Ausgabe 
12.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus aller Welt

heilen: wacker, wacker. Vom alten

hth.

unter dem Verlegen- Ensemble

V o l cf selber machte den Professor Pantoffel in tausend Nöten und

führung verdient.

5hn Hause herrschte eitel Fröhlichkeit.

Die berühmte Rolle des Emanuel ©triefe. mH welcher der große Vassermann aus Vastspielreisen feinen Zuschauern'nicht nur Lachtränen entlockt haben soll, wurde hier zuletzt, woran sich manche

tem Humor die Friederike, Fräulein Verger die schrecklich aufgeregte Marianne, Fräulein W i e l a n d e r den Backfisch Paula. Gert Gei­ger hailte mit dem bewußten Durchreisenden aus Derlin e'nen Hei terkeitSei folg; auch die Her­ren Hamel, Paul W r e d e und Vieren machten sich, jeder an seinem Platz, um die Auf-

noch erinnern werden, von Herrn Goll gegeben. Gestern war es Herr Hub, der schon zum zweitenmal in dieser Spielzeit einen Theater-- direltor zmn Vesten gibt und begrAflicherweise die Routine weg hat. Da er aus;crdem nicht nur über die Mundart der Sachsenhäuser und Darm­städter, sondern auch über den eigentümlichen Tonfall der Leipziger gebietet, und da er sich mit hingebendem Pathos in die wanderlomödian- t fche Suada des begeisterten ©triefe vertieft holte, war fein Erfolg unbestritten.

kleinen Mädchen In den Settlements und ist diesem Beruf bis heute treu geblieben.

Mit zwanzig Jahren heiratete sie Franklin D e l a n o Roosevelt, den sie in treuer Käme- radschaftlichkeit durch alle Stadien seiner Laufbahn begleitet hat. Vier Sühne und eine Tochter hat sie ihm geboren, und sie ist nebenbei Lehrerin und Geschäftsfrau. Sie unterrichtet in englischer Lite­ratur und amerikanischer Geschichte und bespricht mit ihren Schülerinnen die Tagesereignisse, wie das jetzt in allen modernen amerikanischen Schulen ge­pflegt wird. Es kommt ihr nicht nur darauf an, ihre Mädels zu bilden, sie will auch ihren Charakter auf­bauen.

Als Geschäftsfrau ist sie Mitbesitzerin einer be- kannten Kunstmöbelhandlung in Bal Kill und gleich zeitig eine ihrer Leiterinnen. Sie verfolgt mit Energie und Stolz die Aufgabe, das alte Handwerk nicht aussterben zu lassen. Man sieht, das; Mrs Roosevelt eine überaus selbständige und aktive Frau ist. Ueberall ist sie dabei, wo man ihre Hilfe braucht, und immer strahlt sie von Mut und guter Laune. Ihrem Gatten hat sie geholfen, seine schwere Krankheit zu überwinden, und sie ist nicht unbetei­ligt daran, daß er die Wahlcampagne so erfolgreich zu Ende geführt hat. I- K.

Zeitschriften.

Philosophie und Leben", hg. von Prof. Aug. Messer. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Viertels. 3 Hefte 1,80 Mk., Einzelheit 0,75 Mk. Die naturalistische und die idealistische Auffassung der Liebe kommen Im Vovember-Heft zum Ausdruck: die erste in einem Aufsatz des bekannten Generalarztes Dr. Buttersack, Göttin­gen, die letzte In einer Skizze aus dem Nachlaß von Paula Messer-Platz. Auch der Herausgeber behandelt diesen Streit Uber das Wesen der Liebe.

Lochfchulnachrichten.

Der Frankfurter Romanist, a. o. Professor Dr. Hellmuth P e t r j c o n i wurde zum ordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät der Um- oerfität Greifswald ernannt.

Professor Dr. Josef S ch ü l l e r an der Universität Köln hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Pharma­kologie In Heidelberg als Nachfolger Heubners abgelehnt.

Der Professor der Urgeschichte an der llnt* versität Madrid, Dr. Hugo Obermai er, hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Vorgeschichte an der Universität Derlin als Nachfolger deS verstorbenen Professors Max Ebert abgelehnt.

