Ausgabe 
11.1.1932
 
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»u werben. Das könne für Frankreich kein Grund sein, sich den Verhandlungen zu entziehen und die Konferenz auffliegen zu lassen.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung sagt: Der Reichskanzler hat mit seiner Feststellung Mut und Entschlossenheit gezeigt. Er kann überzeugt sein, daß das ganze Volk, ein­schließlich der Opposition von gestern, von heute undvonmorgen, in diesem schweren außenpolitischen Kampfe hin­ter Hindenburg und ihm steht. Die Deutsche Tageszeitung spricht von einem sehr bedeutendem Schritt auf dem Wege, die Weltöffentlichkeit von dem unerschütter­lichen Willen Deutschlands zu überzeugen, keine Tribute mehr zu zahlen. Das Blatt be­dauert, daß Brüning nur von derUnmöglich­keit" weiterer Politischer Zahlungen gesprochen

habe, anstatt klipp und klar zu sagen, daß Deutsch­land unter keinen Umständen solche Zahlungen leisten werde. DerTag" fordert, daß dieseendgültige Lö­sung" auf der kommenden Tributkonfecenz nicht wieder zu einer Zwischenlösung wer­den dürfe. Die Rettung Deutschlands sei nicht nur durch die Streichung der Tribute allein, son­dern nur durch die gleichzeitige Ueberwin- dung des Diktats von Versailles zu erreichen. Das Blatt warnt vor Plänen, die Lau­sanner Konferenz zu unterbrechen, um dann später weiter zu verhandeln. Am Ende des zwei­ten Teils der Konferenz könne es sehr leicht zu einer Aufrechnung von Tributen und alliierten Schulden kommen, bei der Deutschland den verbleibenden Re st zu zahlen hätte.

Volles Verständnis in England.

Nicht politische Erwägungen, sondern wirtschaftliche Realitäten müssen in Lausanne sprechen.

London, 9. Jan. (TA. Funkspruch.) Die Mit­teilungen Brünings an den englischen Bot­schafter über die Tributfrage erscheinen in den Londoner Tageszeitungen überall an bevorzugter Stelle unter großen Aeberschriften, wie z. D.: Deutschlands Ultimatum: Deutschland sagt Eng­land, daß es nicht zahlen kann." Brüning hat, wie hier vielfach betont wird, mit einer Of­fenheit gesprochen, die weit über die übliche diplomatische Art hinaus­gehe. Die Führer der sozialistischen und der liberalen Partei begrüßen die Erklärung. So sagt das ArbeiterblattDaily H e r a l d": Dr. Brü­nings Erklärung ist eine nützliche Einlei­tung zur Konferenz von Lausanne. Zeder mit Wirklichkeitssinn begabte Politiker und Staats­mann weiß, daß Deutschland nie wieder Reparationen bezahlen wird. Deutsch­land hat nichts weiter getan, als einer kin­dischen Maskerade ein Ende gemacht. Bon einer geschlossenen Front der Gegner kann keine Rede sein. Den gleichen Gedanken äußert auchRetos Chronicle" und bemerkt: die Engländer hoben die Reparationskrisen herzlich satt und freuen sich, dah Deutschlandden Kuchen angeschnitten hat".

Auch die drei großen konservativen Blätter zeigen volles Verständnis für die deutschen Argumente.Times" bemerkt: Zeder Kenner des Baseler Berichts mußte er­warten, dah Deutschland völlige Besei­tigung der Reparationen fordern werde. Die Hauptfrage für die Lausanner Konfe­renz sei, ob es irgendeine wirkliche Aussicht auf Erholung Deutschlands gebe, so lange über sei­

nem Kopf die Möglichkeit schwebe, zu der Wie­deraufnahme der Zahlungen aufgefordert zu werden. Von der Lösung dieses Problems hänge soviel für Deutschland wie für seine Gläubiger ab, dah es bei der Erörterung keine poli­tische Erwägung irgendwelcher Art geben dürfe. Es komme nur auf wirtschaft­liche Realitäten an.Daily Tele­graph" sagt, dah Deutschland jetzt keine Re­parationen bezahlen kann, ist klar genug, aber dah es unfähig sein wird, indreioderfünfZah- ren etwas zu bezahlen, kann heute niemand be­haupten.M o r n i n g P o st" drückt die Be­fürchtung aus, dah jeder Verweigerung der Zah­lung der politischen Schulden eine Verweige­rung der Zahlung der kommerziel­len Schulden folgen könne.

