Nr. 162 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 13. Juli 1952
Jugend und Hochschule.
Künstlerische Werkstudenten.
Von Or. E. H. Lehmann.
Zum bevorstehenden Gastspiel der „Vier N a ch r i ch t e r" aus München am Gießener Stadttheater.
Immer größer wird die Notlage der Studenten. Die Zeiten der alten Burschenherrlichkeit sind längst Darüber, und ein großer Teil unserer Studenten muß versuchen, sich eine Nebeneinnahme zu ver- schassen. Sa wird jede Gelegenheit, sich etwas zu verdienen, vom Werkstudenten gern ergriffen; in den Angeboten, die heute auch von den Unioersitäts- behorden rveitergeleitet werden, heißt es immer wieder: „... sucht Arbeit, gleich, welcher Art". Die Tragik dieses Studententums liegt darin, daß ein junger Mensch oft längere Zeit in einem Berufe arbeiten muß, der ihm völlig fernliegt. Glücklich dagegen der Student, der schon in seinem künftigen Arbeitsgebiete tätig sein kann!
Wer das Gastspiel der Nachrichter aus München miterlebt, wird van der Frische und Begeisterunas- sähigkeit dieser Werkstudenten beglückt fein. Wie erklärt sich der beispiellose Erfolg der jungen Menschen?
An einigen großen Universitäten Deutschlands bestehen theaterwissenschaftliche Institute, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, alle Fragen des Theaters zu erforschen. Die Liebe zum Theater bringen die meisten Mitglieder dieser Seminare mit, und so ist es rerständlich, daß man sich auch gelegentlich praktisch betätigt. In Köln, Berlin und München haben sich Gruppen künstlerisch begabter Studenten zusammengefunden, die in gewissen Abständen Theaterabende veranstalten. Studentische Feste werden oft von den Darbietungen der Theaterwissenschaftler umrahmt.
Der Leiter des Münchener Theaterinstitutes, Professor Arthur Kutscher, dessen 25jähriges Do- zentenjubiläum in diesen Tagen gefeiert wird, hat eit vielen Jahren einen Kreis junger Menschen um ich geschart. Viele unserer führenden Theaterleute ind durch seine Schule gegangen, und seinem (Ein- lusse ist es vor allem zu danken, wenn diese Mün- chener Studenten nicht nur schauspielerisch, sondern auch dichterisch tätig sind.
Das erfolgreiche Stück „Hier irrt Goethe" war ursprünglich nur eine der Aufführungen, die die Münchener Theaterwissenschaftler — wie all- jährlich — ihrem verehrten Lehrer zum Faschings- feste darbrachten. Daß man alles selbst dichtete, komponierte und in Szene setzte, war seit langer Zeit Ehrensache. Hatte man damals die amerikanische Oberammergaubegeisterung parodiert, so mußte in diesem Jahre unbedingt der .Litsch um Goethe" durch Songs und Pantomime veranschaulicht werden. Und als die Kritik voll des Lobes war — als dann einem (Engagement an die Münchener Kammerspiele der Ruf an das Berliner Renaissance- theater folgte, legten diese Münchener Studenten mit Freuden ihre Kolleghefte beiseite, um vorläufig nur zu spielen — und was nicht zu vergessen war, Geld zu verdienen für das weitere Studium. Die Auseinandersetzung mit dem Herrn Papa war ja teilweise recht unangenehm — aber bitte: einer der Freunde hatte soeben promoviert und war stellungslos. „Der Doktortitel bringt uns heute auch nicht vorwärts" — was zu beweisen war!
Schon haben die „Nachrichter" neue Pläne. Ich glaube, nächstens sollen die „Gruselfilme" dran- kommen. Oberstes Gesetz ihres Schaffens ist: „Unpolitisch und sauber!" Jeder zweideutige Witz ist verpönt. So viele Studentengruppen suchen durch Sprechchöre ihre politische Meinung kund zu tun. Das ist aber nicht mehr Kunst — das lehnen die Nachrichter ab.
Vierzig Gastspiele gaben die Münchener Studenten in Berlin. Welch ein Theatererfolg in unserer Zeit! Im Parkett saßen oft „Prominente" und staun- ten über das Publikum, das zwei Stunden glücklich war. Bedroht ein solches Laienspiel etwa gar „das Theater"^ Nein! Die Wirksamkeit liegt allein in der uralten Weisheit, daß wirkliches Theater nur dann
erfolgreich fein kann, wenn das gemeinsame Erlebnis von Spielern und Zuschauern vorhanden ist.
