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9.11.1932 Frühausgabe
 
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Schweizer Bries.

Von unserem Knsr.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Zürich, November 1932.

türmen ständig offene Stellen ausgeschrie­ben. Man sucht Bankkräfte, Bautechniker, Ver­käufer Buchhalter, ja, sogar Steuerkasfenoor- sicher.' Den Steuerkassen muß es ausgezeichnet gehen, wenn das Finanzdepartement des Conlons St. Gallen den Poften eines Bureauchefs mit 12 000 Franken Iahresgehalt ausschreibt

yfe schweizerischeInnenpolitik spielt sich meist in den Zeitungen ab, und zwar in der Form

Ich bin am Ende der Straße angekommen. «ie konnte mich nicht besser unterhalten als mit ihren kurzweiligen Menschen Wie sagte ich am Anfang? Die Landstraße ist ein Gemisch aus Pflastersteinen, Endlosigkeit und Staub Die Landstraße ist meyc, sie ist ein Gemisch aus Erlebnis, Schicksal und Ein­kehr.

Gebieten liegen.

Die Schweiz, und vornehmlich die Stadt Zü­rich, ist und bleibt eben eine Zentrale. Zentrale der Weltanschauungen, der kapitalkräftigen und wiß­begierigen Studenten, der internationalen Spione zu Kriegszeiten und der internationalen Schieber zu Krisenzeiten. Zürich, eine von Hause aus stille, kleinbürgerliche Stadt, ist längst zu einem Teil zum Rummelplatz von den Elementen geworden, deren Tätigkeit in fast allen anderen Ländern durch dra­konische Finanzgesetze unterbunden wurde. Die Zür­cher Börse und noch mehr dieschwarze" Neben- börse, verhalfen Zürich zu einer gewissen Welt­geltung. Als deren primäre Folge Zürich zu einer der teuersten Städte Europas hinaufrückte. Ein ordentliches Mittagessen kostet immer noch drei bis vier Franken, ein Herrenmantel mindestens 90 bis 100 Franken und ein Paar Schuhe nicht unter 12 bis 15 Franken. Das sind für unsere derzeitigen Be­griffe sozusagen Vorkriegspreise ... Trotz der wach- sendem Arbeitslosigkeit sind übrigens in allen Zett

HochscbulnacKncbten.

Professor Dr. jur. Dr. rer. pol. Dr. phit. Hans Reichel, Ordinarius für Staatswissenschaften und bürgerliches Recht sowie Direktor des Se­minars für bürgerliches Recht an der Uni­versität Hamburg hat den vor kurzem an ihn ergangenen Ruf an die älniversität Frankfurt abgelehmt.

Rn der Universität R o st o ck soll in der näch­sten Zeit ein neuer Lehrstuhl für deutsche Vor­geschichte errichtet werden. Für diesen Lehrstuhl ist Pros. Dr. Herman Wirth in Aussicht ge­nommen.

Eine junge deutsche Faltbootfahrerin, Fraulem Müller aus Hamburg, die dieser Tage von Ca­lais in ihrem kleinen Boot abgefahren war, um den Kanal zu überqueren, ist seither ver­schollen. Die französischen Hafenbehörden haben bereits Nachforschungen nach ihrem Verbleib ange­stellt. Ein Schleusenwärter erklärte, er habe das Boot bald nach der Abfahrt mit seiner Insaftin tm Vorhafen von Calais gesehen. Ein Leuchtturmwär­ter und ein weiterer Augenzeuge haben die Falt­bootfahrerin ebenfalls beobachtet, als sie bei der steigenden Flut die französische Küste verließ.

Raubüberfall in Gelsenkirchen.

Zwei bewaffnete Räuber drangen in ein Le­bensmittelgeschäft in Gelsenkirchen-Erle ein, hal­ten Verkäuferinnen und Kunden mit einem -Kc* volver in Schach und raubten den Inhalt der Tageskasse. Auf der Flucht kam den Zau­bern auf der Haupttreppe der Hausbesitzer ent­gegen, den sie durch Schüsse so schwer ver­letzten, daß er während der Einlieferung in das.Krankenhaus starb. Di« Täter konnten e~'° kommen.

Vom Kasernenposten versehentlich erschossen.

Ein schwerer Unfall ereignete sich in einer der letzten Nächte in der Kaserne des 7. (baijerijetjen) Pionierbataillons in der Winzererstraße m Mün­chen. Ein Gefreiter dieses Bataillons wurde vom Sta ernenpoften für einen E i n b recher ge­halten und nach mehrmaligem Anruf auf den keine Antwort erfolgte, durch einen Schuß s ch wer verletzt. Der Gefreite verstarb noch m der gleichen Nacht im Standortlazarett.

