Ausgabe 
12.7.1932 Frühausgabe
 
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Ur. 161 Srühausgabe

182. Jahrgang

Dienstag, 12. Juli 1932

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Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Lausanne und die asliierten Kriegsschulden.

Besteht ein Vorbehalt über die Ratifizierung der Vereinbarung von Lausanne durch England, Frankreich und Italien?

Doch eine Verkoppelung mit den Kriegsschulden?

Teutschland an keinem Londerabtommen beteiligt.

London, 11. Juli. (TU.) DerDaily h e r a l b halte gemeldet, daß außer dem Lausan­ner Abkommen vier Geheimverlräge ab­geschlossen worden seien, durch die das ganze Abkommen an Wert verliere. Londoner Tages- zeilungen unierslühen die Ansichten desDaily hcrald" in Leitartikeln. Zu den einzelnen, vom Daily Herold" erwähnten Geheimabkommen neh­men nunmehr die amtlichen Stellen wie folgt Stellung:

1. Zu dem sogenannten Gentleman-Ab­kommen, demzufolge England, Frankreich und Italien das Lausanner Abkommen erst ratifizieren sollen, nachdem eine zufrieden­stellende Einigung mit Amerika über die Kriegsschuldfrage zustandegekommen ist, wird erklärt, daß Ministerpräsident Macdonatd am Dienstag im Unterhaus hierüber nähere Mittei­lungen machen werde. Die Einzelheiten feien etwas verwickelt, so daß der Darlegung Macdonalds nicht vorgegriffcn werden könne.

2.Daily Herold" hatte behauptet, daß ein Ab­kommen zwischen England, Frankreich und Ilalien zustandegekommen sei, wonach sich jeder Staat ver­pflichte, mitAmerikakein Abkommen ab­zuschließen, das den Interessen der beiden anderen zuwiderlaufe. Die amt­lichen Stellen erklären, daß hieran kein wah­res wort sei.

Die beiden weiteren, vomDaily Herold" er­wähnten Abkommen zwischen England und Frank­reich bzw. England und Italien über eine vor­läufige Einstellung der Schulden­zahlungen an England sind nach amtlichen englischen Mitteilungen kein Geheimabkommen, son­dern sie sind ihrem Inhalte nach bekannt- gegeben worden.

*

In ausländischen Berichten ist der deutschen Regierung unter st e l l l worden-, daß sie an dem sogenannten Gentleman-Abkommen betei­ligt sei bzw. an dessen Zustandekommen mit­gewirkt habe. Diese Behauptung entbehrt jeder Begründung. 3m Gegenteil Hot die deutsche Abordnung in Lausanne mit Erfolg den Stand­punkt verfochten, daß für Deutschland eine Verquickung von Tributenund Kriegs­schulden nicht in Frage komme. Die Fran­zosen hatten zwar anfangs versucht, eine Klausel in das Lausanner Vertragswert aufzunehmen, wo­nach dieser Vertrag erst nach einer zufriedenstellen­den Regelung der Kriegsschuldenfrage ratifiziert werden sollte. Dieser versuch ist an dem deut­schen wider st and gescheitert. An zustän- diger Stelle iy Berlin wird im Zusammenhang mit den eingangs erwähnten Behauptungen erneut dar­auf hingewiesen, daß Deutschland es unter allen Umständen ablehne, sich in eine euro­päische Front gegen Amerika drängen zu lassen.

Amerika entrüstet.

Die Schuldnerfront gegen Washington.

Washington, 11.31111 (WTD.) Die Lau­sanner und Pariser Meldungen, daß trotz aller bisherigen Dementis ein Gentlemen Agreement doch bestehe, erregten hier sehr lebhaften Unwillen und wurden von einigen Parlamen­tariern als Beweis dafür bezeichnet, daßEu­ropa sich zu einem gigantischenSchwin- del auf Kosten Amerikas geeinigt habe'. Das Reuyorker BlattHerold Tribüne" brachte den vollen Text des geheimen Agree­ments und meldete, daß Reichskanzler v. P a p e n eine Abschrift erhalten habe, sowie daß er offenbar damit einverstanden wi. daß das Lausanner Abkommen nicht in Kraft trete, ehe sich die amerikanische Regie- ^_uP1r 8U entsprechenden Kürzungen der alliierten Schulden bereit erklärt habe.

