Ausgabe 
12.12.1932 Erstes Blatt
 
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Aus Ser provinzialhauptstaSi

Aus aller Welt

3 ftortlefiung

Nachdruck oerboien

sprechen!'

(Fortsetzung folgt.)

Einflüsse zurückdämmen und durch hartes diszi­plinarisches Lurchgreifen den Gehorsam der Par- teimassen gegenüber der obersten Führung sichern.

DiePrawda" begründet die Reinigungsaktion mrt der politischen Lage auf dem flachen Land. Der Klassenkampf im Dorf habe neue Formen angenommen: gegenwärtig werde nicht erne Agitation für den Austritt aus den Kol­lektiven getrieben, sondern der Wider st and gegen die Landkollektivs, dieKolcho- fen", v^rde von innen heraus organisiert. D:e,e Sabotage werde insbesondere durch Leute

gelernt, ui

Augenblick an eng aneinander angeschlossen. Der lustige tatkräftige blonde Theobald hatte das Herz des verschlossenen August erobert: eine twfe Freundschaft blieb zwischen den jungen Menschen. . y

Telegraphenstation am Flusse Jenissei unterwegs waren. Man hat auch die Leiche von Tessen gefunden. DieMaud"-Expedition war 1918 von Amundsen von den nordsibirischen Inseln aus unternommen worden mit dem Ziel, mit dem Polarstrom über den Rordpol zu treiben. Aach drei Jahren muhte jedoch der Versuch aufgegeben werden. Die Strömung verlief anders, als man vorausgesetzt hatte.

Ztagif*»r Ausaana einer Schwarzfahrt.

Drei Tote, zwei Schw.'rverlehle.

Auf der Landstraße -perlebergzodtenberge hat pd) am Sonntag gegen 3 Uhr morgens ein folgen« Ichweres Autounglück ereignet. Auf einer Schwarzfahrt, die der Chauffeur Otto Cölln aus

Tas beste wäre es natürlich, das Gut an den Mann zu bringen versuchen. Aber ich hänge so sehr an meiner Heimat... Wenn ich sie nur be- halten konnte! Leichter wäre es natürlich, soviel <Sl2LJlId^ herauszuschlagen und fort* zugehen. Drüben, in Amerika, ein neues Leben anzufangen...

Gust! Alter Junge! Du darfst den Mut nicht sinken lassen. Wenn mein Vater nur nicht aar so hartherzig wäre!"

Japan fordert mehr Macht zur Gee

Reue japanische Vorschlüge zur §<ottena:rüstung.

Einmal hatte er den Vater gefragt; er war so barfd) zurückgewiesen worden, daß er keine zweite Frage mehr gewagt hatte.

In Mar^rra hatte er Theobald Fischer kennen- 'lernt, und die beiden hatten sich vom ersten MnrUlKXl #4 A-Vt ZV« Ä -__:___«V .. e T v .r Jrv

Der Iroooi oom MU

Vornan von Margarete Antelmann.

Copyright by Martin Zeuchtwanger, Halle (Saale)

Interview mit dem Weihnachtsmann.

Es ist die schwierige Aufgabe der Presse, das Pu« mckum mit den Ereignissen, die im Brennpunkt des allgemeinen Interesses stehen, so gut wie mög ich Mrtraut zu machen. Männer machen die Geschichte Manner machen die Ereignisse. (Oder auch Frauen.) Um den persönlichen Kontakt zwischen dem aktuellen Geschehen und dem Leser herzustellen, interviewt man am besten die Persönlichkeit, die hinter den Ereignissen steht.

Das ist mitunter recht schwierig. Prominente Leute sind selten zu sprechen. Trotzdem entschloß ich mich, den Mann zu interviewen, der gegenwärtig die l ^/herrscht, und das ist zweifelsohne der Weihnachtsmann.

