Ausgabe 
11.7.1932 Frühausgabe
 
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Aus Der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 11.3uli 1932.

Unerlaubte Verlosungen in Geschäften.

Vom Polizeiamt Gießen wird uns mit- geteilt: ,

In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Einzelhändler und wirtschaftliche Verbände bei be­sonderen Veranstaltungen, z. B. Geschaftseroffnun- gen, Ausverkäufen und dergleichen Verlosungen veranstalten in der Art, daß Käufern Lose unentgelt­lich behändigt oder Lose in der Form von Reklame- zetteln verteilt werden, die zur Teilnahme an einer solchen Verlosung berechtigen.

Diese Art Verlosung, die lediglich auf Kunden- erwerb und Warenabiatz eingestellt ist, fällt unter den Charakter einer öffentlichenVerlosung und ist genehmigungspflichtig.

Gegen die Veranstalter derartiger, behördlich nicht genehmigter Verlosungen wird mit Strafanzeige ge- mäß § 286 Reichsstrafgesetzbuch vorgegangen.

In gleicher Weise sind in der Mehrzahl die Fälle der öffentlichen Preisausschreiben zu beurteilen, die in letzter Zeit von gewerblichen Firmen der ver­schiedensten Art in zunehmender Zahl veranstaltet werden.

Daten für Montag, 11. Juli.

1657: König Friedrich I. von Preußen in Königs­berg geb. 1700: Stiftung der Akademie der Wissenschaften in Berlin.

** Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die Intendanz hat für Sonntag, 17. Juli,Die

vier Nachrichter", die Repräsentanten des Münchner akademischen Brettls, zu einem einmaligen Gastspiel nach Gießen verpflichten können. Das Gastspiel der vier Nachrichler aus München bringt die Ute- rarische Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten Hier irrt Goethe".Die Nachrichter" sind Werk­studenten, heroorgegangen aus dem Theaterwissen­schaftlichen Seminar in München: nach dem Vorbild der Schöpfer des modernen Brettls, den elf Scharf­richtern, die auch von München her kamen, haben sich diese jungen Leute unter dem NamenDie vier Nachrichter" zusammengetan und gastieren bei uns mit dieserliterarischen Posse mit Musik, Gesang und Tanz". Für das Gastspiel gelten kleine Preise. Kar­tenoorverkauf ab Mittwoch, 13. Juli.

** Zu den Unruhen der letzten Tage ist ergänzend noch mitzuteilen, daß der junge Natio­nalist, den die Polizei am Donnerstagabend wegen des Schusses auf dem Kirchenplatz verhaftete, mittler­weile wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Es hat sich herausgestellt, daß der junge Mann den Schuß nicht absichtlich abgegeben hat, sondern daß er im Verlause der kurzen Schlägerei die Schußwaffe zum Schlagen benutzte und dabei der Schuß von selbst losging. Der getroffene Fritz Fischer ist übrigens nicht, wie am Samstag in der Stadt erzählt und gestern in einer großen Frankfurter Zeitung sogar berichtet wurde, gestorben, sondern er befindet sich, wie wir auf Anfrage in der Chirurgischen Klinik erfahren, auf dem Wege der Besserung. Ueber die Vorgänge in der Nacht zum Samstag auf dem Sei- tersweg liegt uns bis jetzt ein amtlicher Polizeibe- richt noch nicht vor, so daß über die Schuldfrage zur Zeit noch nichts berichtet werden kann.