Diesen Münchener Studenten fehlt jede Gerissenheit — sie sind Laienspieler im besten Sinne und verkörpern gleichzeitig glücklich eine Studentenschaft, die sich nicht an falscher Romantik berauscht, sondern mit lebendigem Auge ihre Zeit betrachtet. Die „Vier Nachrichter" aus München und all die andern Studenten, die in ihrem Sinne wirken, sind wahre Künstler — sie haben eine kulturelle Aufgabe!
OieRöntgen-Giadt Lennep.
Don Otto Sosimann.
Lennep, die frühere Hauptstadt des Bergischen Landes und heute durch das Eingemeindungs- geseh zu einer Dorstadt Remscheids geworden, ist infolge seiner eigenartigen Entwicklung eine der interessantesten Städte Deutschlands.
Wann die Stadt gegründet wurde, ist heute nicht mehr festzusteUen, da in wiederholten Bränden alles wertvolle urkundliche Material vernichtet wurde. Wahrscheinlich haben Missionare, die von Köln nach Borden zogen, an dem
Kreuzungspunkt zweier uralter, aus der Bodengestaltung entstandener Verkehrswege Kloster und Kirche erbaut, und im Umkreise um diese ist dann allmählich die Stadt erwachsen. Bach dem großen Brande im Jahre 1746 wurden die Häuser auf den Grundmauern der abgebrannten Grundstücke neu errichtet, und so zeigt auch heute noch die Altstadt m t ihren winkeligen, heimeligen Gassen und alten bergischen Schieferhäusern das typische Bild mittelalterlicher Ringbebauung. 3m Lause der Jahre, besonders des vergangenen Jahrhunderts, hat die Stadt eine ste^e Aufwärtsentwickelung genommen. Als die Eisenbahn aufkam, wurde Lennep der Mittelpunkt der für das Bergische Land wichtigsten Eisenbahnlinien und dehnte sich in den guten Zeiten nach dem Kriege 1870 71 immer weiter aus. Das östlich an die Stadt anschließende Gebiet wurde städtebaulich erschlossen, und heute ist die eigentliche Altstadt zu einem reinen Geschäftsviertel geworden, während in weitem LImkreis an den Berghängen und in den Tälern neuzeitliche Siedlungen in malerischen Gruppen sich hinziehen. Dazwischen sind überall schöne Grünanlagen geschaffen worden, der Lenneper Stadtwald bietet wundervolle Erholung. auf dem neuerbauten Stadion tummelt
Akademisches Arbeiissanaionum.
Ein Werk deutscher Studenten in der Schweiz.
Don Or. Hermann pörzgen.
Auf der ersten Schweizerischen Hygiene- und Sportausstellung befand sich eine kleine Sonderschau „Arbeitstyerapie", die deshalb unsere Anteilnahme verdient, weil hier eine Leistung gezeigt wurde, die ganz auf der Initiative und Willenskraft deutscher Studenten beruht. In der gemeinnützigen deutschen Heilstätte, Sanatorium Agra (am Luganersee), die mit dem Deutschen Studentenwerk in engster Zusammenarbeit steht und in der sich ständig etwa vierzig bis fünfzig tuberkulös erkrankte Kommilitonen zur Genesung befinden, in dieser Heilstätte wurde vor etwa anderthalb Jahren die Einrichtung geschaffen, durch die nun Agra an der Spitze der Mit- telftanbsorganifatorien steht, das „Arbeitssanatorium".
Das Arbeitssanatorium, dessen Organisator ein deutscher Student ist, Diplomoolkswirt Kurt Alexander, legt auf der Schweizerischen Hygiene- und Sport-Ausstellung zum erstenmal Rechenschaft über seine bisherige Tätigkeit ab. Der Gedanke der Arbeitstherapie — in Holland, Italien und vor allem in der Schweiz für ehemals werktätige Patienten schon lange bewährt — dieser gute Gedanke wurde in Agra zum erstenmal auf Intellektuelle angewandt.
Es ist von vornherein klar, daß bei diesen mit manueller und körperlicher Beschäftigung nicht viel erreicht werden kann. Bei ihnen, die den seelischen Schädigungen durch lange Kur, der „Zauberbergatmosphäre" am stärksten ausgesetzt sind, bei ihnen kommt es vielmehr auf Erhaltung der geistigen Spannkraft an.
