Ausgabe 
12.8.1932 Erstes Blatt
 
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Das Echo der Verfaffungsrede.

Berliner Kommentare.

Berlin, 11. Ang. (CAB.) Die Reden des Reichskanzlers und des Reichsinnenministers bei der heutigen Verfassungsfeier im Reichstag werden von einem großen Teil der Berliner Abendblätter politisch ausgewertet.

DieK r e u z z e i t u n g" meint, die Reichs­regierung sei sich zweifellos darüber klar, daß ihr Programm auf harten Wider st and stoßen werde. Es werde der Regierung darauf ankommen, für die Durchsetzung ihrer Reform­absichten auch im Volke Verständnis und Förderung zu finden. Rur wirklich über­parteiliche Kräfte vermögen, da sie nicht am Leit­seil der Interessenten hängen, den Sinn der ge­planten Deformen mit ihrer tiefen Bedeutung für den Wiederaufbau und die Gesundung des Vaterlandes zu erkennen. In diesen nationalen Kräften, die überparteilich und außerparlamen­tarisch eingestellt seien, werde die Regierung ihre Helfer suchen und finden müssen, wenn ihr Vor­haben zu einem gedeihlichen Ende geführt wer­den solle.

DieVoss. Ztg." spricht von einerFeier im Zwielicht". Reichskanzler v. P a p e n hat bewußt die jahrelange Tradition unterbrochen, die Derfassungsfeier mit dem Hoch auf das in der Republik geeinte deutsche Volk ausklingen zu lassen. Man feiere die Verfassung mit osten­tativem Vorbehalt.

DerVorwärts" nennt die Rede des In­nenministers eineBußpredigt zur Verfassung".

DasBerliner Tageblatt" bezeichnet sie alsWorte, nicht Bekenntnis". Herr v. Gayl

sei so weit von der Verfassung abgerückt, wie es nur möglich gewesen sei, ohne sie zu verleug­nen. Als Herr v. Gayl erklärte, die Regierung wolle kein« Feierstunde, sondern nur eine Stunde stiller Einkehr da sei wirklich die Frage nicht zu unterdrücken gewesen, warum sie dann über­haupt der Tradition vergangener Regierungen gefolgt sei.

Englische Blätterstimmen.

London, ll.Aug. (WTD.) Die heutigen Er- klärungen über die geplanten Aenderungen der deutschen Verfassung finden in der Abendpresse, die die Entwicklung in Deutschland mit Spannung verfolgt, starke Beachtung.E v e- ning Standard" schreibt: Riemand könne sagen, dah die Weimarer Verfassung ein Erfolg gewesen ist. In den 13 Iahren hat es leine starke oder allgemein anerkannte Regierung ge­geben, und es wurde kaum ein Versuch zu einer Lösung der Probleme gemacht, die durch die entgegengesetzten Interessen der verschiedenen Staaten und Parteien geschaffen wurden. Eng- land kann sich glücklich schätzen, eine Verfassung zu haben, die mit der Entwicklung der modernen Welt gewachsen ist und sich verändert hat.

Time s" schreibt in einemRach 13 Iahren" überschriebenen Leitartikel, mit sehr gemischten Gefühlen müsse Deutschland gestern den Jahres­tag der republikanischen Verfassung gefeiert haben. Die Republik habe einen wackeren Ver­teidiger in Präsident von Hindenburg, der wei­terhin das Vertrauen der Mehrheit des deut­schen Volkes. genieße und der in seiner Treue zu seinem Amte niemals gewankt habe.

Die Memel-Entscheidung im Haag

Oie Begründung.

Haag, 11. Aug. (WTB.) In der Begrün­dung zur Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs im Memel st reit wird u. a. aus­geführt: Das Vertrauen des Landtags wnne den Präsidenten des Direktori­ums nur solange decken, als es sich um An­gelegenheiten der memelländischen Auto­nomie handele. Wenn der Präsident seine Be­fugnisse überschritten habe, könne ihn auch das Vertrauen des Landtags nicht in seinem Amt halten. Bei einem Mißbrauch des Abberufungs­rechts könnten selbstverständlich jederzeit die Signatarmächte eingreifen.

