Ausgabe 
12.12.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Das Deutschtum im Osten.

Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Derband, Ortsgruppe Gießen, hatte am Donnerstag zu einem Dortiagcaoend eingeladen. Assessor Trap^r sprach über das ThemaDeutschtum im OstenMan spreche 00m Schicksalsosten. Nicht zu Unrecht! 3m Osten werde deutsches Schicksal mitentschieden. Das müsse man auch im Westen verstehen, der ja eben­falls jahrelang bedroht gewesen sei. Der Osten habe aber seine Besonderheiten. Osteibien sei das Land der Landwirtschaft. Ostpreußen und Pommern, wie auch die verlorenen Gebiete waren die bedeutsamsten Versorgungsflächen für das deutsche Volk. Die Mehr­erzeugung habe sich allerdings auch durch die ge­ringe Bevölkerungsdichte ergeben. Noch viele Men­schen könnten dort Arbeit und Lebensraum finden. Deshalb blicke man heute mehr denn je nach dem Osten.

In seinen weiteren Ausführungen ging der Vor­tragende auf die Geschichte des ostelbischen Landes ein und gab hierbei interessante Aufschlüsse über die Besiedelung des Landes vom Beginn unserer Zeit­rechnung an und die Wandlungen in dieser Hinsicht im Lause der Jahrhunderte. G eichzeitig gab er einen Ueberblick über die Entwicklung in kultureller Hinsicht. Er skizzierte im Zusammenhang damit das Wirken der Deutschordensritter, durch die die Reichs- grenze gefestigt und das Gebiet von Memel bis Schlesien dem Deutschtum zugeführt worden sei. Ostpreußen sei deutscher Kolonialboden geworden; die Menschen erlebten Wandlungen, wie sie auch die Landschaft durch umfangreiche Kultivierungs­maßnahmen erfuhr. Freie Bauern saßen auf freiem Lande. Wertvolle Menschen wuchsen heran. Städte konnten sich bilden. Polen konnte im deutschen öst­lichen Raum lange Zeit keinen Eins. nehmen. Die Kraft der Kultur und der Wille, sie aufzuneh­men, förderten die Entwicklung im günstigsten Sinne. Innere Zerwürfnisse seien aber im aus- klingenden Mittelalter dem Lande nicht erspart ge­blieben; die Polen gewannen die Oberhand, Ver­ödung griff Platz, und erst als Friedrich der Große eingriff, bahnte sich wieder die gleiche Entwicklung an, wie sie das Land unter der Herrschaft der Deuts>l;ordensritter erlebte. Enge günstige Verkehrs­verbindungen verflochten das Land mit Preußen und der preußischen Wirtschaft. Seit 700 bis 800 Jahren seien die östlichen Provinzen deutsch. Posen sei nie polnisch gewesen. 1919 erst durch den Ver­sailler Vertrag wurde vieles verloren.

Ostpreußen, Wcstpreußen, Posen und Pommern, diese Provinzen seien heute verbunden mit einer Fülle kritischster wirtsckaftlicher Probleme. Große Schwierigkeiten haben sich durch die Schaffung des Korridors und die unsinnige Grenzziehung ergeben. Das Korridorgebiet sei für Ostpreußen kein Absatz­gebiet mehr, sondern ein Konkurrenzgebiet. Der vor dem Weltkrieg bestehende starke Durchgangsverkehr von Gütern zwischen Deutschland und Rußland sei völlig gestört. Ostpreußen habe sich der Veredelungs- Wirtschaft zuwenden müssen. Polen sei bestrebt, be­wußt die wirtschaftliche Kraft des ostpreußischen Landes zu brechen, um eines Tages das Land gleich einer reifen Frucht leicht kasperen zu können. Polen erlaube sich in Danzig schwerste Uebergriffe, denen der Völkerbund nicht immer energisch genug ent­gegentrete, obwohl der Völkerbundkommissar (Bro­nina vieles für Danzig getan habe. Als härteste Maßnah ne des Wirtschaftskampfes zwischen Dan­zig und Voten werde der von Polen mit den mo­dernsten Mitteln ausgerüstete, in kurzer Zeit ge­schaffene Hafen Gdingen empfunden.

