Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 12. November 1932.
Sammluna für das Ehrenmal des Inf -Lb.-ireg. Hr.lll.
Durch daS Preisgericht und den Denkmalsausschuh ist einstimmig der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf des Regierungsbaumeisters Kreppet unb des Architekten Preis (Mainz) zur Ausführung bestimmt worden. Das Ehrenmal, das den herrlich gelegenen Forster- platz in Äainz zieren wird, soll im Frühjahr 1933 eingeweiht werden. In Erz und Stein soll es zum Angedenken an daS stolze blaue Regiment erstehen. Die Mittel hierzu müssen durch Gamm- hing freiwilliger Beiträge aufgebracht werden. Jeder, der in den Reihen des Regiments und seiner Kriegssormation gestanden hat, jeder, der durch Bande der Freundschaft, der Erinnerung und der Kameradschaft fid) ihm verbunden fühlt, spende seine Gabe. Die durch Genehmigung des Ministeriums des Innern behördlich zuaelassene . Sammlung hat am 1. Oktober begonnen. Die Einzeichnung erfolgt in numerierten Sammellisten, die mit Ausweis versehene Sammler vorlegen werden. Es können auch Einzahlungen für den Denkmals-Fond auf das Postscheck-Konto: Regiments-Ehrenmal 117 und der Kriegssormatto- nen, Finanzausschuß Mainz, Amt Frankfurt am Main CRr. 4100, erfolgen.
Bornotizen.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen zum letzten Male das Lustsp.el „Roulette" von Ladislaus Fodor unter der Spielleitung von Karl Heys er. Fremdenvorstellung. Ermäßigte Preise. 18-30 bis 2030 Ahr. — Die erste Wiederholung des Schwankes „Der Raub der Sab.nerinnen" unter der Spielleitung von Karl B o l ct findet am Dienstag, 15. November, als 7. Borstellung im Dienstag-Abonnement statt. Gewöhnliche Preise. 20 bis 22.15 Uhr. — Am Mittwoch, 16. November, fällt das Mittwoch-Abonnement aus! Um 15.45 Uhr, zum letzten Male, als Bolksvorstellung zu ganz kleinen Preisen, die berühmte hessische Lokalposse „Der Datterich" von Ernst Elias Niebergall: Spielleitung dieser humorvollen Szenen, die den Auftakt des Zyklus hessischer Dramatiker bilden, hat Heinrich Hub, der auch die Nolle des Datterich spielt. Um 20 Uhr: Erstaufführung der Operette „Peppina" von Oesterreicher und Stolz. Spielleitung hat Paul W r e d e: musikalische Leitung Kapellmeister Moe hl: choreographische Leitung und Einstudierung der Tänze Ballettmeister Ewald Bä ulke. Die Erstaufführung geht außer Abonnement als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operektenpreisen in Szene. Ende 22.30 Uhr. — Für Freitag, 18. November, sieht der Spielplan als 7 Borstellung im Freitag-Abonnement e ne Wiederholung der Epielplan-Neuheit „Sechs Personen suchen einen Autor ' von Luigi Piran- dello vor. Spielleitung hat Peter Fassott. Gewöhnliche Preise. — Am Sonntag. 20. November, hat die Intendanz, dem ernsten Eharak- tcr de; Tages entsprechend, die Erstaufführung des Schauspiels „Ueber die Kraft" von Biörnsterne Björnson angesetzt.
— D i e Comedian Harmonists fingen heule 20 Uhr im Stadtthcater. Das Gastspiel ist nur einmalig. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
— Der Goethe-Bund teilt uns mit: Für den zweiten Dichterabend des Vortragswinters 1932'33 ist der bekannte Dichter Albrecht Schaef
fer gewonnen worden. Auch mit diesem Abend wird der Goethe-Bund wieder ein bedeutsames literarisches Erlebnis vermitteln. Albrecht Schaeffer gehört zu den bedeutendsten Vertretern unserer zeit- genössischen Dichtkunst und ist ein ausgezeichneter Sprecher. (Stehe heutige Anzeige.)
