Ausgabe 
13.10.1932 Erstes Blatt
 
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bauen, sondern oon_unten muß man beginnen. Die Iundamente eines Staates sind nicht die Regierung, sondern das Volk." Den bürgerlichen Parteien und Politikern, die seit dem November 1918 geschlafen hätten, wahrend der Nationalsozialismus gearbeitet hätte, antworte er: Heute ist nicht mehr euere Zeit, londern unsere Zeit. Herr o. Papen, der erst vor drei Monaten aus der Zentrumspartei ausgetreten fei, in der er sein Dasein unter Ausschluß der Oef- sentlichkeit geführt habe, habe bis heute nichts ge- leistet. Wenn Herr v. Papen sage,Sie sind nur da, weil die Not da ist", dann antworte er:3a, wenn das Glück da wäre, bann brauchte ich nicht hier zu sein und ich würde nicht hier sein." Ich werde nicht dulden, daß diese sogenannten bürgerlichen Politiker, die vom Nationalsozialismus in harter Arbeit auf­gebaute Volksgemeinschaft wieder auseinander- reißen, sondern ich werde dieses deutsche Volk im Innern wieder aussöhnen, ich weiß, daß ich damit die Voraussetzung zu neuer Größe der deutschen Nation schaffe.

Auch Goebbels und Frick zur Rede papens.

Berlin, 12. Okt. (TU.) Auf einer national­sozialistischen Beamtenkundgebung sprach Dr. Goebbels, der sich eingehend mit der Politik der Reichsregierung und mit den Deutschnationalen auseinandersetzte. Niemand habe Papen berufen, nationalsozialistische Politik zu treiben. Der Kanz­ler habe von derAusschließlichkeit" als ein Kennzeichen der nationalsozialistischen Be­wegung gesprochen. Wir, so sagte Goebbels, sind stolz darauf, als einzige in Deutschland aus- schließlich und bedingungslos an eine Sache zu glauben und unserer Bewegung den Gharakter einer politischen Konfession zu geben. Staatsminister a D. Dr. Frick gab seinem Be­bauern Ausdruck, daß der Kanzler in München er­neut den Standpunkt vertreten habe, daß die Na- tlonalsozialisten die ganze Macht beansprucht hätten. Eine solche Behauptung werde auch durch Wiederholung nicht wahrer. Wenn der Kanzler in München Vertrauen als die notwendige Vor­aussetzung für Arbeit und Brot bezeichnet habe, so habe er sich mit dieser Erklärung selbst das Ur­teil gesprochen. Denn die Abstimmung im Reichstag habe gezeigt, daß er weniger Ver­trauen besitze, als irgend einer seiner Vorgänger.

Oer Reichskanzler spricht am Sonntag in Westfalen.

Berlin, 13. Okt. (EBB. Funkspruch.) Reichs­kanzler von Papen wird am Sonntag in Pa­derborn vor dem Arbeitgeberverband Paderborn und Ilmgegend sowie vor Vertre­tern der Arbeitnehmer des Hand­werks, des Einzelhandels, des Groß­handels und der freien Berufe sprechen. In Dort mund wird der Kanzler um 17 Llhr int Stadttheater vor dem Zweckverband der I n - dustrie - und Handelskammern Bochum, Essen und Münster eine Rede halten.

Kunst und Wissenschaft.

Mitgliederversammlung

der Rotgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft.

