Ausgabe 
13.7.1932 Erstes Blatt
 
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Aus der Provlnzialhmiptfladt.

Gießen, den 13. Juli 1932.

Magie des Bahnhofs.

Wir haben alle Sehnsüchte, große und kleine, laute und versteckte, heimlich tragen wir sie mit uns durch die Straßen und Kontore. Tagsüber liegen sie so, ängstlich behütet, in den Geheimtaschen unserer Seelen, aber in der Versonnenheit leiser Abend« stunden holen wir sie behutsam hervor und drehen sie liebend in müden Händen. Viele Sehnsüchte sind es, die wir dann finden, eine kostbare Sammlung funkelnder Edelsteine. Farbig und froh lächeln sie uns zu, wenn die zarte Hand abendlichen Sommer­windes in die offenen Fenster winkt und der schwingenden Schwalben jauchzender Schrei leuch­tende Worte in das Blaßgold des Himmels schreibt, leuchtende Worte, die wir nun in der wunschweiten Zärtlichkeit der blauen Stunde zu lesen wissen: Ferne heißt das erste, Reisen das zweite, Sonnen- sehnsucht das dritte.

Und so kann es sein, daß man flüchten muß aus der Enge der Stuben, daß man durch die Straßen wandert und plötzlich, geführt von unsichtbarer Hand, am Bahnhof steht, seltsam bewegt von dem Zauber, der hier ausgeht von den rußigen Hallen die der Vorhof sind zu den Tempeln des Fernenkults. Rund um den Bahnhof zieht sich ein magischer Kreis, zitternd geladen mit den Spannungen erregender Unrast. Der Bahnhof, das ist der Fremdkörper in dem beständigen, erdgebundenen Organismus der Stadt, das ist das Tor in die Welt, die Brücke, die schimmernd ihre Bogen in die Unendlichkeit der Weite schlägt...

Nichts ist hier von Belang, was ruhig und scß- haft ist, hier hat nur das Fremde, der Wechsel, die Veränderung und der Uebergang das große Wort. Der Bahnhof seltsames Haus, in dem niemand verweilt, niemand bleibt, seltsame Säle, in denen man nur wartet auf das Nachher, wo niemand fragt nach der Gegenwärtigkeit des Augenblicks. Bahnhöfe sind so steingewordene Symbole der Sehnsucht. Nie- mand sagt hier: bleib! aber von allen Wänden, von jedem Plakat und jedem Schild schreit es: geh! Geh undBesuche den Schwarzwald!", geh und See Merry Old England" ..Reise nach Rügen!" undKomm an den Gardasee!^

Der Bahnhof, das ist das erste Lächeln der Ferne, wenn du am Ende des Bahnsteigs stehst und deine Augen wie schnelle Züge den blitzenden Bändern der Schienen folgen, hinweg über das Dröhnen von tausend Weichen und vorbei an den winkenden Armen der Signalmasten. Erregend strömt das Schreien der eilenden Menschen, das Donnern der Lokomotiven, das Zischen schneeweißen Dampfes aus rußgeswärzten Schloten ins Blut. Allen Zau­ber der Ferne lockt der Bahnhof in die gewölbte Weite feiner Hallen, wenn die klirrenden D.-Züge hereinbrausen, die vor Stunden noch die Steilheit jäher Gebirgsschluchten, die Stille heimlicher Seen, die Sonnenweite endloser Felder vermittelten. Ewig neue Gesichter, neue Abenteuer, neue Abschieds- schmerzen den winkenden Tüchern trauriger Men­schen nach, und an den stählernden Wänden ver- atmender Wagen wmken ewig neue Ziele Ve­rona und Prag, Köln und Zoppot, Wien und Am­sterdam: eine Symphonie der Ferne und ihrer Dämonie...

Ewig sind die Bahnhöfe zerrissen von Lärm und Rauch, gespannt von bunten Abenteuern, Züge donnern, märchenhafte Namen locken, und gellend durchschneidet der Pfiff stampfender Lokomotiven das Dröhnen der Halle. DSr Bahnhof, das ist die erste Stufe zur Seligkeit, die Reisen heißt, erste Stufe und wunderhaftes Geschehen mitten im Le­ben der Städte, in denen wir abends die sehnsüch­tige Weite der rufenden Ferne schmerzlich gefesselt empfinden. H. C. o.M.

