autwortlichen, die Professoren Hacker und Tischler, München, als Mitpate war Dr. M c i l b a u c r aus Karlsruhe als Vertreter der Offiziersvereinigung des ehemaligen 238. Infanterie-Regiments erschienen.
Um 11.30 Uhr waren alle Abordnungen, etwa 40 Personen, auf der Landstraße vor dem Friedhof versammelt. Professor Tischler übergab mit einigen Worten den Friedhof der treuen Obhut der Deutschen Studentenschaft, für die Dr. Moka den Friedhof übernahm. Dr. Moka betonte dabei, daß die Deutsche Studentenschaft stets Ehrenwache an dem Heldenfriedhof von Langemarck für alle im Geiste pon Langemarck gefallenen Brüder halten werde. Hierauf übergab Dr. Moka den Friedhof dem Deutschen Gesandten Graf Lerchenfeld als Vertreter des Deutschen Reiches in Schutz und Obhut. Die Ausführungen Graf Lcrchenfelds gipfelten in der Feststellung, daß der Studentenfriedhof von Langemarck, wo Kameraden aus allen Teilen des Reiches gefallen feien, ein Symbol der inneren Einheit fein müsse. Der Gedanke der Einheit, so sagte er abschließend, höre nicht beim eigenen Volk auf. Er habe erst dann einen wahren Sinn, wenn er die ganze Menschheit erfasse.
Oer Wahlaufruf der Oeutschen Volkspartei. Berlin, 10. Juli. (ERB.) Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei erläßt einen Wahlaufruf zu den Reichstagswahlen, dem wir folgendes entnehmen: Der 31. Juli entscheidet darüber, ob Parteidiktatur oder der Gedanke der nationalen Volksgemeinschaft in Deutschland das Feld behaupten werden. Die Deutsche Volkspartei hat den Kampf gegen die Regierung Brüning geführt, weil diese eine große Volksbewegung nicht rechtzeitig vor die Frage der Verantwortung ge st eilt hat, weil sie die nötige Entschlossenheit zur Durchführung angekündigter Reformen vermissen ließ, weil sie in ihrer Politik in wachsendem Maße in Abhängigkeit von der Sozialdemokratie geriet und deshalb mit ihren Notverordnungen notwendigerweise nur Unzureichendes und Verbitterndes leistete. Der Regierung des Reichskanzlers von Papen steht die Deutsche Volksportei ungebunden und abwartend gegenüber. Sie wird sie nach ihren Taten beurteilen.
Der Freiheitskampf des deutschen Volkes vereinigt alle vaterländischen Deutschen im Kampf für deutsche Ehre, deutsches Recht und deutschen Boden. Tägliche Gewalttaten, sittliche Verrohung, organisierte Gottlosigkeit und ein schrankenloser Materialismus zeigen die innere Verwilderung unseres Volkslebens. Erwachst aus dieser Welle von Haß und Gewalttat der Bürgerkrieg, barm ist jede Hoffnung auf äußere Freiheit des deutschen Volkes vergeblich.
Eine Verfassungsreform, die wir seit langem fordern, muh an die Stelle der herrschenden Parteidemokratie die starke Führung der Reichsspihe und die Durchsetzung ihres Willens gegenüber dem Drang zur Massenherrschaft bringen. Dah der Sozialismus die deutsche Wirtschaft nicht gesunden lassen kann dah der Sozialismus den Arbeiter in seinen Lebens» moglichkeiten nicht stärkt, sondern ihm die Arbeitsstätte raubt, hat die grausame Erfahrung der letzten Jahre bewiesen. Sozialistische Experimente aller Art, aus welchem Lager sie auch kommen mögen, finden uns deshalb als entschlossene Gegner. Sumpfblüten in der Privatwirtschaft müssen rücksichtslos ausgemerzt werden.