In Anwesenheit des Reichsinnenministers Frei­herrn o. Gayl und der Vertreter der Hochschul­verwaltungen der Länder trat die Mitglieder- Versammlung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft zusammen. Reichsminister Frhr. v. Gayl begrüßte die Der- sammlung, wobei er u. a. ausführte: Ich bin mir bewußt, wie tiefen Dank unser Volk und die deutsche Wissenschaft den Männern schuldet, die in unermüd­licher ehrenamtlicher Arbeit durch 12 Jahre die Auf­gaben der Notaemeinschaft erfüllt haben. Niemand bedauert es tiefer als die Reichsregierung, daß sie durch die Finanzlaae genötigt gewesen ist, die Mit- tel der Notgemeinschaft immer weiter zu kürzen. Ich bin aber der Auffassung, daß die Kürzungen jetzt angelangt sind auf einem Punkt, wo die Ar­beit der Notgemeinschaft Gefahr läuft, nicht mehr fruchtbringend zu sein. Ich hoffe erreichen zu kön­nen, daß die Nottzemeinschaft in Zukunft unab­hängig von finanziellen Wechselfällen mit einem angemessenen festen Betrage für die Durchführung ihrer Aufgaben rechnen kann. Staotsminister Dr. S ch m i 11« 0 11 gab dem Dank der Notae­meinschaft an die Reichsregierung und an alle, denen sie Mittel verdankt, Ausdruck. Der Vorsitzende des Hauptausschusses, Geheimrat Professor Dr. v. Müller, München, berichtete über die Arbeit ber Notgemeinschaft im letzten Jahre. Ziel und Wesen der Notgemeinschaft hätten sich bisher nicht ge­ändert. Ein Lichtblick in der schlimmen Lage sei es, daß die Rockeseller Foundation erhebliche Mittel bereitgestellt habe. Im Vordergrund der Tätigkeit der Notgemeinschaft ständen die Gemeinschafts, forschungen auf dem Gebiete der nationalen Wirt­schaft, der Volksgesundheit und des Volkswohls. Das Präsidium, bestehend aus den Herren Staats- Minister Dr. Schmidt - O11 als Präsidenten und den Vizepräsidenten Geheimrat Prof. Dr. von Dyck, Geheimrat Prof. Dr. Haber, Prof. Dr. Konen, wurde von der Mitgliederversammlung für drei Jahre wiedergewählt. Reichsinnenminister Frhr. v. Gayl teilte mit, daß der Reichspräsident folgenden Mitgliedern der Notgemeinschaft die Goethe. Medaille verliehen habe: Staats* Minister Dr. Schmidt.Ott, Geheimrat Dr. Rit­ter v. Dyck, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Ha- ber, Prof. Dr. Konen, Geh. Rat Prof. Dr. Fr. v. Miller, Dr. Carl Friedrich v. Siemens, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Duisberg, Geh, Reyierungsrat Prof. Dr. B r a n b i, Prof. Dr.-Ing. Nägel, Geh. Iuftizrat Prof. Dr. H e y m a n n , Geh. Reaierunasrat Prof. Dr. Her gesell, Ge­heimrat Prof. Dr. W i l l st ä 11 e r, Geh. Rat Prof. Dr. Aschoff, Prälat Professor D. Dr. Schrei­ber, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Krüß, Gene­raldirektor der Staatsbibliothek.. An den Reichs­präsidenten v. Hindenburg wurde ein Huldi- gungstelegramm gesandt, in dem für die Verleihung der Goethe-Medaillen gedankt wird.

I. Internationaler evangelischer Schulkongreh in Wuppertal.

lieberWesen und Werk der evangelischen Schul­gemeinde" sprach auf dem Evangelischen Schulkon- greß in Wuppertal Direktor Grünweller: Die evangelische Schulgemeindebewegung ist eine deutsche Volksbewegung. Darum wolle die Schulgemeinde die deutsche Volksschule, in der Christentum und Volks­tum die Grundfaktoren jeder Arbeit sind. Sie for­dere die Schule mit der Bibel. Die Schulgemeinde gründe sich auf Gewissensfreiheit und Elternrecht nach dem Prinzip der pädagogischen Selbstoerwal- Sung unter Berücksichtigung aller rechtmäßigen Schulinteressenten. Prof. Dr. Bohne (Elbing)

sprach überErziehung zur Persönlichkeit und Ge­meinschaft". Die Erziehung zur Persönlichkeit und Gemeinschaft decke sich. Sie sei daraus gerichtet, daß der junge Mensch in steigendem Maße den kon­kreten Anspruch vom anderen her erkennt und ihm in Verantwortung und Einsicht entspricht. Direktor Grünweller hielt die Schlußansprache. Er faßte in kraftvollen Worten die Grundgedanken des Kon­gresses und der Vorträge noch einmal zusammen. Der Kongreß 1932 bildet einen Markstein in der Schulgeschichte: er war ein weithin wirkendes Be- kcnntnis für die beiden Grundpfeiler: Gewissens- fteiheit und Elternrecht.