In eingehender Weise beschäftigte sich der Vor­tragende sodann mit den gegenwärtigen wirtschaft­lichen und poetischen Verhältnissen in den Pro­vinzen Posen, Pommern und Schlesien, wie sie sich nach der Schassung der neuen Grenzen ergaben. Systematisch habe man versucht, in den unter pol­nischem Einfiuß stehenden deutschen Gebieten alles Deutschtum zu untergraben, die verbliebene deutsche Bevölkerung^setze den Polen aber immer wieder energischen Widerstand entgegen und greife zur Selbsthilfe. In der Gegenwart bedeute das Leben der Deutschen an der Grenze im Osten Kampf um alles, was sich erhalten lasse.

Daten für Montag, 12 Dezember.

1801: König Johann von Sachsen in Dresden geboren; 1821: der französische Dichter Gustave Flaubert in Rouen geboren.

Bornotizen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 23 Uhr, Operetten-Dolks- Vorstellung zu kleinen Preisen5>ie Toni aus Wien", Operette von Steffan; Spielleitung der Intendant. Anfang 23 älhr. Ende 22.30 älhr. Als 11. Vorstellung im Dienstag-Abonnement Wiederholung des FrontstückesDie endlose Sttaße" von Graff und Hintze; Spielleitung In­tendant Dr. P r a s ch. Gewöhnliche Preise. Don 20 hjs gegen 23 il£r. In neuer Inszenierung und Ausstattung am Sonntag, 18. Dezember, erste Aufführung des Weihnachtsmärchens:Aschen­brödel oder Der gläserne Pantoffel", sechs Bil­der mit Gesang und Tanz von Görner. Spiellei­tung hat Karl (Bold.

* AuswärtigeTheaterbesucher und D i e endlose Straß e". Aus dem Stadt­theaterbüro wird uns geschrieben: Da die Auf­führungDie endlose Straße" erst gegen 23 Ahr endet, ein früherer Dorstellungsbeginn an allen Aufführungstagen dieses Fronlltückes nicht mög­lich ist, bittet die Intendanz auswärtige Theater­besucher, die Aufführungen dieses Werkes am Sonntag, 18. Dezember (Anfang 19 Ahr, Ende gegen 22 Ahr), oder am Spieltag im Mittwoch- Abonnement besuchen zu wollen; diese Dorstel­lung beginnt um 19.30 Ahr und endet gegen 22.30 Ahr. Es ist dann allen auswärtigen Be­suchern bestimmt Gelegenheit geboten, bis zum Schluß in der Dorstellung zu bleiben und doch rechtzeitig den Zuganschluß zu erreichen.

** Allgemeiner Deutscher Frauen- v er ein. Man berichtet uns: Eine überaus große Schar hatte der E.nladung des Allgemeinen Deut­schen Frauenoereins (Deutscher Staatsbürgerinnen- verband) zur Weihnachtsfeier Folge geleistet. In dem schön geschmückten oberen Saale des Bürger­cafes spielten zuerst die Damen Luley, Graes und Zimmer ein Konzert von Vivaldi; hieraus folgte eine Kantate von Telemann, deren gesang­lichen Teil Frau W e y l übernommen hatte. Es war ein dankenswertes Unternehmen, dem Publi­kum diese selten gespielten Komposit onen in so vor­züglicher Ausführung zu bringen. Den Vortrag des Abends hielt Frau Ina Heiser. Sie hatte sich das ThemaDie Frau in der modernen Dichtung" ge­wählt und fesselte die Anwesenden durch ihre klaren und temperamentvollen Ausführungen. Ausgehend

von Ibsen, dem Erwecker der Frau, streifte die Vor­tragende zuerst kurz die frühesten Vertreterinnen weiblichen Schrifttums, wie Isolde Kurz, Ricarda Huch, Luise von Francois u. a. Sehr interessant ge­staltete sich die Besprechung der allerneuesten Frauen, literatur, besonders die Vorlesung der Eingangs- kopitei des Buches von Johanna Böhm:Das Haus der alleinstehenden Frau". Nachdem Frau Heiser noch mehrere andere Schriften charakterisiert hatte, z. B.Eine Frau wie du und ich",Der Bruder des verlorenen Sohnes",Das kunstseidene Mäd­chen", las sie einen Abschnitt aus dem Goethe-Buch von Toni Schwab , Christiane" vor. Der letzte Teil des Vortrages beschäftigte sich mit den Schriftstelle­rinnen, die vorwiegend religiöse Probleme behan­deln, wie Paula Grogger, Sigrid Undset und H.l- dur Discelius. Von dieser D.chterin verlas Frau Heiser noch eine feinsinnige NovelleKarl Andres Fahrt zur Christmette".

