nr. 165 Erstes Blatt
(82. Jahrgang
Donnerstag, 14. Zull 1952
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England und Frankreich
Macdonald hat eine Rede gehalten und, genau genommen, nichts gesagt, 5) e r r i o t hat auch gesprochen. Ob er mehr mitgeteilt hat, als sein Gegenüber im Unterhause, kann jeder selbst beurteilen. Obwohl aber die Rede Macdonalds an Zurückhaltung kaum zu überbieten sein dürfte, obwohl er seinen politischen Gegnern eigentlich das Feld überließ, ist seine Darbietung zweifellos die wichtigste von allen. Es fehlt darin etwas, es fehlt das eindeutige Bekenntnis zur anglo- französischen Zusammenarbeit. Die Rede Macdonalds war ein Meisterstück der Nichts« sagerei, wenn sie langweilig wirkte, so liegt das daran, daß man eben in der hohen Politik nicht Film-Sensationen verlangen soll und darf.
Me Rede Macdonalds hatte es in sich. Das, was sie in sich hatte, ist aber das Grundproblem der europäischen Zukunft: Wie steht es um das Verhältnis Frankrei ch—E ngland ? Wer von beiden hat den Krieg gewonnen? Wer bestimmt über Europas Zukunft? Soll wirklich die Entente Cordiale ihre Wiederauferstehung erleben. Es geht um nicht mehr ^nd nicht weniger. E» geht darum, ob die neue Entente wieder eine deutschfeindliche Spitze erhalten soll, oder nicht. Wenn ja, dann wäre namenloses Unglück im Anzuge, wenn nicht, dann stehen wir tatsächlich vor einer Kehrtwendung der englischen Gesamtpolitik. Sollte das der Fall sein, dann erklärt sich die zögernde, umständliche Ausdrucksweise des englischen Premierministers ganz von selber.
Gewiß, ein Geheimabkommen ist geschlossen worden. „Ich habe es selbst erklärt", sagte Mac- donald. Freilich, verstanden hat das niemand. Aber immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß dies Geheimabkommen doch offenbar ein Ausschnitt aus einer ganzen Reihe von Ansprachen ist, die alle noch im Halbdunkel des politischen Hintergrundes gehalten werden. Herriot ist doch Fortsetzer und nicht Schöpfer dieser Politik, die schon von Tardieu begonnen wurde. Frankreich betreibt nämlich England gegenüber jene Politik, die wir Deutsche vor dem Kriege trieben, die Politik des Risikogedankens, aber mit unvergleichlich viel große- rcr Aussicht auf Erfolg. Der alte Grundaedanke der deutschen Flottenpolitik bestand darin: England zu einem gleichberechtigten Abkommen zu nötigen, um das in der Gegnerschaft liegende Risiko zu beseitigen. Das ist seinerzeit durch Frankreichs Dazwischcntreten unmöglich gemacht worden. Frankreich gab England die Hand. Es rettete England aus dem Risiko. Der Irrtum Englands lag darin, daß das Risiko trotzdem blieb. Das bewies der Verlauf des Weltkrieges. Die russische Trumpfkarte war eine Niete. Sie war es ober, die England seinerzeit bestach. Heute hat Frankreich die beherrschende Stellung auf dem Kontinent. Es hat Deutschland und Rußland zugleich beerbt. Das Risiko ist g e - wachsen und nicht gefallen.
Die einzige Gegenkorte Englands sind die Italiener und Amerikaner. Ader man weiß, daß sich die Franzosen inzwischen der japanischen Freundschaft versichert haben und daß Englands asiatische Stellung verwundbar ist. Somit liegt also eine Einigung zwischen England und Frankreich geradezu in der L-uft und das Kavalierabkommen ist dazu ein Vorspiel.