Herriots spanische Reise.

Enttäuschungen in Madrid. Spanien will Frieden und Neutralität.

Don unserem O-Berichterstatter.

Gießener GteMheater.

Franz und Pa' l von Schöntl an:

Der Ra b der Sab nennnen".

Das Stück der Herren von Schön than wir haben es hier im Sabre 1923 zuletzt gehabt erfreut sich bereits eines ehrwürdigen Alters und genießt unter den Werken seiner Gattung ein gewisses klassrsches Renomme insofern, als die Hauptrolle des Schmierenbireltors Emanuel ©triefe zu den Glanzleistungen des großen Basser- niann gehört: ähnlich ging es mit der»Familie Schimek", die durch Pallenberg als Johann Ne­pomuk Zavadil zu unvergleichlicher Popularität gelangt ist.

Bei den Schbnthans erregt es fast Bewun­derung, wenn man sieht, mit welcher Unerschöpf­lichkeit sie die hinlänglich Mannte Geschichte eines Oberlehrer-Nömerdramas ausacsch'ach'et haoen und über vier immerhin ansehnliche Alte eine solche Fülle von Verwirrung, Verwechslung und Schwanlsiiuationen ergossen haben, daß das Pu­blikum sozusagen von einer Pointe zur andern gejagt uni) von einer Ueberraschung In die nächste gestürzt wird. Und keine dieser Pointen hat, wie man befriedigt feststellen darf, im Laufe der Jahre an Eifckt verloren: das Striesesckfe Thea­terfamilienidyll. die traute professorale Häuslich­keit, die böse Schwiegermutter, die eifersüchtige Gattin, das im engsten Kreise herumge pumpte Geld, der wilde Veisende aus Berlin, der aus- gestopste Vogel auf dem Schreibtisch und der le­bendige Papagei auf dem Oleanderbaum es war alles da und von durchschlagender Wirkung wie am ersten Tag.

Die Spielleitung batte Herr Volck, trefflich unterstützt von Bühnenbildner Löffler, vom Beleuchter Keim und vom Garderobier Huber (es gab nebenbei eine witzige Modenschau von anno dazumal zu bestaunen). Dolck kennt die Sache, er weiß, worauf es hier ankommt, er kniete Jtd) richtig hinein und zögerte n'.cht, die schwanthaften Trümpfe der Herren Schönthan mit Nachdruck auf den T'.sch des Hauses zu knallen: besonders im dritten Akt, wo sich die beiden Autoren selbst übertroffen haben.

aus Derlin einen interessanten Einblick in den Betrieb der Titel- und Ordensvermittler. Sch. erklärte u. a., seine Fabrik für Doktoren honoris causa" habe während der Infla­tion außerordentlich gut floriert. Später habe er sich aus der Fabrik zurückgezogen und nur noch gelegentlich für Bekannte Titel oder Orden ver- m'.ttvlt. Besonders begehrt fei das Eiserne Kreuz om weih-schwarzen Bande gewesen. 3n seinem Institut seien alle Fakultäten, mit Ausnahme der theologischen, vertreten gewesen. Für eine Doltorarbeit fei ein Preis von 500 Mark be­rechnet worden.

Zwei Todesopfer eines Autounglücks.

Dieser Tage fuhr bei Greiz ein mit schweren Maschinen beladener Lastkraftwagen aus Leipzig infolge Versagens der Bremsen mit voller Wucht gegen das GasthausS'.lberloch".. Im gleichen Augenblick erfolgte eine Explosion, die den Lastkraftwagen in Brand setzte. Die Flammen griffen auch auf das Gebäude und einen Privat­kraftwagen über. Der Führer des Lastwagens, Ernst Steller aus Leipzig, verbrannte. Der zufällig mitfahrende Georg Schmidt aus Leip­zig trug so schwere Brandwunden davon, daß er einige Stunden später starb. Der Brand des Gasthauses konnte bald gelöscht werden. Der Last­kraftwagen und der Personenkraftwagen wurden völlig vernichtet.