Die Goethe-Medaille für Andre Gide.

Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Bot­schaftsrat Dr. Forster, hat 'm Namen des Reichspräsidenten dem französischen Schriftsteller ' Andre Gide die Goethe-Medaille über­reicht.

Zeitschriften.

Die Süddeutschen Monatshefte (München) geben in ihrem SonderheftKurpfu­scherei?" einen interessantenilebcrbhcf überdiewe- sentlichsten außenseiterischen Heilmethoden. Das Heft ist nur von Aerzten geschrieben, teils von Anhängern der Schulmedizin, teils von Vert^- kein der Sonderrichtungen in der Heilkunde. 3n einem historischen Tleberblick gibt Schweishermer (München) einen Bericht über Methoden, die frü­her von der offiziellen Medizin abgelehnt wur^ jetzt aber in sie aufgenommen sind. Erwin Lrek (Danzig) berichtet über zünftige und unzünftige Wunderheiler. Die moderne Raturheillehre wird von einem Raturheilarzt geschildert: Friedrich Katz (Stuttgart. Rikolaus Müller (München) be­spricht die Lehre des Mazda^nan. Don besonderem Interesse sind die Ausführungen von Fritz G. Zeileis, dem Cohn von Valentin Zeileis, über die Gallspacher Heilmethoden. Ueber das weit­verbreitete System der D,ochemie berichtet A^ruh (Charlottenburg). über Oi ultismus und Medi­zin K C Weiß (Stuttgart), über Augendiagnose Franz Schweninger (München), über die Dathes- methode der Augenschulung G. Fock (Helmstedt). Ungewöhnliche Mitteilungen macht Bernhard Aschncr (Wien) über alte und neue Erfolge mit der magnetischen Heilmethode. Alfred Reumann (Wien) gibt einen zusammenfassenden Bericht über die außenseiterischen Methoden in der Krebsbe­handlung. Don dem wesentlichen Standpunkt des ganzen Heftes, nämlich der Forderung der ge­nauen Untersuchung der außenseiterischen Metho­den zur Verwertung des Brauchbaren in der of­fiziellen Heilkunde geht auch der einleitende Brief von Salzer (München) aus.

Herriots kürzliche, aufsehenerreaende Kammer­rede, in der zum ersten Mal ein französischer Mi­nisterpräsident den Vorschlag machte, die Berufs­heere abzuschaffen und sie durch nationale Milizen zu ersetzen, rückte die Schweiz in den Mitelpunkt des Interesses. Ist doch diese inmitten des großen Weltenbrandes neutral gebliebene drei­sprachigeStaatsinsel" die beglaubigte europäische Urheimat der nationalen Miliz.

In der kleinen Schweiz gab es schon immer eine große Armee. Jeder Bürger der Eidgenossen­schaft ist nämlich Soldat, wenn auch seine mili­tärische Ausbildung nur zwei bis d rei M o - nate in Anspruch nimmt. (Selbst die jährlichen Manöver dauern für die Reservisten nur knappe elf Tage). Und jeder gute Schweizer hält es, trotz derantimilitaristischen" Grundeinstellung, für seine Ehrenpflicht, die Reserveoffizierscharge zu erreichen. Das mag reichlich paradox klingen. Aber nur auf den ersten Blick. Denn mag auch die Milizeinrich­tung theoretisch die Verneinung von Militarismus in französischem Sinne sein, so stellt sie in der Praxis die mehr oder minder vollendete Konzen­tration der pflichtgemäß zu erfüllenden (und auch tatsäch'ich erfüllten) allgemeinen Wehr­pflicht dar. Vollendet für diesen besonderen Staat. Ist auch von einerVorherrschaft" des Soldaten- ftandes in der Schweiz keine Rede, darf anderseits die Schweiz als der Soldatenstaat par excellence gesehen und gewertet werden.

Ein, wie gesagt, nur scheinbarer Widersinn. Ebenso wie so manches andere im Bundesstaat. Nicht zuletzt seine oft betonte, sprachlich bedingt« Reutralität", die theoretisch weder während des Krieges, noch nach dem Kriege vorhanden war. Selbstverständlich verherrlichte in den Jahren 1914'18 die Presse der französischen Schweiz die Wasfentaten dergroßen" Armee, und na­turnotwendigerweise standen in den deutsch- schweizerischen Blättern., die deutschen Heeres­berichte an erster Stelle. Reutralität und Sym­pathie sind eben zweierlei.