Das von litauischer Seite geforderte Kon­trollrecht des Gouverneurs, das sich auf die gesamte amtliche Tätigkeit der memelländischen Behörden er­strecken sollte, wird von dem Gerichtshof nicht anerkannt. Das Kontrollrecht wird vielmehr ausdrücklich auf die Eirihaltung der im Me mei­st a t u t vorgeschriebenen Zuständigkeit be­schränkt. Der Gerichtshof stellt ausdrücklich fest, daß bei Abberufung eines Präsidenten durch den Gouverneur die anderen Mitglieder des Direk­toriums in ihren Aemtern bleiben.

Zur Frage, ob die Absetzung des Prä­sidenten Böttcher als gerechtfertigt an­gesehen werden müsse, geht der Gerichtshof in seiner bej ahenden Ansicht davon aus, dah Böttcher ohne Wissen der litauischen Regierung in Verhandlungen mit der Regie­rung eines fremden Staats eingetreten sei ohne Rücksicht darauf, dah nach dem Memel­statut nur die Organe Litauens berechtigt seien, derartige Verhandlungen zu führen. Durch diese Aktion habe der Präsident Böttcher seine Befug­nisse überschritten.

Dos oMe Mel

Original-Roman von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.

32 Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Als Franz gegangen war, meinte Melchior Stampferl:Du solltest den Doktor nicht emp­fangen, Lil. Was hat er bei dir zu tun? Der Besuch wird dich nur aufregen. Er hat sich nie­mals darum gekümmert, was aus dir geworden ist, also was will er mit einem Male."

Lil seufzte:Ia, was will er mit einem Male?" Aber dann entschied sie:Mag er nur kommen. Ich bleibe nun wochenlang in Frankfurt. Erst während der Dauer des Engagements und dann zum Ausruhen. Ich bin hier in Frankfurt über­all der Gefahr ausgesetzt, ihm zu begegnen, und es ist besser, er sagt mir, was er von mir will, und ich lasse ihn merken, ein zweiter Besuch wäre mir unangenehm."

Sie sprach kühl und gelassen, aber ihr Herz klopfte unheimlich stark bei dem Gedanken an das Wiederfehn morgen. Drei Jahre die Kreuz und Quer durch die Welt hatten ihre Liebe nicht zu töten vermocht.

Melchior Stampfer! erwiderte nichts, er war Werner Sturm feindlich gesinnt, und er wuhte genau, Lil krankte immer noch an ihrer Liebe.

Am nächsten Vormittag machte Lil mit Hilfe ihrer Zofe besonders sorgfältig Toilette. Sie zog ein schwarzes Seidenkleid an, mit Weißen Börtchen besetzt, und brachte im kurzen Haar ein paar schwarze Schmuckstangen an, gegen die sich chr hellblondes Haar noch mehr abhob.

Gegen elf Uhr spürte sie plötzlich Angst. Sollte sie Werner nicht lieber doch abweisen lassen?

Melchior Stampferl hatte sich nicht mehr ein* gemischt. Er hatte so seine eigenen Gedanken über den Besuch. Und die Gedanken waren voll Mißtrauen.

Eben schlug es elf in dem schönen traulichen Wohnzimmer, in dem sich Lil wartend allein be­fand, als Franz den Besucher meldete.

Lil muhte sich gewaltsam daran erinnern, dah es für sie keinen Grund gab, vor Werner Sturm die Fassung zu verlieren. Sie, die ge­wohnt war, sich vor Taufenden von Zuschauern zu zeigen und zu ihnen zu sprechen, durfte doch nicht vor einem einzigen Menschen scheu und ängstlich sein. Vor einem Menschen, der sie nichts anging, trotzdem er einmal in seligen, unver­geßlichen Stunden ihren Mund geküht.