Zwei Dampfer auf dem SL Lorenzslrom zufammengestoßen.

Der Eunard-DampforAlaunia", der sich mit 250 Fahrgästen an Bord auf dem Wege nach Eng­land befand, stieß, einem Funkspruch aus Montreal zufolge, am Freitagabend In dichtem Rebel Im St. Lorenzstrom, 20 Meilen unterhalb von Quebec, mit dem der Canadian Pacific Line gehörenden DampferDuchess of Richmond zusammen. Die Alaunia" erlitt geringfügigen Schaden und ist auf dem Wege nach Quebec ins Trockendock. Die ..Duchess of Richmond, ein 1928 erbauter Damp­fer von 20 000 Tonnen, blieb unbeschädigt. Die

Krieg um hie Vorherrschaft Im Mittelmeer zwi­schen Frankreich und Italien ausgetragen werden wird. Der italienischen Bundesgenofienschaft ist man mit Primos Sturze glücklich entgangen, sollte man setzt Frankreich zu gestehen, in einem italienisch-französischen Krieg die französischen Ko­lonialtruppen durch Spanien zu leiten, um sie den italienischen Ubooten zu entziehen? Um nicht mehr und nicht weniger ging es tatsächlich bei diesem Besuch des großenAbrüstungsfanatikers" Herrwt: Spanien sollte das Durchmarschrecht ge­währen!

Aber in Spanien kennt man aus dem gemein­samen Marokkofeldzug her französische Versprechun­gen auf eine gemeinsame Kriegshilfe. Man verfolgt mit wachen Augen die italienischen Luftrüstungen, man will den Frieden und man sieht in der stritten Neutralität den einzigen Schutz für die spanische Zukunft. Der erste halte Guß für Herriot bedeutete dann auch, noch vor Antritt seiner Reise, die Rede des spanischen Ministerpräsidenten in Santander, in der er den Ausbau einer u n - abhängigen und ft arten Wehrmacht forderte, um die Neutralität nach allen Seiten hin aufrechterhalten zu können. So gewannen die Straßenkundgebungen ihren tiefen Sinn. Auf ein­mal glaubte das einfache spanische Volk die Hetz­märchen über deutsche Geheimrüstungen nicht mehr, es wußte zu genau, was es mit der französischen Wehrmacht, mit dem französischen Militärstaat auf sich fjatb und man pfiff Herriot ganz einfach aus.

Herriot und sein Botschafter Herbette wurden durch diesen Umschwung in der Volksstimmung un-

Madrid, November 1932,

Es gibt noch Ueberraschungen in Spanien! Vier Wochen lang hatte die franzosenfreundliche Presse, im Einklang mit der spanischen Linkspresse, Stirn- mung für Öen Besuchdes französischen Ministerpräsidenten Herriot gemacht. Wie auf ein Stichwort hin fiel diese Presse, der man unter Primo de Rivera nicht nur ideelle, son­dern noch mehr materielle Beziehungen zu Frankreich vorwarf, über Deutschland her und bezich­tigte es der Kriegshetze und eines angeblich wieder­erstandenenalldeutschen" Jmperalismus. General Maginot hatte den französischen Staatsbesuch stimmungsmäßig gut vorbereitet, In Paris baute man übrigens auf den Dank der durch die Revo­lution zur Herrschaft gelangten Kreise, die jahre­lang das französische Exil genossen hatten.