— Der Gesangverein „Heiterkeit" (Ehormeister Wilhelm Schättler, Gießen) veranstaltet sein diesjähriges Konzert am Sonntag, 13. November, in der Aula der LandeSuni- versität unter Mitwirkung des gesamten Musik- korps deS I. Datl. 15. Jnf.-RegtS. unter Persönlicher Leitung von Obermusikmeister Krautze. Die Dortragssolae siebt s-capella-Ehöre, solche mit Solopartien (Mitglieder Feutzer und Brust u s), Werke mit Orchesterbegleitung, sowie Instrumentalmusik der Kapelle abwechselnd vor. Mit Rücksicht auf die zahlreichen auswärtigen Freunde des Vereins ist der Beginn der Deranstaltuna auf 15.30 Uhr festgesetzt. Die Eintrittspreise sind zeitgemäß niedrig bemessen. (Siehe gestrige Anzeige.)
— Gemeindefeier der Markusge- meinde. Man schreibt uns: Am Sonntagnach- mlttag hält die MarkuSgemeinde wie alljährlich ihre Gemeindefeier in der Turnhalle. Sie ist diesmal mit den Spielen besonders auf die Gedenkfeier für Gustav Adolf und den Gustav- Adolf-Berein eingestellt. Die Mitglieder der Ehoralsingstunde für Matthäus- und Markus- ge meinte werden einige Chöre fingen, der Verein für christliche Musik hat den musikalischen Teil übernommen. Für Kaffee und Kuchen ist durch die Mitglieder des Frauenvereins bestens gesorgt. So ist zu hoffen, daß auch die diesjährige Gemeindeseier mit ihren mancherlei Darbietungen den Bouchern einige schöne Stunden bereitet. (Siehe yeutige Anzeige.)
— D e r Kaninchenzuchtoerein Gießen veranstaltet heute und morgen im „Thüringer Hof" (Hammstraße) eine Ausstellung. — Näheres stehe gestrige Anzeige.
Auf gehobene Straßensperren, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. v. D.), Gießen: Die Sperrung auf der Stratzenstrecke Alsfeld—Lauterbach, vom Abzweig Hopfgarten b'.s Brauerschwend, sowie die Sperrung der Ortsdurchfahrt Heldenbergen sind ausgehoben.
•* Keine Zulassung zum Vorbereitungsdienst für die Laufbahn des gehobenen mittleren Iustizdienstes. Vom hessischen Justizministerium wird darauf hmgewiesen, daß Ge'uche um Zulassung von Anwärtern für die Laufbahn des gehobenen mittleren Iustizdienstes zur Zeit zwecklos sind. Die Laufbahn ist noch gesperrt. Vormerkungen werden nicht vorgenommen.
** Gießener Muse e n morgen geöffnet. Das Oberhessische Museum im Alten Schloß, das Dolkermuseum sowie das Kriegsmuseum und die Städtische Gemäldesammlung im Neuen Schloß sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
* Konzert imEvangelischenSchwe- sternhaus. Der Verein für christliche Musik veranstaltet morgen, Sonntag, um 13 Uhr im Garten des Evaneellscl-en Schwesternhauses ein Konz.rt mit nächst:hend:m Programm: 1. Nun laßt unS Gott den Herrn, von I. S. Bach: 2. Herr, deine Güte reicht so weit, von Ed. Krell: 3. Lobe den Herrn, meine Seele, von MendelSsohn-Dart- holdy; 4. Abenddämmerung, Idylle von Nuh: I 5. Marsch des hessischen Kreisregiments aus 1700.
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Bundfunkprogramm.
Sonntag, 13. November.