Außenminister S t i m s o n beschränkte sich in seinem offiziellen Kommentar auf drei Fest­stellungen:

1. Die Regierung hat keine offizielle DDn bem Gentlemen Agreement.

2. Kein fremder Diplomat hat die Regierung diesbezüglich sondiert.

3. Kein Vertreter der amerikanischen Regierung hat an den Beratungen über das Gentlemen Agreement teilgenommen.

3n amtlichen Kreisen weist man darauf hin, daß die Kriegsschulden Privatschul­de n seien, die größtenteils e r st n a ch Kriegs- fi aufgenommen worden seien. Man stettt fest, daß die Regierung der Bereinigten ©temten niemals bindende Versprechen über eine Revision der Kriegsschul­den gemacht habe.

Senator Shipstead (Minnesota) erklärte, daß eine Zustimmung der amerikanischen Regierung zur Schuldenstreichung an Landesverrat grenzen würde. Gelegentlich des Laval-Be­suchs in Amerika sei in den europäischen Haupt­städten behauptet worden, daß Laval mit Hoo­ver ein auf die Streichung von Kriegsschulden und Reparationen hinzielendes Abkommen ge­troffen habe. Weder das Weihe Haus noch das Staatsdepartement habe diese Behauptung jemals amtlich dementiert. Eine ganze Anzahl von Se­natoren soll erneut auf das nachdrücklichste er­klärt haben, daß die Vereinigten Staaten schon bei den früheren Schuldenverhandlungen genug

Konzessionen gemacht hätten. Dagegen for­dertRewhvrk Times", daß die Kriegsschulden­frage im kommenden amerikanischen Wahlkampf überparteilich behandelt wird. Das Blatt hebt hervor, daß gegebenenfalls sogar ein lOpro- zentiger Vergleich besser sei als der Versuch, nicht eintreibbare Schulden zufolleftieren. Die Re­vision der Kriegsschuldenabkommen sei ein dehnbarer Begriff. Die Vereinigten Staa­ten müßten entweder Europa helfen, sein Haus wieder in Ordnung zu bringen, oder sie müßten darauf gefaßt sein, daß das eigene Haus in katastrophaler Einordnung verbleibt.

Scharfe Attacke Churchills.

Erste Llnierhausdebatie über Lausanne.

London, 11.3uli. (WTD.) Bei der -weiten Lesung der Consolidated-Fund-Dill im älnterhaus heute nachmittag fand eine Debatte über Die fi­nanzielle Seite der Regierungspolitik statt. Sir Stafford Cripps (Arbeiteropposition) betonte, daß die Arbeiteropposition bestimmt, soweit die Lausanner Vereinbarungen in Betracht kommen, den erfolgten Schritten der nationalen britischen Regierung ihre volle Llnterstühung bieten wird. Wir sehen die Regelung als den ersten Schritt zur Beseitigung des Dschungels finanzieller und politischer Tlngerechtigkeiten an, das seinen Tlrsprung im Geiste des Hasses und der Rache hatte, der aus dem Weltkrieg entstand. Wir hof­fen, daß die Völker Deutschlands und Frankreichs diese Vorschläge ratifizieren und ihre direkte Bil­ligung der Einleitung einer Politik der Freund­schaft mit gegenseitiger Hilfe zwischen diesen bei­den großen Rationen geben werden, deren gegen­seitige Mißverständnisse früher zu so zahlreichen Schwierigkeiten geführt haben.

Churchill,

erklärte dann, er könne sich nicht der Zustimmung seines Vorgängers zur Lausanner Regelung an­schließen und auch nicht dem anscheinenden Jubel, den dieses Ergebnis verursacht hat. Es scheine ihm, daß es Deutschland sei, das man am ersten von allen zu dem, was stattgefunden habe, beglückwünschen müsse. Innerhalb weniger als 15 Jahren nach dem Weltkriege, betonte Chur­chill, ist Deutschland völlig befreit worden von allen Lasten,die furchtbaren Ver­letzungen wiedergutzumachen, die es feinen Rach- barn zugefügt hat". Deutschland müsse zwar 3 Milliarden Mark zahlen, aber Hitler habe gesagt, daß sie in einigen Monaten nicht mehr als 3 Mark wert sein werden. Dies, so sagte Churchill, sei eine sehr harte Er­klärung. Die Anleihen, die England und die Vereinigten Staaten nach dem Kriege in Deutsch­land hineingesteckt hätten, überträfen bei weitem die Reparationssumme, die Deutschland gezahlt habe.