Und nun ist alles anders gekommen. Her­riot ist ausgepfiffen worden, wie noch nie­mals ein Staatsmann in Spanien. Während feiner Rede drang von der Straße her der Ruf der de­monstrierenden Studenten in die eleganten Räume der französischen Botschaft, wo Botschafter Her­bette einen feierlichen Presseempfang vorbereitet hatte:Nieder mit dem Jmperalismus!" undEs lebe d i e Neutralität!" Die wenigen Rechtszeitungen, die etwas im Verborgenen blühen, hatten auf einmal wieder Leser, als sie die Hin­tergründe des französischen Besuches enthüll­ten und die Anhänger der Monarchie, deren es mehr gibt, als man nach dem kampflosen Abtreten Alfons XIII. und dem kläglichen Scheitern des Sanjurjo-Putsches vermuten sollte, trugen ihre grüne Krawatte noch einmal so stolz. Nebenbei: die­ser grüne Schlips, das ist auch so eine An­gelegenheit, die man nur verstehen kann, wenn man fange in Spanien weilte und den Volkscharakter kennt. Die Faröe grün, sie heißt auf spanisch verde".V. E. R. D. E." aber heißt gleichzeitig d e r Kriegsruf d e r M o n a r ch i st e n , wenigstens in seiner Abkürzung, während er im Orginal lau­tet:Viva el re d Fspana!" DieGrünen", das sind also die Monarchisten, jeder weiß es, und jeder ehrt die Gesinnung voller Ritterlichkeit- auch wenn er selber bereit ist, sich für die junge spanische Re­publik in Stücke hacken zu lassen.

Alfons XIII. hatte im Weltkrieg die spanische Neutralität musterhaft gewahrt. Spanien war einer der wenigen Staaten, in denen die Armee offen mit dem schwerbedrohten Deutschland sympathisierte. Clemenceau stellte sogar 1919 die Behauptungauf, es habe ein deutsch-spanischer Geheimvertrag bestan­den, der Spanien zum Kriege gegen Frau'reich.ver­pflichtete, falls die Märzossensive des Jahres 1918 die Engländer vom Festland vertreiben und die französische Front zum Einsturz bringen wurde. Wie dem auch gerne'?n fein mag, der zumindest nicht pro französtsche Kurs Spaniens wurde fort­gesetzt unter Primo de Rivera, der mit dem Ita­lien Mussolinis, Frankreichs Todfeind Im Mit­telmeer. ein Schutz- und Trutzbündnis eingegan­gen war. Was lag näher als die Hoffnung, daß die spanischen Republikaner nun als Anti­poden Primos sofort in andere Lager schwenken und sich mit Haut und Haaren dem republikanischen und demokratischen Frankreich verschreiben würden? War es nicht der spanische Demokrat Blasco Iba- n e 3 gewesen, der dem Feindbund den großen anti­deutschen HetzromanDie apokalyptischen Reiter geliefert hatte, der allein in chen Vereinigten Staa­ten in einer Millianenauslage verbreitet worden war? Und galt d' U n a m u n o , Spaniens reprä­sentativster Dichter, nicht als fanatischer Franzosen­freund?

Aber man hatte weder in Paris noch in den frankreichfreundlichen Madrider Redaktionen mit dem Gefühl des spanischen Volkes für Ritterlichkeit und Großmut gerechnet, man hatte besonders die spanische Sehnsucht nach einer friedlichen Entwicklung unterschätzt. Man weiß heute in Spanien, nicht nur in den noch immer deutsch­freundlicheren Armeekreisen, daß der n ä ch st e

geheuer überrascht. Herbette, wohlerzogener Diplo­mat der alten Schule, wenn auch erbitterter Gegner Deutschlands, wahrte das Gesicht. Herriot aber ver­lor die Nerven, er brachte es fertig, als ihm der Chefredakteur der ZeitungEl Liberal" auf die französische Starrheit hinsichtlich des Versailler Diktats und die Aufrechterhaltunb der Deutschland diffamierenden Kriegsschuldlüge hm stellte, mit un­bebauten Schmähungen zu antworten, die aerobe in Spanien als Beweis eines denkbar schlechten Gewissens gelten.Frankreich ist überfallen, besetzt und verwüstet worden! Es hat für feine Freiheit gekämpft! Stellen Sie sich vor, Spaniens Städte Barcelona, Saragossa und Burgos seien dem Erd­boden gleichgemacht worden? Was dann?"