6.35: De-n Bremen: Hofenkonzert aus dem Bremer -Freihafen. 8.15: Ursulinenkloster, Frankfurt a. an.: Katholisch: Morgenfeier. 9.30: Stunde d:s Chorgesangs. 10 30: ..Dichter und Buchhändler". Ein Gespräch von Ka.l Heinrich Waggerl. 11: „Die Pläne der Winterhilfe", Gespräch zwischen Wally Baumann und O. W. Studlmann. 11.30: Bon Leipzig: Reichs endung: Kantate von Johann Sebastian Bach. 12: Von Berlin: Liedor- ftimbc. Heinrich Sch'.usnuS singt Schubert- und Wolf-Lieder, 13: Wittagälonzert auf Schallplatte n. 14: Stund: dos Landes. 15: Siunde 6er Jugend. 16: Nachmiltagslonzert auf Schallplatten. 16.30: Nachm liagskvnzert. 18: „Die Geschichte 6cm lan gen Asmus un sei'm amerikanische Skizze- büchelche". 18.25: Dre ß g bu.-.ie Minu en. 18.55: „Die Proph.zeiungen des Nostradamus ", Vortrag von Dr. Leo Matthias. 20.15: Waldmeister. Operette in drei Aulzüaen von Johann Strauß. 22.45 bis 24: Nachtmusik der Tanzkapelle der Stuttgarter Philharmoniker.
Montag, 14. November.
7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mittagskonzert I auf Schallplatten. 13.30: Mittags- konzert II. 17: Nachm trngskonzert. 18.25: ..Don der Rheinschi-sfahrt und ihrer internationalen Rechtsordnung", Vortrag von Dr. Leo Sternberg, Düdcsheim 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Erich Pcnio spricht Gerhart Häuvtmann. 20: Orchesterkonzert des Rundfunk-Orchesters. 22: Selbst anzeigen. Heinrich Lersch. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Dienstag, 15. November. ,
7.20: Frühlonzert auf Schallplatten. 9 bis 9.45: Bon B ei lau: Schulfunk — Gemein chastssendung: Gerhart Hauptma- a spricht zu deutscher Jugend. 12: Nürnberg: MittagskonHert I des Konzcrt- veveins Nürnberg e. B. 13.30: MittagskonzertU auf Schallplatten. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen- Nachmittag. 17: Nachrnittagskonzert. 18.25: „Pennsylvanisches Deutsch", Bortrag von Dr. Kavl Wehner, Berlin. 18.50: Afrikanische Volksmärchen. Gesammelt von Leo Frobenius. 19.30: Volksmusik. 20: Bon Breslau: Schlesische Sinfonie zu Ehren von Gerhart Hauptmanns 70. Geburtstag. 21.20 (M. und Deutschlandsender): 1 Stündleyn Ergezuna. Bunte Stunde aus dem deutschen Rokoko. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Mittwoch, 16. November.
7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 8.15: Eho- ralblasen, veranstaltet von der Zentralstelle für Kirchenmusik der Evgl. Landeskirche Frankfurt a. M. 8.30: Evangelische Morgenfeier, veranstaltet von der Ggl. Landeskirche Frankfurt a. QU. 9.30: „lieber den Zeiten". Künstler im Kriege. Erinnerungen von Hans Frentz. 10: Stunde des Chor- gesangs. 11: „Zwischen Königsberg und Rom. Lange Bußfahrt Zacharias WernerS". Hörfolge
von Paul Laven. 12: Stunde der Kammermusik. 12.45: Mittagskonzert auf Schallplatten. 15: Stunde der Jugend. 18: Konzert. 17: St. Georgs Stellvertreter. Eine Legende der Zeit, Von Ru- do'f G. Dinding. Sprecher: Vollrath v. Klipstein. 17.20: Kammermusik. Werke von Joseph Haydn. 18.30: „Abschied vom Lederstrumpf'. Bon Paul Laven. 19: „Merk's, Wen!" Eine Bvlkspredigt des Abraham a. Sanela Clara in bedrängter Zeit. Spr cher: Dr. Erich Dcach. 19.35: Aus Dem Großen Saal des Saalbau-es. Missa solcmnis, für 4 Solost'mmen, Chor, Orchester und Orgel. Bon L. van Beethoven. 21.05: .,Notwende". Bon Bernhard Nehfe. 22.45 bi? 24: AuS dem Saal des Städtischen Konservatoriums Saarbrücken: Nachtmusik. Sonaten des 17. und 18. Jahrhunderts.
Donnerstag, 17. November.
