des Vertrauen- für Deutschland wirke.
Der Redner betonte dann, die Präsidentenwahl fei eine rein innerdeutsche Angelegenheit, bei der da- Ausland nichts mrtzureden habe und in die man nicht, wie von einer Seite geschehen, daS Ausland hcreinziehen dürfe. Hinsichtlich der Behauptung, Hindenburg sei der Kandidat der Sozialdemokratie, da ja die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Regierung Brüning bisher gestützt habe, erinnerte der Redner daran, das) das Volksbegehren deS Stahlhelm auf Auslösung des preußischen Landtag- von den Ko mm uni st en unterstützt worden sei, es aber wohl keinem Menschen einfallen werde, deswegen den Stahlhelm als kommunistisch zu bezeichnen. Man dürfe ge- rcchterweise bei dieser Parallele verlangen, das) Hindenburg künftig nicht mehr zum Kandidaten einer Partei gestempelt werde. Weiter wolle er (Redner) daran erinnern, daß der deutschnationale Reichstagsabgeordncte von Oldenburg- Ja n u s ch a u einmal erklärt habe, Brüning sei derbe st eKanzlerseitDiSmarck, und Oberstleutnant Duesterberg habe gesagt, so lange Brüning in der Reparationsfrage an seinem Rein fcsthalte, habe das ganze deut- scheDolkhinterihmzu stehen. Dieses Rein Brüningö, so hob der Redner hervor, sei aber ebenso unverrückbar, wie das Rein Hindenburgs. Als 1931 Brüning seinen Leidensweg über Ehe- quers, Paris und Rom antreten mußte, um dort Vertrauen für Deutschland zu werben, habe sogar Hitler gesagt: „Es ist ganz selbstverständlich. daß wir die deutsche Außenpolitik dieses Kanzlers mit ganzem Herzen und allem Können zu u n t e r stü tz e n haben".
Hindenburg habe Brüning ausdrücklich mit der Aufgabe betraut, mit der bisherigen Parteiherrschaft Schluß zu machen und seine Politik nur auf sein (Hindenburgs) Vertrauen zu stützen. Don diesem Zeitpunkt ab sei mit der Allmacht der Parteien Schluß gemacht worden. Sodann fragte der Redner, wo denn im vorigen Jahre während der schweren Bankenkrise und der größten Gefahr für Deutschland die Partei oder Bewegung gewesen sei. die mit der gleichen Energie wie heute nach der Macht gedrängt habe? Damals habe man sich sorgfältig zurückgehalten. Es stehe unbedingt fest, daß H i n- de >c bürg sich dem Willen keiner Partei beugen werde. Wer Treuhänder des ganzen Volke- zu sein habe, dürfe sich auch keiner Partei verschreiben, sei es welche es wolle. (Lebhafter Beifall.)
Der Redner erinnerte dann an die Kriegsschuld I ü g e und erklärte, auf direkte Veranlassung Hindenburgs sei bereits im Herbst 1925, trotz mancherlei Bedenken der damaligen Reichsregierung und trotz Warnungen der Deutschen Botschaft in Paris, den früheren Feindmächten der Widerruf der Kriegsschuldlüge amtlich notifiziert worden. In einer sorgenvollen Sitzung des Reichskabinetts habe man damals schwer um diesen Schritt gerungen. Hindenburg habe aber auf seinem Entschluß, den Widerruf der Kriegsschuldlüge den ehemaligen Feindbundregierungen zur Kenntnis zu bringen, mit unbeugsamer Festigkeit beharrt und schließlich mit einem Faustfchlag auf den Tisch erklärt: „Ich befehle die Absendung dieser Rote." Daraufhin sei die Rote abgeschickt worden. Hm den Kampf der nationalen Befreiung unsere« Vaterland^ weiterhin mit Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt führen zu können, habe sich Hindenburg für die koiumende Rcichspcäsidentenwahl wieder zur Verfügung gestellt. Er erstrebe den Zu - sammenschluf) des ganzen Volkes zur Durchführung dieser Ausgabe und fordere zu Diesem Zwecke volle Hingabe jedes Deutschen an die große vaterländische Aufgabe. (Langanhaltender stürmischer Beifall.)