. 3ch fand ihn nicht sogleich, denn ein tolles Durch, einander herrschte in diesen Wochen in seinem Reich. Kein Mensch, wollte sagen kein Weihnachtsengel hatte Zeit, mich anzumelden.Bitte gehen Sie nur links hinter diese Wolke, dort ist die Expedit on, da werden Sie ihn schon findendExpedition?" dachte ich. Donnenvetter. Womöglich fertigt mich noch der Sekrctar ab, dann ist es wie bei- uns.

Ein SchildWeihnachtsmann. Prioatbüro". Ich Nopse, trete ein.Beleihung, kann ich vielleicht den Weihnachtsherrn ...?Bitte, steht vor Ihnen!" Ich traue meinen Augen nicht. Dieser ältere Herr mit Dem glattrasierten Gesicht und dem dunkelgrauen Sakko soll der Weihnachtsmaiin sein?? Aber mein Gegenüber lächelt milde.Ich bin es wirklich", sagt er mit tiefer Stimme,nur habe ich mir erlaubt mich der Zeit etwas anzupassen. Es hat sich ja alles so geändert. Natürlich haben wir längst Maschinen- betrieb hier, laufendes Band, Betriebsorganisation.

Amerika erklärt: undiskutabel

Washington, 11. Dez. (TU.) Das ameri­kanische Staatsdepartement £>.traj)tet die neuen japanischen Flottenab­rüstungsvorschläge nicht nur als völlig unannehmbar, sondern man will sich in Washington nicht einmal auf ihre Er­örterung einlassen, so daß sie dem Ma- rinedepartement überhaupt nicht zur Prüfung vorgelegt werden. Eine amtliche Stellungnahme der 'Vereinigten Staaten dazu wird wahrscheinlich nicht erfolgen. In amerikanischen Fachkreisen er­blickt man in den Vorschlägen die tatsächliche Gleich st ellung der japanischen Flotte mit den amerikanischen Seestreitlräften.

Gin Antrag auf Abschaffung der Linienschiffe in USA

Washington, 11. Dez. (WTV. Reuter.) Das demokra.-fche Mitglied des Repräsentanten­hauses, Mc. Clintic, hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der Vorsicht, daß sämtliche 1 5 Linienschiffe der Vereinigten Staa­ten außer Dienst gestellt werden sollen. Mc. Clintic ist ein eifriger Befürworter der An­schaffung schnellfahrender Flugzeug, mutter-Kreuzer. Er behauptet, daß die Linienschiffe zu langsam fahren, schwer zu ma­növrieren seien und daher den ar greifenden feind­lichen Flugzeugen ein gar zu leichtes Ziel böten. Der Vorchende des Marineausschu,! >s des Re­präsentantenhauses sagte eine eingehende Prü- fung des Gesetzentwurfs zu. Der Leiter der Ma­rineluftstreitkräfte, Admiral M off et, weist in seinem Bericht an das Marinestaatssekretariat auf die Notwendigkeit hin, möglichst bald die in dem Londoner Flottenabkommen den Vereinigten Staaten zugestandenen elf Flugzeugmutterschiffe zu bauen.

@enf, 10. Dez. (TU.) Die japanische R e« gierung hat am Samstag durch das General­sekretariat des Völkerbundes der Abrüstungs­konferenz ihre Flottenoorschläge über­mittelt. Die japanische Regierung verlangt, daß der endgültigen Regelung der Flottenabrüstung Verhandlungen zwischen den großen Flotlen- machten England, Frankreich, Italien, Japan und den Vereinigten Staaten vorauegehen und daß ein allgemeines Abkommen über die Größe der Schiffe und der Geschützkaliber, über die Ver­minderung der Zahl der Großkampfschiffe, der Flugzeugmutterschiffe und der großen Kreuzer zwi­schen den fünf Großmächten abgeschlossen wird. In einem Sonderabkommen soilen die technischen Ein­zelheiten der Flottenabrüstung geregelt werden.

