antwortlich. Die Kommunisten seien daran schuld, daß die Arbeitnehmerschaft bisher keinen gröhe- ren Einfluß im Parlament gehabt habe. Die Sozialdemokratie verlasse den Boden des Ge- fehes nicht. 'Sie werde ihren geraden Weg weitergehen. Das deutsche Volk könne nur ersprießlich und richtig regiert werden, wenn alle Teile des Bolles an der Regierung beteiligt seien. Die Sozialdemokratie kämpfe für den Sozialismus, weil der Kapitalismus abgewirtschaftet habe. Ihr Kampf gehe ferner um die Gleichberechtigung im Staat.
Streik bei den Bayerischen Motorenwerken.
München, 8. Oft. ($51.) Die Betriebsleitung der Bayerischen Motorenwerke hatte bekannt gemacht, daß sie auf Grund her Hot» Verordnung zur Belebung der Wirtschaft, einen Lohnabbau von 18 bis 20 v. H. für die Arbeiter des Werkes vornehmen wolle. In einer Betriebsversammlung wurde daraus mit allen gegen 6 Stimmen beschlossen, in den (Streif au treten. Seit Freitag liegen daher die Bayerischen Motorenwerke still. Die Betriebsleitung hat durch Anschlag bekannt gemacht, daß jeder Arbeiter als entlassen gelte der am Montag die Arbeit nicht wieder aufnehme. Die Direktion der Bayerischen Motorenwerke teilt ferner mrt, daß sich der 18 bis 20prozentige Lohnabbau nur aus die 31. bis 40. Wochenarbeitsstunde beziehe, was für den Gesamtwochenarbeitslohn einen etwa bprozentigen Lohnabbau bedeutet. Die Betriebsleitung rechnet damit, dah am Montag ein großer Teil der Arbeiter wieder in die Betriebe zurückkehre. Die n a t i o n a l sozialistische Betriebszelle fordert in einer im „Völkischen Beobachter" veröffentlichten Erklärung, dah die Arbeit nicht eher ausgenommen würde, bis der beabsichtigte Lohnabbau w i e- der rückgängig gemacht und von der Betriebsleitung zugesichert werde, dah keinerlei Maßnahmen gegen die Streikenden vorgenommen würden.
Oer Streik im Alexanderwerk beendet
Remscheid, 7.Ott. (WTB.) 3n den Verhandlungen im Lohnstreit des Alexanderwerks wurde geilte eine Vereinbarung getroffen, nach der die Arbeit vom Montag, den 10. Oktober ab zu den alten Bedingungen wiederaufgenommen wird. Eine Bezahlung Der Streiktage findet nicht statt. Die Arbeitszeit wird von 52 auf 44 Stunden herabgesetzt mit dem Ziele einer Wei te - ren Delegfchaftsvermehrung.
Oie Giaaiskrisis in Rumänien
Titulesku übernimmt die Leitung der Außenpolitik.
Bukarest, 9. Oft. (TLI.) Nachdem durch Ablehnung der Forderungen des Finanzausschusses des Völkerbundes zunächst klare Verhältnisse geschaffen worden sind, erlLört die rumänische Presse, daß der Völkerbund u. a. zur Finanzkontrolle die Einsetzung eines Generalresidenten in Bukarest gefordert hatte, der noch weit gröhere Vollmachten als seinerzeit der Vertreter des Völkerbundes in Wien erhalten sollte. Nun bleibt zunächst nur der Weg der direkten Verhandlungen mit den Gläubigern, den die Regierung auch ein- schlagen will. Man argumentiert, daß die ausländischen Gläubiger an einem Staatsbankerott kein Interesse haben können, weil sie dann ganz leer ausgehen mühten. Im Falle eines großzügigen Entgegenkommens der Gläubiger wird man sich mit einer Art Kontrolle abfinden. Aber die Stimmung im Volle ist derart, dah die Regierung auf jeden Fall die Auslandzahlungen von sich aus einstellen wird, falls die Gläubiger
7. Fortsetzung.
Nachdruck verboten I
Mutter starr an.
