Ausgabe 
12.7.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Aus der provinzialbauptstadt.

Gießen, den 12.3uli 1932.

Zehn Gebote für heiße Tage.

1. Stehe früh auf, lüfte zeitig die Betten, und schließe spätestens gegen 7 Hhr die Fenster und Läden.

2. 3m Zimmer lasse Wasser verdunsten in mog- lichst zahlreichen und flachen Gefäßen, und du wirst über die angenehme Kühle erstaunt fein.

3. Bei Spaziergängen trage leichte Kleidung und bei praller Sonnenhitze eine ebensolche Kopf­bedeckung.

4. Beim Trinken vermeide alle Hast und kühle dich erst gehörig ab. Das Durstgefühl läßt ganz bedeutend nach, wenn man einen Schluck Wasser so lange im Munde behält, bis es warm ge­worden ist.

5. Plötzliche kalte Bäder an heißen Sommer­tagen können den Tod zur Folge haben. Vor- herige Abkühlung des Körpers und schnelle kalte Abreibung der Arme und der Brust ist dringen­des Erfordernis.

6. Am Abend nach Untergang der Sonne öffne alle Fenster und Türen und lasse sie während der Nacht möglichst vsfen. Alle übermäßig warmen Decken beim Schlafen sind zu vermeiden.

7. Sei vorsichtig mit Speisen. Unter keinen Um­ständen dürfen leicht verderbliche Lebensmittel der Sonne ausgesetzt sein.

8. Habe ein besonderes Augenmerk auf den Ma­gen und auf das Wohlbefinden der Säuglinge. Hihwellen haben fast stets größere Säuglings­sterblichkeit zur Folge. Die junge Mutter stille ihr Kind nach Möglichkeit selbst.

9. Eingetretene Hitzschläge suche bis zum Ein­treffen des Arztes durch Oeffnen der Kleider und Abwaschungen des Kopfes und Körpers mit kal­tem Wasser abzudämmen.

10. Gedenke auch der Tiere in dieser heißen 3ah- reszeit. Vieh, insbesondere Pferde und Rindvieh, aber auch die Kleintiere aller Art den Son- nenstruhlen stundenlang auszusetzen und sie wo­möglich festzubinden, ist eine verabscheuungs- würdige Tierquälerei. Gib deinen Haustieren mehrmals am Tage reines, frisches Trinkwasser!

Oer Freiwillige Arbeitsdienst im Bezirk Hessen.

WSR. Schon im Mai stand der Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen im ganzen Reiche an der Spitze hinsichtlich der genehmigten Maßnahmen des Freiwilligen Arbeits­dienstes. Inzwischen ist ein weiteres An­wachsen erfolgt das auch heute noch anhält. Die Zahl der im Bezirk Hessen bewilligten Maß­nahmen betrug bis 30. Juni 785, wovon 100 be­endet sind. Zahlenmäßig standen an der Spitze 250 Maßnahmen der Verkehrsverbesserung, es folgten 220 Maßnahmen zur Hebung der Volks­gesundheit, 185 Boden Verbesserungen, 91 Forst- arbeiten usw. Bei diesen Maßnahmen des Frei­willigen Arbeitsdienstes konnten insgesamt 18 063 Arbeiter beschäftigt werden, abzüglich der beendeten find noch 15 7 5 5 inQIrbeit. Die Hälfte davon waren Jugendliche. In Zukunft soll der Prozentsatz an Jugendlichen allerdings aus etwa 30 Prozent beschränkt werden. Die Min­destarbeitszeit betrug 6 bis 7 Stunden, in länd­lichen Bezirken durchweg 7 Stunden. Bei weitem an der Spitze im Bezirk Hessen marschiert das ArbeitsamtGießen mit 273 Arbeiten, das sind etwa 30 Prozent des gesamten Be­zirks überhaupt. Sehr verdienstvoll arbeitet hier als Dachorganisation das Hessische Hei­mo t to e r f, das den etwa 4000 Beschäftigten in der Provinz Oberhessen in den einzelnen Ort­schaften auch geistige Schulung zukommen läßt. Es folgen der Arbeitsamtsbezirk Kassel mit 92 Ar­beiten, Limburg 76, Dillenburg 60, Frankfurt 56, Marburg 43, Mainz 28, Hersfeld 27, Hanau 26, Darmstadt 24, Riederlahnstein 22, Offenbach 20, Wetzlar und Wiesbaden 19, Treysa 14, Fulda 6 und Worms 2 Maßnahmen des Freiwilligen Ar­beitsdienstes.

