deutlicher, als das englisch-französische Rüstungsabkommen vom Jahre 1928.
Der „Vorwärts" bezeichnet als ersten Eindruck der Mitteilung, daß zwischen England und Frankreich ein neuer bündnisartiger Z u - stand geschaffen worden sei. Das Matt fragt: Sollte als politisches Ergebnis von Lausanne die Regierung v. P a p e n außer der glatten Ablehnung ihrer sämtlichen Forderungen obendrein nur ein neues englisch-französisches Bündnis erreicht haben?
Die „Voss. Z t g." meint, daß die Bedeutung dieses englisch-französischen Freundschaftsabkommens für die Zukunft zum größten Teil abhängig sei von dem guten Willen und der Gesclsicklichkeit der Außenpolitik. Ein gleichberechtigtes Deutschland werde bereit sein, auch seine Kraft in den Dienst des allgemeinen Wiederaufbaues zu stellen.
Die ,Deutsche Allgemeine Zeitung" nennt den Vertrag, der in Deutschland mit Kalt- bl ü t i g k e i t und Ruhe betrachtet werden müsse, eine erstaunliche und sonderbare Tatsache der internationalen Politik. Sein Wortlaut sei sehr vieldeutig und unerfreulich und nähere sich eher dem entsprechenden Absatz in dem berühmten „G o t t e s f r i e d e n" Macdonalds, als dem deutschen Gegenvorschläge, der in der Hauptsache eine ständige Fühlungnahme über die Hauptprobleme der europäischen Politik beschlossen sehen wollte. Absolut u n- befriedigend sei auch der Punkt, der sich auf die Genfer Abrüstungskonferenz beziehe.
Der „Lokalanzeiger" sagt: Die Erklärungen des englischen Außenministers klingen wie etwas Herrliches — was sie tatsächlich besagen. vermag man bisher nvch n i ch t zu übersehen. Daß man auch in Paris entzückt ist oder doch so tut. gibt ohnehin zu denken. Cs ist durchaus möglich, daß sich in den so schön und volkerliebend klingenden Ausdrücken allerhand Fußangeln bergen, z. D. der berühmte „Gottesfrieden", der Deutschland erwehren soll, irgend eine politische Frage anzuschnei- ben, oder die Einengungen des sogenannten Konsultativpaktes, bei dem jeder politischen Stellungnahme Deutschlands durch vorher notwendige langjährige gemeinschaftliche Beratungen ausreichende Hindernisse in den Weg gelegt würden.
Der ,T a g" überschreibt seine Aeußerungen: „Erpressungstaktik oder Zusammenarbeit?", und meint, daß einstweilen die englische und die französische Auslegung des Paktes sich widersprächen. Simon stelle das Abkommen als einen offenen Vertrag hin, dem die anderen Mächte beitreten sollten. Demgegenüber spreche H e r r i o t von einer neuen „Entente cordiale". In beiden Fällen trage das Pariser Abkommen, das unter eifriger Mitwirkung der Frankophilen Simon und Tyrrell zustande gekommen sei, einen Pressions-Charakter. Seine einzelnen Formulierungen seien weitester und widersprechender Auslegung fähig.
Die „Deutsche Zeitung" sagt mit Bezug auf die Aeußerung Herriots über die Wiederbelebung der Entente cordiale, Herriot scheine sich nicht bewußt zu sein, daß er damit die Erinnerung an die Dorkriegspolitik der Einkreisung Deutschlands heraufbeschwöre.
3m Spiegel der Londoner presse.
London, 14. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Die gestern von Sir Iohn Simons bekanntgegebene englisch-französische Vereinbarung wird von der englischen Morgenprcsse erläutert und besprochen.
„Daily H e r a l d" sagt, es werde weiter- gehender Aufklärung über diese englischfranzösische Verständigung bedürfen, bevor die fortschrittlich gesinnten Kreise Englands sich damit einverstanden erklären würden.
