Ausgabe 
9.11.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptstadi

Äon Viktor

Schweizer.

in

Buntes Allerlei

Gießen, den 9. November 1932.

Geh. Baurai Prof £>r. Haupt

ge lmann. der Vorsitzende des Wetzlarer Ver- eins.

, Paul 28 a l l o t hat ihn erbaut, vor mehr als einem Men.chenalter. Unter Bismarck wurde eT eingewc.ht. In die mächtigen Steinquadern

I oberhalb des pompösen Portals wurde in meter- groficn Lettern eingcmcifeclt:D e m deut- i ch e n V o l k e". Uni) in seinem Namen wurde d^e-es erste umfassende deutsche Parlament dem Verkehr übergeben.

Wie lange hat es gebraucht, bis sich in feinen Zäumen, an se neu Wänden, überall die dicke Sch.cht von. Tradition ansammelte, die merk­würdigerweise dem demokratischen System und >e n n fe erl chen Parla nenten innewohnt? Nicht v el tanger als ein.ge Jahrzehnte. DerKultur- kampf war ausgeeämpft, das Sozialistengesetz erlaßen und zurüagenommen, die Fehde zwischen Wind hör st und dem deutschen Kanzler hatte > ch auLgetobt und der Wallot-Dau, damals an d.e dreißig Iahre alt, oder noch nicht einmal ganz hatte ,ich wie ein Löschpapier vollgesogen mit Ge,chichte. Anekdote, Vergangenheit. Der Lapidarstil seiner Fassade schien dadurch noch zu wachsen, beschwert von Geschehen und Er- -?ben. Der .Reichstag. der anfänglich nur ein Stuck Ze.tgc,ch^chte war, erhob sich in den Nang e.nes lebend gen Folianten der Weltgeschichte.

Dann: Krieg, Revolution, Demokratie des Dürgertums. Auf seinen Treppen war das Dlut von Politikern geflossen, in seinen Sälen hatte der Aufbau einer neuen Epoche begonnen. Bolks- b^rctungen kamen und gingen, Negierungen bildeten >.ch, diktierten, verschwanden, nächtliche Sitzungen dehnten sich bis in die Morgenstunden aus, v.el wurde geredet, viel Schicksalhaftes und viel Papier. Der Neichstag alterte. Immer Zker durfte er sich in den letzten Iahren zur Nuhe setzen, da seine Abgeordneten Ausgang hatten. Langsam, ganz langsam fetzten gewisse Alterserscheinungen in seinem Niesen­bau em. Das Leder der Ministersessel welkte. Schwer und etwas schlaff hingen die großen Kronleuchter herab. Die Atmosphäre in ihm wurde immer gediegener und angejahrter. Zu dem Charakter eines Parlamentes der Gegen­wart trat der Charakter eines Museums der Ver­gangenheit. Seine Benutzungsfrequenz sank im Iahre 1932 auf den tiefsten Punkt seit seinem Bestehen herab.

An den großen Re^sefüh-ern 5er Stadt Berlin st:ht der Re.chitag als Sehenswürdigkeit mit zwei Sternchen c.ngezeichnet. Iedcn Nachmittag der Woche können neugierige Men­schen aus dem Reich ihn sich, begleitet von einem staatlich bestallteii Fremdenführer, für ein Ein­trittsgeld von 50 Pf. ansehen. Aus den Statisti­ken, die über diesen Fremdendesuch geführt wer­den.^ geht erstens hervor, daß die Mehrzahl der Personen, die den Reichstag von innen kennen zu lernen wünschen, Frauen sind, daß nur etwa 5 Prozent aller Besucher Einwohner der Stadt Berlin sind. Ebenso erfährt man aus ihnen daß vor allem östliche Völker, in der Hauptsache Chrnesen und Japaner auf seine Bekanntschaft Wert legen.

Was bekommt der Besucher bei einer solchen Führung zu sehen? Und welchen Eindruck wird er, wenn er aufmerksam ist, mitnehmen? Der Eindruck, unter dem man nach dSr Führung durch die schweren Flügeltüren wieder ins Freie kommt, ist merkwürdig, ein wenig beängstigend j sogar. Man hat das Gefühl. ein Haus zu ver- la.sen, in dem etwas geschehen ist, ein Haus, <

Hausfrauen! Denkt an die pfunösp-nde i>er Frauen-Wmierhüfe! Cebensmiffelfpenöcn aller A r t

Geruchsverirrungen.

