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Handball im Gau Hessen (O T.)

Lang-DöuS 1. Grotzen-Linden 1. 4:6 (2:5).

Beide Mannschaften standen sich am Sonntag tn einem Freundschaftsspiel in Lang-Göns ge­genüber und lieferten sich einen schnellen und spannenden Kampf. Was die Gäste an technischem Können voraus hatten, glichen die Gastgeber durch groben Eifer aus, und so war das Feld­spiel jederzeit offen. Lediglich die größere Durch­schlagskraft und Spielerfahrung des Gästesturmes entschied das Spiel. Der Hüter der Platzbesitzer, der die bestplacierten Bälle meisterte, beein­flußte das Ergebnis nicht unwesentlich. Die Schüler-Elf des Tv. Lang-Göns weilte beim T.- xl Spv. in Butzbach und konnte ihr Können durch ein ehrenvolles Unentschieden von 2:2 unter Beweis stellen.

Handball im Labn Dünsbera Gau.

Beuern 1.Erba 1. 2:1 (1:0).

Sofort mit Spielbeginn entwickelte sich ein flotter Kampf, in dem sich der Gastgeber immer als der etwas bessere Gegner erwies und auch zur Pause mit 1:0 führte. Bach dem Wechsel ge­staltete sich das Spiel etwas ausgeglichener, Beu­ern erzielte einen zweiten Erfolg, während die Gäste mit dem Schlußpfiff ein Tor aufholten. Beuern gewann verdient.

Londorf 2. Kefse'bach Jugend 2:6 (0:4).

Die (Zugendmannschaft von Kesselbach empfing am Sonntag die 2. Elf des Tv. Londorf zu einem Gesellschaftsrückspiel. Man'sah einen flot­ten Kampf, den die Jugendlichen bei ständiger leichter Überlegenheit schon bis zur Pause mit 0:4 für sich entschieden. Während der zweiten

Halbzeit gestaltete sich das Spiel ausgeglichener und beide Mannschaften kamen noch zu je zwei Erfolgen.

To. Londorf I Tv. Albach 7:3 (2:2).

Die erste Mannschaft des Tv. Albach, die als Dezirksmeister um den Ausstieg in die Gauklasse spielt, war am Sonntag in Londorf zu Gast. Al­bach ging durch gutes Kombinationsspiel bald mit 1:0 in Führung und erhöht kurz daraus auf 2:0. Londorf helfe nun ein Tor auf und kann bis Halb­zeit durch Strafstoß den Gleichstand 2:2 erzielen. Bach der Pause brachte ein Strafstoß Londorf 3:2 abermals in Führung. Albach zog wieder gleich. Die Platzmannschaft drängt dann aber immer mehr und konnte durch gutes Zusammenspiel und zwei Strafstößen mit 7:3 als Sieger den Platz verlassen.

Um die Gaume sterfchaft.

Allendorf Lrndorf.

Der bevorstehende Sonntag steht im Lahn- Dünsberg-Gau im Zeichen des Entscheidungs­spieles Allendorf Londorf um die Gaumeister­schaft. Das Spiel gelangt in Gießen, auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900, zum Aus- trag. Dor diesem Kampfe treffen sich Wieseck 1. und Hausen 1. Für die übrigen Mannschaften des Gaues herrscht Spielverbot. Der Ausgang des Kampfes um die Gaumeisterschaft ist durchaus offen, denn beide Mannschaften sind sich in ihren Leistungen durchaus gleichwertig. Die letzten bei­den Treffen zwischen den beiden Meisterschafts­kandidaten endeten mit einem Unentschieden und einem 3:0°Sieg für Allendorf. Es sollte unter den gegebenen Verhältnissen ein spannender Kampf zu erwarten sein, dessen Entscheidung erst mit dem Schlußpfiff fällt.

Wirtschaft.

Oiskonisenkung der Bank von England

London, 10.März. (WTB.) Die Bank von England hat ihren Diskontsatz von 5 Prozent, der seit Februar 1932 in Kraft war, auf vier Prozent ermäßigt.

Sronffurf sehr still.