„R e w s C h r o n i c l e" führt aus, Simons hochwichtige Erklärung zeige, daß Frankreich zu MHIt Ml.
Original«Roman von Anny von panhuys.
Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
7. Fortsc: j. Rachdruck verboten!
Meta hatte sich in Eifer geredet. All ihr Haß auf die jung« bildhübsche Lil ergoß sich wie ein Behälter mit trübem Raß, den jemand umgeworfen. Sie zuckte die Achseln. „Sehen Sie, Ihnen das einmal gerade ins Gesicht sagen zu dürfen, ist schon an und für sich ein Genuß, der mich dafür entschädigt, daß ich noch keine neue Stellung habe. Roch nie habe ich Gelegenheit Aur Wahrheit gehabt. Aber Sie sind jetzt arm, ich bin nicht mehr abhängig von Ihnen, also darf einer dem anderen schon mal deutlich seine Meinung verraten." Ihre Augen funkelten boshaft.
„Meta, machen Sie das, und Meta, machen Sie daS! haben Sie mich rumkommandiert, den ganzen Tag und die halbe Rächt muhte ich für Sie auf dem Sprung stehen. Ich habe oft innerlich geflucht, aber mein geschulter Mund hat immer gelächelt: Iawohl, gnädiges Fräulein! Ieht hat es sich ausgegnädigt, jetzt sind Sie Fräulein Körner wie ich Fräulein Tretzler bin."
Sie langt« nach einem Päckchen Wäsche, stopfte es derb und rücksichtslos gegen das feine mit Spitzen verzierte Gewebe, in einen der Koffer, schloß befriedigt: „Run wissen Sie, wie ich über Sie und Ihresgleichen denke und wie ich mich freue, wenn sowas wie Sie vom goldenen Thrön« chen runterplumpst. Die Leute im Schumann- theater bei der Wohltätigkeitsvorstellung haben gelacht, als Sie ihnen wie ein verrückt gewordenes Stehaufmännchen Mätzchen vorgemacht haben, weil Sie da noch die reiche, stadtbekannte Lil Körner waren. Kein Mensch verzöge auch nur den Mund, wenn Sie jetzt als arme Lil Körner dasselbe täten. Denn ein echter gedie- ?ener Clown kriegte ja einen Anfall, wenn er aS Blech sähe, das Sie verzapfen." Die schob ein Päckchen Taschentücher in eine Kofferecke wie «in Bündel Flicken. „Sie werden ja wohl den Baron Sturm heiraten und vielleicht auch weiterhin nicht mit Menschen zusammenkommen, die Ihnen die Meinung sagen. Dann habe ich's wenigstens getan, für mich war es eine Wohltat." — Lil hatte gar keinen Versuch gemacht, die ander« zu unterbrechen. Sie hatte ganz ruhig oagesessen, di« großen Augen dabei auf dem Gesucht Metas ruhen lassend.
Ietzt sagte sie langsam: „Vielleicht haben Sie ™ 0 licht' aber wer solche Gesinnung hat wie Sie und ste so gut zu verbergen gewußt hat, der ist ein hinterhältiger, gemeiner Mensch. Ich be-
praktischer Zusammenarbeit mit England in einem seit langem nicht dagewesenen Grade bereit sei. Hoffentlich würden Deutschland, Italien und Belgien sich jedem neuen Schritt der Verständigung anschließen.
„Times" hebt besonders hervor, daß weder von der Bildung einer gemeinsamen Front gegenüber den Vereinigten Staaten, noch von der Bildung eines englisch-französischen Blocks gegenüber Deutschland die Rede sei. Viele der zu behandelnden Fragen würden wohl im Völkerbundsrat erörtert werden.