Aach den neuen japanischen Flottenvorschlägen verschiebt sich das Machtverhältnis zwischen der englischen, amerikanischen und japanischen Flotte gegenüber dem in Washington festgesetz­ten Verhältnis von 5:5:3 nunmehr auf 6:6:5.

Die besondere Bedeutung der japanischen Dor- Alage liegt in der von ihnen empfohlenen neuen Derhandlungsmethode. Japan hält es für u n zweckmäßig, im Rahmen der Abrüstungs­konferenz eine Gefamtlösung anzustreben, die unter Beteiligung aller Mächte ohne Rücksicht auf ihre^Bedeutung und Interessen ausgearbcitet wurde. Statt dessen sollen zwischen den Haupt­seemächten Vorbesprechungen über ein soge­nanntes allgemeines Abkommen stattfinden, das die bereits skizzierten Bestimmungen zu enthalten hätte. Dieses allgemeine Abkommen soll durch regionale Abkommen ergänzt werden. Zu diesem Zweck sollen die Seemächte in vier geographische Gruppen eingeteilt werden, in eine pazifische, atlantische, eine europäische und eine sudamerikanische Gruppe, wobei ein mit meh­reren Gruppen eng verbundenes Land an den Ver­handlungen aller in Betracht kommenden Gruppen teilnehmen soll.

betrieben, die an wichtigen Stellen als Buch» fichrer, Magazinverwalter und Hilfsinspektoren ständen. DiePrawda" nennt diese Saboteure vielgewandte, mit guter Schulung ausgerüstete Kula.en", Vertreter der rechtsoppcs.t onellen Strömungen. Die vorgeschriebene Getreideablie­ferung an die Staatsorgane sei mancherorts von Leuten sabotiert worden, dieein Parteibuch in der Tasche führten". Ein solcher Feind sei gefähr­licher als ein offener Gegenrevolutionär und müsse mit der ganzen Strenge der revolutionären Gesetze bestraft werden.

Hamburg mit dem Maybach-,^jeppelin"°Wagen HH 1112 des Margarinevertreters Hinrich Voß aus Hamburg unternommen hatte, verlor Cölln in der Kurve beimWaldhaus" die Gewalt über den Wagen. Der Wagen fuhr mit großer Geschwindig­keit gegen einen Baurn und wurde vollkom­men zertrümmert. Die Insassen wurden herausge- schleudert. Drei von ihnen, ein Kellner und zwei junge Perlebergerinnen, wurden getötet. Der Chauffeur und ein anderer Mitfahrer wurden in schwerveletztem Zustande nach dem Wittenberger Krankenhaus gebracht.

Autounglück bei Cochem. Ein Toter, drei Verletzte.

Ein Auto mit 15 Nationalsozialisten, die zu einer Koblenzer Versammlung wollten, stieß etwa 10 Kilo- meter hinter Coch.m an der Mosel gegen den Pfei­ler einer Eisenbahnunterführung. Der 50 Jahre alte Nat.onalsozialist Zetter aus Nennig an der Obermosel, Vater von 10 Kindern, war sofort tot; ein Insasse wurde schwer zwei wurden leicht ver­letzt. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht fest- gestellt.

Drei Mörder zum Tode verurteilt.

Dor dem Torgauer Schwurgericht wurden der 21iährigs Schmiedegeselle Willi Bernth und der 2chahr:ge Fabrikarbeiter P i e tz s ch k e wegen Mor­des z u m T o b e und dauernden Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte, ferner die 55jährige Witwe Emma Thieme wegen Anstiftung zum Morde ebenfalls zum Tode und zum dauernden Ver­lust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Die Witwe Thieme, die in Seegrehna (Kreis Torgau) wohnt, ist Mutter von fünf Kindern. Diese waren verwildert und verkommen. Der 29jährige Sohn Otto führte zusammen mit Bernth und Pietzschke zahl^icht Diebstähle aus. Da es in der Fami- Iie öfters zu Streitigkeiten kam und besonders zwi­schen der Mutter und dem Otto Thieme ein äußerst gespanntes Verhältnis bestand, hatte die Mutter sich wiederholt dahin geäußert, ihr Sohn Otto müsse um die Ecke gebracht werden: nach ihm krähe nachher kein Hahn mehr." Sie versprach dem