Oer zweite Hauptredner,pfarref Beith, Frankfurt a.M.,
wies besonders darauf hin, daß der Fcldmarschall auch in den trüben Zeiten Ende 1918 sein Bolk nicht im Stiche gelassen habe. Ludendorff sei damals nach Von Geld und Liebe.
Vornan von Grete von Gaß.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle
(Schluß.)
lieber das Warten auf sie vergingen Herbst und Winter. Hans-Achim konnte dies vergebliche Warten kaum mehr ertragen. Ganz elend wurde er davon.
„Fahre nach Parisi" riet ihm seine Mutter. „Hole sie dir!"
„Ich würde cs tun, wenn die verdammten Millionen nicht wären. Es könnte leicht so auS- sehen alS machte ich Jagd auf sie."
„Lene wird daS nicht glauben."
„Lene nicht — vielleicht nicht!" fügte er mit Achselzucken hinzu. „Aber andere glauben dies gewiß, lind das Schlimmste ist: ich fühle selbst, cs geht nicht — ich kann jetzt nicht zu ihr. Es ist zum Verzweifeln! Einmal hat uns unsere Armut getrennt — und nun Lenes Reichtum."
Die Mutter konnte ihm nichts zum Trost sagen, erst recht nichts zur Aufmunterung.. Es blieb weiter nichts übrig, als darauf zu warten, wie sich die Dinge entwickelten. Eigentümlich war es, daß Helene in ihren Briesen nie nach Hans- Achim fragte. Helenes Mutter brachte ihr stets die Briefe auS Paris, daß sie sie las. In jedem sprach sie von Doktor Hahn, mit dem sie innig bcsreundct war. Das gab Ottilie Tönnies zu denken.
Eine alte Erfahrung: Gefühle wandeln fich oft sehr schnell I
Es war im Frühjahr, als Hans-Achim eines Tages von seiner Mutter mit der Rachricht empfangen wurde, daß Helene heimgekommen sei.
„Hast du sie gesprochen, Mama?"
„Rein, ich sah sie kommen: sic war in Begleitung cineS Herrn. Ich denke mir, cs war Doktor Hahn."
„Wahrscheinlich."
„Wirst du nicht hinaufgehen, um fie zu begrüßen, Hans-Achim?"
„Rein! Ja, wenn sie allein gekommen wäre, ober so — Rein, ich möchte nicht stören!"
Er ging in sein Zimmer.
Rach einiger Zeit folgte ihm die Mutter.
„Was kann daS zu bedeuten haben, daß Lene mit Doktor Hahn zusammen ankam?"
Hans-Achim zuckte mit den Achseln.
»Weih man cs!"