„Daily Telegraph" nennt die Vereinbarung einen Konsultativpakt, der die Förderung des internationalen Geistes bezwecke. Der diplomatische Korrespondent des Blattes bemerkt, zu den Fragen, die unter Punkt 1 aufgeworfen werden könnten, gehörten nicht nur Fragen, die mit dem Versailler Vertrag zusammenhingen, sondern auch mit anderen Friedensverträgen und überhaupt mit allen europäischen Verträgen. Zu solchen Fragen könnten gehören die Kriegsschuldklausel, Danzig und der polnische Korridor. sowie Memel. R ü st u n g s g l e i ch - h e i t würde wahrscheinlich unter den Bereich des Punktes 2 fallen.
DieMeinung derpariserpreffe
Paris, 14. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Pariser Presse befaßt fid) lehr eingehend mit dem englisch - französischen Vertrauensabkommen.
„P e t i t „P a r i s i e n" schreibt, dieses Abkommen verdiene seinen Namen mit Recht. Es handele sich dabei um eine französisch-englische Annäherung auf allen Gebieten, politisch, finanziell, wirtschaftlich, handelspolitisch, aber in anderer Form, als die frühere enlente cordiale. Die entente cordiale sei ein Bündnis gewesen, und als solches habe sie die Annahme aufkommen lassen können, daß sie gegen andere Nationen gerichtet gewesen sei. Das Vertrauensabkommen dagegen sei ein Versprechen zu aktiver Zusammenarbeit z w i s ch e n F r a n k r e i ch und Großbritannien , aber mit der offenkundigen Absicht, dem Interesse Europas an der Welt zu dienen.
„Journal" erklärt, an die Stelle der entente cordiale trete eine Form allgemeiner Zusammenarbeit. Dieser Gedanke sei edelmütig, es bestehe aber stets die Gefahr, daß man die Zusammenarbeit zum Schaden der Ordnung ausgehen lasse. Eine Zusammenarbeit scheine nur zulässig zwischen Nationen, die willens seien, die Aufrecht- erhaltuna des europäischen Staates gegen jeden Umsturz zu verteidigen.
„Petit Journal" meint, das Abkommen sei ein neuer wichtiger Beitrag zur Organisierung des Weltfriedens, entsprechend den Traditionen des Völkerbundes und entsprechend dem Geist von Lausanne.
„O r d r e" schreibt, es sei ärgerlich, daß man um dieses kleinen Abkommens willen soviel Aufhebens gemacht habe.
„F i g a r o" schreibt, es handele sich nicht um einen Bündnispakt — das lasse ja der Völkerbund nicht zu —, auch nicht um eine bestimmte Verpflichtung, noch um ein Versprechen. Es handele sich nur um eine DarlegungvonAbsichten, wobei sich auch noch besorgniserregende Formeln ein- !«schlichen hätten. Gleich zu Beginn des Dokuments inde sich eine unklare Stelle, wonach der englisch- ranzösische Meinungsaustausch außerordentlich begrenzt sei.
„A v e n i r" meint, das Dertrauensabkommen fordere auch die anderen Länder auf, sich daran zu beteiligen. Es sei also im Geiste des V ö l - kerbundsstatuts abgeschlossen worden. Immer- hin sei es merkwürdig, daß derVölkerbundein solches Abkommen nicht durch seine eigene Beteiligung im voraus überflüssig gemacht habe. Sollten sich, so schreibt das Blatt, die großen Mächte außerhalb des Völkerbundes besser verständigen können, als innerhalb?
darf Ihrer Hilf« nicht m«hr, gehen Si« sofort, ich möchte Ihnen hier im Haus« nicht mehr begegnen."
Di« andere lachte: „Hier im Hause! Das ist ein guter Witz. Sie müssen ja raus aus dem Haus, wie ich, das tröstet mich."
Lil sprang auf. „Augenblicklich verlassen Sie meine Zimmer, sonst--“
Ähre kleine, zierlich« Person stand mit geballten Fäusten vor der größeren, ziemlich breiten Meta.
Die Zofe hatte manchmal dem Boxunterricht Lils beigewohnt: sie wußte, die kleinen gepflegten Hände hatten die Kraft zu derben Griffen und Stößen. Sie zog es vor, sich bis zur Tür zurückzuziehen. Drohend, mit erhobenen Fäusten folgte ihr Lil.