Franks urt a. M., 11. März. (WTB. Draht­meldung.) Der heutige Börsenfreiverkehr eröff­nete in sehr stiller Haltung, und kurs- mäßig war er nur wenig verändert. Bei der Spekulation herrschte starke Zurückhaltung, weil niemand vor der Präsidentenwahl noch Engage­ments eingehen möchte. Da auch aus Kreisen der Kundschaft keine Beteiligung am Börsengeschäft zu beobachten war, hielt sich die Umsatztätigkeit in sehr engen Grenzen. Die Kursbildung war nicht ganz einheitlich, doch im großen und ganzen ge­genüber gestern abend ziemlich behauptet. Ledig­lich I.-G.-Farben bröckelten zunächst weiter um Bruchteile eines Prozentes ab, um aber im Ver­laufe wieder auf das Abendniveau zu gehen. Am Clektromarkt lagen die Werte meist unverändert, teilweise «um 0,50 bis 1 Prozent höher. Von Bankaktien gingen Commerz, Danat und Dres­dener Bank eher leicht zurück, wogegen Reichs­bankanteile auf unveränderter Basis einsehten und später zirka 0,50 bis 2 Prozent gewannen. Gut behauptet lagen ferner Scheideanstalt, Schiffahrts­werte, Dauunternehmungspapiere und Zellstoff­aktien. Schwächer lagen nach der gestrigen Be­festigung Kunstseideaktien. Aku und Bemberg ga­ben je 1 Prozent nach. Am Kalimarkt zogen Salz­detfurth etwa 2 Prozent ;unb Westeregeln 1,50 Prozent an, hingegen blieben Aschersleben unver­ändert. Einiges Spezialinteresse entwickelte sich heute am Montanmarkt für Gelsenkirchen. Bach gut behaupteter Eröffnung zogen sie im Verlaufe bei ermäßigtem Geschäft etwa 1 bis 2,50 Prozent

an. Die übrigen Montanwerte blieben gut be­hauptet.

Am Renten markt lagen die Werte der Hypothekenbanken weiter im Angebot und etwas niedriger. Liquidationspfandbriefe. Altbesitzan­leihe, Reichsschuldbuchforderungen und sonstige staatliche Werte lagen gut behauptet. Das Ge­schäft hielt sich auch hier in engsten Grenzen. Aus­landsrenten lagen nahezu geschästslos.

Im Verlause schrumpfte das Geschäft auf ein Minimum zusammen und die we­nigen Kurse, die man hörte, blieben unverändert. Schwach lagen dagegen auch heute am Markt der Auslandsaktien Svenska, die zirka 5 Mk. cin- büßten.

Am Geldmarkt zog Lagesgeld im Zusam­menhang mit den Mediovorbereitungen und dem Lohnzahlungstage auf 6,50 Prozent an.

Berlin schwächer.

Berlin, 11. März. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Börse setzte erwartungsgemäß in s ch w ä - cherer Haltung ein, die Kursrückgänge gin­gen aber nur in Ausnahmefällen über 1 Prozent hinaus. Es fehlte völlig an Anregungen, auch die gestrige Beuhorker Börse konnte keine Rich­tung angeben. So ging heute die Verstimmung hauptsächlich vom Farbenmarkte aus, wobei man Abgaben an diesem Markte mit ungünstigeren Dividendenschätzungen (man spricht im allgemeinen nur noch von 6 Prozent) in Zusammenhang brachte, doch dürfte die Entscheidung hierüber erst in der am 16. April stattfindenden Auf- fichtsratssihung fallen. Auch eine Abschwächung der Reichsbankanteile wurde auf die Unsicherheit hinsichtlich der Dividende zurückgeführt. Am Bankenmarkt war das Geschäft sehr still, die Kurse neigten aber, ebenso wie bei den Schiff­fahrtswerten, zur Schwäche. Auch Aku und Obern­berg toareij etwas stärker gedrückt. Julius Ber­

ger verloren 2 Prozent, Chadeaktien waren, vielleicht im Zusammenhang mit der Beuemission in der Schweiz, etwa 4 Mark niedriger. Ber­liner Licht & Kraft büßten etwa 1,5 Prozent ein. Das Geschäft war im allgemeinen vor der Wahl äußerst gering, zum anderen war der Druck der Exekutionsware der Handelsbank immer noch vor­handen, denn die Glattstellung dieser Engage­ments gilt ja für die abgesagten Versteigerun­gen nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Eine gewisse Stühe boten anderseits einige Deckungskäufe der Kulisse.