Churchill erinnerte daran, daß unter dem Frie- densvertrag drei große Dampfer von Deutsch­land ausgehändigt wurden, und dann habe Deutschland Geld geborgt und drei viel bes­sere gebaut, und diese hätten sofort das Blaue Band des Atlantischen Ozeans errungen. Die Anleihen, mit denen sie aber gebaut wur­den, seien einem Moratorium unterworfen, wäh-

Oer Reichskanzler das Ergebnis

Berlin, 11. Juni (CNB. Funkspruch.) Bei dem angekündigten Empfang der deutschen Presse verbreitete Reichskanzler von Popen sich noch einmal ausführlich über Einzelheiten der Lausan­ner Konferenz. Er erklärte einleitend, daß es ihm ein Bedürfnis sei, der deutschen Presse in der ersten möglichen Minute die noch notwendigen Aufklä- rungen über die Bedeutung und die Not­wendigkeit des in Lausanne erreichten Akkord zu geben. Mit allem Nachdruck unterstrich der Kanzler seinen grundsätzlichen Standpunkt, daß die Entscheidung über eine endgültige Regelung der Reparationsfrage oder ein Scheiternlassen der Kon­ferenz mit allen seinen Folgen einer weiteren Ver­schärfung der Weltwirtschaftskrise und damit einer weiteren Einengung der Lebensmöglichkeit des deutschen Volkes niemals von innerpoli­tischen Erwägungen aus getroffen werden konnte. Dafür konnten vielmehr nur Er­wägungen maßgebend fein, die die Gesamt- lage des deutschen Volkes betreffen.Es ist ja nicht so gewesen," fuhr der Reichskanzler fort,wie das die deutsche Oesfentlichkeit seit lan­gem angenommen hat, als ob wir etwa 100 Meter vor dem Ziele einer Lösung gestanden hätten, die einen glatten Strich durch die doch erst vor zwei Jahren seierlichst gegebene Unterschrift unter den Poungplan mit über 35 Milliarden und einer jährlichen Zahlung von fast zwei Milliarden be­deutete. Gewiß haben die Tatsachen ergeben, daß dieser vor erst zwei Jahren von uns unter-

rend die Engländer anderseits nicht in der Lage feien, den neuen Eunard-Dampser zu vollenden, weil sie nicht das Geld erhalten könn­ten. Alle inneren Schulden Deutsch­lands, Hypotheken usw. seien in der ursprüng­lichen Furcht vor der Mark verschwunden, und unter diesen Verhältnissen warte nur die wunderbare Tüchtigkeit Deutschlands aus ein Wiederaufleb en des Handels, um einen riesigen, vielseitigen Ausstieg in der gan­zen Welt zu unternehmen. Bestimmt seien die Engländer daher berechtigt, zu fragen, was in Lausanne stattgefunden habe. Er bedauere zu sehen, daß Deutschland noch mehr haben wolle.