Ungewöhnliche Erscheinungen, die bei dem am me-.sten vernachlässigten Sinn des Menschen, dem Geruch, auftreten, find in letzter Zeit beobachtet worden nachdem man den Erkrankungen des Geruchsinns mehr Aufmerksamkeit zugewendet hat. Ern amerikanischer Arzt Dr. Ernest Sey- dell aus W.chita in Kansas hak jetzt eine größere Anzahl solcher Fälle gesammelt, aus denen wir einige besonders merkwürdige Irrwege des Ge­ruchsinns mitteilen. So rochen einem Kranken, der selbst Arzt war, alle Veilchen nach Phos- phor. E:n anderer hatte eine unüberwindliche Fbscheu gegen den Geruch des Asphalt, der zur Straßenpflasterung benutzt wird, und wurde beim Riecyen des Asphaltes krank. Ein dritter Patient glauote, daß alles wie Kohl rieche. Sehr viel glücklicher war ein anderer dran, dessen Ge- rmhsernpfinden gestört war: ihm erschien es näm­lich, tote. wenn die ganze Welt nach Heliotrop röche. Eine Person, die eine Dosis Antipyrin nahm, erklärte daraufhin, daß sie einen dauern­den Zimt-Geruch in der Rase habe; eine andere wieder, die eine Dosis Santonin erhielt, empfing davon eine dauernde Geruchsempfindung, durch die ihr alles angebrannt roch. Merkwürdig war auch der Fall eines Totengräbers, der eine Leiche ausgraben sollte; er empfand dabei einen star­ken Verwesungsgeruch; aber als der Sarg geöff­net wurde, stellte sich heraus, daß er vollkom- men leer war. Es gibt auch Menschen, deren Geruchssinn normal erscheint, die aber nicht er­kennen, was sie riechen, bevor ihnen der be­treffende Geruch genannt wird. Das ist ein Zei­chen, glaubt Dr. Seydell, daß das Geruchs­zentrum des Gehirns irgendwie angegriffen ist. Im allgemeinen sind die Störungen des Geruchs­sinns und ihre Ursachen bisher nur wenig er­forscht.

angeblichen Entlastungszeugen, die er zur Verhand- lung mitbrachte, wurde er überführt. Während das Gericht hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der ge­nannten Zeugen im Hinblick auf ihre Einstellung zu dem Ungesagten erhebliche Bedenken hatte, hielt es die Aussagen des erst 15 Jahre alten und nur desha.b unbeeidigt gebliebenen Lehrlings der als ein wahrheitsliebender und arbcitsfreudiger 'Junge geschildert wird, für vollwertig, zumal sie durch andere Zeugen, namentlich durch das Aus­sage-Zeugnis eines Gesellen des Angeklagten, we­sentlich unterstützt wurden. Die Feststellungen aus Grund des Zeugenbeweises und des ärztlichen vuEerichts gingen dahin, daß der Angeklagte mchrfach ohne besondere Ursache seinen Lehrling .geohrfeigt, mit beschuhten Füßen getreten und mit einem Besenstiel geschlagen hat, so daß sein Kör­per blutunterlaufene Stellen aufwies. Er hat da­durch die Pflichten, die ihm als Meister und als

Ein verzaubertes Haus

Der deutsche Reichstag, von innen gesehen.

Tüten oder Päckchen im Gewicht von 1 Pfund werden zur Unterstützung von hilfsbedürftigen Fa­milien erbeten.

Annahmestelle der Spenden:

Alte Klinik, parterre rechts, Montags, Mittwochs und freitags, von 9 bis 12 Uhr.

3n dieser Woche sind besonders Linsen erwünscht.

D.cfe Auszeichnungen waren wohlverdient, denn auch als Gelehrter und als Schriftsteller nimmt Haupt nach der Anzahl seiner Werke und nach c;e und Gedankenreichtum seiner Studien einen Ö^ven Rang ein. Naturgemäß galten diese in erster L.nie dcr Renaissance, deren Entwicklung er fast in allen europäischen Ländern verfolct und dargestellt hat. Auch eine Neubearbeitung der berannten Geschichte der Renaissance Wil-

^ubkes ist dabei zu nennen. Daneben be- Icha.ttgten ihn aber auch die Ansänge der ger- mamschen Kunst, die ihm mit Recht viel zu wenig beachtet sch:enen. Als Frucht dieser Studien er- sch en 1909Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen", ein Werk, das auf diesem Gebiete bahnbrechend gewirkt hat, wie schon äußerlich daraus hervorgeht, daß bereits 1923 trotz der schweren Zeiten eine zweite Auf­lage erscheinen konnte. Dr. L.

