Ausgabe 
12.12.1932 Frühausgabe
 
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Abschluß eines Abrüstungsabkommens bleiben die gegenwärtigen Bindungen Deutschlands bestehen, Der endgültige Rüstungsstand Deutschlands wird nunmehr von dem Zu­standekommen des künftigen Abrüstungsabkom­mens und damit von dem Schicksal der ganzen Ab­rüstungskonferenz abhängig gemacht. Es versteht sich aber von selbst, daß im Falle eines Scheiterns der Abrüstungskonferenz aus anderen Gründen, oder infolge der unlösbaren Flottengegensähe

Deutschland seine volle Handlungs­freiheit erhält.

Alles in allem: Die jetzt gefundene Eini­gungsformel hat weder die Abrüstungskon­ferenz, rwch die deutschen Forderungen auf Gleich­berechtigung praktisch einen Schritt vorwärts gebracht. Die Verwirklichung der deutschen Forderungen steht auch heute genau wie im 3ult d. 3. noch bevor. Der Erfolg ist lediglich t a k t i s ch zu bewerten.

Ein halbamtlicher deutscher Kommentar.

Oer Eindruck in den Bert ner politischen Kreisen.

Berlin, 11. Dez. (ERB.) 3n Berliner politischen Kreisen wird die E i n i g u n g, die heute vormittag in Eens erzielt wurde, als ein starker Erfolg der Abrüstungs- politik gewertet, die Deutschland trotz aller Schwierigleiten und Widerstände bis zu dem heutigen Ergebnis gradlinig verfolgt hat. Die Reichs.egierung hat jetzt erreicht, daß die deutsche Gleichberechtigung in der Abrüstung von dm anderen Mächten grund­sätzlich und effektiv anerkannt wor­den ist.

Dieser Erfolg tritt um so stärler hervor, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Frankreich es noch im 3uli abgelehnt hat, die Gleichberech­tigung überhaupt nur zu diskutieren. Trotzdem hat Reichskanzler v. Pa Pen sie am Schluß der Lausanner Konferenz als unum­stößliche Forderung angemeldet. Cs lag in der Konsequenz dieses Anspruchs, daß Frei­herr v. R e u r a t h nach der Entschließung vom 23. 3uli der Abrüstungskonferenz die präzise Frage vorlegle, wie es mit unserer Aufnahme in die Abrüstungskonvention stehe. Dies wurde dann noch näher präzisiert in dem Memorandum vom 29. August, in dem gefragt wurde, ob die abzu- schliehende Konvention ebenso wie für die an­deren Mächte auch für uns gelte, und zwei­tens, ob auch für die Geltungsdauer und die Revisionsmöglichkeiten dieser Konvention die B e- dingungen die gleichen se.en.

Die Gegenseite hat sich zunächst der Beantwor­tung dieser Fragen entzogen. 3m Verlauf der letzten Center Verhandlungen des Reichsaußen­ministers ist es nun jedoch gelungen, eine Be­antwortung unserer Fragen durch alle haupt­beteiligten Mächte zu erreichen.

Diese Antwort liegt in der Genfer Erklärung vor; sie bejaht die deutsche Gleichbe­rechtigung als Grundsatz der Abrüstungs­konferenz. Damit ist die Gleichberechtigung nicht, wie es bisher der französische Standpunkt war, das spätere Ziel, sondern als grundlegen­des Prinzip der Ausgangspunkt aller weiteren Abrüskungsverhandlungen. Die Erklärung geht aber auch noch den Schritt weiter vom grund­sätzlichen zum praktischen Zugeständnis, indem sie die Enlfchlo'senheik der Mächte betont, dar­auf hinzuwirken, daß das Abrüstungsabkommen unverzüglich ausgearbeitet wird. Damit wird der früher geäußerten deutschen Befürchtung Rechnung getragen, daß man versuchen könnte, einen positiven Ausgang der Abrüstungsoer­handlungen immer weiter hinauszuschieben.