Sie atmete tief auf und zwang ihre Lippen zu einem leicht ironischen Lächeln, die Augen zur Gleichgültigkeit

Das Gericht stellt sich weiter auf den Stand­punkt, dah eine Rechtspflicht des G ouver-- neurs, sich vor der Ernennung des Präsidenten durch Verhandlungen mit den Mehrheitsparteien des Vertrauens die- ser Partein zu vergewissern, nicht bestehe.

Zur Frage der Landtagsauflösung ist daß Gericht der Auffassung, dah der Gouver­neur nach dem Memelstatut zwar im Einver­ständnis mit dem Direktorium den Landtag auf­lösen könne, dah es sich dabei aber um ein Direktorium handeln müsse, das we- ning st ens einmal das Vertrauen des Landtags besessen habe. Andernfalls würde dem Erfordernis einer Mitwirkung der autonomen Instanzen bei dieser bedeutsamen po­litischen Aktion überhaupt nicht genügt fein.

Oie Sondervoten.

In den Sondervoten der Richter Schücking, Bustamente, Altamira und v. Eysingha wird der Standpunkt vertreten, daß nach der ausdrücklichen Vorschrift des Artikels 17 nur ein Mißtrau­ensvotum des Landtags dem Amt des Präsi­denten ein Ende machen könne, und dah es sich hier um eine organisatorisch e Vor­schrift des Memel st atuts handele, die im Interesse der Autonomie die schärfste Form des parlamentarischen Regimes eingeführt habe. Diese Auslegung des Memelstatuts werde auch durch die Entstehungsgeschichte der Memel-Kon- vention gerechtfertigt. Weiter weist das Sonder- Votum darauf hin, daß es bei dem Charakter des Memelstatuts als einer vertragsmäßig vereinbar­ten Verfassung für das Memelland unmöglich fei, aus dem Begriff der litauischen Souveränität neue Kompetenzen für den Gouver­neur abzuleiten, von denen das M e m e l st a - t u t nicht nur nichts enthalte, sondern die sogar

Langsam trat Werner Sturm ein, trat ein paar Schritte näher und verbeugte sich tief. Sehr tief sogar. Lil war in ihrem bequemen Leder­sessel sitzen geblieben. Sie neigte nur ein ganz klein wenig den Kopf.Ich bitte dich, Werner, dich möglichst kurz zu fassen, meine Zeit ist nämlich sehr begrenzt."

Sein Blick umfaßte die zierliche Gestalt in dem breiten Ledersessel mit förmlich hungrigem Blick. Wie fein und zart Lil noch immer toar, wie be­zaubernd das wunderhübsche Gesicht, um das sich weichlockig das matte Goldgespinst des Haares bauschte.

Er erwiderte:Gönne mir nur soviel Zeit, dich um Verzeihung zu bitten, Lil. Ich muh das nämlich tun, es läht mir keine Ruhe. Ich las ja erst jetzt deinen Brief, den du hinterlassen, als du vor drei Jahren heimlich aus unserem Hause gingst. Erst jetzt wurde der Brief zufällig beim Aus klopfen der Kleider meiner Mutter gefun­den. Wahrscheinlich hat sie deinen Brief in das Kleid gesteckt und ihn darin vergessen, weil sie es aus irgendeinem Grunde nicht mehr getragen hat." Er fuhr zögernd fort:Ich verstehe, wes­halb mir Mutter den Brief damals vorenthielt, du sagtest darin Dinge, die mich, wenn ich den Brief schon, damals gelesen hätte, darauf ge- stohen haben würden, dah Mutter dich nicht ganz so behandelte, wie ich glaubte."

Weih deine Mutter von deinem Besuch bei mir, Werner?" fragte Lil laut und stark.

Er sah sie erstaunt an, erwiderte dann:Ach ja, du weiht davon nichts, Mutter starb vor mehr als einem halben Iahr."