Da öffnet« Meta di« Tür, rief spöttisch: „Lind wenn Sie auch Ihren Kusin heiraten und Baronin werden, die Tochter eines Bankerotteurs, der so viele Menschen um ihr bißchen Geld gebracht hat, bleiben Sie ihr Lebelang!"
Mit einem Sprung schnellte Lil vor und schlug der Zofe derb mit den Fäusten ins Gesicht.
Schreiend raste Meta davon, den Flur entlang, lief der Baronin in den Weg, rief zornbebend: „Ein feines gnädiges Fräulein, di« einem ins Gesicht schlägt!"
Lil stand noch an der Tür, jetzt ging sie ins Zimmer zurück, schloß die Tür hinter sich.
Draußen auf dem Gange erzählte Meta der Baronin ein Gemenge von Wahrheit und Lüge, gab an, von Lil furchtbar gereizt worden zu sein durch grobe Befehle.
Die Baronin war entsetzt. Lil war ja eine ganz gefährliche Person, di« einfach, wenn es so paßte, drauflos schlug. Natürlich, bis jetzt hatte sich Meta alles gefallen lassen, des Geldes wegen, man konnte es ihr nicht verdenken, wenn sie sich nun zu wehren wagte.
Meta log: „Immer stampfte sie gleich mit dem Fuß« auf, wenn ich ihr etwas nicht schnell genug machte, und schimpfen kann sie wie ein Fuhrknecht, davon haben Frau Baronin natürlich keine blasse Ahnung. Es ist auch nicht das erstemal, daß sie mit den Fäusten auf mich losgegangen ist. Aber ich hatte Angst um mein Brot.
Sie weinte richtige Tränen bei den Gügen, ganz echt und glitzernd kollerten sie über ihre Wangen. Aber die Tränen hatten Wut und Schmerz geboren, denn sie hatte LilS Fäuste derb gespürt.
Adele 6turm sagt« beruhigend: „Ihr Gehalt und Ihr Zeugnis haben Sie ja, also gehen Sie lieber so bald wie möglich, daß Sie nicht mehr mit meiner Richte zusammentreffen. Es tut mir leid, daß so etwa wie heute überhaupt Vorkommen konnte, und ich bitt« Sie. nicht darüber zu sprechen."
„E r e N o u v e l l e" sagt, der Vertrag bezwecke nicht die Verteidigung egoistischer Interessen, sondern beziehe sich auf das allgemeine Interesse des Friedens. Frankreich und England seien entsd)!ossen, gemeinsam an der Zusammenarbeit und Verständigung der Völker zu arbeiten.
„R 6 p u b l i q u e" meint, ganz Frankreick) werde dieses große Ereignis mit Freuden aufnehmen. Das Vertrauensabkommen mache mit der grausamen Isolierung Fr a n k r e i ch s ein Ende, in die das Kartell der Rechten Frankreich gebracht habe.
„Vollontö" schreibt: Wir verteidigen die deutsch - französische Annäherung nicht
etwa mit dem Hintergedanken, irgendeiner england- feindlichen Kontinentalpolitik Vorschub zu leisten.
„P o p u l a i r e" dagegen erklärt, das Abkommen bestehe zum großen Teil aus inhaltlosenJor- mein und unbestimmten Versprechungen. Man spreche immer wieder vom Geist von Ehequers, das aber genüge heute nicht mehr. Die Völker hätten 3 u viel Enttäuschungen erlebt, als daß sie sich mit einer derartigen Gefühlsliteratur begnügen könnten. Wenn diefranzösischeDelegation mit leeren Händen nach Genf komme, habe man das Recht, zu erklären, daß das franzö- fisch-englische Abkommen nur „ein schlechter Witz" sei.
