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Oie Zreiwilligen-Berbände werden mit modernsten Kampfmitteln ausgerüstet.
Schneidemühl. 12. Mai. (TU.) Wie die hiesigen Grenzzeitungen berichten, sind im Weichselkorridor bedeutsame militärische Vorbereitungen im Gange, die zu außerordentlichen Besorgnissen unter der Bevölkerung in den deutschen Grenzgebieten Anlaß geben. Die polnischen militärischen verbände, die Sokols, ferner die Großmacht-Liga. die Le- gionärverbände und die verbände zur militärischen Vorbereitung dec Jugend waren bisher nur mit Handfeuerwaffen älterer Systemc gerüstet. Jetzt ist man dazu übergegangen, die Bewaffnung dieser verbände durch neue st e Modelle aus heeresbeständen zu ergänzen und sie mit den modernsten kampf- wasfen auszurüsten. So sind ihnen Tanks, schwere Maschinengewehre, Minenwerfer, Flammenwerfer und Geschütze
überwiesen worden. Die Ausbildung der Angehörigen der militärischen verbände wird in großer Zahl durch aktive Offiziere und Unter- ossiziere vorgenommen. In Thorn, Granden; und Kulm ist die Bewaffnung des Zivils besonders auffallend.
In den Städten und auf den Truppenübungsplätzen herrscht reges militärisches Leben. Auher den neu eingezogenen Rekruten sollen nach den vorliegenden Rachrichten auch zahlreiche Freiwillige militärisch ausgebildet werden. Wie dazu bekannt wird, ist im Korridor die Aufstellung einer Reservearmee im vollen Gange. Es soll die Schaffung einer Reservearmee im Bezirk der 4., 15. und 16. Division vorgenommen werden. Die Wehrverbände sollen als Teil der Reservearmee verwendungsbereit gemacht und dem 8. Armeekorps angegliedert werden.
Groener verzichtet aus das Wchswehrministerium
Wieder Trennung von Innenpolitik und Reichswehr.
Berlin, 12. Mai. (ERB.) Wie wir von unter- richteter Seite erfahren, wird Reichswehrminister G r o e n e r den Reichskanzler und den Reichspräsidenten bitten, ihm sein Amt als Reichswehrminister abzunehmen und ihm ausschließlich das Reichsmini sie-
rium des Innern zu übertragen. Reber die Gründe, die Minister Groener zu diesem Entschluß bewogen haben, erfahren wir folgendes:
Unzweifelhaft fpielt bei dem Entfchluß Groeners fein Verhältnis z u feinen nächsten Untergebenen im Relchswehrministe- rium, also den Generälen in leitender Stellung, eine gewisse Rolle. Unzweifelhaft auch ist der Eindruck der vorgestrigen Rede des Ministers im Reichstage für dessen Ent- scheidung mitbestimmend gewesen. Aber die Beweggründe lassen sich wohl auf die verhältnismäßig einfache Formel bringen, daß die Wehrmacht in Deutschland von altershec nicht eine eigentliche parlamentarische Verkörperung zu haben pflegt, sondern im Vorkriegsdeutschland und im Grunde auch in der Zeit seit 1918 mehr oder weniger Exponenten hatte, deren Hauptaufgabe im Parlament und dem Kabinett in der Vertretung der ressortmäßigen Interessen der Reichswehr und Reichsmarine, also eines Verwaltungskörpers, lag und nicht in einer eigentlichen politischen Mitarbeit. Schon durch die lleber- nähme des Reichsinnenmini st eriums im vorigen Herbst ist mit dieser Tradition gebrochen und dem Reichswehrminister gleichzeitig eine Ausgabe in die Hand gelegt worden, die ihn einerseits sehr stark in die eigentliche
Politik einspannte und den Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit für die spezifischen Reichswehrinteressen nicht mehr gestattete, die anderseits aber auch eine A r t politischer Einwirkung aus die Reichswehr bedeutete. Diese Zwiespältigkeit seiner Aufgabe hat Dr. Groener in den letzten Wochen und Monaten doppelt empfinden müssen, und seine langjährigen Mitarbeiter im Reichswehrministerium haben offenbar kein hehl aus der Empfindung gemacht, daß sie e i n e Fortdauer dieses Zustandes als nachteilig für die ihnen anoerfrauten Ressort- interessen ansehen.