Amtsgericht Gießen.

Wiederum hatte sich das Gericht über den Be­griffAuszug" i. S. der 2. Verordnung des Reichs­ministers des Innern über Versamm.ungen und Aufzüge vom 18. Juli 1932 schlüssig zu machen. Eine konstante Rechtsprechung konnte sich noch nicht bilden. Doch hat der preußische Min sker des In­nern zwecks Durchführung der erwähnten Verord­nung und einer Reihe anderer einschlägiger Ver­ordnungen Richtlinien ausgestellt. Am 11. Septem­ber hatte an der Ecke Marburger Strafte und Steinstraße eine größere Anzahl uniformierter S.-A.-Leute, die nachts in einem Lastkraftwagen von der Beerdigung eines Alsfelder Parteigenossen nach Gießen zurückge'.ehrt waren, den Wagen verlassen und sich in geordnetem Zuge im Gleichschritt ohne Aufenthalt auf direktem Wege in ihr Parteilokal am Seltersweg begeben, wo der Zug sich auflöste. Von der Polizei erfolgte Anzeige gegen die Führer wegen verbotenen Aufzugs. Fahnen wurden nicht mitgeführt, gesungen wurde nicht, die Einheitlich­keit des Marsches auf dem Wege nicht überall durchgeführt. Mehrere Zugteilnehmer reihten sich unterwegs aus, um nach Hause zu gehen. Von einem durch die Marschtritte vielleicht absichtlich hervorgeru- fenem stärkeren Geräusch konnte keine Rede sein, wie überhaupt nichts daraus schließen lieft, daß die Beteiligten zudem war es Nacht die Auf­merksamkeit etwaiger Passanten oder der Stra- ßenanwohner auf sich zu lenken suchten. Gerade das offensichtliche Fehlen einer derartigen Absicht war schließlich für die Urteilsfällung des Gerichts ausschlaggebend. Es sprach die 2lngesagten frei. Die Erwägungen, die zu diesem Freispruch führ­ten, standen mit den oben erwähnten Richtlinien in keinem Widerspruch.

Zwei Radfahrer begegneten sich in der am Aus­gang von W es eck gelegenen sog. Turmpforte. Trotz­dem, daß diese nur drei Meter breit ist, durchfuhr sie zu der g eichen Zeit ein Motorradfahrer, der leinen Weg mitten zwischen den beiden Radfahrern hindurch nahm, so fcaft sich der eine von ihnen eng wider die innere Turmwand drücken mußte. Er rief dem Motorradfahrer eine scherzhafte Berner- kung zu, in der er auf ein ähnliches Vorkommnis, das an derselben Stele sich ereignet und diesem eine ans-hnliche Geldstrafe eingetragen hatte, an» spielte. Der Angeilagte, hierüber erbost, fuhr zu- rück, versetzte dem Radfahrer einen wuchtigen Schlag ins Gesicht und zertrümmerte ihm das Nasenbein. Wegen Körperverletzung erhielt der angetlaate Motorradfahrer eine Geldstrafe von 40 Mark, und außer ihr wegen Heber- tretung von Verkehrs-, namentlich Ueberholungs- oorfchriften, noch eine namhafte Geldstrafe.

©te Sanierung

-er Rheinischen Landesbank.

