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Paris, 11. Juli. (IDIB. Funkspruch.) Jlad) einer Meldung des „Malin" aus Cherbourg berichtet ein Taucher des „Artiglio", er habe festgestellt, daß zwei Dichtungstüren des Unterseebootes „Promethse" nicht geschlossen seien, somit der Beweis erbracht sei, daß das ganze Boot voll Wasser gelaufen sein dürfte. Die Schotten hätten wahrscheinlich nicht mehr rechtzeitig geschlossen werden können, zumal das Boot innerhalb 30 Sekunden gesunken sein soll. An einer der nicht geschlossenen Dichtungstüren will der Taucher die Leiche eines Mitgliedes der Besatzung eingeklemmt gesehen haben. Rach einer Auslassung der Marinebehörde soll e- nahezu unmöglich sein, das Boot zu heben oder wieder flott zu machen. Auf seine Klopfzeichen erhielt er auch jetzt keine Antwort. Er stellte fest, dah es möglich ist, am Bug unter das Wrack zu gelangen, vielleicht können dort Hebeketten angeseht werden. Die Lage des gesunke- nen Unterseebootes ist nunmehr durch vier Bojen kenntlich gemacht. Lin französisches Unterseeboot ist
mit ab-
In Kreisen des Marineministeriums ist man ziem- lich pessimistisch in bezug auf den Erfolg der Hebungsarbeiten des U-Bootes. Man hebt hervor, daß man nützliche Arbeit nur etwa zwei bis drei Stunden täglich leisten könne wegen der Flut, der Brise und besonders der Strömung, die sogar in den günstigen Augenblicken eine Stundengeschwindigkrit von 7 Knoten erreicht. Immerhin könnten die Arbeiten. die mit größtem Eifer betrieben werden, doch eine Ueberraschung bringen, und solange sie andauern, brauche man nicht die Hoffnung aufzugeben.
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Dem „Temps" wird aus Cherbourg gemeldet, daß der Befehlshaber der „Promethäe" erklärt habe, sein Boot sei n o ch gar nicht für Tauchoersuche ausgerüstet gewesen. Der Befehlshaber sagte weiter, er glaube an einen Unfall, der durch die Maschinen oder die Ausrüstung des U-Bootes zufällig hervorgerufen wurde.
in der Rahe der Anglücksstelle getaucht, um seinem Mikrophon die Geräusche unter Wasser zuhören.
4 Sortlc" j.
Das französische Ll-Bootunglück
Andauernde Rettungsarbeiten. — Kein Lebenszeichen von der Besatzung. Mutmaßungen über die Ursache der Katastrophe.
Adele Sturm muhte sich einen Augenblick fest gegen die Wand lehnen. Wenn sie auch niemand auf der großen Welt liebte, außer chrem Sohn, halte sie für den Stiefbruder doch manchmal ein so mattes Gernhaben empfunden. Weil er immer sehr entgegenkommend gewesen, ihr am Geburtstag und zu Weihnachten Geschenke gemacht und stets eine offene Börse für sie gehabt. Auch hatte er Werner in seinen Studienjahren reich unterstützt, war auch gegen ihren Mann schon sehr gefällig gewesen. Was diese Frau an Trauer zu empfinden imstande war, das empfand sie in diesem Augenblick. Werner legte liebevoll den Arm um sie.
„Mutter, komm, Franz soll uns zu Lil führen, sie wird Trost nötig haben."
Franz berichtete, nachdem er ein Zimmer vor den beiden geöffnet: „Das gnädige Fräulein ist vorhin aus einer Ohnmacht glücklich wieder zu sich gekommen, wie tot lag sie auch da neben dem Bett von Herrn Körner. Der Polizelkom- Missar ist eben erst fortgegangen."
Die Baronin echote: „Der Polizeikommissar?" Werner sagte kurz: „Tröpfeln Sie uns doch nicht alles langsam ein, Franz! Wie ist mein Onkel gestorben?"
