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12.8.1932 Frühausgabe
 
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Veifaffungsfeier in Gießen

und Familie, die Grundpfeiler des 'Bolfed, hätten in der Verfassung und der Politik die gebührende Stellung

Nilelbe von Attdun °n bie 400 000 ^ hier ben lob starben.

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der AeichsbanM sleiiung.

I. lCALj Dir daS .2« | 1 !and heute nachnii!' | ichsbannerbundki izriliche Durchj: V en statt. Dem Blatt i I lolöer und fünf ®umr | Arvolvrr sollen Mg': | i gehören, die Waste; L eit aber verreist sind. |

Eine Verbrecherbande in Sranffurf ermittelt.

Frankfurt a. M. 10. Aug. (LU.) Bei Ennitt- lungsarbeiten, die die Kriminalpolizei wegen cini- ger Verbrechen in Frankfurter Geschäften anstellte, ist sie auf die Spur einer Verbrecherbande gekommen, auf deren Konto eine Unmenge schwerer Einbrüche, Diebstähle und Raubüberfälle in Frankfurt und Hessen- weiterer Umgebung kommen. Zahlreiche Verbre­chen, die von diesen Burschen in den letzten drei Jahren begangen wurden und unaufgeklärt blie­ben, sind bereits durch die polizeiliche Derneh-

Heimat und Heimatgefühl fänden in lassung ihre Grundlagen, ebenso die die Mutterschaft als Grundstein der Familie

noch ungeklärte Weise so schwer, daß er einen Schädelbruch erlitt und sofort in die Chirurgische Klinik eingelicfert werden mußte. Er wurde sofort operiert, verstarb jedoch im Laufe der vergangenen Nacht. Der Bedauernswerte hinterläßt eine junge Frau und ein unmündiges Kind.

** Lebensgefährlich verletzt.

schwerverunglückte 'Agnes Schumacher, di«, wie

Oer 400. Geburtstag Wilhelms von Nassau.

WSR. Dillenburg, 10. Aug. Am 24. April kommenden Jahres jährt sich zum 400. Male der Lag, an dem Wilhelm von Nassau-Ora- nien, der Befreier der Niederlande, ruf der Dillenburg geboren wurde. In den Niederlanden rüstet man aus diesem Anlaß zu großen Festlichkeiten. Aber auch das Nassauer Land will nicht abseits stehen, wenn es gilt, das Andenken eines seiner größten Söhne zu ehren. Verbindungen mit den 'ührenden niederländischen Persönlichkeiten sind 'chon angeknüpft. Die Feiern in den Niederlanden Derben im Monat April stattfinden, diejenigen m Nassauer Land Ende. Juli. Dieser Termin vurde gewählt, um den Niederländern die Teil­nahme zu ermöglichen. In den ehemals orani- chen Städten Dillenburg, Diez und S i e 0 e n werden bereits Gedenkfeiern vorbereitet. Unverbindliche Besprechungen zwischen diesen drei Städten und holländischen Vertretern haben dieser Tage stattgefunden. Es stcht fest, daß das offizielle Holland an den

und der Nation. Glaubens- und Gewissensfrei­heit, Bildung und Schule, sowie die freie Lehre der Wissenschaft seien durch die Neichsverfassung gewährleistet, gleichermaßen die Grundschule als Ausdruck des Gedankens der echten Volksgemein, schäft. Hier sei auch der Grund gelegt für tue Geltung der persönlichen und beruflichen Tüchtig­keit, für den Nespekt vor Andersdenkenden, für deutschen VolkstumSgeist und für den Gedanken der Völkerversöhnung. Ebenso habe der sittliche Grundsatz der Verpflichtung des Eigentums für den einzelnen und gegenüber der Gesamtheit, wie der Fürsorge für Schwache hier seine Stätte. Ausgleichende Gerechtigkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Menschenrecht und Menschenpflicht, die Freiheit der Persönlichkeit und die Dienst- verpslichtung des Einzelnen für die Gesamtheit hätten ebenso in der Neichsversassung ihr Fun­dament. Natürlich sei auch diese Verfassung ein Menschenwerk, aber ihr Fundament sei gut. Wenn dieses Versassungswerk gefeiert werde, dann nicht um des Dokuments, sondern um des deutschen Volkes, des deutschen DolkStums, des Volksgeistes und der hohen Sittlichkeit willen, die unserem Volke als Gebot gesetzt sei. Mit dreimaligem Hochruf auf das deutsche Volk und das deutsche Vaterland sand bie mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede ihren Abschluß. An­schließend sang die Festversammlung stehend die Nationalhymne. ...