Langemarck-Gedenkfeier der Universität

Anläßlich der gestrigen Uebergabe des (Befallenen- friebhnfes bei ßangemard von der belgischen Re­gierung an die Vertreter der Deutschen Studenten­schaft fand gestern mittag in der Aula der Universi­tät ein feierlicher Gedenkakt zu Ehren der Gefallenen von Langemarck, aber auch der übrigen deutschen Opfer des großen Weltkrieges statt. Der Feierstunde wohnten zahlreiche Mitglieder des Lehrkörpers, ferner viele Studenten und eine Anzahl Gäste aus der Bürgerschaft bei. Nach feier­lichem Orgelspiel gedachte zunächst

Ge. Magnifizenz der Rektor Professor Or. Vanselow

der Gefallenen in einer Ansprache, in der er u. a. sagte: £*e Marneschlacht war geschlagen, zu un­seren Ungunsten entschieden. Der Bewegungskrieg begann im Stellungskrieg zu erstarren. Eine mensch­liche Mauer stand von Belfort bis zur Nordsee und schützte die Heimat vor dem Feind, der sie immer wieder zu durchbrechen und an den Rhein in unsere Heimat einzudringen suchte. An der Stelle der Front, die Langemarck, einer kleinen flandrischen Stadt, gegenüberliegt, wurden Anfang November Regimenter junger deutscher Freiwilliger, besonders junger Akademiker, eingesetzt, die am 11. November 1914 unter dem Gesang des Deutschlandliedes ohne vorhergegangene Artillerievorbereitung die feind­liche Front stürmten, wie der Kriegsbericht dieses Tages meldet.

Doll Zuversicht und Siegeshoffnung waren die jungen deutschen Studenten ausgezogen, mit un­vergleichlicher Tapferkeit waren sie vorgestürmt, reihenweise hat der Tod die Angreifer niederge­mäht, Hunderte junger deutscher Studenten lagen von dem Hagel englischer Kugeln getroffen, auf flandrischem Boden. Trotz Tod und Verderben sang die Schar der edelsten Söhne Deutschlands auf Flanderns blutigen Gefilden das letzte Be­kenntnis ihres Willens und Lebens: ,Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!"

In tiefster Trauer beugen wir wehmutsvoll und ergriffen das Haupt, aber auch Stolz erfüllt uns. Stolz über solche Heldentaten, solchen Kampfesmut und Todeswillen, aufgebracht von unseren Brü­dern, Blut von unserem Blut, unausrottbar auch in uns schlummernd. Langemarck ist das gewal­tige Symbol höchster uneigennütziger Opferbereit­schaft für das Vaterland. Die Kommilitonen

möchten in alle Zukunft so handeln und so leben wie die Schar von Langemarck zu sterben wußte.

Nachdem ein Student zwei Feldbriefe gefallener Kommilitonen verlesen und dadurch einen tiefen Einblick in das Gemüts- und Seelenleben jener, jungen feldgrauen Kameraden gegeben hatte, sprach

stud. rer. pol. Edler von Graeve

als Vorsitzender der Gießener Studentenschaft. Er stellte seinen Zuhörern Langemarck als Symbol des deutschen Bekenntnisses zum Reichsgedanken und als Inbegriff deutschen Heldentums über alle Sabre hinaus dar. An diesem hehren Beispiel müsse unser Volk immer wieder den Tatwillen zur Opfer­freudigkeit für die Gesamtheit des Volkes gewinnen. Die Faust-Natur des deutschen Menschen sei in den Gefallenen von Langemarck verkörpert gewesen, deren Geist der Selbstaufopferung allezeit fortleben werde. Diese Gefallenen hatten an die Erfüllung der alten Barbarossa-Sehnsucht geglaubt, sie hätten auf die Erfüllung der Sehnsucht aller Deutschen nach einem einzigen großen Deutschen Reiche ge­hofft, und aus ihrem Geiste von Langemarck sei dann der stählerne deutsche Frontgeist entstanden, der einen neuen Adel, gehärtet durch Blut und Tod, in dem jahrelangen Widerstandswillen gegen eine Welt von Feinden erzeugt habe. Der Geist von Langemarck sei glücklicherweise trotz aller Not im deutschen Volke erhalten geblieben, und aus ihm könne man immer wieder den Glauben schöpfen: das Reich muß uns doch kommen! Die Gefallenen von Langemarck hätten uns die große Aufgabe hinterlassen, die starke Saale des Deutschen Reiches unvergänglich in die Vergänglichkeit der Welt zu plauzen, Deutschland, Deutschland über alles in der Welt zu lieben. Der Geist der Gefallenen lebe in unserem Volke und werde es einst wieder zum Auferstehen führen. In diesem Sinne reden die Toten von Langemarck durch ihren Geist immer wieder zu uns.

