Ausgabe 
11.7.1932 Erstes Blatt
 
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Aus der provinzialhauMadt.

Gießen, den 11.3uli 1932.

Härte.

Ein Messer wehet das andere, und ein Mann den anderen", heißt es in den Sprüchen Salo- monis, und in einer Zeit, die uns geruhsamer dünkt, als es die heutige ist, setzte bereits der weise Wilhelm Raabe hinzu: »Wir leben meinem großen Gedränge: es fehlt weder an Messern, noch an Männern, wer aber vom besten Stahl ist. der kommt auch am besten weg."

Die kristallharte Art unseres Daseinskampfes erfüllt manchen mit Angst und Verwirrung, und das Gedränge unseres äußeren Daseins versuchen sogenannte Lebenskluge zu überwinden, indem sie lehren, den geistigen Menschen und die Schwin- gungen der Seele zu verachten. Rur die brutale Gewalt, der harte Stoß, der Faustschlag, das Riedertrampeln, das starre Gradauskämpsen schaffe, lehren sie, Raum im Gedränge, und nur solche Drutalilät, der Wille zur Gewalt, liehe aufwärts gelangen. Aber wenn sie aufwärts ge­langen, wo sind dann, die Sterne geblieben? Hat man nicht den Sinn dafür verloren, setzte sich nicht die Brutalität wie ilnfraut im Herzen fest, erstickten nicht darunter der Sinn für die Sterne, für Freiheit und Freude, das Geistige und die feineren Beziehungen des Lebens? Hart gegen -enStre sein ist, für sich, ein Zug von primitivem Charakter. Der freimachende Ruf Gesegnet seien unsere Sterne" kann nämlich nur dann aus dem Herzen quellen, wenn wir hart zuvörderst nicht gegen andere, sondern gegen uns selbst waren.

Das deutsche Volk hat in gesunden Zeiten mit gesundem Sinn stets die materielle Brutalität gehaßt, aber das Herrische, das hart war gegen sich und gerecht und sich nicht mit anderen ver­mengte, stets geachtet. Es ist ein guter alt­germanischer Zug, daß der Freie jedem anderen das Seine zubilligte, für sich auch nicht mehr verlangte, allerdings dieses Eigene mit allen Kräften wahrte. So wurde in einem freiheit­lichen Gemeinwesen der Einzelne hart, aber elastisch und schneidend wie eine gute Stahlklinge. Das war nicht die brutale Massenhaftigkeit, die heute die Gassen beherrscht.

Und wenn wir im Leben unseren Mann stehen, im Kampf der Meinungen und Existenzen beob­achten, daß Zertreten den Zertretenden nichts nützt, sondern sehr wohl das Lebensrecht der andern sich bei aller hart-elastischen Verteidi­gung unseres Lebensrechtes anerkennen läßt, dann kommen wir zu der Erkenntnis, dah jedes un­ruhige und kämpfende Geschlecht dann verdirbt, wenn die Härte zur Brutalität der Masse Mensch wird.

Die Erlebnisse von Freud und Leid, das Lernen und die Freude am Gelernten, das Formen an der eigenen Persönlichkeit, sie bringen den harten und freien Menschen, der nicht im Kampf um materielle Dinge allein den Sinn dieses Lebens sieht und diesen Dingen untertan würde oder gar der Massenbrutalität sich unterwirft. Der Freie liebt und kennt beide Welten, die der Kampfstrahe und die der Sterne.Sieh' nach den Sternen! Gib acht auf die Gassen!" lehrt Wilhelm Raabe. Sind wir von gutem Stahl, der sich nicht abwehen läßt, dann wird uns die Gasse nicht imponieren, aber jeder gewordene und in sich selbst ruhende Mann, der weiß, dah Gasseirbrutalität diese Welt nicht zu regieren vermag, ist unseresgleichen. rt.

Langemarck-Feier der national­sozialistischen Studentenschaft.

Auf dem Gleiberg versammelten sich am Sams­tagabend zahlreiche Gießener Studenten zu einer Langemarck-oeier, die einen würdigen Verlauf nahm. Schon am Nachmittag flatterte die Flagge der Nationalsozialisten vom Turme der Burg auf Halbmast.

