Ausgabe 
10.10.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 238 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Montag, HO. Oktober 1932

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Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil i.V. Th. Kümmel sämtlich in Bietzen.

Auftakt zum Reichstagswahlkampf.

Nationalsozialismus und Stahlhelm.

(Sine Wahlrede Görings.

Braunschweig, 9. Okt. (TU.) 2n einer na­tionalsozialistischen Versammlung führte am Sonntag Reichstagspräsident Göring u. a. aus: Die Wahlen vom 31.3uli seien überflüssig ge­wesen, weil man der Willenskundgebung eines großen Teiles des deutschen Volkes nicht ent­sprochen habe. Am 13. August habe Hitler nicht die gesamte Macht gefordert, son- Dern die Staatsführung. Er habe den Reichs­kanzlerposten gefordert, um eine dem Volksgan­zen dienende Annen- und Außenpolitik führen zu können. Ten Reichspräsidenten habe man falsch unterrichtet. Innenpolitisch habe das Kabinett Papen erreicht, daß der Klassenkampf wieder be­ginne. Außenpolitisch reihe sich -Mißerfolg an Mißerfolg, und wirtschaftspolitisch könne man nur Scheinerfolge verbuchen. Die D e u t s ch n a t i-o - naIen seien von jeher erbitterte Geg­ner des Rationalsozialismus gewe­sen. In Harzburg habe man versucht, Hugen- berg zum Führer der gesamten nationalen Oppo­sition zu machen. Die Harzburger Front habe zusammenbrechen müssen, weil man unaufrichtig ge­gen den Partner gewesen sei. Göring befaßte- sich dann mit der Stellung des Rationalsozialis-- mus zum Stahlhelm, der seiner Einstellung nach zum Rationalsozialismus gehöre und nicht zu Pa­pen. Man habe niemals den Stahlhelm bekämpft und werde ihn auch niemals bekämpfen. Der Ra­tionalsozialismus müsse jedoch die Füh­rung bekämpfen, weil sie sich hinter die Regierung Papen und damit gegen das Volk stelle. Man verlange von keinem Kämpfer dieser Bewegung Treubruch. Verlangen müsse man aber von ihm, daß er seine Führung auf­fordere, den Mitgliedern die Freiheit des politischen Handelns wiederzugeben.

Deutschnaiionale und ASDAp.

Berlin, 8. Okt. Die amtlichen Mitteilungen der DRVP. bringen eine Auseinandersetzung mit der Taktik der Rationalsozialisten. Die Korrespon­denz schreibt: Rachdem es den Rationalsozialisten nicht gelungen sei, durch ihre planmäßigen Ter­rorakte gegen deutschnationale Ver­sammlungen die von der ganzen deutschen Presse bezeugt werden einen Erfolg zu erzie­len, und nachdem sie einsehen mußten, daß der deutschnationale Saalschutz kurzen Prozeß mit den Störenfrieden mache und sie an die Luft beför­dere, griffen die Rationalsozialisten zu anderen Methoden. Sie versuchten, die von ihnen ver­schuldeten Tumulte alsdeutschnationale Provokationen" hinzustellen und riefen die sonst von ihnen so heiß bekämpfte Regierung zu Hilfe. Sie verlangen von Dr. Bracht, daß er nun endlich gegen die deutschnationalen Hetz­redner" energisch vorgehe.

Unsere deutschnationalen Kampfgruppen re­krutieren sich nicht, wie die SA. zum großen Teil, aus ehemaligen Kommunisten. Sie alle, ob Ar­beiter oder Student, Angestellter oder Offizier, kämpften für ihre Idee, für Deutschland. Die Ra­tionalsozialisten haben den Kampf gegen die Kom­munisten und Sozialdemokraten auf gegeben. Für sie gibt es nur noch einen Feind: D ie Deutschnationalen. Der Ortsgruppenlei­ter der nationalsozialistischen Ortsgruppe Irssen, Kellner, schreibt in derIessener Zeitung":D e r Feind steht rechtsI Unsere Fahne ist rot und wir sind Sozialiste n. Ein Iahr ist es her, seit in Harzburg Rational­sozialisten und Deutschnationale zusammenkamen, um gemeinsam das schwarz-rote System zu stür­zen. Das System ist gestürzt, aber ohne die Ra­tionalsozialisten. Wir Deutschnationalen lassen uns in diesem Kampf, dem wir auch in Harz­burg dienten, nickt beirren. Auch dann nicht, wenn die Rationalsozialisten mit Terror und Schimpfen auf die Seite unserer schwarz-roten Gegner getreten sind. Wir wissen uns in diesem Kampf mit denjenigen Rationalsozialisten einig, für die auch heute noch der Feind links steht."

