Ausgabe 
12.7.1932 Erstes Blatt
 
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Die Katastrophe des berliner Aasflug-Dampfers.

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In Berlin ereignete sich bei der Abfahrt eines Vergnügungsdampfers auf der Spree eine Kesselexplo- pon, die furchtbare Folgen hatte. Durch ausströmende heiße Dämpfe wurden sechs Passagiere ge­tötet und 40 verletzt.

Unser Bild zeigt den AusflugsdampferSperber" nach der Explosion.

einander ab. Eine Glanznummer des Programms war der von Turnerinnen aufgeführte Fackelreigen unter Führung des Turnwartes.

Der Sonntag vereinigte die Kameraden, die Ab­geordneten der Freiwilligen Feuerwehren im Saale der Wirtschaft Wagner zur Arbeitstagung. Der Vorsitzende, Brandinspektor Wenzel-Gießen, begrüßte zunächst die Vertreter der staatlichen und kommunalen Behörden, sowie die Abgeordneten der Feuerwehren. Sodann dankte der Dezernent des Feuerlöschwesens im Kreise Gießen, Oberregie­rungsrat Ritzel, für die Einladung und teilte mit, daß auch Regierungsrat Krüger und der Sachbearbeiter, Herr Hernbd, als Vertreter des Kreises an der Tagung teilnehmen. Ober-Reg.-Rat Ritzel führte u. a. aus, daß er

jederzeit für die Interessen der freiwilligen Feuerwehren einzutreten bereit sei, und nach bestem Können für die Belange der freiwilligen Feuerwehren und deren Ausgaben zur Aus­führung ihrer schweren und verantwortungs­vollen Pflichten im Dienste der Nächstenliebe eintreten wolle.

Enge persönliche Verbindung durch den Kreisfeuer­wehrinspektor Dickors zum Kreisamt setzten ihn jederzeit in die Lage, zu prüfen, wie und wo ge­holfen ' werden muß und kann? Auf seine Unter­stützung im Rahmen des Möglichen sei bestimmt zu rechnen. Zum Abschluß seiner Ansprache wünschte er der Tagung guten Verlauf. Branddirektor Braubach überbrachte die Glückwünsche als Vorsitzender des Provinzialoerbandes und im Auf­trage des Landesausschusses und wünschte der Ta­gung ebenfalls guten Verlauf und vollen Erfolg. Der Großen-Busecker Wehr sprach der Redner herzliche Glückwünsche zur Jubelfeier aus. Kom­mandant Harbach von der Jubelwehr hieß die Anwesenden willkommen.

Die Tagung selbst ging flott vonstatten, so daß nur in wenigen Punkten Aussprache nötig wurde. Der Vorsitzende verlas die Einladung zum Deut­schen Feuerwehrtag in Karlsruhe, der eine n.acht­volle Kundgebung werden soll und empfahl den Wehren, wenn irgendmöglich doch einen Vertreter nach Karlsruhe zu entsenden. Oberregierungsrat Ritzel griff hier in die Aussprache ein und legte ebenfalls den Wehren, insbesondere den anwesen­den Bürgermeistern nahe, doch noch einmal ihren Etat zu überprüfen, ob nicht für einen Vertreter nach Karlsruhe einige Mittel aufgebracht werden könn­ten, die es ermöglichten, den Deutschen Feuerwehr- tag im August zu beschicken. Daß er nicht nur ein Mann des Wortes sei und der guten Ratschläge, sondern auch die Tat folgen lasse bewillige er aus seinem Dispositionsfonds als Ansporn für die Wehren bzw. die Gemeinden 100 Mark, wozu der Kreisoerband ebenfalls 100 Mark bewilligte, so daß 200 Mark zu Verfügung stehen, und damit für 18 dem Kreisverbande angeschlossenen Wehren- Vertreter das Fahrgeld gesichert ist.