7.20: Frühkonzert. 12: Mannheim: Mtttagskon- zer! I. 13 30: MittagSlonzert II auf Schallplatten. 15.20 bis 16.20': Stunde der Jugend. 17: Nach- m ^tagskonzert des Rundsunk-Orchesters. 18.25: Stunde des Buches. 18.50: „Persönlichkeit und W'.rt'chast", Bortrag von Dr. Fritz PaPPenheim. 19.33: Erlebte Zeit. Theodor Storm. Unterhaltung zwischen Frau Gertrud Storm, der Tochter des Dichters, und Pros, Fr.-Karl Roedemeyer. 20.05: Aus der Stadthalle Kassel: Orchesterkonzert. 22: L'eder zur Laute auf Gedichte von Joseph Freiherrn von Eichendorfs (zu seinem 75. Todestag am 26. November. Vorgetragen von Besemselder. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
Freitag, 18. November.
7.20: Frühlonzert aus Schallplatten. 12: Mittagskonzert. 13.30: Neue Tanzmusik auf Schall- platten. 17: Nachmittagskonzert. 18.25: ..Winzerfreuden und Winzerleiden", Bortrag von Bürgermeister Dr. Julius Wollmer, Nierstein. 18.50: Aerttr-Vortrag — ..Ansteckende Krankheiten". 19 30: Bei uns zu Lande. OHartini. 20: Tübingen: Schubert-Konzert. Gespielt vom Philharmoni- schen Orchester Stuttgart. 22.45 bis 24: Don Berlin: Nachtmusik.
Samstag, 19. November.
7 20: Frühlonzert auf Schallplatten. 10.10 bis 10.40: „Das Meistersingerspiel", von Heribert Grüner. 12: Mittagskonzert I auf Schattplatten. 13,30 bis 14.40: Mittagskonzert II des Rund- funl-Orchestcrs. 15-30 bis 15-30: Stunde der 3u- genö 17: Freiburg: Nachmittagskonzert. 18.25: Betrachtungen zum Programm". Bon Dr. Wilhelm Schüller. 18.50: „Sinn und Aufgabe der Westdeutschen Studentenschast im Rahmen der Eesamtnation", Bortrag von stuck, theol. Hermann Neuburg, Kreisleiter V der Deutschen Studentenschaft. 19.30: Aus dem Nassau.schen Lan- desthea>t«r in Wiesbaden: Hoffmanns Erzählungen. 22.45 bis 24: Nachtmusik.
* Sonntagsrückfahrkarten zur oberhessischen Geflügelausstellung in B i l b e l. Vom Bahnhof Gießen wird uns geschrieben: Dom 18. bis 20. November findet in Dilbel die 31. oberhefsische Verbands-Geflügel- ausftellung statt. Aus diesem Anlaß werden von den Fahrkartenausgaben der Strecken Dilbel Nord — Gießen, Gießen — Mittelgründau, Gießen — Lauterbach (Hess.) Nord, Lollar — Londorf — Grünberg (O.-H.), Dilbel Nord — Lauterbach (Hess.) Nord, Friedberg (Hess.) — Nidda —
Scholten, Fr.eoix.rg (Htts.) — Hungen — Mucke (Hessen), Friedberg lHesien» — Heldenbergen — Windecken. Burg- und Niedergemünden — Niever- Ofleiden, Aisfelo (Obrrhess., — Grebenau, Sonntagsrückfahrkarten nach Dilbel Nord ausgegeben. Die Karten gelten: zur Hinfahrt am 19. 11. von 0 Uhr <tb und am 2o. 11., zur R ück fahrt am 19. 11., 20. 11 und am 21. 11 bis 12 Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Rückfahrt angetreten fein mutz.
Das Leben schreibt Geschichten.
Zukunftsmusik.
(w) Neuyork.
Der Dirigent und Opernleiter Leopold Sto- kowfki, der mit seinem Philadelphia-Symphonieorchester auch in Europa bekannt ist, war stets ein Mann eigener Ideen und Gedanken. Ob er allerdings mit feinem neuesten Plan Erfolg haben wird, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Wir bezweifeln es-
Er will die Oper reformieren. Die Bühnen- handlung soll von Schauspielern gemimt werden, während der musikalische Teil hinter der Bühne von Sängerinnen gelungen werden^oll. Auch das Orchester soll unsichtbar bleiben.