Zwei Grundsätze werden durch die Schau von Agra betont: Die Forderung absoluter Marktfähigkeit der Erzeugnisse und die Durchführung rklicb vollwertiger Entlohnung. Sie werden in der Ausstellung deutlich zum Ausdruck gebracht. Im Vordergrund stehen Erzeugnisse der in Agra bestehenden Abteilung für Uebersetzung und wissenschaftliche Hilfsarbeiten, eine ganze Vitrine voll Uebersetzungen, .Registerarbeiten usw., die von Patienten des Arbeitssanatoriums ausgeführt worden find. Dies Material hat seine Marktfähigkeit schon erwiesen. Es ist gedruckt. Ueberschaut man die Reihe der Bücher und Werke, an denen kranke Studenten als Uebersetzer, Bearbeiter, durch Entwürfe und Lichtbildbeitrage mitgearbeitet haben, so gewinnt man ein imponierender Bild. .
Es gibt feine andere Heilstätte bisher, m der für Patienten, zum Zwecke des geistigen Trai-
nings, intelleftueUe Arbeit systematisch beschafft und vergeben wird. Auch in der Frage vollwertiger Entlohnung legt diese Sonderschau überzeugend Rechenschaft ab.
„Das Sach- und Personenregister dieses Werkes", heißt es bei einem ausgestellten Buch, „(S. 393—404) haben drei Studierende während der Kur bei uns in 87 Arbeitsstunden hergestellt. Lohn: 25.— und 80— und 70— Franken, zusammen 175— Franken."
Aehnlich die übrigen Inschriften. Auf einer besonderen Plakette kündet das Arbeitssanatorium an: „Zurzeit bearbeiten wir das Generalregister der Zeitschrift für Tuberkulose, die letzten zehn Jahrgänge, eine riesige Arbeit von etwa 20 000 Stichworten, die eine ganze Gruppe von Patienten mehrere Monate Tag für Tag beschäftigt."
Es versteht sich, daß Agra sich die Gelegenheit nicht entgehen läßt, im Rahmen dieser Zusammenstellung auch für die Abteilung „Aeber- sehung und wissenschaftliche Hilssarbeiten" zu werben. Eine Plakette propagiert: „Die Lleber- setzung, die wissenschaftliche Hilfsarbeit eignet sich hervorragend als Heilstättenarbeit und sollte zum Reservat der lungenkranken 3ntellektuellen gemacht werden!"
3n lebendiger Weise hat Agra die Erzeugnisse dieser intellektuellen Arbeitstherapie durch bildliche Darstellungen ergänzt. Patienten bei der Ausarbeit eines Buchregisters, bei Llebersehun- gen, Sprachkursen, dann aber auch bei rein manuellen Arbeiten: Buchbinden, Weben, Schneiderarbeiten und kunstgewerblicher Tätigkeit. Auch Erzeugnisse einer Abteilung „Kunstgewerbe und Handarbeit" liegen übrigens in einem umfangreichen Photoalbum für den Beschauer vor.
Der Eindruck, den diese Schöpfung deutscher Studenten auf der Schweizerischen Hygiene-Ausstellung hinterläßt, ist imponierend. Ern Stuck deutscher Kulturpropaganda in der Schweiz. Lind nicht nur das, für die ganze Frage der Behandlung langwieriger Krankheiten steht diese Schau als neuer, wertvoller Beitrag da. Denn hier ist zum ersten Male dargetan, daß es auch für den erkrankten geistigen Arbeiter einen Weg zur Erhaltung der seelischen Energien gibt. Lind hier ist ein weiterer Schritt getan, hinter dem der Anspruch des Kranken auf fein Heilmittel steht. Bämlich das Arbeitssanatorium fordert: Das Recht des Kranken auf Arbeit!
Deutscher Gtudentenspiegel.
Don Or. Kurt Bock.