Es wäre also die Möglichkeit geblieben, das Reichsinnenministerium abzugeben, um künftig wieder seine Kraft dem Reichswehrministerium zu widmen. Dr. Groener hat l m Einvernehmen mit Reichskanzler Dr. Brüning den umgekehrten weg bevorzugt, der ihn nicht in seiner sachlichen, sondern in seiner politischen Aufgabe dem Kabinett erhält und damit zugleich ein Bekenntnis einschlieht, das zur Fortführung der Politik, die das Reichsinnenministerium unter seiner Leitung in den letzten Wochen und Monaten betrieben hat, verpflichtet. Das heißt also, daß die beabsichtigte Amtsnieder- legung Dr. Groeners als Reichswehrminister, die noch der Zustimmung des Reichspräsidenten bedarf, weder eine Desavouierung des 5A.-verbotes, noch eine Minderung der persönlichen Stellung Dr. Groeners im Kabinett bedeutet.
Oie englische presse zum Rücktritt Groeners.
London, 13. Mai. sCRB. Funkspruch, eigene Meldung.) Lllle Blätter berichten sehr ausführlich über die gestrigen Szenen in der Reichstags- sihung, die als unwürdig und noch nicht dagewesen bezeichnet werden. Auch über den Rücktritt des Generals Groener wird ausführlich berichtet. Die meisten Blatter bringen ihn in Zusammenhang zu dem Verbot der SA. und schreiben von einem Mißtrauensvotum hoher Offiziere im Reichswehrministerium. Der Berliner „Times"-Vertreter dagegen sagt, er höre von gut unterrichteter • Seite, daß der Rücktritt tatsächlich auf Gesundheitsrücksichten znrückzu- führen war. Es sei ein offenes Geheimnis, daß das ursprüngliche Ziel der Intrigen auf eine Umbildung der Reichsregicrung mit General von Schleicher als Kanzler und Dr. Vrüning als Außenminister hinausging. Diesem Plan scheine aber Einhalt geboten wor
Gießener Gtadttheater.
Goethc-Morgcnfcier.
Das Goethe-Bild der „Faust"-Aufführung wurde in der Morgenfeier vom Lyrisch-Hymnischen her ergänzt: wie das Drama als gesammelter Ausdruck von Goethes universellem Geist verstanden werden sollte, so gab die Morgenfeier gleichsam das rezitativische Vorspiel zum mächtigsten Werk seines Lebens: und wenn dort der Dichter in der ganzen Weite und Breite seiner gedanklichen Entwicklung zu Worte kommen sollte, so war cs hier die Stimme des jungen Goethe im Sturm und Drang seiner Geniezeit, welche den Ton und die geistige Haltung dieser Feier bestimmte.
Das sanfte und liebliche Adagio (op. 81) von Beethoven gab, durch ein gemischtes Schülerorchester unter der verständnisvollen und sorgsamen Leitung von Dr. Hillenbrand klangschön vorgetragen, den Auftakt. Anschließend rezitierte Intendant Dr. P r a s ch eine geschickt auf das jugendliche Publikum zugeschnittene Auswahl Goethescher Gedichte —: mit vortrefflich geschulter Stimme, mit warmem Gefühl und auch mit jener schönen Heiterkeit, die etwa über der Ballade vom Zauberlehrling oder der Legende vom Hufeisen ausgebreitet ist: der „Gesang der Geister über den Wassern" und „Das Göttliche" fügten sich in den Rahmen dieser Goethe-Feier besonders glücklich ein.
