bet Regierung für Kontingentierung der Einfuhr und sprach die Erwartung aus, daß daS Schulden- und Lastenproblem im Sinne der Hugenberg-Vorschläge von der Regierung möglichst bald in Angriff genommen werde. 2m Zusammenhang mit dem Wirtschaftsprogramm der Regierung wurden besondere Anträge vorbereitet, die insbesondere eine Berücksichtigung der mittel ständischen Wirtschaft und sozialpolitischer Forderungen bei den neuen Mahnahmen zum Ziele haben." 2n der anschließenden politischen Aussprache, die sich auch mit den in der Presse erörterten Bestrebungen zur Bildung neuer Mittelgruppen befaßte, brachte die Fraktion zum Ausdruck, daß diese Bestrebungen, die meist aus dem Betätigungsdrang ehemaliger inittelparteilicher Parlamentarier zurückzuführen sind, politisch nicht ernst genommen werden können, weil sie nach allen Erfahrungen zum Scheitern verurteilt sind.
Die Fraktion hat außerdem folgende Entschließung gefaßt: „Die deutschnationale
Reichstagsfraktion nimmt mit Empörung von den lügnerischen Veröffentlichungen Kenntnis, die besonders die nationalsozialistische Presse planmäßig im ganzen Lande — offenbar auf Anweisung von zentraler Stelle — über die Deutschnationale Volkspartei und ihren Führer verbreitet. 2n der DRVP. gibt es weder eine „Führerkrise", noch „Zerwürfnisse", noch „Unzufriedenheit". Auch Meldungen wie die, die Partei beabsichtige, Herrn Dr. Goerdeler, der ihr gar nicht angehört, zu ihrem Vorsitzenden zu macAn, liegen in der gleichen Linie. Diese unwahren und gehässigen Behauptungen haben nur den Zweck, von der in den Reihen der Rationalsozialisten herrschenden Unruhe abzulenken, die durch das parlamentarische Kuhhandeln der nationalsozialistischen Führer mit der „nationalen" Zentrumspartei entstanden ist. Diese Veröffentlichungen, die marxistischen Methoden entsprechen, sind im Urteil der Fraktion mir ein Beweis mehr dafür, wie sehr das Vertrauen der Deutschnationalen Volkspartei zu ihrem Führer gerechtfertigt ist."
dieser Generalvollmacht geprüft werden und dann die Aussprache stattfinden.
Abschluß her Wirtschasts- iagung her NSDAP.
München, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Am Mittwoch, dem letzten Tage der programmatischen Beratungen in der Reichsleitung der RSDAP. im Braunen Hause in München, sprach Reichstagsabgeordneter Dr. R e n t e l n über die Unzulänglichkeiten kapitalistischer Methoden zur Ankurbelung der Wirtschaft. Insbesondere übte der Redner Kritik an dem Papenschen Wirtschaftsprogramm. Werner D a i z sprach über Zinssenkung, Lastensenkung und zusätzliche Arbeitsbeschaffung, während Reichstagsabgeordneter Reinhardt noch einmal in großen Zügen die nationalsozialistische Grundeinstellung zur Arbeitsbeschaffung umriß und ausführte: Die deutsche Wirtschaft sei durch das System Brünings ebenso wie durch Papen nicht angekurbelt, sondern abgekurbelt worden. Es dürfe keine weitere Kürzung der Löhne, Gehälter und Renten erfolgen. Ein grundsätzlicher Umbau des Steuersystems, eine Senkung der Zinssätze, eine Streichung überflüssiger Sachausgaben müsse eine Erhöhung der gesamten Kaufkraft er- zielen. Abgeordneter Feder hielt zum Schluß noch einen Vortrag über finantheoretische Grundlinien, wobei er die nationalsozialistischen Forderungen nach Verstaatlichung des Geld- und Kreditwesens in Erinnerung brachte und sagte, daß das Geld wieder Diener der Wirtschaft werden müsse, und daß die Arbeit das Geld schasse.
Nationalsozialistischer Protest gegen den Wirtschastsplan.
Berlin, 8. Sept. (TU.) Der Leiter der Hauptabteilung V (Landwirtschaft) der Reichsorganisationsleitung derRSDAP., Walter Darre, hat, wie die Reichspressestelle der RSDAP. mitteilt, an den Reichskanzler und an den ReichsernAh- rungsminister Protesttelegramme gegen die neuen Wirtschaftsmaßnahmen gerichtet. 2n dem Telegramm an den Kanzler wird erklärt, daß der deutsche Land st and aus vaterländischem Pflichtgefühl und der Aufforderung seines freiwillig erkorenen Führers Adolf Hitler folgend, die Ernährung der deutschen Bevölkerung rn diesem Winter sicherge- st e l l t habe. Die neuen Wirtschaftsmaßnahmen brächten nunmehr die sich in höchster Rot befindende deutsche Landwirtschaft endgültig aufs Schaffst und gefährdeten so in Zukunft die Ernährung des deutschen Volkes. 2n dem Telegramm wird dem Kanzler schließlich unverantwortliche Handlungsweise vorgeworfen.
