Ausgabe 
10.10.1932 Erstes Blatt
 
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* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club G. V. (2L v. D.), Gießen: Wegen Ausführung von Kleinpflaster- arbeiten wird die Strecke Alsfeld Rom­rod im Zuge der Straße GießenAlsfeld- Fulda (Fernverkehrsstraßen-Ar. 49) ab 11. Okto­ber für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Zell-Angenrod.

** Ha u s a n g e st e l l t e n ° E h r u n g. Der Alice» Frauenoerein vom Roten Kreuz, Zweigverein Gie­ßen, will Anfang Dezember wieder eine Ehrung von Hausangestellten, dieln langer Dienstzeit sich bewährt haben, vornehmen. Die schriftlichen Anmeldungen über 5-, 10- und 15jährige Dienstzeit in einer Fa­milie sind bis zum 1. November bei der 1. Vorsitzen­den des Vereins Frau Professor Kramer, Lud» wigsplatz 10, einzureichen. Man beachte die Anzeige vom Samstag.

"DeutscherAbendderRSDAP. Die Gießener Schutzstaffel der RSDAP. hatte für ge­stern abend zu einem Deutschen Abend in das Cafö Leib eingeladen. Ein unterhaltsames Pro­gramm füllte den Abend aus. Vach einem flotten Marsch und der guten Wiedergabe der Ouvertüre zuDichter und Bauer" durch die Kurkapelle von Bad Salzhausen (Leitung: Musikmeister a. D. Sy Topp) eröffnete Edler von Graeve mit einer kurzen Begrüßungsansprache die Ver­anstaltung. Einem weiteren Musikstück folgte eine längere Ansprache des Landtagsabgeordneten Klo st ermann. Der Redner sprach von der Bewegung der VSDAP. in der Gegenwart; er erörterte kurz die Lage, wie sie sich für die VSDAP. in der Haltung zur Regierung vonPa- pen ergeben hat, kennzeichnete die Stellung der VSDAP. im eii^elnen zur gegenwärtigen Reichs­regierung und kam dann auf den Wahlkampf zu sprechen, der die VSDAP., die SA. und die SS. in vollster Bereitschaft finde und auch dann noch bereit finden werde, wenn weitere Wahlkämpfe folgen müßten. Die VSDAP. werde den Degen nicht kurz vor dem Siege aus der Hand legen, sondern kämpfen bis zum endgültigen Sieg, der Deutschland einer besseren Zukunft entgegenführen müsse. Es müsse eine Jugend heranwachsen und erzogen werden, die bereit sei, einzustehen für das Vaterland. Der einzelne müsse sich einsetzen ohne Rücksicht aus sein eigenes Wohlergehen, denn nicht das Wohl des einzelnen sei wichtig, sondern der Bestand der Ration in der Zukunft. Der Bewegung die Treue zu halten und dem Führer immerdar Gefolgschaft zu leisten, das seien die Forderungen, auf die sich nur der Sieg gründen und die Zukunft unseres Volkes aufbauen könne. Mit den Worten:Alles für die Bewegung und alles für den Führer!" be­schloß der Redner seine Ansprache. Sn Anschluß daran sang Herr Kurt Richter zwei Lieder, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wur­den. 3m weiteren Verlaufe des Abends wartete er mit einigen Volksliedern auf und fand damit aufmerksame Zuhörer. Bereichert wurde das Pro­gramm durch die Ausführung einiger schöner Volkstänze durch den Bund deutscher Mädchen, Ortsgruppe Gießen. Die in ihren Figuren sehr seinen Tänze, die erakt zur Aufführung gelangten, lösten stürmischen Beifall aus. Musik, Lied- und weitere Tanzdarbietungen füllten die Stunden aus. Mit einem kurzen Schlußwort fand der Abend sein Ende. Die Einnahme aus dem Ein­trittsgeld soll zur Unterstützung von Erwerbs­losen Verwendung finden.