Sodann sprach Oberregierungsrat Ritzel zu den Ehrenmitgliedschaften ehemals akttoer Feuer­wehrleute und empfahl,

mit der Verleihung solcher Auszeichnungen sparsam umzugehen,

da deren Wert unter allzu häufiger Verleihung leiden müsse. Kamerad Rohrbach von der Lol- larer Wehr widersprach Man habe seinen Antrag falsch verstanden und er behalte sich vor, denselben Antrag erneut beim Prooinztag einzubringen. Oberregierungsrat Ritzel empfahl ferner, schon heute innerhalb der Verbände Richtlinien über die Ernennung von Ehrenmitgliedern aufzu­stellen, damit in allen freiwilligen Feuerwehren des ganzen Landes nach einheitlichen Grundsätzen verfahren werden kann. Der Vorsitzende, Kamerad Wenzel, betonte, daß er dem Vorschlag sympathisch gegenüberstehe. Eine weitere Aussprache über diesen Punkt wurde nicht gewünscht. Damit war die Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende schloß die Tagung mit dem Dank an alle, die zur reibungslosen Erledigung der Aufgaben beigetragen haben.

Anschließend versammelten sich die Vertreter und die inzwischen in großer Anzahl erschienenen Wehren zum

Brandangriff, dem eine Geräteaufstellung und Exerzieren der Mannschaften vorausgegangen war. Nachdem der Angriff schon in vollem Gange war, wurde die Kreis­motorspritze telephonisch herbeigerufen, die nach etwa 17 Minuten zur Stelle war und in den Kamps eingriff. Die Leistungen waren, wie Kreisfeuerwehr­inspektor D i d o r 6 in feiner Kritik hervorhob, durchaus gut, wenn von einigen Schönheitsfehlern abgesehen wurde. In der Zusammenfassung ist zu sagen, daß die Großen-Busecker Wehr an Schlag­fertigkeit und technischem Können den Wehren des

Kreises nicht nachsteht und die Gemeinde im Falle der Feuersnot zuverlässig geschützt werden kann.

Am Nachmittage bewegte sich ein stattlicher Fest- z u g, der zugleich eine

Heerschau der Feuerwehren des Kreises Gießen war, unter Mitführung imposanter Festwagen nach dem Festplatze. An der Kirche sammelte sich der Zug in Staffeln, um einige Minuten in ft i H e m G e denken für d i e gefallenen Kameraden im Weltkriege zu verharren. Der 1. Komman­dant, Harbach, legte an dem vor der Kirche er­stelltem Denkmal einen prachtvollen Kranz nieder, während die Glocken läuteten und die Kapelle das Lied:Ich hatt' einen Kameraden" spielte. Nach­dem der Festzug auf dem Festplatz angekommen war, entwickelte sich bald ein buntes Leben und Treiben. Unter Ansprachen des Ortsgeistlichen und des Bürgermeisters wurde die von den Jungfrauen gestiftete Fahne als Symbol der Treue dem Fahnen­träger überreicht. Der 1. Kommandant nahm die Fahne in feine Obhut, versprach weiter in treuester Verbundenheit mit der Gemeinde seine Pflicht zu tun und die Fahne heilig zu halten. Der Gemeinde und der festgebenden Großen-Busecker Wehr gereicht es zur besonderen Ehre, daß sie in dieser ferneren Notzeit es fertig brachten, der Veranstaltung durch die reichgeschmückten Straßen und des prächtig aus- gestatteten Festplatzes eine besondere Note zu geben. Durch den zahlreichen Besuch wurde der gastfreien Gemeinde der Dank abgestattet.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