Von den unabhängigen Blättern vertrittD a i- lh Mail" die Ansicht, dah Frankreich schließlich einer wesentlichen Herabsetzung der Repa­rationen zustimmen müsse.Daily Expreß" sagt, die Hauptsache fei, dah die deutschen kom­merziellen Verpflichtungen von der Erklärung Dr. Brünings unberührt bleiben. Don den Finanzblättern sagtFinancial R e w s" , die Beendigung der Zahlung der Kriegsschulden in irgendeiner Form sei besser als ihre Fortsetzung. Auf jeden Fall werde immer klarer, dah England auf der Konferenz eine entscheidende Rolle spielen müsse. Da die Vereinigten Staaten gegenwärtig für eine völlige Annullierung nicht zu gewinnen seien, müsse danach gestrebt werden, die politischen Schulden auf ein für Schuldner und Gläubiger erträgliches Maß herabzusehen.

Oie Antwort der NSDAP, an das Zentrum in Hessen.

Oas Koalitionsgespräch beendet. Oie NSDAP, beansprucht wieder ihre volle Handlungsfreiheit.

WSR. Darmstadt, 9. Zan. Die hessische Landtagsfraktion der R S D A P. hat auf die be- fannten Gegenforderungen des hessischen Zen­trums heute mit einem Schreiben geantwortet, in dem eingangs darauf hingewiesen wird, dah das Antwortschreiben des Zentrums auf die 12 Forderungen der RSDAP. es unterlassen habe, auf die Bedingungen überhaupt auch nur einzugehen und von der bisher durch das Zentrum geübten Diffamierung der RSDAP. und ihrer Mitglieder durch eine allgemein ersichtlicheMihbilligung abzurücken. Weiter wird betont, dah das Zentrum versucht habe, die 12 Punkte, die nach dem Wunsche der Rationalsozialisten nur als Ganzes anzu­nehmen wären, auf das Gebiet der po­litischen Verhandlungen zu ver­schieben.

Das Zentrum habe ferner die Forderung auf­gestellt, dah, wenn schon die Beschränkung der letzten Regierungsspihe auf einen Staats­präsidenten nicht zu umgehen sei, diese dann parteipolitisch unabhängig sein müsse. Das hessische Wahlergebnis habe aber gezeigt, daß das hessische Volk nicht gewollt f)abe, dah jetzt ein Richtnationalsozialist nichtnationalsozia­listische Politik mache. Die Forderung eines nicht- nationalsozialistischen Staatspräsidenten sei nur dann verständlich, wenn von vornherein die Ab­sicht bestehe, keine klare Haltung zu den von der RSDAP. ausgestellten Einsparungsmah- nahmen einzunehmen.

Das Zentrum weise in seiner Antwort auch auf die Richtlinien der Deutschen Zentrumspartei hln. Das Programm des, Zentrums interessiere die NSDAP, jedoch nicht, sondern nur die tatsäch- liche Politi k des Zentrums. 13 Jahre lang habe das Zentrum in Gemeinschaft mit der Sozialdemo­kratie in Deutschland regiert, habe dabei aber nicht eine Erneuerung und Festigung der geistigen und sittlichen Volksgemeinschaft erzielt, sondern eine voll­ständige Verluderung, nicht das christlich-deutsche Geisteserbe geschützt, sondern die bolschewistische Zer­setzung erreicht. Die NSDAP, verstehe unter ihrem Eintreten für eine christliche nationale Kultur- und Schulpolitik und bei ihrem Kampf gegen Schund und Schmutz und gegen die marxistisch-jüdische Kul- turzersetzung etwas anderes, als das Zentrum bisher darunter in seinem Programm verstanden habe.

Besondere Bedeutung wird dem Punkt 12 der Forderungen der RSDAP. beigemessen. Danach sei Aufgabe der Vertreter der Länder *.m ichsrat nicht, die jeweilige Außenpolitik einer Regierung zu unterstützen, denn dazu brauche man diese Vertreter nicht. Man könne ihrer denn auch entbehren. Zhre Aufgabe sei vielmehr, im Gegenteil VertreterderZnteressender Lander zu sein. Höchstes Lebensinteresse aber sei zu verhindern, dah durch eine fehlerhafte und schlechte Reichspolitik nicht nur das Deich, sondern auch die Länder in den Strudel des Verderbs hinabgerissen würden.