Zahresiagung des DolkShallevereinS.

Gestern nachmittag fand im Stadthaus Berg­straße die diesjährige ordentliche Mitgliederver­sammlung des Volkshallevereins Gießen' statt, zu der, wie üblich, nur die Vereinsmitglieder Zutritt hatten. Ein offizieller Bericht des V-ereinsvorstan- des über den Verlauf der Versammlung war bis jetzt noch nicht zu erreichen. Wir erfahren aber von zuverlässiger Seite, daß der Geschäftsbericht für das Jahr 1931, sowie der Rechnungsabschluß für 1931 glatt genehmigt wurden. Als Rechnungsprü­fer wurden wiederum die Stadtratsmitglieder Schmieder und Beckmann bestimmt. Bei der Neuwahl des Vorstandes gab es keine Verände­rungen: der Vorstand bleibt in folgender Zusam­mensetzung weiter bestehen: Vorsitzender Bürger­meister Dr. Hamm, ferner als Stadtratsmitglie­der die Herren Th. Schmieder, Leopold Mayer, Philipp Nicolaus, Adolf Kurz, A. Mann und Gg. Beckmann, schließlich als Vertreter der Bürgerschaft die Herren W. Erle, W. Mattern und H. W i n n. Als Gesäftsführer des Volkshallevereins wurde an Stelle des ver­storbenen Verwalters dieses Amtes, Verwaltungs­sekretär Maus, der städtische Bauobersekretär Dern bestimmmt. Im übrigen fand noch die übliche Auslosung von 50 Anteilscheinen zur Rück­zahlung statt.

Familientag der Matthäusgemeinde im Philosophenwald.

Die Matthäusgemeinde beging am Sonn- tag, wie alljährlich, ihren Familientag im Philo- sophenwald. Bei wunderbarem Sommerwetter bat-

, .aiele Gemeindemitglieder der Einladung Folge geleiftet, so daß der große Saal sehr gut besetzt war.

, Vortragsfolge war außerordentlich reich und abwech lungsooll. Besonders hervorzuheben sind die Sologesänge von Frau Ilse Schmidt-Wissen- d o r s (öopran), Fräulein Kati Drommers- ha us e n (Alt) und Frau Dr. Fischer (Klavier), die sich dankenswerter Weise in den Dienst der Sache gestellt hatten.

Nach einem flotten Jnstrumentaloortrag des Mu- ikkrestes des Herrn Allendörfer erfreute Frl. xati Drommershausen mit zwei fein gesunge­nen Liedern von Händel:Dank sei dir Herr" und von Beethoven:Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre die Zuhörer. Hierauf begrüßte Pfarrer M a h r mit herzlichen Worten die zahlreich erschienenen @e- metnbemifglieber. Er wies in seiner Ansprache dar- r kr-lH' ro*e gerade heute in den großen Gegen- laglichkeiten, die nicht nur unser Volk in seiner Ge­samtheit, sondern auch die einzelnen Familien avs- emanderreißen, die evangelische Gemeinde mit ihren u, ^Anschließenden Kräften eine große Bedeu- n9 habe. Darum gelte es, daß angesichts der im­

mer mehr sich ausbreitenden Gottlosenfront und der damit im Zusammenhang stehenden Kirchenaustritts, bemegung die bewußt evangelischen Gemeindeglieder um so mehr zusammenhielten und sich der großen Aufgaben bewußt blieben, die der evangelischen Ge> meinde in unserer Notzeit in besonderem Maße acftellt seien. Er schloß seine Ansprache, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß auch dieser Fa- muientag in der Matthäusgemeinde neu das Ge­meindebewußtsein lebendig mache und stärke. Ein gemeinsamer Choralgesang schloß sich an.