Am R e n t e n m a r k t konnte sich ebenfalls sehr langsam Geschäft entwickeln. Es überwog auch hier das Angebot, so daß die Kurse erneut etwa 0,5 Prozent nachgaben. Reichsschuldbuch­forderungen waren heute schwächer und wurden etwa 0,5 Prozent unter gestern gehandelt. Reichs­bahnvorzugsaktien, Farbenbonds und Jndustrie- obligationen büßten etwa 0,25 Prozent ein, Deutsche Anleihen lagen dagegen behauptet.

Im Verlause änderte sich an der Geschäfts­losigkeit nichts, doch wurde die Tendenz vorüber­gehend etwas freundlicher, da sich am Montan­markt und speziell in Gelsenkirchen, die etwa 2 Prozent gewannen, eine Sonderbewegung, an­geblich auf rheinische Käufe, entwickelte. Farben und Reichsbank änderten sich aber wenig. Die Auslandwerte, speziell Chade und Svenska, neig­ten weiter zur Schwäche.

Banknoten.

Devisenmarkt Berlin 3

franlfurt a M.

10.Mürz

11.März

Amtliche Notierung «fielt | Zric

Amtliche Notierung

Geld | Zrie

£>elfingfotl .

7.043

7,057

6.993

7,007

Wien :

49.95

50.05

49,95

50,05

Prag

12.465

12.485

12,465

12,485

Budapest

56.94

57,06

56,94

57,06

Sofia

3.057

3.063

3,057

3,063

Holland

169.43

169.77

169,53

169,87

Oslo

»4.42

84,58

83,12

83,28

Kopenhagen.

85,56

85,74

84,27

84,43

Stockholm

85.61

85,79

84,32

84,48

London

15,52

15,56

15,29

15,33

Buenos Aire

1,073

1,077

1,073

1,077

Neunort

4.209

4,217

4,209

4.217

B rüffel.

58.49

58,61

58,59

58,71

Italien. .

21.81

81,85

21,81

21,85

Paris

16,54

16,58

16,55

16,59

Schweiz

81,42

81.58

81,67

81,83

Spanien

32,37

32,43

32,37

32,43

Danzig

82,02

82,18

82,02

82.18

Japan

1,319

1,321

1,349

1,351

Rio de Jan.

0,252

0,254

0,249

0,251

gugoflamtea

7.413

7,427

7,413

7,427

ÜtiiaboB

14,14

14.16

13,89

13,91

Reichsbankdiskont 6 proz. Lombardsah 7 Proz.

Berlin, 10.März

Geld

Äriet

Amertlanische Noten.......

4.20

4,22

Belgische Noten.........

58,33

58,57

Dänifche Noten.........

85.38

85,72

Englische Noten........

15,48

15,54

Französische Noten........

16,50

16,56

Holländische Noten........

169.06

169,74

Italienische Noten........

22,11

22,19

Norwegische Noten........

84,23

84,57

Deutfch-Oesterreich, * 100 Schilling

Rumänische Noten........

2,49

2,51

Schwedische Noten........

85,43

85,77

Schweizer Noten.........

81,24

81,56

Spanische Noten..... , .

32,34

32,46

Ungarische Noten ...

Kirche und (Schule.

Kirchenvorstehertagung tu Nreder-Ohmen.