Mit dem Gesang des LiedesIch hatt' einen Ka­meraden" fand die würdige und eindrucksvolle Ge­denkstunde ihren Abschluß. Am Gefallenen-Ehren- mal im Vorraum der Aula waren zahlreiche Kränze als Zeichen der Dankbarkeit und der Liebe nieder- gelegt.

Am Samstagabend fand auf dem Gleiberg eine studentische Langemarck-Gedenkfeier statt, über die wir heute mittag noch berichten werden.

Eine Echntzhütte auf der Theodorsnch.

Wertvolle Verschönerung in der Umgebung unserer Stadt.

Am Grenzweg zwischen dem Leihgesterner Ge­meindeforst und den Staatswaldungen Schissen- berg, links der Landstraße GießenLeihgestern, stand seit vielen Jahren mitten im Walde eine Ruhebank, deren Stätte Theodors ruh ge­nannt wurde. Der idyllische Platz mitten^ im hohen Forst, mit wunderbarer Aussicht über einen kerzengeraden Waldweg auf den hoch­gelegenen Schiffenberg, war vor einer Reihe von Iahren von dem früheren Gießener Forst­meister Theodor Heyer entdeckt und durch die Aufstellung der Ruhebank zu erquickendem Ver­weilen hergerichlet worden. Aber nur verhältnis­mäßig wenigen Gießenern war die wundervolle Schönheit dieses traulich-stillen Waldwinkels be­kannt und wert geworden, der Blick von dort auf den Schiffenberg vergleichbar dem herr­lichen Ausblick von der Hohen Sonne bei Eisenach auf die Wartburg hat bisher noch nicht viele Menschenaugen erfreut.

Der Verkehrs - und Verschönerung s- ve rein © ie hen und die H ei m a tv e r e ini- 9 u n 9 Schiffenberg, beide bestrebt, zur Er­schließung der Schönheiten unserer engeren Hei- mat nach Kräften beizutragen und dadurch die Liebe zur heimatlichen Erde zu vertiefen und m immer mehr Menschenherzen anzufachen, haben im Laufe der letzten Wochen in schönstem Zu­sammenarbeiten das herrliche Plätzchen der Theo» dorsruh durch die Errichtung einer Schuh- h ü t t e in Gestalt eines kleinen Pa­villons schlicht und schön ausgestaltet. In dankenswerter und von bestem Verständnis für bie Heimatpflegearbeit geleiteter Bereitwilligkeit hat die Gemeinde Leihgestern das er­forderliche Gelände von ihrem Waldbesitzkosten­los zur Verfügung gestellt, das staatliche Hochbauamt Gießen hat in der gleichen anerkennenswerten Weise den Plan für die Schuhhütte geschaffen, die staatliche Forst- verwaltung Schiffenberg hat das ge­meinnützige Werk in hochherziger Weise durch bulige Holzlieferung unterstützt, Zimmermeister W e Iler von Leihgestern hat mit viel Geschick und Opferbereitschaft die Hütte gebaut, Förster D e ß von Leihgestern hat mit gutem Verständnis

und Eifer den forstlichen Teil zur Herrichtung des schönen Platzes erledigt, während der Ver­kehrs- und V e r s ch ö n e r un g s v e r e i n Gießen und die Heimatvereinigung Schiffenberg gemeinsam die Deckung der Kosten übernahmen, die dank großer Opferwillig­keit von allen Seiten in verhältnismäßig be­scheidenen Grenzen blieben. Unö so entstand in gemeinsamer zielfroher Arbeit ein Werk, das eine gute Verschönerung unserer landschaftlich reizvollen Umgebung bedeutet und allen an seiner Entstehung beteiligten Personen und Vereinen zur Ehre gereicht.