Lil erhob sich und erwiderte leise:Rein, da­von wußte ich nichts. Es tut mir leid für dich, Werner, deine Mutter hat dich fanatisch geliebt, du hast viel an ihr verloren."

Gr erwiderte gepreßt:Weil mich meine Mut­ter fanatisch lieb gehabt, will ich ihr auch nicht nachtragen, dah sie dich falsch behandelte und mich dazu brachte, es auch zu tun, und will es ihr nicht nachtragen, dah sie mir deinen Brief unterschlug. Sie sprach mir von dem Dries, er­klärte mir aber, weil du sie darin beleidigt, hätte sie ihn im ersten Zorn vernichtet." Seine Stimme schwankte ein wenig.Mutter wieder­holte mir auch, du hättest meine Liebe jämmer­lich klein genannt. Das veranlahte mich damals, mich nicht weiter um dich zu kümmern, nachdem herausgekommen, du warst mit einem kleinen Wanderzirkus mitgezogen. Hätte ich damals den Brief gelesen und die Stelle: Ich habe Werner lieber als alles sonst auf der Welt! wäre ich dem Wanderzirkus nachgeeilt und hätte dich heimgeholt, Lil! So aber sah ich in dir nur eine Trotzige, eine Undankbare, die meine Liebe ver­kannte."

Seine Stimme war immer weicher und wärmer geworden, und in seinen Augen strahlte die

zu seinem Wortlaut in Widerspruch ständen.

Das Sondervotum von Anzilotti kommt zu dem Resultat, dah infolge prozessualer Mängel im Vorbringen der Kläger der Gerichtshof überhaupt nicht zuständig sei.

Neue Attentate in Schlesien.

Amtlich wird aus Oppeln gemeldet: Die krimi­nalpolizeilichen Ermittlungen haben in der Mord­sache Pietczsch bei Potempa, Landkreis Glei- witz, zur Verhaftung von 10 SS.- und SA.-Leu- ten geführt, die als überführt gelten. Die Tat stellt sich nach den bisherigen Ermittlungen als Mord dar. Die Leiche weist unzählige Verletzungen auf. Welche Wunde die eigentliche Todesursache ist, wird gegenwärtig durch die Obduktion festgestellt. Wie weiter ermittelt wurde, versuchte die Gruppe noch zwei weitere Ueberfälle auf politische Gegner, die jedoch mißlangen. Die Vernehmung der SA.- und SS.-Leute war am Donnerstag nach vierstündi- aer Dauer um 21 Uhr abgeschlossen. Gegen die Be­schuldigten wurde wegen dringenden Tatverdachtes richterlicher Haftbefehl erlassen. Die Akten wurden der Staatsanwaltschaft zugeleitet. Es steht noch nicht fest, ob der Prozeß am Samstag oder erst anfangs nächster Woche stattfinden wird.

Nachdem erst vor kurzem auf einem Grundstück am Ring in Guttentag ein Handgranatenan­schlag verübt worden war, wurde in der Nacht zum Donnerstag wiederum eine Handgranate geworfen, die in einem Pfarrgrundstücke und auf dem Grund­stück eines Förstermeisters eine ganze Anzahl von Fensterscheiben zertrümmerte. Die polizeilichen Er­mittlungen sind im Gange.

In der Rächt zum Donnerstag wurden in G r o ß » S t r e h l i tz auf das Finanzamt mehrere Schüsse abgegeben, von denen sechs die Mauer des Finanzamtes trafen, während ein Schuh durch die Balkontür in das Zimmer drang, in dem der Sohn des Finanzamtsvorstehers schlief. Dieser blieb jedoch unverletzt. Weitere Schüsse wurden auf das Wohnhaus eines Baumeisters und eines früheren Kreisamtsgehilfen, sowie ge­gen eine weitere Wohnung abgegeben. Die Täter konnten noch nicht ermittelt werden.