„Herr Körner hat sich erschossen," kam die Antwort, der ein Aufschrei des Entsetzens aus dem Munde der Baronin folgte. Sie starrte den Diener groß an. Ohne, daß sie bisher das geringste gemerkt oder geahnt, was darauf schlle- hen ließ, wußte sie jetzt, nur große Bermögens- derluste konnten den Stiefbruder zu der Verzweiflungstat getrieben haben.
„Führen Sie uns sofort zu dem gnädigen Fräulein", befahl Werner, „oder nein, melden Sie uns erst an, wir werden hier in diesem Zimmer warten." — Franz verneigte sich stumm und entfernte sich. Es war das Speisezimmer, das Franz vor den beiden geöffnet hatte. ©8 war noch angenehm warm hier, die Zentralheizung tat 6,ut ihre Pflicht. Die Baronin war auf einen Stuhl gesunken, sie flüsterte jetzt zu dem neben chr stehenden Sohne empor: „Ist das Geschehene g»^?^beu«r, ist es nicht furchtbar, 3d) bin ganz durcheinander von der gräßlichen Neuigkeit. Eduard hat sich erschossen! Siri Skandal!! 3d) schäme mich ent-
lehucy.
3tjt Mitleid mit dem Stiefbruder war schon
Dflü MM Ml.
Original-Roman von Anny von panhuyü. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
Buhe war ja nur allerhöchste Aufregung gewesen. Auf feinen Armen trug Werner Sturm die kleine, zierliche Lil in ihr Zimmer, wo die Zofe Meta ihm behilflich war, sie ins Bett zu legen. Der Ohnmacht folgten siebrische Reden. Erst am Mittag des nächsten Tages klärten sich in Lils armem Kopf die wirren Gedanken.
-Ihr Vater war inzwischen schon aufgebahrt worden und man sagte ihr, in einem Anfall von Geistesverwirrung habe ft zum Revolver gegriffen. Adele Sturm faß an ihrem Lager, sie hatte stillschweigend die Stelle der Hausherrin eingenommen. Sie befahl den Dienstboten in herrischem Ton, fühlte sich wohl in der großzügigen älmgebung. Lil verlangte den Vater zu sehen, und man durfte ihr nicht widersprechen, um sie nicht von neuem zu sehr aufzuregen. Ganz allein betrat sie den Raum, in dem man ihn aufgebahrt. Sie wollte keine Begleitung.
inmitten des blauen Zimmers, das man so nannte, weil alle Möbelbezüge, die Teppiche und Wandbespannung in scharfem Blau gehalten waren, hatte man Eduard Körner aufgebahrt in kostbarem, filberbeschlagenem Sarg. Das traurige Lächeln schwebte noch um seinen Mund, das tieftraurige Lächeln, mit dem er in den Tod gegangen. Auf der wächsernen Stirn lag seltsam klare Ruhe, jene überirdische Ruhe, die man wohl noch nie auf eines lebenden Menschen Stirn gesehen. Kerzenschein spielte über das Totengesicht hin, mühte sich, ihm einen Hauch von warmem Leben zu geben. Aber es gelang nicht, das gelblich starre Gesicht behielt das Aussehen von Kälte und Fremdheit.
Lil blickte wie staunend auf den Toten, und ihr war es, als wehe ihr von ihm ein Strom eisiger Luft entgegen. Sie verkrampfte die Hände in den Falten ihres Kleides. Es war ihr Vater nicht, der da vor ihr lag, es war eine seelenlose Hülle, aus der längst alles geflohen war, was ihn zu einem so liebenswerten Menschen gemacht. Nichts las man mehr auf diesem Antlitz von feiner Vatergüte, die war mit seiner Seele fortgeflogen in die Ewigkeit, wo die unsterblichen Seelen wohnen.