Ob die kommenden Abrüstungsverhand- lungen ebenfalls zu einem befriedigenden Er­gebnis führen, das hängt natürlich von den Ein­zelheiten des materiellen Verhand­lungsinhalts ab. Hiermit steht die Stelle der Erklärung im Zusammenhang, daß die Art und Weise der Anwendung der Gleichberech­tigung auf der Konferenz erörtert wer­den soll. Dieser Standpunkt entspricht durchaus der früheren deutschen Stellungnahme, denn auch in dem deutschen Memorandum vom 29. August wurde gesagt, daß der materielle 3nhalt

der Regelung der Gleichberechtigung Spiel­raum für Verhandlungen biete.

Die Reichsregierung wird ihr besonderes Augen­merk darauf richten, daß der Inhalt der spä­teren Abrüstungskonvention, also das, was sie den einzelnen Staaten zugesteht, auch dem jetzt feierlich erklärten Prinzip der Gleichberechtigung Deutschlands entspricht. Rur damit kann auch das System geschaffen werden, das nach dem Wortlaut der Genfer Erklärung allen Rationen

Sicherheit bieten soll.

Was unter diesem S y st e m zu verstehen ist, ergibt sich am klarsten aus der Entschließung der Völkerbundsvcrsammlung vom 25. September 1928, in der festgelegt wurde, daß zu diesem System in erster Linie die gleichmäßige Abrüstung Aller gehört. 3m selben Sinne ist immer wie­der die deutsche Forderung ^Gleiches Recht und gleiche Sicherheit" erhoben worden. Die Sicherheit ist und bleibt nicht etwas, was der Abrüstung vorausgeht, sondern sie wird e r st durch die Abrüstung gewährleistet. Das ,System" ist also in der Abrüstungskonvention zu sehen. Sie wird nach der Entschließung alter be­teiligten Mächte noch ergänzt durch den in Aus­sicht genommenen Richtangriffspakt.

Eine wesentliche Bedeutung der Genfer Er­klärung liegt in der Tatsache, daß die Revision der Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages damit eingeleitel ist. Der Teil V des Versailler Vertrags kann nicht mehr als eine Sonderbestimmung gegen Deutschland gelten. Wenn Deutschland gleichberechtigt ist, dann muß die uns aufgezwungene Entwaffnung auch auf die übrige Welt angewandt werden. Dieser Teil des Versailler Vertrags kann also nur insofern aufrechterhalten werden, als seine einzelnen Be­stimmungen von allen an der Abrüstungskonfe­renz beteiligten Staaken für sich selbst in An­wendung gebracht werden.

Es liegt im Zuge dieser Entwicklung, daß mit der heutigen Erklärung auch bereits der von uns stets abgelehnte, aber immer noch zur Debatte stehende Artikel 53 des Konoentionsentwurfs der Dorbereitenden Abrüstungs'omrnif'sion bereits er­ledigt ist, der die Diskriminierung Deutschlands aufrechtzuerhalten suchte. Als besonders erfreulich ist schließlich noch zu unter­streichen, daß der Erfolg der deutschen Bemühun­gen das Problem gleichzeitig für die an­deren entwaffneten Staaten ersaßt, also auch für Oesterreich, Ungarn und Bulgar en. 3n der Erklärung wird ausdrücklich vonallen Staaten" gesprochen.

Faßt man das heute erreichte Ergebnis des deut­schen Kampfes um die Gleichberechtigung zusam­men, so muß man zu der Festste! ung gelangen, daß ein sehr wesentlicher Fortschritt erzielt wurde.

3n den maßgebenden Kreisen der Reichshaupk- stadt wird erwarkek, daß er sich auch auf die schließliche Lösung des Abrüstungsproblems selbst auswirken wird.

Karl Heinrich Waggerl.

Blick auf einen jungen Dichter.

23cn Hanns Arens.

»Die eigentlich dichterischen Bücher in unserer Zeck werden immer seltener, und die von Waggerl gehören zu ihnen."

Hermann Hesse.