§ Bieder-Ohmen, 9. März. Die Ver­einigung derDorfkirchenfreunde hielt hier am Montag eine Kirchenvorsteher- Tagung ab, die sehr stark besucht war. Eine große Gemeinde versammelte sich vormittags im Gotteshaus. Der Gottesdienst wurde durch Chöre des hiesigen Posaunenchors, sowie des Männer­chors unter Leitung des Merlauer Lehrer und der hiesigen Schulkinder unter Leitung von Lehrer Häuser eröffnet. Die Predigt hielt sodann Oberkirchenrat D. Wagner, Gießen, lieber Mittag waren die auswärtigen Teilnehmer bei den hiesigen Familien zu Gast. In der Ver­

sammlung am Bachmittag begrüßten Pfarrer Georgi, Ermenrod, als Leiter der Dorfkirchen­vereinigung und Bürgermeister Keil namens der Gemeinde Bieder-Ohmen die Versammlxmg. Bach dem Gebet (Dekan Schmidt) hielt Pro­fessor Lic. Gerstenmeie r, Friedberg, einen Vortrag über:Das Dorf und die Bibel". 3n packenden Ausführungen verstand er es, das Interesse der Hörer für die Bibel mit ihrem reichen, unerschöpflichen Inhalt zu beleben und praktische Hinweise Gebrauch von Dilder- bibeln, Besuch der Bibelstunden zu geben. Der Vortrag löste eine lebhafte Aussprache aus, an der sich u. a. Oberkirchenrat D. Wagner, Bürgermeister Völzing, Ruppertenrod, die Pfarrer A l t, Bieder-Ohmen, und Georgi, Ermenrod: Lehrer Keller, Lumda, und Pre­diger Peters, Flenfungechof, beteiligten. Mit einem Schlußwort des Referenten, mit Gesang und Gebet sand die Tagung ihr Ende.

Hochschulnachrichien.

preisaufgaben der Universität Gieren für das Jahr 1932/33.

Von der Landesuniversätät wird uns mit- geteilt:

Für das Jahr 1932/33 werdtzv folgende Preisaufgaben gestellt: "**

Von der Theologischen Fakultät: Läßt sich die Einheit des Ezechiel-Buches fest­halten?

Von der Juristischen Fakultät: Ent­wicklung des Grundgedankens und systematische Stellung der verschiedenen Arten der Geheimnis­verletzung im deutschen Strafrecht feit 1800.

Von der Medizinischen Fakultät: Das Wesen des vesico-renalen Refluxes.

Von der Veterinärmedizinische n Fakultät: Kritische Beurteilung des Wesens derDemodicosis canis an Hand literarischen Studiums.

Von der Philosophischen Fatultätr 1. Aus dem Gebiet der Romanischen Philologie: Paul Dourgets Stellung in der Geschichte des französischen Romans. 2. Aus dem Gebiet Oec Deutschen Philologie: Das Kinderspiel in Hessen. 3. Aus dem Gebiet der Botanik: Deue Beiträge zur Physiologie der Pflanzenzelle. 4. Aus dem Gebiet der Zoologie: Es sollen die Strukturen klargestellt werden, welche die Metallfarben bei Käfern erzeugen. 5. Aus dem Gebiet der Geo­graphie: Welche Verschiebungen erleidet die Grenze zwischen den überwiegenden Sommer- Niederschlägen und überwiegenden Winternieder­schlägen in den einzelnen Jahren in Deutschland und welche Ursachen können dafür geltend gemacht werden?

Wer sich um einen Preis bewirbt, muß min­destens in einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der Univer­sität Gießen immatrikuliert gewesen sein.

Jede Dewerbungsschrist darf nur einen Ver­fasser haben. Die Bewerbungsschrift ist in der Sprache abzufassen, in der die Aufgabe gestellt ist. Auf dem Titel ist ein Kennwort anzubringen. Die Bewerbungsschrift ist vor dem 1. April 1933 einzusenden unter Beifügung eines ver­schlossenen, mit dem Kennwort der Arbeit ver­sehenen Briefumschlags, der die Aufgabe des Verfassers und feine Adresse enthält. Die Sen­dung ist an die Fakultät zu richten.

Beim Jahresfest der Universität am 1. Juli 1933 verliest der Rektor die Urteile und verkün­digt die Barnen der preisgekrönten Bewerber.

Briefkasten der Redaktion.