Nun beginnt aber die Problematik der Zukunft erst in ihrer wahren Schwere. Wenn England die alte Entente mit deutschfeindlicher Spitze wiederherstellt, dann ist es den Fran^ zosen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Es kommt also tatsächlich auf eine Rettung Deutschlands hinaus, wenn sich England nicht selber retten will. Das wäre der Anfang von üau- sänne. Die französische Politik ist aufs Gegenteil gerichtet. Das war ebenfalls der Anfang von Lnu= sonne. Deshalb wurde in Lausanne die Politik abgedreht. Was wird werden? Lesen wir Macdonalds Rede durch die Brille dieser Erkenntnis, vergleichen wir anschließend alle heutigen und kommenden Aeußerungen der Franzosen damit, dann wird hier ein weltpolitisches Ringen sichtbar, dos sich bei der Macdonald-Rede auf das deutlichste in ihrer Vorsicht abspiegelt. Sie bestätigt unsere Auffassung. Hier wird ein hohes Spiel gespielt.
Cs ist leider nicht ohne Gegenspieler. Churchill entpuppt sich immer mehr als unser heftigster Gegner. Er haßt uns. Es ist so, als mache er es uns zum Vorwurf, daß wir seinen militärischen „Genius", den er zu besitzen glaubt, an der letzten Tat verhindert hätten. Churchill nimmt uns unsere Existenz übel. Er ist rachsüchtig. Er ist kein großer Geist. Er bleibt auch hier ein Dilettant, ebenso wie sein Freund Lloyd George! Immerhin atmen auch diese Reden eine grundsätzliche Einstellung. Die Engländer scheinen sich augenblicklich noch selber nicht ganz klar zu fein, wo denn ihre wirklichen Interessen liegen. Es mag auch fein, daß sie die Spur verlegen wollen.
Daran schließt sich aber die Folge-Frage: Ist Macdonald der Mann, dieses Werk weiterzuführen, das er niemals wird vollenden können? Er ist krank und verbraucht. Hat er noch die Spannkraft, wenn er schon den Begriff davon besitzt? Ruch das ist eine Frage, die nur von den Ereignissen beantwortet werden kann. Rber die Tatsache als solche bleibt bestehen: das englisch-französische Verhältnis wird revidiert.
Damit ist noch keine letzte Entscheidung gefallen. Was werden die Franzosen tun? Fühlen sie auch, daß England ein Risiko für sie bedeutet? Erkennen sie die amerikanische Gefahr an? Wir werden sehen. Wir glauben aber nicht an diese Einsicht. England kann neue schwere Enttäuschungen erleben Es muh sie sogar erleben, wenn es wirklich einsehen soll, wo seine Zukunft liegt.
Lausanne-Bericht beim Reichspräsidenten.
Hindenburg spricht dem Reichskanzler und der deutschen Delegation seinen Dank aus.
Reudeck, 14. Juli. (1DIB. Funkspruch.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute den Reichskanzler v. Popen zum Bericht über die Lausanner Verhandlungen. Rach Entgegennahme des Vortrages sprach der Herr Reichspräsident dem Reichskanzler feinen Dank für din in Lausanne geleistete Arbeit aus und bat, diesen Dank auch den anderen Mitgliedern der Delegation zu übermitteln, hieran schloß sich ein gemeinsamer Vortrag des Reichskanzlers und des Reichsministers des Innern über innerpolitische Fragen.
Der Kanzler ist dem Wunsch des Reichspräsidenten, ihm über das Ergebnis der Lausanner Konferenz Bericht zu erstatten, unverzüglich nachgekommen. Er benutzt den Besuch in Reudeck auch, um den Präsidenten über die Pläne der Reichsregierung auf dem Gebiete der Siedlung, der Arbeitsbeschaffung und des A r b e i t s d i e n st e s zu orientieren. Das alles wäre politisch weder bedeutungsvoll, noch sensationell, wenn nicht gleichzeitig auch der R e i ch s i n n e n m i n i st e r von G a y l die Reise nach Reudeck angetreten hätte. Sein Dortrag beim Präsidenten scheint uns wesentlich wichtiger und vielleicht auch für die künftige innerpolitische Entwicklung maßgebend zu sein. Daß Herr v. G a y l den Kanzler begleitet, läßt doch nur auf den dringenden Wunsch des Reichspräsidenten schließen, vom Innenminister zu hören, wie er zu den täglichen blutigen Ausschreitungen steht und welche Maßnahmen er noch für anwendbar hält, bevor es zu einem Einsatz der Reichswehr kommt. Gerade hier scheinen sich beim Reichspräsidenten, der nicht nur der erste Beamte im Staate, sondern auch der Oberbefehlshaber der Reichswehr ist, doch lebhafte Sorgen eingestellt zu haben. Für ihn ist die Armee in erster Linie ein Instrument der Landesverteidigung, das allein durch sein Vorhandensein namentlich unsere unruhigen östlichen Rachbarn bis heute abge- gehalten hat, den seit Jahren geplanten Eroberungsfeldzug nach dem Westen und dem Rorden zu unterlassen. Welche Chancen ergeben sich aber für die Raubstaaten, wenn sie eines Tages feststellen müssen, daß die Reichswehr vollauf mit der Riederwerfung revolitionärer Erhebungen beschäftigt ist und ihre eigentliche Aufgabe, die Grenzen unserer Heimat zu schützen, nicht mehr erfüllen kann.