Schweden gegangen und viels andere, die sich heute in nationalen Reden nicht genug tun könnten, seien in jener Zeit unsichtbar gewesen. Die Hil.denburg. Wähler ließen sich von all diesen Leuten nicht darüber belehren, was national sei. (Stürmischer Beifall.) Bei der Stimmabgabe am nächsten Sonntag sei es notwendig, daß man sie auf Vertrauen aufbaue. Bcrtrauen könne man doch nur einem Manne cntgeyenbringen, der sich bisher schon durch seine Taten dieses Vertrauens wert gezeigt habe. Er (Redner) wolle gar nicht in Zweifel ziehen, daß Hitler vielleicht das Zeug zu staatsmännischem Können in sich habe, aber den Beweis dafür habe Hitler bisher noch nicht e r b r a d) t; diesen Beweis müsse er erst noch liefern. Es sei deshalb nicht richtig, jetzt gleich nach der obersten Stelle der Reichsgewalt zu greifen, in einem anderen Amt sei die Beweisführuna ebenso möglich. Eine Politik der Romantik sei für das deutsche Volk in hohem Maße gefährlich. Der Redner
erinnerte daran, daß der frühere Reichsbankpräsi- dent Schacht schon vor Hindenburg den Young- plan unterschrieben habe. sJDlan dürfe gerechterweise Hindenburg keinen Borwurf aus dieser Unterschrift machen, nachdem schon ein Mann der anderen Seite dieses Dokument unterzeichnet hatte. Auf Hindenburgs ausdrückliches Verlangen feien auch Männer der Deutfchnationalen Partei in das Kabinett Brüning aufgenommen worden, die man früher auf der Rechten nicht genug gelobt habe, die aber jetzt auf einmal nichts mehr taugen sollten. Die beste Gewähr dafür, daß Deutschland ohne offenen Bürgerkrieg aus allen innerpolitischen Gefahren herauskornme, sei die weitere Führung unseres Volkes durch Hindenburg. Auf Hindenburg könne man sich unbedingt verlassen, mit ihm werde man keinen Sprung ins Dunkle erleben. Für Deutschland müsse es jetzt heißen: der Deutschen Zwietracht mitten ins Herz, darum für Hindenburg! (Stürmischer Beifall.)
Wirtschaft.
• Einschränkungen bei der Gute- hoffnungshütte. Wie die Verwaltung der Gutehofsnu..gshütte dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf mittcilte, sieht sie sich infolge Verschlechterung des Absätze« und der in unerträglichem Maße gestiegenen Feierschichten gezwungen. eine Drosselung der Kohlenförderung vorzunehmen. Auf den Zechen Osterfeld und Jakobi sollen Detriebseinschränkungen stattfinden, wodurch insgesamt 720 Arbeiter und 20 Angestellte zur Entlassung kommen. GS wird aber noch die Frage geprüft, ob an Stelle der Entlassungen Kurzarbeit cingeführt werden kann.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. IN
9-Mär,
10. Mär,
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7,057
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Prag
12.465
12,485
12.465
12.485
Öubapcfi
56.94
57.06
56.94
57.06
Sofia
3.057
3.063
3,057
3,063
Holland
169.23
169,57
169.43
169,77
Delo
85,16
85,34
86.34
84.42
84,58
Ropcnlinflee.
86,16
85,56
85.74
Stockholm
86,21
86.39
85,61
85,79
London
15,63
15,67
1552
15.56
Buenos Airei
1.073
1,077
1.073
1,077
WeunotJ
4.209
4.217
4.209
4.217
«rüffel tziaiien
58,34
56 46
58.49
58,61
21,79
21.83
21.81
81,85
Pari,
16,51
16.55
16,54
16.58
Schweiz
81 20
81.36
81,42
81,58
Spanien
32.37
32.4C
32,37
32,43
Danzig
82.02
82.18
82.02
82,18
Japan
Kto de Ian..
1.309
1.311
1.319
1.321
0,254
0,256
0.252
0,254
flupoflarotee. Ulilafcoe
7,413
7,427
7.413
7,427
14.24
14.26
14.14
14.16
Banknoten
I Kursgestaltung sehr uneinheitlich, doch ge* | genüber der Abendbörse überw'cgend c twcs schwächer. IG.-Farben, die zunächst auf dem lricht erholten Riveau von gestern abend behauptet waren, schwächten sich im Verlaufe um etwa 1 Proz. ab, da immer wieder einiges Material herauskam, dos bei der herrschenden Nervosität nur auf ermäßigter Basis placiert werden könnt?. Reichsbankanteile lagen ebenfalls noch eher freundlicher, bei Eröffnung später wieder um 1 bis 1,5 Prozent niedriger. Verhältnismäßig gut behauptet lagen Elektrowerlc und Montanpapiere. Schuckert konnten le-ttoa 1 Proz. anziehen. Am Kunstseidemarkt blieben Aku gut gehalten, Bcmberg gewannen etwa 1,5 Proz. Schiffahrtswerte bröckelten um 0,5 bis 1 Proz. ab. Durch schwache Haltung fielen von Auslandaktien Svenska auf, die auf das stärkere Anziehen der nordischen Devisen gegen gestern etwa 5 Mark einbüßten. Am Rentenmarkt waren Goldpfandbriefe weiter angeboten und erneut 0,25 bis 0,50 Proz. schwächer, während Liguidations- Pfandbriefe gut gehalten blieben. IG.-Farbenbonds hatten bei regerem Geschäft behaupteten Kursstand. Reicbs^chuldbnchforderungen zo"en 0,5 Prozent an Altbesihanle.he blieb ge ragt und un- veräiwect. Don fremden Werten lagen Mexikaner etwas freundlicher.
