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. Aus der Provinzialhauptstadt.
Dießen, den 12. Äugust 1932.
taten für Zrciiag. 12. Uugust.
1848: der Begründer des Eisenbahnwesens George Stephenson in Taptonhouse gestorben.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die Mutter der Kom- panie". e
* Drei Einbrüche bei öffentlichen Körperschaften. In der vergangenen Nacht wurde in die Büroräume dreier verschiedener öffentlicher Gebäude (Provinzialdirektion Betriebsamt I der Reichsbahn und Landwirtschaftliches Institut) eingebrochen. Sämtliche Behältnisse wurden gemalt- (am geöffnet und durchwühlt. Nähere Einzelheiten, tnsbtjonbere darüber, was den Einbrechern an Ber
ten in die Hände fiel, steht noch aus. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei.
" D ie Kraftpost-Ausflugsfahrt der Reichspost, die am kommenden Sonntag von Diesten nach Lausphe—Biedenkopf—Marburg und zurück nach Diesten führt, dürste sich auch diesmal wieder einer lebhaften Beteiligung von leiten der Bürgerschaft erfreuen. Das erscheint nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dast die Reise in das landschaftlich so austerordentlich reizvolle hessische Hinterland führt. Aufenthalte sind vorgesehen in Laasphe (Gelegenheit zum Besuch der schönen Burg Wittgenstein), in Biedenkopf und in der Stadt der heiligen Elisabeth, in Marburg. Am Abend, zu günstiger -Zeit, treffen die Teilnehmer wieder in Gtesten ein. (Siehe auch die gestrige Anzeige.)
Die neue Kirche der NeuapoWschen Gemeinde.
Einweihung am kommenden Sonntag. — Jtautn für 600 Kirchgänger.
3m Süden unserer Stadt ist ein neues Gotteshaus errichtet worden: die Kirche der neuapostolischen Gemeinde. Bisher hielt diese Gemeinde allein in der Kapelle an der Ederstraße ihre Gottesdienste ab. Run wird am Sonntag zum erstenmal auch Gottesdienst im neuen Haus gehalten: gleichzeitig wird die Kirche eingeweiht. Das neueste Gotteshaus im Bilde unserer Stadt verdient eine eingehende Betrachtung. ,
Seit langer Zeit trug sich die neuapostolische Gemeinde mit dem Gedanken, eine weitere Kirche zu errichten.
Borhalle aus, frei angeordnet, führen von zwei Seiten her einige Stufen zum Hauptportal, über dem plastisch und farbig dargestellt die Insignien der neuapostolischen Gemeinde zu sehen sind: ein grostes goldenes Kreuz vor der ausgehenden Sonne, die sich aus dem durch stilisierte Wellen dargestellten Meer erhebt. Links und rechts des Kreuzes erscheinen die Zeichen Alpha und Omega.
Betritt der Besucher das Gotteshaus, so empfangt ihn zunächst ein in schlichten, unaufdringlichen Farben gehaltener D o r r a u m, schließlich aber der Hauptraum selbst, der ob seiner
Die Neuapoftolifche Kirche an der Händel-Straße (links). — Der Berbindungsbau als Garage; rechts anschließend das Wohnhaus.
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Die Opferbereit,djaff der Mitglieder des ganzen Bezirksverbands (Hessen, Hessen-Nassau und Siegerland) Hai das werk erflehen lassen.
Am 2. September vorigen Jahres wurde der erste Spatenstich getan. Anfang Oktober begann man mit der Ausführung des Rohbaues, zu Weihnachten 1931 war das Gebäude bereits unter Dach. Run legttn die Handwerker letzte Hand an. Der Entwurf zu dem Gotteshaus stammt von dem (Siebener Architekten Hamann. 3n feinen Händen lag auch die Bauleitung.