1598 Wittenberg.
Enge Gasse windet sich bergan zwischen frer- winkelten Häusern, deren bunte Giebelnasen srch fast aneinanderlehnen. 3n einer Hoftür flackert eine verstaubte Laterne. Zwei Jungen in verschlissenen Kleidern darunter. Der eine greift aus grober Laute verstimmte Akkorde, der andre hält ein fleckig Pergament in der Hand; und sie singen. Hoch oben springt ein Butzenfenster auf, voraus gucken mit hellem Lachen zwei Blondköpfe imb auf dem Holperpflaster klingen dürftige Münzen. Die Scholaren Winken Dank mit dem Barett und drücken sich weiter. Gegenüber aus dem Wirtshause „Zum güldin spieß" juchheit die lärmende Zechfreud':
„Meum est propositum in taberna mori, ubi vina proxima morientis ori.“
In der Burse harrte der Magister heute wieder einmal vergeblich, daß das Välklein seiner studentes sich vollzählig versammle. Dor dem Lehrstuhl jedoch werden sie morgen hocken, von der neuen „reinen Lehr" zu hören und sie in ihren Liedern zu ver- breiien.
1815 3ena.
Vor der Zeise stehen breitbeinig die Studiosen im Kreis, mit hohen Hüten, langen Röcken, die gewalttge Quastenpfeife oder den zerschnitzten Ziegenhayner in Händen. 3n Marktes Mttte, zu Füßen des Harrfried liegen zwei Burschen aus zur Etoßmensur; die Sekundanten springen ein mit dem Knotenstock, ilnterm Fuchsturm tafelt die Burschenschaft, hoch in den hölzernen Länzchen schäumt der Lichtenhayner Stofs, und ferner über die üppigen Waldwipfel jubelt ein Lied:
„Als Bursche trägt er stets bei sich die Zierde, die ihm gnügt, den Hieber, der sich fürchterlich an seiner Seiten wiegt.
Weh dir, wenn du dich zu ihm drängst tm parfümierten Rock, er schimpfet dich Pomadenhengst, dir droht sein Knotenstock!
Es lebe jeder deutsche Mann, der, wie er denkt, auch spricht! Wer je auf Trug und Bosheit sann, verlösche wie ein Licht!"
Schlichte, graue Jacken tragen die Wandrer, die ersten Turner, die unter Jahns Führung durch Deutschland ziehen.
19 00 Cambridge.
Die siebzehn Colleges vom Cambridge bilden ein abgeschlossenes Städtchen, in das der Besucher durch gotische Portale eintritt. Die Col- legienhäuser umschließen blumenbunte Höfe, in denen leise Brunnen rieseln. Die Llniversität zieht sich am Flüßchen Cam hinab. Das Speisehaus mit seinem großen Saal zeigt sich reich geschmückt mit den Bildnissen der Männer, die Cambrrdge zu seinen Schülern zählt: Bacon,' Rewton, Byron Milton... Das älteste College Peterhouse wurde 1257 gestiftet. Trinity College deht sich am größten; ihm gehören ungefähr achthundert men (Studenten) der dreitausend under- graduates an, die in den einzelnen Hausern unter ihrem besonderen master (Rektor) und ihren fellows (Professoren) studieren.
Sonntags findet Gottesdienst in der Jesus College Chapel statt; ihm beizuwohnen, in ihren surphees, weißen Talaren, sind die Studenten verpflichtet. Die Geistlichkeit im Ornat, die Chorknaben lateinische Hymnen singend; die Highchurch unterscheidet sich im Ritus wenig von der katholischen Kirche.
Auf der Cam liegen die Ruderboote im scharfen Training für die Mai-Regatten. Am Ufer spielt man (Triefet und Fußball. Der englische Student schenkt alle Freizeit dem Sport: Parforcejagd, Kunstfahren, Autotouren, alles betreiben die men, ihr Ziel ist. Höchstleistung, Sieg im Hochschultreffen.
1905 Brooklyn.
Razzle—dazzle! Hobble—gobble! Zip—bum— ah! Rah—rah—rah! Hipzoo!“ Diese liebliche Stu» dentenschnurre, dieser cry, erschallt von dem Rasen- Platze der Columbia-University, wo die jungen Leute beim Fußballspiele schwitzen, sich im Ringkampfe wälzen, im Reiten üben. Abends findet
im Theater eine Aufführung der „Antigone" statt von den Studenten agiert; auch die weiblichen Rollen werden von ihnen beseht. Die „Füchse", dem Brauche folgend, alle glatt rasiert und geschoren, haben eine Kapelle gebildet und spenden eine ohrenbetäubende Ouvertüre; Pauke- und Trommelschlagen scheint auch eine beliebte Krast- leistung zu bilden.