Zum Abschluß des ersten Teiles fang ein Schülerchor unter der umsichtigen Führung von Musiklehrer Blaß sehr frisch und akkurat drei Goethe-Lieder: „Die Rachtigall" (Musik von Mendelssohn), das „Heidenröslein" (Werner) und das „Schweizerlied" (Volksweise).
Rach der Pause spielte zunächst das Schülerorchester, Leitung Dr. Hillen brand, Schuberts Marche heroique als eine mit gutem Gefühl gewählte musikalische Uebedeitung zum dramatischen Höhepunkt der Veranstaltung, der Ausführung des Fragments „P r o m e t h e u s".
Der Dramaturg Wolsgang Kühne, der die Aufführung betreute, gab zuvor eine knappe Einleitung in Geist und Wesen der Dichtung: er sprach frisch und unakademisch: die Vorstellung solle keinen lehrhaften Charakter tragen, es solle
auch nicht über Goethe mehr als das Rötigste gesagt werden, der Dichter selbst werde das Wort haben. Der Redner ging dann ganz kurz auf die klassische Prometheus-Sage ein, betonte den fragmentarischen und im landläufigen Sinne undramatischen Charakter der Dichtung, der eine minder theatralische als symbolische Bedeutung zukomme. Die zeitlose Problematik dieser Szenenfolge werde zumal für den jugendlichen Menschen stets lebendig bleiben.
Der „Prometheus" ist, wie schon angedcutct wurde, ein Werk des jungen Goethe, 1773 entstanden, in der Rachbarschaft also von „Werther" und ..Göh", ein so genialisches wie unfertiges Manifest des eben berühmt Gewordenen. Die Szenenfolge ist nicht nach den landläufigen Gesehen des Theaters zu messen und zu begreifen: es ist eine hymnisch-heroische Zwiesprache zwischen Göttern und Menschen am Anfang der Welt, und die Fabel des antiken Mythos war in ihrer Großartigkeit dem jungen Dichter eben recht, ihm als Ausdruck und Symbol seines eigenen Wesens zu dienen, wie es in jenen Iahren gärend und brausend im Ueberschwang des Gefühls und^>er Kraft sich entfaltete.
In diesem Geiste, ganz auf heroisches Pathos und titanische Gebärde gerichtet, ließ Kühnes Regie den Torso sprachlich-sinnliche Gestalt gewinnen. In strengen und einfachen Linien war das Bühnenbild von Löffler klassisch stilisiert.
Den Prometheus gab Iochen Hauer mit schönem Feuer, hingegeben an den frcieli Rhythmus der trotzig aufbegefjrenöen Verse: wie ein Ruhepunkt wirkte im Aufruhr übermenschlichen Gefühls die lyrisch-idyllische Szene der von Beatrice Doering anmutig gespielten Pandora. Maria Koch (Minerva), Schelcher (Merkur) und Fasfott (Jupiter) sprachen würdig die Stimmen der Gottheit. Walter Michel als Epimetheus. Hub und P a e t s ch , als urweltliche Erdbewohner, rundeten die mythische Szene wirkungsvoll ab.
Die Morgenfeier, in allen Teilen wohlgelungen und mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet, sollte auch bei späteren Wiederholungen ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. hth.
den zu sein. — „Daily Telegraph" nennt den Rücktritt Groeners „einen neuen großen Sieg der Hit- Icrianer" und fügt hinzu, daß er tatsächlich aus dem Reichswehrministerium vertrieben worden sei wegen der Maßnahmen, die er als Aeichs- innenminister angeordnet hat. General Groeners Rücktritt sei ein sehr ernstes Ereignis. Er mache es klar, daß die Rationalsozialisten führende Stellen der Reichswehr für sich gewonnen hätten. Admiral Raeder als Rachsolger Groeners in Aussicht genommen.