England sei n i ch t s o g u t aus der Sache her- ausgekommen. Wie gewöhnlich fei es Englands Rolle gewesen, das Opfer zu bringen, und es scheine es äußerst gründlich und froh gebracht zu haben. Bis heute früh habe man annehmen müssen, daß England Europa alle seine Schulden an Reparationen erlassen habe, ohne Rücksicht auf seine Verpflichtungen gegenüber den Vereinigten Staaten. Jetzt heiße es, daß, nach­dem der Lausanner Vertrag unterzeichnet worden war, >>in Gen tlemen Agreement erzielt wurde .wonach der Vertrag nichtratifiziert werden soll, bevor die Signatarmächte zu einer Regelung mit ihren eigenen Gläubi­gern gelangt sind.Ist das wahr oder nicht?" fragte Churchill. Churchill verwies auf die Be­merkung eines Blattes, wenn der Lausanner Ver­trag nicht ratifiziert werde, so würdestreng ge­nommen, eine Rückkehr zum Boungplan stattfinden". Wenn irgend jemand, so rief Chur­chill laut, glaubt, daß man je in Deutschland zum Voungplan zurückkehren werde, so brauche er be­sondere ärztliche Behandlung, wenn aber die Re­gelung in Lausanne abhänge von einer Regelung der englischen Schulden an Amerika und wenn die Ratifizierung bis dahin verzögert werden soll, dann fiele der ganze Lausanner Pakt auf ein viel niedrigeres Riveau. Keine unglücklichere Annäherung an die Schuldenstrei­chung durch Amerika hätte stattfinden können als durch das in Lausanne angewandte Verfahren. Bemerkenswerterweise wurde eine Reihe von den Stellen der Rede Churchills, in der er die Lausanner Regelung kritisierte, von den Hin­teren konservativen Bänken mitBei- fall ausgenommen.

erläutert der presse von Lausanne.

fdjriebene Vertrag unerfüllbar ist, aber eben­sowenig wie wir mit einem einseitigen Akte die von früheren Regierungen seit 1918 abgegebe­nen Unterschriften auslöschen können, ebensowenig war dies mit den feierlichen Verpflichtungen mög­lich, die von den damals regierenden Parteien im Namen des deutschen Volkes eingegangen find. Die heutige Regierung hatte einfach eine Lage zu liquidieren, die von allen früheren Regierungen seit der Unterschrift unter den Versailler Vertrag geschaffen worden ist.

Die Frage, ob diese Loge dadurch liquidiert werden kann, daß Deutschland die Gültig­keit feiner Unterschrift in Abrede st e l l t und sich damit gleichsam außerhalb der für Kultur- und Rechtsstaaten geltenden Normen stellt, muß ich mit einem glatten Nein beant­worten. Also blieb für ein großes Volk von Selbstachtung nur der Weg von Ver­handlungen auf Grund tatsächlich fest­gestellter Gegebenheiten. Wir glauben, daß wir auf diesem Wege ein Resultat erzielt haben, das allerdings einen sehr großen Fortschritt bedeutet.

Der Pakt von Lausanne, fuhr der Reichskanzler v. Papen fort, bedeutet das völlige Ende des Systems der Reparationen, der einseitigen Zahlungen ohne Gegenwert, die Ab­schwächung der großen Gefahr des Transfers

sie bleibt für private Verpflichtungen noch be­stehen sie bedeutet die Beendigung eines Sy­stems, welches die Weltwirtschaft in ein unge­heures Chaos gestürzt hat.

Der Reichskanzler unterstrich weiter, daß die Durchführung der Lösung von Lausanne eine wirtschaftliche Gesundung Deutsch­lands und der Welt geradezu zur Voraus­setzung hat. Rach dem Urteil der Fachleute sei es zweifelhaft, ob es gelingen werde, die Bonds im Betrage von 3 Milliarden zu den vorgeschlagenen Bedingungen in dem vorgeschrie- benen Zeitraum von zwölf Jahren aus dem Welt­markt untergubringen. Wenn das aber doch ge­lingen sollte, so bedeutet das: daß Deutschland sein finanzielles und wirtschaft­liches Gleichgewicht in jeder Beziehung völlig wiedergewonnen hat. Weiter wies der Reichskanzler darauf hin, daß mit dem Voungplan auch das vielerörterte Kapitel ge­fallen ist, das sich mit der Sanktionsfrage beschäftigt. Wäre es in Lausanne zu einem Miß­erfolg gekommen, so hätten wir doch die Ver­pflichtungen aus dem Hooverjahr abzuzahlen gehdbt, und zwar zehn Jahre lang 190 Millionen. Diese gesetzliche Verpflich­tung wäre bei einem Scheitern der Konferenz ohne weiteres in Kraft getreten. Weiter sei nicht zu übersehen, daß dem Reich mit der Beeendigung des Reparationssystems die volle Souve­ränität über die Reichsbahn und die Reichsbank wiedergegeben wird.