rj.<-?frr-x.3lDC*tc ^il der Vortragsfolge war aus- schließlich Instrumentalvorträgen und dem Solo- gefang gewidmet, die in bunter Folge miteinander wechselten. Hier gaben besonders die beiden Damen ausgezeichnete Proben ihres großen Könnens und ernteten reichen Beifall. Zur gleichen Zeit, als diese beiden Teile der Vortragsfolge sich abwickelten, war draußen im Wald die Kinderkirche der Matthäus­gemeinde in frohem Spiel und Treiben beieinander, das mit einer Brezelverteilung feinen Abschluß fand. Dann zogen alle Kinder in den Saal ein, und nun begann der dritte Teil der Vortragsfolge, der ausschließlich von der Iugendvereiniaung der Mat- thäusgemeinde bestritten wurde. Nach einigen fröh­lich und sauber gelungenen Kanons, bei denen die beiden Iagdkanons besonders gefielen, sprach Pfarr- assjstent K n el l, der Leiter der Jugendarbeit, einige Worte über Sinn und Art dieser Arbeit. Er wies daraus Hin, daß heute kirchliche Jugendarbeit mehr denn je nötig sei, daß es gelte, alle Möglichkeiten, die zu einer echten, frohen und reinen Jugend- gemeinschaft führten (das alte echte Volkslieds der deutsche Volkstanz, frohes Wandern und Spielen) heranzuziehen. Und erst auf dem Boden dieser Ge- meinschast soll dann auch und das ist der letzte und tiefste Sinn aller kirchlichen Jugendarbeit das Evangelium und die großen Kräfte einer evan­gelischen Gemeinde unter der Jugend lebendig wer­den. Es folgten dann in bunter Folge mehrstimmige Volkslieder, Reigen der Kleinsten, die viel Freude bereiteten, und Volkstänze der Aelteren. Zum Ab- schluß spielten dann die Buben ein Laienspiel: Spottvogel gegen Schmierfink", bei dem die Dar­steller ganz Hervorragendes leisteten und reichen Bei­fall ernteten.

Bei allem, was die Jugend fang, spielte ober tanzte, gefiel die große Zucht und die feste Zusam- mengehörigkeit, und die gespannte Aufmerksamkeit, mit der die Gemeinde allen Darbietungen folgte, be­wies, daß die Jugend den rechten Ton getroffen hatte. Mit einem Schluhmarsch fand der sehr anregende und harmonisch verlaufene Familientag sein Ende.

O be rhe ssen interessiert in 21t- g n t i n i e n. Die Ankündigung des Derkehrs- bundes Oberhessen, daß er im Lause dieses Som­mers eine Reliefkarte von Oberhessen heraus­geben werde, hat ihr Echo bis jenseits des Ozeans gesunden. Wie aus einer Postkarte aus Buenos Aires an den Verkehrsbund Oberhessen hervor­geht, hat dieLa Plata-Zeitung" in Buenos Aires die Meldung über die Herausgabe der Re­liefkarte von Oberhessen den deutschen Landsleuten in Argentinien übermittelt. Daraufhin schreibt Herr Daniel Soemmerring aus Buenos Aires, daß er sich für diese Karte interessiert und um ihre Zusendung bittet Herr Soemmerring be­merkt, er sei zwar Marburger, kenne aber Gießen sehr gut, obwohl er seit mehr wie dreißig Jahren nicht mehr dahin gekommen set Zwar sei die Wirtschaftskrise in Argentinien furchtbar, aber die Karte von Oberhessen möchte er sich doch kau­fen. Die Anschaffung wird ihm allerdings trotz der Krise nicht schwer fallen, da voraussichtlich der Anschaffungspreis in bescheidenen Grenzen ge­halten sein wird. Für uns Oberhessen ist es sehr erfreulich, daß die Werbearbeit für unsere Provinz ein so weittragendes Echo findet, das hoffentlich auch bei passenden Gelegenheiten die Interessenten zum Besuche unserer landschaftlich schönen Provinz veranlassen wird.

** E i n Achtzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 13. Juli, kann der Schriftsetzer i. R. Michael Kehler, Schiffenberger Weg 7 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Ge­burtstag begehen. Der alle Herr, der in Eßlingen am Neckar geboren wurde, kam 1892 nach Gießen und hat hier viele Jahre lang in der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange als Schriftsetzer gearbeitet. In weiteren Bevölkerungs- freifen wurde er durch seine Mitwirkung bei der Gründung des Konsumvereins und durch seine lang­jährige ehrenamtliche Mitarbeit an der Spitze dieses Vereins bekannt. Im Sommer 1929 zog er sich von seinem Beruf als Schriftsetzer in den wohlver­dienten Ruhestand zurück.

