Ausgabe 
9.9.1932 Frühausgabe
 
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bet Regierung für Kontingentierung der Einfuhr und sprach die Erwartung aus, daß daS Schulden- und Lastenproblem im Sinne der Hugenberg-Vorschläge von der Re­gierung möglichst bald in Angriff genommen werde. 2m Zusammenhang mit dem Wirtschafts­programm der Regierung wurden besondere An­träge vorbereitet, die insbesondere eine Berück­sichtigung der mittel ständischen Wirt­schaft und sozialpolitischer Forde­rungen bei den neuen Mahnahmen zum Ziele haben." 2n der anschließenden politischen Aus­sprache, die sich auch mit den in der Presse erör­terten Bestrebungen zur Bildung neuer Mittelgruppen befaßte, brachte die Frak­tion zum Ausdruck, daß diese Bestrebungen, die meist aus dem Betätigungsdrang ehemaliger inittelparteilicher Parlamentarier zurückzuführen sind, politisch nicht ernst genommen werden kön­nen, weil sie nach allen Erfahrungen zum Scheitern verurteilt sind.

Die Fraktion hat außerdem folgende Ent­schließung gefaßt:Die deutschnationale

Reichstagsfraktion nimmt mit Empörung von den lügnerischen Veröffentlichungen Kenntnis, die be­sonders die nationalsozialistische Presse planmäßig im ganzen Lande offenbar auf An­weisung von zentraler Stelle über die Deutsch­nationale Volkspartei und ihren Führer verbrei­tet. 2n der DRVP. gibt es weder eineFührer­krise", nochZerwürfnisse", nochUnzufrieden­heit". Auch Meldungen wie die, die Partei be­absichtige, Herrn Dr. Goerdeler, der ihr gar nicht angehört, zu ihrem Vorsitzenden zu macAn, liegen in der gleichen Linie. Diese unwahren und gehässigen Behauptungen haben nur den Zweck, von der in den Reihen der Rationalsozialisten herrschenden Unruhe abzulenken, die durch das parlamentarische Kuhhandeln der nationalsozia­listischen Führer mit dernationalen" Zentrums­partei entstanden ist. Diese Veröffentlichungen, die marxistischen Methoden entsprechen, sind im Ur­teil der Fraktion mir ein Beweis mehr dafür, wie sehr das Vertrauen der Deutschnationalen Volkspartei zu ihrem Führer gerechtfertigt ist."

dieser Generalvollmacht geprüft werden und dann die Aussprache stattfinden.

Abschluß her Wirtschasts- iagung her NSDAP.

München, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Am Mittwoch, dem letzten Tage der programmati­schen Beratungen in der Reichsleitung der RSDAP. im Braunen Hause in München, sprach Reichstagsabgeordneter Dr. R e n t e l n über die Unzulänglichkeiten kapitalistischer Methoden zur Ankurbelung der Wirtschaft. Insbesondere übte der Redner Kritik an dem Papenschen Wirt­schaftsprogramm. Werner D a i z sprach über Zinssenkung, Lastensenkung und zusätzliche Ar­beitsbeschaffung, während Reichstagsabgeord­neter Reinhardt noch einmal in großen Zü­gen die nationalsozialistische Grundeinstellung zur Arbeitsbeschaffung umriß und ausführte: Die deutsche Wirtschaft sei durch das System Brü­nings ebenso wie durch Papen nicht angekurbelt, sondern abgekurbelt worden. Es dürfe keine wei­tere Kürzung der Löhne, Gehälter und Renten erfolgen. Ein grundsätzlicher Umbau des Steuer­systems, eine Senkung der Zinssätze, eine Strei­chung überflüssiger Sachausgaben müsse eine Er­höhung der gesamten Kaufkraft er- zielen. Abgeordneter Feder hielt zum Schluß noch einen Vortrag über finantheoretische Grund­linien, wobei er die nationalsozialistischen For­derungen nach Verstaatlichung des Geld- und Kreditwesens in Erinnerung brachte und sagte, daß das Geld wieder Diener der Wirtschaft werden müsse, und daß die Arbeit das Geld schasse.

Nationalsozialistischer Protest gegen den Wirtschastsplan.