Ein schneidiger Militärmarsch der Kapelle bildete den Ausklang der Feierstunde.

nassauischen Feiern teilnehmen wird. Darüber hinaus rechnet man mit weiterer st a r k e r hol­ländischer Beteiligung. Aus diesem Grund plant auch der rheinische und der nasfaux- sche Verkehrsverband eine zu Beginn des nächsten Iahres einsetzende erhöhte Derkehrswer- bung in Holland. Der nassauische Ver­kehrsverband wird einen Führer in hol­ländischer Sprache eigens für diesen Zweck herausgeben.

wir bereit» berichteten, gestern mittag vor einfahrenden Berliner Schnellzug sprang und schwer verletzt wurde, liegt, wie wir von der C* rurgischen Klinik erfahren, in bedenklichstem Zu­stand darnieder.

** Geprüfte Rettungsschwimmer. Von der Hauptgeschäftsstelle ber Deutschen Le­bens-Rettungsgesellschaft wurde der Turnleh­rerin Erika Weber, Dießen, Gbelstrahe 18. nach der mit Erfolg abgelegten Prüfung die Urkunde für den Lehrschein mit goldner Rodel überreicht. ES ist erfreulich, daß die Zahl der geprüften Rettungsschwimmer stetig anwächst. So haben in letzter Zeit, im Anschluß an einen von der D. L R. G. veranstalteten Lehrgang, insge­samt 25 Damen und Herren die Prüfung I bzw. II bestanden. Aus Gießen und näherer Um­gebung erhielten daraufhin den Grundschein bzw. den Prüfungsschein: Hermann Röhl-Wieseck: Fritz Leinberger - Heuchelheim; Arnold Auer-Mainzlar; Ernst S t 0 ck - Grünberg; Albert L u h - Allendorf a. d. Lahn; Heinz Schmidt, Erna Schüler, Anni K 0 m p f, Hans Lautensach, Ewald Schäfer, Franz R i tz e r t und Diether Stuhl auS Gießen.

"Iedem Fremden ein GlaS Wei n! Die Stadt Mainz hat die Verkehrswerbung um eine neue Idee bereichert. Ieder Fremde, der ein Dillet zu einer Stadtrundfahrt oder zu einer AuSflugsfahrt in die Weinbaugebiete löst, erhält einen Gutschein, den er in jedem Restaurant von Mainz und Umgebung gegen ein Glas Wein eintauschen kann. Wie verlautet, sind die Fremden von dieser liebenswürdigen Geste entzückt und man hofft, daß sich die Aus­gabe durch eine Steigerung des Fremdenverkehrs bald bezahlt machen wird. Dann dürften sich schnell Städte finden, die hinter Mainz nicht zurückstehen wollen, vorausgesetzt natürlich, daß nicht der Verein gegen das Zugabeunwesen Ein­spruch erhebt. Wer nach Berlin kommt, erhält dann einen Gutschein auf ein GlaSBerliner Weiße", Hannover spendetLütge Lagen", Ham­burgAalsuppe". Die Städte Frankfurt a. M. und Halberstadt können mit ihren Würstchen prunken. Und Gießen als Stadt der Zigarren­industrie könnte den Fremden mit einer Z i - garrenspen.de erfreuen!

* GesangvereinHeiterkei t". Dieser Tage sand die ordentliche Sornmer-Halbjahres- versammlung be$ GesangvereinsHeiterkeit" im Dereinslokal statt. Mitgliederst and, Singstunden­besuch und die Kassenverhältnisse konnten unter Berücksichtigung des wirlfchatt ichen Niedergangs als zufriedenste! end bezeichnet werden. Der Vor­stand wurde wie folgt neu zusammengesetzt: 1. Vor­sitzender Emil Koch, 2. Vorsitzender Karl Feu- her, Schriftführer Adam Uhrhan, Rechner Iean Heß, Beisitzer Ludwig Schardt, Wil­helm Feuerbach, Philipp Sommerlad, Ernst H ö r t, Eduard Seibert, Rudolf Schtckedanz , Herrn. Gebauer und Adam Büttner. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden fast ausnahmslos wiedergewählt.

