Ausgabe 
11.8.1932 Erstes Blatt
 
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Neue Zwischenfälle im Reich.

Westlich der Oder.

Der Kölner KPD.-Führer Eckerh wurde laut Polizeibericht auf Veranlassung der Staats­anwaltschaft verhaftet. In seiner Wohnung sollen hochverräterische Schriften gefunden worden sein.

Bei den Kasseler Linksradikalen, die von der Polizei wegen Waffenschiebungen in Zella- Mehlis verhaftet wurden, handelt es sich um fünf Leute der Anarcho-syndikalistischen Bewe­gung, die in Kassel zahlreiche Anhänger besitzt. Bei einem der Festgenommenen wurden drei Pistolen verschiedener Kaliber und 86 Schuh Pistolenmunition gefunden.

Wie das Kreisamt in Rudolstadt mitteilt, sind bei den Hartsteinwerken Gebr. Fässer in Mellenbach-Glasbach zweieinhalb Kisten Spreng­stoff, 80 Meter Zündschnur, 40 Sprengkapseln und eine Schneidezange für Zündschnur gestohlen worden. Don den Tätern hat man noch keine Spur.

Sn der vorigen Nacht wurde in Freital (Sachsen), nach dem Polizeibericht, von einem Motorradfahrer eine Bombe in die Volksbuch- Handlung und Ausgabestelle derFreitaler Volkszeitung" geworfen. Es wurde niemand verletzt.

Sn der Nacht zum Mittwoch wurde in Wis­mar (Mecklenburg) der SA.-Mann F l o r st e d t auf dem Heimweg von Kommunisten angeschossen. Cs wurden etwa sieben Schüsse abgegeben. Flor- stedt wurde durch einen Schuh in den Arm verletzt.

Berlin.

Gestern abend wurde in Berlin ein kommu­nistisches Verkehrslokal von Polizeibeamten nach Waffen durchsucht. Gefunden wurde eine Pistole mit fünf Schuh Munition und eine 45 Zentimeter lange Stahlrute. Die Waffen wurden beschlag­nahmt. Zur gleichen Zeit wurde ein national­sozialistisches Lokal in Wilmersdorf durchsucht. Dabei wurden u. a. zwei Pistolen, drei Schreck­schuhpistolen und eine ^lebungshandgranate be­schlagnahmt. 60 Nationalsozialisten wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen.

Schlesien.

Wie die Polizeipressestelle in Gleiwih mit­teilt, ist in der Nacht Aum Mittwoch in Potempa (Landkreis Gleiwitz) der kommunistisch gesinnte Arbeiter P i e t c z u s ch ermordet worden. Meh­rere uniformierte SA.- und SS.-Leute waren in das Zimmer eingedrungen, in dem Pietczusch, sein Bruder und seine Mutter schliefen. Sie miß­handelten Pietczusch und gaben, als er in eine Kammer flüchtete, aus einer Pistole einen Schuh in die Kammer ab. Darauf verliehen die Täter das Haus. Die Mutter fand ihren Sohn in einer Blutlache liegend tot auf. Einer der Tater wurde gleich nach der Tat festgenommen.

Aus Waldenburg wird berichtet: Gegen die Villa des Grafen Moltke in Obersalz­brunn, in der das SA.-Heim untergebracht ist. wurde in der vergangenen Nacht ein Spreng­körper geworfen. Personen wurden nicht verletzt.

Ein Polizeibericht aus Sagan meldet: Gegen die Wohnung des Ortsgruppenführers der NSDAP, in Halb au wurden heute Nacht Pistolenschüsse abgegeben. Sn Friedland wur­den auf die Wohnung eines Nationalsozialisten 10 bis 12 Schüsse abgegeben. Auch in Sprot - tau wurde eine Wohnung beschossen.

Gefängnis für sieben Kommunisten in Ostpreußen.