In Erwartung einer Diskontsenkung der Bank von England konnten sich im Verlaufe die Kurse wieder leicht erholen, doch hielt sich das Geschäft weiterhin in engen Grenzen. IG.-Farben zogen etwa 0,75 Pro-, an. Späterhin verfiel die Börse wieder in stärkste Zurückhaltung. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 6 Prozent leicht.
Berliner Börse flau.
Rcichsbankdivkont 6 pro;. — Lombardsah 7 Proz.
Berlin, 9. März
»elb
Mf .
'timetltanifdie Violen......
4 20
4,22
Belgische Noten ........
Dänische Noten ........
58,18
85 98
58-42
88.32
Englische Noten ........
15.59
15.65
itraniiffifche Noten........
16.47
16,53
Holländische Noten .......
168,86
169,54
Italienische Noten ....
22.11
22,19
Norwegische Noten
84.98
85.32
Deutsch-Lekierreich. • 100 Gchilltog
•—
—
Numänische Noten . . .
2.49
2.51
Schwedische Noten .....
86,03
86,37
Schweizer Noten. .......
81,02
81,34
Spanische Noten .......
32,29
32,41
Ungarische Noten
Frankfurt sehr uneinheitlich.
Frankfurt a. M. 10. März. (WTB. Drahtmeldung.) Obwohl an der Avendbörse Absätze zu einer Besserung der Stimmung zu verzeichnen waren, eröffnete der heutige Bi>rsenireiveüehr in überwiegend schwächerer Grundstimmung. Das Rähcrruckcn des Wahlsonntags hat die älnsicher- heit sehr verschärft. Die feste Haltung der deutschen Werte an fast allen ausländischen Börsenplätzen fand zwar Beachtung, vermochten der Börse aber keine nennenswerte Stütze zu bieten. Bei wiederum sehr geringen Umsätzen war die
Berlin, 10. März. (WTB. Funkspruch.) Zu Beginn der offiziellen Börse kam wieder an verschiedenen Märkten Ware heraus, da hinsichtlich der VÄ:steigerungsware Unsicherheit bestand. Ferner verstimmte, daß die Schwierigkeiten um Michael, die zwar schon seit längerer Zeit bekannt sind, jetzt öffentlich in der Presse behandelt! werden. Daß das Publikumsinteresse. je näher der Wahltag rückt, im Verhältnis immer kleiner wird, braucht wohl kaum besonders erwähnt zu werden. Gegen gestern mittag zeigten die Kurse meist nur geringe Veränderungen, gegen gestern abend waren sie 0,50 bis 1 Prozent niedriger. Auch Reichsbankanteile waren trotz'der Dividendenschähungen (8 Prozent plus 4 Prozent Bonus- etwas 7chwächer. Für Kunstseide- werte erhielt sich jedoch Interesse. Auch im Verlaufe war die älmsahtätigkeit sehr klein. Rach- dem sich die Kurse zunächst etwa auf Anfangsniveau behaupten konnten, bröckelten sie später eher etwas ab. Besonders Chadeaktien waren um 2 Mk. gedrückt. Reichsbankanteile erneut um 1 Prozent schwächer. Später ließ die Iprozcntige Diskontsenkung in London aber diese Verluste wieder ausgleichen, zumal auch hier der Geldmarkt relativ leichte Veranlagung hat und die Festig
„Man wird es heute noch erfahren, denke ich mir."