Berlagelbuchhändler Otto iBott) f.

Gestern abend verstarb, nahezu 83 Jahre alt, der weit über die Mauern unserer Stadt hinaus bekannte Senior der Familie Roth, Verlagsbuch idler Otto Roth. Mit ihm ist ein Mann in bii Ewigkeit ab­berufen worden, der zu dem Kreise alteingesessener und hervorragender Gießener Bürger gehörte. Auf sein Wirken als im ganzen Reiche bekannter Ver­leger werden wir nocy zurückkommen.

30 Buben konzertieren.

3m Lause des gestrigen Tages trudelten etwa 30 Jungens per Eisenbahn mit ihren erwachsenen Begleitern von Kassel her in Gießen ein. Sie brachten ihre Posaunen, sowie Trommel und Pauke mit und machten am Selterstor (später auch in der Südanlage) Musik. Sie spielten aber nicht nur zwei oder drei Stücke, sondern hatten ein richtiggehendes Konzert­programm vor und unterhielten die Passanten eine Stunde lang mit ihren Darbietungen. Aus einer nahen Gastwirtschaft hatten sie sich Stühle geholt, und da saßen sie nun, die 9-, 10-, 11- und 12jährigen, angetan mit schmucken Matrosen­anzügen, und mgchten mit viel Hingabe an ihre Sache Musik. Der ebenfalls noch jugendliche Dirigent stand in aufgekrempelten Hemdsärmeln vor ihnen und leitete das Orchester mit einem Schwung, auf den die jungen Musiker bereit- toiU gft eingingen. Schnell hatte sich ein Ring von Zuhörern gebildet, unter denen besonders die Kinder in lebhaftester Anteilnahme und in un­ausgesprochener Bewunderung verharrten. Die jugendlichen Musiker machten das muß unum­wunden zugegeben werden eine gute, saubere Musik, sie haben eine sorgfältige Ausbildung genossen und beherrschten Chorlieder, Märsche und BolkSlieder nicht nur technisch Das Pro­gramm brachte verschiedene geistliche Lieder, schöne einfache Bolkslieder, auch eine Anzahl vaterländische Märsche, die recht schneidig wieder- gegeben wurden.

Die Jungens sind, wie wir erfuhren, vom

Kasseler Bereln christlicher junger Männeri sie bilden dort den Kasseler Ring kreuz- Posaunenchor und sind gegenwärtig auf einer längeren Konzertfahrt begriffen, die sie bis an den Bodensee führen soll. Die Jungens haben Ferien, sie wollen Deutschland kennen­lernen, sich durch ihre Konzerte in den einzelnen Städten das Geld für die Reise verdienen und möglicherweise auch etwas für ihre Organisation übrig behalten.

Bornotizcn.

Tageskalender fürMtttwoch: Gesell- schaftsoerein, Klub, 20.30 Uhr, Militär-Konzert. Hausfrauen-Beratung, 14 bis 19 Uhr, Sommer- Handarbeitsausstellung des Alice-Frauenvereins, Abteilung Bienenkorb. Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Frau Lehmanns Tächter".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Ab heute beginnt täglich in der Zeit von 10 bis 13 ilbr der Kartenverkauf zu dem einmaligen Gastspiel deroier Rachrich­ter", die am Sonntag, 17. 3uli. 20 Llhr, mit der literarischen Bosse mit Gesang und Tanz: »Hier irrt Goethe , bei uns gastieren. »Die vier Rachrichter" sind Werkstudenten, hervorgegangen auS dem theaterwissenschaftlichen Institut der Münchener Universität. Kleine Preise.

Die Deutsche Dtaatspartei veran­staltet am nächsten Freitag, 20.30 Uhr, im Caf6 Leib eine Wahlkundgebung. Reichsfinanzminister a. D. Dr. Reinhold, MdR., wird über das Thema: »Was bedeutet die jetzige Reichstags­wahl?" sprechen. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

* Wehrwisfenschaftlicher Vor­tragszyklus an der Universität. Der Dortrag von General vo n S ch i ck f u ß über »Die militärische Lage Deutschlands" findet nicht am heutigen Mittwoch. 13. Juli, sondern erst am | Mittwoch, 20. Juli, statt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Vorgänge am Freitagabend Im Seltersweg.