Bei Einbruch der Dunkelheit begann die Ge­denkfeier im Burghöfe mit einem Marsch­lied der Musikkapelle. Dem LiedeWir treten zum Beten", vom Turm geblasen, dem alle Teilnehmer in andächtiger Stille lauschten, folgte ein Vorspruch, dec die Hewentat derer, die bei Langemarck fielen, lebendig werden ließ. Nach dem LiedeIch hott' einen Kameraden" hielt der Vorsitzende der Gieße­ner Studentenschaft, Edler v. Graeve, die Ge­denkansprache. Langemarck, so führte er u. a. aus, fei nicht nur ein Erinnerungszeichen für unsere Generation allein. Langemarck sei ein Flammen­zeichen, das mit Worten nicht geschildert werden könne. Die Opfer von Langemarck konnten nur Deutsche bringen, nur der Deutsche könne streiten für abstrakte Begriffe. Er sei nicht unterzukriegen, wenn er sich seiner Kraft bewußt sei. Der Deutsche fei nicht der Mensch einesTyps", der Deutsche sei eine Faustnatur. Weich und empfänglich für alles Schöne und Gute, sei er, hart aber auch, wenn der furor teutonicus über ihn komme. So stünden die Toten vor unserer Erinnerung: begei­stert und hart bereit, freudig in den Tod zu gehen, um eines hohe Zieles willen. Alles haben sie gegeben, geopfert für Volk und Vaterland. Der Geist von Langemarck aber gestaltete das Opfer. Sie wußten, daß die Heimaterde ein Etwas ist, dem sie alle mit dem Geiste und der Kraft des Blu­tes verbunden waren. Das Lied der Deutschen, das sie sangen, als sie in den Tod stürmten, klinge über uns alle hinweg, das LiedDeutschland, Deutsch­land über alles!" sei Gebet geworden. Der Geist jener Toten lebe auch heute mehr denn je, denn wieder seien junge Menschen bereit, ihr Leben zu geben für dieses Reich und Vaterland. Die Opfer, die die Gegenwart fordere, seien für das kommende Reich. Die Nationalsozialisten würden siegen in diesem Kampf. Der Sieg werde die Erfüllung sein für die Opfer der Toten von Langemarck. Man spreche um Langemarck, man weine um Sange« mord, uns bleibe das Vermächtnis, den Gedanken an das Reich ooranzutragen. Der Erfolg müsse der kämpfenden Jugend gehören und erst wenn er er­rungen fei, dann fei der Geist von Langemarck er­füllt. Lebhafter Beifall und das gemeinsam ge­fangene Deutschlandlied beschlossen die Ansprache.

Die Dunkelheit war inzwischen völlig herein- gebrochen und die Sterne standen klar am Himmel, als auf dem Turme rote Flammen aufzuleuchten begannen, deren Licht die wehende Flagge zu glut­vollem Leben erweckte. Opferfeuer für die Toten von Langemarck! Raketen zischten zum nächtlichen Himmel empor und gossen für kurze Sekunden hellen Glanz über Burg und Burghof. Gedichtvor­träge, die siegesgewiß und vertrauend in die Zu­kunft wiesen, breiteten großen Ernst über die Ver­sammelten. Sprechchor und Musik füllten weiter den Abend. Ein loderndes Feuer wurde entzündet. Mit dem Horst- und Wessel-Lied fand der Abend fei­nen Abschluß.

25 Iahte Kavallerie-Verein Gießen.

Am Samstag beging der Äa oa 11 e r i e 23 e r ein Gießen in würdiger, von echtem Kamerad- fchaftsgeist getragener Weife die Feier feines 25jährigen B e st e h e n s. Im Verlaufe des Nachmittags ehrte der Vorstand das Gedächtnis an die 32 gefallenen und verstorbenen Kameraden durch Kranzniederlegunkf auf dem Neuen Friedhof.

Abends fand im vollbesetzten und schöngeschmück- ten Saale des Cafä Leib ein Festabend statt, dessen gehaltvoller Verlauf in der Geschichte des Vereins einen ehrenvollen Platz einnehmen wird. Nach flotten musikalischen Darbietungen von Mit- gliedern unserer Gießener Reichswehrkapelle sprach Sri. Preis einen Prolog, in dem der Sinn und Zweck des kameradschaftlichen Zusammenschlusses in dem Verein gefeiert wurde.