Berlin, 8. Sept. (TU.) Der Leiter der Haupt­abteilung V (Landwirtschaft) der Reichsorganisa­tionsleitung derRSDAP., Walter Darre, hat, wie die Reichspressestelle der RSDAP. mitteilt, an den Reichskanzler und an den ReichsernAh- rungsminister Protesttelegramme gegen die neuen Wirtschaftsmaßnahmen gerichtet. 2n dem Telegramm an den Kanzler wird er­klärt, daß der deutsche Land st and aus vaterländischem Pflichtgefühl und der Aufforde­rung seines freiwillig erkorenen Führers Adolf Hitler folgend, die Ernährung der deut­schen Bevölkerung rn diesem Winter sicherge- st e l l t habe. Die neuen Wirtschaftsmaßnahmen brächten nunmehr die sich in höchster Rot be­findende deutsche Landwirtschaft endgültig aufs Schaffst und gefährdeten so in Zukunft die Er­nährung des deutschen Volkes. 2n dem Telegramm wird dem Kanzler schließlich unverantwortliche Handlungsweise vorgeworfen.

Das Drlegramm an den Reichsernäh­rungsminister enthält die Bitte, durch Zurücktreten von seinem Amte eine klare Lage zu schaffen. Das Wirtschafts­programm komme nur der Börse undder internationalen Hochfinanz zugute.Das schaffende deutsche Volk und insbesondere das deutsche Bauerntum müsse an diesem Wirtschafts­programm sterben. Das deutsche Bauerntum sei sich z u gut, um in der Fron des internationa­len Leihkapitals zu sterben. Es wolle jetzt eine grundsätzliche Lösung seiner Rot urch einen völkischen Staat.

Aeuyorks neuer Oberbürgermeister räumt auf.

Reuhork, 8. Sept. ($11.) Walkers Rach­folger als Oberbürgermeister von Reuhork, Mac K e e, hat in den acht Tagen, die er nunmehr im Amte ist, in der Stadtverwaltung bereits so gründliche Aufräumungsarbeit ge­leistet, daß die Reuyorker Bevölkerung aus dem Staunen nicht herauskommt und daß in Tam- manh Hall, dem Sitz der Reuyorker Demo­kratischen Parteiorganisation, äußer st e Be- stürzung herrscht. Mac Kee hat die Gehälter der von Tammanh Hall in die wichtigsten Reu- Yorker Verwaltungsstellen gesetzten Personen

stark gekürzt, nachdem er sein eigenes Ge­halt um 15 000 Dollar vermindert hatte. Mae Kee hat gleichzeitig denjenigen Beamten, übe« deren Gehälter er nicht bestimmen kann, dringend geraten, sich nach seinem Vorbild zu richten« Der neue Oberbürgermeister geht auch in an­derer Hinsicht den Herren von der Reuyorker Stadtverwaltung mit gutem Beispiel voran, um sie zur Sparsamkeit zu erziehen. So verzichtet er beispielsweise darauf, für feine Dienstfahrten die städtischen Kraftwagen zu benutzen. Die Untergrundbahn ist sein Beförderungsmittel. Mac Kee hat die Abteilungsleiter angewiesen, ihre Limousinen aufzugeben.

Nationalsozialistische Wehrforhernngen.

München, 8. Sept. ($11. Funkspruch.) In der Rationalsozialistischen Parteikorrespondenz nimmt heute Ok^rst a. D. H a s e l m a y r zu der Erklärung des Reichsaußenministers in der Gleichberechtigungsfrage Stellung. Er schreibt u.a.: Deutschland brauche nur bei Wieder­beginn der Genfer Verhandlungen an Ort und Stelle zu erklären, daß die deutschen Vertreter sich als gleichberechtigteTeil- nehmer der Konferenz betrachteten und nur auf dieser Grundlage mitarbeiten würden. Roch beweiskräftiger für die deutsche Gleichberechtigung werde sein, daß Deutschland am 1. Rovernber, also nach Ablauf des bis dahin geltenden Rüstungsfeierjahres selbsttätigmit der Reuordnung seiner Wehr be­ginne. Dadurch mühten und würden die wei­teren Abrüstungsverhandlungen in Genf nicht scheitern, denn Deutschland sei in seiner Sicher­heit mit solchem Abstand zurück, daß es schon aus technischen Gründen auf 2ahre den Rüstungs­stand der anderen nicht zu beeinflussen vermöge. Außerdem werde Deutschland bereit sein, alle Rüstungsbegrenzungen und Rüstungs­verzichte mitzumachen, die auch die übrige Staatenwelt auf sich nehme. Han­deln, nicht verhandeln, sei jetzt für Deutschland das Gebot der Stunde.