Bart en st ein, 11. Aug. (WTB.) Die Zu- sammenstöhe zwischen Kommunisten und National­sozialisten am Sonntag vor der Reichstagswahl in Heilsberg wurden gestern im Schnell­verfahren vor der Großen Strafkammer in Bartenstein verhandelt. Sieben Heils­berger Kommuni st en wurden mit F r e i» heits st rasen belegt. Es wurden verurteilt ein Kommunist zu zwei S a h r e n, ein anderer zu einem Sahr, zwei zu je neun Mo­naten, zwei weitere zu je sechs Mo­naten und einer zu vier Monaten Ge­fängnis. Sn der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende hervor, daß das Gericht in der­artigen Fällen st r e n g vorgehen müsse, damit den Terrorakten endlich ein Ende gemacht werde. Soweit sich die Täter noch auf freiem Fuß befanden, wurden sie sofort in Haft ge­nommen.

Oie SA. Hilfspolizei in Oldenburg.

Oldenburg, 10. Aug. (WTB.) Die in die Oldenburger Gendarmerie eingestellten Hilfskräfte aus SS. und SA. kommen in allen drei Landes teilen des Freistaats heute wieder zur E n t l a s s u n g. Sn einer Rede, die der Ministerpräsident vor Gemeinde- und Amts- ratsvertretern in Derne gehalten hat, wies er darauf hin, daß die zur Entlassung kommenden Leute in ihren Heimatorten zum Schuh des Eigentums eingesetzt werden sollen. Endgül­tige Beschlüsse über die Form der Verwendung dieser Leute sind im Ministerium noch nicht ge­faßt worden.

Selbstschutz in Braunschweig.

Braunschweig, 10. Aug. (TU. Funkspruch) Das braunschweigische Staatsmini st e- r i um hat am Mittwoch die Verordnung unterzeich­net, die die grundsätzliche Anweisung an die Landes­polizeibehörden für die Einrichtung eines staatlich anerkannten Selbstschutzes enthält. Die Ausführungsbestimmungen sind noch in Vorberei­tung.

Oie Llnruhen in Spanien.

Die spanische Republik hat wieder einmal einen schweren Tag hinter sich. Seit Mittwochfrüh war für die Regierung in Madrid Veranlassung genug vorhanden, um ihre Existenz zu zittern. Denn diesmal hatte die monarchistische Partei ihren sicher von langer Hand vorbereiteten Angriff auf das System außerordentlich geschickt und tat­kräftig durchgeführt. .An zwei Stellen des Rei­ches, in Madrid und in Sevilla, brachen die Aufstände um dieselbe Stunde auf, und ins­besondere .in der Landeshauptstadt wurde der An­griff der Aufständischen, in erster Linie ehemali­ger Offiziere, so zielsicher auf verschiedene Regie- rungs- und öffentliche Gebäude, insbesondere auf die Hauptpost und auf das Telegraphenamt un­ternommen, daß sich das spanische Kabinett besorgt fragen mußte, ob es sich noch gegen diesen mit so großem Elan vorgetragenen Sturm wehren konnte. Obwohl der Kriegsminister, wie er erst unlängst zugegeben hat, noch nicht völlig über­zeugt davon ist, wie weit die eigenen Truppen für die Republik eintreten würden, setzte er so­fort zum Gegenangriff an, und es gelang in Ma­drid, den Aufstand wieder niederzuschlagen. Sn Sevilla ist einstweilen die Lage noch unsicher. Rach der ganzen Anlage des Putsches ist nicht damit zu rechnen, daß hier nur eine spontane Erhebung niederzuschlagen war, sondern daß von mon­archistischer Seite aus ernstlich beabsichtigt ist, der Republik den Todesstoß zu versehen. Die Ge­neräle mögen sich dabei der Erwartung hingege- ben haben, daß sie alsbald nach Ausbruch des Aufstandes Unterstützung von der Seite der rechts­stehenden katholischen Fraktion der Cortez finden würden, deren Mitglieder schon vor geraumer Zeit aus der Kammer ausgezogen sind, weil sie an den umstürzlerischen Reformen nicht mitschuldig wer­den wollen.

Oie Negierung war unterrichtet.