Da über die Vorfälle im Seltersweg am Frei- taaabend bis heute noch kein amtlicher Polizeibericht erschienen ist, sehe ich mich veranlaßt, um den ver- schiedenen, zum Teil unwahren Berichten die Spitze aozubrechen, den Tatbestand zu schildern, wie er nach meiner Wahrnehmung und den Zeugenaus­sagen sehr ehrenwerter Männer in Wirklichkeit ge­wesen ist. Denn nicht nur ich, sondern vor allen Dingen die Oeffentlichkeit hat das größte Inter­esse daran, die Wahrheit zu erfahren.

Am Freitagabend zwischen 11 und 12 Uhr wur­den wir durch ein ohrenbetäubendes Gebrüll darauf aufmerksam gemacht, daß der Demonstrationszug der Vereinigten Eisernen Front, Reichsbanner und Kommunisten, den Seltersweg passierte. Sofort wurde durch den Sturmbannführer Bender der Befehl gegeben: sämtliche SA. in das Lokal und die größte Ruhe bewahren. Der Sturmbannführer mit seinem Adjutanten blieb im Eingang des Lo­kals stehen, um ein Eindringen von draußen zu verhindern. Inzwischen hatte die Spitze des Zuges mein Lokal erreicht, ein Wortwechsel konnte wegen des Gebrülls, welches immer stärker wurde, nicht stattgefunden haben.Nieder mit den Bluthunden", Heraus ihr Mörder", das waren die gelindesten Ausdrücke, welche man verstehen konnte. Trotzdem verhielt sich die SA. mustergültig ruhig. Polizei war, außer einem Beamten, nicht zur Stelle. An einem vor der Tür stehenden Auto wurden die Scheiden eingeschlagen, einer darinsitzenden Dame Pfeffer in die Augen geworfen. Gleichzeitig ver­suchte die mit dicken Knüppeln bewaffnete Menge in das Lokal einzudringen, indem sie auf die in dem Eingang stehenden Führer einschlugen. In die­sem Moment kam das verspätete Ueberfallkom- mando, welches rechts und links den Seltersweg säuberte.

Einige Beamte konnten sich nicht enthalten, wie üblich, auf die SA., welche den Eingang verteidigte, einzuschlagen. Aus der Mitte des Zuges fiel in die­sem Augenblick ein Schuß auf das Lokal, wodurch Der Sturmbannführer Bender und Adjutant Schuppe, sowie ein weiterer SA.-Mann die Augen voll Tränengas bekamen. 20 Sekunden später fiel vor dem Laden von Schönau ein zweiter Schuß, der Polizeibeamte Becker aus Butzbach erhielt die volle Ladung Tränengas in die Augen und brach bewußtlos zusammen. Unter größter Lebensgefahr wurde der Verletzte von der SA. aus dem Gedränge geholt und in das Lokal gebracht, von wo aus die Verletzten von der Freiwilligen Sanitätskolonne nach der Klinik gebracht wurden. Nun gelang es der in- zwischen verstärkten Polizei, die Unruhestifter zu entfernen.

Unverständlich ist es mir, warum ich mein Lokal vorzeitig schließen mußte. Befanden sich in meinem Lokal die Unruhestifter, ober wird die stärkste Partei in Gießen von der Polizei immer noch als Mensch zweiter Klasse angesehen? Wie verhält es sich mit dem Gewerkschaftshaus? Da wurde die ganze Nacht hindurch randaliert. Wäre es nicht recht und billig gewesen, auch dieses Lokal jju schließen? Noch unoer- stündlicher ist es, daß der Zug der Vereinigten Esier- nen Front, Reichsbanner und Kommunisten den Sel­tersweg passieren durfte, da bis jetzt sämtlichen An­tragstellern in ähnlichen Fällen verboten wurde, den Seltersweg zu passieren. Gleichzeitig stelle ich die Anfrage: Ist der verantwortliche Polizeideamte, wel­cher in fahrlässiger ober bewußter Absicht bas Leben unb Eigentum friedlicher Bürger, sowie das Leben seiner untergebenen aufs Spiel setzte, zur Rechen- schäft gezogen ober ein Verfahren gegen ihn ein- geleitet worben?