Am Samstagnachmittag vereinigten sich die Vorstände deS Verkehrs- und Verschönerungs- Vereins Gießen und der Heimatvereinigung Schif­fenberg, sowie Bürgermeister Heß-Leihgestern, Bürgermeister Schäfer- Watzenborn-Steinberg, Oberbaurat 2 e r t h vom staatlichen Hochbauamt Gießen, der Heimatdichter Gg. H e ß - Leihgestern, Zimmermeister Weller-Leihgestern, Förster Heß- Leihgestern und die an dem Schuhhütten­bau beteiligten Arbeitskräfte vor der Schutzhütte zu einer schlichten Weihefeier in dem er­habenen Waldesdom. Oberforstmeister R i c o - laus-Gießen als staatlicher Verwalter dieses Forstgebiets und Vorsitzender der Heimatver- einigung Schiffenberg, übergab die Schutzhütte mit einer gedankenreichen und gemütvollen, von vorbildlicher Liebe zur Heimaterde und zum herr­lichen deutschen Walde erfüllten Ansprache der Volksgesamtheit, er dankte allen Mithelfern und Förderern an dem gemeinnützigen Werke und wünschte, daß es vielen Bürgern aus Stadt und Land und Volksgenossen aus anderen deutschen Gauen Freude bereiten möchte. Rektor t R. Dal. Müller verlas dann folgenden von ihm ge­dichteten Hüttenspruch, durch den die Schutz­hütte nach dem Oberforstmeister R i c o l a u s auf den 2 amenRicolaushütte auf der TheodorSruh" getauft wurde:

Der Theodor saß in heitrer Ruh Auf seiner Bank im Walde Und hört dem Klosterglöcklein zu Dort auf des Berges Halde.

Forschung iui not!

Wie hilft sich die deutsche Wissenschaft weiter?

Don der Spitzenorganisation wissenschaft­licher Gemeinschaftsarbeit in Deutschland, der Notgemeinfchaft der Deutschen Wissenschaft" wird uns der folgende Bei­trag zur Verfügung gestellt.

Vor dem Erliegen bewahren..!

Treu ihren von Anfang an festgehaltenen Zielen sucht die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft auch mit verminderten Mitteln die deutsche Forschung überall dort zu stützen, wo unter möglichst sparsamem Einsatz wichtige Aufgaben durch- geführt werden können und wo die Kräfte hervor­ragender Forscher au grunlegenden und lebenswich­tigen großen Forschungen auf bestimmten Gebieten Ausammenzufassen sind. Die Aufgabe der Notgemein­schaft läßt sich heute wie zur Zeit ihrer Gründung so umschreiben, daß es gilt, die deutsche Forschungv o r dem Erliegen zu bewahren". In starker Anspannung der Kräfte ist in den vergangenen Iah­ren die wissenschaftliche Arbeit auf den verschiedenen Gebieten soweit in Gang gebracht worden, daß wenigstens teilweise die deutsche Wissenschaft hinter den Ergebnissen der verstärkten wissenschaftlichen Anstrengungen des Auslandes nicht zu weit zurück­blieb und daß neue erprobte wissenschaftliche Kräfte nachwachsen. Nur mit höchstqualifizierten wissen- schaftlichen Aroeiten und der Zielrichtung auf forsche- rll-be Höchstleistungen kann die Wissenschaft die Auf­gaben, die ihr zu stellen stnd, erfüllen. Die Stockungen der letzten Jahre haben nun nicht nur die Fort- ührung vieler Arbeiten oerlangjamt, andern drohen geradezu den Erfolg beträchtlicher rüber aufgewandter Mittel illusorisch zu machen und auch an dem Unternehmungsgeist und Mut der deut­schen Forscher schwer zu übersehenden Schaden anzu­richten. Unter diesen Umständen muß es die besondere Aufgabe der Notgemeinfchaft fein, mit den iyr ver­fügbar gebliebenen Mitteln (40 v. H. weniger als in den Vorjahren) möglichst zu verhindern, daß die deutsche Wissenschaft von dem internationalen Wett­bewerb um forscherische Höchstleistungen ganz aus­geschlossen wird, und vor allem diejenigen Arbeiten zu fördern, denen im Hinblick auf das wirtschaft­liche und soziale Leben wie auf die Gesamtentwick­lung der Wissenschaft und das geistige Wachsen und Erstarken unseres Volkstums größte Lebenswichtig, feit zuzusprechen ist. Leider ist bei dem gegenwär­tigen Stande der Mittel unzureichende Ausstattung selbst wichtiger und aussichtsreicher Aufgaben nicht zu vermeiden.