In der Rächt zum Donnerstag wurde in Ku11lau (Kreis Glogau) von unbekannten Tä­tern auf die Wohnung des Führers der RSDAP. mehrere Schüsse abgegeben. Einige Zeit später wurde auf das Gasthaus Vetter geschossen. Der Gasthausbesiher, der durch die Schüsse aufwachte, begab sich in die Gaststube, wobei er beinahe von einer Kugel getroffen worden wäre. Weitere

Schüsse wurden auf die Wohnung eine« SA> Führers abgefeuert. In allen Fällen sind Per­sonen nicht zu Schaden gekommen.

In Zaborze wurde gestern abend eine kom­munistische Versammlung aufgelöst, die dort trotz des Burgfriedens tagte. 126 Kommunisten wurden vorübergehend festgenommen.

Prohibition,

Kellog-Pakt und Weltwirtschaft.

Im weiteren Verlauf seiner Rede schwenkte Hoover zur Regelung der P r o h i b i t i o n s frage um. Man müsse die Entscheidung ,edem einzelnen überlassen; nur müsse eine Wiederein- Krung der Kneipen verhindert werden. Zur

i ß e n p o l i t i k bemerkte er, Amerika sei unter angemessenen Vorbehalten dem Weltschieds» gerichtshof beigetreten, es arbeite führend an der Ausgestaltung des K e l l o g -^P a k t e s zu einem wirksamen Werkzeug des Friedens mit. Amerika werde alle Vereinbarungen daraufhin prüfen, ob durch einen Beitritt auch nicht die po­litische Linie Amerikas festgelegt werde. Die Der- einigten Staaten erkennten niemals einen Besitz an, der in Verletzung von Friedensakten erworben werde. Hoover sprach sich für Schutzzoll aus, der die amerikanische Wirtschaft vor der Schleuder­konkurrenz anderer Völker schütze. Amerikas Mili­tärische Stärke müsse genügend groß sein, um lebe feindliche Invasion zu verhindern. Hoover breitet sich dann über wirtschaftspolitische 5 r a - gen aus, befürwortet eine Revision des Bank­wesens in USA., begründete die Notwendigkeit der Haushaltsausgleichung, die Voraussetzung der Sa­nierung sei.

Die Politik habe die Weltkrise großenteils ver­schuldet. Dabei fei auf dievergifteten Quel­len" der politischen Unstabilität hinzuweisen, die in den Friedensoertragen lägen.

Die europäische Finanzkrise vom März 1931 habe eine Konjunkturbelebung in Amerika hintangehal­ten. Amerika sei mitbetroffen von der Storung, die eine entfernt liegende Wirtschaft betroffen habe. Es sei bereit, an der Wiederherstellung des wirtschaftlichen Gedankens der Welt mitjuarbeiten, wie es das bewiesen habe, als es den Zusammenbruch Deutschlands verhindert habe. Die Verminderung der Wellausgaben für Rüstungen um eine Milliarde Dollar int Jahr fei Voraussetzung einer Wirt- schaftsdelebung. Amerika habe sich bereit erklärt, an der Weltwirtschaftskonferenz teilzuneh­men.

Aus aller Welt.

Ueberfchwemmung und Cholera in der Mandschurei. 28 000 Todesopfer.

Daily Herold' berichtet aus Mukden: Die durch die verheerenden Überschwemmungen in der Mandschurei entstandene Lage wurde durch den Ausbruch von Cholera verschärft. In Charbin griff die Epidemie rasch um sich und forderte eine große Zahl von Opfern. Man schätzt jetzt amtlich, daß bei den Ueberschwernrnungen rund 28 000 Menschen ums Geben ge­kommen sind.

verzögerter Raketenstart.