Oer Bürgerkrieg in Brasilien.

Due.nos Aires, 8. Sept. ($11. Funkspr.) Rach Meldungen aus Rio de 2aneiro haben d i e brasilianischen Dundestruppen den wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Mogi Mi rin im Staat Sao Paulo eingenommen. Die Einnahme Mogi Mirins wird von der Regierung als ein großer Erfolg betrachtet, da es in nächster Rähe Campinas liegt, der zweitgrößten Stadt in Sao Paulo. 2n Porto Alegre, der Haupt­stadt des Staates Rio Grande do Sul, wurde das Zeughaus von einer 1000köpfigen Menge er­stürmt. Waffen- und Munitionsvorräte wurden geplündert unb an Aufständische verteilt. Ge­rüchtweise wird gemeldet, daß der frühere bra­silianische Präsident Dr. D e r n a r d e s sich an der Spitze der durch den Staat Espirito Santo auf Rio be Janeiro marschierenden Aufstän­dischen befinde.

Oer Arbeitskonflikt in den Spinnereien von Manchester.

Manchester, 8. Sept. (W$B.) Die vom Verband der Daumwollarbeiter ver­anstaltete Abstimmung über die von den Arbeit­gebern vorgeschlagene Lohnkürzung ergab 30 991 Stimmen für die Arbeit und 1518 da- Svgen. Der Verband umfaßt 44 000 Mitglieder. Die Arbeitgeber hatten eine Lohnkürzung von 2 Schilling 9 Pence auf je ein Pfund Sterling Verdienst vovgeschlagen und eine Frist bis zum 17. d. M. zur Beantwortung ihres Vorschlags gestellt. Die Spinnereiarbeiter beabsichtigen nicht, einen Streik zu proklamieren und würden, wenn die Arbeitgeber auf ihrchn Vorschlag beharren sollten, die Arbeitseinstellung als Aussper­rung und nicht als Streik ansehen.

Die soziaWUche Seile derWirischastMrordming

Der Protest der Gewerkschaffen.

Besprechung beim Reichsarbeitsmimster.

Berlin, 8. Sept. (DDZ.) Reichsarbeitsmini­ster Dr. Schaeffer empfing am Donnerstag die Vertreter der Spitzenorganisationen der Gewerkschaften aller drei Rich­tungen. Wie das Rachrichtenbureau des VDZ. von gewerkschaftlicher Seite hört, ist es dem Reichsarbeitsminister nicht gelungen, die schweren Bedenken zu zerstreuen, die seitens der Gewerkschaften gegen den sozialpolitischen Teil der Rowcrordnung geäußert worden sind. Die Gewerkschaftsvertreter aller Richtungen legten gegen die Maßnahmen der Reichsregierung schärfste Verwahrung ein und erklärten, daß sie mit jedem nur zulässigen Mittel dagegen Widerstand leisten würden. Außerdem wurde von einzelnen Gewerkschaftsvertretern der Ein­bruch in das geltende Arbeits- und T a r i f r e ch t durch Rotverordnung als eine Verletzung der Reichsverfassung be­zeichnet und in Aussicht gestellt, daß man auf öem Rechtswege dagegen vorgehen würde. Der Minister versicherte, daß die Rsichsregierung durchaus die Interessen der Arbeiter und An­gestellten bei der Durchführung der Rotverord- nung im Rahmen des irgendwie Mög­lichen berücksichtigen werde, und daß schließlich alle diese Maßnahmen doch nur den Zweck verfolgten, die Arbeitslosigkeit zu mildern und die Institutionen der deut­schen Sozialpolitik und Sozialversicherung über die Krise Hinwegzubringen. Die Ge­werkschaftsvertreter führten demgegenüber aus, daß das eigentliche Ziel der Regierungsmah- nahmen, die Deflation zu beenden und die Wirt­schaft durch Erweiterung des Konsums zu be­leben, durch den sozialpolitischen Teil ihrer eigenen Maßnahmen zunichte gemacht wer­den müsse.