Das Drlegramm an den Reichsernährungsminister enthält die Bitte, durch Zurücktreten von seinem Amte eine klare Lage zu schaffen. Das Wirtschaftsprogramm komme nur der Börse undder internationalen Hochfinanz zugute.Das schaffende deutsche Volk und insbesondere das deutsche Bauerntum müsse an diesem Wirtschaftsprogramm sterben. Das deutsche Bauerntum sei sich z u gut, um in der Fron des internationalen Leihkapitals zu sterben. Es wolle jetzt eine grundsätzliche Lösung seiner Rot urch einen völkischen Staat.
Aeuyorks neuer Oberbürgermeister räumt auf.
Reuhork, 8. Sept. ($11.) Walkers Rachfolger als Oberbürgermeister von Reuhork, Mac K e e, hat in den acht Tagen, die er nunmehr im Amte ist, in der Stadtverwaltung bereits so gründliche Aufräumungsarbeit geleistet, daß die Reuyorker Bevölkerung aus dem Staunen nicht herauskommt und daß in Tam- manh Hall, dem Sitz der Reuyorker Demokratischen Parteiorganisation, äußer st e Be- stürzung herrscht. Mac Kee hat die Gehälter der von Tammanh Hall in die wichtigsten Reu- Yorker Verwaltungsstellen gesetzten Personen
stark gekürzt, nachdem er sein eigenes Gehalt um 15 000 Dollar vermindert hatte. Mae Kee hat gleichzeitig denjenigen Beamten, übe« deren Gehälter er nicht bestimmen kann, dringend geraten, sich nach seinem Vorbild zu richten« Der neue Oberbürgermeister geht auch in anderer Hinsicht den Herren von der Reuyorker Stadtverwaltung mit gutem Beispiel voran, um sie zur Sparsamkeit zu erziehen. So verzichtet er beispielsweise darauf, für feine Dienstfahrten die städtischen Kraftwagen zu benutzen. Die Untergrundbahn ist sein Beförderungsmittel. Mac Kee hat die Abteilungsleiter angewiesen, ihre Limousinen aufzugeben.
Nationalsozialistische Wehrforhernngen.
München, 8. Sept. ($11. Funkspruch.) In der Rationalsozialistischen Parteikorrespondenz nimmt heute Ok^rst a. D. H a s e l m a y r zu der Erklärung des Reichsaußenministers in der Gleichberechtigungsfrage Stellung. Er schreibt u.a.: Deutschland brauche nur bei Wiederbeginn der Genfer Verhandlungen an Ort und Stelle zu erklären, daß die deutschen Vertreter sich als gleichberechtigteTeil- nehmer der Konferenz betrachteten und nur auf dieser Grundlage mitarbeiten würden. Roch beweiskräftiger für die deutsche Gleichberechtigung werde sein, daß Deutschland am 1. Rovernber, also nach Ablauf des bis dahin geltenden Rüstungsfeierjahres selbsttätigmit der Reuordnung seiner Wehr beginne. Dadurch mühten und würden die weiteren Abrüstungsverhandlungen in Genf nicht scheitern, denn Deutschland sei in seiner Sicherheit mit solchem Abstand zurück, daß es schon aus technischen Gründen auf 2ahre den Rüstungsstand der anderen nicht zu beeinflussen vermöge. Außerdem werde Deutschland bereit sein, alle Rüstungsbegrenzungen und Rüstungsverzichte mitzumachen, die auch die übrige Staatenwelt auf sich nehme. Handeln, nicht verhandeln, sei jetzt für Deutschland das Gebot der Stunde.
Oer Bürgerkrieg in Brasilien.