** Der Frankfurter Sender bleibt. Vor einigen Tagen war das Gerücht in Umlauf gesetzt worden, daß der Frankfurter Sender aus der Reihe der deutschen Radiostationen gestrichen werde. Das Postministerium teilt jetzt dazu mit, daß nicht daran gedacht werde, den Frankfurter Sender aus der Reihe der deutschen Sender zu streichen und ihn in einen Zwischensender umzuwandeln.

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ropfjf in der Oflmanb|d)c: fd)toemmungäla' i Harbin gemeldet tr- ; rossen. Der ßuno^ » iM sind \xtec bitj >tite Miete der Me ine japanische Trupr ßn von der 11 mH- Lb muh durch 3M . x. Bei einem ebenfa.k m-.ttencn Trupp miM- . bei Taufenden von » ngersnot aus,* dir Zahl der Tod", Hungersnot und von eine ^ächtlicheH-H rmte großer Deinen, 'trt. Der Berlehr auf. ihn ist unterbrochen.

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 12. August 1932.

Oie Geißel der Arbeitslosigkeit.

Man pflegt die Arbeitslosigkeit nach der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger zu bemessen. Jilber auf jeden Unterstützungsempfänger kommen durch- lchnittlich zwei bis drei Familienangehorlge, aus denen d e Arbcitslosennot nicht minder ichwer,ost vielmehr noch schwerer lastet, als aus dem Ernährer der Familie. Wenn in Deutschland gegenwärtig ge­gen 5K Millionen Arbeitslose gezahlt werden so sind es in Wirklichkeit vielleicht lo bis 20 Millio- nen die unter der Erwerbslosigkeit notleiden und durch die sie ihrer Unterhaltungsmittel beraubt wer­den. Mag diese Schätzung auch etwas zu hoch sein, weil in vielen Familien ja mehrere Erwerbslose, also auch entsprechend weniger nicht gezählte Ange­hörige vorhanden sinp in jedem Falle ist es ein sehr- großer Teil des Gesamtvolkes, der heute unter dem Druck der Arbeitslosigkeit und der Einkorn- menslosigkeit dahinlebt. Nach einer Schätzung des Internationalen Arbeitsamts gibt es zur Zeit in der ganzen Weit 20 bis 25 Millionen Vollarbeits­lose. Zählt man aber auch ihre Familienangehörigen hinzu, so sind es 50 bis 60 Millionen Menschen, denen durch die Arbeitslosigkeit ihre wirtschaftliche Grundlage genommen worden ist. Es ist sicherlich nicht müßig, sich darüber Gedanken zu machen, welche sozialen, gesundheitlichen, psychologischen und moralischen Wirkungen eine solche langdauernde Massenarbeitslosigkeit zeitigt.

Aus der Zweiten Internationalen Konferenz für soziale Arbeit, die vor kurzem in Frankfurt a. M. tagte, hat man zum ersten Male versucht, die Fol­gen der Erwerbslosigkeit für die Gesamtheit der arbeitslosen Bevölkerung, also insbesondere auchfür die Familien der Arbeitslosen zu untersuchen. Man hat dabei feftgeftcllt, daß sich unter dem Einfluß der großen Arbeitslosigkeit die Eheschließungen oer- mindert haben, während umgekehrt bei einem Rück- Sher Arbeitslosigkeit ein plötzlicher Auftrieb der itsluft beobachtet werden konnte. Die Geburten­ziffern werden erst recht durch das Wachsen und Sinken der Erwerbslosigkeit erheblich verändert. Daß auch die Sterbezissern durch die Dauerarbeits­losigkeit erhöht werden können, ist bis jetzt noch nicht bewiesen. Offensichtliche Fälle von Hungertod sind in Deutschland noch nicht amtlich festgestcllt worden. Sicher aber ist, daß dauernde Arbeits­losigkeit Unterernährung Hervorrufen und sehr starke gesundheitliche Schädigungen verursachen kann. Diese Schäden aber treffen die Familien der Er- wcrbslosen ebenso wie die Arbeitslosen selbst. In -alle hat z. B. eine Untersuchung der Ernährungs­verhältnisse der Schulkinder der Arbeitslosen er­geben, daß im Jahre 1930 noch keine, im Jahre 1931 aber schon eine deutlich erkennbare Verschlech­terung des Ernährungszustandes stattgefunden hat. Dabei fand man, daß besonders stark die Kinder der Wohlfahrtserwerbslosen, also der Dauerarbeits- losen gesundheitlich gelitten haben. Man hat schließ­lich sogar die Zunahme der Ehescheidungen mit der umfangreichen und andauernden Erwerbslosigkeit in Verbindung bringen zu können geglaubt.