Ich will nicht unerwähnt lassen, daß es nur der eisernen Disziplin der SA. zu verdanken ist, daß kein 1 größeres Unglück geschah. Franz Soldan

SJ.-fporl 95 Segelflieger in der Rhön.

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Oben links: Wolf Hirth, der Pionier des Segelflugs, diesmal Führer der schlesischen Segelflug- Expedition. Daneben: G r o e n h o f f (Porträt im Kreis) in seinem HochleistungsseglerFafnir". Unten: Robert Kronfeld, der Weltrekordsegler, der diesmal mit derAustria", dem größten Segelflugzeug der Welt, an dem Wettbewerb teilnehmen wird.

FaustbattspieledesT.V.v.L846Gießen

Am Sonntag fanden in Marburg die diesjähri­gen Faustball-Kranzspiele des T. u. Spv. 1860 Marburg statt, die von 22 Mannschaf­ten des Gaues Hessen beschickt waren. Cs wurde gespielt in Meister-, A-, AH.- und Jugendklasse.

Die Meister-, sowie die AH.-Mannschaft des Turnvereins von 1846 mußten diesmal die Kämpfe mit Ersatz bestreiten. Während die Oll» tersrnannschaft ihre Gegner (Tv. Haina und T.» und Spv. 1860 Marburg) leicht abfertigte und somit den 1. Sieg errang, mußte sich die erste Mannschaft (Aufstellung: Geismar, Pfef­fer I., Rohl, Mohr, Pfeffer II.) mit dem 2. Platz begnügen. 1. Sieger in der Meisterklass« wurde Turnverein Frankenau, der schon seit Jah­ren bei den Spielen in Marburg sowie bei den Gauspielen hinter Gießen und Friedberg mit einem nut knappen Punktunterschied an dritter Stelle lag. Die einzige Riederlage gegen Tv. Frankenau, 25:31, kam etwas überraschend, wäh­rend alle übrigen Mannschaften überzeugend ge­schlagen wurden.

Ergebnisse der Gießener Turner:

I. Mannschaft. Gegen T.- u. Spv 1860 Marbürg 35:21 Tlniversität Marburg 27:25 ATB Marburg 46:22 - Kurhessen Marburg 44:25.

AH. - Mannschaft: Gegen Tv. Haina 46:40 T. u. Spv. 1860 Marburg 55:33.

Heffeniurnerinnen

auf dem Trierer Kreisfest OT.

Für die Turnerinnen aus dem Gau Hessen DT., die an den Wettkämpfen des Mittelrheinischen Kreis- turnfestes anfangs August zu Trier teilnehmen, fand am Sonntag zu Gießen unter der Leitung des Gaufrauenturnwartes Rudolf Paul (Gießen) eine Uebungsstunde statt. Es haben sich im ganzen 26 Turnerinnen gemeldet, unb zwar von Gießen 6, Butzback 5, Marburg 4, Krofborf 3, Friedberg, Heuchelheim und Grünberg je 2, von Bad-Nauheim und Wetzlar je 1 Turnerin. Neben den Pflicht­übungen für die Mehrkämpfe der verschiedenen Stu­fen an den Geräten wurden insbesondere die aus der Breitenarbeit erwachsenden Massendarbietungen unter Musikbegleitung abschließend auf gleichmäßigen Rhythmus gebracht! als Sondervorführung im Gau- verband bringen die Hessen einige Gruppen gym­nastischer Freiübungen, ferner beteiligen sie sich im Kreisverband an den Keulenübungen, die an die Stelle der üblichen allgemeinen Freiübungen treten, unb schließlich an ben neuartigen chorischen Bewe- aungsgruppen, bie mit- unb gegeneinanber >m Wechselspiel breier Ehormassen in gemessenen For­men sich zu feierlichem Ausbruck entfalten.

Da außerbem neben ben kleineren Gruppen der Volksturner, Fechter unb Schwimmer über 50 Wett- turner gemelbet haben unb nahezu 30 Kampfrichter Mitarbeiten, ist ein Sonberzug in Aussicht genommen.

Handball im Lohn Oünsberg - Gau

Tv. Ahbach Jugend Tv. Dorlar Jugend 1:3 (0:1).