Betrachtet man die Kirche von der Straße her. so fällt dem Beschauer zunächst die aus Säulen und fünf hohen Bogen gestaltete B o r - halle auf, die dem Kirchenbau ein besonderes Gepräge gibt und ihm jene würdige Rote vermittelt. die man an einem solchen Bauwerk schon rein äußerlich nicht missen möchte. Bon der
Geräumigkeit, seiner klaren Gestaltung, feiner einfachen Ausschmückung angenehm berührt. Als Farbe herrscht Gelb vor. Keine Säule unterbricht Raum und Fläche. Einfaches, dunkelgebeiztes Gestühl bietet Platz für 460 Besucher. Die Kanzel, dekorativ überhöht durch die Darstellung des Kreuzes und der ausgehenden Sonne, ist an der Stirnseite des Raumes angebracht und bildet so den räumlichen und geistigen Zielpunkt des Gotteshauses. Die Decke ist durch die in zwei verschiedenen Brauntönen gehaltenen Balken auf das angenehmste belebt. Heber dem Dorraum befindet sich eine geräumige Empore, aus der die Orgel ihren Platz gefunden hat und außerdem für den Chor, stufenförmig aufbauend, reiche Auf- stellungsmöglichkeit geschaffen wurde.
Der Kirchenraum in seiner Gesamtheit ist über 24 m lang, 12,50 m breit und 6,50 m hoch. Hohe
SJL-tfpott
Spielvereinigung 1900 (ließen.
Lamstagsspiel: 1900 — Spv. Wehlar.
Die Spletvereinigung 1900 geht mit vollen Segeln in die neue Spielzeit. Arn morgigen Samstag ist die Ligamannschaft des Sportvereins Wetzlar auf dem Sportplatz der Spielvereiniaung an der Liebigshöhe zu Gast. Die Wetzlarer find gefährliche Gegner. 3n der letzten Zeit eilten sie von Sieg zu Sieg. 1900 mußte gegen Ende der vorhergehenden Saison zweimal verlieren. DsB. Gießen verlor, spielte dann auf eigenem Platz unentschieden 6:6; Germania Marburg und Kurhessen Marburg verloren gegen die Wetzlarer, die Mannschaft unterlag gegen den Mittel- rheinmeister Reuendorf nur mit einem Treffer Unterschied und bewies damit die aufsteigende Form. Tatsächlich haben die Gäste des Samstags durch Reueinstellungen wesentlich gewonnen,
die Elf hat sich in technischer Hinsicht um einiges vervollständigt, dazu befleißigte man sich in der jüngsten Zeit einer Fairneß, die die Mannschaft zum sympathischen Gegner macht.
Die Blauweihen stehen vor einem schweren Kampf. Mit Schlarb; Zeiler, Luft; Langsdorf, Heilmann, Glitsch; Jäckel, Arnold, Lippert, Göbel und Schmidt sollten sie aber zu stärkstem Widerstand fähig sein und den Gegner voll zur Entfaltung bringen. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorauszusehen. Die 1900er werden mit einer etwas exakteren Zusammenarbeit aufwarten müssen, als am Sonntag. Richt zuletzt aber wird die Tagesform, der man einen entscheidenden Einfluß nicht absprechen kann, mit ausschlaggebend sein. Am Sonntag tritt die Mannschaft in Alsfeld gegen den Sportverein Alsfeld 04 an. Wir kommen daraus zurück.
Volkölurn-Jeisterschasten des SW.
Schöne Erfolge der Teilnehmer des Lahn-Oünsberg-Gaues.
Der erste Tag.
Die am Sonntag in Dreieichenhain bei Darmstadt zur Durchführung gelangten Volkstum- m e i st e r f ch a f t e n des STD. brachten den Teilnehmern des Lahn-Dünsberg-Gaues eine ganze Anzahl schöne Erfolge. Die Veranstaltung wurde schon am Samstagnachmittag mit Dorkämpfen und einer Reihe von Entscheidungen begonnen. Schon an diesem Tage schnitt der Lahn-Dünsbcrg-Gau sehr gut ab. Die erste Entscheidung fiel im Stein- stoßen, das Rühl- Beuern vor Wilh. B e p l e r • Kinzenbach mit 7,31 Meter gewann. Im Stabhochsprung brachte es Wilh. B e p l e r - Binzenbach mit 3,10 Meter zu einem 2. Platz. Eine weitere Meisterschaft sicherte sich Rühl- Beuern im Speerwurf, den er mit 45,80 Meter vor Dietz- Lollar, der 44,70 Meter erreichte, und W i s f e rn a n n - Lollar gewann.
Weitere Siege für den Lahn-Dünsberg-Gau erbrachten das Diskuswerfen und der Weitsprung. Im Diskuswerfen blieb Emil Win- ter- Launsbach mit 31,26 Meter vor Dietz- Lollar und Sauer- Ruttershausen, Sieger, während S ch i e f e r st e i n - Launsbach mit 6,15 Meter sich wieder den Meistertitel im Weitsprung sicherte.