Auf einen großen Teil der Bevölkerung übt die Dauerarbeitslosigkeit also tiefgehende Einflüsse un- günstiger Art aus, die nur schwer in ihrer vollen Bedeutung für die künftige Entwicklung der am meisten gefährdeten Völker und Rassen gewürdigt werden können.

** Schwerer Motorradunfall mit tödlichem A u s g a n g. Im Laufe des gestrigen Nachmittags verunglückte der Studienrat Wal­lenfels aus Schotten, ein Sohn des Kaufmanns Georg Wallenfels in unserer Stadt, mit seinem Motorrad tödlich. Der Verunglückte weilte in Lang- Göns und stürzte mit dem Motorrad auf bisher

Auf Gi labung des Prvvinzia'birektorS bet Provinz Oberhesscn und des Oberbürgermeister- ton Gießen fand gestern abend im Stadttheater Lie diesjährige Versassungsseier statt.

Nach zwei musikalischen Darbietungen der Ka- pelle (Ginzugsmarsch aus ^Tannhäuser" von Wagner und Fest-Ouvertüre von Leutner) hielt Generalsekretär Lenz (Frankfurt a. M.) die Festrede. Der Redner erinnerte zunächst an Die tiefen Gegensätze, die heute zwischen den ver­schiedenen Volksschichten klaffen und die Notzeit noch besonders erschweren. Trotz alledem aber habe unser Volk Anlaß, das Verfassungswerk zu leiem, das in schwerster Zeit entstanden sei. Don dieser Grundlage aus gelte es gerade in der jetjt- een Zerrissenheit Brücken zu errichten, um unser Volk wieder zusammenzuschließen und sich der Stellung des Menschen in der Politik wieder be- Duht zu werden. Den von Goethe betonten Wert »der Persönlichkeit habe die Reichsverfassung in ihren Grundregeln und Grundpslichten als Ziel aufgezeigt und festgestellt. In der Verfassung sei die Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetz und damit das Vertrauen in eine gerechte Rechtsprechung gewährleistet. Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung sei tür Männer und Frauen geschaffen worben. Haus ..... ' deutschen damit in gefunden, der Ver- Ehe und

Räuber, Opium uni) Gold.

Dilder aus der wilden Mandschurei. Don <5 von llngern-Sternberg.

Die Halbmillionenstadt Tharbin, die la­sterhafte und vergnügungssüchtige Großstadt, wird bald hinter unS liegen. Ein leichter Nebelschleier bedeckt den Sungaristrom. Aus dem Wasser schaukeln träge einige flache Boote. Ehinesische Händler bieten mit unver­ständlichen Lauten allerlei Waren feil, übernäch­tige Europäer, Frauen und Männer, haupt­sächlich weiße Russen, die die Revolution heimatlos gemacht und auf dunlle Wege getrieben hat, schleichen müde am Ufer und an den vielen übelbeleumdeten Vergnügung-lokalen vorbei. Unserem Auto klingen lockend und schmal­zig Akkorde auS iiHeida Troika" nach. Die Geigen weinen, und hinter uns versinkt eine Welt, die zu leben aufgehört hat, und vor uns, in weiter, weiter Ferne liegt ein fast unbekanntes, der Kultur noch nicht erschlossene- Land, d i e Mandschurei der Räuber, der Gold­sucher, der Abenteurer und der- g e r in den Urwäldern und Steppen am Amur­strom. Noch liegen rechts und linkS einige größere Städte und Dörfer, Tschangfchun, die neue Re­sidenz des EfkaiserS Puij, Mergen usw., aber obwohl sich die chinesische Einwande­rung in tme letzten 25 Jahren als ein gewaltiger Strom über die Mandschurei ergossen hat und die Iapaner Fabriken und Bergwerke errichtet haben, ist der Norden, der zirka 2500 Kilometer weite Amurbogen, ein wildes, kaum besiedelte- Land.