Cm Mahnruf der deutschen evang. Kirchen
„Oie Botschaft von Christus muß wirksam werden/"
Berlin, 13. Iuli. (TL1.) Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß, die oberste Vertretung der im Kirchenbund zusammengeschlossenen deutschen Landeskirchen, hat sich in seiner letzten Sitzung mit der noch immer wachsenden wirtschaftlichen und seelischen Rot unseres Volkes beschäftigt. Aus seinen Beratungen ist folgende Kundgebung hervorgegangen:
„Linser Volk und mit ihm die ganze Welt leidet schwerste Rot. Die ungeheure Zerstörung von Wirtschaftsgütern durch den Krieg, die drückenden Lasten, die er den Völkern, besonders unserem vergewaltigten deutschen Volk auferlegt hat, die Zerreißung zusammengehöriger Wirtschaftsgebiete durch unnatürliche Grenzziehungen, die Llnterbin- dung der Weltwirtschaft, die allgemeine politische Llnsicherheit und das tiefe gegenseitige Mißtrauen lassen eine Gesundung nicht aufkommen. Verbitterung und Verzweiflung greifen immer mehr um sich: ein Leben ohne Arbeit und Aufgaben verliert seinen Sinn. Die Gefahr ist da, die die Welt in das Chaos hineintreibt. Die tief
sten Quellen der Rot sind nicht wirtschaftlicher, sondern geistiger Art. Die Welt leidet unter Haß und Herrschsucht, unter Llngerechtigkeit und Än- wahrhaftigkeit.
Die Kirche fordert vertrauensvolle Zusammenarbeit im eigenen Volk und zwischen den Völkern, wahre Gerechtigkeit, nicht nur ihren Schein. Taten, nicht fruchtlose Verhandlungen. Die Botschaft von Christus muß wirksam werden, wenn wir im Kampf mit Rot und Sünde nicht unterliegen wollen.
Kraft gibt allein der Glaube, daß nicht «in sinnloses Schicksal über uns waltet, sondern daß Gott im Regimente sitzt. Ihm sind wir mit allem unserem Tun und Lassen verantwortlich. Ieder einzelne soll helfen, der Rot zu steuern. Opfer müssen von allen gefordert werden. Dankbar gedenken wir an viel Liebe, die in dieser Rotzeit offenbar geworden ist. Aber christliche Liebe darf nicht müde werden. Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!"
Neue Gtraßeukämpfe.
Gestern haben sich auch in Hanau Ausschreitungen ereignet. Als ein Nationalsozialist aus dem Wohlfahrtsamt kam, wo er gestempelt hatte, wurde er von politischen Gegnern anaerempe.'t. Diese Reibereien setzten sich dann fort. Durch Messerstiche in Kopf und Rücken wurde der Nationalsozialist nicht unbedenklich verletzt: zwei andere Nationalsozialisten erhielten ebenfalls Verletzungen. Die chasll ein- greifende Schutzpolizei machte den Reibereien und den Ansammlungen ein Ende. Die verletzten Na- tionalsozialisten sind dem Hanauer Krankenhaus zugeführt worden.
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Heber Ausschreitungen in Köln-Sulz teilt die Polizei u. a. mit, daß die Störungen durch Kommunisten Formen einer offenen Auflehnung und des planmäßigen Angriffes gegen Polizeikommandos annehmen. In planmäßig durchgeführter Gegen- aktion konnte schließlich unter Einsatz eines Panzerwagens die Ruhe und Ordnung in den Morgenstunden wieder hergestellt werden. 42 Personen wurden festgenommen. Bei Unruhen im Stadtteil Kalk wurden Polizeibeamte aus den Häusern be- schossen und mit heißem Wasser begossen. Hier wurden 17 Rädelsführer festgenommen.
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InBarmen wurden heute zweiRational- s o z i a l i st e n von einem Trupp Kommunisten an eine Hauswand ge st eilt und durchsucht. Als sie dann Weggehen wollten, wurden auf sie mehrere Schüsse abgegeben. Beide erhielten Oberschenkelschüsse.