Wagrain heißt ein Dorf im Oberösterreich schen. Zwei Lahnstunüen weit von Salzburg entfernt. Steigt man aus dem Bummelzug im Dörfchen Sl. Johann aus, so muß man noch eine gute ha.be Stunde mit dem Autobus fahren, der uns nach Wagrain bringt. Abschieden von der lauten Welt (vor allem von der literarischen!), völlig gottverlassen liegt das Dorf inm.tten einer bezaubernd schönen Landschaft Hier lebt der Dichter Waggerl, von dem wir erzählen wollen.

Er ist kein Unbekannter mehr; sein Name wird feit zwei Jahren in der großen Literatur genannt und in Literaturgeschichten verzeichnet. Seit seiner frühesten Jugend lebt er in diesem Dorf. Erst der Krieg riß ihn hinaus in Grauen und Gefangen­schaft und seit 19J), zurückgekehrt aus der Hölle des Todes, lebt er wieder da, wo sein Geschlecht seit je zu Haus war. In nichts unterschied er sich von den übrigen Bewohnern des Dorfes; er war ein Mensch dort, ein Bauernsohn, wie viele andere. Bis zum Jahre 1930, da wird er ruckartig aus der Anonym.töt gerissen: er hat einen Roman geschrie­ben, der spontan von vielen Lesern und der großen Presse aufg:griffen wird.B rot" heißt das Buch, und der Warne des Dichters wird sogleich laut in die Welt gerufen. Die »Welt verfolgt ihn weiter, fragt und schnuppert nach dem Dichter und horcht ihn aus, wer er denn eigentlich ist. Jeder möchte gern teilhaben an derEntdeckung" dieses neuen Dich­ters, der Großes zu versprechen scheint. Hat aber die Literatur einmal ihr Falkenauge auf einen Dichter gerichtet, so läßt sie ihn nicht wieder aus der Sicht. So auch hier. Dieser Dichter, dieser Mensch Waggerl aus dem Dorf Wagrain im Pongauerland, entpuppt sich als ein Mann mit vielerlei Begabungen. Er ist, so stellt die eifrige Dame Literatur fest, nicht nur ein guter Dichter, sondern auch ein ebensoguter Photomann, wie eine Mappe mit rund hundert Aufnahmen dem erstaunten Betrachter zu erkennen gibt. Daneben macht er wundervolle Scherenschnitte (die in seinem jüngsten BüchleinDas Wiesenbuch" zu sehen sind). Weiter: er treibt Geschirr aus Metall, feine, neckische Dinge für Freunde und gute Bekannte. Mehr noch: er entwirft neuartige Möbel, Modelle, die sich Menschen, die sie zufällig sahen, abzeichnen, um sich danach dieses oder jenes Stück

anfertigen zu lassen. Er schnitzt, bindet Bücher von einer technischen Bollendung, daß man nicht zu un- tersche.den vermag, ob sie von einem Mcisterbinder stammen. Alle diese Künste treibt er, ohne je in dem einen ober andernFach" je Unterricht gehabt zu haben. Er kann es einfach. Aber für Waggerl sind es Liebhabereien, nicht dazu angetan, Geld daraus zu schlagen. Aber gerade darum behalten alle seine Künste jenen Glanz; alles ist einmal g und jedes Ding trägt den Stempel seines Wesens, wie seine Dichtungen, die RomaneBrot",Schweres Blut" undDas Wiesenbuch".

Ist er auch in erster Linie Dichter, so sei hier doch ausdrücklich auf seine Bilder hingewiesen. Die Licht­bildnerei beherrscht er mit der Souveränität des Gefühls eines Künstlers, bas ihn jederzeit vor der Gefahr des Banalen und Mittelmäßigen schützt. Sieht man seine Bilder: Porträts, Landschaften, Hände, Tiere, Blumen u. a. m., so fühlt man so­gleich: diese Aufnahmen stammen von einem Künst- ler, dem der Apparat nur Material ist, Werkzeug, ständiger Begleiter durch seinen Tag, immer zur Hand, wenn sein Gefühl mit präz.ser Sicherheit reagiert, sobald sein Auge eine Besonderheit wahr- nimmt. Er sieht mit dem Auge des Dichters, des geborenen Gestalters: auch bei seinen Bildern ist er der Epiker, der das ganze überschaut, um das We- sentliche zu formen und in Gestalt zu bringen.