Es mag stimmen, wie von verschiedenen Seiten schon behauptet wurde, daß die Sichtbarkeit des Orchesters vor der Bühne einen Teil der Zuhörer von der Bühnenhandlung ablenkt. Vs gibt Leute, denen z- B- der Dirigent mit seinem Taktstock wichtiger erscheint als die ganze Oper. In dieser Hinsicht könnte man Stokowskis Plan billigen. Neu ist fein Plan, wenigstens was das Orchester anbelangt, allerdings nicht, denn in Europa kennt man das vollständig verdeckte Orchester in versch edenen Städten schon lange.
Schwieriger wird die Sache schon mit den Dokalsolisten- Wir können uns schlecht vorstellen, daß vorn auf der Bühne Personen agieren, während von hinten.die dazugehörigen Töne erklingen- Es hat zwar etwas für sich, wenn man auf der Bühne auch einmal wirklich einen schlanken Jüngling als Siegfried sehen dürste, und nicht, wie das oft der Fall ist, einen schon etwas behäbig gewordenen Tenor, der sich krampfhaft bemüht, siegfriedherrliche Jugend vor- zutäuschen. Aber es erscheint zweifelhaft, ob sich die Teilung der Rollen in Ähauspieler und Sänger technisch einwandfrei durchführen lassen wird.
Dorläufig werden Stokowskis Pläne Wohl auch an der Geldfrage scheitern. Denn eine Doppelbesetzung bedingt doppelte Gagen, und Geld haben die Theater bekanntlich auch in Amerika nicht im Ueberflutz.
Der Mann mit der Nase.
(a) London.
Im Warteraum einer großen englischen Filmgesellschaft fand sich dieser Tage eine höchst merkwürdige Gesellschaft ein. Fünfzig Herren aller Größen, aller Berufe, aller Alter mit und ohne Bart, dick, dünn, groß, klein saßen dort, in der Hand ein Inserat der bekanntesten Film- zeitschrift, in der Tasche ein sauberes Taschentuch. Einer nach dem anderen hatte sich beim Port'er gemeldet, mit den Worten: „Ich bin der Mann, der sich in Ihrem Film schneuzen soll."
Wie war das gekommen? Kürzlich war in dieser Filmzeitschrlft eine Anzeige erschienen: „Wanted a really loud nose-trumpeter!“ Gesucht wird ein wirklich lauter Nasentrompeter. Wozu in aller Welt brauchte man ihn?
Der Hauptdarsteller eines komischen Filmes, dessen Pointe unter anderem darin bestand, daß er sich in einer besonderen Situation laut schneuzen mußte, versagte in diesem wichtigen Augenblick. Er versuchte es einmal, er versuchte es zweimal, aber er brachte nur ein schwaches Stöhnen durch die Nase zuwege. Als man seine Unfähigkeit erkannte, sich mannhaft zu schneuzen, ließ man in der Filmz: tschrift dieses' Inserat vorn Stapel, das von unerwartetem Erfolg gekrönt war.
An die fünfzig Mann hatten sich als „Doubles" gemeldet. Der Reihe nach nahm man eine Probe aufs Exempel bzw- aufs Schneuzen vor. Es erwieS sich aber, daß keiner der Herren ein Riechorgan besah, dessen sonorer Klang sich für das Mikrophon geeignet hätte. Nachdem all d'ese Trompeter von London unverrichteter Dinge abgezogen waren, sand sich endlich der Nichtige, ein einfaches Bäuerlein aus Dorsetshire, der seiner roten Nase und seinem nicht minder roten Taschentuch Klänge von solcher Gewalt entlockte, daß die Grundfesten des Studios erbebten. Der Film- reg ffeut sprach, und wischte sich eine Träne aus der Stimme: „Kommen Sie an mein Herz! Sie sind engagiert!"
Sobald dieser Film das Licht der Welt erblicken wird, wird London um einen Star reicher sein. ES fragt sich allerdings, ob dieser Rudolph Daleni.no der Erkältung, dieser Emil Jan- nings der Schneuzgcwalt von seinem neuen Beruf allein wird leben können. Denn es ist noch nicht raus, ob demnächst alle Filme diesem Mann auf den Leib ober vielmehr auf die Nase geschrieben werden und folglich eine Rührszene mit Nasentrompeteneinlage enthalten werden.