Die DVP. kämpft gegen Massenherrschaft und Staatsallmacht, für den Grundsatz der freien, sittlichen Verantwortung der an die Rationale Gemeinschaft gebundenen, schaffenden Persönlichkeit. Richt leidenschaftliche Demonstrationen, sondern die sachliche Arbeit von wirklich Sachkundigen auf jedem Gebiet werden unser Volk retten. Die schwere Schuld der Parteiherrschaft und des Zusammenwirkens von Zentrum und Marxismus liegt heute in Preuhen und im Reich offen zutage. Die Deutsche Volkspartei kämpft dafür, diesem unnatürlichen Bündnis die Herrschaft im Staate zu entreißen! Hinter all den Schlagworten
Gäste zum Wochenend.
Don Hugo Hugito.
I.
Als Herr Rozink am Montagabend am Stammtisch saß, machte er einen müden Eindruck. Kein Wunder, daß die Tafelrunde ihn zum Objekt ihrer Spottlust machte.
„Du siehst aus wie ein verregneter Lämmergeier", lachte Dr. Haschich, „was ist passiert? Fehlt dir etwas?"
„Ach", seufzte Herr Rozink, „ich habe mich gestern nicht erholt. Ich bin abgespannt und enttäuscht. Sonntage im Wochenendhaus können verdammt ungemütlich sein, wenn man, wie wir gestern, die ganze Bude voll Besuch hat. Dörings waren da: fünf Mann hoch. Das Lärmen der Kleinen, das Geschnatter der Großen, die drangvolle Enge in allen Räumen, es war gräßlichl"
Herr Rozink machte eine Pause, trank einen Schluck Bier und fuhr fort:
„Sine tolle Sache ist da noch passiert. Kommt die alte Tante in den Garten und entdeckt, daß sich auf dem Beet, aus dem die Radieschen zwei Zentimeter lang herausragen, ein paar ganz kleine Brennesseln breit gemacht haben. ,Ei, Rolfi', ruft sie ihren fünfjährigen Neffen, .sieh mal hier' — und sie zeigt auf das Unkraut — ,da kannst du dich nützlich machen und die Brennesseln jäten/
.Oh ja', sagt der Kleine und stürzt sich freude- strahlend an die Arbeit. Als die Tante nach zwei Stunden kommt, sich das Werk zu besehen, hat Rolfi schon beendet: Auf dem Wege türmen sich die ausgerissenen Pflanzen, und auf dem Beet stehen, in Reih' und Glied, die — Brennesseln. .Tantchen', zeiat er auf den Radieschenhaufen, .ich habe lieber die e Dinger ausgerissen. Die Brennesseln stachen so urchtbar.'"
Die Herren am Stammtisch lachten. „Ja, ja", nickte Studienrat Winnstrow, „ich habe von je her gesagt: Besuch macht immer Freude, wenn nicht beim Kommen, so doch beim Gehen."
„Stimmt nicht, mein Lieber", schüttelte Herr Ro- zink den Kopf, „beim Weggehen haben sie noch den gesamten Vorrat des soeben erblühten Rhododen- dron mitgenommen."
«Der Stammtisch murmelte unwillig. Nur Dr. verkneifen"""^ ein schadenfrohes Grinsen nicht
II.
Weinhändler Wengert, der mit zur Stammtisch- runöe gehörte, klopfte am nächsten Montag seinem
von Kreditschöpfung, Binnenmarkt usw. verbergen sich die furchtbaren Schrecken und Folgen einer Inflation, die von Sachunkundigen schnell heraufbeschworen, ein wirtschaftliches und moralisches Trümmerfeld in Deutschland schaffen würde.