„Möglich!" antwortete er einsilbig und dachte: Erfreuliches wird es nicht fein. Gr zündete sich eine Zigarette an und blies Rauchwolken in die Luft.
Die Mutter svrach; er hörte nicht darauf. Er wünschte, daß sie ihn nun endlich allein ließe.
Die Wohnungsglocke schrillte.
Ottilie ging, um zu sehen, wer da sei.
„Vielleicht ist eS Lene!" sagte sic, sich von der Tür noch einmal zu ihm umwendend.
Er erhob sich, zerdrückte den Rest seiner Zigarette in der Aschenschale. In seinen Händen war eine schmerzhafte Unruhe. Diese älnruhe nahm ganz unö gar von ihm Besitz.
Ob das nun wirklich Helene war, die geklingelt hatte?
Im Vorraum wurde gesprochen.
Er lauschte mit angehaltenem Atem, konnte aber kein Wort verstehen, auch nicht die Stimmen erkennen.
Dann kam die Mutter.
„Es war Lene. Lene mit Doktor Hahn." „Was wollte der?" fragte er ungeduldig.
„Er sollte mir präsentiert werden."
„Als was denn? Etwa als Lenes Verlobter?"
Seine dunklen Augen hatten einen grimmigen Ausdruck. Er spürte Mordlust in seinen Finger- sp'tzen.
„Als Lenes Verlobter?" wiederholte Ottilie. „Rein, davon war nicht die Rede!"
„Also das nicht! Ja, was denn?"
„Als ihr Freund, als älrheber all ihres Glücks — was weiß ich!"
„Aha - soso!"
Gr wars sich wieder in seinen Sessel und brannte sich eine neue Zigarette an. Rach den ersten Zügen zerdrückte er sie wieder mit zitternden Fingern in der Aschenschale und überlegte: Ob ich nicht zu ihr hingehe, sie einfach frage: Wie stehst du zu diesen Menschen? Es wäre Der kürzeste Weg. Aber er konnte sich nicht zu ihm entschließen.
„Warum ließest du mich eigentlich nicht rufen, Mama?"
Gr sah sie an. In seinen Augen war verhaltener Zorn.
„Ich wollte es. Lene hielt mich davon ab und sagte: .Ich sehe ihn später noch!'"
Was das nun wieder heißen sollte?!
„Was ist das für ein Kerl, dieser vielgerühmte Doktor Hahn?"
„Das kann ich nach dieser Fünf-Minuten-Bc- kanntschaft nicht f agen. Er machte auf mich einen sehr angenehmen Eindruck. Er erzählte mir, daß
er für einige Wochen nach Roscncck einge- laden fei.“
„Ranu!"
Hans-Achim schüttelte mit dem Kopse.
Er begrfff nicht — begriff nichts mehr.
Warum nur die Helene ihn nicht sehen wollte? Das war merkwürdig — sehr merkwürdig! Das ließ darauf schließen, daß sie fertig mit ihm war, ganz fertig! Was einst zwischen ihnen gewesen, war wohl von ihr vergessen oder galt ihr nicht mehr als eine kleine lächerliche Episode.
Verdammt noch mal! — Der verhaltene Zorn in ihm wollte heraus, preßte ihm fast die Luft ab. Er trat zum Fenster hin, riß es weit auf und atmete gierig die Luft ein.
„Lene hat Friedrich Auftrag gegeben, ihr das Vorkaufsrecht an dem Besitz zu sichern, der sich in der Rähe von Roseneck befindet. Du erinnerst dich, daß von einem solchen vor einiger Zeit die Rede war?"
Er antwortete nicht.
Was ging ihn das alles an?! — Oder —?
Herrgott, wenn er sich doch Gewißheit verschaffen könnte, was nun eigentlich war!