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»Du weiht, Mama, dah ich selbst nicht mehr viel habe, doch das antike Zimmer — nein, das wirf nic&t fort. Ich werde cs lausen, und es bleibt in deinem Besitz, solange du lebst."
Sie faßte seine Hand und drückte sie krampfhaft Dann sagte sie leise: '
ist doch jetzt schon alles gleich. Aber « t eben Dinge, an denen man hängt. Lei nicht böse, Fritz." u
ihm gegenüber ganz und g »eranöett. <jaft schüchtern sprach sie mit ihm, wie diese einst so stolze, selbstbewußte Frau jetzt
Die Firma Lerhosf war auch zugrundegegangen. Sie hatte noch Millionenschulden hinterlassen. Lind Heinz Altendorf-Lerhoff war heute ein Bettler, wenn ihn die beiden Frauen in der Villa am Pfeilsring den Laufpaß gaben. Aber er schämte sich nicht, den Tyrannen herauszu- kehren und vom Geld der beiden Frauen zu leben.
Wer das fertigbrachte!
Fritz Lohgarten hätte am liebsten verächtlich aus^espuckt, wenn er an diesen Menschen dachte. Docy jetzt war es vollkommen ausgeschlossen, gegen ihn etwas zu unternehmen. Er gehörte mit in die Familie Lohgarten, und man mußte sehen, mit ihm fertig zu werden. Vor einigen Tagen war die Stiefmutter hier gewesen und hatte ihn um Geld gebeten.
Sie hatte die Bitte auch beinahe nicht herausgebracht, denn sie wußte ja auch, wie sehr er sich einschränkte, um wieder in die Höhe zu kommen. Er gönnte sich fast nichts. Keine Reise, kein Theater — nichts. Wie ein Einsiedler lebte er dahin.
Lind nun kam sie mit einer solchen Ditte. Er gab schon weit mehr, als was er eigentlich hätte geben dürfen. Aber es ging nicht anders.
»Heinz — will das antike Zimmer verkaufen. Er braucht Geld."
Fritz Lohgarten sah seine Rach einer Weile fragte er: „ßo weit also ist es schon?' Sie nickte.
Vor wenigen Iahren war sie noch eine sehr ansehnliche Frau gewesen, heute hatte sie schneeweißes Haar, und ein altes, müdes, von geheimen Sorgen zermürbtes Gesicht.
Sie tat ihm plötzlich unsagbar leid, obgleich er sich sagen mußte, daß sie dieses Mitleid eigentlich nicht verdiente.
Des 6161 fand den Weg
Roman von Gert Rothberg.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
die direkten Verhandlungen verschleppen oder unannehmbare Forderungen stellen sollten.
Am Sonntagabend äußerte sich Ministerpräsident Vaida ausführlich über den Streit der Regierung mit dem Londoner Gesandten Titulesku über die Außenpolitik, in dessen Verlauf $itu- lesku sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. Vaida erklärte, er habe Titulesku erneut im Interesse der Außenpolitik die Leitung der Auswärtigen Angelegenheiten angeboten. Titulesku habe sich jetzt endlich entschlossen, das Außenministerium zu übernehmen. Die nattonalzara- nistische Regierung werde versuchen, mit Titulesku zusammenzuarbeiten. Man ist der Ansicht, daß die Llebernahme des Außenministeriums durch Titulesku nur der Anfang zu einem völligen Regierungswechsel ist. Das neue Kabinett dürfte dann vermutlich von Titulesku gebildet werden.
Aus aller Welt.
piccards Höhenweltrekord anerkannt: 16 201 Meter.