Suberiusfeier 1932.

Das herkömmliche Hubertusfest des AH ubertus. Verein weidgerechter Säger, S i h Gießen E. V", das am Sams­tag im Saale des HotelsHindenburg" stattfand, hat seine alljährliche starke Anziehungskraft auch in diesem Iahre wieder aus Mitglieder und Gäste ausgeübt. An 90 Weidmänner, alte und junge, viele in der grünen Forst uniform, aus allen Ständen und Berufen, füllten den tcrnnen- geschmückten Saal und drängten sich vor den großen Tafeln, auf denen die Weidmannsernte des Iahres 1932. die Geweihe und Gehörne, übersichtlich geordnet angebracht war. Ihnen allen entbot während des gemeinfannenSchüssel- t reibens" der 1. Vorsitzende, August Pascoe, den Willkoinmensgruß. Besonders herzlich be­grüßte er die anwesenden Vorsitzenden der be­nachbarten Vezirksvereine des A. D. I. V. aus Butzbach, Wetzlar und Marburg. Ebenso galt fein Gruß den Herren vom Forstinstitut der Universität, Prof. Dr. Vanselow und Prof. Dr. Baader, wie auch Dr. Karl Rudolf F i - scher und vor allem^der forstlichen Iugend, ver­treten durch cand. forest Moos als den Vor­sitzenden der forstlichen Fachschaft und Studie­rende i>er Forstwissenschaft. In gleicher Weife y'. er die zahlreichen Iagdfreunde der Mit­glieder und schließlich diese selbst willkommen.

großen Zügen entwickelte er die Ideale eines Iagdvereins, der, wie derHubertus", in der öoröerung wahren gerechten Weidwerks an allen

t-n2 Hauptaufgabe sieht. Diefem I fcin Horrido. Für den Landes- Hessen und den Bezirks- ve^in Buhb^> uberorachte Obermedizinalrat Dr.

Druße und Worte herzlicher Ber- bundenheit. 3m Austrag des Präsidiums des überreichte er dem Senior des 03er» Wta nhÄ?tat Hoffmann, das S'fe Übrige Mitgliedschaft hn DZwiders herzliche Begrüßungs- - ch ete Prof. Dc. U f f e n o r d e 3?arb£r£er, Bezirks-Vereins des HZ^elitus. Er sprach von der großen Hochachtung, die der Verein sich dadurch in weilen Kreisen erworben Labe, daß er den Kugelschuß auf Schalwild, vor allem auch auf Rchwi.d, ohne staatlichen Zwang freiwillig fernen Mitgliedern zur Pflicht gemacht habe. Das ent­schiedene Festhalten an diesem Grundsatz selbst bei Gefahr *on Milgliederverlusten, habe' seinen Eindruck i icht verfehlt und weit über den lokalen Rohmen des Vereins hinaus gewirkt und sei auch schon duach den Zugang sehr wertvol-ler iaad- lich pochst'hender Mitglieder belohnt worden Sein Wunsch war eine weitere rege Zusammen- arveit. Darum bat auch Rechtsanwalt Dr En-

1U«binq5, ,e. die

"d in S "lche Vieren fcen- We ÄrjÄ» und'L

"l Ä**'

Sell.

Iu9 WM. ®-®tDnau teil* Är btn C |lb,en habe . btm ^^hasen, tco«.

lvUtttm-

* tourttembergic toerbm. Lon an den

Mi des Welt. *9 .üi Berlin cheren Avvember- ick %Von List Dellii reisen n donHinbrn.

i entgleist.

'st auf der Streike ^.Luysinghen bei sprang bei einer nen und zog btn nicht verletzt.