* Konvent des Iungdeutschen Or­dens. Man berichtet uns: Dieser Tage hielt die Bruderschaft GieHen des Iungdeutschen Ordens ihren Monatskonvent ab, in dem nach dem ge­schäftlichen Teil drei neue Ordensbrüder feierlich ausgenommen wurden. Alsdann sprach stud. rer nat. Keil (Wieseck) über das ThemaDie Er­haltung des deutschen Ostens und die osteuro­päische Lage". Ausgehend von der Tatsache, daß sich eine eindeutige deutsche Volkstumsgrenze durch die vielfache Verstreuung der deutschen Be­siedlung nur schwer angeben läßt, erläuterte er vor allem an Hand der Desiedlungsgeschichte von den Anfängen des Deutschritterordens und der Abstimmungsergebnisse vom 11. Juli 1920, daß wir trotzdem mit Recht vom deutschen Ost­land sprechen, das es zu erhalten bzw. zurück­zugewinnen gilt. Die Abstimmungen in den leider nur teilweise aufgerufenen deutschen Gebieten hätten aller Welt gezeigt, inwieweit die Bevöl­kerung des Ostraums sich zum deutschen Staat und zur deutschen Kultur bekennt. Teilweise auf Grund eigner Erfahrungen und unter Auswer­tung statistischen Materials sprach der Vortra­gende alsdann ausführlich über die Folgen der neuen Grenzziehung im Osten für Ostpreußen, die besonders wirtschaftlich außerordentlich ein­schneidend wirkten. Am schwersten wiege dabei zweifellos der Verlust des räumlichen Zusam­menhangs mit dem Mutterland, ein völlig un­erträglicher Zustand, für den es unsererseits kein Locarno geben könne. Ostpreußen sei damit mili­tärpolitisch au einem bloßen Beuteobjekt des polnischen Adlers gemacht worden, und der fran­zösische Marschall F o ch habe sicher nichts Un­mögliches prophezeit, wenn er figte, der Weichsel- ko rridvr werde der Schauplatz des nächsten euro­päischen Krieges sein. 3n der Tat habe der Wahnsinn von Versailles hier, geopolitisch ge­sehen, eine Schütterzone ersten Ranges geschaffen. Politisch-militärisch ständen wir den Verhält­nissen zunächst so gut wie machtlos gegenüber. Dagegen hätten wir heute schon sehr wohl die Möglichkeit, zur wirtschaftlichen und nationalen Erhaltung Ostdeutschlands beizutragen, indem wir eine großzügige Siedlungstätigkeit (im Sinne der jungdeutschen Bewegung) entwickelten, die anderseits auch allein noch in der Lage sei, das brennende Arbeitslosenproblem, wenigstens zu einem guten Teil, zu lösen. Der Redner schloß mit der Mahnung, den Blick nach dem Osten zu richten, wo die zukünftigen Lebensfragen des deutschen Volkes mitentschieden würden durch den kämpferischen Einsatz von Lebenskraft und Geist aller Deutschen. Mit einer politischen Aus­sprache fand der eindrucksvolle Konvent sein Ende.

** 25 Jahre Maschinenfetzeroereini» gung im Bezirk Gießen. Am Samstagabend feierte die Maschinensetzeroereinigung im Bezirk Gießen (Verband der Deulschen Buchdrucker) im Ge- werkschastshaus das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Die Maschinensetzer r nb eine Sparte der Buch»

Oberbürgermeister Dr. Keller zum Ehrenbürger von Gießen ernannt.

Der S t a d t r a t versammelte sich heute mittag im Sitzungssaale des Stadthauses, Bergstraße, zu einer nichtöffentlichen Sitzung. Einziger Punkt der Tagesordnung war

die (Ernennung des Oberbürgermeisters Dr. Keller zum Ehrenbürger der Stadl Gießen.