Reichs arbeitsminister Dr. Schaeffer hat den Ver­tretern der Gewerkschaften den Vorschlag gemacht, eine Kommission der Gewerkschaften zu bil­den, die bei der Durchführung der sozialpoli­tischen 'Bestimmungen der Rotverordnung m i t- wirken soll. Die Vertreter der Freien Ge­werkschaften haben sich ihre Stellungnahme zu diesem Vorschlag noch Vorbehalten. Die übrigen Gewerkschaftsvertreter haben dem Vorschlag zu­gestimmt.

Erläuterungen zur Wirtschastsverorhnung.

Beschäftigungsprämie und Tarifuntcrschreitung.

Berlin, 8. Sept. (TU.) Wie der DHD. mit- teilt, nab der Reichsarbeitsminister eine Erläu­

terung der wichtigsten Bestimmungen der Ver­ordnung vom 5. September. Der Begriff des Betriebes nach dieser Verordnung werde im Sinne des Betriebsrätegesetzes Anwendung fin­den. Reue und stillgelegte Betriebe fielen nicht unter die Bestimmungen des ersten Teiles der Verordnung über die Vermehrung der Arbeit­nehmerzahl. Voraussetzung sei auf jeden Fall, daß der Betrieb noch bestehe und auch produ­ziere. Da diese Bestimmungen, wie auch schon die Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden ergeben hätten, mannigfachen Ausdeutungen aus­gesetzt seien, so sei anzunehmen, daß eine Durch­führungsverordnung zum ersten Teil herauskom- men werde, die vor allem den Begriff der R e u e i n st e l l u n g interpretieren werde. Es fei selbstverständlich, daß bei der .zulässigen Unter- schreitung der tarifvertraglichen Lohnsätze nur bi e eigentlichen Lohnsätze und nicht die Leistungszulagen und aobere Zulagen gemeint seien, wie überhaupt diese einzelnen Bestimmun­gen der Verordnung nur auf solche Be­triebe Anwendung finden könnten, für die ein Tarifvertrag bestehe.

Wenn die Voraussetzungen des Paragraphen 1 der Verordnung über die Vermehrung der Arbeit­nehmerzahl und die Bestimmungen des Paragraphen 7 über die Erhaltung gefährdeter Betriebe z u s a m - men fiel en, dann dürfe der Schlichter nicht über eine Gesamtlohnkürzung von 20 v- H. hinausgehen. Da nun in der Praxis wohl zuerst ein Betrieb von feiner Notlage Gebrauch wachen werde, und auf Grund dieser Notlage ihm dann die Unterschreitung der Tarif­löhne bis 20 v. H. zugestanden werde, hierdurch aber eine Verschiebung seiner Konkurrenzfähigkeit insofern eintrete, daß er in die Lage versetzt werde, nunmehr eine Vermehrung ber Arbeit­nehmerzahl vorzunehmen, sollen die Schlichter angewiesen werden, gleich in ihrer Entscheidung über die Erlaubnis der Unterschreitung bis zu 20 v- H. im Sinne der Erhaltung gefährdeter Betriebe fest zulegen, daß, wenn auf Grund des ersten Teiles der Verordnung über die Vermehrung der Arbeitnehmerzahl Neueinstellungen vorgenommen werden, die Vergünstigungen aus dem zweiten Teil über die Erhaltung gefährdeter Betriebe in Fort­fall kommen. Die Finanzämter würden ange­wiesen werden, unter Umständen auch bie Buch- Prüfung dem Schlichter zur Verfügung zu stel­len, wenn dies die Lage des Betriebes und des einzelnen Falles notwendig mache.