!t drei Todesopfer.

die Diphtherie t in einer einzigen drei Todes« ist vom Städtischen ü Mosjen worden. itilM onmitzt.

aotfchM, Fräulein biesei üige von Ca- abgeschm mar, um en, qlschn ver- hasenbchvidr» haben ihrem iBetbhib mge- irHärte, er hckr das nit seiner IM» m . Ein LeuchtturnMi- teuge Haden die Fai'.> chtet, als sie bei der X Küste verließ.

lelsenkirchen.

drangen in ein ft« kirchen-Srle ein, hieß mden mit einem Ae» übten den Inhalt Flucht lam den Zau­ber Hausbesitzer ent- sse so schwer vcr- bet Einlieferung m ;<? Sätet tonnten r

henllich erschossen. eteigutW sich in rin«

inzererstrahe m Waillonb wurde vom n Einbrecher g iligem Ami ji h einen SMlft e r ft a r b noch b6C

lazarett.

far Andre G'dc.

äger in

l.v ;mKamen oes

1 e n: ^r. Metzer-Darkhausen, Hans Rinn, Zeller Rust, Volk, Dr. Schüz, Münch, Ludwig. Rinn. Bronzene Medaillen: Graf Solms, Al­brecht, Graf Solms, L. Rinn, Graf Solms,' Ar- x0/ öu Schweinsbevg, Hoffmann,

Schomber, Vo.gstberger, Hammer mann.

Besonders wichtig waren die Ausstestungen ganzer Iahresabschüsse aus einzelnen Revieren, weil diese am besten den durchschnittlichen Stand erkennen lassen und zeigen, wohin planmäßige H;ge und planmäßiger Abschuß führt. Cs wur­den so gende Sammlungen durch Medaillen hervorgLhoben:

Goldene Medaille: 1. Ludwig Rinn, 2. Achrecht und Münch. Silberne Me- r?/ 5cffnlann, 2. Offlzierjagdverein. Ansch. an die Preisverteilung wurden den Mckgliedern noch verschiedene Neuerungen auf dem Gebiete der Optik (Fa. Geller, Gießen), der Iagdwaffen und Fanggeräte vor- gefuhrt, die lebhaftes Interesse fanden.

Daß Weidmannslied und ein frischer Trunk bei ^m einzigen Feste des Vereins im Laufe auch diesmal nicht fehlten, ver­steht sich von selbst. Möge der starke Antrieb zur Arbeit an dem einen gemeinsamen Zie4, der weidgerechten Iagd, wie er auch von Fefern ckeste wieder aufging, dem heimischen Weidwerk zum Sagen sein!

Bornoltzen.

Aus de m Stadttheaterbureau o<9^rie6en: H^te 6.Vorstellung im Mcktwocy-Abonnement. Zur Ausführung gelangt d.e Operette Die Toni aus Wien'^ von Ernst S.e,fan. Spielleitung b.ejer Operettenneuheit hat u kend a n t; am Dirigentenpult Kapell- me.ster Moehl; für die choreographische ßei» fang ze.chnet Ewald Bäulke. Operettenpreife. Anfang: 20 Uhr; Ende: 22.30 Uhr. Die "Ec. Erstaufführung ist für Freitag angeseht i'^t eure völlige Neueinstudierung des SchwankesDer Raub der Sabinerinnen" von Schonthan vor unter der Spielleitung von Karl -ö o la.

Amtsgericht Gießen.

m dem man nur mit gedämpfter Stimme zu : iprcchen wagt. Der Einoruck ferner grandiosen i Beilwsenheit wird noch unterstrichen durch das

Niesenmaß seines Umfanges. 600 Räume toa£: Räume 600 Säle hat man zu durch- mc.ien. die e nander ähnlich sehen wie ein Warte- iaal dem anderen. Die Teppiche, ohne Muster, in düsteren Farben gehalten, trotz ihres Atters noch immer wohlhabend und pompös, geben treppauf,^ treppab immer den gteichen Klang. Das Personal, das uns durch die Zimmerfluchten zu geleiten hat. geizt mit Worten. Fast lautlos offnen sie die Türen, schließen sie sacht hinter uns ab dies und die peinliche Instandhaltung bei Sale, enchöpft ihre dienstliche Pflicht. Wenig Pap.ere liegen auf den Schreibtischen der Frak­tionsräume umher, wenn sie aber da liegen, dann immer in Reih und Glied sozusagen Gespen- fticbe weiße Kalender mit großen schwarzen L.ageszahlen starren von den Wänden an keinem ist vergessen worden, das Blatt des gestrigen Tages abzureißen. Die Bücher und Zeitungen des L e s e r a u m e s sind wohl sor­tiert, sehen aber wenig gelesen aus. Die Ver- Fassung des Deutschen Reiches ist dort in Kalbleder ge&unben, zu sehen wer sie wohl Meßt in die Hand genommen haben mag? Das Restaurant ist, so erklärt man uns,zur Zeit nicht in Betrieb". Die Stühle und Tische stehen trotzdem (oder gerade deswegen?) auf den Milli­meter richtig an ihrem Platz. Auf der Kredenz, hoch oben, nicht mehr in Reichweite, dösen große, überlebensgroße, leere Champagnerslwchen. Wer mag wohl im Restaurant des Reichstages zuletzt Sekt getarnten haben?