Nun, in Spanien kennt man den Anteil der Delcasfe der Clemenceau und Poincarö an der Vorgeschichte des Krieges genau. In Spanien er­innert man sich der 20 Milliarden, die zur Mili- tarifierung des despotischen Zarentums nach Ruß­land geflossen sind. Und in Spanien erinnert manche Stabtruine noch an den zwölfjährigen Vernichtungs- kampf, den Napoleon gegen Spanien geführt Hai. Herriot hat als Gast Spaniens Deutschland, mit dem Spanien niemals einen Konflikt hatte, be» ». Das geht gegen die Nationalauffasfung

-lz und Würde, das konnte nur durch neue Kundgebungen beantwortet werden. Herriot hat für Frankreich auf spanischem Boden eine Schlacht verloren, lieber seine Verdächtigungen, Deutsch­land unterhielte eine Haßpropaganda auf spani- chem Boden, ist jeder einsichtige Spanier, auch der republikanische und im Prinzip frankreichsreund- liche, empört. Wenn Deutschland jetzt außenpolitisch auf dem Posten ist und ein außenpolitisches Ziel in der rechten Stunde zu verkünden weiß, das dem Frieden Europas dient, so hat es auf der nächsten Genfer Tagung in Spanien einen Freund ge­wonnen.

1d:rite ferner Frau Schubert-Iüngling m:ft drastischen Gebärden als Köchin Aosa aus dem Hannöverschen. Frau Kock) machte mit sans-

Oas ist Frau Roosevett!

Amerika bekommt nicht nur einen neuen Präsi­denten in das Weihe Haus von Washington zieht auch eine neue Herrin ein, die durchaus für diesen Posten alsfirst lady befähigt ist. Amerika stellt hohe Ansprüche an feine Präsidentin: sie muß emo Dame v o n Welt fein, sie muh mit Geist und Grazie die Geselligkeit pflegen und daneben durch Tattrast und gute Laune volkstümlich fein. Beides bringt Frau Roosevelt mit. Ihre Familie, aus Holland elngcmanbert, gehört zu den aller- ältesten Einwohnern Neuyorks. Mit fünfzehn Jahren steckte man die kleine Anne Eleanor in ein Pen­sionat in England, das feine Zöglinge mit der Mademoiselle Souvestre auf eine große Europa­tournee schickte, nach Paris, Rom, Florenz und Wien, was zur Folge hatte, daß die jungen Mädchen als perfekte Weltdamen zu ihren Angehörigen zurück­kamen. Da die gute Mademoiselle es nicht unter­lassen hatte, ihre Pensionsmädel auch In die Elends­viertel Londons zu führen, fo lernte Anne Eleanor beide Seiten der Gesellschaft kennen, und stürzte sick) nach ihrer Rückkehr nach Neuyork in die soziale Arbeit. Sie wurde Lehrerin bei armen

Gefängnisrevotte in Bielefeld.

Unter den im Bielefelder Gerichtsgefängnis untergebrachten Festungsgefangenen kam es zu einer Nevolte, nachdem ein Teil der Ge­sang:: i bereits am Vortage in den Hunger­streik getreten war. Der Streik richtete sich gegen die verschärften Bestimmungen des Strafvollzugs bei der Fe stu n gs- hafl. Unter Anführung des früheren Leutnants Scheringer kam es fei Gemeinschaftsraum zu turbulenten Lärmszenen. Die Gefangenen zertrümmerten das Mvbilar und warfen ihr- gcsch'rr auf die Straße. Vor dem Gefängnis rettete sich eine große Menschenmenge zusammen, die die lärmenden Demonstrationen der Gefäng­nisinsassen mit erregten Zurufen begleitete. Auch in den Zellen wurde das Mobiliar zer­trümmert und das Bettzeug zerrissen und durch die Luken auf den Korridor geworfen. Tie Beamten der Eefänan'Sverwaltung hatten gegen die Lärmenden einen schweren Stand. Sie ver­mochten aber die Nevolte ohne Anterstühcmg der Polizei niederzuschlagen.

Dec Freiburger Hochstapler-Prozeß Lolloredo.