Die F&Mration adronautique internationale hat nach Einsicht der ihr vom Aeroklub der Schweiz zu- gestellten Akten den Stratosphärenflug des Professors P i c c a r d vom 18. August d. I. folgendermaßen fest- gelegt: 1. Absoluter W e l t h ö h e n r e k o r d; 2. Internationaler Höhenrekord, Klasse Ballon, 8 Kategorie, mit 16 201 Meter.
Gronau funkt aus Manila. — Hilfeleistung ist gesichert.
Bei der Funkstation Manila ging ein Funkspruch o. Gronaus ein, in dem er mitteilt, daß der Dampfer „Earagola" ihm die gewünschte Hilfe bringen werde. Voraussichtlich wird das Flugboot nach Mergui eingeschleppt werden. Es dürfte mit einer mehrtägigen Unterbrechung des Fluges durch die Reparatur des defekten Motors gerechnet werden.
Neue Südamerikafahrt des „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist unter Führung von Kapitän Lehmann zu feiner achten Südamerikafahrt nach Pernambuco geftar- tet. An Bord befinden sich 12 Passagiere, darunter Ministerialdirektor Dr. Brandenburg vom Reichsoerkehrsministerium, Reichsbahngeneraldirektor Dr. D o r p m ü l l e r , Konteradmiral S e 111 e , der Sieger im diesjährigen Govdon-Bennet-Flug. Von Pernambuco geht die Fahrt nach Rio de Janeiro.
Trebitsch-Lincoln in Europa.
Em Mitarbeiter der „Bremer Nachrichten" hatte Gelegenheit, den bekannten Abenteurer Trebitsch-Lincoln an Bord des norwegischen Dampfers „Trianon", wo er sich auf der Reise nach Europa befindet, zu sprechen. Tve- bitsch-Lmcoln, der sich heute Chao-Kung nennt, scheint seinem bisherigen abenteuerlichen Leben endgültig entsagt zu haben. Ich suche, erklärte er. Ruhe und Abgeschiedenheit und will auch in Europa mehr Ruhe schaffen. Vielleicht gründe ich ein buddhistisches Kloster: wo, ist noch unbestimmt, vielleicht in Frankreich oder Deutschland. Er erklärte weiter, daß er gegen England, wo bekanntlich sein Sohn hingerichtet wurde, keinen Haß mehr hege. Er werde sich an niemanden zu rächen suchen. Später wolle er nach dem Osten zurückkehren und dort bis zu seinem Tode bleiben.
Der Kirchturmeinsturz in Aschaffenburg.
In der vergangenen Woch» stürzte am Neubau der evangelischen Pauluskirche der Turm ein, der bereits eine Höhe von 20 Meter erreicht hatte. Wie wir nunmehr erfahren, wurde bei den Aufräumungsarbeiten eine Spreng- stoffpatrone und Teile einer Zündschnur gefunden, so daß die Vermutung besteht, daß e i n Sabotageakt vorliegt. Anhaltspunkte, von welcher Seite ein solcher verübt fein könnte, liegen nicht vor. Die Untersuchung ist im Gange.
überhaupt einen verschüchterten, nervösen Eindruck machte.
„Ich gebe dir das Geld gleich, Mama, und du bestätigst mir, daß ich jetzt Eigentümer des Zimmers bin. Ich habe meine besonderen Gründe, daß ich die Angelegenheit auf diese Weise regeln will."
„Gewiß, Fritz, es ist ja auch sehr lieb von dir, daß du uns hilfst. Ich — wollte dir schon immer etwas sagen, Fritz. Heinz ist — dein Todfeind. Er hat es sich sein eigenes Vermögen kosten lassen, um dich zu ruinieren. Ich saß neulich im Salon, es war schon dunkel, und ich — hatte ein bißchen für mich geweint. Da kam Heinz. Ehe ich mich ihm noch bemerkbar machen konnte, führte er ein wirres Selbstgespräch, und da hörte ich, wie er sagte: .Bist du zufrieden mit mir. Mutter? Habe ich dich nun genug gerächt? Freut es dich nicht, daß sie nun arm geworden sind, die Lohgartens? Ich bin’S mit ihnen getoorben, aber das schadet nichts, Mutter. Die Lohgarten-Werke sind zerstört. Lind das wolltest du doch!' — Dann ist er wieder hinausgegangen und hat so unheimlich gelacht."