Die DVP. tritt in diesen Wahlkampf ein mit dem festen Willen, dieses Ideengut, auf das sich die Taten unserer Väter in Deutschlands großer Geschichte gegründet haben, über die gäh» rende Gegenwart hinweg zu behaupten. Die DVP. führt diesen Kampf in voller politischer Unabhängigkeit. Sie betont aufs neue, dah der Kampf um Freiheit und Recht
Bremen, 9. Juli. (TU.) In einer Wahlrede in Bremen erklärte Geheimrat Hugenberg: Das Ergebnis von Lausanne entspricht nicht den Forderungen, die von der DNVP. für die endgültige Beseitigung der Tribute erhoben sind. Durch unbeirrtes Festhalten an den unverzichtbaren politischen Bodüfnissen der Nation hätte die notwendige Bresche in das Versailler System geschlagen werden können. Trotz der bisherigen unaeheu- ren Leistungen Deutschlands und trotz der furcht- baren deutschen Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit ist in Lausanne entgegen unseren (E r m Ortungen ein neues Versprechen der Zahlung einer neuen deutschen Milliardenschuld gegeben worden. Wir erkennen an, daß die jetzige Regierung unter einer schweren Vorbelastung durch die Vorverhandlungen der Regierung Brüning gestanden hat, gleichwohl wird die Begründung, daß eine Vertagung der Verhandlungen unter allen Umständen hätte vermieden werden müssen, im Volke heute kein Verständnis finden. Denn es lag für die ganze Welt zutage, daß die Schuld an einem Scheitern dieser Konferenz Frankreich zufiel. Es ist nicht Sturheit und Eigensinn, wenn wir sagen:
wir dürfen uns die Freiheit von den Tributen nicht dadurch erkaufen, daß wir versprechen, zu den schon gezahlten 70 Milliarden in Zukunft noch weitere 3 Milliarden hinzuzufügen, sondern e» ist dabei die Rotwendigkeit maßgebend, m'i t Ehrlichkeit in eine weitere große Verhandlung hineinzutreten. Sie betrifft die aus den Tributen und dem Kriege entstandenen unerfüllbaren Privatverpflichtungen. Die ganze Welt ist auf diese Verhandlung gefaßt. Man wird uns im Auslande erst dann wieder als ehrlichen Kaufmann betrachten — als der wir früher stets gegolten haben —, wenn wir unsere Karten völlig aufdecken und unsere internationale Zahlungsunfähigkei bekennen. Die Beschwörungsformeln des Herrn Reichsbank. Präsidenten Luther helfen uns nicht. Sie bewirken höchstens, daß man auch der neuen Regierung nicht glaubt. Auch wir, auch die äußerste nativ- na le Rechte — das sind die Deutschnationalen —• möchten um der Zukunft des deutschen Namens willen gern die privaten deutschen Auslandsschulden bezahlt sehen, obwohl sie das Ergebnis einer unverschuldeten Notlage der Schuldner sind. Aber jedermann weiß heute, daß internationale Schulden nur mit Waren bezahlt werden können und daß man unsere Waren in dem erforderlichen Umfang* nicht aufnefjmen kann und will. Die jedem Gläubiger — als Kaufmann — geläufige Technik des internationalen Geschäfts muß also unsere Gläubigerländer selbst veranlassen, darüber nachzudenken, wie sie die uns höchst unerwünschte Deklaration unserer internationalen Zahlungsunfähigkeit vermeiden können. Mit Stillhalteabkommen ist es nicht getan.
(Es geht nur auf demselben Wege, wie es so häufig zwischen zwei Privaten gemacht zu werden pflegt, wenn die Zahlungsunfähigkeit des
Deutschland gegenüber seinen Kriegsgegnern mit Aussicht auf Erfolg heute nur geführt werden kann, weil unser großer Führer Stresemann unter Einsatz seiner Lebenskraft die Freiheit des deutschen Bodens errungen hat. In seinem Geiste kämpfen wir nun auch für geistige Freiheit im Innern. Wir wissen: Es gibt Millionen Deutscher, die sich trotz allen Drängens gesunden Sinn und Willen zur Besonnenheit bewahrt haben. Keine Stimme, die für die DVP. abgegeben wird, geht verloren. Durch das technische Abkommen mit der DRVP. hat sich die DVP. ihre volle politische Selbständigkeit bewahrt.