Frankfurt a. W., 9. Dez. Der Landes­hauptmann der Rheinprovinz sprach heute in Düsseldorf im Provinziallandtag über die Sa­nierung der Rheinischen Landes­bank. Aach der Rede des Landeshauptmannes beruhen die Dorschläge zur Sanierung der Lan­desbank auf felgenden Grundlagen: Die Rhei­nische Landesbank feil allmählich auf» gelöst werden. Für sie wird in Zukunft die zu gründende Gemeinschaftsbank zwischen Pro- vinzlalverband und kommunalen Giroverband als provinzielles Kreditinstitut auftreten. Dem Sa- nierungsvorschlag liegt die Absicht zugrunde, die Verhältnisse vorläufig für vier Jahre zu regeln. Dabei war zunächst festzustellen, wieviele Mittel die Landesbank in den nächsten Jahren zur Bezahlung der laufenden Zinsen und der Derwaltung bedarf. Die Kommunen, die in starkem Maße mit der Sanierung zusammen­hängen. zahlen etwa 18 Mill. Mk. Zinsen, zu denen noch 15 Mill. Ml. hinzukommen, die Reich und Staat gegebenenfalls darlehnsweise zu- schiehen. Don den Schulden, die jetzt zurückgezahlt werden müssen, erhalten die Banken 10 Prozent, den Rest vier Jahre später. Die Sparkassenfor­derungen werden verrechnet, die sogenanntein so­zialen Gläubiger erhalten die für ihre Existenz notwendigen Abschlagszahlungen. Den hierzu er­forderlichen Betrag von 34,5 Mill. Mk. stellt die Reichsbank. Der größte soziale Gläubiger, die Landesverjicherungsanstalt, erhält bis zum April 1933 9 Mill. Mk. bei einer Forderung von 39,2 Mill. Mk. Die Rheinprovinz selbst über­nimmt eine Schuld von 50 Mill. Mk. gegenüber Staat und Reich, die mit 5 Prozent zu verzin­sen und mit 1 Prozent zu tilgen ist. Am die Verzinsung und Tilgung der 53 Mill. Mk. zu ermöglichen, wird die Provinzumlage auf den Prozentsatz des Dorjahres er­höht. Der Betrag, der zur Derzinsung und Til­gung der Anleihe nicht erforderlich ist, soll zur Rückzahlung fälliger Kapitalschulden der Pro­vinz bei der Landesbank, also zur weiteren Er­höhung der Liquidität dienen. Die Ansicherheit des Sanierungsplanes liegt darin, daß er im wesentlichen auf Zahlungen aufgebaut ist, die Stadt- und Landkreise zu zahlen haben. Ob diese Zahlungen möglich sind, hängt daher ganz von der Finanzlage der Kommunen ab. Eine endgültige und sichere Sanierung ist daher nur möglich, wenn die finanzielle Lei­stungsfähigkeit der Kommunen durch Aenderung des Finanzausgleichs, durch Entlastung von Er­werbslosenfürsorge und durch kommunale Am- schuldung wiederhergestellt wird. Die Provinz­umlage stellt zwar große Anforderungen an die Stadt- und Landkreise, ist aber für die Sanierung unumgänglich notwendig. Aber auch Reich und Staat warten mit wesentlichen Leistungen auf, einmal der Zinsüberschuß jährlich bis zu 15 Mlll. Mark, dann die 34.5 Mill. Mk. Aeberbrückungs-

kredit usw. Zum Schluß gab der Landeshaupt­mann der Aeberzeugung Ausdruck, daß der Pro­vinziallandtag im Hinblick darauf, «ine Kata­strophenpolitik zu verhüten, die Dorschläge des Provinzialausschusses vorbehaltlich von Aen- derungen im einzelnen, im Grundiatz annehmen wird.

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Limburg, 11. Dez. (WSN.) Nach einem Be­schluß der Vorstands- und Gcschäftsführersitzurig der Nassauischen Bezirksbauernschaft soll der Nasjau- ische Bauerntag im Jahre 1933 in Wetzlar stattfinden. Der 14. Nassauische Bauern­tag im Jahre 1934 soll in Weilburg abgehalten werden.

Buntes Allerlei.

(Suropofrip w der Willen.

Bevor sich dieBremen" bei ihrer letzten Ab­reise aus Amerika vom Reuyorker Pier los­löste, hatte sie, wie stets, laut und anhaltend das Signal gegeben, das die anwesenden Besucher des Schiffes zum Verlassen aufforderte. Das Deck wurde auch leer, und alle Gäste, die mit ihren ewigen Fragen die Schisfsbesatzung immer nervös machen, schienen zu deren Freude gegangen zu sein. Als jedoch der Dampfcr sich schon eine ge­raume Zeit auf hoher See befand, kamen aus dem Schiffsinnern plötzlich sieben Personen nach oben gestürmt, um an Land zu gehen. Das Land verschwand indessen nach und nach am Horizont, und den flehenden Bitten zu einer Am- kehr konnte der Kapitän nicht nachgeben. So mußten diese sieben Leute, alles bekannte ameri­kanische Film'chauspieler und Schauspielerinnen, die sich an Bord von der Gattin eines Kino-