Ueber die Anwendung der Generalvollmacht für bie Aenderung aller Zweige ber Sozialver- sichern ng gab der Minister die Erklärung ab, daß er eine solche Aenderung nur im engsten Einvernehmen mit den Verbänden der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, der einzelnen Län­der und sonstigen irgendwie interessierten Gruppen vornehmen wolle. Vorerst sollen in Referenten- besprechungen die Möglichkeiten der Anwendung

Morgen wieher lustik!"

Neues vom fröhlichen König Ströme.

Das kurzlebige Königreich Westfalen, das des großen Napoleon jüngster Bruder Järome wie einen höfischen Karneoalsicherz behandelte, ist noch heute nicht vergessen: da saß einer auf dem Thron, der damals in Westfalen alles auf den Kops stellte. Aber selbst seine Gattin Katharina, die Tochter des Königs Friedrich von Württemberg, die bei diesem Frauenjäger allen Anlaß zur Klage hatte, verzieh ihm immer wieder und folgte ihm nach dem Sturze des großen Bruders in die Verbannung, wo sie mit bem immer noch zu Seitensprüngen Geneigten eine gut bürgerliche Ehe führte. Unter ben vielen Damen, bie derliebe F i f i", wie Jsröme von seiner ijrau genannt würbe, mit seiner Gunst beglückte, befanb sich auch bie schöne Gräfin von Löwenstein, bie Gattin eines seiner Kammerherren, bie ihm einen Knaben Charles-Henri schenkte. Jsröme soll als Herrscher, ba ihm seine Gattin zunächst keine Nachkommen schenkte, daran gebacht haben wie sein Bruder sich von seiner-Gemahlin zu trennen unb die Gräfin Löwenstein zu heiraten. Aber ber kleine Charles-Henri würbe vor bem Schicksal eines Thron­erben durch ben Verlust ber westfälischen Krone be­wahrt, der seinen Vater ereilte. Er wurde bei einem einfachen Bureaubeamten in einer württemdergischen Gemeinde aufgezogen, und wenn er die Beziehung zu seinem erhabenen Papa nicht verlor, so lag dies weniger an diesem als an der guten Katharina, die auch, nachdem sie ihrem Manne zwei Söhne und eine Tochter geschenkt hatte, sich noch immer um ben Bastarb kümmerte. Als Sohn bieses Charles-Henri entpuppt sich nun ber bekannte französische Zeichner unb Schriftsteller Ferdinanb 58 ac in einem soeben erschienenen Buch, bas er über denPrinzen Na­poleon" veröffentlicht. DieserPrinz Napoleon", ber roäbrenb des zweiten Kaiserreichs eine bedeutende Rolle spielte, war ber zweite Sohn Jörömes, wäh­rend der erste als württembergischer Offizier schon vor bem Sturze des Bürgerkönigs starb. Durch nahe Beziehungen zu dem Bruder unb zu ber Schwester, der Prinzessin Mathilde, hat dieserwilde Sproß" vom Stamme des .Königs Immer-Lustik" viel von der intimen Familienüberlieferung des napoleoni» fdjen Hauses erfahren und erzählt in dem Buche eine Fülle unbekannter Züge und Geschichten. Er führt den Prinzen Napoleon redend ein und läßt ihn von seiner Großmutter, Madame Letizia, plaudern.

Die Mutter Napoleons, die zu Rom im Palais Jtinuccim residierte, durch ein Unglück für die letzten >We ihres langen Lebens an die Chaiselongue ge- fcHelt, war der Mittelpunkt eines großen Gesell­