Die ablehnende Haltung des hessi- Su den Forderungen der RSDAP. und damit zu deren Regierungsüber­nahme finde aber vielleicht ihre letzte Unterstrei­chung durch die am 9. Dezember durch den Zen­trumsminister Dr.Stegerwald in Münster gehaltene Rede, worin Herr Stegerwald erklärte, daß zwischen Zentrum und Rational­sozialisten kein Paktieren möglich sei,

noch weniger ein gern einsames posi­tives Programm. Rach dieser eindeutigen Ablehnung sowohl des hessischen als auch des Reichszentrums erhaltedieRSDAP. ihre volle Handlungsfreiheit wieder. Es liege damit beim hessischen Zentrum, ob ihm auch in Zukunft die Wahrung der Parteiinteressen wichtiger erscheine als die Wahrnehmung der Znteressen des deutschen Volkes. Unterzeichnet ist der Brief von dem Reichstagsabgeordneten Lenz, Gauleiter der hessischen RSDAP. und Fraktionsführer im Hessischen Landtag.

Bleibi Hindenburg?

Heute nachmittag die Antwort der Rechten an den Kanzler.

Berlin, 11. Zan. (TA. Funkspruch.) Kleber den Stand der von Reichskanzler Brüning eingeleiteten Aktion mit dem Ziel, die Reichs- Präsidentschaft Hindenburgs auch über den Zeitpunkt des Anitsablaufs zu erhalten, ist eine Reihe von Gerüchten in Umlauf, die den Tatsachen nicht entsprechen. Bon zuverlässiger Seile verlautet, dah Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und dem Parteiführer der DRDP., Dr. Hugenberg, am Eonntagmittag über den Rahmen einer Unterrichtung Dr. Hugen- bergs über die Gründe der Aktion und über die Darstellung der Ansicht des Reichskanzlers über die politische Lage nicht hinausgegangen sind. Die Besprechung hielt sich demzufolge auch in dem hierdurch gesteckten Rahmen. Wie weiter verlautet, hat Reichspräsident von Hin­denburg von sich aus über die Art und den Zeitpunkt der Aktion keinerlei Wünsche geäußert, sondern dies den hier­für zuständigen Stellen überlassen. Er hat sich lediglich bereit erklärt, noch weiterhin im Amt zu bleiben, wenn das ganze Volk ihn ruft, also insbesondere auch die­jenigen, die ihn seinerzeit gewählt haben.

Die Organisationen, die in derRationalen Opposition" zusammengeschlossen sind, werden erst am Montagnachmittag eine gemeinsame Sitzung haben, in der ihre Auffassung endgültig geklärt werden soll. Rach dieser Sitzung wird die Ant­wort an den Kanzler ergehen, und zwar voraus­sichtlich schriftlich. Znzwischen ist nun ja bekannt geworden, daß der parlamentarischen Lösung des Problems auf der Rech­ten starke Bedenken entgegengesetzt werden. Man spricht in diesen Kreisen deshalb jetzt von der Möglichkeit, daß die Antwort auf eine Volksabstimmung hinauslaufen könnte, die dassel be Ergebnis haben würde. Ein sol­cher Weg kann vielleicht auch schon durch die Haltung des Stahlhelms zu der ganzen «rage gezeigt werden, der ja einer der wesent­lichsten Faktoren in diesem Kreise ist. Reichspräsi­dent v. Hindenburg ist Ehrenmitglied des Stahl­helms und daraus ergibt sich dessen Einstellung 1°, eiQentIi(f> schon von selbst. 3m ganzen aber steht etwas sicheres über die Antwort der Rech­ten noch nicht fest. Man muß zunächst abwarten, zu welchem Entschluß die Rachmittagskonferenz wmmt. Wie dem aber auch sei, rechnet man in Preisen der Reichsregierung doch immer stärker damit, daß es auf alle Fälle gelingen wird, dem

Nach sechs Tagen lebend geborgen.

Von den auf der Grube Karsten-Zentrum in Beuthen konnten von den ein­geschlossenen 14 Bergleuten nach 444-stündiger I^ettungsarbeit 7 lebend geborgen werden. Oie Geretteten sind wohlauf.

