem nach Artikel 35 Der Verfassung bestellten Ausschüssen zu verhandeln. Sie muß aber, bevor sie in Diese Verhandlungen eintritt, völlige Klarheit Darüber haben. Daß Die noch vorhanDenen Organe Des Reichstages Der 6. WahlperioDe, Das finD Das ReichstagspräfiDium unD Die beiden nach Artikel 35 Der Reichoerfassung bestellten Ausschüsse, Die von Dem Herrn Reichspräsidenten vor Den Abstimmungen beschlossene Auflösung Des Reichstages unD Die Darüber hinaus für Die Reichsregierung sich ergebenDe staatsrechtliche Stellung anerkennen. Ohne Diese Anerkennung ist Die Einladung an die Reichsregierung, vor Dem Ausschuß zur Wahrung Der Rechte Der Volksvertretung sowie vor Dem Auswärtigen Ausschuß zu erscheinen, auch in sich wiDerspruchsvoll.
Solange der Reichstagspräsident und die Ausschüsse auf dem Standpunkt stehen, daß die Reichsregierung rechtsgültig g e st ü r z t sei, t«men sie unmöglich verlangen, daß diese selbe Regierung vor den Ausschüssen erscheint. Auch aus diesem Grunde muh die Reichsregie- rung darauf bestehen, dah der Reichstagspräsi- dent und die Ausschüsse ausdrücklich zugeben, dah die am 12. September im Reichstag durchgeführlen Abstimmungen nichtig sind. Dies Eingeständnis ist die unerläßliche Voraussetzung dafür, daß die Reichsregierung
Vertreter in Die beiden Ausschüsse entsendet.
Wenn Der heute im Ersten Ausschuß angenommene Antrag Wegmann Die Auflösung Des Reichstages beanstanDet, weil es an einem konk-reten Anlaß zur Auflösung fehle, wie er angeblich in Artikel 25 Der Reichsverfassung geforDert werbe, so i>st Darauf zu erwiDern, Daß Artikel 25 Absatz 1 Die Auf- pfung völlig in Das freie Ermessen Des Herrn Re ich s p r ä si D e n te n stellt. Das geht unzweifelhaft aus feinem Wortlaut hervor, in Dem keinerlei Vorschrift über Den Charakter Des Anlasses zur Auf. tosung gegeben wirb. Sinngemäß muß es auch Dem Herrn ReichspräsiDenten unbenommen sein, zur Vorbeugung DrohenDer Gefahr Den Reichstag aufzulösen.
Ebenso unbegrünDet ist Die weitere Behauptung im Anträge Wegmann, Daß Die Auflösung gegen Artikel 48 Absatz 3 Satz 2 verstoße. Es ist selbst- verstänDlich, Daß Der Reichspräsibent befugt i st, Den Reichstag an Der konkreten Ausübung eines ihn im allgemeinen zustehenben Rechtes Durch Auflösung zu h i n D e r n, wenn Diese Aus- Übung zu einer GefährDung Des Wohles 1