Die Mutter verließ das Zimmer.
Rach etwa einer Stunde ließ sie ihn zum Abendessen bitten.
Die Mutter hatte eine Kanne mit Rotwein auf den Tisch gestellt. So, das war wenigstens gut!
„Trink!" forderte die Mutter ihn auf unö füllte sein Glas. Er goß es in einem Zuge hinunter. Die Mutter füllte es von neuem. Sollte er nur trinken, dann schlief er wenigstens die Rächt — sonst würde doch nichts daraus.
Sie sah, daß er erregt war. Er tat ihr leid. Sie glaubte nicht mehr daran, daß er zu seinem Glück kam.
ES war ziemlich spät, als sie vom Tische aufstanden und Hans-Achim in sein Zimmer ging. Es war schon dunkel darin. Er dachte nicht daran, das Licht cinzuschalten, ließ sich in seinen Sessel fallen unö sann vor sich hin.
Plötzlich horchte er auf. Der leichte, huschende Schritt war über ihm. Helene war in ihrem Zimmer!
Er sprang auf, reckte sich. Sein Herz klopfte gewaltig.
Mit gesammelten Sinnen lauschte er auf jeden Laut, Der aus Helenes Zimmer zu ihm drang.
Rein, das war nicht zu ertragen — dieses Rah- und doch Getrenntsein!
Er gab Klopfzeichen und wartete. Würde sie reagieren?
Es blieb still, mäuschenstill.
Er stürzte aus seinem Zimmer, nahm im (Bor- raum seinen Hut und verließ das Haus.
feit der deutschen Bonds an Der gestrigen Reu- Yorker Börse eine gewisse Stühe bot. Letzteres war wohl auch der Grund für das Interesse, das man am Anleihemarkt für die Alt» und Reu- besihanleihe und für die Reichsschuldbuchfordc- rungen beobachten konnte. Auch Reichsbahnvorzugsaktien und Farbcnbonds waren um 0,50 Prozent zirka gebessert, während Liguidationspfand- briefe und Kommunalobligationen nur wenig verändert lagen und Goldpfandbriefe, in denen Auslandsangebot bestehen soll, um zirka 0,50 Prozent und vereinzelt sogar bis 1 Prozent nachgaben. Am Geldmarkt lag dec Satz für Tagesgeld an der unteren Grenze bei 6,75 Prozent, vereinzelt auch bei 6,50 Prozent, die übrigen Sähe blieben unverändert.
frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 10. März. Auftrieb: 115 Rinder, 1030 Kälber, 172 Schafe, 674 Schweine, darunter 90 Litauer. Es notierten: Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 39 bis 32; mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 38: geringe Kälber 30 bis 33. Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 30 bis 32; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 26 bis 29. Schweine. Doll- fleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 42 bis 43; vollfleischigc Schweine von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 41 bis 43; vollfleischige Schweine von etwa 160 b:8 200 Pfund Lebendgewicht 39 bis 43; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 36 bis 40. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege, geräumt, Schweine ruhig, ausverkauft.
Rundfunkprogramm.
Freitag, 11. März.
7.20 Uhr: Frühkonzert. 12.05: Don Berlin: Konzert 13.05: Don Köln: Mittagskonzert. 17.00: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.40: „Streitverfahren und Spruchpraxis II“. Dortrag von Oberregierungsrat Dr. Kümmerlen. 19.05: Aerztevortrag: „Die Bluterkrankheit“. 19.35: Goethe-Worte an unsere Zeit. 19-45: Verklungene und moderne Schlager, gesungen von Franz Baumann. 20.30: Die Dame plaudert (Plauderei historischer Damen), gesprochen von Theamaria Lenz. 21.00: Orchcsterkonzcrt des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 23.00 bis 24.00: Unter» Haltungsmusik.
SamStag, 12. März.