Der amerikanische Student ist ein Mann rastloser Betätigung. Ihrer einer trug von Mitternacht bis in den grauen Morgen Milch aus, drückte die Bänke der medizinischen Fakultät; abends bis tief in die Rächt studierte er daheim; nur Samstags gönnte er sich tiefen Schlaf; sechs Jahre führte er dieses Leben der Arbeit und Entbehrung durch, bis er im Jahre 1891 fein Diplom errang: fein Rame ist,C o o k, er entdeckte den Rordpol.
1908 Berlin.
Die Paukanten der zwölften Partie sitzen sich gegenüber und werden vom Faxen anbandagiert. Die Luft hängt dick vom Rauch und Blutdunst. Füchse fteben am Fenster und betrachten scheu und neugierig die Dessinkiste und Linkserbrille, mit der sie soeben geleimt wurden.
„Silentium 1" — „Mensur — Fertig — Los!" Klingen rasseln, Schlägerglocken dröhnen. Die ©tuRenten stehen starr da. Keine Miene zuckt, durch die Paukbrille leuchten die Augen, die Faust wirbelt den Speer. Das Füchslein weih nicht recht, was es s agen und denken soll, als das Blut seines Leibburschen über Band, Schurz und weihe Hose in die Sägespäne rinnt.
Kling—ling—ling! schmettert die Alarmglocke. Die Wirttn kreischt: „Polizei!"
Paukanten und Sekundanten sind spurlos zerplatzt. Der befruftete Mensurteppich rollt in die Ecke, und als das Fettauge des Gesetzes hereinspäht, erblickt es eine fröhliche Kneip täfel: bunte Mühen winken ihm entgegen, und feierlich ertönt das Klavier: Stille Rächt, heilige Rächt...
1912 Heidelberg.
Vom Berge glüht die Farbenpracht des jubelnd erleuchteten Schlosses durch die Rächt, Funken und Raketen schwirren am Himmel und das Rot- seuer spiegelt sich in den silbrigen Fluten des Reckar, auf dem sich Boote mit Satementetten schaukeln.
sich die bergische Jugend, und vor wenigen Jahren erst wurde die Ringstraße als Llmgehungs- vftrafoe ausgebaut, deren Bedeutung weit über das örtliche Interesse hinausgeht. Diese Straße dient dem Durchgangsverkehr von Schwelm mit seinem westfälischen Hinterlande, bzw. von Radevormwald und dem Sauerland nach Remscheid, Solingen, Düsseldorf und Köln. Auch der Verkehr von und nach Wuppertal kann um die Altstadt herumgeführt werden, und so hat Lennep, vielleicht als eine der ersten Städte, Dem Durchgangsverkehr freie und gefahrlose Bahn und staubfreie und geräuschlose Wege geschaffen.
Reben dieser fortschreitenden städtebaulichen Entwickelung Lenneps, das über den engen Rahmen der mittelalterlichen Innenstadt längst weit hinausgewachsen ist, hat die kleine Stadt neuerdings noch eine besondere Bedeutung gewonnen.
Am 27. März 1845 erblickte in Lennep Wilhelm Conrad Röntgen, der Entdecker der X-Sttahlen, nach ihm „Röntgen-Strah- l e n“ benannt, das Licht der Welt. Röntgens Geburtshaus steht noch heute. Am 30. Rovember 1930 wurde dem großen Forscher zu Ehren in Lennep ein Denkmal errichtet, das eine Fackelträgerin, den Genius des Lichtes, xeigt. Eine Straße wurde nach ihm benannt, und das Lenneper Realgymnasium erhielt den (Hamen: „Röntgen-Realgymnasium". Schließlich wurde beschlossen, in dem schönen bergischen Patrizierhaus hinter dem Röntgen-Denkmal ein Röntgen-Museum einzurichten, das seiner Vollendung entgegengeht und demnächst eingeweiht werden soll.
Das Röntgen-Museum enthält zunächst ein Röntgen-Gedächtniszimmer, in dem Bilder des Forschers und einige Schriftstücke von feiner Hand (sein schriftlicher Rachlaß mußte nach dem Testamentsbeschluß vernichtet werden), vor allem aber eine reichhaltige Geschichte der Familie Röntgen untergebracht sind.