Der Rückgang der Forschungen.

Die gegenwärtige Lage wird besonders dadurch gekennzeichnet, daß im Bereich der Erperimen- ta l f o r s ch u n g etwa 300 von den Fachausschüssen und vom Hauptausschuß genehmigte Anträge trotz sparsamster Ansätze aus Mangel an ausreichenden Mitteln nicht zur Erledigung gebracht werden können. Es handelt sich hierbei teils um Einzelunter- suchungen, zum Teil aber auch um Arbeiten, die im Rahmen der großen Gemeinschaftsforschungen liegen und für deren gedeihliche Weiterführung unentbehr­lich sind. Gelehrte allerersten Ranges sind unter diesen Umständen in der Weiterarbeit behindert. So können grundlegende Forschungen von Professor Hans Fischer (München) zur Synthese des Chloro­phylls trotz ihrer wahrscheinlich weitreichenden wirt­schaftlichen Bedeutung seit dem vergangenen Jahr nicht in dem wünschenswerten Ausmaß gefördert werden. Das gleiche gilt für die hochbedeutsamen

Vitamin- und Hormonforschungen von Profestor Windaus (Göttingen) und für zahlreiche andere wichtige Arbeiten. Im Fortgang der Gemeinschafts­arbeiten der Notgemeinschaft ist infolge der Ver­knappung der Mittel auf allen Gebieten eine Ver­langsamung festzustellen. Die Metallforschung, die geophysikalische Forschung, die bergbau­liche und vor allem auch die landwirt­schaftliche Forschung leiden besonders unter die­ser rückläufigen Bewegung. Insbesondere bleiben auf letzterem Gebiet wichtige bei der Notgemeinschaft angeregte neue Aufgaben, wie gründlichere Pflanzen- zuchtforschung und Holzforschungen (Fragen der Holzgewinnung, der Holzkonservierung und Holzver­arbeitung, der Abfallverwertung und des chemischen Holzaufschlusses) noch unbearbeitet, weil die Mit­tel bisher nicht zur Verfügung standen. Auch die physikalischen und chemischen Bedingungen der Stahlerzeugung könnten in weit größerem Maße, als es jetzt geschieht, zum Gegenstand gemeinschaft­licher Forschungsarbeiten gemacht werden.

Jtorfefeller hilft.

Erfreulicherweife ist der Notgemeinschaft durch die Bereitstellung von Mitteln der Rockefeiler Foun­dation für Forschungen auf dem Gebiet der inter­nationalen Beziehungen die Einleitung mehrerer sozialwissenschaftlicher Gemeinschaftsforschungen mög­lich geworden, von denen eine Vertiefung unserer Erkenntnisse über verschiedene durch die Wirtschafts­krise besonders dringend aufgeworfene Probleme er­wartet werden darf. Ob die Notgemeinschaft, die soeben das Ergebnis der von ihrem Fachausschuß eingeleiteten Gemeinschaftsarbeit überWirkungen und Ursachen des hohen Zinsfußes für langfristige Kredite in Deutschland" vorlegen konnte, den mehr­fach vorliegenden Anregungen auf Durchführung neuer, gegenwärtig wichtiger sozialwissenschaftlicher Gemeinschaftsforschungen aus ihren Mitteln wird weiter nachgehen können, muß bei dem Stande der Mittel noch als ungewiß bezeichnet werden.