Schuldners droht und der Gläubiger kann oder will die Aktiva des Schuldners nicht übernehmen: Ls wird eine niedrige — sage mit höchstens 2 v. h. verzinsliche — A m o r t i f a - tlonsfchuld verabredet, wenn diese mit 2 bi» 3 v. h. jährlich getilgt wird, fo kommt es nur noch darauf an, wie die Jahresrate — wir sagen 5 ö. f). — während der Tilgungszeit „transferiert" werden kann. Es handelt sich nur um zwei wahrscheinlich nebeneinander
Die feierliche Schlußsitzung.
Lausanne, 9. Juli. (WTD.) Pünktlich um 10 Uhr begann in dem großen Sitzungssaal, in dem vor etwa drei Wochen die Konferenz eröffnet wurde .die feierliche Schluß- S i tz u n g. An dem großen hufeisenförmigen Tisch hatten die Vertreter der Mächte in der gleichen Reihenfolge Platz genommen wie damals. Zahlreiche zugelassene Gäste aus dem Publikum und die Pressevertreter umsäumten den Beratungstisch. In der Mitte sitzt Macdonald als Präsident, rechts neben ihm Frankreich, links England, anschließend Deutschland. Rachdem die Hammerschläge gefallen sind, die die Konferenz eröffnen, treten an einen kleinen MitteL- tisch innerhalb des Hufeisens, an den sonst die Uebersetzer ihres Amtes walten, einer nach dem anderen die Delegierten der Mächte, zunächst Macdonald als Präsident, nach ihm der Ministerpräsident Belgiens, Renkin, um mit t>er bereitgehaltenen goldenen Feder di« Unterschriften zu vollziehen. Diese Zeremonie dauert längere Zeit, da nicht nur verschiedene Dokumente, sondern auch für jedes Land mehrere Delegierte zu unterzeichnen haben. Rachdem d i e fünf einladenden Mächte in alphabetischer Reihenfolge, ferner die britischen Do- m i n i e n und Polen die Unterschrift mit einer goldenen Feder geleistet haben, folgen d i e deutschen Delegierten in der Reihenfolge Reichskanzler, Reichsaußenminister, Reichsfinanzminister und Reichswirtschaftsminister, denen nacheinander von dem Generalsekretär der Konferenz, Sir Maurice Hankey, die Dokumente vorgelegt werden. Damit ist der 11 n t e r z e i ch- nungsaft zu Ende.
Macdonald
hielt dann in dem ihm eigenen Pathos di« Schlußrede:
Die Verhandlungen der Konferenz waren außerordentlich schwer und reich an Kämpfen. Ein Erfolg ist dennoch erzielt worden. Die Einigung war nicht leicht. Allzuschwere Erinnerungen lasteten auf den Völkern, die bisher einer Einigung der Völker im Wege standen. Große Opfer sind gebracht worden, um die bisherigen Widerstände zu überwinden. Aber nie»
zu beschreitende Wege: 1. Ein entsprechende» handetspotikisches Entgegenkommen der Gläubigerländer, das die Uebernahme entsprechender Warenmengen gewährleistet, ohne die Weltmärkte in Unordnung zu bringen. 2. Die Wiederherstellung eines deutschen Kolonialreiches, über das dann wohl die Gundlage für einen internationalen Zahlungsausgleich geschaffen werden könnte.
Jrn Wege eines solchen Vorgehens könnte der untragbare Druck der Fälligkeit ungeheurer internationaler Zahlungen von der ganzen Welt genommen werden. Ohne Nützung des Druckes eines untragbaren Schuldenberges überwinden wir den Zustand der Arbeitslosigkeit und der Schrumpfung nicht. Auf dem Wege, wie die unverantwortliche Mundpropaganda der Nationalsozialisten es den Bauern und Geschäftsleuten veryeißt, nämlich der Schuldenstreichung, geht das nicht. In der Wirtschaft kann man nicht den Teufel mit Beelzebub austreiben. Es geht nur auf dem Wege, den wir der Landwirtschaft schon mit unserem Entschuldungsprogramm vom Dezember 1930 gezeigt haben. Die im Weltinteresse erforderliche Wiederherstellung der Lebensfähigkeit der deutschen Wirtschaft mündet dem Ausland« gegenüber, wenn man von der Handelspolitik absieht, in einen Akkord aus, wie er hier skizziert ist. Erst damit wird das Ende der deutschen Krise der Weltwirtschaftskrise gekommen sein.