Stadtratsmitglied R e i b e r als Senior des Hauses begründete den Antrag mit folgender Rede: Von den drei Fraktionen unseres Stadtrats, der Arbeits­gemeinschaft der Mitte, der Sozialdemokratischen, Partei Deutschlands und derWirtschaftlichen Vereini­gung ist mir, in meiner Eigenschaft als Senior des Stadtrats, der ehrenvolle Auftrag geworden, folgen­den gemeinsamen Antrag einzubringen und zu begründen. Der Antrag lautet:

Es wird beantragt, Herrn Oberbürgermeister Dr. Karl Keller anläßlich des 25jährigen Dienftjubiläums im Dienste dec Stadt Gießen in dankbarer Anerkennung feiner hervorragen­den Verdienste um das Wohl unserer Stadt das E h r en b ü r g er r e ch t der Stadt Gie­ße n zu verleihen."

Diesem Anträge liegen die e i n st i m m i g e n Be­sch l ü s s e der einzelnen Fraktionen zu­grunde, und die dazu gehörigen 39 Mitglieder, nahe­zu die Gesamtheit des Stadtrats, wollen durch diese Ehrung zum heutigen 25jährigen Dienstjubiläum unseres Herrn Oberbürgermeisters zum Ausdruck bringen, wie sehr dessen hervorragende Verdienste von ihnen gewürdigt und dankbar anerkannt werden.

Im Gegensatz zu der Amtsführung seiner Vor­gänger, der Herren Mecum, Gnauth und Bramm, die mit geordneten politischen und ge­sicherten wirtschaftlichen Verhältnissen zu tun und zu rechnen hatten, war die Amtstätigkeit des Herrn Dr. Keller eine ungemein viel schwierigere.

Schon im Jahre seiner Wahl zum Oberbürger­meister unserer Stadt begann der Weltkrieg. Die

bösen Kriegsjahre und die noch böseren Nachkriegs­jahre brachten ununterbrochen die schwersten Um­wälzungen und Krisen auf allen Gebieten. Der ver­lorene Krieg, die Revolution, die unheilvolle Jn- ftation mit ihrem Milliarden- und Billionenwahn­sinn, die verhängnisvollen sog.Aufwertungs"-Ge- setze, die nur eine Enteignung des früher wohl­habenden Mittelstandes bedeuteten, die Kaufkraft vernichteten und als Ursache unseres heutigen wirt­schaftlichen Tiefstandes angesehen werden können, ferner die katastrophale Erwerbslosigkeit und das Darniederliegen von Handel, Großindustrie und Handwerk, dies alles brachte Schwierigkeiten ohne Zahl, die Herr Dr. Keller stets durch richtige Maßnahmen zu überwinden und auch oft schwierige Probleme zu meistern verstand.

Er hat in erfreulich gutem Einvernehmen mit dem Stadtrat auch unsere städtische Finanzwirtschaft in Ordnung zu hasten gewußt, soweit dies angesichts der gespannten wirtschaftlichen Verhältnisse im Be­reiche der Möglichkeit gelegen hat.

Für die Erweiterung und Verschönerung unserer Stadt und für den Ausbau der städtischen Werke hat Herr Dr. Keller seine ganze Kraft eingesetzt, er war und ist außerdem stets ein treuer Förderer von Kunst und Wissenschaft und ein Freund aller Bestrebungen, die der Ertüchtigung der .Jugend durch Turnen, Sport und Spiel gewidmet sind.

Die hervorragenden und vielseitigen Verdienste unseres Herrn Oberbürgermeisters können heute, am Tag seines 25jährigen Dienstjubiläums, keine schö­nere Anerkennung finden, als durch die Annahme des von den drei Fraktionen gestellten Antrags. Ich bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen,

Oer Beschluß.