Der Start der Winkler - Rakete auf der Greifswalder Oie hat eine neue Verzögerung da­durch erfahren, dah auch die zweite Versiche­rungsgesellschaft, mit der wegen einer Haft­pflichtversicherung verhandelt wurde, abgelehnt hat. Die Regierung hat die Genehmigung zum Raketenstart auf der Greifswalder Oie davon ab­hängig gemacht, daß wegen der etwaigen Beschä­digung des Leuchtturms auf der Insel bei einer Explosion der Rakete eine hohe Kaution hinter­legt oder eine Haftpflichtversicherung für den

Liebe, die ihn noch immer erfüllte, machtvoll und stark. Seine strahlenden Augen, seine leicht bebende Stimme nahmen Lil allen Stolz und atle Kälte, womit sie sich bewaffnet hatte für den Mann, den ihr Herz niemals freigegeben in den drei Jahren, seit sie durch die Welt zog.

Rebenan im Zimmer befand sich Melchior Stampferl. Er hatte gebeten, bei dem Besuch zugegen sein zu dürfen, aber Lil hatte verneint.

Das geht nicht, Onkelchen, er würde dich wahrscheinlich wiedererkennen und wüßte dann, du warst es, der sich im Herbst als Franz Hirt aus London bei ihm eingeführt, und er wüßte bann natürlich gleich, ich war es, die ihm die große Summe für ein Krankenhaus angeboten."

Das hatte Melchior Stampferl eingesehen, aber ihm schien der Besucher nun einmal für Lil zu gefährlich. Er wollte wenigstens in der Rähe fein, falls Lil feiner bedurfte. Vor allem aber mußte er wissen, was dieser Arzt eigentlich von Lil wollte. Ohne jeden Grund kam er doch nicht.

Melchior Stampfer! hatte trotz seiner Iahre ein ganz ausgezeichnetes Gehör. Kein Wörtchen entging ihm nebenan auf seinem Lauscherposten.

Ihm war zuletzt warm geworden, denn es schien ihm, als wenn die beiden nebenan auf dem besten Wege zur Verständigung waren. Er sagte sich: Wenn Werner Sturm Lil so geliebt, wie sie es verdiente, hätte ihm seine Mutter sagen können, was sie gewollt, das Aller- schlimmste und das Allerdümmste, er hätte Lil suchen und zurückbringen müssen, gleichviel, wo sie sich hingeflüchtet.

Lil fühlte, wie Werners Blicke und Werners Worte ihr Herz einfingen. Sie war plötzlich von einer seltsamen Befangenheit erfüllt und ihre Augen wichen den Männeraugen aus. Hätte Wer­ner Sturm geahnt, was in Lil vorging, wäre er mit einem Sprunge bei ihr gewesen und hätte die zierliche Gesta>lt an sich gerissen und den weichen Mund geküßt. Aber er ahnte nichts von Lils Empfindungen und sagte, als bekenne er eine Schuld:3d) war verlobt, doch ich erkannte noch rechtzeitig, wie minderwertig die Frau war, mit der ich bereits dicht vor der Hochzeit stand. Sie war sehr hübsch, die Gräfin Kurzmann, und ich ließ mich verlocken. Es ging damals in Frankfurt das Gerücht um, du wärest in Amerika reich ver­heiratet und die Gräfin Kurzmann wollte mir helfen, mein Krankenhaus zu schaffen. Ich war ihr dankbar dafür und verlobte mich mit ihr. Natürlich war das mit dem Krankenhaus auch zu Ende, als ich schroff die Verlobung brach." Er schwieg einen Augenblick und fuhr dann fort: Ich bin dir auch vielen Dank schuldig, Lil. Du ließest mir eine große Summe anbieten für die Errichtung eines Krankenhauses. Als ich dich da­mals in Der Rähe des Bahnhofs traf, ging ich dir nach und sah einen Herrn bei dir, den ich sofort erkannte. Ich nehme an, er ist dein Part-

Leuchtturm in Höhe von 50 000 Mark abgeschlossen wird. Winkler will jetzt einen seiner Mitarbeiter nach Berlin senden, da er selbst wegen der für den Start getroffenen Vorbereitungen die Insel nicht verlassen kann, um durch Verhandlungen mit dem Reich und mit anderen Versicherungs­gesellschaften eine Erleichterung der Bedingungen zu erzielen.