Zur Weihe der Schutz Hütte auf der Theodorsruh wird uns von Rektor i. R. Valentin Müller geschrieben, daß mit dem in demHüttenspruch" genannten Theodor nicht der Forstmann Theodor Heyer gemeint war, sondern hier sollteein anderer Theodor" geehrt werden, nämlich der verdienstvolle erste Vorsitzende des Verkehrs- und Derschönerungsoereins, Stadtrats­mitglied Theodor Schwieder. Er und Herr Oberforstmeister Nicolaus waren die in dem Gedicht genanntenwackren Bauherrn", deren Lob und Anerkennung der Name der Hütte auf die nachkom,lenden Geschlechter bringen soll. Der Hüttenspruch" stammt übrigens nicht van mir, sondern, wie ich einleitend bemerkt habe, van einer mir sehr nahestehendenWaldfrau", die ihn mir zum Dorlesen übergeben hatte: und die dritte Strophe fängt nicht mitDoch" (ein Druckfehler!), sondern mit dem WörtchenDa" an.

** D i e Beschäftigung von Auslän­dern ist genehmigungspflichtig. Um zu verhindern, daß bei der Stellenbesetzung Ausländer den erwerbslosen deutschen Arbeitern in ungehöri­gem Maß bevorzugt werden, üben die Landes­arbeitsämter eine Kontrolle darüber aus, inwieweit eine solche Stellenbesetzung stattfindet. Will jemand einen Arbeiter, der Ausländer ist, engagieren, so hat er den Meldebcstimmunaen nachzukommen, wenn er sich nicht strafbar machen will. Erst wenn die Genehmigung erteilt ist, was scheinbar meist stattfindet, darf der Arbeitgeber den Stellenlosen einstellen.

Heber 6000 K i n de r he i l v e r f a h- ren, davon über 1500 im Jahre 1931, mit einer durchschnittlichen Kur dauer von 40 Tagen führte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse in den letzten vier Jahren durch. Die Kasse hat wie man uns schreibt ein vorbildlich eingerichtetes Kinderheim im Solbad Frankenhausen am Kyfs- häuser. Die Heilerfolge waren ausgezeichnete. Diese Standeskrankenkasse der Angestellten konnte die Kinderheilfürsorge als freiwillige Leistung ne­ben der Aufrechterhaltung aller anderen Mehr­leistungen bieten. Ein günstiger Jahresabschluß ermöglichte es ihr, ab 1. Juli abermalige Dei- tragsermäßigungen für die arbeitslosen Mitglie­der, für die Altersrentner, für geringbezahlte An­gestellte und in der freiwilligen Familienversiche­rung zu beschließen.

Was gibts Neues in der Medizin?

Vernünftige Erholung. - Wirksame Bekämpfung der Rachitis. - Krankheit und Witterungseinflüsse.

Von Dr. p. Wölffel.

Ferien vom Ich!

Gerade zur rechten Zeit wendet sich ein deut- einer medizinischen Zeitschrift an alle Erholungsbedürftigen. Und wer wäre das in dieser aufreibenden Zeit nicht, in diesem Zeitalter der ewig drängenden Sorgen, da man nicht einmal im Schlafe mehr der harten De- laftung vollständig ledig wird? Das Erholungs­bedürfnis ist heute für jeden ungeheuer, aber ge­rade in unseren Tagen liegt, wie von ärztlicher Seite betont wird, eine besondere Gefahr in die­sem allgemeinen verzehrenden Verlangen, die Ruhebilanz wieder in Ordnung zu bringen. Des­wegen nämlich, weil der Begriff Erholung schon fast stereotyp geworden ist. Es kann sich nicht um eine Erholung schlechthin handeln, es muß viel­mehr eine völlige geiftigc und körper- licheHmstimmung ganz abseits von den All­tagsgewohnheiten und den beruflich aufgedrängten Einflüssen erreicht werden. Mit anderen Worten: es muh gaiu radikal zuFerien vom eige­nen Ich" kommen. Deshalb darf auch das Er­holungsprogramm keine auch noch so flüchtige An­lehnung an das Alltagsschema, an das Berufs- mileu enthalten.