Alle Eigenarten in seinen Romanen finden wir in seinen Bildern wieder. Ob es hier nun die Schilde­rung einer Landschaft ist, die Sichtbarmachung eines Charakters, wir finden in seiner Photomappe be­stimmt einige Blätter des gleichen Themas. Ver­gleiche ließen sich an Hand seiner Bücher sehr oft feststellen. Beide Künste werden von der gleichen Quelle gespeist; dabei ift der Vorgang bei beiden ein total unbewußter. Was der Dichter fühlt, sieht und letztlich gestaltet, muß der Photomann zu anderer Zeit mit der Kamera einfangen. Diese Bauern z. B. in seinen Romanen, herrliche, erdver- bunbene Typen: wir treffen sie alle wieder unter seinen Aufnahmen. Eines seiner schönsten Bilder, weil am charakteristischen für Waggerl als Dichter unö Mensch, ist das BildBrot". Hier gelang ihm ein vollendetes Lichtbild, das eine ganze Geschichte erzählt von Mühe, Arbeit und einem langen Leben der Pflicht und der Treue. Ein Thema ist hier ein­gefangen, groß und ergreifend; ein Thema um sinnbildlich zu machen, worum es Waggerl zu tun war, das Hamsun in seinemSegen der Erbe", Waggerl selber in seinem RomanBrot", Jean Giono, der Franzose, in seinerErnte" zu einer rauschenden, orgelhasten Symphonie Derbidjteten.

Wir sagten schon, bas Waggerl diese Lichtbildnerei immer nur als eine Spielerei, wenn auch sehr ernst­hafte, betrachtet, daß seine Hauptbegabung im Dich-

Oie Winiernothilfe -es Reiches.

Oer Beschluß des sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags.

Verl in, 10. Dez. (DU.) 3m Sozial­politischen Ausschuß des Reichstags gab bei den Beratungen über die Winter­hilfe ein Vertreter des Rcichsarbri.lsministe- riums die Erklärung ab, daß der sozialdemolra- tische Antrag auf Gewährung einer Winterhilfe eine Ausgabe von 400 bis 500 Millionen Mark, der eine kommunistische Antrag 700 Millionen und der andere kommunistische Antrag weitere 170 Millionen erfordern würden. Die Kosten, die der nationalsozialistische Hilfsantrag verur­sachen würde, liehen sich noch nicht über,ehen. da der Antrag Einzelheiten nicht enthalte. Der Re­gierungsvertreter wies darauf hin, daß

die Reichsregierung auch in diesem Winker dafür gesorgt habe, daß eine Hilfsaktion für die Erwerbslosen durchgeführt werde.

Die wirtschaftlichen Spitzenverbände a.ler Art hätten sich auf Anregung der Reichsregierung be­reit erklärt, auf ihre Unterverbände h.nzuwirien, daß diese sich möglichst mindestens im Umfang des Vorjahres durch Verbilligung von Lebens­und Dedarfsmitteln an dieser Hi.fsaltion betei­ligten. Die Reichsbahn habe eine Frachtvcrbilli- gung für Kohlen zugesagt. Die Kohlensynvikate und der Kohlenhandel würden die Kohlenpreise zugunsten der Hilfsaktion herabsetzen. 3n wel­chem Ausmaß sich die Reichsregierung selbst an der Hilfsaktion beteiligen werde, Werve noch in Fühlungnahme mit dem HaushaltsauLschuß fest­zusetzen sein. Schon jetzt habe das Reich den Län­dern und Füriorgeverbänden Mittel gegeben zur Verbilligung von Fleisch, dessen Preis um 2D Pf. je Pfund unter dem Normalpreis liege. Der Per­sonenkreis sei der gleiche wie im Vorjahre.

Die Regierung werde prüfen, welche weiteren Derbilligungsmahnahmen möglich feien.