Sie trat an das Fenster, sah flüchtig in den Garten hinab, über dem die Sonne lag und frühlingsfreudig ihre goldenen Strahlen über die noch kahlen Büsche und Beete des Vorgartens legte. So hell und licht war es draußen und so trübe und kalt hier in dem großen Zimmer. Lil durchschauerte es. Sie flüsterte leise, dabei zum Himmel emporschauend: „Vati, wo du auch jetzt bist in Wahrheit, schütze mich, wenn du es kannst, es. ist so schwer, ohne deine Liebe und Güte weiterzuleben." Sie blickte noch einmal scheu auf den Toten und schlich aus dem Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)
verlangt. Ebenso sei ein Zusammenarbeiten mit französischen Kommunisten geplant gewesen.
Zwei Morgen Getreidefeld verwüstet.
Ein niederträchtiger Racheakt ist an einem Landwirt aus Andernach am Rhein verübt worden. Ein in schönster Frucht stehendes, zwei Morgen großes Weizenfeld wurde vollst ä n d i g v e r w ü st e t. Die unreife Frucht liegt zerschnitten und zertreten am Boden. Man führt die gemeine Tat auf politische Motive zurück. Der Geschädigte hat für die Namhaftmachung der Täter eine hohe Belohnung ausgesetzt.
Bon kochendem Teer verbrüht.
Ein furchtbares Unglück ereignete sich in der Nähe von Algier und kostete drei Eingeborenen das Leben. Ein Traktor mit einem Teerwagen fuhr eine abschüssige Chaussee hinauf, als der Leerwagen infolge Kettenrisses sich loslöste und mit großer Geschwindigkeit die Straße hinunterraste. Der Wagen stürzte um, wobei drei Eingeborne' verbrüht wurden und unter den entsetzlichsten Qualen starben. Vier andere erlitten lebensgefährliche Brandwunden.
Sprengkörperexplosion in Bremen.
3m Bremer Stadtteil Gramke traf eine Polizeistreife auf einige Kommunisten. Sechs von diesen wurden fest genommen. Bei einem von ihnen wurde ein Sprengkörper vorgefunden. Der Sprengkörper explodierte plötzlich, wobei ein Polizeibeamter getötet wurde. Ein zweiter Beamter wurde am Bein verletzt.
Die Rotlandung der amerikanischen Weltflieger.
Nach den ersten Berichten über den Flugzeugunfall, der dem Weltflug der beiden amerikanischen Piloten ®riffin und Mattern ein vorläufiges Ende bereitete, sind die beiden amerikanischen Flieger 150 Kilometer südlich von der vorgesehenen Flugbahn abgewichen und haben die Stadt Borissow überflogen. Dabei löste sich ein Teil der Kabinenverschalung und zerschmet- tertedasSeitensteuer. Dadurch war eine Notlandung erforderlich. Das Flugzeug ging im Gleitflug über einen Wald und ver> uchte auf einem freiliegenden Gelände, das sich jedoch als Torfmoor erwies, niederzugehen. Die Maschine legte etwa 100 Meter über dem Moor zurück und geriet dann in einen tiefen Sumpf, wo sie sich überschlug. Arbeiter einer benachbarten Fabrik, die den Vorgang mit angesehen hatten, kamen sofort herbeigeeilt und organisierten die erste Hilfeleistung.
Verhängnisvolles Spiel mit der Waffe.
Der 16jährige Lehrling Paul Lehr, fein 12- lähriger Bruder Herbert und der 16-j^hrige Otto Wegener in Dortmund untersuchten gemeinsam einen Trommelrevolver. Plötzlich löste sich ein Schuß und Wegener brach schwer verletzt zusammen Paul Lehr, der sich die Waffe heimlich gekauft hatte, jagte sich in seiner Angst eine Kugel in die Schläfe.
Tödlicher Unglücksfall beim Motorradrennen auf dem Sachsenring.
Bei dem Motorradrennen auf dem Sachsenring im Grillenburgerwald, wo der dritte Laus zur deutschen Motorradmei st er schäft aus- getragen wurde, ereignete sich beim Rennen der Motorräder mit Seitenwagen ein tödlicher Tlnglücksfall. Der Beifahrer Siemens des Rennfahrers E l s m a n n wurde in der Kurve herausgeschleudert und zog sich so schwere Verletzungen zu, dah er an den Folgen starb.