Von den finanziellen Fragen kam der Reichs­kanzler auch auf die politischen Forde- rungen zu sprechen, deren Verquickung mit dem Reparationsproblem man der deutschen Dele­gation vorgeworfen habe. Hierzu stellte Reichs­kanzler v. Papen fest:Wäre es möglich bewesen bei der letzten internationalen Konferenz, die sich mit der endgültigen Beseitigung des Systems der Reparationen befaßte, nicht auch zugleich die Fragen anzuschneiden, die die moralische Voraussetzung unserer ehemaligen Feinde für die Auferlegung der ganzen Tribut­belastung und Diskrimination für Deutschland gewesen ist?

Es ist doch selbstverständlich, daß mit den Reparationen auch ihr moralischer vorwand beseitigt werden muh. Auch jede andere zusammengesetzte deutsche Delega­tion hätte einen solchen versuch machen müssen. Dabei bin ich selbstverständlich mit vielen der Ansicht, daß die Kriegsschuldfrage als solche von der bisherigen historischen Forderung bereits vorangetrieben und für uns in absolut positiver Linie entschieden ist. An sich wäre eine Beseitigung des Artikels 231 nur mit einem völligen Widerruf der Mächte von versaille möglich. Aber es wäre doch ein weiterer Schritt in der Fortnahme der Dis­kriminationen gewesen, wenn der Artikel 231, wie uns von einer Reihe von Ländern zugesagt worden war, mit Teil VIII als gestrichen zu betrachten wäre. Man weiß, welche Hinder­nisse dieser Möglichkeit in letzter Stunde ent­gegengestellt worden sind. Für uns ist mit Fortfall des Teiles VIII auch dieser Artikel gestrichen.

Aber es ist in Lausanne doch auch erreicht wor­den, daß eine der großen Mächte, mit denen wir verhandelt haben, wiederholt und unmißver­ständlich die Berechtigung des deutschen Standpunktes anerkannt hat. Wenn wir auch nicht in der Lage sind, fuhr Herr von Papen fort, den Inhalt meiner Besprechungen mit d e in englischen Premierminister der Oes- fentlichkeit preiszugeben, so werden Sie doch aus seiner Schlußrede und aus seinem Appell an die Adresse Frankreichs ersehen haben, wie weit in der Tat die Erkenntnis und der Wille fortgeschritten sind, die deutsche Diskrimination auszuräumen. Ich lenke Ihre Aus- merksamkeit in dieser Beziehung auf den Sah der Rede Macdonalds, worin er darauf hinweist, daß alle Völker bestrebt fein müssen, zu solchen politischen und moralischen Bezi^ungen zu kom­men, die das politische Kapitel des Krieges für Deutschland und Europa endgültig abschließen.

Der Kanzler gab seiner Lieberzeugung Aus­druck, daß auf Grund dieser Annäherung auch auf dem Gebiete der Gleichheit der Rechte.in der Wehrfrage in Gens Re­sultate erzielt werden können, die im Interesse der deutschen Ration unter allen ilmftänöen er­zielt werden müssen. Es sei klar, daß das Ergeb­nis von Lausanne, das in der Presse der Welt als ein Strich unter das Kapitel des Krieges und als Beginn einer neuen Aera anerkannt wird, in Deutschland durch die politische Ver­wirrung des Wahlkampfes start verzerrt wird. Der Kanzler schloß seine Ausführungen folgen­dermaßen:

Wir werden abwarten, welche Wirkung die Beseitigung des Reparationssystems auf die Besserung der Dettwirtschaftstage ausüben wird, wir können heute nur ab- schähen, inwieweit dieses Ergebnis der Besse­rung der deutschen Lage, der Wiederherstellung unseres Kredites und, was doch nie zu über­setzen ist, der Aufrechterhaltung der Währung, die nur im Gesamtrahmen der Weltwirtschaft möglich ist, dienen wird. Darüber hinaus hat dieser Pakt unsere Beziehungen zu den anderen großen Nationen in erheblichem Maße gebessert, von dem Maße, in dem diese Dinge sich in der allernächsten Zukunft auswirken werden, un-