Der Sozialpolitische Ausschuß faßte am Schlüsse der Aussprache e i n ft i m m i g einen sich aus dem nationalsozialistischen und öem sozial­demokratischen Antrag ergebenden Beschluß, der die Reichsregierung aufsordert, alsbald durch- greifende Maßnahmen zu treffen, durch die den großen Massen der notleidenden Tevök- kerung eine angemessene Weihnachts- und Win­terbeihilfe gewährt wird. Ter Personenkreis soll sich auf alle Arten von Empfängern öf­fentlicher. Unterstützungen, Kleinrent­ner, Kriegsbeschädigte usw. erstrecken. Don einer Substantiierung der Unterstützungsmittel wurde in dem Teschluß abgesehen.

Die Winterhilfe soll in unentgeltlicher Lieferung von Raturalien, Kleidungsstücken usw. je nach den örtlichen Verhältnissen bestehen. Sie darf aber nicht zu einer Verminderung der Geld- unterstühung führen.

Die Mittel für die Durchführung der Winter­hilfe stellt das Reich den Gemeinden und Ge- meindeverbänden zur Verfügung.

Annahme fand auch ein Zentrumsantrag, wo­nach diese Reichsmittel für andere Zwecke der Wohlfahrtspflege weder vom Reich verrechnet, noch von den Gemeinden verwendet werden dür­fen. Alleinstehende sollen vM der Winterhilfe nicht ausgenommen werden. Der Beschluß wird hinsichtlich seiner finanziellen Auswirkungen am Montag im Haushaltsausschuß des Reichstages überprüft werden.

Gegen die Stimmen der Kommunisten und Sozialdemokraten wurde dem Vorsitzen­den die Ermächtigung gegeben, den Zeitpunkt des Wrederzusammentritts des Sozialpoliti­schen Ausschusses zu hestimmen.

Das Ergebnis von Genf ist nur durch das Zu­sammenwirken aller Beteiligten möglich geworden. Neben den Bemühungen Macdonalds, Si­mons, der Vertreter Italiens und Arneri- k a s wird in deutschen Kreisen besonders anerkannt, daß auch Ministerpräsident Herriot Verständnis für das Recht und die Interessen Deutschlands ge­zeigt hat. Herriot ist den Weg der Verstän­digung, der von der ursprünglichen Negation zu dem bekannten konstruktiven Plan geführt hat, weitergegangen bis zur Zustimmung zu der jetzt gefundenen Formet. In deutschen Kre.sen kann man damit nur die Hofnung verbinden, daß die Eini­gung von Genf auch ganz allgemein auf die deutsch-französischen Beziehungen einen günstigen Einfluß ausüben wird.

Kunst und Wissenschaft.

Die Robelprelsverleilung in Stockholm.

3n Anwesenheit mehrerer Mitglieder d:s schtve- bischen Königshauses, darunter des schwedischen K^07lpri:7ze.chaaves, les Prinzen Gustav Adoft und der Prinz s,in Sybille von Sa ,sen°Koburg-Gvtha fand im Großen Saal des Stockholmer Konter- Hau^ s die feierliche Verteilung der Nobelpreise durch König Gustav statt.Rach- sdem die Nobelpreisträger ihre Plätze auf der blumengeschmückten Estrade e'ngenommen hatten, hielt der Präsident der Rodelstfitung, der frühere Ministerprüsit.ent Hamme^rskjöld, die Be­grüßungsansprache. Pros es, or Söderbio in würdigte die Verdienste des diesjährigen Robel- preiSträgers für Chemie Dr. Irving L a n g m u i r (Amerika), der darauf seinen Preis aus der Hand König Gustavs cntgegrnnahm. Profis,or 2 i lie­ft r a n b sprach über die verdienstvollen Forschun­gen der beiden ^Nobelpreisträger für Physiologie und Medizin, Professor Charles Sherring­ton (Oxford) und Professor Adrian (Cam­

bridge), wonach die beiden englischen Professoren ebenfalls ihre Preise in Empfang nahmen. Der schwedische Schriftsteller Anders Oe sterling sprach über das Werk des diesjährigen Literatur- Preisträgers John Galsworthy, der krank­heitshalber nicht nach Stockholm kommen konnte. Sein Preis wurde von dem hiesigen englischen Gesandten entgegengenommen. Der Huldi­gungsmarsch von Grieg schloß die eindrucksvolle Feier.