»Laß deinen Vater in Ruhe, Theo! Sr hat wirklich ganz recht. Und es wäre besser gewesen, mein Vater hätte es so gemacht wie der deine, aeweten svr OTmMrÄ* k;h» I Dann stünde ich heute nicht so da. Wenn er mich a xtdror » 'S-!? Ängstens hätte Landwirtschaft studieren lassem Unb "> Lugust Aber ba8 wollte er absolut Nicht b^ew Ich leben, im, ,r nut ott.bern f.,«3 Krmte mir immer einen OkrtoaUer toftei er ?>err Dottor. ein Herr wünscht Sie L sich auch nicht mit dem ÄrirnskrarnS ubze-

Schmiedegesellen Bernth und dem Fabrikarbeiter Pietzschke Geld für die Ermordung ihres Sohnes. Beide erklärten sich aus Furcht vor der Auf­deckung der gemeinschaftlich begangenen Diebstähle zu dem Verbrechen bereit. Am 8. Juni d. I. war vor der Strafkammer in Torgau ein Gerichtstermm angesetzt. Otto Thieme hatte gedroht, alle Diebstähle vor Gericht aufzudecken: um dies zu verhindeln, wurde er von den beiden Komplizen kurz vor dem Gerichtstermin aus dem Hinterhalt erschossen.

Raubüberfall auf einen Berliner Arzt.

Rach Meldungen Berliner Blätter wurde der Berliner Arzt Dr. Leo Hirsch von Verbrechern durch Telephonanruf zu einer angeblich verun­glückten Frau in eine Laubenkolonie in Lichten- Berg hinausgelockt, dort auf eimamem Gelände überfallen und schwerverletzt. Die Ban­diten, die es auf den Raub seines Autos ab­gesehen hatten, wurden im letzten Augenblick durch Laubenkolonisten verscheucht und entkamen in der Dunkelheit. Die Kriminalpolizei konnte kurz darauf zwei der mutmaßlichen Täter fest­nehmen und ins Polizeigefängnis einliefern. Der Hebetfallene, der eine schwere Gehirnerschüt­terung, klaffende Kopfwunden und eine bedenk- I:d)e Verletzung an einem Auge davon getragen pat, wurde zunächst ins Kran.enhaus gebracht, konnte aber von da in seine Wohnung r bergesührt werden. Er wird mehrere Wochen das Bett hüten muifen.

* Dor den Augen der Muller tödlich überfahren.

Die zehnjährige Schülerin Elli Landler in Wiesbaden, die mit Zeitungsaustragen beschäftigt toar, wurde baä Opfer eines Derkehrsunfalls. Das Kind, das zu seiner Mutter auf die andere Straßenseite wollte, wurde von der Mutter auf c<JJ'ina&n.ite$ Personenauto aufmerksam g?» maQt. Dabei übersah es ein von der anderen Richtung kommendes Lastauto. Beim Lieberschrei­ten der Straße wurde das Mädchen von dem Lastauto überfahren und so schwer verletzt daß es alsbald verschied.