Die Reltungsacbeilen auf der Karsten-Zentrums- Grube in Beuchen (Oberschlesien) haben den hoch- erfreulichen (Erfolg gehabt, daß von den durch einen Gebirgsschlag verschütteten 14 Bergleuten nach sechs Tagen sieben Leute lebend ge­borgen worden find. Die Geretteten find verhält- nismäßig wohlauf, wenn auch zum Teil recht schwach. Rur zwei von ihnen sind äußerlich verletzt. Das Schicksal der übrigen verschütteten ist noch ungewiß, doch ist mit dem Tode der meisten zu rechnen. Die Bergungsarbeiten sind ä u h e r st f ch w i e r i g. Sie konnten den erreichten schönen (Erfolg nur haben, weil alle Leute unter Richtachtung ihres Lebens ihr Aeußerstes getan haben, um zu ihren verschütteten Kameraden vorzu­dringen. Die Bergungsarbeiten gehen mit aller Kraft weiter.

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Ueber den Hergang der Rettung der sieben eingeschlossenen Bergleute erfahren wir u. a. folgendes: Sonntag gegen 15 Uhr kam der Boh­rer der Rettungsmannschaften plötz­lich in einen leeren Raum. Diese Tatsache wirkte auf die Mannschaft wie ein elektrischer Schlag, denn sie bedeutete, daß die Strecke dahinter nicht zerbrochen war. Das ent­standene Bohrloch wurde mit größter Vorsicht erweitert, und man hörte alsbald auch Klopf­zeichen, die sofort erwidert wurden. Als die Oeffnung groß genug war, wurde in sie hinein­geleuchtet. Zu aller Erstaunen und zur freu­digen Ueberraschung sah man fünf Berg­leute enganeinan&ergefauert sitzen. Der Held der Eingeschlossenen ist der 30 Zahre alte Rohrleger S l a m a, dessen Humor und Ener­gie die Kameraden vor dem Aeußersten bewahrt hat und der immer wieder aufmunterte.

Wie die Geretteten erzählen, haben sie von

Brotresten gelebt, und ihren Durst ge­stillt, indem sie das sich an dem Kaltpreß­luftrohr infolge der Untertagehihe gebildete Schweiß w asser der Reihe nach ab* leckten. Wie sie weiter erzählen, sind sie bei dem Gebirgsschlag zunächst zerstreut worden. Einer hat dann immer nach dem anderen gesucht, bis sie endlich zusiebenbeisammen waren. 3n den ersten fünf Stunden waren sie ohne Licht. Dann fanden sie durch einen glücklichen Umstand Streichhölzer und noch etwas Karbid, das sie mit äußerster Sparsamkeit benutzten. Sie wußten ganz genau, daß heute Sonntag war.

Das erste, was die Geretteten verlangten, waren Zigaretten: sie wurden ihnen sofort gegeben. Gleichfalls verlangtes Getränk wurde nur nach ärztlicher Anordnung mit größter Vorsicht und schluckweise verabreicht. 3n einer 100-Meter- Strecke sind nach den bisherigen Feststellungen durch den Gebirgsschlag etwa 60 Meter zu Bruch gegangen. Die zu den Geretteten vor­getriebene Stoßstrecke durch die Kohle war nur 1,50 Meter hoch und 1 Meter breit. Von den an­deren Verschütteten können die Geretteten nichts sagen, da sie von diesen feine Lebens­zeichen bemerkt haben.

Die beiden letzten der in'* Laufe des heuti­gen Tages auf der Karsten-Zc-ckrum-Grube auf­gefundenen. noch lebenden Verschütteten, der ver­heiratete Füller Paul OTttoaf aus Beuthen und der ledige Fördermann Wi7.- ''Rate! aus Deu- then, sind ins Knappschaftslazarett eingeliefert worden, Rowak mit leichten Fleischwunden, Marek mit leichtem Beinbruch. Ueber die glücklichen Um­stände, die zu der Auffindung der sieben Berg­leute geführt haben, erfahren wir, daß sie ihr Leben dem Weiterarbeiten der Frisch­luftzufuhr zu verdanken haben. Das über ihnen zusammengebrochene Gestein bot ihnen noch einen engen Unterschlupf.

deutschen Volke die ehrwürdige Persönlichkeit Hin­denburgs auch für die Zukunft als Reichsober­haupt zu erhalten.

Die neue Verordnung über den Preisauszeichnungszwang.