Goekhe-INcdaille für Ludwig filages.

Der Reichspräsident hat dem Sc^rifist.ller und Philosophen Dr. Ludwig K l a g e s aus Anlaß seines 6 0. Geburtstages in Anerkennung feiner Verdienste um die deutsche Wissenschaft die G o e-t h e- Medaille verliehen.

Rumänische Auszeichnung für deutsche Professoren.

Der könig.ich ru.nün.f ye Gesandte Commen grö zu Ehren des in Berlin anwesenden früheren Ministerpräsidenten Professor R i st o r e'.n Früh­stück, an dem u. a. verschiedene Vertreter der Derii"er Universität und Hochschulen teilnahmen. Bei tiefer Gelegenheit überreichte der Gesandte den Prozessoren Gamillscheg, Glinz und Babinger die neuerdings vom König ge­stiftete Auszeichnung für Verdienste u.n die Kul­tur. 3n seiner B eg ei trabe Betonte er die engen deutsch-rumänischen rultureste.r Beziehungen, deren Pflege er für ebenso wichtig erklärte wie die der wirtschaftlichen Beziehungen.

Ein weiteres Todesopfer der Premnitzer Explosionskatastrophe.

Das schwere Explosionsunglück in dem Premnitzer JG.-Farbenwerk bei Rachenow (W.st- Haoelland) hat nachträglich noch ein Todes­opfer gefordert. Der Werkarbeiterr Hinz ist seinen schweren Verletzungen erlegen.

terischm liegt. Immer treibt es ihn wieder, die Menschen seiner Heimat im dichterischen Wort einzu­fangen, immer wieder auch, ihre Landschaft neu zu sehen und darzustell^n. Das hat seinen tieferen Grund in der großen Liebe dieses Dichters zu feiner Erbe, die ihn trägt, zum andern mal darin, daß Waggerl feine Hei malmen schen so sehr gut kennt und eiebt. Er braucht nicht zu experimentieren, er braucht nicht zu erfinden; er lebt tagtäglich mit ihnen und weiß um ihre Natur, in Güte unb Liebe, in Zorn und Wut. Er ist von ihrem Blut. Immer trifft er darum auch das Typische, das Wcsensbe- stimmende. Er liebt feine Menschen, diese schwer- fäll gen Bauern, diese hitzigen unb leicht aufbrau­senden Holzknechte, diese Kinder des Landes, wie er die Landschaft liebt, in der er lebt, ja nur leben kann.

Lesen wir seine Romane, so ist es uns, als gingen mir mit dcm Dichter über Felder, Wiesen, in den Wald unb in die Berge. In seinen Büchern ist die Natur wahrhaftig unb groß, nicht Attrappe unb Kulisse, schemenhafte Gebilde einer literatenhaften Phantasie. Durch alle Jahreszeiten, durch alle Tage des Frühlings unb des Sommers gehn wir mit dem Dichter in diesen Büchern, hinein in den Herbst und Winter, der besonders schön st in seinen Bergen. Blume unb Tier jedes Wort des Dichters ver­rät dies ist ihm vertraut auf eine seltsame Weise; er kennt die Namen unb weiß um ihr heimliches, unsichtbares Leben unb Wachstum, wie nur einer sie kennen kann, ber in liebender Demut sich der Erbe verbunden fühlt.

Unb wenn die Bücher dieses Dichters die Leser so von Grund auf überzeugen, so nur deshalb, weil ein Mensch zu ihnen spricht, der, von keiner Ab­sicht getrieben, einfach nur erzählt, nur berichtet von Menschen in dem Ablauf ihres Daseins. Von Not unb Leib, von Freude und stillem Glück. Er will nichts weiter, dieser Waggerl, als von dem spre­chen, was alle Kreatur bewegt und treibt.