Fritz Lohgarten schwieg. Aus der Vergangenheit tat sich etwas vor ihm auf. Eine plötzliche Helle umgab ihn.
Heinz Altendorf-Lerhoff rächte jemand, dem einst Unrecht getan worden war! Seine Mutter also!
Cr, Fritz Lohgarten, hatte aber doch diese Mutter nicht gekannt. Weshalb warf Heinz Ler- hoff seinen Haß auf ihn? Haßte ihn so, daß er sein eigenes Vermögen opferte, um ihn. den Erben der Lohgarten-Werke, zu ruinieren?
Rätsel über Rätsel.
„3d> danke dir, Mama. Ich hatte schon selbst den Gedanken, daß Heinz Altendorf-Lerhoff einen Grund hat, mich zu hassen. Doch ich habe ihm den Grund dazu nicht gegeben. Es muß da in der Vergangenheit etwas liegen, was ich büßen soll. Nun, wenn ein Mensch es sich sein eigenes riesiges Vermögen kosten läßt, um einen anderen au ruinieren, so ist das weiter kein Kunststück, höchstens ist ein solcher Haß bewundernswert. Ich werde aber Heinz Altendorf beweisen, daß feine Macht jetzt, wo er arm ist, ihr Ende erreicht hat. Er ist jetzt außer Gefecht gesetzt, während ich trotz allem versuchen werde, mich wieder in die Höhe zu bringen. Komme, wenn du in Not bist, Mama!"
„Wie gut du bist, Fritz. Ich käme so gern, aber ich darf Hilma nicht verlassen. Ich fürchte oft das Schlimmste für sie. Wenn sie sich doch von ihm lösen könnte, doch sie ist wie behext. Lind dabei — dabei — hat er sie neulich mißhandelt."
^Dieser--1“
3rrib Lohgarten knirschte mit den Zähnen. Doch xx .te sich machtlos dieser verbohrten Liebe der Stiefschwester gegenüber. Sie sprachen noch
Zwei Alpinisten im „Milden Kaiser" tödlich abgestürzt.
Im „Wilden Kaiser" st ü r z t e n, wie aus Kufstein gemeldet wird, wiederum zwei Touristen tödlich ab. Der 22 Iahre alte Student der Technik Karl M»rdan aus Salzburg und der 32 Iahre alte Lehrer Ludwig Hall aus Offenburg i. B. hatten eine Besteigung der Fleisch- bank-Ostwand unternommen. Kurz nach dem Einstieg in die Wand geriet der an zweiter Stelle gehende Hall ins Rutschen und riß dabei seinen Vordermann am Seil aus der Wand. Beide stürzten etwa 60 Meter tief und waren sofort t o t. Ihre Leichen wurden von einer Expedition der alpinen Rettungsstelle nach Kufstein verbracht.
Autobesiher auf der Landstraße ermordet.
In einer der letzten Rächte wurde von einem Motorradfahrer auf der Chaussee Grünberg— Berlin ein völlig zertrümmerter Personenkraftwagen vorgefunden. Im Innern des Wagens lag der Besitzer, der Chauffeur Paul S a r n o w s k i aus Grünberg (Schlesien), tot mit eingeschlagener Schädeldecke. Die auf telephonischen Anruf des Motorradfahrers herbeigeeilte Polizei nahm sofort die Llntersuchung auf. Bei der Llntersuchung des Toten fand man am Hinterkopf eine Schußwunde vor. Es handelt sich um R a u b m o r d.
Meine politische Nachrichten.