Persönlichkeitspshchologie. Ent­wurf einer bi.zentrischen Wirklich eitslehre vom Menschen. Don Dr. Hans P r i n z h o r n. In der SammlungWissenschaft und Bildung". 119 ©ei» >ten. Geb. 1.80 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. (308) Auf dem Gebiete der Psychologie strebt die von Klages begründete Wirkllch'.eitslehre vom Menschen eine Reinigung der Psychologie von Ideologien aller Art an. Sie geht nicht von den allgemeinen Gesehen des Geistes aus, sondern von den Prinzipien des Lebens und sucht von hier aus den Kern der menschlichen Person richtig zu erfassen. Einer der führenden Dorkämpser der neuen Lehre ist Hans Prinzhorn. Seine für einen traten Leserkreis be- stimmte Persönlichkeitspsychologie gibt gleichsam die Synthese seiner vielfältigen Studien. Dom ein­fachsten Organismus beginnend zeichnet er d e ver­schiedenen Strukturen der Lebewesen bis zum Menschen, der als Person gleichsam eine Dimen­sion mehr hat. Alle Schichten der naturhaften und der geistigen Existenz werden berücksichtigt, auch die Amweltbeziehungen und vor allem die beiden inneren Hauptrichtungen des Jchs: d?r Selbst- behauptungsdrang und der entgegengesetzte Hin- gebungsdrang. Durch die Herausarbeitung der wichtigsten Erkenntnisse gibt das Buch eine leicht verständliche «Einführung in die neue Lehre vom Menschen.

Graphologie. Von L u dwig Klages. 121 Seiten mit 81 Schriftproben. (SammlungWif- fer.fchaft und Bildung".) Geb. 1,80 Mk. Verlag non Quelle & Meyer in Leipzig. (482) Klages gibt hier mit großer Vollständigkeit die Methoden, die eine Beherrschung der Graphologie erfordert. Nach einem gc'schicht.ichen Rückblick entwickelt er die bei- den wichtigen Prinzipien, die den Zusammenhang der Schre.bbeweguvg mit dem Charatter des Schrei­benden verständlich machen: das, Prinzip des per- fönlichen Ausdrucks und das Prinzip des persön­lichen Lautbildes. Weitgehende Grundsätze werden an einer Fülle handschriftlicher Beispiele bis in die kleinsten Einzelheiten erläutert. Dabei ergibt sich für jedes Allgemeinmerkmal der Bewegungsführung eine grundsätzliche Doppeldeutigkeit, die den Be­urteiler von Fall zu Fall vor die Fage stellt, ob es lebenswissenschaftlich positiv oder negativ zu be­werten fei. Die Lehre vom viel-umstrittenen Form­niveau, das allein darüber zu entscheiden er.aubt, wird dermaßen gemeinverständlich und überzeuaend vorgetragen, daß auch derjenige sie mühelos sich zu eigen macht, der sich noch nie mit Psychologie be­faßt hat. Es folgt ein wichtiger Abschnitt über die Erkennbarkeit und Deutbarkeit der willkürlich er­worbenen Schrifteigenschaften. Uebrigens läßt es sich Klages angelegen fein, vor den vielfach phan- taftifchen Ueberschatzungen der Graphologie zu warnen, indem er ihre Grenzen aufzeigt.

Henry M. Stanley: Mein Leben. Billige Volksausgabe. Mit vielen Dollbildern. Druck und Derlag von Friedrich Reinhardt in Basel. In Leinenband 3.80 Mk. (274 ) Diese Selbstbiographie liest sich wie ein spannender Roman. Das wirkliche geben , erscheint hier abenteuerlicher als die phantastischste Dichtung. In diesem Leben welch Wandlungen des Sch'cksals vom verprügelten Waisenhausknaben bis zum größten Erforscher des dunklen Erd­teils und Gründer des Kongostaates; welcher Wechsel des Schauplatzes vom walisischen Dorf bis ins Gewimmel der Weltstädte und wieder in das schweigende Grabgewölbe afrikanischen Ar- walds; vom Schlachtfeld des amerikanischen Bürgerkrieges und vieler anderer Kämpfe in aller Welt bis ins englische Parlament und auf den stillen Landsitz bei London. Welche Fülle scharf gezeichneter Personen von _ allen Schattierungen amerikanischer und europäischer Kultur. Der Berufenste aber, dieses Lebensbild zu zeichnen, war unzweifelhaft Stanley selbst. Mit erbringender Psychologie hat er auch seine ungewöhnl ch harte und abenteuerreiche Jugend- ze't geschildert. Mit Recht wird Stanley der größte Entdecker se t Kolumbus genannt; ebenso bedeutend war aber auch der Mensch Stanley: seine glänzend ge'chriebene (und wohlfeile) Selbst­biographie sollte Allgemeingut werden.