6 Tote bei einem Autounglück in der Schwei;.
Ein mit sechs Personen besetzter, von einem Kaufmann aus Sitten (Kanton Wallis) gesteuerter Kraftwagen kam bei der Fahrt das Eifischtal hinauf vom Wege ab und stürzte die tiefe B ö - schung hinab. Fünf der Insassen wurden auf öer Stelle getötet, der sechste Insasse erlag kurz darauf seinen Verletzungen.
Werner streichelte noch immer daS bloßde Haar, dem der sanfte und doch erfrischende Duft der Akazien entströmte, den Lil allen anderen Wohlgerüchen vorzog. Er sprach, sich zu ihr niederbeugend: „Es gibt wohl kein Trostwort, das stark genug wäre, dich schnell zu trösten, Lil, aber nimm die Versicherung, in Mutter und mir hast du zwei Menschen, die es gut mit dir meinen^ und dich liebhaben. Die dir helfen und dich stützen wollen in deiner Not."
Die Baronin bekräftigte: „Ja, Kind, das wollen wir, vertraue uns."
Sie war aufgestanden und zog sich einen Stuhl an Lils Seite, nahm die Hände des jungen Mädchens, fuhr wie beruhigend darüber
Lil entzog ihr die Hände, es geschah gedankenlos, vielleicht nur aus dem Gefühl heraus, mit den Händen nach der Stirn greifen zu muffen, hinter der es hämmerte und bohrte. Aber Adele Sturm ärgerte sich darüber, daß ihr Lil die Hände entzog, doch schwieg sie. Erst wollte sie Gewißheit haben, wie es um die Vermögens- Verhältnisse des Toten bestellt war.
Lil fand noch immer nicht die Tränen, die sie wahrscheinlich ein klein wenig von der großen Last befreit hätten, die sie trug, seit sie den geliebten Vater so starr und wächsern vor sich ge- M>en. Sie sprach stockend und mit bebender Stimme, die Worte kamen aus ihrem Munde, als bereite ihr jede Silbe davon Schmerzen.
„3dj weiß nichts, gar nichts darüber, warum ^ti so von mir gegangen ist. Er hatte mich doch so lieb." Sie blickte mit verzweifelten Augen |u dem Manne auf. „Kannst du mir nicht er- klaren, Werner, weshalb Vati das getan hat?"
Er erwiderte weich: „Nein, Lil, das kann ich dir auch nicht erklären, aber nun mach dich fertig und komm mit zu uns, Mutter und ich wollen dich nicht allein lassen diese Nacht." — Sie schüttelte abwehrend den Kopf. — „Ich bleifce bei meinem Vater, das geht doch gar mdjt anders. Ich war ohnmächtig und da trug man mich von ihm fort, aber jetzt will ich wieder zu ihm. Ich will ihn die ganze Nacht befragen, warum er mir das angetan hat. Vielleicht begreife ich dann bis morgen früh, was ich jetzt nicht verstehe."
Es klang erschütternd. Werner trieb das Mit- leiö mit der armen Geliebten die Tränen in die Augen.
„Wenn du uns nicht begleiten willst, dann bleiben wir natürlich hier bei dir, allein lasse ich dich jetzt auf keinen Fall."
„3$ möchte aber allein mit dem Vater fein, möchte allein mit ihm reden", beharrte Lil und stand aus, ging zur Tür, als wäre sonst niemand im Zimmer.
Mutter und Sohn folgten ihr. Am Fuß der Treppe aber brach Lil zusammen, ihre scheinbare
kutta und Bagdad nach Deutschland zurückzukehren. Die Fliegerin Elli B e i n h o r n ist an Bord des Dampfers des Norddeutschen Lloyd, „Cape Norte", in Rio de Janeiro eingetroffen, wo ihr an der Landungsbrücke von der deutschen Kolonie ein herzlicher Empfang bereitet wurde. In Rio de Janeiro wird sie voraussichtlich dem „Cape Norte" mit einem Dornier-Wal- Flugzeug der dortigen deutschen Luftverkehrslinie, dem Con- dor-Shndikat, einer Tochtergesellschaft der Deut- schen Lufthansa, nach Bahia vorausfliegen, um t>ie dortige deutsche Kolonie aufzusuchen.