Der Arzt teilt die Menschen in sechs große Gruppen. Die erste dieser Gruppen, die vorwie­gend geistig beschäftigten Siharbei- ter, benötigen in erster Linie lebhafte körper­liche Bewegung im Freien. Wandern, Schwim­men und Tummeln sind hier das Gegebene. Der geistige Arbeiter also, der während des Urlaubs in der Stube hocken bliebe und sich etwa mit schwie­rigen Radiobasteleien befassen wollte, triebe schmählichen Raubbau an seinen Kräften und ließe die wertvollen Wochen der Wiedererneuerung un­wiederbringlich nutzlos verstreichen Der vorwie­gend körperlich beschäftigte Sitzar- be i t e r wieder also beispielsweise der Schuster, täte sich gesundheitlich einen ganz schlechten Ge­fallen, wollte er sich die freie Zeit etwa mit Rad­fahren vertreiben. Diese Kategorie von Menschen muh viel spazierengehen, sonnenbaden und sich, wenn möglich, mit Gartenarbeiten beschäftigen. Ebensowenig kann es gleichgültig sein, welche Maß­nahmen die andere große Kategorie, das Heer der Laufarbeiter anwendet, um dem Körper­haushalt eine neue Kraftreserve zu schaffen. Der vorwiegend geistig beschäftigte Laufarbeiter, der im Urlaub vor allem auf Ruhe und Gleichförmig­keit angewiesen ist, darf sich nicht etwa einen an­strengenderen Sport in den Ferienwochen zumuten. Fußball z. B. wäre für ihn Gift in ganz ernstem Sinne. Gerade der geistig beschäftigte Laufarbei­ter braucht gänzliche Entspannung, noch mehr so­gar als jeder andere. Er sollte deshalb in der Ferienzeit dem Sport am besten völlig fern» bleiben. Sonnenbäder mit viel, viel Ruhe werden ihm am zuträglichsten sein. Dem meist körperlich beschäftigten Laufarbeiter hingegen werden ins­besondere Rudern und Gartenarbeit zu empfehlen sein. Dagegen wäre für diese Klasse von Arbei­tern das Bergsteigen während des Hrlaubs völlig sinnwidrig und schädlich. Die letzte Kategorie, die Steharbeiter, bedürfen, und zwar sowohl die meist geistig wie die meist körperlich beschäf­tigten Steharbeiter, einer genau angepahten Aus­gleichsgymnastik. Dem Zahnarzt z. D., welcher der ersteren dieser beiden Gruppen beizuzählen ist, würde für die Ferienwochen vor allem Paddeln zu empfehlen sein, während der Tischler, der zu den vorwiegend körperlich beschäftigten Steh- arbeitern gehört, gut tut, fein Erholungs- Programm vorzugsweise auf Wandern und auf körperliche Hebungen im Freien einzustellen. Selbstverständlich muh der Erholungssuchende auch geistig vom Zuhause, vom Kreise der alltäglichen Pflichten loskommen. Menschlich und kamerad­schaftlich gesehen, mag es eine Freude sein, im Bade Kollegen zu treffen. Wenn diese Kollegen jedoch etwa im Hrlaub zum Objekt werden, mit dem man vom frühen Morgen bis zum späten Abend fachsimpelt, und Berufserfahrungen aus­tauscht, dann hat man sein Geld für die Ferien­reise großenteils umsonst ausgegeben, denn für die körperliche und geistige Hmftimmung wird man kaum viel gewonnen haben.

Eine Lanze für das Ergosterin.

3n neuester Zeit ist die Zahl der Todes­fälle infolge von Rachitis, die in den letzten Jahren erheblich nachgelassen hatte, wie­der ausfallend gestiegen. Es sterben zur Zeit wie­der mehr Kinder an dieser Krankheit, allerdings nicht unmittelbar sondern mittelbar. Es ist inter­essant, dah geraoe jetzt ein angesehener deutscher Fachmann eingehend zu der Ergosterin- Frage Stellung nimmt, zu einer Frage, die vor