Ich werde Ihnen alles zeigen lassen. Der Propa- gandachcs der Weihmag wird Sie führen." , We h- mtr®rrr^?untc *$ "Gewiß, Weihnachtsmann-Aiktien- gefellschaft. Neue Zeiten verlangen neue Formen. In mir wollen Sie den Generaldirektor erblicken. In, mein Herr", seufzte er, wollte sich den Bart streichen, stutzte dann trübe,die a.te gemütliche Handarbeit hat aufgebört. Unsere Werkstätten ar­beiten maschinell und stehen unter der Leitung von Diplomingenieuren? Sehen Sie, wir müssen doch ganz andere Dinge Herstellen als früher. Das Kind oon heute möchte statt der Ritterburg eine Tank­stelle, anstatt der Zinnsoldaten einen Tank mit Schnellfeuergeschütz. Die Automobilproduktipn der Weihmag stellt die oon Ford oder Opel weit in den Schatten. Wir liefern Rennwagen und Omnibusse, Limusinen und Lieferwagen mit elektrischem Licht und allen Schikanen. Ebenso sind Flugzeuge und Schienenzeppeline sehr gefragt, alles, was mit Mo­toren, Elektrizität und Technik zusammenhängt, ist die gangbarste Ware. Die Kinder dieses Jahrzehnts sind doch alle die reinsten Ingenieure. Darauf muß ich Rücksicht nehmen. In unserer Versuchsabteilung wird an einer Puppe gearbeitet, die tanzt, chauffiert, boxt und Steuererklärungen aufsetzen kann. Dort experimentiert man auch an einem Puppenhaus mit Stahlmöbeln, Radio, Dampfheizung, Garage und Hypotheken bis zum Schornstein. Das wird dann der zeitgemäße C ou der nächsten Saison Aber jetzt entschuldigen Sie mich wohl. Da kommt auch schon der Propagandachef. Fröhliche Weihnachten!"

Doch ich verzichte dankend auf die Führung. Von technischen Dingen verstehe ich sowieso nicht viel, ich frage da lieber meinen Jüngsten. Aber der moderne Weihnachtsmann war mir direkt ein Erlebnis. Und

Ein Schreiben des Dorfpfarrers hatte ihn aus teiner Llnwissenheit gerissen, ihn plötzlich nach Lobbau gerufen.

Jetzt ging er erregt im Arbeitszimmer feines Vaters hin und her. Er hatte dem alten Freund seiner Jugend zuerst nicht glauben wollen, und er mußte jetzt sehen, daß es viel, viel schlimmer war, als ihm der Pfarrer geschrieben hatte.

Gerade war der Hauptgläubiger fortgegangen. August Richter konnte froh fein, daß es ein an­ständiger Mensch war. der ihm Zeit lassen wollte und der nicht darauf drang, daß Löbbau ihm über den Kops weg versteigert wurde.

Was sollte nun werden?

Ob sich seine leise Hoffnung erfüllte? Ob Teu- tobert Fischer, der Vater seines besten Freundes, helfen würde? Er hatte dem alten Herrn haar­klein ferne Verhältnisse geschildert: er wollte mit offenen Karten spielen.

Vier Tage waren inzwischen vergangen: er hatte noch nichts von Theobald gehört

Mit gerunzelten Brauen stand August Richter am Fenster und starrte vor sich hin. Roch war alles kahl und leer dort draußen. Aber bald wurde es Frühling, und der große Zauberer wurde einziehen und mit ihm neues Leben und Blühen.

Mein Gott, wie schön war es früher hier ge­wesen damals, als seine Mutter noch lebte als buntes Leben das Haus und den Park er- fullte. Man hatte sehr gesellig gelebt auf Schloß Löbbau. Aus der Rachoarschaft und aus der nahen Kreisstadt waren die Gäste gekommen.

Große Jagden, üppige Mahle, bezaubernde Feste waren veranstaltet worden.

Rächte hindurch hatte das Schloß gestrahlt im Glanz unzähliger Lichter.

Bis dos alles mit einem Male ausgehört hatte, als seine Mutter plötzlich gestorben war. August war damals fünfzehn Jahre alt gewesen, hatte als Gymnasiast die Schule in der Stadt besucht.

Am Sonntag war er noch zu Hause gewesen hatte sich über die schöne, strahlende Mutter ^freut. Drei Tage später war sie tot; eine Kopfgrippe hatte sie Plötzlich weggerafft.