Das Haus beschloß dann, dem Antrag entspre­chend, die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Gießen an Oberbürgermeister Dr. Keller.

druckergehilfenschaft, die die zur mechanischen Satz- Herstellung für Zeitungen usw. tätigen Setz­maschinen bedienen. Nach einem von Hermann Elle verfaßten und von Frl. Aenne Thein wirkungsvoll vorgetragenen Dorspruch wies der Vorsitzende August Braun in seiner Ansprache auf die vor 25 Jahren erfolgte Gründung der Vereinigung als Maschinen­setzerklub Gießen hin und verbreitete sich über die gedruckt vorliegende Dereinsgeschichte. Der verstor­benen Mitglieder wurde ehrend gedacht. Zur Be­reicherung des Abends war neben dem Gesangverein Eintracht" Gießen Herr Bruck vom Gießener Stadttheater gewonnen, der durch Rezitation von Gedichten usw. ernsten und heiteren Inhalts leb­haften Beifall fand. Der Vorsitzende der Gauoereini- gung Frankfurt-Hessen, Heinrich Klein (Frankfurt am Main) behandelte in seiner Festrede den Zweck und die Ziele der Sparte, die in der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen, aber auch in der be­ruflichen Fortbildung der Mitglieder bestehen. An­schließend nahm er die Ehrung derjenigen Mitglieder vor, die der Sparte 25 Jahre und länger angehören. Es sind dies: Adolf Kaiser (Marburg), Jakob M o u t a r d e, August Braun, Fritz D i e f h o l z, Otto Ettel, Oskar Jahn, Wilhelm L e n a (Gie­ßen), Eduard Hantel, August K r e k e (Bao-Nau- heim) und Armin B ö 11 g e r (Hildburghausen). Den yubilaren wurde zur Erinnerung je ein Geschenk überreicht. Dankesworte sprach Adolf Kaiser (Mar- bürg). Glückwünsche und Geschenke überbrachten die Vertreter der Bezirke Aschaffenburg, Frankfurt a. M., Kassel und Offenbach, sowie die Vertreter der übrigen Sparten des VdDB. Tänze der Geschwister Bre­mer sowie heitere Vorträge derlustigen Lands­knechte" Kremer und Metz (Frankfurt a. M.) sowie Lieder zur Laute sorgten für angenehme Ab- wechslung. Der Abend verlief in schönster Harmonie

** 5 4 Stiftungsfest des Gesangver­einsHeiterkeit". Unter starker Beteiligung der Mitglieder feierte der GesangvereinHeiterkeit" am Samstag im Casä Leib sein 54. Stiftungsfest. Flotte Musik der Kapelle Krengel leitete den Abend ein. Der 1. Vorsitzende, Herr Koch, begrüßte sodann die Teilnehmer, umriß in einer Ansprache die Ziele des Vereins die in der Pflege des deutschen Männevgesanges als eines der wertvoll­sten Kulturgüter unseres Volkes bestehen und gab weiter einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, der sich aus den kleinen Anfängen eines Geselligkeitsvereins zu einem maßgebenden Gesang­verein unserer Stadt entwickelt habe. Er gedachte in seiner Ansprache besonders auch der Gründer und der bisherigen Leiter des Vereins, deren Verdienste er gebührend würdigte. Mit besten Wünschen für die Zukunft und die weitere Entwicklung des Vereins beschloß der Vorsitzende seine beifällig aufgenom­mene Ansprache. Sodann brachte der Chor, der unter der Leitung von Chormeister Wilh. Schält- l e r eine sehr achtbare Höhe in seinem gesanglichen Können erreicht hat, einige Lieder zum Vortrag, welche die hohe Gesangsdisziplin, die im Chore herrscht, unter Beweis stellten. Die Darbietungen des Chores, der im Verlaufe des Abendsmit noch zwei weiteren Liedern auswartete, wurden mit lebhaftem und verdientem Beifall aufgenommen. Aus Anlaß des Stiftungsfestes wurden auch in diesem Jahre wieder einige (passive) Mitglieder, und zwar die Herren Paul Hennig, Konrad Becker und Wilhelm ßöffert. für 25jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet; die Jubilars erhielten die Ehren­urkunde des Vereins überreicht. Für 30jährige aktive Sangestätigkeit wurde Wilhelm Schmidt mit der goldenen Ehrennadeln des Vereins bedacht. Der restliche Teil des Abends war der Unterhaltung ge­widmet. Ein humoristisches Doppelquartett fand viel Echo unter den Zuhörern, ein Charakterduett gefiel außerordentlich, und ein humoristisches Terzett fand ebenfalls starken Beifall. Gute stimmliche Veran­lagung der darstellenden Mitglieder des Vereins verhalfen den Darbietungen zum Erfolg. Den Höhe­punkt des abwechslungsreichen Programms bildete die Aufführung eines Schwankes, der durch seine tolle Situationstechnik, durch die mancherlei 23er» wechslungen und das abschließende happy end (ms- besondere aber auf Grund der guten Wiedergabe durch Damen und Herren des Vereins) viel zur