Madrid, 10. Aug. (WTB.) Ministerpräsi­dent A z a n a gab heute in der Kammer eine Schilderung des bisherigen Verlaufes der Auf­standsbewegung. Der Regierung sei be­kannt gewesen, daß das Komplott bereits in der vergangenen Woche zur Ausführung kom­men sollte, dann aber aus noch nicht bekannten Gründen vertagt wurde. Der Ministerpräsident stellte mit Genugtuung fest, daß nur noch Sevilla unter General San S u r j o von den Aufstän­dischen beherrscht sei. Er kündigte für die Zu­kunft eine strengere Handhabung des Gesetzes gegen die Gegner der gegenwärtigen Staats­form an. Die Kammer, mit Ausnahme der fünf Agrarier, sprach der Regierung durch Zuruf ihr Vertrauen aus.

Generalstreik?

Paris, 11. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Agenturmeldung aus Madrid sollen die Arbeitergewerkschaften von Sevilla und Umgegend den Ge neralstreik erklärt haben, um die Aktion der Aufständischen zu unterbinden.

Hinrichtung aufständischer Offiziere?

London, 11. Aug. (WTB. Funkspruch.) Aus Madr id wird gemeldet, die Regierung habeDe- s^l erteilt, daß ein General, der gestern in Madrid zusammen mit vier anderen Ofsizieren verhastct wurde, bei Tagesanbruch erschossen werden solle. Der Name des Generals sei nicht bekannt. Weiter wird gemeldet, daß auch zwei

andere in die Bewegung verwickelte Offiziere er­schossen werden sollen. Eine amtliche Bestätigung dieser Nachrichten liegt noch nicht vor.

Heber 200 Verhaftete.

Madrid, 10. Aug. (WTB.) Nach Polizeimel­dungen sind bis heute abend mehr als 200 Personen verhaftet worden. Unter ihnen befinden sich viele wegen ihrer monarchistischen Einstellung bekannte Persönlichkeiten, so der Gy­näkologe Professor G a l v e z.

Monarchistenversammlung in Madrid ausgehoben.

Madrid, lO.Aug. (WTB.) Die Polizei hat heute früh eine DersammlungderMonarchisten ausgehoben. Acht Personen wurden verhaftet.

Zeitungsverbote.

Madrid, 10.Aug. (WTB.) Die Regierung hat folgende Zeitungen verboten: ABC, El Debate, Siglo Futuro, Information, El Mondo, La Nation.

Haftbefehl gegen Exkönig Alfons.

Madrid, 10. Aug. (WTB.) Die parlamentarische Untersuchungskommission hat ein gerichtliches Ver­fahren wegen Schiebung bei Vergebung der Kon­zession für den Bau der Eisenbahn UtanadaCata- tayed gegen Vertreter des alten Regimes eingereicht, u. a. auch gegen Exkönig Alfons, gegen den Leiter des Eisenbahnwesens unter Primo de Rivera und gegen den früheren Direktor für öffentliche Arbeiten. Gegen sämtliche angeklagten Personen ist Haft- befehl ergangen.

Die Neuordnung im Rundfunk.

Berlin, 10. Aug. (WTB.) Der Reichsmini­ster des Snnern hat Ministerialrat Scholz zum Rundfunkkommissar des Reichsmini­steriums des Snnern ernannt.

Seit einigen Wochen ist im Reichsinnenmini- sterium eine Debatte über die Umgestaltung des Rundfunks in Deutschland im Gange, die durch sehr viele Für und Wider bisher nicht gerade gefördert wurde. Sämtlichen deutschen Rund- funkgesellschaften ist nun die Sendekonzef- s i o n zum 30. September d. S. g e k ü n d i g t wor- den. Eine derartig überraschende Kündigung ist an sich möglich, da die Genehmigungsurkunden zwar eine Dertragsfrist von zehn Sahren vor­schreiben, jedoch einen Passus enthalten, nach dem es der Reichspost Vorbehalten blieb, die Sende­genehmigung schon früher zu kündigen, wenn dringende Snteressen des Staates" das gebie­ten. Von dieser Sonderbestimmung ist nun Ge­brauch gemacht worden. Die Rundfunkgesellschaf­ten haben den ihnen auferlegten Druck sofort wei­tergegeben, indem sie ihre Verträge mit sämtlichen Angestellten zum gleichen Termin kündigen. Es könnte nun die Frage entstehen, ob am Ende das deutsche Rundfunkwesen am 30. September eine etwas heftige Zäsur erleben würde. Das wird aber bestimmt nicht der Fall sein, denn die Kon­zession für das Sendewesen wird sicher rechtzeitig in Ausführung der Neuorganisation anderen Ge­sellschaften übertragen. Auch die Angestellten dürften zum größten Teil wieder in den Dienst übernommen werden. Eicher ist aber damit zu rechnen, daß einige Parteibuchbeamte, die ohne­hin schon nicht mehr sonderlich beliebt beim Pu­

blikum waren, nunmehr über dte Klinge springen müssen.