Zuwahl ins Präsidium derDMP.

Berlin, 8. Okt. (TU.) Die Deutschnationale Pressestelle teilt mit:In der Berliner Tagung des Parteioorstandes wies der Parteivorsitzende Dr. Hugenberg auf die Notwendigkeit hin, die Deutschnationale Organisation den erhöhten An­sprüchen anzupassen, die sich aus der veränderten Lage ergeben. Je eher der Parteistaab.oon Weimar seine Rolle ausgespielt habe, um so mehr müsse auch die Rolle der DNDP. als Partei zurücktreten, gegen­über der Rolle als Volksbewegung. Als solche habe sie die Aufgabe, den aufzubauenden neuen Staat zu tragen, die geistigen und sittlichen Grundlagen dieses neuen Staates an Herz ' id Verstand immer breiterer Massen des Volkes heranzubringen und entschlossen die Kräfte zur Ueberwindung der noch kommenden Schwierigkeiten zusammenzufassen. Hieraus werden sich auch erweiterte organisatorische Aufgaben und Arbeiten ergeben. Um sich von ihnen nach Möglichkeit zu entlasten, schlug Dr. Hugenberg vor, zum weiteren Stellvertreter des Parteivorsitzenden, insbesondere für Organisationsangelegenheiten, den Landesverbands­vorsitzenden von Potsdam I, v Dammes, zu wählen. Außer ihm sind zur Zeit Dr. v. Winter-

f e l d t, Vorsitzender der preußischen Landtagsfrak­tion: Dr. Oberfohren, Vorsitzender der Reichs­taasfraktion, Frau Anna Grete Lehmann, Pro­fessor Dr. Hilpert, München, noch Stellvertre­ter des Vorsitzenden."

Oie Landvolkpariei stellt eigene Listen auf.

Berlin, 9. Okt. Der Parteiausschuß des Deut­schen Landvolkes beschloß in seiner Tagung am Sonntag einstimmig, daß die Landvolkpartei bei den Reichstagswahlen mit eigenen Liften

v o r g e h t. Maßgebend für diese Entscheidung war die Auffassung, daß für den Gedanken der autoritären Staatsführung die brei­te st e Front geschaffen werden müsse. Gleich­zeitig erblickt das deutsche Landvolk in der be­ruf s st ä n d i s ch e n Sammlung der Landwirt­schaft nach wie vor eine Notwendigkeit zur Siche­rung der Lebensgrundlagen des deutschen Bauern­tums. Verhandlungen zum Zusammengehen mit anderen Gruppen, durch das die Aus­wirkung jeder abgegebenen Stimme sichergestellt wird, stehen vor dem Abschluß.

Reichölagung des Evangelischen Bundes.

Kassel, 10.Okt. (LPD.) Die 36.G eneraI- versammlung und Reichstagung des Evan­gelischen Bundes in Kassel begann am Sams­tag mit einer Gesamtvorstands- und Abgeordnetenversammlung, in der die praktischen Forderungen an Staat und Kirche, die der Evangelische Bund aufstellt, eingehend besprochen wurden. Abends wurde als Festspiel das CharakterbildGustav Adolf" aufgeführt. Ter Sonntag begann mit einem großen Fe st - gottesdienst in 20 KiSchen Kassels. Rach­mittags wurde in Volksversammlungen das Thema Evangelium und Volkstum" behandelt. Am Abend fand in der Stadthalle eine Fe st - Versammlung statt. Landesoberpfarrer Moeller übermittelte die Grüße der Landes­kirchen von Hessen und Rassau. Regierungspräsi­dent Dr. Friedensburg sprach als Vertreter Preußens und der Reichsbehörden in Kassel. Er betonte, daß eine verantwortungsbewußte Regierung die konfessionelle Spannung fordere, um eine gesunde Entwicklung der gesamten Kultur zu fördern. Die preußische Regierung müsse aber dabei bedenken, daß der größte Teil der Be­völkerung protestantisch sei, und daß ohne Luthers Tat die Kulturentwicklung Deutschlands in den letzten Iahrhunderten undenkbar sei.