Schwere Zusammenstöße im belgischen Streif gebiet.
3n den letzten Tagen ist es im belgischen Streik- gebiet mehrfach zu schweren Zusammen- st o h e n zwischen der Gendarmerie und den Streikenden gekommen. In Mons, Charleroi, La Louviere und anderen Orten mußte die Polizei mehrfach mit blanker Waffe gegen die Streikenden vorgehen. Bei den Zusammenstößen wurden fünf Gendarmen und neun Streikende zum Teil schwer verletzt. In Marchienne au Pont drangen Streikende gegen die Villa des Direktors einer Bergwerksgesellschaft vor unö setzten sie i n B r a n d. Die Gendarmerie konnte erst nach vieler Mühe die Ordnung wiederherstellen und die Ansammluna von etwa 6000 Streikenden auseinandertreiben. Auch hierbei gab es mehrere Verletzte. Zwölf Streikenden konnten v e r h a f - tet werden. Die Streikführer machen alle Anstrengungen, um die Bewegung auch nach Brüssel zu tragen, wo die Kommunisten mehrere Versammlungen unter freiem Himmel abhalten wollten, die jedoch von der Polizei auseinandergetrieben wurden. Die Regierung ist der Ansicht, daß die Streikbewe- guna einen revolutionären Charakter trägt. Die Gendarmerie im Unruhebezirk ist weiter verstärkt worden. Die Provinz Hennegau macht den Eindruck eines Landes unter Belagerungszustand. Die Staatsanwaltschaft hat gegen 13 kommunistische Streikagitatoren ein Verfahren wegen Aus - hetzung zum Bürgerkrieg eingeleitet. Die Betreffenden sind verhaftet worden. Zahlreiche wichtige Dokumente konnten beschlagnahmt werden, darunter eine umfangreiche Korrespondenz mit Moskau. Aus dem Material soll sich ergeben haben, daß es sich bei dem Streik um eine wohlvorbereitete Ak- tion handelt, bei der auch die kommunistischen Parteien anderer Länder mitherangezogen werden sollten: so habe die kommunistische Parteileitung in Brüssel von den Kommunisten Hollands die Ent- sendung von Gesinnungsgenossen zur Unterstützung
lich durch den Prozeßbevollmächtigten beim Gericht verwendete Redewendung, die Adolf Hitler niemals gebraucht hat.
Gevenngs Gruß an den „Vorwärts".
Die Dcuischnationalcn fordern Rcichökommiffar für Preußen. Berlin, 10. Juli. (TU.) Unter der Heber- fchrift „Her mit dem Reichskommissar für Preußen!" beschäftigt sich der „Tag" mit dem Glückwunsch. den der geschäftsführende preußische Innenminister Severing dem „Vorwärts" bei seinem Wiedererscheinen nach fünftägigem Verbot hat zugehen lassen. In dem Glückwunsch Se- verings hieß es u. a.: „Ich stand über zehn Jahre in Amtsstellen des Reiches und Preußens und halte mich darum für befugt dem „Vorwärts" zu bescheinigen, daß er die Arbeiten der Regierungen des Reiches und Preußens stets nach besten Kräften gefördert hat. Wenn ein Matt dieser Art zum Feiern verurteilt ist — „verurteilt" in des Wortes verwegenster Bedeutung — dann ist das nicht nur eine Unbequemlichkeit der Leser, sondern auch ein Verlust für den Staat. Darum gerade beglückwünsche ich den „Vorwärts" zur wiedergewonnenen Freiheit, die ich mit ihm beharrlich verteidigen werde, well ich der Meinung bin, daß die Ausübung sachlicher, dem Staatswohl dienender Kritik nicht unterbunden werden darf, wenn anders Staat und Volk nicht den größten Schaden erleiden sollen." Zum Schluß seines Glückwunsches erklärte Severing, dah weder Drohungen radikaler Parteien noch Verbote von Parteizeitungen die kampfentschlossene organisierte deutsche Arbeiterschaft schrecken könnten.