B-e r li n, 12. Mai. (ERB.) In parlamentari-' schen Kreisen verlautet, daß der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. h. c. Raeder, für die Rachfolge als Reichswehrminister in erster Linie in Aussicht genommen sei. Seine Ernennung ist jedoch erst für die Woche nach Pfingsten zu erwarten.
Admiral Raeder steht im 57. Lebensjahre. 1894 ist er in die Kaiserliche Marine eingetreten. Als Oberleutnant kam er 1900 als Adjutant zur ersten Marinedivision, von 1901 bis 1903 war er Wachtofsizier auf dem Linienschiff „Kaiser Friedrich III." und wurde anschließend auf zwei Iahre zur Marineakademie kommandiert. 1906 wurde er als Kapitänleutnant ins Reichsmarineamt berufen, wo er bis 1908 tätig war. Rach mehrjähriger Frontdienstzeit wurde er 1911 als Korvettenkapitän Offizier beim Stabe des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe Vizeadmiral Hipper. Während des Krieges wurde er Chef des Stabes auf dem Kreuzer „Sehdlih" und übernahm 1918 als Kommandant den Kreuzer
„Köln". Rach dem Umsturz war er bis 1920 Chef der Zentralabteilung des Reichsmarineamts und dann bis 1922 dem Marinearchiv zu- geteilt. Auf Grund seiner Leistungen als Verfasser der Bände über den-Kreuzerkrieg im Auslande verlieh ihm die Universität Kiel die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie. 1922 zum Konteradmiral befördert, übernahm er die Inspektion des Bildungswesens^der^Marine. war dann von 1924 bis 1925 Befehlshaber der leichten Seestreitkräfte der Rordsee und seit seiner Beförderung zum Vizeadmiral im Ianuar 1925 Chef der Ostseestation. Als Rachfolger des Admirals Zenker wurde Admiral Raeder dann 1928 zum Chef der Marineleitung ernannt.
Vor einem Aoigeseh in Hessen.
Staatspräsident Adelung erläutert die durch den Spruch des Staatsgerichtshofs geschaffene Lage.
WSN. Darmstadt, 12.Mai. Vor Vertretern der Presse sprach Staatspräsident Dr. A d e l u n g über die Situation, wie sie durch die Auflösung des Landtags geschaffen ist. Der Staatspräsident wies darauf hin, daß der Möglichkeit, daß der Landtag durch den Staatsgerichtshof für ungültig erklärt werde, in den hessischen Gesetzen nicht genügend Beachtung geschenkt worden ist und für diese Möglichkeit eine Ueberbrütfung fehle. Die hessische Regierung müsse also mindestens zwei Monate lang ohne Parlament arbeiten. Die Beschlüsse des alten Landtags sind, wie der Staats- Präsident betonte, gültig mit der Einschränkung, daß die vom Landtag beschlossenen Gesetze zur Rechtsgültigkeit der Mitwirkung der Regierung bedürfen. Der Staatspräsident wies weiter darauf hin, daß nunmehr ein budget- loser Zu st and bestehe, denn die beantragte Verlängerung des Etats 1931 wurde vom Landtag nicht genehmigt. Es müsse also, um die Einnahmen und Ausgaben des Staates, sowie die Besoldung der Beamten, Pensionäre usw. sichcr- zustellen, ein Notgesetz erlassen werden. Durch dieses Gesetz wird der Haushaltsvor- a n s ch l a g 1 9 3 2 mit seinen gesenkten Einnahmen und verminderten Ausgaben in Kraft gesetzt werden. Das Gesetz muß verfassungsgemäß dem neuzuwählenden Landtag zur Bestä- tigung oorgelegt werden. Es kann vom Parlament nur im gangen angenommen oder ab gelehnt werden. Bis das Parlament aber Zusammentritt, dürsten immerhin noch drei Monate vergehen, und dann sind bereits die Vorarbeiten für den neuen Etat 1933 in vollem Gange.