* Lollar, 12. Juli. Gestern nachmittag wollte die NSDAP, hier eine öffentliche Ver­sammlung vor dem Vuderusschen Eisenwerk ver­anstalten, zu der eine Anzahl Gießener National­sozialisten mit dem Redner aus Gießen erschie­nen waren. Da die Versammlung nicht angemel­det war, wurde sie auf Weisung des Kreisamtes durch Eingreifen der Gendarmerie verhindert. Die Gießener Nationalsozialisten konnten sich unter dem Schuhe von sechs Gießener Polizeibeamten, die an Ort und Stelle erschienen waren, unbehelligt wieder entfernen. Drei Nationalso­zialisten, darunter der Redner aus Gießen, hatten sich nach einer hiesigen Gastwirtschaft be­geben. Als sie einige Zeit später das Lokal ver­liehen, gerieten sie auf der Straße mit politi­schen Gegnern in ei ne n Wortwechsel, der leider zu Tätlichkeiten führte, in deren Verlauf der Nationalsozialist Werner Jacobi von hier durch Schläge am Kopfe und im Gesicht verletzt wurde. Die beiden anderen National­sozialisten berichteten, daß sie gleichfalls miß­handelt worden seien: behördliche Ermittelungen nach dieser Richtung hin sind im Gange. Die Gendarmerie war alsbald zur Stelle und sorgte für die Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung.

§ Dau bring en, 11. Juli. Der freiwil­lige Arbeitsdienst ist nun auch in unserer Gemeinde eingeführt worden. Als vorläufig not­wendigste Arbeit ist der Ausbau der Gemeinde­sandgrube angesehen worden, deren Zu- und Absahrtstrahe sich seither in wenig günstigem Zu­stand be'and, besonders bei längerer nasser Witte­rung. Nunmehr soll an deren Stelle eine chauf­fierte Ausfahrt angelegt werden. Außerdem muß ein Abraum der Grube vorgenommen werden, der einige Meter Umfang umfaßt, wenn sie ge­nügend brauchbaren Sand liefern soll. Der neue Weg wird in einen bisher noch unausgebauten Waldweg einmünden. Auch bei diesem sind an verschiedenen Stellen Erdbewegungen notwendig, so Erdauffüllungen bis zu 80 Zentimeter Höhe und Ausschachtungen bis zu 4 Meter Tiefe. Die Vorarbeiten find in vollem Gange. Es sind mehr als 20 meist junge ausgesteuerte Arbeits­kräfte aus unserer Gemeinde beschäftigt. Die Erdmassen, die rund 3000 Kubikmeter betragen, sollen nach dem Voranschlag in etwa 3400 Tag­werken ausgehoben und befördert werden, bei einem vorgesehenen Kostenaufwand von rund 6000 Mk.

* Hattenrod, 12. Juli. Am Sonntag fand hier ein von zahlreichen alten Artilleristen besuchtes Artilleri st en°Treffen statt, dem u. a. Gene­ralleutnant Exz. v. Kleinschmidt beiwohnte. Die Veranstaltung nahm in allen Teilen einen sehr harmonischen, von echt kameradschaftlichem Geist er­füllten Verlauf und bereitete den vielen Teilneh­mern einige schöne Stunden geselligen Beisammen- seins. Wir werden über die Tagung noch näher bc- richten.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

> Wißmar, 11. Juli. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung, an der Landrat

M i ß (Wetzlar), Bürgermeister Brockmeier lKrofdorf) teilnahmen, wurde die finanzielle Lage der Gemeinde erörtert, die infolge der hohen Wohlfahrtslasten trostlos geworden ist. Die Gemeinde hat bereits einen Vorschuß von 13 700 Reichsmark, um die laufenden Unterstützungen zahlen zu können; die Einnahmen fließen infolge der all- gemeinen Not spärlich. Auf Vorschlag des Landrats beschloß die Gemeindevertretung, einen Antrag auf Unter st ützung aus der Reichswohl - fahrtshi 1 fe zu stellen, jedoch überließ sie es der

Aufsichtsbehörde, die erforderliche Vorbedingung Erhebung des d r e-r-f a chen Satzes der Bürger ft euer von sich aus zu verfügen. Die Gemeindevertretung glaubte angesichts der Not der wenigen Erwerbstätigen und der Bauernschaft, einen solchen Beschluß nicht verantworten zu können. Fer­ner wurde beschlossen, die verschiedenen Fonds ab- zuheben, damit ein Teil des Vorschusses gedeckt wer- den kann. Auch wurde beschlossen, durch Einrichtung des freiwilligen Arbeitsdienstes zu ver­suchen, der Not etwas zu steuern.