Hierauf hielt der Vereinsvorsitzende Ernt Hart­mann die Begrüßungsansprache, in der er nach herzlichen Worten an die zahlreichen Ehrengäste und Kameraden mit Genugtuung feststellen konnte, dah alle Hoffnungen, die man einst bei der Grün­dung des Vereins hegte, im Verein und in der Gemeinschaft mit dem Waffenring der Deutschen Kavallerie in Erfüllung gegangen find. Der Ver­ein, dessen Mitglieder sich aus allen Ständen und Berufen zusammensetzen, stehe fest gefügt in echter Vaterlandsliebe und kameradschaftlicher Treue da und stelle stets seine Kraft in den Dienst der guten Sache, die mit der Vereinsarbeit vertreten werde. Er dankte zum Schlüsse den Gründern und den Kameraden, die dem Verein stets unentwegt die Treue hielten, und forderten sie auf, auch ferner­hin treu zur Standarte und den Zielen des Ver­eins zu stehen.

Sodann hielt der Vorsitzende des Waffenrings der Deutschen Kavallerie, Kam. Th. Schröder (Bochum), die Festrede, in der er zunächst die sol- datische Kameradschaft innerhalb der Militärvereine im allgemeinen und zugleich die traditionsgemäße kameradschaftliche Verbundenheit in der deutschen Reiterei im besonderen feierte. Auf dieser Grund­lage sei bisher an der Ausbreitung und Vertiefung der Vaterlandsliebe und der Tradition der alten Armee gearbeitet worden. Dieses hohe Gedankengut müsse auch weiterhin für alle Kameraden als Füh­rer und Leitstern bewahrt werden, damit einst das deutsche Vaterland aus seiner jetzigen Ohnmacht und Knechtschaft wieder zu neuer Größe und Herr­lichkeit erhoben werden könne, damit sich der Kyff- häuser-Geist wieder entfalte, nicht zu einem Rache­feldzug und zu neuen Kriegen, sondern zu dem Wie­derbeginn eines Zeitalters wahrer innerer Einigkeit und Freiheit. Nach dem Treugelöbnis, im Geiste der gefallenen Kameraden weiterhin auf den be­währten Bahnen der alten Armee zu arbeiten, for­derte der Redner für das deutsche Volk das Wehr- recht als Ehrenrecht, falls das Ausland uns auf dem Wege der Abrüstung nicht folge. (Lebhafte Zustimmung.) Die Welt müsse wieder Respekt vor dem alten deutschen Soldatengeist gewinnen, durch den unser Volk groß geworden sei und der uns

weiterhin erhalten bleiben müffe, um das deutsche Vaterland wieder zur Höhe emporzuführen. (Stür­mischer Beifall.)

Nach zwei Gesangsvorträgen des Gesangvereins yßiebertrany unter der Leitung von Musiklehrer Wilhelm Schüttler, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden, nahm der Dereinsvorsitzende die Ehrung der Vereinsgründer vor. Mit dem Verdienst kreuz für 25jährige Mitglied- K wurden folgende Mitglieder ausgezeichnet:

Becker, Wilhelm Söll, Ferdinand Even, Johannes George, Fritz Groß, Hans Keit- 3er, Hermann Kreie, Wilhelm K u tz f ch r a d , Heinrich Kümmel, Wilhelm Maisch, Wilhelm Mühl, I. Fr. Müller, Kommerzienrat Ad. Noll Karl P a r r, Hans Preiß, Georg Sch ä- f e r, Ludwig Schäfer, Otto Schmidt, Gustav Schneider, Albert W l o d a r e ck, Gg. Wald- fchmidt, Heinrich Bachmann, Karl Den- hardt, Heinrich Hederich, Wilhelm Mank, Heinrich P r eu ß e r, Karl Sommer, Wilhelm Schaum, Johannes Weitzel, Dippel, Knobel und S ch i e f e r ft e i n.

Hierauf zeichnete Kam. Schröder-Bochum namens des Waffenrings der Deutschen Kavallerie die Kameraden Ernst Hartmann (Vorsitzender), Wilhelm Döll, Kommerzienrat Noll, Karl D e n h a r d t, Johannes George und Georg Schäfer für ihre Verdienste um den Verein und die Förderung der Ideale des Waffenrings durch die Verleihung des Mackensen-Kreuzes 1. Klaff e aus.

Der Gießener Dereinsoorfitzende Kam. Hart­mann ehrte sodann den Kameraden Schröder- Bochum im Auftrage des Vereins durch die Ver­leihung der Ehrenmitgliedschaft.