Oer Verfaffungsstreit in Leipzig.

Berlin, 10. Aug. (WTB.) Auf Einladung des Borsihenden des Staatsgerichts­hofes für das Deutsche Reich waren heute in Leipzig die Vertreter Preußens, Bayerns, Ba­dens und des Reichs zu einer Besprechung über die weitere Behandlung der drei schweben­den Derfassungsstreitklagen zusammen­getreten. Es wurde allseitig der Wunsch nach möglichster Beschleunigung geäußert, älebereinstimmung bestand darüber, daß ein mög­lichst baldiger Abschluß des Schriftwechsels der Parteien anzustreben ist.

Stahlhelm-Aufruf zum Arbeitsdienst.

Berlin, 10. Aug. ($11.) Die Dundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, veröffentlichen folgenden Aufruf:Der Ar­beitsdienst kann nunmehr, nachdem die Aus­führungsbestimmungen wenigstens die Ansah- punkte zu weitsichtigem Ausbau bieten, endlich planmäßig angefaht werden. Der Stahlhelm, der seit langem den Bereich dieser Dinge durchgear­beitet und bewußt begrenzte Versuche mit Erfolg durchgeführt hat, wendet sich jetzt an seine Ka­meraden, wie an alle Deutschen, die mit ihm den Arbeitsdienst als einen Weg zu innerer und äußerer Freiheit betrachten, mit der Auf­forderung:Arbeitet mit in den Ar­beitsdienstverbänden des Stahl- h e l m!" Auf Grund unseres überparteilichen Frontsoldatengedankens und seiner volkserziehe­rischen Kräfte wissen wir uns gemeinsam mit allen unseren Mitkämpfern nur zu einem ver­pflichtet:An die Arbeit Für Deutschlands Befreiung!"

Oie Zloitenrivalitäi im Mittelmeer.

Rom, 10. August. (TU.) Ein Teil der französi­schen Presse hat die Manöver der italieni­schen Kriegsschiffe, die seit einigen Tagen zwischen der afrikanischen und der süditalienischen Küste stattfinden, zum Anlaß durchsichtiger Angriffe

gegen Itllüen genommen. Dte Darlegung der an- geblichenitalienischen Gefahr" im Mittelmeer führt weiterhin zu dem üblichen Sicherheitsstreit. Die faschistische Presse beruft sich demgegenüber auf die französischen Manöver, die zu Lande und zu Wasser in unmittelbarer Nähe Italiens statt- gefunden haben und wieder dort vorgesehen seien. Wenn die französische Flotte die Beherrschung des Mittelmeeres studiere und den Transport ganzer farbiger Heere übe, dann sei das angeblichVer­teidigung". Wenn aber Italien durch Manöver die Verteidigung seiner Küsten und die Sicherstellung der Verpflegung des Landes übe, so sei das angeb- lichAngriff". Im übrigen finden die römischen Blätter, es sei an der Zeit, daß auch Italien von seiner Sicherheit zu reden beginne.

Ein Anschlag ungarischer Kommunisten

Brüssel, 10. Aug. (WTB.) Etwa 1 5 u n - garische Kommunisten, die sich einzeln Einlaß in die ungarische Gesandtschaft verschafft hatten, verwüsteten bei einem plötzlichen Hebers all die Geschäftsstelle. Sn dem dar­auf entstehenden Handgemenge wurden ein Be­amter und ein Diener der Gesandtschaft leicht ver­letzt. Die Eindringlinge entflohen darauf, doch gelang es, vier von ihnen fest zunehmen. Dies ist der zweite Anschlag, der im Laufe von 14 Tagen auf die ungarische Gesandtschaft unter­nommen wurde.

Neue Kämpfe in Mukden.