Welche außenpolitischen Verheerungen müssen sich aber auch einstellen, falls man tatsächlich gezwungen wäre, die Reichswehr einzusehen. Schon in Lausanne hat die deutsche Delegation bitter über die Ausstrahlungen des täglichen Bürgerkrieges geklagt. Wie aber muß Deutschland in den Köpfen der Ausländer aussehen, denen täglich ausgiebige Meldungen über Straßenkämpfe und Schießereien vorgesetzt werden. Sie halten Deutschland für ein Land, das am Vorabend einer Revolution steht und das binnen kurzem zusammenbricht und auseinanderfällt. Sie urteilen über uns so wie wir über Spanien, als wir fortgesetzt über Verschwörungen und Putsche hörten, wie über die südamerikanischen Staaten mit ihren nicht abreißenden Revolutionen und über China mit seinem ewigen Bürgerkrieg. Wir glauben, daß diese Erwägungen den Präsidenten veranlaßt haben, Herrn v o n G a y l nach Reudeck zu rufen, ganz abgesehen davon, daß es für jedes Staatsoberhaupt ein absolut unerträglicher Zustand ist täglich mit ansehen zu müssen. wie der Bürgerkrieg weiter um sich frißt. Der sicheren Erwartung dürfen wir uns aber wohl hingeben, daß die Reise nach Reudeck innerpo- litisch eine Wendung zum Bessern bringt, sei es auch unter Anwendung schärfster Mittel. Soweit dürfen wir es jedenfalls nicht kom
men lassen, daß die Polizei sich eines Tages als ohnmächtig erweist und dann die Reichswehr auf einem ihr völlig fremden Feld operieren muß.
Bayrische Erwartungen.
München, 14. Juli. (CNB.) Die „Bayerische Staatszeitung" erörtert in ihrem heutigen Leitartikel Zweck und Bedeutung des Reichskanzlers und des Reichsinnenminifters nach Ncudeck. Das Blatt meint, mit gutem Grund an- nehmen zu dürfen, daß Reichsinnenminifter von G a y l Bericht über die in letzter Zeit erfolgten Zusammen st ötze erstatten werde. Er spricht dabei den Wunsch aus, daß man den Entschluß fas. sen werde, mit allen verfassungsmäßi- gen Mitteln gegen Ausschreitungen aller Art vorzugehen. Das Blatt nimmt ferner an, daß der Reichsinnenminifter auch über das Verhältnis Bayerns zum Reich berichten werde, wobei es erklärt, gewisse norddeutsche Blätter hätten aufgrund falscher Berichterstattung über Reden der führenden bayerischen Staatsmänner oder aus sonstigen Gründen gegen diese einen hemmungslosen Ton angeschlagen. Den Angegriffenen bleibe nur der Weg der Klage übrig, wie er auch gegen die „Berliner Börsenzeitung" und das „Hamburger Tageblatt" bereits beschritten sei.
Ls sei Pflicht der berichterftattenden Minister, das falsche Bild, das die in Frage kommenden Blätter von Bayern entworfen hätten, richtigzustellen und so die Empörung der sich korrekt und ruhig verhaltenden süddeutschen Blätter auch im Reudecker Milieu verständlich zu machen, weil sonst vielleicht unbewußte Gegensätze vertieft werden könnten, deren Ueber- windung im Gesamtinteresse des deutschen Vaterlandes ein Gebot der Stunde sei.