Den 3000-Meterlauf holte sich Jung- Bellersheim (Gau Wetterau) knapp vor Klein-
Kelsterbach in der guten Zeit von 9,26 Min. Im Kugel st oßen belegten Emil Winter- Launsbach mit 11,38 und Dietz- Lollar mit 11,04 Meter den 2. und 3. Platz hinter dem Sieger Rudert- Lanaen, der 11,59 Meter erreichte. Einen weiteren 3. Platz erreichte Dietz- Lollar im Hochsprung. Sieger wurde hier Rudert-Langen.
Der zweite Tag.
Der Sonntagvormittag sah nur die Mehrkämpfer in Aktion. Im Fünfkampf für Männer siegte Großhaus -Lollar überlegen vor Scheiber-Mörfelden. Den 4. Platz belegte Bepler-Kinzenbach vor Delte-Atzbach, der an die 5. Stelle kam. Der Sieger erreichte weit über 3000 Punkte und hatte seine beste Leistung im 100-Meter- lauf mit 11,6 Sek. Der Sieger im Iugend-Fünf- fampf, Möbus-Reiskirchen, erreichte über 3200 Punkte. Den 2. Platz erreichte gleichfalls der Lahn- Dünsberg-Gau durch K. Will- Ruttershausen, der es auf 3000 Punkte brachte.
Eine große Zuschauermenge verfolgte am Nachmittag die Hauptentscheidungen in den Läufen, welche bei sehr schönem Wetter auch gute Ergebnisse zeitigten. Den schönsten Erfolg hatte hier Großhaus-Lollar, der durch den Gewinn der 100 Meter und 200 Meter Doppe Ifieger wurde, lieber 100 Meter schlug er in 11,6 Sek.
Fenster lassen viel Licht einfluten, für Bentila- tion ist ausreichend gesorgt, die Heizung geschieht durch Warmluft in einem sinnreichen Umlauf system. Kugelförmige moderne Beleuchtungskörper fügen sich dem Ganzen ausgezeichnet ein. An den Wänden sind allenthalben Kleiderhaken angebracht, so daß die Besucher nicht gezwungen sind, in lästigen — bei Regenwetter oft genug feuchten — Mänteln sitzen zu müssen. Die Akustik (ein ganz besonders heikles Kapitel bei großen Räumen) ist als sehr gut zu bezeichnen. Die Orgel — ein Werk der bekannten Firma F ö r - sterLRikolausin Lich — vermag die Kirche mit ihren vollen, weichen, ausgeglichenen Tönen restlos zu füllen.
Links neben dem Borraum, unter der Empore, wuroe ein sogenanntes Aeltestenzimmer geschaffen, das im Rotfalle bei starkem Besuch zur Erweiterung des Kirchenraumes nutzbar gemacht werden kann; desgleichen der Raum rechts des Eingangs, von dem aus die Treppen zur Empore führen. Durch diese Erweiterungen ist es möglich,
für 600 Personen Sitzgelegenheit zu schassen.
3m Keller ist die Heizung untergebracht, im Dachgeschoß, das in seiner Konstruktion mit dem denkbar geringsten Aufwand an Mitteln und unter Zuhilfenahme von eisernen Streben erstellt ist, befindet sich der Blasebalg für die Orgel.
Durch einen niedrigen Zwischenbau, in dem eine Garage untergebracht wurde, ist mit der Kirche das Wohnhaus des Gemeinde- und Bezirksvorstehers verbunden. Der gesamte Gebäudekomplex, aus Ziegelsteinen aufgeführt und mit einer besonderen Masse in hellem Gelb verputzt, macht einen überaus freundlichen Eindruck, der noch gesteigert werden wird, wenn die geplanten gärtnerischen Anlagen das Gesamtbild vervollständigen. •
Es bedarf der besonderen Erwähnung, daß die Kirche durch das einheimische Handwerk erstellt worden ist. Das Baumaterial wurde von Firmen der Stadt und der nächsten Umgebung geliefert Der Innenausbau war Gießener Handwerkern übertragen, die sich mit großer Sorgfalt dem Werke widmeten.
Das neue Gotteshaus gereicht unserer Stadt zur Zierde.
Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hat der Architekt einen harmonischen, würdigen Dau errichtet und auch die Verbindung mit dem Wohnhaus gut gelöst.