Der beleidigte Ba buin.
rt. — Berlin.
Existiert da irgendwo in Berlin ein Herr Sah du in. Ein Kurpfuscher, der, gleich den „Wunder- Dokkoren", mit denen er jedoch nichts gemein haben will, von der ärztlichen Wissenschait nicht die geringste Ahnung hat. Trotzdem behandelte er jeden Patienten mit „garantiertem Erfolg". Wenigstens behauptete er das vor dem Gericht.
Ganz andere Ansichten über Herrn Balduins Heilkunst aber besaß der Bräutigam von Fräulein Häslein, einer seiner Patientinnen (oder war es die einzige?), die bei ihm in Behandlung war und deshalb andauernd kränkelte. Mik den Worten: „Der will dir bloß hochnehmen, vastehn tut er von die Dokterei ja doch nischt!" untersagte er ihr die weiteren Besuche, worauf sie dann auch schleunigst gesund wurde. t. , ,, .
Das Ausbleiben feiner besten Kundin setzte den Midizimnann in Erstaunen, und als er chr einmal auf der Straße begegnete, fragte er sie ganz verwundert und ärgerlich, ob sie sich denn nicht wieder einmal krank fühle. Daraus erhielt er von Fräulein Häslein den klassischen Ausipruch ihres Bräutigams als Antwort. Das verdroß ihn. Und so kam es zwischen dem Herrn „Doktor" und dem Bräutigam, der im Nebenberuf übrigens Bauarbeiter ist, zu einer kleinen Auseinandersetzung. Nachdem man sich ge
genseitig erst einmal vorgestellt hatte („Sie Weißer- Käse-Clown" — „Sie Bräutigam auf Stottern") wurden auf beiden Seiten handgreiflichere Argumente in Anwendung gebracht. Der „Bräutigam auf Stottern" erhielt vom „Weißen-Käse-Clown" eine „vorn Latz geknallt" und kargte auch felnerlcite nicht mit der Ausstellung von „Dingern". Nachdem sich jedoch herausgestellt hatte, daß beide Gegner einander ebenbürtig waren, trennten sie sich unentschieden.
Aber Balduin ließ das nicht auf sich sitzen, ging zum Richter und verklagte Häsleins Bräutigam wegen der Behauptung, daß er besagtes Fräulein „bloß hochnehmen^' wolle...
Verhängnisvoller Irrtum.
1. Paris.
Jaques Ehevrier stand als Soldat in einer Meinen Pyrenäen-Garnison. Der Dienst war nid)t allzu schwer, in vier Monaten sollte er frei fein, zu seinem jungen Weibe in die Provence zurückkehren. Jaques Ehevrier war eigentlich glücklich.
An einem Dormittag wurde er aus der Reihe gerufen, der Sergeant überreichte ihm einen Brief, Ehevrier bekam sonst nur die Briefe seiner Frau, kleine blaue Briefe, mit ungefüger Handschrift geschrieben. Dieser da war groß, aus festem Papier, mit Schreibmaschinenschrift adressiert und trug seltsame Marken und StemWl. Der Brief kämmt aus Amerika, sagte sein Nebenmann. Der Soldat eilte in eine Ecke des Kasernenhofes, um den Brief zu 'lesen.
Er war sehr aufgeregt. Ein Brief aus Amerikak Was mochte man ihm aus Amerika schreiben? Aus Amerika kamen immer die großen Erbschaften, das wußte er. Gr lachte, weil er sich über einer Hoffnung ertappte.
Er las und wurde abwechselnd rot und blaß. Da stand ja schwarz auf weitz: ..... und teilen
Ihnen mit, daß Ihnen Ihr verstorbener Onkel 15 ..weiter kam er nicht. Er zitterte, als er aufstand, rief einen Kameraden herbei. „Ich habe geerbt", sagte er, „fünfzehn ... fünfzehn Millionen Dollar." Der Kamerad war schnatter gefaßt. Er brüllte über den Hof, daß es alle hören sollten: „Der Ehevrier hat 15 Millionen Dollar geerbt!" In der Kaserne hat noch nie ebne solche Aufregung geherrscht. Ein gemeiner Soldat und gleich 15 Millionen Dollar. Hie umringten ihn. und er lud sie lachend zu einem großen Fest ein, das er allen noch am gleichen! Abend geben wollte. Dann ging er schnell auf die Stube und schrieb alles seiner Frau und machte Pläne, was sie erst mit dem vielen Geld anfangen würden, wenn er frei sei ...