S.ji.-fportf

Das olympische Dorf von Los Angeles.

Ein Heerlager der Sportheroen.

Dor den Toren von Los Angeles ist es aus dem Doden emporgewachsen, dieses neu« Dorf, bestimmt, den Mitkämpfern bei der Olympiade Dehaglichkeit zu gewähren, zu deren Empfang das Komitee der Olympischen Spiele jetzt die letzten Vorkehrungen trifft. Wer­den doch die ersten Mannschaften, darunter die Deutschen, bereits um die Mitte des Monats hier erwartet. Wenn am 30. Juli Präsident Hoover die Spiele feierlich eröffnen und die Ver­treter von 50 Nationen begrüßen wird, dann werden auch in die schmucken kleinen Häuschen, die jetzt noch so verlassen nahe dem Stadion im 2lusst«llungspark stechen, alle Gäste eingezogen fein.

550 Zweizimmer-Dauten werden 2000 Sport-- leute beherbergen.

Außerdem weist das neue Dorf Speifechallen in einer Länge von 400 Meter, ein Freiluft- Theater und da man ja nun einmal in der Nähe von Hollywood ist natürlich auch ein Kino auf. Jede der kleinen Villen hat Telephon- anschluh, und auch ein Schwimm-Dassin darf im Dorfe nicht fehlen. Ferner sind alle Rennbahnen, Schwimmanstalten und Ringkampfplähe, die die Schulen von Los Angeles in vortrefflichem sport­lichen Zustand besitzen, den Spielteilnehmern zum Trainieren frei gegeben. Die weiblichen Festgäste werden nicht in dem Dorfe untergebracht, das den Eharakter eines männlichen Feldlagers bewahren soll.

Den eigentlichen Mittelpunkt aller Veranstal­tungen wird das

Olhpia-Sladion

bilden, «in Bau, der von den Steuerzahlern von Los Angeles schon vor der Olympiade errichtet wurde und der erhalten bleibt. Mit seinem Umfang von rund 1000 Meter und einem Flächen­inhalt von 6,8 Hektar kann es 2 3 0 0 00 Be­such e r fassen. In dem Stadion und den um­schließenden Kampfbahnen werden u. a. die Cr- öffnungs- und Abschluhumzüge, die Schluhkämpf« im Reitsport, Hockey und der ost-westamerikanische Fuhballkampf stattfinden. Das Olympia- Auditorium, das dem Sportklub von Los Angeles gehört und 104 000 Zuschauer fassen kann, wird die Stätte der Dox- und Rickgkämpfe sein, während für d ie Radfahrer eine besondere hölzerne Dahn in Rose Bowl in Pasadena errichtet worden ist. Unmittelbar vor den Mauern des Stadions breitet sich ein ausgedehntes Bassin mit Sprung­brettern aus, das verschiedenen Arten des Wassersports einschließlich des Wasserpolos, die­

nen soll. Unterwasser-Beleuchtung und Heizvor­richtungen machen es auch zur Abhaltung von Nachtkämpfen geeignet. Große Tribünen werden 10 000 Zuschauern ermöglichen, bei den Wett­spielen des so überaus volkstümlichen Schwimm­sports anwesend zu sein. Die Ruderwett­kämpfe hat man nach dem 29 Kilometer von Los Angeles entfernt gelegenen Strand von Long Beach verlegt, wo Dampf-Schaufler eine Kampfbahn von 2000 Meter Länge und 130 Meter Breite ausgehoben haben und die notwendigen Landungsplätze und Bootshäuser errichtet wor­den sind.