Gleichförmig und öde ist der Weg. Eine von der Sonne versengte Steppe, aus der sich kegel- artig, als ob es Grabmäler wären, kleine Hügel erheben. Wenn eS regnet, versinken die Achsen in einem zähen Schlamm, der ein Vorwärts- kommen säst unmöglich macht. Ist es trocken, so legt sich eine dichte Staubschicht über Menschen und Gefährt, und rund herum lasten schwer und drohend Einsamkeit und Ver­lassenheit über dem Reisenden. Wer Pudowkins Sturm über Asien" im Film gesehen hat, der kennt die Umgebung, die kahlen Berge und die Steppen, über deren Halme, Steine und Sandflächen der Sturm der Reiterattacke hinweg­fegt. An einigen Bächen, die Geld führen, liegen chinesische Goldwäschereien. Auf dem Wachtturm stehen Posten, die Büchse im Anschlag, und halten Umschau nach Räuberbanden, die durch die Einöden streifen und die Niederlassungen ausplündern, wenn die Posten nicht aufpassen und die Wachen rechtzeitig alarmieren. Da aber alle dem Laster des Opium rauchen« fronen und meisten- in seligen Träumen aus ihren harten Pritschen ruhen, so gelingt es den Banden ost genug, da- mühsam gewonnene Gold zu rauben und, ohne daß eine Verfolgung mög­lich wäre, auf ihren zottigen Pony- in bet Steppe unterzutauchen. Gold, Opium und die Schengwurzel find die Kostbarkeiten, die die Abenteurer in die wilde Mandschurei locken. Ein Menschenleben hat dort weniger Wert, ein einzelne- Menschenschicksal ist bald vergessen, aber die chinesischen Banditen und Ehunchusen, De­sperados, Deserteure, die bald Soldaten, bald Räuber sind, morden nur selten, sie ziehen es vor, von reichen Leuten ein Lösegeld zu erpressen, bemächtigen sich der Waffen und der Habe, zünden auch wohl die Hütten an, aber vermeiden es, Menschenblut zu vergießen. Das Räuberhandwerk ist nicht verachtet, denn in der Mandschurei trägt nicht der Soldat, sondern der Bandit den Marschallstab im Tornister. Der all­mächtige Marschall und Vizelönig Tschang- s 0 l i n in Mukden war im Anfang seiner Kar­riere nut ein kühner und erfolgreicher Räuber- hauptmann, auch andere der vielen chinesischen Marschälle, die sich gegenseitig im Bürgerkriege bekämpfen, haben nicht etwa Kabettenschulen be­sucht, sondern ihre militärischen Lorbeeren unter Räuberbanden gesammelt.

In der Mandschurei scheint sich der wirkliche Sturm über Asien zusammenzuballen, und es ist fast eine Ironie des Schicksals, daß sich die ersten Windstöße gegen die roten Russen gerichtet haben, die das Unwetter selbst entfachen halsen. Die Lawine rollt, noch läßt sich nicht Voraus­sagen, wann und wo sie zum Stehen kommen wird. Verzweiflung und Elend wachsen ins Grenzenlose.

Der Sommer ist glutheiß in der nördlichen Mandschurei, wilde Lilien und hunderterlei an­dere Blumen bedecken den Boden, und da kein Fabrikrauch den Himmel schwärzt, so ist daS Atmen leicht und die Lust belebend. Ie mehr