Aus aller Welt.

Lin fünftes Opfer des schlesischen Giftmörders.

Der des vierfachen Giftmordes über­führte Schuhmacher Eduard I u st aus Klein- Parttvitz (Schlesien) hat in den letzten Tagen vor der Breslauer Mordkommission das Ge­ständnis abgelegt, auch >e'.ne zweite, cm 27. Ja­nuar 1930 verstorbene Ehefrau Emma Just, geb. Kamps, mit Arsenik vergiftet zu haben. Die Frau lag nach der Entbindung im Wochen­bett, und Just hat ihr wiederholt mit Arsenik vergifteten Kaffee zu trinken gegeben. Als Grund seiner Tat führte er an, daß er mit seiner Ehe­frau Streit gehabt hätte. Die Feststellungen ha­ben aber ergeben, daß es dem Mörder um die Erlangung der Versicherungssumme der dreimal versicherten Ehefrau zu tun war.

Erfolgloser versuch zur Ueberfliegung der Alpen im Segelflugzeug.

Der dieser Tage unternommene Versuch des Darmstädter Segelfliegers und In­genieurs Riedl, auf seinemRhönadler" die Alpen zu überqueren und im wei­teren Verlauf das Endziel seiner zweiten Etappe auf dem Flug MünchenMailand, die Stadt Trient zu erreichen, blieb erfolglos. Als der Segler im Schlepptau der Klemm-Maschine des Piloten Balleis, Steinach am Brenner in einer relativen Höhe von 1500 Meter erreicht hatte, erhob sich ein starker Föhnsturm, der die beiden Flugzeuge zur Umkehr zwang. Riedl

hakte sich in der Sturm^one vom Schlepptau des Flu«euges los und flog selbständig aus der ©efooren^pne heraus. Er landete schließlich glatt auf dem Innsbrucker Flughafen, kurz danach auch die Klemm-Maschine. Die Versuche des Segel­fliegers werden bei günstigem Wetter wiederholt.

Schreckenstat mandschurischer Banditen.

Vier mandschurische Räuber versuchten dieser Tage, die drei Kinder einer Frau Woodruff, einer Engländerin, zu entführen. Die Mutter, die sich den Räubern entgegenstellte, wurde von ihnen ermordet. Zwei Russen, die die Ent­führer verfolgten, wurden von diesen angegrif­fen und schwer verletzt. Zwei der Räuber wurden von chinesischen Polizeibeamten ge­tötet. Die Kinder konnten unverletzt zurück­gebracht werden.

Spinale Kinderlähmung in Stadt und Landkreis Göttingen.

Im Landkreis Göttingen erkrankten neuer­dings drei Kinder, die Mutter eines der Kinder und ein 27jähriger Landwirt an spinaler Kinderlähmung. Der Landwirt ist der Krankheit erlegen. In Göttingen selbst sind drei Krankheitsfälle zu verzeichnen. Bereits im vergangenen Monat wurden wegen Erkrankung an spinaler Kinderlähmung von auswärts zehn Kinder in die Kinderklinik und zwei Erwachsene in die Medizinische Klinik eingeliefert. Während bei diesen Erkrankungen kein Todesfall zu ver­zeichnen ist, sind zwei in die Rordenklinik ein­gelieferte Erwachsene der Krankheit z u m O p f e r gefallen.

Hauseinsturz in Lille.

In Lille sind dieser Tage zwei alte Häuser, von denen das eine 1711 und das andere nur wenig später erbaut ist, eingestürzt. Der Einsturz ist auf einen Brand zurückzuführen, der in dem einen der beiden Häuser ausbrach. Während die­ses Haus überhaupt nicht mehr bewohnt war, konnten sich die Bewohner des anderen zwei Familien bis auf einen 52 Jahre alten Mann rechtzeitig retten. Dessen Leiche ist aus den Trümmern geborgen worden. Die Polizei hat nun auch die Rachbarhäuser, die ebenfalls sehr alt und baufällig sind, räumen lassen.

Aus der provinzialhaupistadi.

Gießen, den 13. Oktober 1932.

Nebel überm Land.