Verhandlungen werden, so sagt unser Führer zur Zeit nicht abgehalten. Denn der neue Reichs­tag ist, eben gewählt, noch nicht zusammen- gelreten. T>-ohdem spricht er mit einer Stimme als ob im Nebenraum über Tod und Leben des Deutschen Reiches entschieden würde. Er spricht, wie m Gegenwart eines großen Toten. Er eignete sich vorzüglich zum Wärter eines Mauso­leums.Und dies, meine Damen und Herren, ist der Plenarsaal, wo die großen Tagun­gen abgehalten werden." Laßt uns also näher­treten, meine Damen und Herren.

S-err kann sich jeder, wochentags um 14 Uhr. für 50 Pf. Eintrittsgeld auf den Stuhl des Präsi­denten setzen. Hier kann jeder auf der Bank des ncten Platz nehmen, den er in seinem Wahlkreis am 6. November gewählt hat. Die Stimme des Führers, obwohl le se, schwingt in der Leere des Raumes lange nach. Dies ist be­rechnet als der Höhepunkt unserer Führung, dieser Augenblick ist allein 30 Pf. teert. Wir nehmen Platz, rechts und links. Einer ist die Balustrade zum Präfidentenstuhl herausgestiegen und sucht nach seiner Glocke. Die ist nicht da. Andere sagenHört, hört", mur mein Nha- b a r b e r, lassen private Zwischenrufe vom Stapel die vom Rednerpult unwidersprochen bleiben. Siehen da wie Kinder an Vaters Schreibtisch spielen mit dem Verschluß der Tintenfässer, ent- gmern die Namen der Abgeordneten an ben -Bunten. Einige stellen sachkundige Fragen. Und die anderen ob sie wohl träumen? Ich glaube: nein. *

Als man dann wieder auf der Straße ist fölagt einem der Lärm um das Brandenburger Tor doppelt laut ans Ohr. So laut . . ., daß er eurem fastparlamentarisch" vorkommt.

-=lPw*4ee'

4 kurzes.flirt

Einige von auswärts gekommene Leute, die sich noch |pat abends in einer hiesigen Wirtschaft auf- hielten, gerieten mit andern Gästen in einen Dis­put, der in Tätlichkeiten auszuarten schien. Doch verließen sie noch rechtzeitig die Wirtschaft. Eine Anzahl d-r erwähnten Gäste folgte ihnen sofort nach, voran der Angeklagte. Dieser holte sie ein und verletzte einem von ihnen mit einem Schlagring hef­tige schlage auf den Kopf, infolge deren der An- gegrissene bewußtlos wurde. Die Aerletzunaen waren nicht erheblich Mit Politik hatte der Vorfall nichts zu tun. Ein Decktoß gegen die Verordnung über den politiichen Terror war daher nicht gegeben wohl aber eine solche wegen Waffernnißbrauchs im Sinne des § 1 des Gesetzes vom 28. 3. 31. Der um bestrafte Angeklagte erh elt deswegen, sowie wegen Körperverletzung eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen.

Eine vollauf geständige, noch nicht bestrafte ver­heiratete Inhaberin eines Metzgergeichaftes batte 'die Arbeitskraft eines Gehilfen insofern in straf­fer Wetze cnisgenutzt, als sie diesen während etwa eines Jahres vielfach weit über acht Stun­den, )a zeitweise bis zu 12 Stunden täglich in ihrem Geschäft und Laden arbeiten liefe. S i e und nicht der Ehemann, war deshalb als Gefä)äfts- inhaberin auf Grund der Arbeitszeitverordnunaen vom 21 12.23 unb 14.7.27 zu bestrafen, obwohl fraglos der eigentlich schuldige Teil der Ehemann gewesen ist, der genau Bescheid wußte und dem es ein Leichtes gewesen wäre, die erheblichen Ueverfchreitungen der gesetzlichen Arbeitzeit zu velhindern. Dies wurde auch bei der Strafzumes­sung berücksichtigt, und die Angeklagte nur zu einer Geldstrafe von 30 Mark, im Uneinbringlichkeits- fakle zu einer Gefängnisstrafe von 10 Tagen ver­urteilt.