London, 10. Aug. (WTB.) Reuter meldet aus Peking, daß in Mukden eine riesige Feuersbrunst ausgebrochen ist. Cs läuft das Gerücht um, daß der Brand von chinesischen Frei­willigen in Zivil angelegt worden ist. Wie aus chinesischer Quelle mitgeteilt wird, werden die strategisch wichtigen Punkte Mukdens von j a - p a n i s ch e n T a n k s besetzt gehalten, die die von allen Seiten anstürmenden chinesischen Frei­will i g e n in Schach halten. Weiter wird gemel­det, daß die Chinesen die wichtigsten Stellen de« um Mukden liegenden Hügelkette beseht haben sollen. Die Sapaner haben zahlreiche Ver­haftungen. von verdächtigen Personen vorge- nomrnen.

Aus aller Well.

Einweihung der Ollo-Lilienlhal-Gedenkstätte.

In Lichterfelde bei Berlin fand die Einweihung der Gedenkstätte für Otto Lilie nth al statt. Das Ehrenmal ist auf einem Hügel errichtet, wo Lilienthal, einer der ersten Pioniere der mo­dernen Fliegerei, seine erfolgreichen Versuche unter­nahm. Vor 36 Jahren, am 10. August 1896, ist er dann bei einem Segelflug in den Rhinower Bergen bei Berlin tödlich abgestürzt. An der Gedenk­feier nahmen u. a. teil: der 83jährige Bruder des Toten, Gustav Lilie nth al, der Porsitzende der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt, Gehei­mer Regierungsrat Dr. Schütte, und Oberbür­germeister Dr. S a h m, der das Denkmal in die Obhut der Stadt Berlin übernahm.

Amerikanische Ehrung für Richard Strauß.

Das New Vork College of Music hat eine Medaille gestiftet die jährlich demjenigen verliehen werden soll, der in der Musik her­vorragendste internationale Anerkennung gefun- den hat. Sn diesem Sahre wurde die Medaille zum ersten Male vergeben, und zwar an R i - ch a r d Strauß. Sie soll dem Komponisten in den nächsten Tagen durch das Mitglied des Direktoriums des College, Sohs. Hein, persön­lich Überreicht werden.

Zwei Todesopfer bei einem Autounglück.

Auf der Staatsstraße nach Jena fuhr ein be­trunkener Autoführer gegen einen Baum. Zwei Fußgänger, ein Gastwirt und die Frau eines Straßenwärters, wurden vom Auto erfaßt. Der Gastwirt war sofort t o t. Die Frau st a r b in der Klinik. Das Auto ging in Trümmer, die Insassen blieben unverletzt.

Feuer in einem Münchner Hotel.

Sm HotelBamberger Hof" in München ent­deckten dieser Tage heimkehrende Gäste, daß zwi­schen dem dritten und vierten Stock Flammen emporschlugen. Sie alarmierten sofort die Feuerwehr, die den Brand mit drei Schlauch­leitungen bekämpfte. Nur der rechtzeitigen Mel­dung ist es zu verdanken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden konnte.

Deutsches Auto in Oesterreich verunglückt.

Ein aus der Rheinprovinz stammendes Auto wurde auf der Strecke PrebichlpaßEisenerz in der sogenannten Radio-Kurve infolge Bremsdefek­tes über einen Steilhang von 100Meter hinabgeworfen und blieb zertrümmert liegen. Von den vier Snsassen wurden Ernst Slovan aus Neumatten und der Kaufmann Walter Kahn aus Wittlich schwer verletzt. Die beiden anderen, die Kaufleute Kurt Günther und Ar­thur Stramm aus Brauneberg, sind leicht ver­letzt worden.

Der Raubmörder Augustin f.

Der Landstreicher Paul Augustin, der, wie gemeldet, schwer erkrankt auf der Landstraße bei Nheindiebach aufgefunden worden war und im Bop­parder Krankenhaus eingestanden hatte, daß er d r e i Raubmorde begangen habe, ist kurz nach seinem Geständnis g e ft o r b e n.

Festnahme eines Devisenschiebers.

Sn Mannheim wurde der Rechtsanwalt Haf­ner wegen Devisenschiebungen in be­deutender Höhe verhaftet. Cs handelt sich um in der Schweiz gekaufte Effekten, die wieder­verkauft wurden. Mehrere Mitbeteiligte haben sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen.