Berlin, 9. 3an. (ERB.) Der Reichskom­missar für die Preisüberwachung hat die neue Verordnung über den Preisauszeichnungszwang heute erlassen. 3n Zukunft unterliegen auch sämt­liche Mühlenerzeugnisse, Hülsenfrüchte, Zucker, Kartoffeln, Heringe, sämtliche Speisefette, Käse, Kakao, Bohnenkaffee, Ersatzkaffees, Obst und Ge­müse dem Preisauszeichnungszwang. Die Preis­auszeichnung hat in der Form zu erfolgen, dah alle Waren, die sichtbar ausgestellt sind, mit dem Preis für die übliche Verkaufseinheit und einer Qualitätsbezeichnung versehen sein müssen. Für die nicht sichtbar ausgestellten Waren muh in deutlich erkennbarer Form ein Preisverzeichnis ausgehängt werden.

Der Verband der Wäschereibetriebe hat sich bereit erklärt, für Groß-Berlin die Preise um durchschnittlich 10 bis 20 Prozent zu senken und die ihm angeschlossenen Betriebe im Reich aufzufordern, eine ähnliche Sen­kung, mindestens aber von 10 Prozent, durch­zuführen. Auch mit den chemischen Waschanstal­ten sind Vereinbarungen über Preissenkungen er­folgt.

Oie Gemeinderaiswahlen in Lippe.

Detmold, 10. Ian. (WTB.) Die lippischen Ge­meinderatswahlen sind im allgemeinen ruhig ver­lausen. Die Wahlbeteiligung war äußerst stark. Nach dem Ergebnis der Kreistagswahlen im Kreise Detmold verteilen sich die Mandate wie folgt: Sozialdemokraten 8, Deutschnationale 2, Bürgerliste 3, Zentrum 0, Evangelischer Volksdienst 1, National­sozialisten 7, Neutrale 0, Kommunisten 3.

Die Gesamtzahl der in Lippe abgegebenen Stimmen einschließlich der kreisfreien Städte: So­zialdemokraten 25 396 (bei der letzten Reichstags­wahl 30142), Deutschnationale 8616 (7263), Bürger­liste 13 237 (0), Zentrum 2289 (2648), Evangelischer Volksdienst 3259 (5023). Nationalsozialisten 28 442 (20 510), Kommunisten 9570 (5867) Stimmen.

Bleibi Briand?

Roch kein Rttcktrittsgesuch. Befinden gcbesse t.

Paris, 11. Zan. (WTB. Fuükspruch.) Mi­nisterpräsident Laval wird heute seine Be­sprechungen über die Umbildung des Ka­binetts beginnen. Er wird vor allen Dingen mit Briand eine entscheidende Aussprache ha­ben. Zn der Umgebung des Auhenministers war nämlich gestern erklärt worden, dah Briands Be­finden sich in den letzten Tagen so ge­bessert habe, daß er sehr wohl seinen Po st en weiter versehen könne. Briand habe auch weder an den Präsidenten der Repu­blik noch an den Ministerpräsidenten ein offiziel­les Demissionsschreiben abgehen lassen. Diese Er­klärungen sind gestern in politischen Kreisen laut kommentiert worden und geben bereits den uner­bittlichen Gegnern des Außenministers Anlaß, aufs neue gegen ihn, den sie erledigt glaubten, Sturm zu laufen. Bon der Aussprache mit Briand wird abhängen, ob Laval die Gesamt­demission des Kabinetts einreichen wird.

Dawes will zurückireien.

Präsidentschaftskandidat»!: p.egen Hoover oder Finanzsorgen Chikagos?

Washington, 9. Ian. (WTB.) Im Staats­departement herrscht große Ueberraschung über eine in der Presse veröffentlichte Erklärung des Generals Dawes, daß er feinen Rück- tritt vom Londoner Botschafterposten beschlossen habe, besonders aber darüber, daß er die­sen Entschluß direkt an die Presse gegeben Hot, ohne den amtlichen Stellen irgendwie Mitteilung davon zu machen. Im Weißen Hause wurde erklärt, man bedauere, daß Dawes sich ins Privatleben zurück­ziehen wolle. Offenbar sei infolge der Ver- hältnisste in Chikago und der für dort ge­planten Weltausstellung seine ständige Anwesenheit in seiner Vaterstadt erforderlich geworden. Dawes