In Leipzig fand der Reichsparteitag der Volksrechtpartei statt. Den Haupt- gegenftanb der Beratung bildete die Einstellung der Partei zur Reichstagswahl und zu den aktuellen Fragen der Politik. Es wurde beschlossen, sich mit aller Kraft am Wahlkampf zu beteiligen. Der Parteiführer wurde ermächtigt, weitere Verhandlungen über eine etwaige Listenverbindung mit anderen Parteien zu führen.
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Der Evangelische O be r k i r ch e n ra t hat gegen den oldenburgrschen Ministerpräsidenten R ö -
oer, der der Nationalsozialistischen Deutschen Ar« beiterpartei angchört, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Rover hatte cs in einer Rede als Kulturschande bezeichnet, daß die oldenburgrsche Geistlichkeit einen Misfionsvor- trag des Negerpa ft ors Kwami unterstütze. Der Beschluß des Oberkirchenrates ist darauf zurückzuführen, daß die nach einer mündlichen Aussprache erwartete Zurücknahme der beledigenden Aeußerungen durch den Ministerpräsidenten nicht erfolgt ist.
InMinden (Westfalen) nahm eine Wahlversammlung der D N V.. in der Studien- a'sessor Flume-Bielefeld über „Schwarz-Rot- Braun" und „Schwarz-Weiß-Rot" sprach, einen bewegten Verlauf. Laute Zurufe erfolgten in immer stärkerem Maße durch zahlreiche SA.- Leute. Schließlich wurden weiße Mäuse losgelassen und es wurde mit Knallerbsen und Schreckschüssen gearbeitet, so daß der Redner sein Referat nicht zu Ende führen konnte und das Lieberfallkommando zur Räu- muna des Saales ein'chreiten mußte. Ein Mann wurde festgenommen, als er einen fehlgehenden Revolverschuß gegen den Redner abfeuerte.
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Der ehemalige Kommandeur der Berliner Schutz- Polizei, Oberst Heimannsberg, hat nunmehr dem kommissarischen preußischen Innenminister Dr. Bracht sein Abschiedsgesuch eingereicht. Es ist anzunehmen, daß das Abschiedsgesuch bereits in nächster Zeit genehmigt werden wird.
*
Das kommunistische Pariser Blatt Humanist berichtet, daß am 7.Oktober von Reservisten, die aus dem Militärdienst schieden, auf einer Kaserne in Metz die Sowjetfahne gehißt worden sei. Die Reservisten hätten in geschlossenem Zuge die Kaserne unter dem Gesang der Internationale verlosten.
Aus der Provinzialhauptstadi.
Gießen, den 10. Oktober 1932.
Siaditheaief und auswärtige Besucher.
Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben:
Die Intendanz bittet alle auswärtigen Theaterbesucher, die befürchten, ihren letzten Zug durch etwa verspäteten Schluß der Vorstellung nicht mehr erreichen zu können, dies bis zur großen Pause bei den Logenschließern zu melden. Die Intendanz wird bann jeweils im Bedarfsfälle die Abfahrt der letzten Züge bis zehn Minuten durch den Bahnhof Gießen aufhalten, wozu die Genehmigung seitens der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. in diesem Winter erteilt wurde.
Die Intendanz ist von jeher bestrebt gewesen, den auswärtigen Theaterbesuchern und den Anwohnern der weiter entfernt liegenden Stadtteile die Möglichkeit zu bieten, bequem den Zugangsschluß zu sichern bzw. das Unangenehme eines weiten Heimwegs zu mildern. Auch in dieser Spielzeit haben Verhandlungen mit dem Elektrizitätswerk zu dem Erfolg geführt, daß nach Schluß der Vorstellung versuchsweise ein Sonderwagen der Straßenbahn (Fahrtrichtung Bahnhof) an der Ausweiche der Stra- ßenbahn/Haltestelle „Torhäuschen-Stadttheater" be- reitsteht. Die Intendanz bittet von dieser Verkehrs- neuerung recht zahlreich Gebrauch zu machen.