mals gab es den Fall in der Geschichte, daß Friede und Sicherheit hergestellt wurden, wenn die Völker sich nicht von den alten lastenden Erinnerungen frei machten. Die Erfahrungen seit 1919 lehren zur Genüge, daß es nicht möglich ist, die Lasten nur auf die Schultern einesVol- k e s abzuwälzen, da diese Lasten nach allen Erfahrungen nicht nur ein Cinzeivolk. sondern alle Völker niederdrücken. Diese großen Finanzsragen sind der Ursprung dieser Konferenz gewesen. Die jetzt gefundene Lösung ist einfach und klar, es ist gerecht und selbstverständlich, daß Deutschland sich an dem Wiederaufbau Europas beteiligt und hierbei einen guten Teil der Mitarbeit auf sich genommen hat. Aber es darf keine Lösung gefunden werden, die irgendwie die freie Entwicklung und den Ausbau der Wirtschaft und des Handels gefährden würde. Europa muß jetzt «ine gesunde Grundlage seines Wiederaufbaues finden, um neue Wege für den allgemeinen Aufstieg zu eröffnen. Wir haben keine politische Klausel in unserem Dokument angebracht; aber wir werden keinen Frieden, keine Sicherheit ohne einen Erfolg derAbrüstungsarbeit haben. "
Die bisherige Verschwendung der nationalen Reichtümer für die Rüstungen muß endlich aufhören. Hier ist eine plötzliche Entwicklung nicht zu erwarten, aber im Laufe der Zeit muß ein« Lösung der Abrüstungsfrage gefunden werden, die schritt- weise zu einer entscheidenen Herabsetzung der heuti- gen Rüstungen führt. Macdonald betonte, er ljabe nicht die Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Lander zu mischen, aber er reiche seine Hand seinen Freunden auf der rechten und auf der linken Seite, den Deutschen und den Franzosen, um ihnen zu. einer freundschaftlichen Zusammenarbeit und Regelung aller Fragen zu helfen: Die Lösung der großen politischen und finanziellen Fragen muß die früheren Gedanken des Krieges oerschwin- den lassen. An deren Stelle muß jetzt der Ge- danke der Zusammenarbeit treten. Für die endgültige Beseitigung der deutschen Reparationen ist nunmehr eine Grundlage gefunden worden. Aber dieses jetzt erreichte Ziel genügt nicht, wenn sich nicht die Gesinnung der Herzen ändert. Der Geist ber Freundschaft und der Zusammenarbeit muß jetzt an die Stelle der bisherigen Geistesverfassung treten."
Die Deulschnationalen und Lausanne.
Hugenberg weist auf die Notwendigkeit einer Regelung der privatschulden hin.
Die Änieneichnung des Lausanner Abkommens.
Macdonald hält die Schlußrede.
Nachbarn, Herrn Rozink auf die Schulter. „Du kommst mir so nervös vor", sagte er, „bist du krank?!"
„Das nicht", sagte Herr Rozink und fuhr sich mit einer zerstreuten Geste über die Glatze, „aber wenn >ch am Sonntag meine Ruhe nicht finde, bin ich Montags nicht zu genießen."
„Wieso keine Ruhe gefunden?' mischte sich Stu- dienrat Winnstrow ein. „Wie ist das möglich? Wo du doch ein Wochenendhäuschen hast!"