Heber die bevorstehende Neuwahl äußerte sich der Präsident dahin, daß die Regierung als Termin für die Wahlen vorerst den 3. Juli in Aussicht genommen habe. Dieser Termin liege jedoch noch nicht definitiv fest. Ohne an dem Urteil des Staatsgerichtshofes Kritik üben zu wollen, bedauerte der Staatspräsident doch, daß die hessische Bevölkerung innerhalb eines halben Jahres nun schon zum vierten Male den Gaiig zur Wahlurne antreten müsse, das sei kein erfreulicher Zustand. Mit der Neuwahl werde ein großer Aufwand von Geld, Nervenkraft und Zeit nutzlos
vertan und erneut Beunruhigung in die Bevölkerung getragen. Die Regierung habe jedoch die Hoff- nung, daß bei der Landtagswahl im Juli endlich einmal ein verantwortungsbewußtes Parlament gewählt werden würde. Nicht ohne Bitterkeit denke die Regierung an die Abstimmungen in den Ausschüssen zurück, wo sich ein großer Teil der Volksvertreter gerade in entscheidenden Fragen von jeder Verantwortung ferngehalten habe.
Warum Reuwahlen in Hessen?
Eine Erklärung des Vorsitzenden der Hessischen Wirlschaslspartei.
WSR. Frankfurt a. OIL, 12. Mai. Rechtsanwalt A. Ludwig in Ober-Ingelheim, der Vorsitzende der Hessischen Wirtschaftspartei., schreibt u. a.: Am 2. Rovember 1931 erklärte der Rationalsozialist Hauptmann a. D. Was - sung im Wahlprüfungsausschuß: „Was sollen wir uns wegen einer sterbenden Partei herum- schlagen: ich beantrage, den Wahlvorschlag der Wirtschaftspartei abzulehnen." Diesem An-- trag traten sämtliche Sozialisten des Ausschusses sowie der Vertreter des Zentrums bei. In dieser Mißhandlung habe ich nicht sowohl eine Brüskierung der Wp. als vielmehr einen Schlag gegen das sich politisch aktiv betätigende Bürgertum erblickt. Dor dem Staatsgerichtshof habe ich mit aller Schärfe Stellung gegen die Rationalsozialisten genommen und die Richtigkeitserklärung der Landtags- wahl mit der Rotwendigkeit begründet, daß zwischen den zwei großen sozialistischen Fronten des hessischen Volkes eine dritte Front des aktivierten Bürgertums eingeschaltet werden muh, das auf Grund seiner Befähigung Anspruch auf Führung hat. Ich habe auf die Frage des Herrn Präsidenten, ob die Wirtschaftspartei angesichts der rückläufigen Entwicklung der Wirtschaftspartei in Preußen ihre Klage aufrechterhalte, geantwortet: „Es geht hier nicht um die Wirtschaftspartei, sondern um das Recht." Einfach lächerlich berührt der Hinweis auf die Ä oft en der Reuwahlen. Diese Kosten werden durch die Einsparung von
Oer Völkerbund huldigt Goethe.
In Frankfurt a. M. ist der Ständige Ausschuß für Literatur und K up st des Völkerbundes zu seiner zweiten Tagung zusgmmen- gckommen, um seine Arbeiten mit dem Andenken an den großen Europäer Goethe zu verknüpfen. Die Tagung wurde mit einem Festkonzert und einer Begrüßungsansprache von Oberbürgermeister Dr. Landmann (Frankfurta. M.) eingeleitet, der des ermordeten Präsidenten von Frankreich und der Rationaltrauer des französischen Volkes gedachte, wodurch leider die Teilnahme des französischen Vertreters Paul V a - 1 e r i) an der Tagung verhindert worden sei. In den „Gesprächen über Goethe" wurden die verschiedensten Themen behandelt: so sprach u. a. Thomas Mann über „Goethe und das Amt des Schriftstellers", Helene Vacaresco rAu- mänien) über „Goethe und die europäische Lyrik", Salvador deMadariaga über „ Faust und die geistigen Europäer", Gilbert Murray (Oxford) über „Goethe und den Hellenismus", Iosef Strzygowski (Wien) über „Zwei Zeichnungen Gvethes", Ragnar Oesterberg (Schweden) über „Goethes Architektur", R. P a r i b e n i (Rom) und Prof. Dr. Wilhelm W a e h o l d , Generaldirektor der Preußischen staatlichen Kunst- fammlung in Berlin, über das Thema „Goethe in Rom".