Rach dem Weltkriege treten fast alle Zeitungen der Eidgenossenschaft generell für die ErhalHing des europäischen Friedens ein. Im Dienste dieses Jdealzieles geht jedoch gar häufig das Verständ­nis für die innerpolitische Lage der kriegsteil- nehmenden Großmächte verloren. So schrieb die Reue Züricher Zeitung erst kürzlich: »Es gibt noch Richter in Leipzig so kann man das Urteil des Staatsgerichtshoses im Streit um die Reichs­exekution gegen Preußen überschreiben". Die we­nigen Zeilen beweisen nur zu deutlich, daß die Schweiz die grundsätzliche Einstellung national- deutscher Kreise zum Weimarer Staat, des Zu­sammenbruchs. entweder überhaupt nicht kennt, vder aber nicht versteht. Rationalismus in Deutschland und in der Schweiz sind halt ebenso zweierlei wie das Soldatische für deutsche und schweizerische Begriffe. Die vorstehend zitierte Reue Züricher Zeitung nimmt zum Beispiel für Anzeigen ausländischen Ursprungs 30 v. H. Auf­schlag zur Wahrung eidgenössischer nationaler Belange, die im Sinne der neutralen Ueber- parteilichkeit vornehmlich auf wirtschaftlichen

vonoffenen Briefe n". Die letzte diesbezüg­liche Wortflutschlacht wurde zwischen dem Vaterlän­dischen Verband und der Internationalen Frauen­ligafür Frieden und Freiheit" ausgefallen. JHtt dem nicht anders erwarteten Ergebnis, daß die Vaterländischen" sich $ur gemäßigten Fortschritt­lichkeit bekannten und dieInternationalen zur antiinternationalen und antirevolutionären Gestn- nung. Sonst bleibt aber alles still, friedlich und, wie tcnöcn Turmbaues thront jsdoch der Cerberus, ein Keiner Dorfköter, der alle Eigenschaften eines ent­arteten Mischlings in sich vereinigt. Er ist häßlich, vorlaut, bissig und falsch. Auf einem Inlett, ge­tragen von einer Tischkante und einem Kistewdeckel, hält er seine scheußliche Wache. Alle Habe, kaum eine Reichsmark wert, behütet er mit einem Zorn, als sei es der Hort der Nibelungen. Zum Lohn da­für wird er gefahren.

Wohin sie wollen? Ins Moor, eine Hütte bauen, aus Sumpf und Torf ihr Brot ziehen. Da stirbt das Lächeln auf den Lippen über die Karikatur me,es Umzugs. Die Rumpel- un-d Trödelfuhre ist für die Leute alles, ihr Leben, ihr Anfang zu einem neuen Dasein. Die Ziehsamilie hat Mut, weiter nichts, und der Cerberus auf ihrem Möbelwagen hütet ihn.

Draußen auf der Landstraße sehe ich e i n Schneckenhaus a u f Rädern. Das ist kein Naturwunder, sondern die Erfindung eines Arbeits­losen. Sie bringt ihm hundert Mark und hundert Tage Verpflegung ein. Er will von Ntünchen nach Hamburg reifen und spart die Fahrt. Die hundert Tage Verpflegung schenkt ihm die Landstraße. Ist etwa der kriechende Mensch auf der Landstraße im Zeitalter des Benzins etwas anderes als eine Schnecke? Ein Tippelbruder braucht nur Zeit, und daran mangelt es ihm nicht. Nur wenn es herbstet, sehnt er sich des Nachts nach einem Dache überm Kopf Mein Tippelbruder im Bruche hat es bei sich. Damit er es nicht zu tragen braucht, ist es auf zwei Räder gestellt. Sein Schneckenhaus auf Rädern ist eine Schäferkarre im kleinen. Stube, Kammer und Küche find eins. So steht sie vor mir und zwingt zur Bewunderung. Ein Faltbootwägelchen ist nicyl leichter als dieses kapitallos gebaute Eigenheim, das jeden Tag feinen Garten wechselt.

Ein Feuer loht vor der Deichsel und bescheiM die S,zene, die wie ein Abenteuer im auftranfmen -tmicy anmutet. Das Nachtmahl wird bereitet, usarme Mar= toffelfuppe mit Brot und Speck. Dann knecht der einsame Wanderer in sein Schneckenhaus, jchiu.st darin nicht schlechter als im Gasthof und Zieht es, wenn die Sonne aufgegangen ist, mit einem luftigen Liede auf den Lippen durch die Heide.