schaftskreises und wurde von ihren Kindern sehr ver­ehrt. Wenn ber verbannte Fifi und seine Katharina die Erlaubnis erhielten nach Rom zu gehen, bann führten sie ihre Kinber ber ehrwürdigen Großmutter ZU. Sie war um 1830 80 Jahre unb trug feit bem Tobe Napoleons stets Trauer. Sie schnupfte stark, trank viel Kaffee und war von einerunvergeß­lichen Atmosphäre von Lorbeergeruch und Schnupf- tadak" umgeben. Verklärt durch den Ruhm ihres großen Sohnes, hielt sie auf strenge Feierlichkeit; man ging in ihrer Gegenwart auf Zehenspitzen und sprach leise. Sie selbst aber nahm kein Blatt vor ben 2)lunb unb setzte die Gesellschaft in Erstaunen durch Äußerungen wie die folgende:Ich habe mit meinen Kindern viel Pech gehabt; aber ich habe wenigstens bie Genugtuung, sie ordentlich verhauen zu haben." Sie hatte ja den ungeheuren Aufstieg ihres Sohnes ebenso erlebt wie seinen Sti'-z und für sie blieb der Heros der Weltgeschichte stets der kleine Junge, dessen Wäsche sie selbst gewaschen, und dem sie etwas Gehörigeshinten drauf" gegeben patte, wenn er ungezogen war. Von ihren anderen Kindern den entthronten Königen, sprach sie als von ihren Affen" mit der Schlichtheit und Dem guten Humor einer Bauersfrau. Die Enkelkinder hatten vor der Großmama Angst und mochten besonders den Tabakgeruch nicht, der ihren großen " schen- uchern entströmte. Der Papa Jsrüme ber bie Seit feiner Verbannung dank ber Aufopferung feiner Ge- maMin reefjt vergnügt verbracht hatte, aber oft knapp bet Gelbe war^ würbe unversehens burch bie Kaiser-

e,Je!"e5 NA?", mieber emporgehoben. Er nahm offiziell seinen Königstitel an, empfing von neuem ben Marschallstad unb ben gut bezahlten Posten eines ©ouDcrneurs ber Invaliden". Die arme Katharina war 1839 gestorben, unb ihrlieber Fifi" war als Witwer dem Andenken feiner guten Frau nicht freuer, als er es bei ihren Lebzeiten gewesen war. Noch immer lief er hinter jeder Schürze her aber er war der Bruder desandern", des großen Na­poleon, den die Gloriole ber Unsterblichkeit umgab. Während des Krimkrieges mußte der alte König Jöröme an einem Staatsrat teilnehmen unb sollte auch seine Ansicht über bie Kriegführung abgeben. Es war eine reine Formsache, benn er kümmerte sich schon seit langem nicht mehr um Politik unb Kriege, wenn er sich überhaupt je barum gekümmert hatte.Sie wünschen, baß ich mich äußere", sagte der Alte.Nun wohsi wenn mein Bruber noch lebte, bann würbe mein Bruder so gehandelt haben ..." Was er bann sagte, war sinnlos, aber die bloße Er­wähnung dieses großen Bruders, der den Jüngsten noch auf feinen Knien geschaukelt, ihn verhätschelt und wegen seiner Nichtsnutzigkeiten ausgeschimpst hatte, machte einen gewaltigen Eindruck.Niemand

dachte daran", so berichtet einer ber Anwesenben, »daß ber Greis sich bamit lächerlich mackste, daß er angeben wollte, was fein Bruder in der Krim getan haben würde, sondern es schien, als ob ber Sieger von Austerlitz eingetreten wäre ..

Oas Ehrenbegräbnis des Walfischs.