Die Zahl der Forschungsstipendien an Glieder des wissenschaftlichen Nachwuchses ist von etwa 600 im März auf 380 am 1. Juni 1932 g e - fünfen. Die Drucklegung wissenschaftlicher Werke sowie die Beschaffung der Auslandliteratur für die wissenschaftliche Benutzung kann in diesem Jahre nur nach einem stark verengten Plan durchgeführt werden. Erfreulicherweise konnte dagegen auf dem Wege des Tausches, der Dubletten- und Geschenke- Verwertung die Menge der von der Notgemeinschaft der wissenschaftlichen Auswertung zugeführten Lite­ratur andauernd gesteigert werden. Kistenweise kom­men Bucher aus dem Ausland und wandern Wie­dern dort hin.

Daß die Wissenschaft eine Einheit ist und nur bet gleichmäßigem Fortschreiten der verschiedensten For­schungsgebiete wirklich gedeihen kann, hat die Not- aemeinschaft in ihrem Aufbau wie in ihrer ganzen Arbeit fortgesetzt zum Ausdruck gebracht. Wenn die Notlage es erforderlich gemacht hat, einzelne mit bestimmten praktischen Lebensbestätigungen in näherer Berührung stehende Forschungszweige be­sonders wirksam zu fördern, so wäre es doch für die Wissenschaft und Volk verhängnisvoll, Trennungen zwischen praktisch nutzbarer und zweckloser Wissen­schaft vornehmen zu wollen. Soll ein Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft gelingen, so nur mit Hilfe der Energien, die in der Tätigkeit der zahlreich vor- handenen arbeitsbereiten und begeisterten Forscher Deutschlands bereitstehen.

Er achtet nicht der Flocken Tanz, Der wirbelnd ihn umkreiste So hielt der Schiffenberg ihn ganz Gefangen in dem Geiste.

Doch schritt der Nikolaus durch den Tann Kn-b rief:Daß Gott behüte!

So seht mir doch den Theodor an Ist der des Lebens müde? *

Sitzt er doch da im Sturmgebraus, Der Unbill preisgegeben! Müßt schaffen hier ein schützend Haus Als Hort für Selb und Leven!?"

Er klopft ihm auf die Schulter leis: Hier laß uns Hütten bauen, Kein schönres Plätzchen rings ich weiß Den Schiffenberg zu schauen!"

Dann riefen sie der Freunde Schar Mit Stein und Holz und Kelle;

Und sich', in aller Eile war Das Hüttlein auch zur Stelle.

Nun stehst du da, du Hüttlein traut, Für alle Zeiten hier, In Heimatliebe aufgebaut Im grünen Waldrevier.

Und wer dir naht im Sonnenschein Wen Stürme hier umtoben. Wird dankbar auch im Herzen sein, Die martern Bauherrn loben.

Dein Name mag drum allezeit Noch unfern Enkeln sagen, Was beide Männer frohbereit Geschafft in schweren Tagen.

Bleib ihres Lobes Künderin, Du schöne Ruhstatt du, Und weck des Wandrers Dank und Sinn AlsNikolaushütte auf der Teodorsruh"!

*

Nach einer Besichtigung des Nicolaus-Brunnens und des Schweinsbrunnens versammelte man sich im Forstgarten noch zu einem geselligen Beisammen­sein, in dessen Verlauf der Vorsitzende des Derkehrs- und Derfchönerungs - Vereins, Stadtratsmitglied S ch w i e d e r, eine kurze Ansprache hielt, in der er namens seines Vereins allen Förderern des guten Werkes dankte und die Bewohner unserer engeren Heimat zu diesem neuen Besitz beglückwünschte. Auf Anregung von Gg. Heß (Leihgestern) wird im Fundament der Hütte noch eine Stiftungsurkunde niedergelegt werden.