Am zweiten Verbandiungsbag im Collo- redo-Prozes; in Freiburg wurde die diplo- MDtische Tätigkeit d's Angeklagten erörtert, Wäh­rend der,Autogen Eoiloredos, die feine Betäti­gung am Vati la n und in der Schweiz während und nach dcm Kriege betrafen, wurden die Oef° fenklichteit und die Pccsse ans Gründen der Staatssicherheit ausgeschlossen. Später wurde die der Verhandlung zugrunde liegende Betrugs- o n f I a g c gegen Colloredo behandelt, der dem Schriftsteller Schöpwinkel a>u5 Angermund das Eiserne Kreuz am weiß-schwarz>n Bande Dcrm/itefe hatte. Bei der Behandlung vieles Tat­bestandes trat die Person Colloredos vollständig in den Hintergrund. Daisür gewährte die Verneh­mung der beiden Miiangeclagten, des Schrift­stellers und Kunstmalers N a t c 11 e aus Frank­furt a. M. und des Schriftstellers Schmolle s

Alaunia" hat eine Wasserverdrängung von 14 000 Tonnen.

Motorrad fährt in ein Tambourkorps.

In der Kruppstrahe in Mülheim a.DH. wurde ein 18 Mann starkes Tambourkorps des Katholischen Iungmännervereins von einem Mo­torrad mit Beiwagen beim üleberholen angefahren, wodurch fünf Personen des Tamburkorps mehr oder weniger schwer ver­letzt wurden. Der Lenker des Motorrads gab nach dem Zusammenstoß Vollgas und fuhr in rasendem Tempo davon. Bei dem Zusammen­stoß hatte das Nad aber einen Reifenschaden erlitten, so daß der Fahrer nach kurzer Zelt an einer Tankstelle Halt machen mußte. Dort konnte er von der Polizei fest genommen werden. Es handelt sich um einen Kaufmann aus Dortmund.

Mißglückter Raubanfall auf einen Geldtransport.

In Düsseldorf sollte ein G e l d t r a n s p o r t von 48 000 Mark zur Hauptpost geschafft wer­den. Als Begleiter des Transportes hatten fünf Personen in einer Kraftdroschke Platz genommen. Beim Anfahren des Wagens fuhr plötzlich ein zweiter Kraftwagen vor, aus dem eine Anzahl Schüsse auf die Insassen des ersten Wagens ab­gefeuert wurden. Vier von ihnen wurden ver­letzt. Auch der Chauffeur erhielt einen Schuß am Unterarm, verlor jedoch nicht die Geistesgegenwart, sondern gab Vollgas und fuhr in Richtung Mun­sterstraße davon. Auf der in der Nähe befindlichen Polizeiwache lieferte er das Geld ab, woraus sich die Verletzten in ärztliche Behandlung begaben. Einer von ihnen war so schwer verwundet, daß er im Krankenhaus bleiben mußte, während die anderen nach Anlegung eines Verbandes wieder entlassen werden konnten. Zu ihrer Tat benutzten die Räuber einen Kraftwagen, den sie kurz zuvor in der Josephinenstraße gestohlen hatten. Die poli­zeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Kunst und Wissenschaft.

Geheimer Bauraf Professor Dr. Ludwig Hoffmann f.

Am Freitagabend st ar b in Berlin, wenige Monate nach Vollendung feines 80. Lebens- fahres, Stadtbaurat a. D. und Ehrenbürger von Derlin, Geh. Daurat Pros. Dr.-Ing. h. c. Lud­wig Hoffmann.

Stadtbaurat Hoffmann, aus Darmstadt ge­bürtig, war, worauf wir erst kürzlich aus An­laß feines 80. Geburtstages haben Hinweisen können, der Erbauer des Märkischen Mu­seums In Berlin, des Berliner Stadthauses, des Virchow-Krankenhauses und zahlreicher weiterer Krankenhäuser, Schulgebäude, Badeanstalten und Brücken in Berlin. Ferner war Geh. Nat Hoff­mann der Schöpfer des ReichLgerichisgebäudes in Leipzig und deS Bebauungsplanes der Stadt Athen.

Slelst-preis 1932.

Der Vertrauensmann der Kleist-Stiftung für 1932, Intendant Erich Ziegel in Hamburg, hat den Preis der Kleist-Stiftung für 1932 zu gleichen Teilen an Richard Dillinger für fein Schauspiel Rauhnacht" und an Else Lasker-Schüler für ihr dichterisches Lebenswerk gegeben. Ferner hat Erich Ziegelehrenvolle Erwähnungen" zuerkannt an Walter Bauer und an Anna G m e y n e r für ihr VolksstückAutomatenbüfett".