»Das ist's ja eben", seufzte Herr Rozink. „Diese Tatsache scheint sich in meinem Verwandten- und Bekanntenkreise herumgesprochen zu haben, und nun roirö es wohl so kommen, daß ich — als sei mein Landhauschen ein Ausflugslokal — an jedem Sonntag Gäste bewirten muß. Gestern war mein Schwager Nolle da, mit Frau und Köter, Kind und Kegel, und während sie in einer Weise in Haus und Gar- ten herumtobten, daß ich nicht meinen Mittagsschlaf halten konnte, hatte meine Frau das zweifelhafte Vergnügen, für die Bewirtung der Mahlzeiten Sorge tragen zu dürfen, nebenbei gesagt für insgesamt dreizehn Personen!"
„Na, na," sagte Dr. Haschich, „wer wird denn abergläubisch sein!"
„Davon ilt nicht die Rede", fuhr Herr Rozink fort, „aber so sehr meine Frau sich auch anstrengte, die Speisen und Getränke reichten nur für sechs."
Die Tafelrunde lachte.
„Aber das ist noch nicht das Schlimmste", erzählte Herr Rozink weiter, nachdem er sich eine neue Zigarre angezündet hatte. „Nachmitags geht mein Schwager mit dem Hund, der so groß war wie ein ausgewachsener Bernhardiner, in den Garten und bindet ihn, als gäbe es anderweitig keine Möglich- feit, an der Sonnenblume fest. Als dann eine Katze im Garten erscheint, hetzt er den Köter auf diese. Der Hund zerrt wie verrückt an der Seine, und rumms! — hat er die Sonnenblume ausgerissen. Dann rast er, schneller als die Feuerwehr, hinter der Katze drein, über sämtliche Beete hinweg, dreimal ums Haus herum und kreuz und quer durch den Garten, immer mit der Sonnenblume im Schlepptau Schwager Nolle hielt sich den Bauch vor Lachen, während ich, mit Mühe einen lästerlichen Fluch unterdrückend, den aus dieser Raserei resultierenden Schaden abschätzte. Der Schaden aber war: zwei verdorbene Spinatbeete, fünfeinhalb Dutzend demolierte Erdbeerpflanzen und einundzwanzig zertretene Salatköpfe. Die Sonnenblume ungerechnet."
Die Herren, die aufmerksam zugehört hatten, waren empört. Nur Dr. Haschich konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen.
III.
„Rozink läßt sich entschuldigen", berichtete Studienrat Winnstrow eine Woche später am Stamm» tisch, „er hat sich eine schlimme Erkältung zugezogen und muß ein paar Tage das Bett hüten.'
„Und ich dachte schon", murmelte Dr. Haschich, „er hätte wieder Gäste zum Wochenend gehabt."
„Hat er auch", ging der Studienrat auf diese Be- mertung ein. „,21m Samstag' erzählte er mir am Telephon, ,als ich eben im Begriff war. Rosen und Rhabarber zu begießen, knarrte die Gartenpforte, und hereinspaziert kam Familie Hanfziegel, er, sie und die drei Kinder, um, wie sie sagten, unseren Landsitz einmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Das taten sie denn auch. Und blieoen zum Kaffee. Und zum Abendbrot. ,Hör mal', sagte ich, als sie um zweiundzwanzig Uhr immer noch keine Anstalten machten, aufzubrechen, ,wo wollt ihr eigentlich schlafen? Hier im Hause gibt es nur zwei Betten und eine Chaise.'"
,2Iber, ich bitte dich', sagte der alte Hanfziegel, ,das wird sich schon stnden. Wir sind ja so genügsam.'