werde die Delegation in Genf führen, bis die Aus­schüsse ihre Tätigkeit beginnen. In politischen Krei­sen betrachtet man das plötzliche Ausscheiden von Dawes als das Resultat seiner Beobachtungen seit seiner Rückkehr am 4. Januar. Er habe biefinan« zielte Lage, insbesondere der mittleren Banken, jo ernst gefunden, daß er beschlossen habe, s i ch selb st umsein BankinstitutinChi- kago zu kümmern. Allgemein wird das heute hier aufgetauchte Gerücht bezweifelt, daß Dawes gegen Hoover kandidieren wolle und des­halb aus dem Staatsdienst ausscheide und sich in Chikago niederlasse, wo im Juni die Kandi­daten für die Präsidentenwahl vom Parteikonvent aufgestellt werden. Anderseits wird darauf hingewiesen, daß Dawes sehr beliebt und eine nationale Persönlichkeit ist, sowie daß in den gegenwärtigen Zeiten ein Sachverständiger in Finanzdingen an der Spitze Amerikas benötigt werde.

Aus oder Wett.

Deichbruch in Ostfriesland.

An her oldenburgisch-ostfriesischen Grenze, von wo bereits der Bruch des nördlichen und des südlichen Deichs bei Augustfehn und der Ein­sturz des Pumpwerks bei Holtgast gemeldet wurde, ist nun am Samstag auch der dritte, der westliche Deich beim Pumpwerk Hengstforder­feld gebrochen. Die Breite des Bruches be­trug sofort etwa fünf Meter. An der Bruchstelle erschienen die Einwohner der Umgebung, um das Wasser mit Sandsäcken abzudämmen. Die Bruch­stelle des am Freitag gebrochenen nördlichen Deiches hat sich auf etwa 30 Meter er­weitert. Hier waren die Abdämmungsarbeiten mit Lebensgefahr verbunden, da das Wasser an der Arbeitsstelle von etwa 25 Leuten wieder her­einbrach, die sich erst in letzter Minute durch daS Wasser retten konnten. Es handelt sich dabei vor allem um die Abwässer der großen Moore im Gebiet der Leda, eines Rebenflusses der Ems. Die Abzugsgräben sind durch Schneeschmelze und die anhaltenden Riederschläge so hoch angeschwol­len, daß sie die normalen Entwässerungsarbeiten nicht mehr leisten können.

Hochwasser in Leningrad.

Ein Zyklon im Finnischen Meerbusen verur­sachte ein starkes Steigen derRewa, wo­durch niedrig gelegene Teile von Leningrad über­schwemmt wurden. Znfolge der Derkehrsmah- nahmen wurde aber nur unbeträchtlicher Scha­den angerichtet. Das Hochwasser ist wieder zu­rückgegangen.

Bei einer Rachlübung ertrunken.

Als bei einer Nachtübung der Fritzlarer reitenden Batterie eine Patrouille bie Eber burdjque« r e n wollte, geriet bas Pferb bes Oberkanoniers Schwertger in eine Untiefe und würbe burch bie starke Stömung abgetrieben. Das Pferb konnte sich aus dem Wasser herausarbeiten, ber Kanonier jcboch versank kurz vor bem Ufer in ben Fluten. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werben.

Todesfall beim Boxkampf.

Einen tragischen Abschluß fanb ber Mittelge­wichtskampf zwischen Kaul (Post-Spv.) unb Rut. kowski (Teutonias ber am Sonntag in Berlin statt- fanb. In ber zweiten Runbe wurde Kaul schwer zu Boden geschlagen unb schlug babei mit bem Kopf so unglücklich auf, baß er wenige StunbenspäterirnKrankenhausstarb.

(Eine deutsche Kunstausstellung in Oslo.

In Anwesenheit bes Königs- unb Kron­prinzenpaares würbe bie deutsche Kunstaus­stellung in .Lunstnernes Hus" burch Minister Trae- bal eröffnet. Der beutsche Gesandte Freiherr von Weizsäcker unterstrich bie Bebeutung unb ben Einfluß, ben ber arofje norwegische Maler Ebvard Munch auf bie beutsche Kunst gehabt habe. Der Ehrenpräsibent ber Ausstellung, Minister Traebal, betonte in seiner Ansprache bie Freude über den deutschen Besuch. Unter Leitung des Kustos der Nationalgalerie in Berlin, Dr. Thorrnaehlen, besah sich die königliche Familie mit großem Interesse bie Ausstellung.

(Ein spanisches Iesuilenkloster in Brand gesteckt.

Aach einer Mitteilung des ZnnenministeriumS ist das Zesuitenkloster in Ona (Provinz Bur­gos) inDrandgesteckt worden, Nähere Stn- selheiten fehlen noefc-- -