Hebung der Stimmung beitrug. Mit Tanz fand die wohlgelungene Veranstaltung ihr Ende.

" Der Kavallerie-Verein Gießen e. B. hielt am Samstag im Vereinslokal seine Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende, Kame­rad Ernst Hartmann, begrüßte die Mitglieder, die mit ihren Damen erschienen waren. Die Tagesordnung fand, dank der trefflichen Lei­tung und dem kameradschaftlichen Geist, der alle Teilnehmer erfüllte, schnelle Erledigung. Zur allgemeinen Ueberraschung konnte .im weiteren Verlaufe des Abends der 1. Vorsitzende, Kamerad Hartmann, im Auftrage des Vorstandes des Waffenrings der Deutschen Kavallerie den Ka­meraden Wilhelm K u t s ch r a d, Wilhelm Mühl, Karl Parr, Michael Kolb, Otto Rühl und Louis Geller das Mackensen-Kreuz 2. Klasse überreichen. Der anschließende gemütliche Teil der Versammlung wurde ausgefüllt durch die Erzählungen von Erlebnissen aus Kriegs- und Friedenszeiten. Der Abend hat erneut den Be­weis erbracht, daß die Mitglieder des Vereins in echter Kameradschaft zusammenhalten.

Wirtschaft.

Mrtschastsbelebung in Oberheffen.

Das Areitsbeschoffungsprogramm der Reichsregie­rung hat in Oberhessen bis jetzt dahin geführt, daß die Mitteldeutsche H a r t st e i n i n d u ft r i e in den Steinbrüchen ihres Werkes Nieder- Ofleiden bei Homberg auf Grund von neuen Aufträgen in den letzten Tagen 17 0 Arbeiter wieder eingestellt hat. Aus dem gleichen An­laß fanden in den Buderusschen Eisen­werken in Hirzenhain 25 Arbeiter mehr Be­schäftigung.

Berlin ruhig und freundlich.

Berlin, 10. Olt. (WTB. Funkspruch.) In­folge des hohen jüdischen Feiertages schrumpfte die an sich schon während der letzten Zeit sehr kleine Llmsahtätigkeit im Berliner Effektengeschäft zu Beginn der neuen Woche auf ein Minimum zusammen. Die Stimmung war aber trotz der vielfach etwas niedrigeren Kurse als durchaus zuversichtlich zu bezeichnen, da eine ganze Reihe anregender Momente vorlag. So beur­teilte man die außenpolitische Situation etwas freundlicher und glaubte auch innenpolitisch eine weitere kleine Beruhigung feststellen zu können. Der Bericht des Stahlwerkverbandes für den Mo­nat September lautete recht hoffnungssreudig und sprach außerdem davon, daß schon auf einigen Marktgebieten eine leichte Absatzzunahme zu verzeichnen war. Gewisse Erwartungen werden naturgemäß an den Eingang der Reichsbahn- aufträge geknüpft. Recht befriedigend war auch der Reichsbankausweis für die erste Oktoberwoche.