Vor der Geschäftsstelle der sozialdemokratischen „Volksstimme" in Hamborn kam es am Mittwoch zu schweren Schlägereien zwischen Reichs- bonnerleuten und Nationalsozialisten. Im Verlauf der Schlägerei wurden drei Schüsse abgegeben. Ein Nationalsozialist wurde lebensaefährlich, ein anderer leichter verletzt. Die Polizei nahm eine Durchsuchung der Geschäftsstelle nach Waffen vor, die ergebnislos verlief.
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Gestern kam es in Hindenburg zu einer Schlägerei zwischen sechs Kommunisten und sechs Rationalsozialisten. Beim Eintreffen des Lieber- fallkommandos hatten sich ungefähr 300 Personen angesammelt. Aus der Menge wurden Steine aus die Polizeibeamten geschleudert. Die Beamten zerstreuten mit dem Gummiknüppel die Ansammlung. Drei Kommunisten und drei Rationalsozialisten wurden verletzt. Ein Rationalsozialist mußte mit, Messerstichwunden ins Krankenhaus geschafft werden.
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Gegen Mitternacht kam es in Oberschöne- w e i d e bei Berlin zu einer Schießerei zwischen! Rationalsozialisten und Kommunisten. Insgesamt wurden durch die Schüsse vier Personen verletzt. Zwei Verletzte wurden ins Hospital eingeliefert. Einige angeblich an der Schießerei beteiligte Ra- tionalsozialisten wurden festgenommen.
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In Siemens st adtbei Berlin kam es gestern abend zwischen Kommunisten und Rationalsozia- listen zu heftigen Auseinandersetzungen in deren Verlaus acht Schüsse abgegeben worden sein sollen.
Sie fingerte aus dem Handtäschchen, das sie bei sich trug, einen Geldschein, drückte ihn in Metas Hand, die sich bereitwillig öffnete.
Meta flüstert«: „Frau Baronin haben mehr Verständnis für unsereins wie das gnädige Fräulein."
Die Baronin nickt« ihr zu. „Ich wünsch« Ihnen bald ein« neue Stellung!"
Sie ging zu Lil.
Meta aber rast« förmlich in ihr Zimmer hinauf.
Metas Sachen waren schon gepackt, in einer Viertelstunde hatte sie bereits das Haus verlassen. Sie fuhr mit einem Auto zu ihrem verheirateten Bruder, der als Mechaniker sein gutes Auskommen hatte. Heute abend fand ein Ball statt in seinem Gesangverein, den hatte sie noch mitmachen wollen und um frühzeitig wegzukom- men aus dem Hause, Lil noch mehr gereizt, wie sie «s vielleicht ohne den Grund getan hätte.
Sie saß im Auto und fuhr sich ab und zu über die Mundpartie. Sie fühlte noch immer die kurzen harten Faustschläge Won vorhin. Sie selbst trug die Schuld an dem häßlichen Auftritt, aber das gab sie nicht zu, ihr Zorn und Haß suchte Lil Körner.
O, wenn sich ihr doch einmal Gelegenheit böte, an Lil Körner Rache zu nehmen. Sie haßte Lil jetzt noch mehr als früher. Ihr Haß war wie dunkelrote Glut, die nur eines leichten Windhauches bedarf, um hoch aufzulodern.
7. Kapitel.
L i l füg t s i ch aus Liebe!
„Lil! Lil, wie hast du dich gegen die Zofe nut soweit vergessen können!" Die Baronin stand vor Lil, die eben anfing weiter zu packen.
Lil hob den Kopf und ihre Augen blitzten.
„Sie ist eine ganz niederträchtige, boshafte Kreatur, Tante, und hat mich bis aufs äußerste gereizt. Zum Schluß hat sie mich die Tochter eines Bankerotteurs genannt, da habe ich ihr aus den frechen Mund geschlagen, ich konnte einfach nicht anders."
Di« Baronin schüttelte verweisend den Kopf.