einiger Zeit durch die Veröffentlichungen eines anderen Mediziners eine gewisse Beunruhigung unter den Aerzten hervorgerufen hatte. Bekannt­lich entdeckte bereits im Jahre 1926 der Göttinger Forscher Professor Windaus in der Hefe und im Mutterkorn einen Stoff, den man durch Be­strahlung mit ultraviolettem Licht in Vitamin D umwandeln kann. Dieser Stofs ist das Ergosterin. Nachdem es gelungen war, das bestrahlte Ergo­sterin technisch in größerem Hmfange herzu stellen und es technisch als rein hergestelltes Vitamin dem Heilmittelschatz einzuverleiben, war eine wertvolle Waffe im Kampfe gegen die Rachitis gefunden. (Die Rachitis, englische Krankheit, kommt im Wachstumsstadium des Kindes bekannt­lich dann zum Vorschein, wenn das antirachitische Vitamin D fehlt.) Die gesamte Kulturwelt hat sich inzwischen von der ungeheuren Bedeutung des Vitamins D bei der Rachitisbehandlung über­zeugen können. Freilich kann es, wie so oft bet neuen Mitteln, durch eine Heberdosierung zu Ge­fahren kommen. Die Fälle ungünstiger Wirkung lassen sich aber schon deshalb njcht zu Hngunstem des Ergosterins ausleaen, weil sie im Vergleich zu den ungezählten übrigen Fällen, da die Be­handlung mit Vitamin D vollen Erfolg brachte, immer nur als Ausnahmefälle angesehen wer­den können. Inzwischen hat man weit mehr als tausend Fälle sorgsam auf solche ungünstigen Ein­flüsse hin beobachtet. Diese Beobachtungen sind gänzlich negatiD ausgefallen. Diese Wahrnehmun­gen aus jüngster Zeit bezeugen völlig eindeutig, daß keinerlei Gefahren vorhanden sind, sobald eben bei der Bemessung der Ditamindosen Vitamin D barf nur in ganz geringer Menge der Rahrung beigemischt werden die nötige Vorsicht herrscht. Mit der genauen Bemessung der Ditamingaben dürfte tatsächlich nun jede Veranlassung zu einer Beunruhigung entfallen sein.

Oie Blutgefäße im Gommer.

Bei der Hntersuchung der Einflüsse von Witterung und Jahreszeit auf den Menschen und bei der Prüfung der Frage, in­wieweit diese Einflüsse als Krankheitsfaktoren in Betracht zu ziehen sind, ist man neuerdings auch auf interessante Zusammenhänge zwischen Jahres­zeit und Blutgefäßen gekommen. Cs ergab sich, daß bei einer erheblichen Anzahl von Menschen während der Sommermonate die Blutgefäße ge­weitet sind, so daß die Blutdurchströmung weit schneller und infolgedessen mit betonter Gleich­mäßigkeit vonstatten gehen farm. Hingegen wird während der Wintermonate eine Verengerung der Blutgefäße wahrgenommen, woraus sich eine Der- lagfamunq der Blutdurchstr ömung ergibt. Freilich reichen diese Befunde nicht etwa hin, um aus ihnen bestimmte Folgerungen zu ziehen, noch wenigen rechtfertigen sie etwa eine Verallgemeinerung. Hierzu kann schon deswegen keine Veranlassung bestehen, weil sich bei einem nicht geringen Pro­zentsatz der Menschen der Hebergang von der käl­teren zur wärmeren Jahreszeit und der Angleich an tne neue Wetterlage unter oft nicht unwesent­lich veränderten Bedingungen vollzieht. Immer­hin dürfte das eine schon heute ziemlich einwand­frei feststehen, daß die feinsten Blutgefäße ganz besonders empfänglich für den Wetterwechsel sind und auf die klimatischen und meteorologischen Ein­wirkungen empfindlich reagieren. Das Stadium der Dlutdruckschwankungen hat gerade in aller- jüngster Zeit besonders ausfälliges Material dafür erbracht, daß die Einflüsse der Witterung auf das Blut besonders stark sind. Man hat ferner ge­funden, dah der Organismus nicht etwa erst nach Eintritt der neuen Wetterlage zu reagieren be­ginnt die veränderten Einflüsse zeigten sich oft bereits stundenlang vor dem Witterungswechsel. Für die Serie der Gesetzmäßigkeiten, in denen die von der Witterung ausgehenden Reize ständig, aber uns unbewußt auf den Organismus eintoir- ten, haben sich neuerdings besonders bedeutsame Unterlagen beibringen lassen. Das Hervortreten von bestimmten Hautkrankheiten zu ge­wissen Jahreszeiten ist z. B. nur ein ganz kleiner Teilbeweis für das Abhängigkeitsverhältnis der menschlichen Lebensvorgänge vom Raturgeschehen der Wettergestaltung und Wetterveränderung. Man weiß heute, daß für das zeitweise Verschlim­mern von Ekzemen, Gürtelrose, Schuppenflechte usw. nicht allein die chemischen Strahlen und nicht allein die Intensität des Lichtes verantwortlich zu machen sind, auch der Windbewegung, den Riederschlägen, dem Luftdruck, der Luftverunrei­nigung und dergleichen dürfte eine nicht unbe­deutende Rolle zutommen. Hnfer ganzes vege­tatives System reagiert bei diesen Einflüssen mit. Die krankmachenden Hmstände auf diesem Gebiete sind bis heute freilich erst zu einem Teile ge­klärt.