Zufriedenheit und das Glück, in Erb gebunden heck zn leben. Die Kaffeetafel im Kartoffelfelde wird Symbol. Braune Erde hat die Kartosielfucher erd- arben gemacht. Erde hat sie geboren, Erde nährt ie, und die Erde ist ihr Altar, auf^dem sie ihre Ta­fel' wie einen Opfertisch bereiten. Sie tun es nicht um der Symbolik willen; sie tun es aus schlichter Liebe zur Ackerscholle, die sie trägt; denn sie ist es wert, daß man sie mit einer solchen Tafel chmückt. Ich grüße, steige ab und nehme teil. Das ist niederdeutsche Art. Und jeder Tippelbruder, der das Gckick hat, diese Straße zu ziehen, bekommt als Wegzehrung einen dicken Streifen Butterkuchen.

Die Straße führt ins Dorf. Es ist wie ausgestor- ben. Nur eine Fuhre kreuzt meinen Weg. Sie reizt zum Lachen; denn eine Ziege fährt ins Wochenend. Schnurriger ist kaum ein Tier am Samstagnachmittag gefahren worden. Ein Bauer reitet auf einem stahtroß, das vor einen Hand­wagen gespannt ist. Die Ziege sitzt im Wagen und kutschiert, d. h. ohne Zügel; denn der Bauer weiß ohne! und hott! den Weg. Gelassen schaut mich die Ziege an. Sie errät, die Neugier ist auf meiner Seite.

He, Bauer!" rufe ich dem Reiter vor der Ziegen- kutfche zu.Wohin des Wegs mit eurem seltsamen Gefährt?"

Mine Zeege malt ne Wochenendfahrt" spöttelt er zurück.

Mäh, mäh!" meckert die Ziege dazwischen, als wolle sie sagen: Was geht dich, Pe,daltrampler, meine Wochenendfahrt an.

Ich hüte mich, noch mehr zu fragen. Der pfiffige Bauer geht liebel' den geraden Weg im Joch, als daß ?r sich den krummen von einer Ziege führen läßt. Bauernschlaue geht über Städterwitz.

3m Straßengraben des Nachbardorfes hält eine Umzugsfuhre. Es ist Ziehzeit. Der Hüter diefer Fuhre ist der Cerberus auf b e m D? o b e l - wagen. Möbelwagen, Pferde ober Trecker davor handfeste Packer, ein trollender Hund zur Lecke und eine obdachlose Familie, die ihrer Habe das Geleit ins neue Heim gibt, ist nichts Seltenes. Doch dreier Möbelwagen ist eine wackelige Käst en führe rmt Ge­rümpel, so daß ich anfangs im Zrveisst bin, ob mir ein Lumpensammler ober eine Ziehfamilie be­gegnet. Die roten Betten, die zwischen ben zerbro­chenen Stuhl und Schomeldeinen hervorlugen, be­stätigen jedoch den Möbelwagen Der Vater wischt den Schweiß von der Stirn, die Mutter ruht auf einem Wegfteine, und der Bub pflückt die letzten Herbstblumen am Wege, um die Iammenuhre da­mit zu schmücken. Oben auf der Spitze des schwan-

Die Ehrengäste beim Abschreiten der Ehrenkompanie In der

General Manner he im, der Führer der Weißen Armee im finnigen e9' ,?e"eDr n

von Hamm erstein, Chef der deutschen Heeresleitung, und Kronprinz Gustav Adolf

S ch w eben ...

Landstraße.

Don Rudolf Behrens.

Die Landstraße ist ein Gemisch aus Pflaster­steinen, Endlosigkeit und Staub. Sie riecht nach Mobckvl und Walzbrüdern. Wer sie nicht notig hat, meidet sie. Wer sie braucht, hält sich an ihre In­schriften, der Autler an die Warnungsschilder, der Tiopetbruder an ihre Kilometersteine. Fährst du je­doch mit dem Rade, so bist Du freier weil dich kein Benzinteufel jagt, und weil deine Fußsohlen nicht brennen. Auf dem Rade bist du gegen Vchnellig- feitsretorb driD Pftastermüdigkeit gefeit, kannst du das richtige Tempo für Ausschau und Ein schau mne= halten, Langeweile durchfliegen'und Kurzweil, wenn du Lust hast, verlängern.