Zum Schluß noch der Wunsch an den D H C , er möge baldmöglichst den Weg von der Leihgesterner Landstraße her zu diesem schönen Plätzchen durch eine geeignete Wegemarkierung allen Freun­den der Natur leicht auffindbar machen.

Sprechstunden der Redaktion.

1L30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

Anzeigenaufkräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.

Buntes Allerlei.

Eine Komödie um Oichterlocken.

Eine luftige Geschichte, über die ganz Madrid lacht, ereignete sich in einem Hotel, in dem der kata- Ionische Abg. Sennor Gassols abgestiegen war. Dieser Politiker, einer der getreuesten Mitarbeiter des Ober­sten Macia, der feurig für die Unabhängigkeit Ka­taloniens eintritt und kürzlich in einem Artikel er­klärte, es seiZeit, alle Schweine aus Katalonien herauszuschmeißen", womit er die spanischen Nicht- Katalonier meinte, ist ein Dichter und mehr noch als durch seine Verse durch seine klassischen Sorten be­kannt, die von den spanischen Karikaturisten mit besonderer Freude gezeichnet werden. Dieser echte Katalonier befand sich eines Morgens auf dem Weg zu dem Badezimmer des Madrider Gasthofes, in dem er wohnt, als sich plötzlich vier Männer, mit Scheren bewaffnet, auf ihn stürzten. Sie zerrten den Poeten in den Baderaum, und während er heftig gegen fie ankämpfte und um Hilfe schrie, wußte ihn einer der Amateur-Friseure einige seiner Pracht­lorten abzuschneiden, die er im Triumph davontrug. Der Senor hatte sich unterdessen befreit, stürzte über den Gang in fein Zimmer, ergriff einen Revolver und jagte hinter feinen Angreifern her, durch das ganzeHotel, wobei er beständig Schüsse abfeuerte, die glücklicherweise niemanden, auch keinen der vier Fliehenden, trafen. Nur einer der Lortenräuber, der sich im Weg irrte und in die Küche geriet, boxte den Koch nieder und zertrümmerte einige Teller. So verlief dieser komische Lortenraub ohne ernsteren Zwischenfall. Die Polizei sucht die vierVerbrecher" und Madrid lacht über Sennor Gassols.

Oie Symphonie der Grippe.

Der kanadische Komponist Mac Loughlin lag zu Bett, mit Kissen schwer bepackt, und schwitzte. Er nährte sich von Aspirin und heißem Zitronen­saft, denn ihn plagte die Grippe. Cs ist ein höchst peinlicher Zustand, den wir alle kennen. Die Geißel der Grippe trifft alle Menschen ge­meinsam, doch reagieren sie darauf ganz ver­schieden. Der eine mag stöhnen, der andere fluchen usw. Loughlin beschloß, als das^ Fieber die kritische Grenze von 38 Grad überschritten hatte, feine Gefühle in Musik zu setzen. Er schuf die Symphonie der Grippe, Tondichtung in fünf Sähen. Erster Satz: Erkältung: zweiter Satz: Kopfschmerzen: dritter Satz: Schweißausbruch; vierter Satz: Delirium: fünfter Sah: Genesung. Wenn man den Zeitungsberichten glauben darf, entwickelt sich die Grippe in musikalischer Form folgendermaßen: Klarinetten und Flöten brillieren m Zweiunddreihigstel - Passagen, treiben ihre phantastischen Tonteufeleien und steigen auf in einem schnellen Crescendo. Das ist das Kribbeln in allen Gliedern, das Loughlin verspürte, als er zur ersten Aspirintablette griff und bei sich feststellte: Ich habe mich erkältet. Dann nehmen die Bässe das Thema auf, Pauken bumsen da­zwischen. Leicht zu erraten, daß der Patient Kopfschmerzen hat und erhitzten Zitronensaft schlürft. Streichinstrumente wühlen mit schmelzen­dem Strich in den Zentren des menschlichen Ge-