Wenn am frühen Morgen Wiesen und Felder von dichten Nebelbänken überlagert sind, die den Blick in ein graues Nichts verlieren lassen, bann macht dieses milchige Wolkenmeer, trotz seiner Un­durchsichtigkeit, nicht ben Eindruck einer vollkomme­nen Leere, hinter der Trostlosigkeit liegt. Man hat vielmehr das Gefühl eines Zwischenspiels. Wie wenn Schleiervorhänge auf der Bühne eine Land­schaft verhüllen, die einem späteren Akt eine ge­wandelte Szenerie geben soll.

Im Nebel sind die natürlichen Formen der Dinge unscharf, wie eine unterbelichtete photographische Platte. Verwischt, halbwirklich, wie durch Brillen­gläser gesehen, die zu der Sehschwäche der Augen nicht passen. Aber gerade das ist der eigene Reiz um den Nebel über einer Landschaft: dieses Spiel mit dem Schein. Wie Illustrationen zu Spukgeschich­ten, wenn die Häuser im zweiten Stock plötzlich verdampfen, wenn da und dort ein Giebel oder ein Laternenpfahl wie aus Pergamentpapier heraus­tritt, wenn ein schreitender Mensch sich allmählich selbst auslöscht, wenn Geräusche an das Ohr drin­gen, als ob sie aus weiten Fernen herüberklangen.

Mit exakter Physik, mit den meist ebenso nüchter- nen, wie unumstößlichen Resultaten der Wissenschaft läßt sich zwar manches begreifen, läßt sich eine ver­standesmäßige Befriedigung schaffen, die vielleicht das rauhe Weltbild versöhnlicher gestaltet und mit vielem sich abfinden läßt. Aber leider, oder gottlob, ist ber Mensch nun einmal, selbst wenn er sich noch so versachlicht vorkommt, ein Gebilbe, in bem das Vorhandensein einer Seele den Unterschied zwischen einer vielleicht weniger exaktarbeitenden Maschine ausmacht.

Rebel sind die ruhelosen Wanderer zwischen den Welten. Der Erde und dem Wasser entstiegen, schweben sie wie entwurzelte Existenzen, ziellos, bald da-, bald dorthin, machen sich zum Spiel­ball der Winde und hängen sich jedem Luft­hauch wie lästige, zudringliche Bettler an. Ohne festen Halt find sie die ^imatlosen Gesellen der Mutter Ratur, die Freibeuter auf dem ewig rinnenden Ozean der Zeit. Sie sind vorüber­gehend zu Ansehen gekommene Richtigkeiten, deren behäbiges Gebaren größere Wichtigkeit vortäuscht.

Wenn die Rebel sich zeigen, beginnt der Reif sich unserem Bewußtsein mit zagen Fingern in Erinnerung zu bringen. Sie sind die erste, fast möchte man sagen, spielerische Improvisation des Winters. Ein leichter, noch nicht allzu ernst zu nehmender Vorgeschmack der Kälte, das harmlose Vorspiel zu Eis und Schnee, älnd insofern sind sie nicht ganz so unnütz, wie man sie empfindet. Kein Schreckensgespenst $toar, wie es den Fieber­kranken imErlkönig" jagte, mehr eine natür­liche Warnung, die Gesetzmäßigkeit im AU nicht über anderem außer acht zu lassen.

StittgelegieS Gelb.

Die groß« Gegenwartsaufgabe der deutschen Wirtschaftspolitik ist die Wiedereingliederung der Millionen von Arbeitslosen in den Wirtschafts- Prozeß. Aussichten für eine Wirtschaftsbelebung sind in letzter Zeit vorhanden: die internationalen Rohstoffmärkte stehen im Zeichen steigender Rach« frage und wachsender Preise, was auf wachsende wirtschaftliche Tätigkeit in der Welt schließen läßt. In Deutschland selbst sind die Warenlager weitgehend geräumt, so daß steigende Aufträge möglich wären.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, daß sich ein wirtschaftlicher Aufschwung in Deutsch­land wirklich durchsetzen kann, ist die Bereitstel­lung der finanziellen Mittel, denn jede wirt­schaftliche Aufwärtsbewegung braucht große Ka­pitalien. Die Aktion der Steueranrechnungsscheine ist einer der Wege, die der Bereitstellung von Geldmitteln für ben Wiederaufbau dienen. Es ist bei der in Deutschland aus vielen Gründen herrschenden starken Kapitalknappheit sehr schwie­rig, die Wirtschaftanzukurbeln": trotzdem ist eine Geldquelle vorhanden, die, wenn sie er­schlossen werden kann, zur Beseitigung der Ka­pitalknappheit zwecks Arbeitsbeschaffung we­sentlich beitragen könnte.