Des Todes des am 27. Oktober zu Hannover an einem Gehirnschlag verstorbenen Geheimen Baura-tes Pros. Dr. A l b re ch t H a u p t zu ge­denken, hat auch Gießen allen Anlaß. Mit ihm ist wohl der letzte Schüler Hugo v o n R i t g e n s, der ausübender Architekt und nicht nur Kunst- historikir war, dahingegangen. Dadurch wird noch­mals die Erinnerung an die Zeit wachgerusen, in der unsere Universität noch die Möglichieit der Ausbildung zum praktischen Architekten bot.

Am 18. März 1852 geboren, bezog Haupt nach dem Besuche des von seinem Daler Georg Haupt geleiteten Gymnasiums seiner Vaterstadt im Herbst 1869 die Universität Gießen, um Arch.tektur zu studieren. Seiner hiesigen 'Stu- d:enze:t hat er sich noch bis in fein hohes Alter gern erinnert unb seinem Lehrer Hugo v R i t - gen noch 1927 im 2. Bande der Hessischen ^'^raph.en, S. 385, ein Denkmal gesetzt. Nach der Rückkehr aus dem Feldzuge 1870-71 war er praktisch tätig und ging dann als Schuler I. Durms nach Karlsruhe und schließ- N ^Hannover, das nun sein dauernder NN-h b-e-ben sollte. Dort trat er nach dem ch se.n-r Studien, die hier besonders C. W Hase forderte, in das Atelier E. Opvkers ein

V, c Architekt selbständig.'

st.lgerechter W:ederhersteller alter Bauten besonders solcher der deutschen Renaissance, von denen h:er als die auch weiteren Kreisen be- kan'U.esten nur die Stadtkirche zu Bückcburg, dic Stiftskirche M Fischbeck, Schloß Schaumburg und uas Leibnnzhaus zu Hannover genannt seien, 'Nichte er sich bald einen Namen. Daneben schuf tT 2l^i;a,hl von Neubauten (beson­

ders Geschäftshäuser und Dillen), so Schloß Wiligrad in Mecklenburg und das Gebäude der Langeschen Si.ftung in Hannover, wobei er be­streut war, d.e deutsche Renaissance in moder­nem S:nne weiter zu entwickeln. Auch die Pro- blenie des modernen Städtebaues beschäftigten ihn lebhaft, to;e sein EntwurfNekropole für <:ne Million" verrät. Weiter hat er sich ganz besondere Verdienste um den Bund deutscher Architekten erworben, den er mit begründet und als Vorstandsmitglied mit geführt Ijat. Aber die praktische Tätigkeit genügte Hauvt nicht. So habilitierte er sich 1880 als Privatdozent für fein Lieb'ingsgebiet, die deutsche Renaissance an der Technischen Hochschule feiner zweiten Heimait. Als Anerkennung seiner Lehrtätigkeit erh.e.t er 1893 den T tel Professor, wurde 1905 ^aurat, 1914 zum Geheimen Baurat und 1915 zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt -Bet der Feier feines 75. Geburtstages ehrte ihn .seine dankbare Hochschule durch die Verleihung der Wurde eines Dr. ing. Die des Dr phil hatte er bereits 1896 nach der Vollendung seiner Geschichte der Renaissance in Portugal von der Unmerptät Leipzig erhalten.

D<e Trophäenschau war wiederum durch w.e Herren August K i l b i n g e r und Studienrat Holzel au'g.baut worden, deren Arbeit der I. Vorsitzende in seiner Vegrüßungsrede getoür= wgt hotte. Die Bewertung vollzogen Geh. Rat Pro-f. Dr. Olt, August Kilbi nger und Re- gierungßrat Freiherr Schenck z u Schweins­berg. D.e Besprechung der Ausstellung und die Bekanntzrrbe der Ergebnisse übernahm Studien­rat Hölzel, der einleitend au: den hohen guoutativen Durchschnitt des Iahres hinwies und den Gegensatz zwischen dem Iahre 1931 mit seiner erbärmlichen Gohörnbildung und die-

Scfyte an Hand der Ausstollungsergebnisse nachwies. Es konnten daher erfreulich viele Beutestücke mit Medai.len ausgezeichnet werden. Diese verte 'en sich wie folgt:

1. Ro lhirsche: Goldene Medaille 10er« Hrsch: Seine Erlaucht Graf Solms Laubach. Si.berne Medaille 14er°Hirsch: derselbe. 10er» H rsch: Prof. Dr. Ieß.