Ein weiterer Raum ist berühmten bergischen Aerzten gewidmet. Man findet hier Schriften und Bilder vom Hofarzt Weyer, dem ersten Dekämpfer des Hexenwahns, von dem berühmten Chirurgen F a o r i c i u s, von Jung-Stil- ling, dem Freunde Goethes, von Pollender, dem Entdecker des Milzbrandes, und viele andere mehr. Alles, was über die Geschichte der Heilkunst im bergischen Lande zusammengetragen werden kann, soll hier Aufnahme finden.
In einem weiteren Raum wird der Versuch gemacht, das auf den verschiedenen Gebieten der Röntgen-Literatur erschienene Schrifttum in einer Röntgen-Bibliothek zu sammeln.
Dann wird in drei Räumen die Entwickelung der Röntgen-Technik (Röhren und Filme), sowie die Bedeutung der Röntgen-Strahlen für Diagnostik und Therapie dargestellt. Die nächsten Räume veranschaulichen die Bedeutung der <5trabten für die Industrie und für gewisse Rebengebiete, z. D. für die Kunst (Aufdeckung von Dildfälschungen, üe&ermalungen usw.), und schließlich ist noch ein Raum für die Tagungen der Rheinisch-Westfälischen und der Deutschen Röntgen-Gesellschaft, die die Hauptträger des Museums find, als Sitzungszimmer eingerichtet worden.
Das schon jetzt reichhaltig ausgestattete Museum wird besonders geeignet sein, den Jüngern und Freunden der Röntgen-Wissenschaft wertvolle Aufklärung über das Wirken des großen Forschers und die weltumspannende Bedeutung seiner Arbeiten zu vermitteln.
Wenn die Stadt Lennep auch heute ein Vorort der größeren Stadt Remscheid geworden ist, so verleiht die Tatsache, daß sie der Geburtsort eines der größten Deutschen ist, ihrem (Kamen unvergänglichen Ruhm. Ein Abglanz dieses Ruhmes fällt auch auf Remscheid, das nunmehr den großen Forscher ebenfalls als sein Stadtkind bezeichnen darf. Aber die eigentliche Röntgen- Stadt wird immer Lennep bleiben.
Jauchzender Gesang schwingt durch die Luft. Aus den Kneipsälen erklingt Jugendfrohsinn; durch die geöffneten Fenster weht der warme Mai herein, zu vollen Zügen schäumt der Gerstensaft. Was schadet auch im langen Rausch der Jugend ein kleiner Kater?
1 9 2 4 Stadion.
Startschuß. pfeilgleich losgeschnellt von gespannten Fußsehnen wirbelt die Läuferreihe, Auge und Wille dem Ziel entgegen.
Schon zerfällt sie, der Dritte stößt §ur enteilenden Spitze vor, überholt, lächelnd, überflutet vom rauschenden Ruf der Zuschauer.
Das Band flattert hinter ihm. Studentensieg! — Aus der stillen, geduldigen Kleinarbeit der Lln- zahl von Verbindungen, aus den Wettkämpfen der Hochschulen und Verbände, aus zäher Schulung ttotz wirtschaftlichem Zwang zu beeiltem Examen, trotz Mütze und Mensur treten immer wieder, immer neue, immer mehr Kämpen aus der Studentenschar, die zu Deutschlands Ehre die Lorbeeren der Welt gewinnen. Hinter ihnen steht das Feld der Jungen, die mit ihnen streben zur gesunden Einheit von Körper und Geist, die nacheifern den Vorbildern, die immer noch und in tieferem Sinne das „Deutschland, Deutschland über alles!" fingen, dessen Mär sie 1914 vernahmen.
Sie marschieren: das neue Geschlecht, unsere Zukunft.
Sod)fd)ulnad>rWen.
Für das neue Amtsjahr 1932/33 ist der ordentliche Professor der wirtschaftlichen Staatswissenschaften Dr. Wilhelm Gerloff zum Rektor der Universität Frankfurt gewählt worden.
Die durch die Emeritierung von Professor Lehmann erledigte ordentliche Professur für Hygien« an der Universität Würzbur g ist dem Professor Goetten an der Universität Münster angeboten worden.
Die Privatdozentin für Pharmakologie und pathologische Physiologie an der Hamburgischen Universität, Dr. Klothilde Go11witz er - Meier ist zum nichtbeamteten ao. Professor ernannt worden.
In der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität R o st o ck ist der Profesior für Deutsches Recht Waller H a 11 ft e i n zum ordentlichen Professor ernannt worden.