Baafs Weinstube. Der kleine KreuzerKöln" (Admiral Maas und Kpt. z. S. M e i d i n g e r) ging bei einem Vorpostengefecht in den Morgen­stunden des 28. August 1914 bei Helgoland unter.

UMMMMIMM

Roman von 3 Gchnetder-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.

Nachdruck verboten.

Die ganze Bacht hatte der Brachvogel ge­schrien:Tlaüib! Tlaüid!" Das hatte endlich seine Frau Liebste geweckt, denn er hielt plötzlich Zwiesprache mit jemand:Twii! Twii!" Um schließlich mit einem lauten: Kräh! Kräh!" dem Ausdruck höchster Angst, zu verstummen.

Suse von Recklinhausen setzte sich im Bett auf und horchte, wie draußen der Regen über das Blattwerk des wilden Weines rann, der bis herauf zum Giebel kletterte. Fahlgrau stand erstes Morgendämmer vor dem großen Fenster, das nach Osten ging. Trostlos eintönig schlugen die Tropfen auf das Weiße Dlechsims und fielen unten auf den gelben Kies, der das Helle Grün des Rasens durchfurchte.

Suses Augen suchten nach dem Bett hinüber, das im Dunkel der Cckwand noch tief im Schatten lag. Heber das Weiße Kissen riefelte lichtbraunes Haar, das den nackten Arm, der über die Decke hing, zur Hälfte verbarg.

Sie liegt unbequem, dachte Suse, setzte die Füße zu Boden und machte die wenigen Schritte zu der Schwester hinüber, um deren Hand sorglich auf die Decke zu heben.

Im Begriffe, wiederum in das eigene warme Best zurückzuschlüpfen, hörte sie unten auf dem Kies einen Schritt und dann eine Stimme, die jemanden für einGuten Morgen" dankte. Eine dünkte Welle schoß ihr ins Gesicht. Mit einem raschen Blick nach der Schlafenden hinüber über­zeugte sie sich, daß sie unbeobachtet war. Sie schob die Gardinen auseinander und spähte, über das Sims geneigt, in den Garten hinab.

Aus dem Gerank des wilden Weines fielen die Tropfen auf ihr wirres Blondhaar und suchten den Weg durch das Spitzengeriesel am Hals­ausschnitt des weißen Rachthemdes, das die blühenden Mädchenformen verhüllte.

Der Mann, dessen blitzende Sense eben durch das nässeschwere Gras glitt, hielt plötzlich im Schwünge inne, bückte sich, hob etwas Kleines, unscheinbar Graues zu sich empor, hielt es dicht an die Wangen und verströmte den Hauch seines Mundes darauf.

Suse hörte ein ängstliches Pipsen, sah den Mann nach einer Hecke gehen und den fluglahmen Vogel sorglich auf den Boden sehen.Dieter", koste ihr roter Wund.Dieter!" Sie drückte Mittel- und Zeigefinger an die Lippen und machte dann eine Bewegung nach der Richtung hin, wo die Sense nun wieder durch daS Gras schnitt.

Suse! Was machst du denn?"

Der blonde Kopf fuhr zurück und lag eine Sekunde später an dem dunklen der Schwester geschmiegt.Es ist so heiß herinnen. Findest du nicht auch, Lenore?"

Gar nicht, Kleines", kam es lächelnd zurück. Aber ich kann mir das schon denken. Mit sieb­zehn Jahren verbrennt man noch, selbst bei sibirischem Schneegestöber. Später wird es dann schon anders! Später, Suse!"

Der rote Mund lachte den etwas bleichen der Schwester an.Wie du sprichst! Und bist erst zweiundzwanzig."

Schon!" wehrte die Aeltere.Die beiden letzten Jahre zählen doppelt."

Ich würde ihn hassen! Hassen, so lange ich lebte, sprudelte Suse heraus.Tu's doch, Le­nore! Schlag ihm ins Gesicht, wenn du ihm wie­der begegnest." Sie verstummte vor dem traurig mahnenden Blick der Schwester und barg den Kopf an deren Hals.

Du erkältest dich!" warnte die Aeltere und duldete es, daß die zierliche Gestalt sich unter ihre Decke schmiegte und den schlanken Korpeö eng an sie preßte.