Zusammenstöße im Kreise Friedberg.

WSR. Friedberg, 11. Juli. Arn Sonntag tym es in einigen Ortschaften des Kreises Fried­berg zu ernsten Zusammenstößen zwischen -Angehörigen politischer Gruppen. In Holz- Ha u s e n v. d. H. wurden bei einer Schlägerei mehrere Personen schwer verletzt. Das Heberfall­kommando muhte die Ruhe wiederberstellen. Auch in Dorheim trugen bei ähnlichen Vorgängen mehrere Personen erhebliche Verletzungen davon. Einweihung eines Kriegerehrenmals

in Friedberg.

WSR. Friedberg, 11. Juli. Hnter starker Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Sonn­tag das Kriegerehrenmal der Stadt Friedberg feiner Bestimmung übergeben. Die­ses schon früper näher beschriebene Kriegerehren- mal befindet sich bekanntlich in einem neuerrich­teten Wasserturm, auch Wartturm genannt, und stellt in seiner künstlerischen Ausgestaltung etwas Außergewöhnliches dar. Der Ausbau der Krypta erinnert stark an die Berliner Kriegergedächtnis- ftätte in der Wache am Brandenburger Tor. Den Weiheakt vollzog Bürgermeister Dr. S e h d, der aus der Hand des Erbauers, Baurat Metzger, den Schlüssel zur Gedächtnisstätte entgegennafym.

Daten für Dienstag, 12. Inti.

100 o. Chr.: Der römische Feldherr und Staats­mann Gajus Julius Cäsar geb. 1868: Der Dich­ter Stefan George in Büdesheim geb. 1874: Der Dichter Fritz Reuter in Eisenach geft. 1919: Auf­hebung der Blockade gegen Deutschland.

Langfristige Wettervoraussage.

TBUferungsoorausfage für Rorddeutschland, westlich der Oder, West-, Mittel- und Süddeutschland für die

Zeit vom 12. bis 21. Juli 1932.

Herausgegeben von der Staat!. Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Frankfurt a. M.

Das Witterungsgepräge der nächsten 10 Tage wird in dem Gebiet für das die Voraussagen gelten, zeitlich und räumlich nicht einheitlich, im ganzen ge­nommen aber ziemlich schön sein. Zunächst wird schwüles, wechselnd bewölktes, zu gewittrigen Nie­derschlägen geneigtes Wetter vorherrschen. Dann werden 1 bis 2 kühlere bewölkte Tge mit zeitweisen Regenfällen kommen, Tage, die aber im ganzen nicht unfreundlich fein werden. Schließlich wird wie­der meist schönes, warmes dis sehr warmes, vor­wiegend trockenes Wetter eintreten. Von diesem ge­wissermaßen mittleren Witterungsverlauf ifh ganzen Dorhersagegebiet wird die Witterung in Nordwest­deutschland insofern abweichen, als dort im allge- meinen mit schönerem und trockenerem Wetter zu rechnen ist, während die Gewitter- und Nieder­schlagsneigung in Süd- und Mitteldeutschland, beson­ders im nördlichen Vorland der Alpen und Mittel­gebirge am größten sein wird.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12-30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

Anzeigenanfträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.