Galsworkhy will feinen Nobelpreis für einen guten Zweck zur Verfügung stellen.

Der diesjährige literarische Nobelpreisträger Sir John Galsworthy erklärte einem Vertreter des Svenfta Dagbladet" in Stockholm, er werde den Preis für einen guten Zweck zur Verfügung stellen. Galsworthp wird nach Stockholm kommen, um den Preis persönlich in Empfang zu nehmen.

Eine Stiftung für die auslandsdeutsche 3ugenb.

Am Tage von Langemark hat ein Reichsdeutscher, der Wert darauf legt, ungenannt zu bleiben, dem Verein für das Deutschtum im Ausland sowie dem Reichsverband für deutsche Jugendherbergen die Summe von 5 0 0 0 0 R M. gestiftet, mit der im Herzen Deutschlands ein Heim für die auslandsdeutsche Jugend errichtet wer­den soll.

Wie alt ist Ihre Schilds-öie?

Tierfreunde legen ihren. Lieblingen, fei es nun eine Schildkröte oder ein Papagei oder ein Gold­fisch, bisweilen ein sehr hohes Alter bei und er­zählen voll Stolz, daß sie schon feit undenklichen Zeiten in der Familie seien. Genauere Angaben über das Alter solcher Tiere macht Craven Hrll in einer Londoner Wochenschrift. Das Alter der Schildkröte kann man von ihrem Ducken ablesen, tenn sie setzt jedes Iahr auf ihrer Sa>ale ein neues kleines Viereck an, ähnlich wie mit den Dingen bei den Baumstämmen der Fall ist. Man braucht also nur dieIahresringe" der Schild­kröte zu zählen, aber das ist durchaus keine leichte Aufgabe da diese Vierecke leicht ineinander über­gehen und die Begrenzung bisweilen schwer zu erkennen ist. Immerhin kann man dadurch das ungefähre Alter diesesSchoßtieres" feststellem Eine der ältesten Schildkröten, von denen man Kenntnis hat, ist die berühmte Marmaduke deS Londoner Zoo: es ist eine Elesanten-Schildkröte, deren Gewicht mehr als fünf Zentner beträgt und die Über 230 Iahre alt ist. Weshalb leoen Schild­kröten so lange? Wahrscheinlich deswegen, weil sie ein so geruhige« Dasein führen. Ihr Wahl- spruch den mancher Mensch beherzigen könnte, lautet:Lebe langsam und stirb langsam!" Wie kurz ist verhältnismäßig das Leben vieler ande­rer Tiere diesen Leistungen der Schildkröte gegen­über! Das Pferd a. B. erreicht selten mehr al« dreißig Iahre, und der Esel wird kaum über 20 Iahre alt. 15 Iahre ist ein gutes Alter sür eine Katze, wenngleich manche Vertreter deS Kahengeschlechtes bedeutend länger leben. Da- hängt sehr stark von ihrer Lebensweise ab. Die­jenigen Kalten, die sich viel Herumtreiben, auf nächtliche Abenteuer ausgehen und ihre Wildheit nie ganz ablegen, dürfen nicht hoffen, sich solange des Daseins zu erfreuen als die behäbige Haus­katze, die sich nur wenig bewegt. Das höchste Alter, das nach den Erfahrungen des Verfassers eine Katze erreicht hat, beläuft sich auf 22 Iahre. Hunde werden älter und feiern gelegentlich sogar ihren 30. Geburtstag. Das Durchschnittsalter beträgt aber nicht viel mehr al« 12 bis 14 Iahre. älnter den Tieren, die in dem Ruf besonderer Langlebig­keit stehen, befindet sich auch der Rabe. Im Volks­mund geht sogar der Glaube, daßRaben nie­mals sterben", aber die Behauptung, daß der weise Vogel des Odin ein Alter von 200 und 300 Iahren erreiche, ist stark übertrieben: Raben, die 70 Iahre alt werden, sind schon eine große Seltenheit.