ßchliehlich werde es als möglich bezeichnet, daß man sich in Neudeck auch über die seit einiger Zeit im Neichsinnenministerium erwogenen Rund- fu n f p I ä n e unterhalten werde, Pläne, die den Stempel umfassend st er Zentralisation s- beftrebunge trügen, die Bayern mit Entschiedenheit ablehnen müßte. Es wäre auch sehr zu wünschen, daß dem Grundsatz Geltung verschafft würde, die Parteipolitik dem Rundfunk f e r n z u h a l t e n. Es würde für die weitere Entwicklung Deutschlands sehr viel davon abhängen, daß auf dieser Reise staatsmännische Vernunft Sieger bleibe über Erwägungen, die parteipolitische Rücksichten etwa einzugeben oer- möchten.
Das Lausanner Genlleman Agreement.
Paris gibt den Wortlaut bekannt. — Doch unter Umständen Rückkehr zum Uoungplan?
Paris. 14. Juli. (121. Drahtmeldung.) Der Quai d'Orsay veröffentlicht heule nachmittag den Wortlaut des Genlemen Agreement, das in Lausanne zwischen Frankreich, England. Belgien und Italien getroffen wurde. Das Genllemen Agreement lautet folgendermaßen:
„Die Lausanner Abkommen treten erst nach der in diesem Abkommen vorgesehenen Ratifizierung endgültig in Kraft, was die Gläubiger- möchte anlangt, in deren Ramcn dieses Schriftstück paraphiert wird, so wird die Ratifizierung nicht eher stattfinden, bis zwischen ihnen und ihren eigenen Gläubigern eine befriedigende Lösung erzielt worden ist. 3m Wortlaut des Abkommens mit Deutschland wird dagegen nicht auf dieses
llebereinkommen hingewiesen werden, wenn in der Folge eine befriedigende Lösung der Schulden erreicht worden ist, werden die unterzeichneten Gläubigermächte die Ratifizierung vornehmen, womit das Abkommen mit Deutschland Rechtskraft erhält. 3n dem Falle, daß eine Regelung der Schulden nicht erzielt werden kann, wird das Abkommen mit Deutschland nicht ratifiziert werden. Dadurch würde eine neue Lage entstehen, und die interessierten Regierungen würden sich darüber einigen, was zu geschehen hat. 3n jedem Falle wird die Rechtslage aller interessierten Mächte d i e werden, die vor dem Hoover-Moratorium bestanden hat. Die Reichsregierung wird von diesem Abkommen unterrichtet werden."
Das Echo des englisch-französischen Abkommens.
Hoover erklärt: Kein Anlaß zur Beunruhigung.
London. 14. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Meldung aus Washington ist Präsident Hoover nicht der Auffassung, daß das englisch - französische Vertrauensabkommen Anlaß zur Beunruhigung gebe, wie weiter verlautet, hofft Hoover, daß das Abkommen dem Wunsche der vereinigten Staaten entspricht, die es gerne sähen, wenn Europa zunächst einmal feine eigenen Angelegenheiten in Ordnung bringe, bevor es an die vereinigten Staaten mit dem Ersuchen herantrete, die Last der Kriegsschulden zu erleichtern.
Berliner Preffestimmen.
Berlin, 14. Juli. (CNB.) Das gestern abend vom britischen Außenminister im Unterhaus bekanntgegebene englisch-französische Vertrauensabkommen wird von fast allen Morgenblättern sehr lebhaft erörtert.
Die „Germania" befürchtet, daß aus einem solchen Pakt über die vorherige Beratung aller politischen Schritte zwischen den beteiligten Mäch- ten eine neue Art des Genfer Protokolls werde. Alles hänge davon ab, welche Absichten man einem solchen Vertrage unterlege. Wenn dieser Pakt zu zweien in der Tat eine Ei n la • düng an d ie übrigen europäischen Mächte darstellen solle, unb wenn er hinsichtlich der Abrüstung, der englisch-französischen Handelspolitik und der amerikanischen Schuldenfrag« keine neuen Hemmungen schaffe, so könnte man ihn begrüßen. Andernfalls wäre er noch weit be-
Qlber von solchen Einsichten sind wir noch weit entfernt. 2m Gegenteil, sie werden zur Zeit verhindert.