Zeitschriften.

Philosophie unb Lebe n", hg. von Prof. Aug. Keffer. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Vierteljährlich brei Hefte Mark 1,80, Einzelheft 0,75 Mark. Das Dezember-Heft bringt eine Betrach­tung über den Unterschied des Zeitgeistes von 1832 und 1932 von Frau Dr. Busse-Wilson, der Verfasserin des bedeutendsten Buches über oie heilige Elisabeth; ferner einen Aufsatz von Unioersitäts- professor U t i tz (Halle) über den Sinn des Lebens und vom Herausgeber über dieUngewißheit als Lebenselement". DieAussprache" behandelt vor­wiegend das Gottesproblem.

Bekenntnisse eines Tätowier-Künstlers.

Das Tätowieren, das heute in gewissen Kreisen mieber sehr in Mode ist, bedeutet eine eigenartige Verschönerung", deren Anbringung man sich aber redlichst überlegen sollte. Die bunte Zeichnung auf ber Haut ist nämlich sehr viel schneller angebracht als roieber entfernt, unb ba nun einmal ber Mensch neränberLd) ist unb die Zeiten sich mit ihm ändern, so können Umstände eintreten, die die Entfernung des Ornaments angebracht erscheinen lassen. Der berühmteste Tätowierungskünstfer Londons, Bur- chett, der in einer englischen Wochenschr.ft von den Erfahrungen während seiner langjährigen Tätigkeit plaudert, meint, daß die Entfernung einer Täto­wierung auch den erfahrenen Techniker manchmal vor eine unmögliche Ausgabe stellt. Oft kommen zu ihm Verbrecher unb wollen ein Kennzeichen ent­fernt haben, bas ber Polizei bekannt geworben .st, auf ihrem Steckbrief erscheint unb sie leicht verraten kann.Das ist meist über meine Kraft", schreibt er. Das einzige, was ich tun kann, ist, burch eine neue Zeichnung die alte so vollständig zu verdecken, baß man sie nicht mehr erkennt." Aber nicht minder un­angenehm als für den gesuchten Verbrecher die Tatsache, daß etwa in blauen BuchstabenCalais" auf seinem Rücken steht, ist es für einen jungen Mann, wenn erMabel" auf feiner Brust eintäto­wiert hat und die Königin seines Herzens beißt augenblicklich Gerti. Kürzlich kam ein junges Mäd- chen voller Aufregung zu ihm, enthüllte fchamooll ihre Schulter, auf der in purpurroten Buchstaben zu lesen stand:Ich liebe Fred". Sie gestand, daß sie Fred nicht mehr ausstehen könne, und wünschte, das Andenken an diese Verirrung ihres Geschmacks zu entfernen. Es bedurfte einer 14tägigen Behand­lung, um mit Hilfe elektrischer Nadeln und einer Geheim-Lösung dieses nunmehr veraltete Bekennt­nis einer einst feurigen Liebe auszulöschen. Häufig handelt der Tätowier-Künstler nach dem Wahl- spruch:Laßt Blumen sprechen", indem er näm'ich unerwünschte Worte und Zeichen unter einem schö­nen Efeuzweig oder unter einem Rosenkranz ver­birgt.Das seltsamste Anliegen, das an mich in meiner 35jährigen Erfahrung gerichtet wurde", be­kennt Burchett,tarn von einem Herrn, der sich in meinem Laden niederließ, seinen Oberkörper ent­blößte und von mir verlangte, ich solle sein Testa­ment auf seinen Rücken tätowieren. Da er über be­trächtliche Geldsummen zu verfügen hatte und eine ganze Anzahl von Personen bedachte, war die Sache nicht ganz einfach, und ich brauchte dazu zwei Sitzungen von je 2! Stunden. Weshalb er seinen letzten Willen ai^f diese Weise ausdrücken wollte, weiß ich nicht, aber vielleicht war es die Tatsache, daß die Tätowierung auch nach dem Tode unver­ändert bleibt"