man sich der sibirischen Grenze am Amurstrom nähert, um so einsamer wird die Umgebung. Ab und zu stößt man auf Flüchtlinge, denen es unter den Kugeln der roten Grenz Wächter ge­lungen ist, ins mandschurische Gebiet zu ge­langen. Hungrig, müde aber von Hoffnungen er­füllt, pilgern sie nach Süden, wo sie wieder Blut­vergießen und Elend erwartet. Ab und zu stößt man auf eine Tungusenniederlassung, auf Män­ner und Frauen, Die ganz abseits vom Welt­geschehen leben, und die sich nur um daS kleine Stück Erde lümmern, das sie bebauen, und um das Wild, das sie jagen. An der Wand in der Holz- oder Lehmhütte liegen auf der Pritsche weiche Felle ausgebreitet, die alS Lager dienen. Der Fußboden starrt vor Schmutz, Hühner und Kleinvieh treiben sich im Raume herum, am Ofen hängen in kribbelnden Garben Nester von Ungeziefer. Vor der Wohnung ragen auf langen Stangen aufgespannt allerlei Tier­häute, die den Windgöttern geweiht sind, damit sie, wenn sie über die weite Fläche dahinrasen, bie Opfergaben bemerken und dem Darbringer geneigt bleiben. Die Schamanen sind bie Priester Der Tungusen und Solonen. Bei ihrem Göttcr- bienft, wenn sie ihre Tanzzeremonie beginnen und den großen Zauber verrichten, schütten sie SchnapS in alle vier Himmelsrich­tungen. Sie wollen weder auf die christlichen Missionare, noch auf andere Erklärungen der Welträtsel hören, für sie bleibt alles Zauber unb Geisterstimmen, sie lächeln weise über bie Klugen aus den großen Städten und behaupten, daß jeder Mensch von tausend Unbegreiflichkeiten um­geben sei unb bah bie Geister ben Vorwitzigen nicht geneigt seien.

Die Gelehrten unter ben Eingeborenen sind fromme Lamaisten unb Dubbhisten unb stehen unter bem Einfluß beS Lamaklosters am Gru» sinskojer See. unweit der mongolischen Grenze. Diese berühmte Klo st er stabt unb Wall­fahrtsstätte besteht aus einer Reihe von großen unb kleinen Holzbauten, bie in Rechtecken ange- orbnet unb mit Zäunen umgeben sinb. Der srembe Besucher ist willkommen. In ber Sonne glänzen bie goldenen Dachfiguren unb bie roten, nach oben geschweiften Ziegelbächer. Dumpfe Gongschläge ertönen, rotbekleibete Mönche, die einen federgeschmückten Helm tragen, ziehen in einen ber vielen Tempel ein, hocken nieber, bre- hen ben bubdhistischen Rosenkranz flink zwischen ben Fingern unb murmeln Gebete. 3m Haupt- ternpel thront eine riesige Dubbhastatue hinter GlaS, umgeben von schweren golbcncn Schreinen, überall hängen kostbare Seiden- unb Damast-Vorleger, Danner unb geheiligte Stan­darten.

Reben Buddha hat auch der GottMandarin", der als Schöpfer ber Welt verehrt wirb, seinen Tempel, sein Bildnis ist reich vergoldet. Ein anderer Tempel ist Rydschidma, dem Gott des Reichtums, ein anoerer Diwaschin, dem Gott des Paradieses geweiht, bem Blumen unb farben­prächtige Gegenstände geopfert werden. Eine reiche, auf Pergament in tibetanischer Sprache geschriebene Bibliothek ist der Stolz de- Lama- klvsters. Um alle die Bände durchzustudieren, braucht ber gelehrte Mönch etwa 20 Iahre. Der Hutuktu in Urga, der zweite lebende Buddha, ist kürzlich gestorben, und seine Wiederverkör­perung ist noch nicht bekannt gegeben. Ihm war auch daS Kloster am Grusinskoier See unterstellt. Da nun aber tn Urga, in ber äußeren Mongolei, ber Huruldan unter sowjetrussischer Herrschaft steht, so sinb auch für ben wieder- geborenen Gott und die Lama-Aebte schwere Zeiten gekommen, die Derbindung mit dem D alai Lama in Llhassa ist nur eine lose, unb bie Spenben von ben reichen Burjaten aus Si­birien gehen nur spärlich ein.

Dort in der nördlichen Mandschurei ist die Zeit stehen geblieben. Die Tungusen, die Gold­sucher und Abenteurer mögen sich kaum darüber Gedanken machen, was in Eharbin und an ber ostchinesischen Bahnlinie vorgeht, es mag ihnen gleichgültig fein, ob ber chinesische Marschall ober Exkaiser Puij unter dem Schuh der Ia­paner regiert. Für sie ändert sich wenig, nur wenn bie japanischen Kriegsflieger Über ihre WilbniS dahinstreichen unb Bomben abwersen, mögen sie glauben, baß ihnen ihre Götter zürnen unb baß sie eine Strafe des Him­mels getroffen hat. Sie werben ihre Opiumpfeife anzünben unb im Traumlanb Trost suchen...»

mung der Haupttäter geklärt. Die Aufklärung an­derer steht bevor.