Eine Sage in Anam erzählt, daß zur Zeit der Herrschaft des Königs Gia-Long, des Begründers der jetzigen Dynastie, dieser Herrscher in einem Kriege mit feinem Nachbarn Taison Schiffbruch er- litt unb aus ben Fluten durch einen Walfisch ge­rettet wurde, der ihn sicher ans Ufer trug. Aus Dankbarkeit für diese wundersame Errettung ord­nete Gia-Long an, Pagoden zur Verehrung der Walfische zu errichten und pries in einem Erlaß bie Familie dieser großen Fische alsrettende Schutzgeister" feines Volkes. Der Kult ber Wal­fische ist seitdem in Anam lebendig geblieben, und wenn zufällig ein solcher Riese des Meeres an bie Küste des Landes getrieben wird, bann wird von der Regierung eine beträchtliche Summe unb ein Stück roter Seide für fein Ehrenbegräbnis ausge« gesetzt. Eine solche feierliche Bestattung eines Wal­fisches hat kürzlich wieder ftattgefunben, wie der Direktor der Schule von Degi, Ngo-le-To, in einem französischen Blatt berichtet. Ein Einwohner des Dorfes Vin-Loi bemerkte an ber Küste einen fter- benben Walfisch unb machte sofort ben Behörden davon Mitteilung. Sogleich erschienen hohe Be­amte von einer großen Menge Volks begleitet, mit Fahnen, Trommeln, Musik, mit Tänzern und Tänzerinnen, in Festkleidung, und geleiteten den ehrwürdigen Toten, der alsOng", d. h. Groß­vater ober erhabener Geist, angeredet wird nach dem Dorf. Dererhabene Geist" war mehr als 6 Meter lang unb von schwarzer Farbe. Währenb der Woche, bie bis zu seinem Ehrenbegräbnis ba= bmging, ruhte alle Arbeit. Die ganze Bevölkerung, mit ber sich die Fischer ber angrenzenden Ortschaf­ten verbanden, versammelte sich vor dem Kadaver des Fisches und erwies ihm bie Huldigung durch beständige Verbeugungen. Das Tier selbst, mit ver­goldeten Körben und roten Seidenstoffen geschmückt, wurde in einen prächtigen Bambus-Sara gelegt und vor einem reich verzierten Altar aufgebahrt. Die Leidtragenden opferten dem dahingeschiedenen "Schutzgeist" Kerzen unb Geldmünzen, verbrann­ten vor ihm Gold- und Silberpapier und Weih­rauch und warfen sich in Ehrfurcht vor bem Altar nieder. Nicht minder feierlich war das Ehrenbegräb- ms des Walfisches, bas ganz in ben Formen der Bestattung eines Groß-Mandarins vollzogen wurde.

Trommeln und Musik waren unterbrochen zu hören, und dichte Weihrauchwolken fliegen über bem Grabe empor, bennman liebt und ehrt den Wal­fisch in Anam, wie Sian feinen Vater liebt unb ehrt", bemerkte Ngo-le-To. Der, ber das Tier zuerst gesehen tyat, trug zum Zeichen der Trauer einen weißen Turban, ben er ein Jahr lang nicht ab­legen darf. Nach Ablauf des Trauerjahres wird bet Walfisch ausgegraben und das Skelett in einen Holzsarg eingefchlossen, ber mit neuen Zeremonien m einer Pagode beigesetzt wird. Außerdem feiert man für alle Zeiten ben Jahrestag des Walftfch- Todes ...

Peter Voß im Film.

Eines ber hübschesten unb lustigsten Bücher von Ewald Gerhard Seeliger behandelt die aben­teuerliche Geschichte vom Millionendieb Peter Voß. Bruno Frank und E. A. Dupont, der auch Regie führt, haben einen Film daraus gemacht. Das heißt, im Roman ist das Meiste ganz anders; geblieben ist nur die originelle unb witzige Lustspiel­idee: die Millionen, um bie es sich handelt, sind nämlich gar nicht vorhanden; der Diebstahl wird fingiert, um die infolge einesschwarzen Freitags" an der Börse vom Zusammenbruch bedrohte Firma zu retten. Das kann geschehen, wenn die Flucht und die Jagd um Den Erdball fo lange ausgedehnt wird, bis die ms Bodenlose gefallenen Kurse (hier Electric, dort Kupfer) sich wieder erholt haben und zu klel- ern anfangen. Den Peter Voß spielt als einen v/l.-.^un9en obwohl etwas weicher

Im R?nian: der Typus des smarten Deutschamerikaners ist ins Wienerisch-Elegante und liebenswürdig Hochstaplerische umgebogen m ° ' der übrigens zur Zeit nach einem

in Berlin in der Klinik liegt und einer «trafverhandlung entgegensieht. Polly, hier nicht, wie im Roman, Peters Frau, ist Alice Treff, ein neuer Emelka-Star; Bobby Dodd, der große uetetuD, ist ber aus vielen Filmen bekannte Paul Hörbiger. Sonst: Ida Wüst; Otto Wernicke; H. H. Schaufuß. Eine nette Abendunterhaltung tm Lichtspielhaus. Leider läßt die Verständlichkeit des Textes stellenweise recht zu wünschen übrig.

Sochschulnachrichten.

Professor Dr. H. von Wartenberg in Danzig hat den Ruf auf den Lehrstuhl der anor­ganischen Chemie an der Universität Göttingen angenommen und bereits seine Ernennung zum o. Professor in Göttingen erhalten.