Die Kursgestaltung selbst war heute stark vom Zufall abhängig, die Veränderungen hielten sich aber in engen Grenzen und betrugen zumeist nur bis zu 1 Prozent, in seltenen Fällen bis zu zwei Prozent. Etwas stärker gedrückt lagen Orenstein & Koppel, Aschaffenburger Zellstoff. RWE., Rheag und AG. für Verkehrswesen, während Elektrizitätswerke Schlesien, Dessauer Gas und Hotelbetriebsgesellschaft fester tendierten. Bei letz­teren regte die geplante älebernahme der Inter­essen der Aschinger QI.-®, durch die Hotelbetriebs QI.-®, an, da hierdurch eine Zusammenfassung der Berliner Hotelinteressen gegeben wäre.

Im Verlaufe blieb das Geschäft klein, die Abweichungen unbedeutend. Klöckner fielen durch einen 2prozentigen Gewinn auf. Deutsche An­leihen im allgemeinen nur wenig verändert. Alt­besitz wurden nach der Auslosung heute erstmalig mit 45,75 Prozent wieder notiert. Reichsschuld­buchforderungen blieben gut behauptet, Renten lagen ruhig und kaum verändert. Für Schutz­gebietsanleihe bestand zu anziehendem Kurs wei­ter Interesse. Ausländer blieben sehr ruhig ver­anlagt; 4prozentige Rumänen lagen schwach.

QIm Geldmarkt hat die Gesamtlage sich heute nicht verändert. Die Sätze blieben mit 4,4 Pro­zent für Tagesgeld an der unteren Grenze nur ganz vereinzelt war zu 4,25 Prozent anzu­kommen und mit 5 bis 7 Prozent für Mo­natsgeld unverändert. Die Reichsschatzwechsel- emiffion per 15. Februar 1933 ist ausverkauft; dafür gelängten heute Reichsschatzwechsel per 15. März 1933 zum gleichen Zinssatz von 4,75 Prozent zur Ausgabe.

Frankfurt knapp behauptet.

Frankfurt a. M. 10. Oft. (WTB. Draht­meldung.) Infolge des hohen israelitischen Feier­tages war die Börse zum Wochenbeginn nur schwach bes uch t und fast geschäftslos. Die schwächere Reuyorker Wochenendschluhbörse blieb zwar ohne Einfluß auf die Kursgestaltung, hemmte jedoch die älnternehmungslust, zumal fon* ftige Anregungen nicht vorhanden waren. Das Publikum hielt sich dem Markte weiter fern, ob­wohl die schon feit Tagen anhaltende Schwäche der Auslandbörsen eine Verkaufsneigung hätte erwarten lassen. Einige Beachtung fand weiter­hin der Gereke - Plan über die direkte, Arbeitsbeschaffung. Bei sehr kleinen älm- sätzen ergaben sich gegen den Wochenschluh nur unbedeutende Veränderungen, die Tendenz war knapp behauptet. Reichsbankanteile ver­loren 1,5, und am Zellstoffmarkt Aschaffenburg 1 Prozent. Am Montanmarkt bröckelten die Kurse bis zu 0,5 Proz. ab, während Chemiewerte un­verändert eröffneten. Der Elektromarkt lag unein­heitlich. AEG., Dekuka und Siemens gaben etwas nach, wogegen Lechwerke und Lahmeyer im glei­chen Ausmaß anzogen. Etwas niedriger setzten iwch Contigummi ein.