Rach zuverlässigen Berechnungen beträgt die Menge gehamsterten Geldes in Deutschland noch immer 1 bis 1,5 Milliarden Mark. Dieses Geld

ist unnötig abgehoben oder zurückgehalten wor­den und in Truhen, Schubkästen und an ähn­lichensicheren" Orten versteckt. Heber eine Mil­liarde Kapital liegt also in Deutschland brach, genug, um mehr als einer Million Arbeitslosen wieder Arbeit und Erwerb zu geben, wenn sie bei den Sparinstituten eingezahlt würde und von diesen zur Kreditgewährung verwendet wer­den könnte. Der Unfug desGeldhamsterns" ist also eine schwere Schädigung für die deutsche Volkswirtschaft. Alle früher für das Hamstern angeführten Gründe haben sich inzwischen als falsch herausgestellt. Gerade im jetzigen Augen­blick höchster Bemühungen zur Dekästfpfung der Arbeitslosigkeit ist es dringendes Gebot für die­jenigen, die ihr Geld unnötig zurückhalten, es bei den Geldinstituten einzuzahlen. Die Rückführung der stillgelegten Hamstergelder in den natürlichen Lauf der Wirtschaft ist die beste Hnterstühung der gegenwärtigen Anstrengungen zur Heberwin- dung des Krisentiefs.

Oie Wählerliste liegt offen.

Vom Sonntag, 16. Oktober, bis einschl. Sonntag, 23. Oktober, liegt die Wähler­liste für die Reichstagswahl im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Rr. 13, zur Einsichtnahme offen. Personen, die bis zum 6. Rovember 1932 das Wahlalter von 20 Jahren erreichen, Wahl­berechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewechselt haben, oder erst zugezogen sind, oder durch Verheiratung einen anderen Tiamon führen usw., mögen nicht versäumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Einsicht­nahme zu überzeugen. Wählen darf nur, wer in der Wählerliste verzeichnet ist, oder einen gültigen Stimmschein besitzt. Man beachte die Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heuti­gen Anzeigenteil.

Gießener Wochennrarktpreise.

* Gießen, 13. Okt. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter 100, Süßrahmbutter 130, Landbutter 120 bis 130, Matte 25 bis 30, Wirsing 6 bis 8, Weißkraut 4 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 8, rote Rüben 7 bis 8, Spinat 15, Römischkohl 8, Hnter- Kohlrabi 5 bis 6, Rosenkohl 20 bis 25, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 3, Aepsel 15 bis 30, Birnen 10 bis 20, Dörrobst 30 bis 35, Pfirsiche 30 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 80, Suppenhühner 60 bis 80, Russe 35: das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 60, ausländische Eier 10 bis 11, inländische 12, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 10, Salatgurken 10 bis 20, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Rettich 8 bis 10, Sellerie 10 bis 35; das Bund: Radieschen 10 Pfennig: der Zentner. Kartoffeln 2,50 bis 2,80, Weißkraut 2,50 bis 3, Wirsing 4 bis 4,50, Rotkraut 5, Aepfel 12 bis 25 Mark. Gänse das Pfund 70 bis 80 Pfennig.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: DHV., 20.15 Hhr im Heim, Monats-Versamm­lung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ein biß­chen Liebe für dich!" Astoria-Lichtspiele, Sel­ter sweg:Andreas Hofer" undDer Tag der Vergeltung".