Das Spiel wurde fair und ruhig ausgetragen unb von bem Sieger nur burch bie guten Leistungen feines Torwartes gewonnen. Die unterlegene Mann­schaft war stets etwas mehr im Angriff, vermochte

sich aber nicht gegen die stabile Hintermannschaft der Gäste burchzusetzen.

Tv. Ahbach I Tv. IDalbgirmcs I 8:5 (6:1).

Waldgirmes trat zu dem Spiel mit einigen Ersatz­leuten an, während Atzbach seine komplette Mann­schaft zur Stelle hatte. Die erste Hälfte sah den Gast­geber klar überlegen, unb in regelmäßigen Abftän« ben zu sechs Torerfolgen kommen, während Wald­girmes nur durch einen Strafstoß einen Gegentreffer buchte. Nach der Pause erhöhte Atzbach zunächst auf 7:1, bann kamen die Gäste kurz hintereinander zu zwei Erfolgen. Mit einem Tor für Atzbach und zwei weiteren Toren für Waldgirmes nahm das Spiel fein Ende.

90 Jahre GesangvereinGermania" Krofdorf.

(D Krofdorf, 12. Juli. Der Gesangverein Germania" Krofdorf darf den Ruhm in Anspruch nehmen, zu den ältesten Gesangvereinen unserer Gegend zu zählen. Wenn der Verein, der neun Jahrzehnte mit allen Schicksalslagen seines Hei­matdorfs aufs engste verquickt war, statt einer Fest­lichkeit nur eine schlichte Feier hielt, so geschah es, weil erst vor etlichen Wochen hier ein Turnfest ftatt- fand und man die Abhaltung eines weiteren Festes nicht verantworten zu können glaubte.

Auf Wunsch der alten Mitglieder marschierte der Verein geschlossen mit seinen Fahnen vom Vereins- lokal zur Wirtschaft Mo o s. Nach einleitenden musi­kalischen Darbietungen der Krofdorfer Kapelle, dem Sängergruß unb einem Chor begrüßte der Vor­sitzende, Hermann Schleenbecker, die Sänger unb ihre Angehörigen. Frl. Frieba Römer trug in ansprechender Weise ein von einem Ehrenmitglied zum Jubiläum verfaßtes Gedicht vor. Sodann be­richtete Lehrer Rinn aus der interessanten Vereins» geschichte Das Verdienst, im Jahre 1842 hier den Männergesang ins Leben gerufen zu haben, gebühre dem ehemaligen Musiker Ioh. Gg. Schmidt, den Gg Schmidt, Ludwig Heyer und Ludwig Schmidt unterstützten, indem jeder von ihnen im elterlichen Hause eine der vier Chorstirnmen mit Altersgenossen einübte. Noch aus dieser Zeit vor­handene geschriebene Notenblätter nennen die ge­übten Lieder. Anfänglich war der Verein gleichzeitig auch Kirchenchor. Besonderen Aufschwung nahm der Verein nach dem Kriege 1870/71. Der Redner, der sorgfältig ben oft unklaren Spuren der Vereins­geschichte nachgegangen war, lenkte zum Schluß ben Blick aus ber Vergangenheit in bie Zukunft mit bem Wunsche, baß es bem Verein gelingen möge, weiter an seinem Teile mitzuwirken an der Pflege bes deut­schen Volksgesanges.

In einem gediegen zusammengestellten Programm folgten dann Chöre unb Musikstucke, bie bas Können bes Vereins unb ber Kapelle unter Beweis stellten. Lehrer Praß pries den Gesangverein als Heimat­verein unb oolksbildnerischen Faktor unseres Dorf­lebens. Er wies nach, daß Krofdorf von altersher eine gefangliebenbe Bevölkerung besessen hat, daß schon vor Jahrhunderten dem Gesang in der Kraft oorf-Gletberger Schule eine hervorragende Bedeu­tung beigemessen wurde, und er zitierte einen bislang unbekannten Ausspruch des damals 58 Jahre lang hier wirkenden Lehrers Philipp Anton Weil aus dem Jahre 1820 über das Singen. Gemütliches Bei­sammensein und Tanz beschloß die harmonische Feier.

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