Am Anleihemarkt kamen Reichsaltbesitz wieder zur Rotiz, sie lagen mit 47,5 Proz. gegen den letzten Freiverkehrskurs 0,65 Proz. niedriger. Die Reubesitzanleihe blieb nur knapp gehalten, während für die Schutzgebietsanleihe das letzt- tägige Interesse anhielt. Späte Reichsschuldbuch­forderungen tendierten mit 64,33 Proz. unverän­dert. Der festverzinsliche Markt lag g^- schäftslos und kaum verändert. Von fremden Wer­ten lagen Monopolrumänen mit 51 Prozent nach zuletzt 54 Proz. schwach. Auch die Altbesitzanleihs war im Verlaufe stärker angeboten und ging bis auf 45,5 Proz. zurück. An den Aktienmärk­ten blieb die älmsah tätigtet t später sehr ge­ring, die Kurse zeigten aber zum Teil leichte Besserungen. Von Montanwerten waren Klöck­ner um 2 Proz. fester. Tagesgeld war auf 4,75 Prozent festgesetzt und war leicht.

tyrantjurter Schlachwiehmarkt.

Frankfurt a. M., 10. Oktober. Auftrieb: 4598 Schweine. Es notierten: Schweine: vollfleischig, von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 46 bis 47 Mark, von etwa 200 bis 240 Pfund 43 bis 47, von etwa 160 bis 200 Pfund 42 bis 46, fleischige von etwa 120 bis 160 Pfund 40 bis 43 Mark. Markt­verlauf: mittelmäßig, geringer Ueberstand; Fell»

Amtsgericht Gießen.

Daß ein Entgegenkommen gegenüber rückfälli­gen Strafgefangenen nicht immer am Platze ist, bewies der vielfach vorbestrafte Strafgefangene P. F. aus Plettenberg, der den ihm von der Strafanstalt bewilligten Urlaub dazu benutzte, aus dem Hotel Kobel in Gießen ein Fahrrad zu stehlen. Dies verkaufte er kaum eine halbe Stunde später einem völlig gutgläubigen Eisenbahnbeamten in Klein-Linden. Das Gericht verhängte über den aus der Haft vorgeführten Angeklagten wegen Rückfalldiebstahls unter mildernden Umstanden eine Gefängnisstrafe von sechs Mo­naten.

Wegen Mitnahme von Personen gegen Entgelt auf regelmäßigen Fahrten auf einem nur zur Güterbeförderung zugelassenen Lieferkraftwagen wurde ein Milchhändler aus Rordeck in eine Geldstrafe von 20 Mark genommen, da er die hierfür nach der Rotverordnung vom 6. Oktober 1931 erforderliche besondere Konzession nicht besah.

Einguter" Rachbar, der seinem Rebenlieger Erdbeerpslanzen entwendet' hatte, und ein Aus­wärtiger, der den für Fahrräder gesperrten Fuß­weg von den Bleichen zur Lahnbrücke gefahren war, erhielten Geldstrafen.

Jtunöfunfprogramm.

Dienstag, 11. Oktober.

7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 12: Mil- tagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 13.30: Mit­tagskonzert auf Schallplatten. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 17: Rachmittagskonzert. 18.25:Aus der Geschichte der Wahlpropaganda", Vortrag von Grete de Franeesco. 18.50:Der deutsche Obst- und Gemüsebau. Möglichkeiten zu einer Qualitäts» und Absatzsteigerung", Vor­trag von Gartenbaudirektor Lange. 19.30: Dichter, die wir kennen sollten. Eine Folge von Gesprä­chen von Georg von der Vring: Martin Katte. 20: Karlsruhe: Johann Strauß dirigiert. 22.20: Was können wir von Los Angeles lernen? Vortrag von Dr. Heinz Herten.

Wettervoraussage

Das westliche Störungssystem schreitet ostwärts vor und wird weiter die Witterung beeinflussen. Da­bei fließt unserem Gebiet jetzt kühlere ozeanische Luft zu, welche vorerst noch Schauertätigkeit und Tempe­raturrückgang verursacht.

Aussichten für Dienstag: Wechselndes wolkiges, aber auch aufklarendes Wetter, dabei noch Schauer und Abkühlung, um West drehende Winde.

Aussichten für Mittwoch: Etwas beftän- diger, aber noch wechselnd wolkig und einzelne Schauer möglich.

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