LoS Angeles ist wohl gerüstet, seine Gäste würdig zu empfangen

und mit Trompetenklang chren Einzug zur zehn­ten Olympiade zu feiern. Wie weit diese Töne durch den Ernst der Weltkrise gedämpft sein werden, wie sich die allgemeine Rot in einer hinter den Erwartungen zurückbleibenden Be­sucherzahl auswirken wird, das ist die Sorge, die auf dem Komitee der Olympischen Spiele wie auf der Handelskammer von Los Angeles bis herab zum kleinsten Geschäftsmann der Stadt lastet. Der Besuch aus den Staaten dürste sich nach den Vormerkungen bei den Eisenbahn­gesellschaften, die natürlich durch besonders vor­teilhafte Fahrkartenpreife das ihrige zum Ge­lingen beitragen, recht günstig gestalten und kaum hinter dem bei ähnlichen Veranstaltungen in ru­higeren Zeiten zurückstehen. Wie es aber mit den Gästen von jenseits des Ozeans bestellt sein wird, das ist bei den schweren wirtschaftlichen Erschütterungen des alten Europa noch eine un­gelöste Frage. L. R.

Die neuen Olympia-Marken, die die amerikanische Postoerwaltung jetzt anläßlich der bevorstehenoen Eröffnung der Olympischen Spiele herausgibt.

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Wirtschaft

Berlin abgeschwächt.

Berlin, 12. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Die schon gestern im Verlause der Börse und abends in Frankfurt erkennbare Kursbewegung fetzte sich im heutigen Verkehr trotz der Erholung gestern in Neu- york fort. Auf Grund der sich immer wieder zeigen­den Meinungsverschiedenheiten in der Außenpolitik und der anscheinend bestehenden Differenz innerhalb des Kabinetts beteiligte sich das Publikum wieder nur wenig am Geschäft. Man nahm erneut Reali­sationen vor, so daß sich selbst gegenüber den schon schwachen vorbörslichen Taxen noch A b schwä­ch u n g e n um Bruchteile eines Prozents ergaben. Verschiedentlich traten dadurch gegen gestern Verluste von 2 bis 3 v. H. ein, Chadeaktien verloren 4 Mark. Auch Jlse-Genußscheine waren mit minus 3,5 v. H. und Feldmühle mit minus 3 o. H. bemerkenswert schwach. Die seit einigen Tagen zur Notiz gekomme­nen Hamburg-Süd und Hansa-Aktien erschienen mit Minus-Minus-Zeichen.

Aber auch am Rentenmarkt war eine Er­nüchterung heute unverkennbar. Von deutschen An­leihen büßten Neubesitz nach anfänglicher Minus- Minus-Notiz zirka 0,5 v. H. ein, während Altbesitz fast 1 v. H. niedriger lagen. Jndustrieobligationen verloren etwa 1 bis 1,5 v. H. und in gleichem Aus­maße waren Reichsschuldbuchforderungen notwendig. Aber auch für Pfandbriefe schien von feiten des Publikums Realisationsneigung zu bestehen, zumal die Diskontentscheidung der Reichsbank für die nächste Zeit wenigstens hinausgeschoben sein sollte. Der Tod Batas hatte auf die Börsentendenz keinen Einfluß, zumal der Verstorbene kaum als Spekulant anzusprechen war.

Auch im Verlaufe neigte die Tendenz eher zur Schwäche, wobei in der Hauptsache der geringe Geschäftsumfang, daneben aber auch schwächere Mel­dungen aus dem Auslande mitsprachen. Erst geaen 12.45 Uhr setzte sich in Montanwerten eine kleine Er­holung durch, wobei man auf die Verschärfung der belgischen Streikbewegung verwies. Am Äus- landrentenmarkt waren die A b schwä­ch u n g e n gegen gestern gering. Der Geldmarkt erfuhr eine weitere Erleichterung, so daß Tagesgeld vereinzelt schon mit 5 bis 5,13 v. H. er­hältlich war. In Bekula-Aktien entwickelte sich der Allgemeintendenz entsprechend mit 2 v. H. unter gestern lebhaftes Geschäft. Die erste offizielle Notiz dürfte bei 90 liegen.

Frankfurt schwächer.