Die Architektur im Dritten Reich. Don Karl Willy Straub, mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Schultze-Naumburg. 64 6. mit 54 Abbildungen, auf Kunstdruckpapier gedruckt. Kart. 2,80 Mark. Akademischer Verlag Dr. Fritz Wedekind & Co., Stuttgart. (298) Die Schrift macht es sich zur Aufgabe, auf dem Gebiete der Baukunst in ungefähren Umrissen auszuze-'gen, wie imDritten Reich" gebaut werden soll. In elf Ka­piteln behandelt der Verfasser den umfangreichen Komplex, um darzutun. daß es in einer als gesund erkannten Bauweise nicht um Geschmacksfragen, son­dern um Gesinnung gehe. Ein Geleitwort von Pros. Dr. Schultze-Naumburg geht der Darstellung vor­an. Gutgewähltes Bildmaterial ergänzt und unter«

direktors verabschieden wollten und über diese Zeremonie den Zeitpunkt der Abfahrt verpaßten, unfreiwillig und, was ihre größte Sorge war, ohne Wäsche und Kleidung die Aebersahrt nach Europa mitmachen. Da sie keine Pässe besaßen, wurden sie in Cherbourg nicht an Land gelassen, sondern mutzten bis nach Southampton weiter­fahren. Sie haben sich geschworen, nie wieder jemand an Bord zu begleiten, am wenigsten aber eine Frau.

OaS einbalsamrerie Herz.

Ein merkwürdiger Fund wurde durch Zufall von einigen Maurern gemacht, die in der Kirche des französischen Ortes Dousbccques die Mauern zur Einrichtung einer Zentralheizung aufrissen; sie stießen auf einen festverschlossenen Dteikasten, in dem sich ein einbalsamiertes Herz befand. Es ist als das Herz eines berühmten Mannes festge­stellt worden, der den Ramen des Ortes trug. Es handelt sich um den Diplomaten und Schrift­steller Ghislain de Dusbecq, der von 1522 bis 1592 lebte. Dusbecq, der im Dienste der Kaiser Ferdinand l. und Rudolf 11. von Oesterreich tätig war, ist besonders bekannt geworden durch die wissenschaftliche Tätigkeit, die er als Gesandter in Konstantinopel aus übte. Man verdankt ihm die wertvollsten Berichte'über den damaligen Zustand der Türkei. Er war ein leidenschaftlicher Blu­menfreund, und mit seinem Andenken bleibt für immer die Tatsache verknüpft, Hatz er einige unserer beliebtesten Zierpflanzen, so die Tulpe und den Flieder, zuerst nach Westeuropa brachte. Das nunmehr wieder aufgefundene Herz dieses Man­nes wird von neuem einbalsamiert und dann wie­der in der Kirche von Dousbecques beigesetzt wer­den.

streicht die in verständlichem Stil gehauenen Aus­führungen. Auch wer mit den Grundsätzen und Anschauungen des Verfassers nicht übereinft'.mmt, wird aus der Schrift und den auf Kontrastwirkung gestellten Bilder manche Anregung gewinnen und auf die zahlreichen Probleme unserer modernen Architektur hingewiesen werden.

Erich Hoinkis: Rächt über Flan­dern. Brosch. 3, Mk., Leinen 4,23 Mk. Brun- nen-Derlag, Willi Bischoff, Berlin SW 68. (340.) Der Berfa^er rechnet und hadert nicht, er ist weder Militarist noch Pazifist, er ist Soldat und Deuischer, er hat seinen Kampf gekämpft und ist demütig, tüchtig und tapfer gewesen durch alle Schrecken der Flandernschlacht hindurch. Richts von dem Schweren und Grausigen wird verschwiegen, das Buch ist beileibe kein Hurra- Buch, es ist ein ernstes, männliches Buch, und der Tod, so oft er auch kommt, ist kein billiges bloßes Wort. Daneben wird ein Blick in den Mechanis­mus der Schlacht gegeben, in das Zusammen­wirken, in die Struktur, in die Bedeutung des Einzelnen für das Ganze.