Schweres Autounglück. 2 Tote, mehrere Verletzte.

In der Stadt Brückenau (Unterfranken) ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit sieben Personen besetzter Kraftwagen fuhr in einer Kurve mir voller Wucht gegen . e Treppe des Amtsgebäudes und überschlug sich dabei. Einer der Insassen, der Landwirt Johann Mül­ler, war auf der Stelle tot, während ein zwei­ter, namens Josef Karger, so schwere Verlet­zungen davontrug, daß er bald darauf starb. Von den übrigen Insassen wurden zwei schwer ver­letzt, zwei trugen leichtere Verletzungen davon. Der Führer des Kraftwagens, der mit dem Schrecken davonkam, wurde von der Polizei in Haft genommen.

ner in deiner Rümmer. Run wußte ich, d u hat­test ihn zu mir geschickt und das Geld, das für mich auf der Bank in London bereit lag, war dein Geld. Ich hörte ja, du sollst Unsummen int Variete verdienen." Melchior Stampferl pfiff nebenan leise durch die Zähne. Ihm schien es, er wußte jetzt genau, was der Besucher be­zweckte und was er von Lil mit seinen klug auf Wirkung berechneten Reden erlangen wollte. Run er mit der reichen Braut fertig war, und auf die Weise die Aussicht auf das ersehnte eigene Krankenhaus verlor, hatte er sich entschlossen, sich bei Lil das Geld zu holen, das er damals abgewiesen.

Darum, nur darum schwang der schlaue Doktor schöne Reden und spielte den Demütigen und Reumütigen. Hoffentlich war Lil nicht töricht und fiel auf die Komödie rein. Uebrioens, da Werner Sturm ja wußte, wer er war, konnte er sich ruhig vor ihm sehen lassen, und es war sicher gut, wenn Lil nicht länger allein mit dem gerissenen Menschen blieb.

Er überlegte nicht lange, jede Minute war ihm jetzt kostbar. Er öffnete die Derbindungstür nach nebenan, betrat das Zimmer, in Dem fid) Lil und Werner allerdings in ziemlicher Ent­fernung gegenüberstanden.

Lil blickte den Eintretenden erstaunt an.

Er verneigte sich flüchtig in der Richtung, wo Werner Sturm stand und erklärte:Weil ich Angst hatte, Lil, dieser etwas befremdende Be­such könne dich aufregen, hielt ich mich im Reben­zimmer versteckt und belauschte das Gespräch. Run ich aber hörte, Doktor Sturm hat schon herausgebracht, ich war damals mit dem Geld­angebot in deinem Auftrag bei ihm, kann er ja ruhig wissen, ich bin nicht nur dein Kollege, den du mit deinem frischen starken Können aus mordstiefem Dreck gezogen, sondern ich bin auch allmählich so etwas wie dein väterlicher Freund geworden, der stolz darauf ist, von dir ,bu und Onkel genannt zu werden. Und als dein väter­licher Freund, Lil, wage ich es, mich einzumischen und dich vor Dr. Sturm zu warnen. Oder findest du es nicht auch merkwürdig, daß er jetzt, nach dem Verlust der reichen Braut, so klein und bald zu dir kommt? Ich bin der Ansicht, nun die Geld­frage bei ihm wichtig geworden, bist du ihm eingefallen. Jetzt möchte er sich wahrscheinlich die dreihunderttausend Mark von dir geben lassen, die er damals noch großartig abschlagen konnte?"

Werner Sturm war im ersten Augenblick vor Empörung sprachlos. So legte dieser alte Clown seinen Besuch bei Lil aus? So schlaugemeine Be­weggründe schob er ihm unter?

Er sah Lil an, wartete auf ein Wort von ihr.

Doch Lil schwieg mit blassem Gesicht. Er raffte sich aus feiner Erstarrung auf.

(Fortsetzung folgt.)