Am kommenden Sonntag werden sich nun die Mitglieder der neuapostolischen Kirche unserer näheren und weiteren Umgebung zur Einweihung des neuen Gotteshauses einfinden. In würdiger Feier soll die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Feier beginnt, wie aus der heutigen Anzeige hervorgeht, um 9.30 Uhr.
3n weiten Kreisen der Bevölkerung herrscht noch Unkenntnis über das Wesen der apostolischen Kirche. Der Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herr Buchner, der gleichzeitig Vorsteher des Bezirkes ist, übermittelte uns hierüber einige kurze Ausführungen, die nachstehend wiedergegeben seien: „Die Reuapostolische Gemeinde ist in ihrer Tendenz und in ihrem Wesen auf Grund der mancherlei biblischen Verheißungen eine göttliche Bewegung. Durch sie wird in der gegenwärtigen Zeit eine Gnadenheimsuchung bewirkt unter allen Völkern der Erde. Sie steht der Politik fern und repräsentiert das Wesen und Bild der Urkirche zur Zeit der ersten Apostel vor 1900 Jahren. Die besitzt dieselben Aemter, sowie alle Geistesgaben und Kräfte, wie die Kirche Christi in der ersten apostolischen Zeit. Ihre vornehmste Aufgabe besteht darin, mit ihrem geistigen Vermögen zum Segen und zur Erlösung der gesamten Menschheit, ohne Unterschied der Rationalität, zu dienen und eine Gemeinschaft zu bilden, die praktisches Christentum übt, um würdig zu sein, die himmlischen Verheißungen zu erlangen.“
Hikler - Langen, welcher 11,7 Sek. benötigte. An 3. Stelle kam Bechlhold - Wißmar in 12,0 Sek. ein. lieber 2 0 0 Meter schlug er nach glänzendem Lauf in der sehr guten Zeit von 23,9 Sek. Agel - Atzbach 25,2 Sek. und Bechthold - Wißmar 25,4 Sek. lieber 4 0 0 Meter reichte es für Komp- Lollar nur zu einem 3. Platz. Sieger wurde hier L a u n - Kelsterbach in 56,8 Sek. Den 800 = 9JI e = terlauf sah Klein-Kelsterbach knapp vor Pfaff- Launsbach in Front, 3. wurde Otto Agel - Atzbach.
Eine schöne Leistung vollbrachte Jung- Bellersheim als Sieger im 7500-Meterlauf, den er überlegen mit ca. 350 Meter Vorsprung vor Maid- Hausen in der guten Zeit von 25:45,0 Min. gewann.
Die 4mal-100-Meterstaffel wurde von der Mannschaft des T. u. Spv. Langen in der guten Zeit von 47,7 Sek. von Togg. Ruttershausen, die 48,3 Sek. benötigte, gewonnen. Die 4mal-800» Me ter staffel gewann die Mannstaft des Tv. Atzbach. Gleichfalls wurde die 1500-Meterstaffel von einem LDG.-Verein, dem Tv. L a u n sb a ch , gewonnen. Zweiter und dritter wurden die Mann- schäften von Tv. Atzbach und Togg. Ruttershausen.
In den Jugend-Wettbewerben startete über 8 0 0 Meter B e st - Wißmar und errang einen eindrucksvollen Sieg in der guten Zeit von 2:16,8 Minuten. Die Siegerehrung beschloß die harmonisch verlaufene Veranstaltung.
Turngau Latm-Oünsberg.
Geräle-Mannschaslskampf
Steinbach — Hausen — Reiskirchen.