Ich fahre in die Heide. Nur keine Angst! Sie hat längst ausgeblüht und verführt nicht mehr zu einer Lvrckiade wie sie jeber Heideverehrer zu schreiben für nötig hält. Was ich mit Der stillen Hewhohe, Der sterbenden Birke, den gespensterhaften Mach- angeln, Dem schwermütigen KiesernstanD, Dem nebel­haften Bruch oder Dem bleichen Moor im Hervst zu erzählen habe, bleibt stumme Zwiesprache. Was aber Die Landstraße an Kurzweil schenkt, das will ich preisgeben. Es hätte einen 'Jtyabe ober Jeujd), einen Spitzweg oder Simmel erfreut. Meine Straße führt zehn Kilometer geradeaus. Das ist eine wenig verlockende Angelegenheit, wenn sie sich niujt aus Kurzweil verstünde. Da winkt schon die erste Be­gegnung: der Geburtstagskaffee auf dem K a r t o f f e l f e l d e.

Die Waldblöße neben der Straße enthüllt em Kartoffelfeld. Erster Fegen hockt in Säcken auf dem umgelegten Acker. Das ist ein Grund zum Feiern. Heute ist Rodetag, und Da Der Bauer jein Wiegen­fest begeht, läßt er sich nicht lumpen, sondern tre» denzt denUttleiern" an Ort und Stelle einen Ge­burtstagskaffee. Dieser Geburtstagskaffee auf Dem Kartoffelfelde stellt alle ähnlichen Kaffees in ben Schatten. Im aufgewühlten Sande sitzen Burschen und Mädel paarweise nach Alter und Neigung um ein ausgebreitetes blütenweißes Linnen, eins von ben größten aus Omas Lade. Ein Kranz geblümter Schälchen umrankt vier hohe Butterkuchenberge, deren frischer Duft über die Landstraße weht. Die Altmagd geht mit einem unförmigen braunen Ton- fruge um' und schenkt ein. Wenn einer leer ist, holt sie den nächsten Die Jungen schmatzen, die Deems lachen, die Alten schlürfen und tunken em Scherz und Schnack auf den Lippen würzt die Tafel.

Aus ben Gesichtern liegt der Segen der Erde, die

gehabt, zwischenstaatlich. Insbesondere die Kunst Bis auf die Filmtheater allerdings! Die m ben französischen Kantons spielen nämlich heute noch grundsätzlich nur Entente-Filme, und in Zurich zum Beispiel laufen ausschließlich deutsche lonftreifen. lieben einen deutschen Film mittleren Kalibers thrieb die Preße folgende begeisterte Kritik:Eine istig ersonnene und elegant zu Spannung und Pla- tik gebrachte Einbrechergeschichte". Ich weiß zwar nicht wie man einelistig" ersonnene Filmsache elegant" zurPlastik" bringen kann; mehr Aner- fennung deutscher Produktion darf man aber von ben biederen Schwyzern wirklich nicht verlangen! . .

Aus aller Well.

Gronaus Start jum Alpenflug verschoben.

Der Weltflieger Wolfgang v.Gronau teilt aus Genua in einem Funkspruch mit, daß er bei dem schlechten Wetter über ben Alpen seinen Start nochmals verschoben habe. Gronau wird nach feinem Weltflug mit dem Dornier-Wal-Flugboot in Friedrichshafen, wo er in Deutschland seine erste Landung beabttchttgt, im Ramen der Reichsregierung und der wurttem- bergischen Staatsregierung vom wurttembergi- schen Staatspräsidenten begrüßt werden. Don Friedrichshafen wird er sein Flugzeug an den Heimatort List, dem Ausgangspunkt des Welt­fluges, bringen. Von einer Landung in Berlin wird in Anbetracht des unsicheren Rovember- Wetters ^abgesehen. Von Gronau wird von Liit aus mit seiner Besatzung nach Berlin retten und hier vom Reichspräsidenten von Hinden­burg empfangen.

O-Zug Paris-Amsterdam entgleist.

Der O-Zug ParisAmsterdam ist auf der Strecke PorisBrüssel auf den Bahnhof Buysinghen bei Hal entgleist. Die Lokomotive fprang bei einer Weichenkreuzung aus den Schienen und zog den Zug nach sich. Personen wurden nicht verletzt.

Diphtherie in Stuttgart. Bisher drei Todesopfer.

In Stuttgart tritt gegenwärtig die D i p h t h e r i e in bösartiger Form auf und hat in einer einzigen Klasse einer Mädchenschule bereits drei Todes­opfer gefordert. Diese Schule ist vom Städtischen Gesundheitsamt auf längere Zeit geschlossen worden.

Junge Deutsche im Aermettanat vermißt.

Die 306=3abr=®ebenIfeier der Schlacht bei men

Blick auf die Feier am Gustav-Adolf-Stein vor der Kapelle in Lützen während der Ansprache des Kronprinzen Gustav Adolf von Schweden.