Wer gibt bedürftigen Kindern Mittagessen?
Der Alice-Frauenverein vom Roben Kreuz wendet sich im heutigen Anzeigenteil an die Fami
lien unserer Stadt mit der Ditte, bedürftigen Kindern einmal oder mehrmals in der Woche Mittagessen zu verabreichen. Der Appell des Alicc-Frauenvereins wird hoffentlich bei vielen Familien Gehör finden, denn die Ro t i st groß und besonders den Kindern muß geholfen werden. Anmeldungen sind an Frau Sanitätsrat Dr. Schliep- hake, Goethestraße 44, Telephon 3470, zu richten. Hoffentlich gehen recht viele Anmeldungen ein, damit das von dem Verein im vorigen Iahre bereits mit reichem Segen in Gang gebrachte Werk der Kinderfpeisung auch diesmal wieder auf eine breite Grundlage gestellt werden.kann.
Vornotizen.
— Tageskalenber für Montag. IGF.: 20.30 Uhr, Monatsversammlung bei Kamerab Wein- ßarbt — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die ver- kaufte Braut".
— Aus bem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Morgen, Dienstag, als 2. Vorstellung bes mit großem Beifall aufgenommenen Lustspiels: „Freie Bahn bem Tüchtigen" von August Hinrichs. Ein Lustspiel vom „aufrechten Mann", ber sich nicht in seiner Zeit zurechtfinbet. Zwei Stunden unbeschwerter Heiterkeit. Spielleitung hat Karl H e y s e r. Gewöhnliche Preise.
* * Militärpersonalien. Mit Wirkung vom 1. Oktober ab würbe Leutnant Knetsch beim hiesigen Bataillon zum Oberleutnant beförbert und Leutnant Fett von hier zum Ausbilbungsbataillon in Marburg versetzt.
einige Worte miteinander, nachdem sie das Geschäftliche geregelt hatten, und dann begleitete Lohgarten seine Stiefmutter noch hinunter.
„Du bist so stark und zuversichtlich, Fritz. Du kannst nie ganz untergehen — du nicht", sagte sie beim Abschied und strich über seinen Arm. Es war wie eine scheue, abbittende Liebkosung.
Er küßte sie auf die Stirn.
„Das muß nun eben getragen werden, Mama. Gs läßt sich nichts ändern, wenn Hilma nichts geändert haben will."
Aus seinen Worten hörte sie, wie sehr er mit einer Trennung einverstanden gewesen wäre. Doch daran war ja nicht zu denken. Hilma liebte ihren Mann, liebte ihn abgöttisch und nahm ihn noch immer in Schutz, wenn die Mutter es einmal wagte, etwas zu sagen.
Manchmal dachte die Mutter: Es ist doch ganz unmöglich, daß sie ihn noch liebt nach allem, was er sich ihr gegenüber zuschulden kommen ließ. Viellei jt ist es doch mehr die Angst vor den Menschen, vor dem Gerede, das dieser Trennung folgen würde.
Wenn Heinz Altendorf-Lerhoff dann aber wieder ins Zimmer trat, liebenswürdig lächelnd, schön und elegant, dann dachte sie: Ist es denn ein Wunder, wenn sie ihm immer wieder von neuem verfällt? —
Dabei vernachlässigte er seine Frau in der sträflichsten Weise, und Frau Lohgarten war überzeugt, daß er seiner Frau vielleicht seit langem, nein, wahrscheinlich von allem Anfang an untreu war. Doch sie hätte niemals gegen die Tochter einen Verdacht auszusprechen gewagt.
So lief alles seinen Gang, und doch wußte Frau Lohgarten ganz genau, daß eines Tages ein schreckliches Ende da fein würde.