Von da an hatte die Geselligkeit auf Löbbau aufgebört. Die Freunde blieben aus, Amtsrat Richter zog sich zurück. Gr war wortkarg ge­worden.

Traurige Spuren

oon Amundsens ,Maud"-Cxpedition gefunden.

Ein Funtspruch vom Kap Scheljus.in in Rord- fibinen von der bei Maudharn überwinternden russischen Expedition meldet, daß man Amund- sens Hütte von derMaud"-Expedition ge­funden hat. Die Hütte ist 16 Quadratmeter groß aus Stein gebaut, mit einem Holzdach und Segel­tuch darüber gedeckt. Ferner hat man ein Tage­buch gefunden, das von April bis Juni 1919 reicht und von einem der Expeditionsteilnehmer Tessen geführt wurde. Außerdem hat man noch ein norwegisches Fangboot und Konserven I gefunden. Tessen ist zusammen mit K n u t f e n auf der Expedition umgekommen, als sie nach der I

Schon als Amtsrat Richter gestorben war 2 Hatte es um Löbbau nicht gut ausgesehen. August Richter hatte sich kaum darum gekümmert: er toar wenige Tage nach der Beerdigung seines Vaters wieder zurückgefahren nach Heidelberg. So viel wie er brauchte, würde das Gut schon uach abwerfen; alles übrige war ihm gleichgültig.

Er wußte damals noch nicht, daß ihm kaum mehr ein Stein seines väterlichen Besitzes ge­hörte daß das Schloßgut mit Hypotheken und Schuldverschreibungen überlastet war.

Er ist und bleibt ein Dickschädel, mein alter Herr. 3ch hab' ihn so gebeten es war alles umsonst. Dabei hat er Geld genug, und es wäre ihm leicht, dir zu helfen. Lind dann wäre alles in Ordnung."

.»Du irrst. Theo! Dein Vater ist sehr t>er- orum.ft a>:... x ax , I uünftig, wenn er fein Geld nicht kn Löbbau hin- cSS®S4. L SS Ä er schtießUch^Aer^^ ir9enö ettoad mu&te die ginge so mit draus. Unter dreihunderttausend Vater de^ immer mit seinem recht? Vielleicht, daß er doch mehr versteht als

^teb^er ge^r^xftoar men' -ch Aber sag mal. Gust, dein Vater scheint sehr

in Vws 2e5CLan ^rbei-iehen. nützt nichts, ihnen Vorwürfe zu machen. Damit Bobbau nicht mehr so gut ging wird auch Nichts an den traurigen Tatsachen

CrrLUH Er erst nach dem Tode des geändert. Es handelt sich nur darum, ob und wie Vaters Damals schon wußte er, daß seine Eltern «b aus dem Unglück herauskommen kann, weit über ihre Verhältnisse gelebt hatten. Aber 1 wie schlecht es wirklich

o^.^obbau bestellt war; niemand hatte ihm die 0evlf.net zu einer Zeit, wo er vielleicht Möglichkeit gehabt hatte, einigermaßen Ordnung in die Zustande zu bringen.

"lt sah er klar. Jetzt erst laS er die Aufzeichnungen, erfuhr er, wie mf$toenberif<b und unklug seine Eltern gelebt H^ten. Aus Tagebuchblättern seines Vaters er- bah hauptsächlich feine Mutter an diesem Leben schuld und daß der Vater zu schwach ge- ^EN war. der vergötterten Frau einen Wunsch abzuschlagen. Dann, als die Mutter tot toar toar es zu spät r-r-- -

seinen Gang geh........

ter, mußte jetzt sehen, wie er mit alledem fertig wurde. y

>uäd& immer weiter | Der Anmeldung des Mädchens folgte der De-

junidging mit Lobbau. Wenn er m den Ferien I such auf dem Fuße

nach Haufe kam, sah er wohl, daß eines derGust..."

kostbaren Zimmer nach dem anderen verschwun- ITheo, du?"