Glückwünsche an den Jubilarverein ließen der Reiterverein Dillenburg, die Arbeitsgemeinschaft der Militär- und Regimentsvereine Gießen, der Artillerieverein Gießen, der Gardeverein Gießen, der Marineverein Gießen und der Kriegerverein Leihgestern, sowie die Damen des Bereins über­mitteln: dabei wurden dem Berein Fahnennägel, vom Marineverein ein Bild des Admirals Scheer und von den Damen des Bereins ein silberner Jubiläumskranz als Angebinde überreicht. Mit herzlichen Dankesworten für alle Ehrungen sand dieser Teil des Abends seinen Abschluß.

Im weiteren Verlaufe erfreute der Gesang­vereinLiederkranz" unter seinem Chormeister Schüttler noch durch den Vortrag einiger Lieder. Sodann brachten die Damen Hofmann, Kolbe, Preis und W l o d a r e ck ein Ge­sangsstückDie schneidige Kavallerie" zum Vor­trag, schließlich erfreute noch eine Mintärhumo- reske die Besucher in bester Weise. Alle Dar­bietungen wurden verdientermaßen mit lebhaftem Beifall belohnt. Flotte musikalische Darbietungen der unermüdlichen Militärmusiker leisteten dann zum Tanz als Ausklang des in allen Teilen schönen und genußreichen Abends über.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag: Licht­spielhaus, Banhofstraße:Frau Lehmanns Töch­ter". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg 20.30 Uhr, Lichtbildervortrag über die HeilstrahlenRadium".

*

* Wascht das Obst! Eigentlich soUte sich die MahnungWascht das Obst" erübrigen, denn für viele wird es eine Selbstverständlichkeit be­deuten, Obst vor dem Genüsse zu säubern. Den­noch kann man oft genug sehen, daß Leute mit ihrer Tüte durch die Straßen gehen und die Kir­schen daraus verzehren, also nicht abwarten kön­nen, bis sie die Möglichkeit haben, die Früchte zu waschen. Ganz abgesehen davon ist auch mit dem sofortigen Verzehren des Obstes auf der Straße die Ansitte verbunden, glitscherige Obst- kerne auf den Boden zu Wersen, so daß das eilige Verzehren nicht nur den Genießenden, sondern auch ihren Mitmenschen Gefahr bringen kann. Bakteriologische Untersuchungen an verschiedenen Obstsorten, wie solche an den Verkaufsständen in den Straßen feilgeboten werden, haben ergeben, daß das sterilisierte Wasser, mit dem die Früchte gewaschen wurden, eine ganze Dlütenlese von Bak­terien enthielt, unter denen sich einige recht ge­fährliche befanden. Die Zahl schwankte je nach dem Reinlichkeitsgrad der Früchte zwischen 68 000 und 3 200 000 Keimen im Kubikzentimeter. Beim zweiten Waschen ergaben sich noch 7000 und 20 000 Keime, und nach dem dritten Reinigen immer noch zwischen 3000 und 7000 Keime. Die Zahlen zeigen deutlich genug, wie notwendig es ist, das Obst vor dem Genuß gründlich mit Was­ser zu reinigen.

**E in Einbruch wurde in der Nacht zum Samstag in das Schuhlager von Blum, Bahnhof­straße 66, verübt. Die Spitzbuben nahmen etwa 20 Paar Herren-, Damen- und Kinderschuhe mit. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Oderheffen.

SOZahre Kirchengesangverein Londorf.

ch Londorf, 11. Juli. Aus Anlaß des 50jähri> gen Bestehens des Evangel. Kirchengesangvereins Londorf hatte der Jubelverein die Kirchengesang­vereine des nordöstlichen Teiles des Dekanats Gie­ßen und einige befreundete Vereine in unsere Ge­meinde eingeladen, Der Einladung waren die Ver­eine zahlreich gefolgt. Auch die hiesigen Vereine, der ArbeitergesangvereinUnion und der Män- nergesangvereinFrohsinn", zeigten ihre Verbun­denheit mit dem Jubelverecn und wirkten mit.