Der Oberst hörte von dem Glück seines Untergebenen, er lietz ihn rufen und gratulierte ihm, „Zeig' mal den Brief", sagte er. Dann las er und las noch einmal, dann sah er zu dem glückstrahlenden Soldaten hinüber und sagte: „Aber ich lese hier nur etwas von 15 Dollar. Sich mal her." And nun las auch der Soldat. Da stand zweifellos: ... 15 Dollar hinterlassen ...
„Du hast dich geirrt", sagte der Oberst lä- cholnd. „Ja, ich habe mich wohl geirrt", sagte der Soldat und ging wortlos wieder auf seine Stube und erschoß sich mit seinem Dienstgewchr, denn er konnte die plötzliche Armut nicht ertragen.
Er hätte sich auch über die 15 Dollar gefreut. Aber er wußte nicht, daß aus Amerika manchmal auch etwas anderes als Millionen kommen. Er sah hinter der Zahl gleich die Millionen ...
Wie im Märchen!
arp. Bukarest.
Die berühmte Operette war schon viele Dutzend- mal unter rauschendem Applaus des Publikums gelaufen, sie hatte sich fast schon heißgelausen, da erlitt eines Tages die berühmte Diva, die in der Titelrolle auftrat, einen Nervenzusammenbruch, begleitet mit Schnupfen und Heiserkeit.
Die Vorstellung sollte abgesagt werden, die Direktion raufte sich ihr Haar. Der Tag, an dem die Vorstellung ausfallen sollte, war ein Samstag. Das war der größte Geschäftslag in der Woche. Was sollte man tun, um dem so entstehenden Derlust vorzubeugen?
Während die Direktion vollzählig versammelt war und sich ihr Haar raufte, klopfte es draußen an der Tür. Bescheiden, aber bestimmt. Unb herein trat ein Mädchen in ärmlicher Kleidung. Beim Zeus! Die Direktion hatte nie ein schöneres Mädchen gesehen.
Das Mädchen trat einige Schritte näher und sprach: „Ich heihe Miß Sylvia. Sie müssen wissen, ich bin eine Engländerin, aber ich bin ein armes Mädchen. Ich friste mein kümmerliches Leben durch das Geben preiswerter Privatstunden und das Verzehren schlecht belegter Brote. Aber ich habe Gold in der Kehle. Kürzlich sah ich ihren Star vom vierten Range des Hauses aus. Ich habe mir alles gemerkt. Finden Sie nicht, daß ich ihm ähnlich sehe? Meister, erfüllen Sie einer armen schwachen Frau den Wunsch und laben Sie mich nur ein einzigesmal in der Rolle des Stars auftreten." ~ .
„Pohblitz", sagte der Direktor. In ferner Aufregung brachte er kein weiteres Wort hervor. Dor Erstaunen wäre ihm beinahe sein Monokel in der Kehle steckengeblieben. Als er s:ch etwas gefaßt hatte, sagte er: „Pvtzblik! Me ne Same, der Himmel schickt Sie. Sie haben in d'.esem Stück die Rolle einer Engländerin zu spielen. Sie sind Engländerin. Wie sich das trifft! Schön sind Sie auch. Ich engagiere Sie."
An diesem Abend heimste Miß Sylvia auf der Bühne des Bukarester Theaters ihre ersten Lorbeeren ein. Es steht zu erwarten, daß sie demnächst in ersten Häusern von Paris, London, Neuyork au/ftreten wird. Sie ist bereits dreimal nach Amerika verkauft worden.
Damit ist diese schöne Geschichte eigentlich zu Ende. Sie finden, sie wäre em wenig übertrieben? Aber das Leben war es, das authentischE Leben, das in diesem Fall übertrieben hat.
Denn sie hat sich fast genau so vor weniges Wochen in Bukarest abgespielt.