Nach Begrüßungsworten von Oberbürgermeister Stadler forderte Universitätsprofessor Dr. Her­rn e l i n k (Marburg) eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Evangelischem Bund und den theologischen Fakultäten. Anschließend erläuterte Bundesdirektor Dr. Fahrenhorst- Berlin die Forderung des deutschen Protestantismus für Staat und Kirche. Der deutsche Protestantismus fordere eine kraft­volle und gerechte, vor Gott verant­wortliche Staatsleitung, die bewußt dem Volkstum diene, die alle Kräfte einsetze für die Frei­heit unseres Volkes. Deutsche Aufgabe sei, der grauenhaften Verloßenheit, die seit dem Kriege die Beziehungen der Volker zu einander vergifte, eine Politik der Wahrhaftigkeit entgegenzu- stcllen. Soziale Gerechtigkeit, die jedem Stande und jedem Volksgenossen seine Ehre gibt, müsse von der Regierung gewährleistet sein.

In den in der Gesamtvorstands- und Abge­

ordnetenversammlung ausgestellten Forderun­gen des deutschen Protestantismus für Staat und Kirche heißt es u. a.:

Nur Männer von unanfechtbarer Ehrenhaftigkeit und völliger Sauberkeit dürfen Amtsträger sein. Ehe, Familie und Sitte sind als Grundlagen aller Volkskraft zu fördern und vor Zersetzung zu schützen. Wir fordern für die evangelische Kirche die uneingeschränkte Freiheit in der Verkündigung des Evangeliums. Der Staat hat sich jeden Eingriffes in diese ihre Arbeit zu enthalten. Um der unlös­lichen Verbindung von kirchlicher Arbeit und Volks­leben willen hat der Staat der evangelischen Kirche für ihre Einrichtungen die Mittel und den Schutz zu gewähren, auf welche sie nach Recht, Herkommen und Bedeutung Anspruch hat. Wir fordern nicht um der Kirche, sondern um der Ehre unseres Volkes willen, daß der Staat jeder Herabwürdigung des Heiligen und jeder böswilligen Verletzung des reli­giösen Bewußtseins entgegentritt. Wir fordern, daß der otaat jene wirkliche Parität übt, die jeder Kon­fession das Ihre gibt. Bei der Anstellung seiner Be­amten darf er nicht nach der Konfessionszugehörig­keit, sondern allein nach Befähigung und Leistung fragen. Nur bei denjenigen Beamten­gruppen, deren Berufstätigkeit in unmittelbarem Zusammenhang mit der Weltanschauung steht, muß die kirchliche Zugehörigkeit den konfessionel­le en Verhältnissen in dem Wirkungs­kreis entsprechen, für den der Beamte bestimmt ist. So muß an allen Schulen und in allen mit dem Erziehungswesen befaßten Behörden die Zahl und die Amtsstellung der evangelischen Lehrer und Beamten in gerechtem Verhältnis zu der Zahl der ihnen anvertrauten evangelischen Schü­ler stehen. Wir fordern für die gesamte Jugend des evangelischen Volksteils eine auf evangelisches Chri­stentum und deutsche Art gegründete Erziehung. Darum fordern wir für die evangelischen Schüler evangelische Schulen unter Anerkennung des ge­schichtlichen Rechts der christlichen Simultanschule, soweit sie sich in einzelnen Gebieten eingebürgert hat. Auch für die höheren Schulen wünschen wir, daß das ganze Schulleben von einheitlichem, christ­lichem und deutschem Geist durchdrungen sei.

Eine Gonniagsrede Herriois.

Paris, 9. Ott. (WTB) Ministerpräsident Herriot, der den Präsidenten der Republik zu den Einweihungsfeierlichkeiten des Cembs- Kanals nach Cembs begleitete, hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er einleitend auf die Bedeutung dieses Kanals für das Wirt­schaftsleben des Elsaß hinwies. Von der Be­hauptung ausgehend, daß das Elsaß ein voll­kommen französisches Land wäre, sei es auch nur durch die Anhänglichkeit an die Freiheit, fuhr H e r r i o t dann fort, das Elsaß würde wohl in der gegenwärtigen Krise ebenso wie die gesamte französische Ration seinem Leidensanteil zu tragen haben, aber es wisse, daß Frankreich nichts vernachlässigen werde, was zur Beleidigung von Elsaß und der Stärkung seines Wohlstandes beitragen könne.

Frankreich, als dessen ältester Sohn das El­saß angesehen werden könne, wolle nichts ande­res, als mit seinen Rachbarn, wie mit allen Völ­kern überhaupt in Frieden leben. Es wäre Frank­reich angenehm -- und dies sei auch in einer kürzlichen Rote betont worden seine Be­mühungen um Arbeit und Zivilisation mit denen eines großen arbeitsamen Volkes zu verbinden, das ebenso wie das französische an der Wieder­herstellung der europäischen und Weltwirtschaft Interesse habe.