In seiner Stellungnahme dazu erklärt der „Tag" u. a.: „Der Gruß des preußischen Innenministers an die Zeitung „Vorwärts", die über den Instanzenweg seiner eigenen'Behörde verboten wurde, stellt einen Verstoß gegen den primitiven Grundsatz jeder Staatsführung von Autorität und Autoritätsgefühl dar, der einfach unfaßbar ist. Die Reichsregierung wird verstehen, daß durch diesen hier gekennzeichneten Vorgang nicht nur ihre eigene Autorität, sondern das staatliche Autoritätsprinzip überhaupt ins Mark getroffen wurde." Das Blatt knüpft daran die Annahme, dah der Reichspräsident die Reichsregierung veranlassen wird, durch Einsetzung eines Reichs- kommissats in Preußen Zuständen ein Ende au bereiten, welche die Anwendung des Artikels^ der Reichsverfassung zu ihrer Behebung kategorisch fordern. Don dem zurückkehrenden Kanzler erwartet der „Tag", dah er unverzüglich jene Aktivität einsetzt, die bisher an dem Reichsinnenminister von Gahl nicht anzuerkennen gewesen fei.
Oie Kandidatenliste der Deutschen Volkspartei für Hessen Aassau.
WSN. Frankfurt a. M., 9. Juli. In einer Wahlkreisvorstandssitzung der Deutschen Volkspartei wurde die Kandidatenliste im 19. Reichstagswahl, kreis Hessen-Nassau festgesetzt. An der Spitze steht . wiederum der bisherige oolkparteiliche Vertreter im Reichstag Chemiker Dr. Wilhelm F. Kalle (Frankfurt a. M.) Die Lifte enthält weiter die folgenden fünf Namen: Oberstudiendirektor Dr. Franz Becker (Kassel), Frau Stadtverordnete Marie R o e t h e r (Wiesbaden), Landwirt Friedrich Dinges X. (Bad Soden), Glasermeister Ludwig Schmidt (Kassel) und Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Lohmann (Weil- bürg).
Verbot nationalsozialistischer Tages- zeitnngen in Hessen-Nassau.
Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat die in Frankfurt erscheinende nationalsozia- listische Tageszeitung „FrankfurterVolks- blatt" sowie die in Wiesbaden erscheinende
ebenfalls nationalsozialistische Tageszeitung „Wiesbadener Volksblatt", die im 3ahre 1932 bereits dreimal verboten worden waren und am 29. Juni d. I. wegen Beschimpfung der Polizei verwarnt wurden, wegen erneuter schwerer Beschimpfung der Polizei nunmehr auf die Dauer von zehn bzw. sechs Tagen verboten.
Die Koalitionsgespräche in Hessen.
WSN. Darmstadt, 9. Juli. Von führender Zentrums feite wird Wert auf die Feststellung gelegt, dah es entgegen den von verschiedenen Seiten aufgestellten Behauptungen weder zutreffend ist, dah wochenlange Verhandlung e n zur Regierungsbildung in Hessen geführt wurden, noch daß Prälat K a a s, der zur Zeit schwer erkrankt ist, in Darmstadt war.
Aus aller Well.
polizelaulo raff in einen Strahenbahuzug.