Sag mir doch, Lenore! Sag mir's doch, ob man wirklich jemanden so über alle Maßen lieben kann, daß man selbst so etwas Fürchterliches ver­zieht, wie du erfahren hast." Als keine Antwort kam, überströmte sie das Gesicht der Schwester mit Küssen.Verzeih, daß ich das gefragt habe! Verzeih mir doch!" Sie schob ihren Arm unter den Rücken Lenores und lag ganz still, bis sie merkte, daß die Brust, an welcher sie ruhte, wieder ruhiger zu atmen vermochte. Suse begann jetzt von etwas völlig anderem zu sprechen, be­kam ein knappes Ja ober Bein erwidert und schlief zuletzt an der Schulter der Schwester noch­mals ein.

Lenores Augen starrten nach der weißen Decke und überflogen das Rosenmuster der Tapete, das unter der erwachenden Helle des Tages langsam aufzublühen begann. Lchnte Suse, wie schlecht vernarbt die Wunde war, die ihr Axel Swensen geschlagen hatte? Sie wollte und wollte vergessen und fühlte doch, daß sie das nimmer zuwege bringen würde, daß etwas zurückblieb, das ihre Jugend verdunkelte und in das Schweigen der Rächte mit tausend Glocken der Erinnerung läutete.

Sie sah auf die Schwester herab, deren Blond­haar über den Schultern lag. Ein Zug von Eigen­wille stand um die feine Linie des roten Mundes eingekerbt. Ueberlang ruhten die seidenen Wim­pern der Lider auf dem weichen Ansatz der schmalgerundeten Wangen. Wenn Suse eines Tages das erfahren und durchleiden mußte, was sie hatte durchkosten müssen?

Sie würde zugrunde gehen daran, dachte sie und legte schützend den Arm um den schlanken

Körper, als könnte ihre Liebe sie vor dem Schrecklichen bewahren.

Der Regen schien nachgelassen zu haben, denn man vernahm jetzt ganz deutlich das Zischen der Sense vom Garten herauf. Durch die Stille des Hauses tickte das laute Pendel einer Uhr und dann sieben helle, muntere Schläge, die rasch aufeinander folgten.

Vorsichtig, um die Schlafende nicht zu wecken, verließ Lenore ihr Bett und begann sich anzu- kleiden. Geräuschlos drückte sie nach einer Viertel­stunde die Türe hinter sich zu.

Als sie mit leichtem Schritt die Treppe hinab­stieg, brach für Sekunden die Sonne durch das Wolkengrau und huschte neben ihr her über bte Stufen.

Guten Morgen, Kind!" Zwei Hände legten sich um die blassen Mädchenwangen und ein Mund drückte sich auf den jungen, zuckenden, der sich willig dem der Mutter bot.Hast du Suse nicht mitgebracht?"

Sie schläft noch so gut, Mama! Ist Bach- richt von Margret eingetroffen?"

Ja!" Ein Lächeln machte den Mund von Frau Recklinhausen jung.Sie hat ihren Doktor mit Erfolg bestanden. Wie komisch Bora, daß ich jetzt eine Tochter habe, die einDoktor" ist."

Und zwei andere, die Drohnen sind, Mama!"

Wie kannst du das sagen, Kind? Habt ihr denn solche Eile, von mir wegzukommen?" Sie war in das Eßzimmer getreten, wo der runde Tisch einen Strauß weißer Rosen trug und die Goldränder der Tassen in der scheuen Morgen­sonne aufflimmerten.Sag mir, was ich tun soll, Kind, daß du das Lachen wieder lernst und vergißt, was dir Böses geschah? Es gibt so viele Männer, Bora! Man soll nicht ein ganzes Geschlecht verdammen, weil einer davon sich als treulos erwies."

Ich verdamme ja nicht, Mama!"

Bein! Weiß Gott, Kind! Du liebst noch immer, sagte Frau von Recklinhausen leise.

Dann verstummte das Gespräch. Das Mädchen kam. das Frühstück zu servieren.