Gefälschte Quittungen in Kreuzers Nachlaß?

Unter den hinterlassenen Papieren Svar K r e u- aers sollen, wieNha Dagligt Allehanda" zu berichten weiß, auch einige von bekannten ausländischen Politikern unter­zeichnete Quittungen gefunden worden sein, deren Echtheit jedoch noch nicht feststehe. Eine der Quittungen, die über einen Millionen­betrag laute und von einem inzwischen verstor­benen spanischen Politiker unterzeichnet sei, ist nach Ansicht des Blattes jedenfalls gefälscht.

Italienischer Seesteg eingestürzt. 40 Verletzte.

In dem italienischen Seebad Vietri sul Mare wurde ein Italiener, der zu weit hinausgeschwommen war und plötzlich um Hilfe rief, von einigen Fischern aus dem Wasser gezogen, als er schon halb bewußtlos war. Der dramatischen Rettung wohnten etwa 100 Personen auf dem Steg des Seebades bei. Plötzlich stürzte der Steg ein. 40 Menschen wurden verletzt.

Verbrecherjagd in den Straßen von Paris.

Nach aufregender Jagd in den Straßen von Paris hat die Polizei einen Mann namens Maucuer fest genommen, der an zwei verbreche­rischen Anschlägen beteiligt war, die seinerzeit größtes Aufsehen erregten. Es handelt sich dabei um den UeberfaÜ auf ein Postamt und um den Anschlag auf den Schnellzug MarseilleParis. Maucuer ist durch eine frühere Geliebte verraten worden.

Schwere Brandkatastrophe in Lothringen.

Sn dem französischen Dorfe Sean de Bassel (Kreis Saarburg) wütete in einer der letzten Nächte ein furchtbares Feuer, dem sieben Anwesen vollständig zum Opfer fielen. Die Bewohner konnten kaum das nackte Leben retten. Das Großvieh konnte rechtzeitig in Si­cherheit gebracht werden, während viel Feder­vieh und Kleintier verbrannt ist. Ferner sind di« Futtervorräte und die Aum Teil schon ein* gebrachte Ernte sowie landwirtschaftliche Ma­schinen ein Raub der Flammen geworden. Der Schaden dürste ungefähr 1 Million Franken betragen und ist nur zum Teil durch Versicherung gedeckt.

Rückreise der Flieger Bertram und klauhmann.

Die deutschen Flieger Bertram und Klauß - mann, die sich zwei Monate lang im australischen Busch verirrt hatten, werden mit dem Dampfer nach Europa zurückreisen, da sie nicht genügend Mittel haben, um die Reise im Flugzeug zu unternehmen«

Oer Urenkel Bismarcks an Vor­derDeutschland".

Die beiden Kinder des Londoner Botschaftsrats Fürst Otto von Bismarck, Ferdinand und Marianne, mit dem Kapitän des SchnelldampfersDeutschland", auf dem die Urenkel des Eisernen Kanzlers die Fahrt von Southampton nach Hamburg mitmachten.

Wettervoraussage.

Deutschland liegt im Bereich des Hochdruckkerns, an dessen südlichem Teil ausfließende Luft bei uns noch zur Fortdauer des schönen Wetters mit beiter ansteigenden Temperaturen führt. Durch die sich weiter entwickelnde Störungstätigkeit, wie sie über der Discaya und den britischen Snseln Au erkennen ist, besteht jedoch die Möglichkeit, daß bis zum Wochenausgang Gewitterbildungen auf­kommen dürften.

Au ssichten für Freitag: Weiterhin zu­nächst dunstig, sonst meist heiter, noch wärmer und trocken.

A ussichten für Samstag: Schwüles Wetter, aufheiternd, jedoch aufkommende Bewöl­kung mit lokalen Gewitterstörungen wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 10. August: mittags 23,2 Grad Celsius, abends 18,2 Grad; am 11. August: morgens 14,2 Grad. Maximum 24,5 Grad, Minimum 11 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. August: abends 26,2 Grad: am 11. August: mor­gens 18,2 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 11% Stunden.

Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumscheia.

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