Tanzkunst im Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Man schreibt uns: Eine Einführung in das Reich des künstlerischen Tanzes dürfte weite Kreise interessieren. Ange Dach will diesen Weg zeigen in zwölf Tänzen, die durch ihre schlichte Klarheit und den leicht verständ­lichen Aufbau dem Zuschauenden ein klares Bild vom Reichtum und Wert des Tanzes vermitteln. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 16. Ok­tober, 11 Hhr, im Lichtspielhaus statt. Einiges über ihre Gymnastik zeigt Ange D a ch in ihrem kleinen Film, der bis einschl. 15. Oktober im Lichtspielhaus Bahnhofstraße läuft. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

7- Der Schachmeister Dogoljubow weilt am morgigen Freitag (20 Hhr) in Gießen unb trägt im Saale bes Hotels Hindenburg ein Simultanspiel gegen die besten Spieler des hiesi­gen Schachklubs aus. RähereS ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

f ~ Abonnements - Gemeinschaft im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Einige hiesige Firmen mir» teten für ihre Angestellten ein Theaterabonnemenr, um ihnen in regelmäßiger Folge den Besuch des Theaters und somit einen Abend ber Ausspannung und Erholung zu ermöglichen. Durch die lieber« tragbarkeit des Abonnements (da es ja nicht per­sönlich ist) ist die Möglichkeit geschaffen, daß sich mehrere Theaterbesucher zu einer Abonnements- Gemeinschaft zusammenschließen und so Stammbe­sucher werden. Die Kasse des Stadttheaters nimmt noch Abonnementsmeldungen für alle Plätze und alle Spieltage entgegen. Bereits verfallene Vor­stellungen werden in Anrechnung gebracht.

* Die Deamtenratswahlen beim GießenerDahnhof, die am vorigen Sonn­tag vorgenommen wurden, hatten folgendes Er­gebnis- Listei (Rationalsozialisten) 163 Stimmen = 4Sitze, Liste2Zurück zum Reich" (Gewerk­schaft deutscher Eisenbahner) 60 Stimmen = 2 Sitze, Liste 3Berufsbeamtenschuh" (Zentral-, gewerkschaflsbund) 57 Stimmen = 1 Sih, Liste 4 (Einheitsverband deutscher Eisenbahner) 34 Stim­men - 1 Sitz.

* Dienstjubiläen bei der Reichs­bahn. Reichsbahnassistent Karl Junker beim Bahnhof Gießen, wohnhaft in Gießen, Aulweg 18, und Reichsbahn Werkführer für das Heiz- und Kraftwerk Heinrich Schmuck beim Bahnbetriebs­werk Gießen, wohnhaft in Gießen, Klinikstraße 18, konnten dieser Tage auf eine fünfundzwanziajäh- rige Dienstzeit bei der Reichsbahn zurückollcken. Aus diesem Anlaß wurden den Iubilaren von den Dienststellenleitern, Reichsbahnamtmann Dörr und von der Heidt, die Glückwünsche der Reichs­bahnverwaltung ausgesprochen. Don den Mit­arbeitern wurden ihnen zahlreiche Ehrungen zu­teil.

* E v a n ge l i s ch - ki r ch l i ch e Persona- I i e. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfar­rer Wilhelm Köhler zu Wenings die evan­gelische Pfarrstelle zu Herrnhaag (Büdingen HI), Dekanat Büdingen, übertragen.

" 25 Jahre Edeka-Verband. Rächsten Dienstag begeht die Edeka-Genossenschaft Gie­ßen anläßlich des 25jährigen Bestehens chreS Verbandes, welcher etwa 30 000 Kolonialwaren- und Feinkostgeschäste zum gemeinsamen Groß­einkauf zusammengeschlossen hat, das Jubiläum in Form eines Hausfrauen-AbendS im Gase Leib, tooAu die Hausfrauen durch Anzeige in unserem heutigen Blatte eingeladen werden. Sic-. Edeka-Genossenschaft hat beschlossen, an diesem Abend den Besuchern einige recht frohe Stunden zu bereiten um die Sorgen des Alltags für diese Zeit zu vergessen. Wie wir hören, ist das Pro­gramm recht vielseitig zusammengestellt. Der Be­such dürfte sich lohnen. Man beachte die heutige Anzeige.