Der Führer ber Bande war ein 27jähriger Former au8 Frankfurt, der im September 1931 in der Gemarkung Kalbach einen Feldschützen, der ihn bei der Plünderung eines Nußbaumes überraschte, niederschoß. Er wurde dafür zu 14 Iahren Zuchthaus verurteilt. Zu der Bande ge­hörte ferner ein an diesem Totschlag beteiligter Fensterputzer aus Frankfurt, sowie ein Schwager des Täters und weitere fünf Personen, außerdem viele zum Teil bereits polizeilich bekannte Hehler. Begünstiger und Mittäter, unter denen auch die Ehefrauen der Haupttäter zu zählen sind.

Nach dem Geständnis der Täter, die, soweit sie nicht im Zuchthaus sind, nunmehr in -Unter» suchungshaft sitzen, sind bisher u. a.40schwere Einbrüche aufgeklärt worden. Urheber war immer der Führer der Bande, der einer der ge­fährlichsten Verbrecher ist, die die Polizei kennt. Er schreckte auch vor einer Bluttat nicht zurück und hat gelegentlich seine Komplizen mit Waffen bedroht, um ihre Mittäterschaft zu erzwingen.

Buntes Allerlei.

Oie Wildpferde sterben aus.

Nicht nur das Pferd als Haustier geht infolge der fortschreitenden Ausbreitung des Motorfahrzeuges immer mehr zurück, sondern auch die Pferderasse überhaupt. Nach den Mitteilungen von Tilly Edinger in denNaturwissenschaften" ist eine ständige 2ll>- nahme der Zahl der Unpaarhufer festzustellen. Manche Vertreter dieser Tierklasse sind in uralten Zeiten schon aus unseren Gebieten verschwunden. So ist der Tapier, der noch im Tertiär in Deutsch­land lebte, jetzt nur noch in Süd-Asien und im tro­pischen Amerika zu finden. Auch die Nashörner, die bei uns noch in der Eiszeit vorkamen, sind heute

auf die afrikanischen und asiatischen Tropen be­schränkt. Von den echten Einhufern, den Pferden und Eseln, stirbt ein Stamm nach dem andern aus. Von den drei noch in geschichtlicher Zeit vorhandenen Gruppen der Pferde, sind die Tarpane seit 1876 aus­gerottet: von ben Przevalski- und den weißen Tun« dren-Pferden gibt es nur noch geringe Ueberrcste. So verschwindet das Wildpferd immer mehr. Auch die WildesLl werden immer seltener und finden sich z. B. nicht mehr im nordafrikanischen Atlas. Quaggas und Zebras sind auf wenige Schutzgebiete beschränkt. Im ganzen sind von den neunzehn wildlebenden Ein­hufer-Rassen mindestens fünf in geschichtlicher Zeit ausgestorben, vier im Aussterben, drei gehen stark zurück und drei weitere ebenfalls, wenn auch in we­niger deutlicher Form. In guter Entwicklung sind nur noch vier Rassen: der tibetanische Kiang, der mongalische Tschiggetai, das Böhm-Zebra und das Gr^vy-Zebra. Außer den Menschen sind für dieses Aussterben Klimaveränderungen verantwortlich.

Merkwürdiges Testament.

Eine vor einigen Wochen verstorbene unb ein­geäscherte Dame hatte letztwillig verfügt, bah chre Asche in einer Urne bem Rhein an- vertraut werbe. Dieser Wunsch würbe nun von ben Erben erfüllt. Die Urne ging jeboch nicht unter unb würbe bei einem Elektrizitäts­werk angefchweinmt. wo man zuerst an eine Bombe dachte. Nachbem bie Polizei ben Zu­sammenhang geklärt hatte, wurde bem Willen ber Verstorbenen Genüge getan und Asche unb Urne getrennt bem Rhein übergeben.

Kirchliche Nachrichten

Israelitische Religionsgemeinden.

Israelltifche Reiigionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 13. August. Vor­abend 7.30 Uhr: morgens 8.30; abends 8 und 8.40 Uhr.