Das Fest begann mit einem Gottesdienst in der geräumigen Kirche. Lehrer T r i n k a u s eröffnete mit einem Orgelvortrag die Feier. Pfarrer Hil­bert (Winnen) hielt die Festpredigt, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Ein Massen­chor von etwa 250 Sängerinnen und Sängern, ge­leitet von Lehrer T r i n k a u s trug mit dem Vor­trag der ChoräleKomm, heiliger Geist, erfülle mich" von Frank undLobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" nach Dach zur Be­reicherung des Gottesdienstes bei. Gemeinde­gesang beschloß die Feier. Die ansehnliche Kollekte kommt der Kirchengesangvereinsarbeit zugute.

Rach einer Pause, bei der die auswärtigen Fest­teilnehmer Gäste der hiesigen Familien waren, begann um 16 Uhr in der großen Dolkshalle die Rachversammlung. Dach der Eröffnung durch Vortrag des hiesigen Posaunenchores und eines Massenchores der Sänger und Sängerinnen hielt zunächst der Ortsgeistliche, Pfarrer Düh- ler die Begrüßungsansprache. Er hieß im be­sonderen willkommen den Superintendenten für Oberhessen Oberkirchenrat v. Wagner (Gießen), den Vertreter des hessischen Hauptvereins, Dekan

Zimmermann (Darmstadt), den ehemaligen Vorsitzenden und Dirigenten, Lehrer Schäfer (Reichelsheim i. d. Wett.), den ehemaligen Diri­genten, Lehrer S t ö h r (Londorf), die Gönnerin der Frauenvereine in der Rabenau, Freiin Er­nestine von Rordeck zu Rabenau, und die zehn noch lebenden Gründerinnen und Gründer.

Aus seinem kurzen Ueberblick über die Dereins- geschichte sei erwähnt, daß der Verein im Jahre 1882 von Pfarrer Weber gegründet und von Lehrer L a ub i n g e r als dem ersten Dirigenten geleitet wurde. Auch der Baron Karl von Rordeck zu Rabenau war dem Verein ein eifri­ger Förderer. Oberkirchenrat D. Wagner über­brachte Grüße von Prälat Dr. D. Diehl (Darm­stadt) und kennzeichnete die Aufgaben der Kirchen­chöre, die darin bestehen sollen, Freude und Gott­vertrauen in die Gemeinden hineinzutragen. Dekan Zimmermann (Darmstadt) grüßte im Ramen des Hauptvorstandes. Für das Dekanat Grün­berg beglückwünschte Dekan S ck m i d t (Grünberg) den Jubelverein und gedachte oer besonderen Ver­dienste des derzeitigen Dirigenten, Lehrer Trink- a u s. Die Leistungen der Gastvereine, von denen jeder ein geistliches und ein im Volkston gehal­tenes Lied vortrugen, standen auf beachtenswerter Höhe. Am Einzelsingen beteiligten sich die Kirchen­gesangvereine von Beuern (Dirigent Musiker S ch o m b e r), Burkhardsfelden (Bürgermeister Albach), der Arbeitergesangverein älnion-Lon- dorf (S ch o m b e r), Grünberg (Lehrer Roth), Treis a. d. Lda. (Lehrer W a 11 h er), Manner­gesangverein Frohsinn-Londorf (Musiklehrer Kasten, Gießen). Allendorf a. d. Lda., (der als jüngster Verein des Dekanats Gießen unter Lei­tung von Lehrer Heil, erstmalig am Singen teilnahm und mit einer beachtenswerten Leistung aufwartete), Winnen-Rordeck (Frl. B e r d u x) und der festgebende Verein. Dor dem Schlußlied sprach Pfarrer Bühler herzlichen Dank allen denen, die zum guten Gelingen der Feier beigetragen hat­ten. Er dankte insbesondere dem Dirigenten des Jubelvereins, Lehrer T r i n k a u s und überreichte ihm eine Ehrenurkunde. Auch den zehn noch le­benden Gründern und einigen Sängern und Sän­gerinnen, die dem Verein länger als 20 Jahre aktiv angehören, wurden Ehrenurkunden über­reicht. Mit dem Schlußmarsch des Posaunenchors fand der offizielle Teil des Festes sein Ende.

Landkreis Gictzerr.