* D i e Brennst offversoraung für Hilfsbedürftige soll vom Städtischen Wohl­fahrtsamt vergeben werden. Es handelt sich um die Lieferung von Briketts. Die Kohlengeschäfte seien auf die heutige Bekanntmachung der Bür­germeisterei besonders hingewiesen.

** Der Verkauf von Kraut, Kartof­feln und Obst in Wagenladungen darf an den nächsten vier Samstagen nur auf Oswalds- garten stattfinden. (Siehe heutige Bekannt­machung der Bürgermeisterei.)

** Ein kleiner Verkehrsunfall ereig­nete sich heute morgen an der Ecke Schiller- und Steinstraße. Dort stieß ein Lastkraftwagen mit einem Postomnibus zusammen, jedoch entstand zum Glück nur einiger Materialschaden. Personen wurden nicht verletzt.

Ausstellung der Alice-Schule. Am morgigen Freitag veranstaltet die Alice- Schule in der Sonnenstraße 2 von 11 bis 17.30 iU)t «ine Ausstellung von Schülerinnen-Arbeiten im Weißnähen, Sticken und Schneidern. (Siehe heutige Anzeige.)

" Die Landwirtschaftliche Schule in Butzbach macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß am Montag, 7 . Rovember, der diesjährige Lehrgang beginnt. Interessenten seien auf die Anzeige besonders hingewiesen.

Preußisch-Süddeutsche Klassen- Lotterie. Die Ziehung der 1. Klasse beginnt am 21. Oktober, also in der nächsten Woche. In­teressenten seien auf die heutige Anzeige hinge- wiesen.

** Weltwirtschaft und nationaler W i r t s ch a f t s r a u m. Man schreibt uns: lieber dieses wichtige und zeitgemäße Thema wird in einer Versammlung der Ortsgruppe Gießen des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes am 18. Ok­tober in Gießen Gauvorsteher A u e r b a ch - Frank­furt a. M. sprechen. Er wird die Gründe des der­zeitigen Wirtschaftselends in Deutschland und der Welt zeigen und Stellung nehmen zu der Frage Weltwirtschaft oder Autarkie?" Dabei werden die Probleme der Kontingentierung, der Zollmauern, des Binnenmarkts und feiner Störung, die Aus­nutzung des binnendeutfchen Wirtschaftsraumes, die Schaffung eines f üb oft- und mitteleuropäischen Wirt- schaftsraumes unter deutscher Führung behandelt werden. Die für den Aufbau notw?ndigen Maßnah­men innerdeutscher Wirtschaftspolitik, die Stärkung der echten Unternehmerinitiative, Kartellkontrolle, Umbau des Wirtschaftsrechtes, Aufbau einer stän­dischen Ordnung werden erörtert. Der Vortrag will zeigen, wie ein Ineinandergreifen dieser Maßnah­men eine möglichst unabhängige deutsche Wirtschaft aufbauen soll, die zugleich als Waffe im Kampf um die deutsche Freiheit eingesetzt werden kann und die Voraussetzung dieses Kampfes bildet. Der DHV. lädt seine Mitglieder und Freund« zu dieser Ver­sammlung ein. Der Eintritt ist frei. Näheres wird in den nächsten Tagen im Anzeigenteil bekannt­gegeben.

Große Strafkammer Gießen.

Dießen, 11. Ott. Wegen Amtsunter­schlagung hatte sich ber Ärrneinderechner eines kleinen oberhesllschen Ortes zu verantworten. Bei einer Revision wurde in seiner Kass« ein Fehl­betrag von über 4000 Mark festgestellt, zu dessen Verdeckung Rasuren in den Büchern vorgenom­men worden waren. Der im wesentlichen gestän­dige Angeklagte erhielt eine Gefängnis­strafe von 12 Monaten.

In der Gemarkung Ober-Ofleiden brannten eines Nachts mehrere Haufen Frucht auf einem Acker nieder. Rach Lage der Sache kam nur Brandstiftung in Frage. Di« Täter wurden als­bald ermittelt und festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Verdacht, daß politische Motive bei der Tat eine Rolle spielten, betätigte sich zum Glück nicht. Während einet der Angeklagten mangels ausreichenden Be­weises freigesprochen wurde, erkannte daS Gericht gegen den anderen auf eine ®efän