Frankfurt 12. Juli. (WTB. Drahtmeldung.) Die heutige Börse war zu Beginn aufder gan­zen Linie abgeschwächt wobei die Stellung­nahme Amerikas zu den Lausanner Abmachungen noch ungünstig nachwirkte und weitere Glattstellun­gen bei der öpefulation auslöste, zumal das Publi­kum der Börse nach wie vor fernbleibt. Auch die ungeklärte innerpolitische Lage wirkte sich jetzt stärker auf di« Börse aus, daneben verstimmte der starke

Kursrückgang der deutschen Bonds an der gestrigen Neuyorker Börse. Auch die noch bis gestern. be­stehende Hoffnung auf eine baldige Diskontsenkung der Reichsbank scheinen heute wieder verschwunden zu sein.

Nach vorbörslich, noch behaupteten Kursen eröff­nete die Börse mit durchschnittlichen Kursein- büßen von A bis 1% v. H. Am Farbenmarkt eröffneten IG., Scheideanstalt und Rütgerswerke bis 1 o. H. niedriger, Deutsche Erdöl gaben g v. H. nach. Die Verluste am Elektromarkt betrugen bei Ges- fürel und Schuckert VA o. H., AEG. gaben nur leicht nach. Einen markanten Kursrückgang wiesen Salz­detfurth mit minus 5% v. H. auf, am Montanmarkt büßten Rheinstahl 2 v. H. ein, dagegen konnten Gelsenkirchen ß o. H. anziehen. Schiffahrtspapiers gaben bei ruhigem Geschäft g v. H. nach.

Auch der Anleihemarkt zeigte meist rück­läufige Tendenz. Altbesitzanleihe und Reichs- schuldbuchsorderungen gaben je 1 v. H. nach, Neu­besitz büßten § v. H. ein. Von Jndustrieobligationen konnten Stahlverein-Obligationen | v. H. anziehen. Auch am Pfandbriefmarkt kam in verstärktem Um­fange Material heraus, dem nur. wenig Aufnahme­neigung gegenüberstand, so daß die Surfe für Gold­pfandbriefe 1 bis 2 v. H. niedriger lagen.

Nach einer vorübergehenden leichten Erholung war die Tendenz im Verlause weiter schwach, da neues Angebot auf die Kurse drückte. Die Rückgänge betrugen weitere 1 bis VA v. H. Am Geldmarkt war. Tagesgebd mit 4£ v. H. unver­ändert.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 11. Juli An der Getreide­börse herrschte bei Beginn der neuen Woche sehr stilles Geschäft. Die Umsätze beschränkten sich nur auf die Deckung des notwendigsten Bedarfs. Die Preise für Brotgetreide lagen unverändert, dagegen konnten Hafer und Futterartikel weiter leicht an­ziehen. Auch für ölhaltige Futterartikel hielt sich größeres Interesse. Das Mehlgeschäft war sehr klein, doch blieben die Ende der Vorwoche eingetrete­nen Erhöhungen für Weizenmehl behauptet. Rog­genmehl war in freiem Markte billiger offeriert. Es wurden notiert: Weizen 256,50; Roggen 220; Hafer (inländischer) 172,50 bis 182,50; Weizenmehl (süddeutsches Spezial 0 mit Austauschweizen) 38,75 bis 39,50; Weizenmehl (niederrhein. mit Austausch- weizen) 38,75 bis 39,40; Roggenmehl (70 v. H.) 28,75 bis 29,25; Weizenkleie 9,15; Roggenkleie 9,25; Erb­sen (je nach Qualität für Speisezwecke) 24 bis 35; Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 22 bis 48; Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocken) 3,40; Wei­zen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 3,50; Weizen- , und Roggenstroh (gebündelt) 3,20 bis 3,50; Treber (getrocknet) 10,25 bis 10,50; Kartoffeln: Erstlinge, hiesiger Gegend, 3,80 bis 3,90; Böhms allerfrüheste, gelbe, 3,30 bis bis 3,40 Mark. Tendenz: be­hauptet.

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