- tt>ar" August Richter toar aufgesprungen und um­

armte staunend den Freund.

Jawohl, mein Junge, ich selbst in eigener Person. Hoffentlich freust du dich, Gust, daß ich da bin?"

Die Vorderfront des Schlosses sah auf einen immdenwll gepflegten Rasen, durch den sich ein schnurgerader Weg bis zu dem großen Portal ^nzvg. Eine altersgraue, dicke Mauer umgab Schloß und Rittergut, die beide durch eine mäch- k^-^ostanienallee miteinander verbunden waren orüber wurde jeder Mensch gesiebt, der das große Tor der Schlohmauer passierte; kein Frem­der hatte es wagen dürfen, die Kastanienallee unerlaubt zu durchschreiten. Selbst noch zu Leb­zeiten des vor zwei Jahren verstorbenen Amts­rats Richter war es dem Gutspersonal streng verbog, den Herrschaftsweg durch die Allee und den Park zu benutzen.

Jetzt hatte sich daS gründlich geändert. Land­arbeiter. Knechte und Mägde schlüpften durch das Portal, um sich den Weg abzukürzen; Bauern­frauen wanderten breit und behäbig daher, um sich ihre Milch zu holen. Tagelöhner karrten ihre Schubwagen über den breiten Platz vor dem Schloß, und sie blieben mitten auf dem Kiesweg stehen, um sich auszuruhen.

Rtemand kümmerte sich um diese Vorgänge Der gegenwärtige Besitzer des Schlohgutes, der lunge Doktor August Richter, war ja nicht hier; er ging in Heidelberg feinen Studien nach und kümmerte sich nicht um feinen Besitz. Er überließ alles seinem Verwalter und ließ ihn schalten und walten, ohne danach zu fragen, ob der in feine eigene Tasche wirtschaftete und Löbbau immer weiter herunter brachte.

Es war August Richter ziemlich gleichgültig, tme es auf Löbbau ausschaute. Die Hauptsache w^r, bah es so viel Geld abwarf, daß er sein fröhliches Heidelberger Leben ungestört fortfetzen konnte.

Es herrschten böse Zustände auf Löbbau. seit- bem der alte Amtsrat tot toar. Der Verwalter toar früher schon nicht ganz ehrlich gewesen; jetzt handelte er nur noch zu seinem Vorteil, und es war ihm gleichgültig, ob. das Gut vollends in die Binsen ging.

Lind seine Frau unterstützte ihn nach Möglich- Jw beschnitt die ohnehin niedrigen Löhne der Arbeiter, wo es irgend ging, um das Geld |ur sich auf die Seite zu bringen. Sie schraubte me Preise für Eier. Butter und die anderen Erzeugnisse in die Höhe, wobei der Verdienst natürlich in ihre Tasche ging.

Alles, ging drunter und drüber auf dem Schloh- gut. She Arbeiter und Tagelöhner wechselten ständig; ferner hielt es lange dort aus.

Ob ich mich freue, Theo! Wenn ich auch sonst keinen Grund habe, mich zu freuen.

»Steht es denn so schlimm, Junge?"

Ganz schlimm steht es, Theo. Ich lebe auf einem Grund und Boden, von dem mir so gut ßbbbiTmtebt $^°£d)8 b^rl^W^" I ^l! UniTtoa« das Schlimmste ist

>u herrliche Wochen, die - ich komme mit leeren Händen!"

^--Erungen der beiden FreundeDas wußte ich schon, Theo. Ich habe es toirf- b°rte. ernste Amtsrat hatte lich nicht anders erwartet." den wilden, draufgängerischen Jungen gern ge­habt und über seine luftigen Streiche gelächelt.

Freundschaft-zwischen August Richter und T^ovald Fischer toar geblieben, auch bann, als Lchwbald in feine Vaterstadt zurückkehrte, um ?n die väterliche Fabrik einzutteten, und August in Heidelberg studierte.