Stierkampf-Reform rettet 18000 Pferde.
Seit dem Erlaß des spanischen Gesetzes, das den Schuh der Pferde beim Stierkampf durch Polsterungen vorschrieb, ist allein im Iahre 1931 das Leben von etwa 18 000 Pferden gerettet worden. Rach einer Berechnung, die ein Madrider Blatt anstellt, wurden 1931, im Vergleich zu 1930 53 Stierkämpfe mit ausgewachsenen Stieren weniger veranstaltet, außerdem sanden 354 Novilladas, d. h. Kämpfe mit dreijährigen oder noch jüngeren Stieren, weniger statt als 1930, und die Zahl der sog. Capeas, der Kämpfe, die sich auf den Marktplätzen der Dörfer mit irgendwelchen, häufiger recht gefährlichen Ochsen vollziehen, hat sogar 1931 um 1000 abgenommen. Man schätzt, daß durch diesen Rückgang des spanischen Rational- sporteS gegen 4000 Stiere gerettet wurden, wäh
rend sich die Zahl der am Leben erhaltenen Pferde auf 18 000 belaufen dürfte. Durch das Schuh- geseh ist die Freude an diesem blutigen Sport herabgemindert worden. Die Regierung geht in dieser Einschränkung des Stierkampfes noch weiter. indem sie die „Capeas“ ganz verbietet, da sie keine regelrechten Stiergefechte darstellen, sondern nur eine Volksbelustigung sind, die meist in sinnlose Tierquälerei entartete. Aber dieses Verbot der improvisierten Stierkämpfe muß auf die Dauer zu einem Verfall des Rationalsportes überhaupt führen, denn die Capeas waren das Uebungsfeld für die angehenden Stierkämpfer, die hier Erfahrung sammelten und unter denen die besten dann zu richtigen Toreros ausgebildet wurden. Es wird nun nicht mehr möglich sein, unter der Iugend, die sich an diesen örtlichen Fiestas beteiligte, eine Auslese zu halten, und die geeigneten Persönlichkeiten für die großen Stierkämpfe zu gewinnen. Der spanische Tierschutz-Verein, der durch die Durchsetzung der Schuhbestimmungen einen so großen Erfolg erreichte, sieht sich aber jetzt vor einer neuen schwierigen Aufgabe, denn infolge der geringeren Rach- i frage nach Pferden für die Arena ist der Handel mit alten Pferden beträchtlich gestiegen. Seit 1929, dem Iahre, in dem das Schuhgesetz für die Pferde in Kraft trat, ist die Zahl der nach Frankreich ausgeführten, ausgedienten Pferde von 95 im Iahre 1929 auf 1900 im Iahre 1930 und auf 5675 im Iahre 1931 gestiegen, und man muß mit einer weiteren Zunahme rechnen. Der durchschnittliche Preis, der für diese Pferde gezahlt wurde, lag unter 80 Mark. Die meisten von ihnen finden in den französischen Abdeckereien ein trauriges Ende und liefern den Pariser Roß-Schläch- tereien neue Ware.
Hochschulnachnchten.
Dem o. Professor Dr. Eduard von Jan von der Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald wurde der seit der Emeritierung von Prof. Philipp August Becker verwaiste Lehrstuhl der romanischen Philologie an der Universität Leipzig zum 1. Dttober d. I. übertragen.
Der Ordinarius für neuere Geschichte an der Universität Breslau, Professor Dr. Siegfried Koehler, hat einen Ruf an die Universität Halle erhalten.