Die Aufmerksamkeit der Völker konzentriere sich gegenwärtig auf ein furchtbar schweres Problem.

Frankreich stelle einen konstruktiven Plan zur Organisierung des Friedens und zur allmäh­lichen Abrüstung, fertig, der dem Bureau der Abrüstungskonferenz unterbreitet werde, sobald die notwendigen Gutachten eingegangen seien und die Regierung darüber beraten haben werde. Frankreich verlange nur die zu einer methodi­schen und gutgläubigen Aktion erforderlichen

Fristen.

Wie könne man eine Regierung beargwöhnen, die seit ihrer Bildung nicht aufgehört habe, Tag für Tag zugunsten des Friedens zu arbei­ten? Frankreich wolle Ententen, aber auf­richtige und loyale; eine andere Richtlinie kenne

seine Politik nicht. Wenn man überall auf einen gleich guten Willen stieße, würde ein Werk wie dieses einen bedeutsamen Beitrag zur Annäherung der Völker in den Arbeiten des Friedens darstellen.

Die weitere Reise führte den Präsidenten der Republik und Herriot nach Mülhausen, wo ein Empfang im Rathause stattfand. Herriot be­tonte Frankreichs Willen, für den Frieden zu arbeiten. Als Beweis für die Förderung der Be­ziehungen unter den Völkern müsse auch der heute vormittag eingeweihte Kanal gelten. Ein solches, an der Grenze errichtetes Werk, müsse aller Welt den Friedenswillen Frank­reichs vor Augen führen. Wenn Frankreich nicht den Wunsch hätte, daß dieser Friede her­gestellt werde, würde es dann so viel Geld für Arbeiten an der Grenze ausgeben?

Frankreich

fordert neue Gicherheiten.

Paris, 10. Okt. (MTV. Funkspruch.) LautVo­lonte" geht der neue französische Sicherheits- und Abrüstungsplan dahin, Hoovers Memoran­dum als Grundlage zu nehmen, aber unter der Bedingung, daß dieser plan durchBe st immun- gen überdieOrganisierung der Sicher­heit durch gegenseitige Hilfeleistung ergänzt werde. Die vereinigten Staaten würden, wie das Blatt weiter mitteilt, aufgefordert 'werden, die wirtschaftliche Blockade gegen den Angreifer zu Gunsten der Ange­griffenen zu verhängen. England mühte darüber hinaus an einer Organisation gegenseiti­ger Hilfeleistung in Europa teitnehmen. Die von Deutschland geforderte Gleichbe­rechtigung würde dann ohne Ungelegen­hei t e n m ö g l i ch s e i n. Das Blatt fordert vor der endgültigen Annahme dieses Planes, der die Kri­stallisierung des politischen und territorialen Status quo darstelle, eine Reglung der sranzösisch- deutsch-polnischen Streitfragen na­mentlich an der deutschen Oftgren ; e.

Vorstandstagung der Deutschen Volkspartei.

Dmneldey cibt die Parole für den Wahlkampf aus.

Erfurt, 9. Okt. (TU.) Der Zentral­vorstand der Deutschen Volkspartei trat unter Vorsitz des Parteiführers Dingeldey zusam­men. Er beschloß, dem Parteiführer grö­ßere Vollmachten für die Wahrung^ der Schlagfertigkeit der Partei zu geben und wählte Dingeldey wiederum zum Führer. Zu nichtstän­digen Mitgliedern des Parteivorstandes wurden zu den ständigen Mitgliedern (Dingeldey, Hugo, Iarres und Schendl) hinzugewählt: Kalle, Graf Stolberg, Burger, Stauß, Frau Reven-Dumont, Frau v. Kuleise, Böhm, Retsmann und Heiden­reich. Zum Ehrenmitglied des Parteivor­standes wurde D r. v. Campe gewählt.