*

Die Gäule dampften, als die offene Kutsche vor dem kleinen Stationsgebäude hielt, auf dessen Bahnsteig soeben der Schnepzug eingelaufen war. Suse Recklinhausen machte einen Satz über das Trittbrett und verschwand hinter Der gelbge­strichenen Tür, die zum Bahnsteig führte, kam nach zwei Minuten wieder herausgestürzt und stand atemlos vor dem alten Kutscher, der die Zügel um die Hand gewickelt hatte.

Ach, Dettermann, kommen Sie doch ein Mo- mentchen mit. Meine Schwester hat soviel Ge­rümpel bei sich, daß ich es allein gar nicht schaffen kann. 'Ben Koffer und nochmal 'nen Koffer und noch mal einen. Sie können nicht? Die Biester woll'n nicht stehn? Ach wo doch. Dettermannchen! Die stehen schon!

Sei brav, Hutzeichen!" Sie streichelte einem der Schimmel den Hals.Wenn du keine Sachen machst, ist auch die Fledermaus vernünftig. Sie liebkoste jetzt das andere Pferd, dessen Ohren fortwährend auf und niederklappten, lachte plötz­lich hell auf und machte ein paar Schritte nach dem Mann hin, der eben durch die gelbgestrichene Tür nach dem Güterschalter wollte.Würden Sie mir einen Gefallen erweisen, Herr Malnow?"

Sie brauchen nur zu befehlen, gnädiges Fräu­lein!"

Dann machen Sie doch ein bißchen Packesel für mein Fräulein Doktor Schwester! Ja?"

Ein flüchtiges Lächeln zuckte über das bartlose Gesicht.Wo ist das Fräulein Doktor?"

Vome im Wartesaal. Aber heben Sie sich keinen Bruch, Malnow. Ich glaube, sie hat Qua­dersteine in ihren Koffern."

Cs werden Bücher fein, gab er amüsiert zurück.

Wie hübsch er ist, wenn er lacht! Schade, daß er's so selten tut, erwog Suse, während sie neben ihm herging und der Schwester, die ungeduldig zwischen ihren Koffern stand, schon von weiten: zurief:Also, der Herr Dieter macht dir den Kofferträger, Margret. Zwei Mark pro Drück. Oder tun Sie's biltif^, Malnow?"

Eine helle Flamme ~ in das sonnverbrannte Gesicht und uere^' B q, . er. Er wollte sich der ältesten der Reckt 3 /<)en Töchter vorstellen

und unterließ e8 £2.* s/öozu auch? Man tt>- Knecht auf dem Gute.^ s'nst nichts! Daß man Verwalter titulierte," war lediglich ein Zu­geständnis, das man seiner Bildung zollte, durch die er sich von den anderen Dienstboten unter­schied.Soll ich das Gepäck zum Wagen bringen, gnädiges Fräulein, oder kann es hier aufbewahrt werden, bis nachmittags das Getreide verladen wird. Ich fürchte, es ist in der Kutsche zu wenig Platz dafür."

Margret Recklinhausen horchte auf und über­flog die Gestalt in dem grauen Dreechesanzug. Tragen Sie's zur Aufbewahrung! Warten Sie doch, ich muß Ihnen ja erst noch Geld geben. Oder---

Malnow hatte sich bereits nach zweien der Koffer gebückt und schritt nach der Türe. Suse sah ihm nach und unterdrückte ein prustendes Lachen, als Margret sie so verdutzt anstarrte.

Was habt ihr denn da für eine Hoheit enga­giert? Wie, Kleines? Verwalter ist der auf Recklinhausen? Ba, ich danke! Mir soll es recht sein. Ich hätte die Mama für klüger gehalten, als daß sie sich so etwas in Stellung nimmt. Da könnt ihr euch wohl die Schweine selber füttern und die Kälber eigenhändig mästen. Richt? Alles macht er? So!--Uebrigens", sie ver­

schluckte das Folgende, denn Malnow kam eben wieder zurück, um auch noch den dritten Koffer zur Aufbewahrung zu bringen.

(Fortsetzung folgt.)