Obige Mannschaften, bestehend aus je sechs Turnern, trafen sich am Sonntag in Steinbach zu einem Gerätewettkampf. Um 15 Uhr eröffnete Vorsitzender Haas- Steinbach den Wettkampf mit eindringlichen Worten über den Wert des Geräteturnens. Der Kampf verlief reibungslos und wurde auch von den Kampfrichtern stets sicher bewertet. Nach Beginn des Kampfes ging Steinbach am Pferd mit 136 Punkten in Führung. Es folgte Haufen mit 125 Pkt. und Reiskirchen mit 107 Pkt. Am Barren errang Steinbach 153 Pkt., Reiskirchen 133 Pkt. und Hausen 129 Pkt. Am Reck Steinbach 135 Pkt., Hausen 132 Pkt., Reiskirchen 129 Pkt Bei den Freiübungen, ausgeführt von zwei Turnern jeder Mannschaft, erhielt Steinbach 56 Pkt., Hausen 54 Pkt. und Reiskirchen 46 Pkt. Hiermit ging Steinbach mit 480 Pkt. als Sieger hervor, es folgte Haufen mit 440 Pkt., Reiskirchen mit 415 Pkt. Die besten Leistungen zeigten an den Geräten H. Größer- Steinbach, 82 Pkt., L. Reinschmidt-Steinbach, 76 Pkt., K. Sarnes- I Haufen, 73 Pkt., K. Roth - Steinbach 72 Pkt., H. 1 Ruppenthal - Hausen, 68 Pkt. Bei der Frei- | Übung erzielte H. Größer- Steinbach 29 Pkt., O Schardt - Hausen 28 Pkt., K. Roth-Stein- 1 bad) 27 Punkte.
Eilverkehr im rhem-mamischen Etädiegebiei
Der Hessische Derkehrsverband in Darmstadt teilt folgendes mit:
In der Hauptversammlung des Hessischen Ver- kehrsoerbandes zu Darmstadt am 19. Juni 1929 befaßte sich ein eingehendes Referat mit der Notwendigkeit, im Städteverkehr des Rhein-Main- Gebiets dem Schienenweg anaesichts des stark zunehmenden Wettbewerbs des Kraftwagens neuen Auftrieb zu geben. Der Bericht legte dar, daß der Rückgang des Anteils der Eisenbahn am gesamten Verkehr nur aufgehalten werden könne, wenn in großzügiger Weise
ein Lezirks-Eilverkchr mit häufigen, schnellen und preiswürdigen Fahrgelegenheiten von Stadt zu Stadt eingerichtet werde.
Das Referat schloß mit dem Vorschlag, Triebwagen-Eilfahrten einzurichten, und zwar mit 10 H-Wagen, wovon jeweils 8 sich in Betrieb befinden sollten. Bei einer Leistung des einzelnen Wagens von rund 375 Kilometer am Tage sollten auf diesem Wege 3000 Kilometer Wagen-Kilometer mit diesem modernen Fahrzeug zurückgelegt werden.
Auf Grund des lebhaften Widerhalls, den dieser Vorschlag bei den beteiligten Derkehrsinteresscnten und auch bei maßgebenden Stellen der Reichsbahn fand, verdichtete der Hessische Verkehrsband seine Vorschläge in einer eingehenden, der Reichsbahn und den beteiligten Derkehrsorganisationen übermittelten Denkschrift vom November 1929. Die Denkschrift führte aus, daß die Anlieferung besonders leistungsfähiger schneller Triebwagen zweckmäßig nicht abgewartet werde, daß man vielmehr zunächst den dringenden Wünschen auf Einführung beschleunigter Bezirks-Eilzüge dadurch entsprechen solle, daß man leichte Dampfzüge einsetze. Hinsichtlich des Fahrplans dieser Züge machte die Denkschrift, die als „GrÜnbu ch" bekannt geworden ist, im einzelnen zahlenmäßige Vorschläge.
Erfreulicherweise fielen diese Anregungen, die von zahlreichen anderen Stellen, namentlich auch von den Industrie- und Handelskammern des Rhein-Main-Gebiets, tatkräftig unterstützt wurden, auf fruchtbaren Boden: Der am 15. Mai 1930 in Kraft getretene Fahrplan der Reichsbahn enthielt erstmals
2Ö neue Lilzuge, die sich auf die Strecken Frankfurt—Mainz—Wiesbaden, Frankfurt — Main-Kastel — Wiesbaden und Wiesbaden—Mainz—Darmstadt verteilten. Daneben wurden auf den Strecken Hanau und Frankfurt — Friedberg — Bad-Nauheim beschleunigte zuschlagfreie Züge eingelegt. Im Sommer 1931 kam zu diesen Zügen je ein Eilzugpaar auf den Strecken Darmstadt—Bensheim—Worms und Darmstadt—Aschaffenburg hinzu, die allerdings leider nur im Sommer gefahren wurden. Im Sommer 1932 wurde erstmals die Strecke Mainz—Bingen—Bingerbrück durch Einlegung eines neuen Eilzugpaares bedacht.