Wir können dabei nur wenig tun. Aber wir können uns immerhin auf dem Laufenden erhalten. Man wird uns über den Fortgang der geheimen Verhandlungen nicht unterrichten. Das gehört zu den Gepflogenheiten der Entente. Aber wir vermögen dennoch zu erfahren, was vorgeht, und zwar durch entsprechende Aktivität auf außenpolitischem Gebiete, zumal in Genf. Genf wird zum Angelpunkt der Weltpolitik. Die französisch-englische Annäherung wird sich hier kundtun. wenn sie sonst nirgends sichtbar wird. Genf ist politischer Prüfstein geworden.
Lausanne war zuvorderst ein eng li sch- französischer Erfolg. England hat den Franzosen den kleinen Finger probeweise gegeben Ob es ihn wieder frei bekommen wird, wissen wir nicht. Ob es in der Lage sein wird, nunmehr Frankreich in eine andere Richtung zu drängen ist zweifelhaft. Aber wir selbst können dabei sehr viel tun und leisten. Wir stehen tatsächlich im Anfang einer Epoche. Sie wird das.Schicksal Europas im nächsten Jahr bestimmen. Ob sie aber das Schicksal der nächsten Generationen bestimmen wird das ist das, was wir wissen wollen und müssen. Sonst sind wir wieder die Leidtragenden, wo wir gleichberechtigte Partner sein könnten. Wir müssen darauf dringen, daß wir anerkannt werden. Kein gesundes Europa ohne ein ge
sundes Deutsches Reich. England und Frankreich können allein weder die europäische, noch die ganze Welt regieren. Dieser Traum ist ausgeträumt.
Oer Deutsche Beamtenbund zu Lausanne.
Berlin, 13. Juli. (TU.) In der Sitzung vom 12.Juli faßte die Leitung des Deutschen Beamtenbundes folgende Entschließung:
„Der Deutsche Beamtenbund nimmt mit G e - nugtuung davon Kenntnis, daß die von ihm immer geforderte Beseitigung der Reparationen auf der Konferenz von Lausanne e r - reicht worden ist. Insbesondere begrüßt er die Wiederherstellung der vollen Souveränität des Deutschen Reiches über Reichsbank und Reichsbahn. Der Deutsche Beamlenbund ermattet, daß nunmehr, nachdem das Haupthindernis der weltwirtschaftlichen Wiederbelebung beseitigt worden ist, die auch in Lausanne betriebene internationale Verständigungspolitik entschieden weitergeführt wird, um die zwischen den einzelnen Völkern aufgerichteten wirtschaftlichen Schranken möglichst bald zu beseitigen, die v ö l • lige Gleichberechtigungin vollem Umfange wiederherzustellen und so die wirtschaftlichen und politischen Vertrauensgrundlagen in der ganzen Welt zu schaffen.
Innerhalb Deutschlands muß die Wiederbelebung durch eine gerechte Verteilung aller Lasten bei weitgehender Schonung der wirtschaft- lich Schwachen und eine sozialen und freiheit- lichen Geist beweisende Achtung der staatsbürgerlichen Rechte aller Volksgenos- f e n erleichtert und gefördert werden."
Kommunistische Geheimdruckerei aufgehoben.
München, 13. Juli. (TU.) In einem Heim- garten in Oberriesing wurde eine kommu - nistische Geheimdruckerei aufgehoben. In dieser Druckerei wurden vorzugsweise kommunistische Zersetzung sschriften für die Reichswehr und Polizei her- gestellt. Bei der Aushebung wurden vorgefunden 1000 Stück der eben fertiggestellten 3er* sehungsschrift „Der rote Reichswehrsoldat", die zur Verteilung an Reichswehrangehörige bestimmt waren. Dort waren auch Briefumschläge mit den Aufschriften angesehener Münchener Schneiderfirmen versehen aufgefunden toorben, die im Frühjahr zur Verwendung von Verhetzungs- schriften an Angehörige der Reichswehr und der Polizei versandt wurden. Reben großem Papiervorrat wurde eine Druckereimaschine und umfangreiches Setzmaterial beschlagnahmt. Vier Personen wurden dem Gericht überwiesen.