7.20 Uhr: Frühkonzert. 10.20 bis 10.50: Leben und Treiben auf dem Westerwald. Hörbild unter Leitung von Paul Laven. 12.05: Don Berlin: Konzert. 13.05: Don Köln: Mittagskonzert. 15.15: Stunde der Jugend, Liederstunde. 16.30: Wiesbaden: Konzert des Künstler-Ensembles des städtischen Kurorchesters. 18.15: Aus dem Weißen Saal des kurfürstlichen Schlosses in Mainz: Theater und Dichtung im Rheinland, Bericht. Von Paul Laven. 18.40: „England und Dominions", Vortrag von Wolf v. Dewall. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.35: Freiburg: Wiener Schrammelmusik. 20.00: Der junge Goethe, Rezitationen von Theamaria Lenz. 20.30: Die Dollarprinzessin. Operette in drei Akten, Musik von Leo Fall. 22.35: Stuttgarter Stadthalle: Übertragung vom Reit- und Springtumier. 23 bis 24: Tanzmusik.
Daten für Freitag, 11. März.
1544: Der italienische Dichter Torquato Tasso in Sorrent geboren; — 1785: Eleonore Prohaska, als Jäger Renz im Lühowschen Freikorps, in Potsdam geboren; — 1917: Ausbruch der russischen Revolution; — 1923: Der deutsche Seeoffizier Karl v. Müller, Führer der „Emden", in Braunschweig gestorben.
Briefkasten der fteftaftion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.)
995 in fi. 1. Die Steuerpflicht bleibt ohne Rücksicht auf Rückzahlung des Darlehens bestehen. 2. Näheres ist bei dem zuständigen Finanzamt zu erfragen.
Sekundenlang blieb er vor dem Hause abwartend stehen.
Würde Helene vielleicht doch kommen? Rein, es schien wohl nicht so. Er ging langsam die Straße hinauf, den Weg, der zu den Anlagen führte.
Er hatte ihn noch nicht ganz erreicht, al» ein eiliger Schritt hinter ihm erklang.
„Hans-Achim!"
Er blieb stehen, wandte sich um.
Helene stand vor ihm und streckte ihm dir Hand hin.
„Ach Gott, bin ich gelaufen! Warum wartetest du nicht auf mich?"
Sein Blick ruhte auf ihrem Gesicht, in einem Ausdruck, der sie ergriff.
„Wenn du wüßtest, wie ich auf dich gewartet habe — nicht nur jetzt, Lene — immer — immer — voll wühlender Verzweiflung — oft — fast um den Verstand hat mich diese» Warten gebracht."
Sie streichelte seinen Arm.
„Run bin ich gekommen."
„Aber nicht allein!"
„Rein, nicht allein — Doktor Hahn hat mich begleitet.“
Er sah sie fest an.
„Warum das? Wie stehst du zu ihm?"
„Freundschaftlich — ich verdanke ihm viel."
„Ich weih, man sagt: die Millionen — die verdammten Millionen."
Sie lachte.
„Hans-Achim, bist du übergeschnappt?"
„3 wo!"
„ Freust du dich denn nicht über meinen Reichtum?"
„Olein, vorläufig fürchte ich ihn noch!"
„Wieso das?"
„Ich fürchte, daß das gräßliche Geld trennend zwischen uns steht!"
Sic sah ihn kopfschüttelnd an.
„Das kann cs nicht! Daß wir kcins besaßen, das hat uns dummerweise einmal getrennt. Das Geld, das andere besaßen, hat unser und der ilnfrigen Geben eine Zeitlang unglücklich gemacht; aber das ist nun vorbei — wir wollen nie mehr daran denken!"
Sie legte die Arme um seinen Hals.
„Sage, daß alles, was zwischen Gestern und Heute lag, nichts als ein böser Traum gewesen war, Hans-Achim — unsere Trennung, unsere Qual, und" — sie drängte sich fester an ihn — „daß du einer anderen Frau gehört hast!"
Er preßte seine Lippen auf ihren Mund.
„Das war wirklich nichts als ein böser Traum — wir topllen ihn vergessen!"