D Lich, 10. Juli. Die Bautätigkeit in un­serer Stadt liegt in diesem Jahre f a ft völlig brach. Neben einigen unbedeutenden Umbauten sind nur zwei Wohnhäuser im Bau begriffen, näm­lich ein Zweifamilienhaus in der Hungener Straße, das schon im vorigen Herbst begonnen wurde, und ein Einfamilienhaus, ebenfalls in der Hungener Straße. Beide Bauten gehen in den kommenden Wochen ihrer Vollendung entgegen. Ferner wurde noch die im Winter abgebrannte Scheune des Land­wirts Peter Dietz wieder aufgebaut und ihrer Be­stimmung übergeben.

preuhen.

Kreis Wetzlar.

I Niederkleen, 10.Juli. Ein schwerer Motorradunfall ereignete sich gestern gegen 21 Uhr am Wetzlarer Berg auf der Prcwinzialstraße Wetzlar-Butzbach. Ein Motorradfahrer aus Bad- Nauheim, der in Richtung Wetzlar fuhr, stieß mit einem auf der Heimfahrt befindlichen Motorrad­fahrer aus Niederkleen mit großer Wucht zusammen. Beide erlitten erhebliche Ver­letzungen. Der Fahrer aus Niederkleen wurde sofort nach Hause gebracht, Dr. Speck (Großen- Linden leistete dem Verunglückten die erste Hilfe. Der Bad-Nauheimer Fahrer wurde durch einen hiesigen Autobesitzer in das Krankenhaus nach Bad-

Rauheim übergeführt. Die Soziusfahrerin des Bad- Nauheimer Motorradfahrers kam mit leichteren Ver­letzungen davon. Die Motorräder wurden beide sehr chwer beschädigt. Mit welcher Wucht der Zusammen- toß erfolgte, gebt daraus hervor, daß an der Ma- chine des Bad-Nauheimer Fahrers der eine Zylin- )er vollständig abgerissen wurde: am Motorrad des Kraftfahrers von Niederkleen wurde der vordere Teil völlig zertrümmert. Die polizeillchen Ermitt­lungen über die Schuldfrage wurden sofort ein- geleitet.

Nationalsozialistischer Kampsbund für deutsche Kultur.

Darmstadt, 10. Juli. (WSN.) Der Kampf- b u n b für deutsche Kultur hält gegenwärtig hier feine Tagung ab. Samstag abend wurde im Garten des Heylshofes eine Nachtmusik durchgeführt. Sonntag vormittag wurde im großen Saal des Städtischen Saalbaues die eigentliche Tagung ab­gehalten. Als Einleitung spielte das gesamte Orche- fter des Hessischen Landestheaters unter Leitung des Konzertmeisters Otto Drumm das Meistersinger- Vorspiel. Die Tagung wurde durch den westdeutschen Leiter des Kampsbundes Dr. Werner Kulz- Darmstadt eröffnet, der die aus ganz Westdeutsch­land erschienenen Teilnehmer begrüßte und die Tat- sache, daß das gesamte Landestheater-Orchester an­stelle eines vorgesehenen Streichquartetts sich frei­willig in den Dienst der Sache gestellt habe, als Symptom bezeichnete. Anschließend fanden drei welt­anschauliche Vorträge statt. Professor Dr. Ernst K r i e ck - Frankfurt a. M. behandelte das Thema Organische Weltanschauung". Er betonte darin, die heutige Stunde müsse genutzt werden, um ein neues, völkisch bewußtes Deutschland zu gestalten, den Staat zu formen und eine der deutschen Art entsprechende Wirtschaft zu schaffen, damit Deutschland wieder den Platz einnehme unter den Völkern, der ihm gebühre. Anschließend sprach Professor Dr. Lacroix - Heidelberg überGoethe und die Natur". Den Schlußvortrag hielt Dr. Werner Kulz- Darmstadt über .Heldentum und Menschengröße". Ein musika­lischer Vortrag beschloß die Vormittagssitzung. Am Nachmittag wurde auf einer Festwiese in der Nähe des Jagdschlosses Kranichstein ein Volksnachmittag, insbesondere für die Jugend, durchgeführt, wobei Chöre, kammermusikalische Aufführungen und Dar­bietungen einer Spielschar die Teilnehmer erfreuten. Am Wend fand ein Konzert mit Aufführung von Werken junger deutscher Tondichter unter Leitung von Musikdirektor Heinrich Pfaff- Freiburg statt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Die Unruhen im Seltersweg.