Wie nicht anders zu erwarten war, stellte sich die neue Einrichtung durchaus als ein Erfolg dar derart, daß weitaus die überwiegende Zahl der neuen Züge sich sehr bald einer stärkeren Benutzung erfreute Wenn der Verkehr auf den Bezirks» Eilzügen nicht noch lebhafter geworden ist, so liegt dies, abgesehen von der Ungunst der allgemeinen Wirtschaftslage, hauptsächlich daran, daß die zusätzliche Ausgabe für den Eilzugzuschlag, der allerdings eine wesentlich schnellere Beförderung entspricht, vielfach gescheut wurde und noch immer wird. Die Folge hiervon ist, daß ein beträchtlicher Teil des Städteverkehrs im Rhein-Main-Gebiet, der naturgemäß den Be- zirks-Eilzügen zufallen würde, noch immer durch die langsam fahrenden Personenzüge bedient wird.
Dieser • Umstand sollte zur Erwägung Deran- laffung bieten, ob nicht zum mindesten ein Teil der Lezirks-Eilzugsfahrten von der Zn- schlagpflicht befreit werden kann, wobei man von der Erwägung auszugehen hätte, daß im rhein-mainischen Städteverkehr auf allen Zwischenstationen anhaltende lange Personenzüge im Zeitalter des Kraftwagens nicht mehr als zeitgemäß schnelle Beförderung angesprochen werden können.
Wie zweckmäßig der Vorschlag des Hessischen Derkehrsverbandes war, die Fertigstellung neuer leistungsfähiger Eiltriebwagen nicht abzuwarten, vielmehr zunächst leichte Dampfzüge einzusetzen, beweist der Umstand, daß es erst im Juli 1932 möglich war, den e r ft e n der seit längerer Zeit angetünbigten und erwarteten Eiltriebwagen praktisch in Dienst au stellen, nachdem das Fahrzeug in besonders sorgfältiger Vorbereitungsarbeit auf feine praktische Brauchbarkeit erprobt worden ist. Seit einigen Tagen verkehrt der neue (Eil- triebroagen, der über eine bemerkenswert hohe Fahrgeschwindigkeit bei schneller Anfahrfähigkeit verfügt und der den Reisenden alle Bequemlichkeiten bietet, die sie füglich beanspruchen können. Der neue Triebwagen ist zunächst auf den Strecken Wiesbaden—Mainz-Kastcl— Frankfurt, Wiesbaden—Mainz—Frankfurt und Frankfurt—Darmstadt eingesetzt in einem täglichen Umlauf von 315 Kilometer, der auf 400 Kilometer gesteigert werden kann. Naturgemäß mußte das Fahrzeug zunächst in den bestehenden Fahrplan eingefügt werden, der für die geringere Geschwin- digkeit Der Dampfzüge konstruiert ist. Sobald weitere Triebwagen zur Verfügung stehen, wird es zweifellos möglich sein, die Fahrzeiten der Be- zirks-Eilzüge im Rhein-Main-Gebiet noch weiter, schätzungsweise um 10 bis 15 Prozent, abzukürzen. Erst dann werden alle Vorteile, welche die neue Fahrzeuge bieten, voll ausgeschöpft werden können.
Mit den ihm befreundeten, in gleicher Richtung arbeitenden Organisationen hat der Hessische Der- kehrsverbcmd stets den Standpunkt vertreten, daß der fahrplanmäßige Städte verkehr über Land auch im Rhein-Main-Gebiet zweckmäßig dem Schienenweg Vorbehalten bleibt unter der Voraussetzung. daß die Reichsbahn sich in der Lage sieht, den Verkehr den gegenüber der Vorkriegszeit grundlegend geänderten Verhältnissen entsprechend häufig, schnell und billig zu bedienen. Don diesem Standpunkt ausgehend, wird man die Reichsbahn zur Indienststellung des neuen Fahrzeugs aufrichtig beglückwünschen können. Mit diesen Glückwünschen darf die Erwartung verbunden werden, daß der durch die Einführung und den Ausbau des Bezirks-Eilverkehrs im Rhein-Main-Gebiet beschrittene Weg einer stärkeren Auflockerung des Schienenwegs durch Schaffung zahlreicher flotter Verbindungen m it leichten Zug- einheiten unentwegt weiter verfolgt werden möchte. Roch immer weist der Fahrplan der schnellfahrenden Züge wichtiger Strecken des