Als ich gegen Mitternacht das Haus geschlossen hatte und ins Schlafzimmer gehen wollte, lernte ich die Genügsamkeit Hanfziegelscher Prägung kennen: er und sie hatten sich in unseren Betten niedergelassen. Die Chaise auf der Wohndiele hatte Fräulein Hanfziegel bezogen, und auf dem Wege zum Badezimmer hätte ich fast meine Frau zertreten, die, notdürftig mit einem Mantel zugedeckt, auf dem Fußboden lag. Im Badezimmer selbst schrak ich leicht zusammen, denn aus der Wanne vernahm ich die Stimme meiner Tochter: .Bist du es, Papa?' Leider war auch im Keller kein Platz mehr für mein müdes Haupt, denn auf der Hobelbank schnarchte bereits der achtzehnjährige Robert, und auf dem Plättbrett wälzte sich der kleine Fedor. Einen Augenblick stand ich ratlos. Dann schloß ich die Haustür wieder auf und legte mich in die Hängematte hinter dem Haufe, die da im kühlen Nachtwind leicht hin- und herschaukelte. Daß ich mich dabei erkältet habe, ist genau so wenig verwunderlich wie die Tatsache, daß ich die ganze Nacht kein Auge zubekommen habe." Das ist Rozinks wörtlicher Bericht.
Die Tafelrunde bekundete durch lebhafte Erörterung dieses Falles ihre Anteilnahme an dem unangenehmen Abenteuer des Freundes. Nur Dr. Haschich konnte sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen.
IV.
2116 Herr Rozink am folgenden Montag wieder gesund, gebräunt und munter am Stammtisch erschien, wurde er stürmisch begrüßt.
„Das war ein Sonntag!" erzählte er. „Kein Lärm, keine Enge, kein verwüsteter Garten, nur Sonnenschein und Ruhe, diese wohltuende Ruhe: einfach himmlisch! Am meisten aber freue ich mich darüber, daß ich für den Rest des Sommers aller Voraussicht nach vor unbequemen Gästen sicher bin."
„Nanu?" wunderte sich Studienrat Rinnstrow. „Woher willst du denn das so genau wissen?"
„Sehr einfach", antwortete Herr Rozink. „Dörings sowohl wie Nolles und Hanfziegels haben mir mitgeteilt, daß sie unsere freundschaftlichen Beziehungen abgebrochen hätten."
„Haha", lachte Weinhändler Wengert, „warum denn nur?"
„Auch sehr einfach", zwinkerte Herr Rozink mit den Augen. „Ich habe bei ihnen per Postkarte an- gefragt, ob ihnen zufällig zwei silberne Löffel und meine goldene Uhr zwischen das Gepäck geraten wären."
Die Herren lachten und fanden die Idee famos. Nur Dr. Haschich tat, als hätte er das nicht begriffen.
Zur Hochzeit gehört -er Zrack.
In einem französischen Städtchen wollte ein junger Mann heiraten. Er hatte die Zusage seiner Braut und auch die Zusage seines Schneiders, ihm bis zum Hochzeitstag einen gut sitzenden würdigen Hochzeitsanzug anzufertigen. Am festgesetzten Tag stand beides für den jungen Mann bereit, die Braut tn Myrthe und Schleier, der Anzug hing tadellos gebügelt fix und fertig beim Schneider. Morgens früh am Hochzeitstag gab er seiner Braut den Guten-Morgen-Kuß und sagte ihr, er gehe schnell zum Schneider, um den Anzug abzuholen. Die Braut wartete vergeblich auf die Rückkehr des Bräutigams. Die vom Standesamt festgesetzte Zeit verstrich, die Verwandten und Freunde erschienen zum Hochzeitsmahl, der Bräutigam fehlte. Erst spät am Abend erschien der Bräutigam und berichtete von seiner Irrfahrt: er hatte kein Geld und der Schneider weigerte sich, den Anzug ohne Bezahlung herauszugeben. Dann habe er vergebliche Anstrengungen gemacht, sich das Geld für den Anzug zu borgen. Als alles fehlschlug, fei er aus der Stadt gewandert und erst am Abend sehnsuchtsvoll zu seiner Braut zurückgekehrt. Das war gewiß ein trauriges Schicksal, aber in allem Leid hatte der junge Mann doch die Genugtuung, daß er tags darauf dem Schneider sagen konnte, er brauche den Hochzeits- anzug nicht mehr, denn die sitzengelassene Braut hatte, ihrerseits erklärt, sie brauche diesen Bräutigam nicht mehr.