In der Samstagnummer berichtet derGießener Anzeiger" über neueUnruhen in Gießen" und schreibt unter anderem:Die Polizei griff sofort mit großer Energie durch und trennte die streitenden Parteien, so daß ein weiteres Ausdehnen der Prü­gelei zum Glück verhindert wurde.."

Ich werfe die Frage auf, warum muhte denn erst eineSchlägerei in Gang kom- men, wenn solche hätten vermieden werden können?

Als der <jug der Versammlungsteilnehmer, nur von einigen wenigen Beamten in Zivil begleitet, gegen 23 Uhr vom Walltor herkam, befand ich mich mit meiner Familie an der Ecke Schulstraße, Markt­platz. Die Spitze des Zuges, etwa 50 Personen, bogen in die Marktstraße ein und es hatte auch zunächst den Anschein, als ob der ganze Zug diesen Weg nach dem Gewerkschaftshaus nehmen wollte. Plötzlich gaben einige Schreier die Parole auszum Seltersweg" und der ganze übrige Zug schwenkte in die Mausburg ein nach dem Seltersweg. Dort war die Polizei zunächst zu schwach vertreten, griff aber bann, was ich gerne bestätigen will, nach ein- getroffener Verstärkung energisch durch.

Daß es hierbei auch zu kleinen Unbesonnenheiten- der diensttuenden Beamten kam, ist durch deren Aufregung erklärlich, wenn auch nicht ohne weiteres entschuldbar.

An der Goechestraße war der Seltersweg ab­geriegelt. Meine Bitte, mich mit meiner Familie nach meiner Wohnung im Seltersweg durchzulassen, wurde abgelehnt mit den Worten:Dann kommen Sie eben eine Stunde später nach Haufe", ebenso mein Ersuchen, mich dann doch nach der Goethe- straße hin aus dem Auflauf entfernen zu können.

Kurze Zeit später wurden wir, etwa 50 Menschen, nach der Goethestraße hin von einigen Beamten abgedrängt und zu beschleunigtem Tempo aufgefor­dert. Ein Zuruf aus der Menge, der vielleicht über­flüssig war, veranlaßte einen der Beamten zu den Worten:Und heute abend laufen Sie, wir werden es Ihnen beibringen." Ich bin nicht gelaufen ledig­lich weil ich es wegen meines Herzfehlers nicht kann, war mir aber vollständig klar darüber, daß ich bei einem Angriff seitens dieses Beamten mich energisch zur Wehr gesetzt hätte, selbst auf die Gefahr hin, mich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt strafbar zu machen.

Diese ganzen Unruhen, die ziemlich schwere Ver­letzung des eines Wachtmeisters, sowie der beiden Zivilisten, hätten vermieden werden können, wenn man den ganzen Zug bereits am Marktplatz nach der Richtung Bahnhofstraße-Gewerkschaftshaus ab­gelenkt hätte. Wollte man aber den Zugteilnehmern die Bewegungsfreiheit nicht einschränken, so hätte b e i 3 e i t e n für eine ausreichende Bereit­stellung von Sicherheitspolizei im Sel­tersweg Sorge getragen werden müssen. N. E.

Wettervoraussage.

Wenn sich auch im Süden eine flache Störung gebildet hat, welche sich nach Westen zu bis über ganz Frankreich ausdehnt, so wird dadurch nur vorübergehend Gewitterneigung aufkommen, da­bei aber das sommerliche Wetter fortdauern. Vom Atlantik rückt erneut hoher Druck vor. so daß auch an den nächsten Tagen mit schönem Wetter zu rechnen ist.

Aussichten fürDienstag: Im wesentlichen aufheiternd, jedoch vorübergehend gewitterdrohende Bewölkung, sehr warm.

Aussichten für Mittwoch: Fortdauer des sommerlichen Wetters.

Lufttemperaturen. Am 10. Juli: mittags 26,4 Grad, abends 21,3 Grad: am 11. Juli: morgens 20,0 Grad: Maximum 26,4 Grad, Minimum 15,3 Grad Celsius: Sonnenscheindauer 13 Stunden. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 10. Juli: abends 27,4 Grad: am 11. Juli: morgens 21,1 Grad Celsius.

Schöne weiße Zähne

schon nach einmaligem Putzen mit der herrllch erfrischend IchmeäendenChlorodont-Zahnpaste", schreibt uns ein Raucher. Tube 50 Ps. und 80 Pf.