„Mag sie gesagt haben, was sie will, es handelte sich um Worte. Sagte sie Dinge, die sie nicht sagen durfte, konntest du ihr die Tür weisen, konntest dem Diener klingeln, aber wie du dich benommen hast, das erinnert stark an die Wildwestsitten. Liebrigens behauptet Meta, es wäre nicht das erstemal, daß du sie so behandelt hast."
Lil schlug auf den Tisch.
..Die Gemeinheit glaubst du hoffentlich nicht, Tante Adele? Meta war heute zum erstenmal unverschämt gegen mich und ich habe ihr zum erstenmal meine Fäuste von ganz nahe gezeigt."
Die Baronin macht« eine unbestimmt« Gebärde.
»Meta behauptet jedenfalls, du wärest schon öfter mit den Fäusten auf sie lvsgegangen."
»Sie lügt!" entgegnete Lil mit geröteten Wangen, „und ich bitte dich, Tante, mir das zu glauben, ich bin kein« Lügnerin."
Es klang ein wenig scharf.
Die Baronin zog die Augenbrauen hoch.
„Liebes Kind, vergiß bitte nicht, daß ich nicht Meta bin, ich finde, du vergreifst dich etwas im Ton."
Lil senkt« den Kopf. Sie wußte, mit der Tante würde si« sich schlecht verstehen, aber wo sollte sie anders hin als zu ihr. Sie schwieg und dacht« traurig, toi« so ganz, ganz anders sähe jetzt für sie di« Welt ans, wenn ihr Vater noch lebte. Selbst toenn er alles Geld verloren hätte. Mit dem Vater zusammen wäre sie auch in einfachen Verhältnissen glücklich gewesen. Wäre der Vater am Leben geblieben, wäre sie von der Tante auch/ nicht gleich so angeschnurrt worden, als sie sich gegen den Verdacht der Lüge verteidigte.
Di« Baronin spielt« mit ihren Ringen.
„Du kannst dich nicht genug beherrschen, Lil, das ist ein großer Fehler." Sie lächelte. „So lange du di« reiche Lil Korner warst, konntest du dir das vielleicht auch bis zu einer bestimmten Grenz« erlauben, aber jetzt mußt du dich doch mehr deiner Umgebung anpassen. Dein Vater war dir gegenüber zu schwach."
Lil fühlte, wie es in ihren Schläfen hämmerte. Warum ließ man sie denn nicht in Ruhe? Sie war innerlich so wund und aufgewühlt und von dem Tod« des Vaters, der sie abschiedslos für immer verlassen, sie litt entsetzlich unter all dem Häßlichen, was den Bankzusammenbruch umgab, sie mußte aus dem Hause, in dem sie ausgewachsen, und nun quälte man sie noch mit derlei Dingen, die ihr jetzt ganz unwichtig und gleichgültig schienen und sie doch erregten, ihre arme» Rerven folterten.
Sie erwidert« mit zitternder Stimme: „Möglich, daß Vater zu schwach gegen mich gewesen ist, aber dann war er es doch nur aus Liebe zu mir und für feine viel« Liebe bin ich ihm dankbar. Lind Werner hat mich auch lieb, er wird mir bestimmt nicht jede Kleinigkeit übel nehmen und jedes Wörtchen, daS ich spreche, auf die Goldwaage legen."
Di« Baronin schüttelt« wieder den Kopf.
„Mir scheint, mit dem letzten Saß spielst du auf mich an. Du hast dir schon mehrmals Anspielungen erlaubt, auch letzthin, als ich erzählt«, was Frau von Welp gesagt und du sofort mit Boxen drohtest." — Lil holt« tief Atem.
„Aber, Tante, ich erklärte dir da doch gleich, ich meinte mit meiner Drohung nur di« Menschen, die es wagen könnten, Vatis Rainen zu verunglimpfen, ihn Gauner und Betrüger zu schimpfen. Du mußt mir aber auch glauben. Es ist doch furchtbar, wenn du mir nicht glaubst. Wie können wir denn dann zusammenleben."
(Fortsetzung folgt)