2. R e H b ö ck e: Einzelistücke: Goldene Me- dai llen: Metzger^Sambach, Albrecht, Dr. Koch Graf Solms, Dr. Koch. Silberne Medail-

® Don

i m dc/ ^13^iniet

10-,nan- Antz 'jrung^ Sikiß.

das ben. 01. W

I Sie 'Wx n G.frrnD«" gen unb Ze hodc.

SO

M iils-

<?r^le^eLlbe5m?^riun9en oblagen, gröblich verietzl und ferne Machtbcfuanifse erheblich mißbraucht. oeiJ\ -Oenychlen widerspricht auch durchaus feinem in dem LFhri'ertrag gegebenen Versprechen, bei der Lehrlings die durch fein jugend­liches Alter gebotene be,andere Rücksicht zu nehmen. Sur den düngen nachteilige Folgen sind nicht ein- ^treten. Las Gericht sah von der Erkennung einer Gefängnisstrafe ab, verurteilte aber den Ange- k aglen, der einmal wegen Vergehens gegen die ürveitszeiil'erostdnimg und zweimal wegen Der- geyen gegen die Gewerbeordnung ooichestra-st ist zu der hohen Geld st rase von 200 M a r k' Die gerichtliche Verhandlung wird eine Verhand­lung vor dem Ausschuß für Lehrlingcstreitigkeiten uu») stch Ziehen da die gesetzliche Vertreterin des ^hrl-ngs bei der Handwerkskammer vorzeitige ^j"ng des Lehrlingsvechältnisfes auf Grund des § 127 b Abf. 3 Z. 2 G. D. beantragt hat.

Das Maschen macht dem Waschbären Spaß.

Die merkwürdigen Bewegungen, die dem Wasch­baren seinen Namen eingetragen haben und die mem vlsMaschen" gedeutet hat, sollen angeb­lich ein Zeichen des besonderen Neinkichkeitstrie- bes dieses Tieres fein. Man hat behauptet, daß er sein Futter vor dem Verspeisen ins Walser trage und dort zwischen den Vorderpfoten reibe, ähnlich wie der Mensch es tut, wenn er etwas reinigen will. Diese merkwürdigen Anschauun­gen hat nun der Zoologe Bierens de Haan aus ihre Richtigkeit untersucht und berichtet darüber imBiologischen Zentralblatt". Er beobachtete, daß die Bären die waschende Bewegung auch mit nicht eßbaren Gegenständen ausfühnen, wie Zie­gelsteinen, Kautschuk-Bällen, Ast-Stücken ufro. Ein idealer Waschgegenstand war für sie ein Stück Eis, das so lange gerieben wurde, bis es völlig­geschmolzen war. Der Waschbär führt feine merk­würdigen Bewegungen nicht nur unter Wasser sondern auch aufeerhalb des Wassers aus. Er reibt nicht nur den betreffenden Gegenstand, son­dern kratzt und beißt ihn auch je nach der Ober­fläche, wenn sie glatt, rauh oder weich ist. Auf Grund seiner sorgfältigen Beobachtungen ist der Zoologe der Ansicht, daß das Waschen der Baren durch Lustempfindungen veranlaßt wird; es macht ihnen augenscheinlich großen Spaß, wenn sie ihre ernpfmdlickxn Handflächen an leuchten und glat­ten Gegenständen reiben. DasMaschen" ließe sich Kinach mit der Freude mancher Haustiere wie Katzen und Hunde, am Gestreicheltwerden vergleichen; hier besteht die Betätigung des Tieres darin, daß es sich enger an die streichelnde Hand anschmiegt.

Ein größeres Interesse schien wenigstens ließ die dichte Besetzung des Zuschauerraumes darauf Ichliefeen die nächste Verhandlung zu bieten. Ein Bäckermeister aus der Umgegend hatte sich wegen Miß-handlung seines am 25. 1. 1917 geborenen Lehrlings zu verantworten. Obgleich er diese leug- I netc und trotz eines ansehnlichen Aufgebots von