Sie hatte ihren Schwiegersohn im Verdacht, daß er Morphium nahm! Daß er vielleicht ohne Morphium überhaupt nicht mehr existieren konnte. Aber auch diese Befürchtung schloß sie ängstlich in ihrem Innern ein.
.Als sie daheim apkam, war alles hell erleuchtet. Zwei sehr große, elegante Autos hielten dicht vor dem Eingangstor.
Besuch also!
• Lind Hilma hatte sich gerade heute so elend gefühlt! Wie unangenehm sich das traf.
Frau Lohgarten ging die kleine Seitentreppe hinauf, um nicht zu stören.
Oben in ihrem Wohnzimmer blieb sie plötzlich stehen. Don nebenan klang Heinz Altendorfs zornige Stimme:
„Lind ich befehle dir, dabei zu fein. Was sollen die Damen denken? Diesen Affront tue ich meinen Gästen nicht an, das merke dir. Du bist nicht krank, es ist nur eine Ausrede, die ich nicht gelten lasse. Ich erwarte dich in einer halben Stunde — biS "dahin kannst du bequem fertig fein.“
Eine Tür schlug zu. Draußen ging Altendorf pfeifend an der Tür des Wohnzimmers vorüber.
Frau Lohgarten zitterten die Knie. Sie mußte sich einen Augenblick sehen.
Schon wieder Ausregungen? Lind sie war den schweren Gang zu Fritz gegangen. Er hatte ihr das Geld gegeben. Lind nun waren schon Gäste da, in deren Mitte dieses Geld vertan werden sollte.
Lind alles nur, weil Hilma diesen Mann liebte, nicht von ihm lassen wollte.
Lind dem sie nur ein Mittel zum Zweck war! Das wußte jetzt auch Frau Lohgarten!
Was aber sollte geschehen, wenn Hilma derart hilflos und blind blieb? Wenn sie doch nur die Kraft fände, sich von diesem unheimlichen Menschen zu lösen!
Die Tür öffnete sich. Hilma schwankte in- Zimmer. Sie sah die Mutter, stürzte auf fie zu:
„Mama, hilf mir doch, ich bin ja so unglücklich."
Die Mutter küßte ihre Tochter, aber sie sagte nichts. Was hätte fie auch sagen sollen?
„Ich kann nicht dabei sein, ich fühle mich todelend, Mama."
Hilma sagte es mit Anstrengung. Ihre Hände waren ganz heiß und die Augen hatten einen irren Glanz.
Frau Lohgarten erschrak,, dann sagte fie entschlossen:
„Ich bringe dich zu Bett. Sei ganz ruhig, ich werde mit Heinz sprechen."
Hilma nickte müde und schloß die Augen. Willig ließ fie sich von der Mutter hinüber in ihr Schlafzimmer führen. Bald lag fie in ihrem kühlen weißen Bett und dehnte sich müde und dennoch behaglich.
Bald schon war sie fest eingeschlafen, aber die Atemzüge gingen unruhig und laut
Frau Lohgarten sagte dem Mädchen, sich still in den großen Sessel neben der Tür zu setzen und auf die gnädige Frau achtzugeben. Sie werde inzwischen auf eine Stunde ihre Tochter bei den unerwartet angenommenen Gästen vertreten.
Lind dann trat Frau Lohgarten in einem schwarzen Seidenkleide, sehr vornehm und zurückhaltend, über die Schwelle in den strahlend hell erleuchteten Salon.
Wie versteinert blieb sie stehen. Mitten auf dem runden Tisch mit der kostbaren Brokatdecke stand eine schlanke, rassige Person mit brandrotem, leuchtendem Haar und fang.
Fünf Herren standen um sie herum und klatschten in die Hände, während sich zwei anbeve Damen auf dem Sofa räkelten.
Heinz Altendorf sah feine Schwiegermutter. Ein Blitz des Zornes traf sie aus feinen dunklen Augen, dann schritt er rasch auf sie zu.
(Fortsetzung folgt)