6 Schwerverletzte.
Im Südosten Berlins ereignete sich ein schwerer Der kehr sunf all, bei dem eine Anzahl von Personen zum Teil sehr schwer verletzt wurden, darunter auch Kinder, die aus Treptow von einem Ferienaufenthalt zurückkehrten. Ein großer Ueberfalltoagen der Polizei, der von der Lustgartenkundgebung der Nationalsozialisten zurückkehrte, raste in voller Fahrt auf einen S t r a h e n b a hnz u g der Linie 3, der aus Treptow kam, auf. Der Zusammenstoß war so stark, daß der Ueberfallwagen stark beschädigt und ein Straßenbahnwagen in der Mitte durchgeknickt und aus den Schienen gehoben wurde. Mehrere Löschaüge der Feuerwehr waren beschäftigt, die beschädigten Fahrzeuge aus dem Wege zu räumen. Wie verlautet, sollen sechs Personen schw-r und zehn Personen leicht verletzt sein. Heber die Schuldfrage ist bisher noch nichts bekannt.
Marga o. Etzdorf und Elli Beinhorn' auf der Heimreise.
Die bekannte deutsche Sportfliegerin Marga von Etzdorf, die im April d. I. in Bangkok mit ihrem Flugzeug abgestürzt war, verlieh mit dem Flugzeug der Holländischen Luftverkehrslinie, die den regelmäßigen Dienst Amsterdam-Niederlän- disch-Indien versieht, Bangkok, um über Kal- erloschen, die eigene Person schien ihr bereite wichtiger.
Werner seufzte heimlich.
„Mutter, das ist doch alles Nebensache. Wir brauchen zunächst an gar nichts weiter denken als an Lil. Sie war mit ihrem Dater wie verwachsen. Wir müssen ihr beistehen, sie trösten. Sie darf die Nacht nichfhier im Hause bleiben. Wir haben ja daheim Platz genug.“
Er erhielt nicht gleich Antwort. Die Baronin überlegte. Dielleicht irrte sie sich doch, wenn sie als Grund zu dem Freitod ihres Stiefbruders Geldverluste annahm. Dielleicht waren seine Nerven überreizt? Dielleicht hatte er an einer Krankheit gelitten, die ihm zugeseht und die er forg- ältig zu verbergen gewußt? Vielleicht gab es onft noch einen Grund, der ihm die Waffe gegen td) selbst in die Hand gezwungen? Wenn er Lll ein reiches Erbe hin ter lieh, war es klug, sich jetzt mit ihr gut zu stehen. Sie war jetzt hilflos, würde sich anschmiegen, man konnte jetzt leicht die Herrschaft über sie gewinnen.
Adele Sturm dachte noch weiter. Wenn Lil dann Werner heiratete, konnten die beiden hier in dem großen Hause zusammen wohnen und sie würde zu ihnen ziehen, in diesem Palast mitregieren. Lil besah keine besonderen Hausfrauentalente, sie selbst würde dann die Leiterin des grohen Haushaltes sein.
Sie lächelte ein wenig.
„Natürlich, Werner, muh ich mich Lils anneh. men, die Aermste tut mir in tiefster Seele leid."
Die Tür öffnete sich und Lil trat ein. Sie ging nicht, sie wankte ins Zimmer. Werner schritt ihr entgegen, umfaßte sie fest mit beiden Armen.
„Mein armes Mädelchen, mein liebes, armes Mädelchen, wir sind gekommen, um dir beizu- stehen."
Er strich liebkosend über ihr weiches Coden- haar, führte sie zu einem Armstuhl, der neben einem kleinen Tisch stand.
Lil sah geisterhaft bleich aus in dem schwarzen Äleiö, öcte sie vorhin angezogen, nachdem sie den bunten Kittel des Nasenzwerges abgeworfen. auf 2 blickte mit tränenlosen Augen zu Werner „Ich finde mich ja nicht zurecht", klagte sie mit verzweifeltem Ausdruck in der Stimme. „Warum hat denn Vati das nur getan? Cs ist ja unglaublich, unfaßbar. Wir haben noch keine Not und Sorgen gehabt, und er war doch eigentlich immer guter Laune."
Sie wußte nicht, wie schwer ihrem atmen Batet in letzter Zeit die gute Laune geworden, die er zur Schau tragen muhte, damit niemand mihtrauisch wurde gegen die allgemein geachtete Dank „Körner & Sohn" und gegen seinen Inhaber.