Der Parteiführer Dingeldey erstattete dann den politischen Bericht. Er führte u. a. aus: Wir sehen die Auflockerung der Fronten. Die Liquidation des Weimarer Systems ist ein histori'cher Prozeß. Das Weimarer System brachte Verwaltung und Regierung in die Abhän­gigkeit populärer Parolen, es begann das Jagen nach der Gun st der Masse. Das wieder führte zur Erschütterung der finanziellen Grundlagen des öffent­lichen Lebens, zur parteivolitischen Kor­ruption und zur Gefährdung des Vertrauens des Staatsbürgers in seine Obrigkeit. Heute kommt es nicht auf Programme an, sondern a u f die Tat. Weil wir Taten von der Regie­rung Papen sehen, deshalb stehen wir hin­ter ihr. Was sie als ihr Programm vertritt, das haben wir vor Iahren schon klar und deutlich erkannt. Die vordringlichste Aufgabe ist, einen Wirtschaftsaufbau zu gestalten, der uns die Mög­lichkeit einer Wiederbelebung gibt und die Rot der Arbeitslosigkeit bekämpft. Keine Staatsvoll­macht, sondern nur freies Schaffen kann dieses Ziel erreichen. Die Regierung ist nicht gut beraten, wenn sie einseitigen Gedankengängen in handelspolitischen Fragen huldigt. Wir dür­fen nicht durch eine Politik der Kontingente die deutsche Ausfuhr schädigen. Die DVP. steht h i n- t e r Hindenburg, nicht aus Liebedienerei, sondern in der tiefen Ueberzeugung, daß seine Größe uns allen Inhalt gibt in un­serer gärenden Zeit. Ietzt gilt es, die Autori­tät zu schützen. Wenn aber eine neue Epoche anbrechen wird, dann wollen wir nicht, daß ein ilntertanenftaat wiedcrauflebt. linier bleibt als oberster Leitstern der Glaube an ein machtvolles Deutschland, in dem d i e Freiheit des Ge­wissens und Schaffens den Platz hat, zu kämpfen. Das Vaterland über die Partei!

Der Reichskanzler zur Uraufführung eines Stahlhelm-Zilms.

Für die Grundlagen eines neuen Reichs."

Berlin, 9.Okt. (TU.) Arn Sonntag wurde ber Film vom 13. Reichsfrontsoldatentag Berlin 1932 des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten,D e r Stahlhelm marschiert" zu gleicher Zeit in sechs großen Lichtspieltheatern der Reichshauptstadt uraufgeführt. Der Vorstellung im UfatheaterUni­versum" am Kurfürstendamm wohnten u. a. Reichs­kanzler v. Papen, mehrere Reichsminister sowie Vertreter der Wehrmacht und der Behörden bei. Ferner sah man den ehemaligen Kronprinzen, den Prinzen Eitel Friedrich, den Prinzen und die Prin­zessin Oskar von Preußen. Es liefen zwei Filme des Stahlhelm,lieber den Parteien" ist der Titel des Bildberichtes von der großen Führer­tagung in Magdeburg, die die politische Marsch­richtung des Bundes bestimmte. Der FilmFrei­willige vor" gibt einen umfassenden Querschnitt durch den Freiwilligen Arbeitsdienst des Stahl­helm. Bundeskanzler Major a. D. Wagner wies in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß der Stahlhelm, wie bisher, unabhängig von Parteien seinem Ziele folgen werde. Mit dem FilmDer Stahlhelm marschiert" gibt der Bund allen denen, die keinen oder einen unvollkommenen Eindruck von dem Aufmarsch in Berlin bekommen konnten, Gelegenheit, sich ein treffendes Bild von der Kund­gebung der 200 000 jungen und alten Stahlhelmer auf dem Tempelhofer Feld zu machen. Alle drei Filme fanden einen überaus starken Beifall. Die Zuschauer stimmten nach Beendigung der Vorfüh­rung das Deutschlandlied an. Reichskanzler ^v o n Papen fprach zum Schluß die Worte:Der Stahl­helm hat 13 Jahre für d i e Grundlageeines neuen Reiches gekämpft. Er wird nicht um- sonst gekämpft haben."

Eine Wahlrede Grzesinskis in Mainz.

Mainz, 9. Oft. (WER.) Den Wahlkamps in Mainz eröffnete die Eiserne Front mit einer stark besuchten Kundgebung im großen Saale der Stadthalle, in der der frühere preußische Innenminister und Berliner Polizeipräsident Grzes i nski u. a. ausführte: Bei der Reichs­tagswahl gehe es um den Grundsatz der Reichs­verfassung, daß die Staatsgewalt vom Volk ausgehe. Es gehe ferner um die fo- zialen Einrichtungen und Errungen­schaften der Republil. Die Voraussetzung für ein geordnetes Wirtschaftsleben, für Arbeits­und Verdienstmöglichkeit seien Ruhe, Ordnung und Frieden im Innern auf lange Sicht und Stabilität der verfassungs- und staatsrechtlichen Verhältnisse. Die Rationalsozialisten seien für die Regierung v. Papen und deren Politik ber-