Der Krieg nach dem Kriege." Eine Dilderchronik aus Revolution und Inflation. Don Willy Stiewe. Berlin, Deutsche Rundschau G. m. b. H_, Preis des Halbleinenbandes 3,20 Mark. (247.) In diesem Werke wird, unterstützt durch das objektive Bild, die wirre Geschichte einer Zeit behandelt, in ber das Deutsche Reich, besiegt und gebrandschaht, unterzugehen drohte. Alle jene düsteren Ereignisse steigen in unheimlicher K.ar­beit herauf, die ihre Spuren in jedem deutschen Menschen zurückgelassen haben, und deren schick­salhafte Bedeutung für unsere Tage erst bei dem ruhigen Studium der inneren Zusammenhänge deutlich wird. Durch cft erschütternde BilLbeilagen illustriert, rollt wie in einem spannenden Film die Elendskette von Zusammenbruch, Revolution, Separatismus, schwarzer Schmach, Dölkerrechts- bruch und roher Gewalt, Bolschewismus und In­flation vor unseren Augen vorüber. Mit grad­liniger Anparteilichkeit gibt diese Bildchronik Tat­sachen, ohne sich durch Parteimeinungrn beirren zu lassen. Auch dem, der diese Kämpfe als Zeit­genosse durchlitten hat, gibt dieses Werk erst die Klarheit über die Zusammenhänge und Hinter­gründe des Geschehens, für das auswachsende Ge­schlecht den Schlüssel zum Derständnis für die Gründe der eigenen Rot.

Der goldene Meihnachtsalmanach des Eugen Salzer Berlages (Heilbronn, 19321 ist diesmal be­titelt ..und uns des Lichtes Kin­der macht". Bekannte Mitarbeiter des Ver­lags, wie Karl Hesselbacher, Anna Schieber, Mia Munier, Joseph Witttg, Friedrich Psäsflin mit seinen Briesen des Reuen Testaments sind wieder vertreten. Daneben hat R. Jakober eine feine Abhandlung über das Schaffen von Anna Schie­ber geschrieben und Dr. Kurt Böhme einen Rück­blick auf ein Jahr Kirchengeschehen; der für alle, die am kirchlichen Leben Anteil nehmen, eine gute und zweckdienliche älebersicht gewährt. Das rcich- halttge Bändchen kostet nur 0,83 Mark und ist ein wertvolles und billiges Geschenk zu Weihnachten.

Werden und Wachsen 1 933. Ein Dildkalender für alle Freunde des Gartens und der Blumen. Mit einer SMmnelmappe für Einz.l- blätter. Zusammengestellt von Eug ni: vo Gar - vens (Worpswede) unter Mitarbeit von Harry Maaß (Lübeck) und Dr. R. Zander (Berlin) u. a. Preis 2,80 Mark. Gartenbau-Derlag Tro- wihsch & Sohn, Frankfurt a. d. Oder. (410) Wieder ist ein neuer Jahrgang des schönen Ka­lenders erschienen und auch in diesem Jahr wird von seinen Freunden keiner enttäuscht fein. Blät­tert man in den vorzüglich ausgewählten, zum Teil farbigen Bildern aus allen Gebieten des Blu­men-, Pflanzen-, Garten- und Tierlebens. Dor Text bietet immer etwas Reues und Anregendes, wertvolle Hinweise für die Dlumensveundin oder den Gartenliebhaber.

Georg Rendl: Darum lob ich den Sommer. Geschichte einer Liebe. In Leinen 3,80 Mk., kart. 2,SO Mk. D uische Berlags-Anstalt-, Stuttgart und Berlin. (466.) An einem der schönen Seen des Salzkammerguts spielt Rendls neue Stählung. Ein junger Gelehrter treibt in dörflicher Abgeschlossenheit seine Studien, die ihn mit den Geschöpfen der Ratur, mit Insekten und Blumen verschwistern. Ebenso einsam und naturnahe wie er lebt dort ein Mädchen in einem Gebirgsdorfe. Leidenschaftliche Reigung führt den Städter und das Landkind zusammen. Zwischen Mitlwinter und Herbstbeginn leuchtet ein Berg­sommer auf, mächtig in Fülle und Dollendung, ein menschliches Schicksal einbeziehend in sein Kommen und Gehen. Erwähnung verdient die reizende Ausstattung des kleinen, sich im gefälligen Format vorteilhaft präsentierenden Buches.

Neues für den Bücheriisch.