Due.nos Aires, 8. Sept. ($11. Funkspr.) Rach Meldungen aus Rio de 2aneiro haben d i e brasilianischen Dundestruppen den wichtigen Eisenbahnknotenpunkt Mogi Mi rin im Staat Sao Paulo eingenommen. Die Einnahme Mogi Mirins wird von der Regierung als ein großer Erfolg betrachtet, da es in nächster Rähe Campinas liegt, der zweitgrößten Stadt in Sao Paulo. 2n Porto Alegre, der Hauptstadt des Staates Rio Grande do Sul, wurde das Zeughaus von einer 1000köpfigen Menge erstürmt. Waffen- und Munitionsvorräte wurden geplündert unb an Aufständische verteilt. Gerüchtweise wird gemeldet, daß der frühere brasilianische Präsident Dr. D e r n a r d e s sich an der Spitze der durch den Staat Espirito Santo auf Rio be Janeiro marschierenden Aufständischen befinde.
Oer Arbeitskonflikt in den Spinnereien von Manchester.
Manchester, 8. Sept. (W$B.) Die vom Verband der Daumwollarbeiter veranstaltete Abstimmung über die von den Arbeitgebern vorgeschlagene Lohnkürzung ergab 30 991 Stimmen für die Arbeit und 1518 da- Svgen. Der Verband umfaßt 44 000 Mitglieder. Die Arbeitgeber hatten eine Lohnkürzung von 2 Schilling 9 Pence auf je ein Pfund Sterling Verdienst vovgeschlagen und eine Frist bis zum 17. d. M. zur Beantwortung ihres Vorschlags gestellt. Die Spinnereiarbeiter beabsichtigen nicht, einen Streik zu proklamieren und würden, wenn die Arbeitgeber auf ihrchn Vorschlag beharren sollten, die Arbeitseinstellung als Aussperrung und nicht als Streik ansehen.
Die soziaWUche Seile derWirischastMrordming
Der Protest der Gewerkschaffen.
Besprechung beim Reichsarbeitsmimster.
Berlin, 8. Sept. (DDZ.) Reichsarbeitsminister Dr. Schaeffer empfing am Donnerstag die Vertreter der Spitzenorganisationen der Gewerkschaften aller drei Richtungen. Wie das Rachrichtenbureau des VDZ. von gewerkschaftlicher Seite hört, ist es dem Reichsarbeitsminister nicht gelungen, die schweren Bedenken zu zerstreuen, die seitens der Gewerkschaften gegen den sozialpolitischen Teil der Rowcrordnung geäußert worden sind. Die Gewerkschaftsvertreter aller Richtungen legten gegen die Maßnahmen der Reichsregierung schärfste Verwahrung ein und erklärten, daß sie mit jedem nur zulässigen Mittel dagegen Widerstand leisten würden. Außerdem wurde von einzelnen Gewerkschaftsvertretern der Einbruch in das geltende Arbeits- und T a r i f r e ch t durch Rotverordnung als eine Verletzung der Reichsverfassung bezeichnet und in Aussicht gestellt, daß man auf öem Rechtswege dagegen vorgehen würde. Der Minister versicherte, daß die Rsichsregierung durchaus die Interessen der Arbeiter und Angestellten bei der Durchführung der Rotverord- nung im Rahmen des irgendwie Möglichen berücksichtigen werde, und daß schließlich alle diese Maßnahmen doch nur den Zweck verfolgten, die Arbeitslosigkeit zu mildern und die Institutionen der deutschen Sozialpolitik und Sozialversicherung über die Krise Hinwegzubringen. Die Gewerkschaftsvertreter führten demgegenüber aus, daß das eigentliche Ziel der Regierungsmah- nahmen, die Deflation zu beenden und die Wirtschaft durch Erweiterung des Konsums zu beleben, durch den sozialpolitischen Teil ihrer eigenen Maßnahmen zunichte gemacht werden müsse.
Reichs arbeitsminister Dr. Schaeffer hat den Vertretern der Gewerkschaften den Vorschlag gemacht, eine Kommission der Gewerkschaften zu bilden, die bei der Durchführung der sozialpolitischen 'Bestimmungen der Rotverordnung m i t- wirken soll. Die Vertreter der Freien Gewerkschaften haben sich ihre Stellungnahme zu diesem Vorschlag noch Vorbehalten. Die übrigen Gewerkschaftsvertreter haben dem Vorschlag zugestimmt.
Erläuterungen zur Wirtschastsverorhnung.
Beschäftigungsprämie und Tarifuntcrschreitung.
Berlin, 8. Sept. (TU.) Wie der DHD. mit- teilt, nab der Reichsarbeitsminister eine Erläu
terung der wichtigsten Bestimmungen der Verordnung vom 5. September. Der Begriff des Betriebes nach dieser Verordnung werde im Sinne des Betriebsrätegesetzes Anwendung finden. Reue und stillgelegte Betriebe fielen nicht unter die Bestimmungen des ersten Teiles der Verordnung über die Vermehrung der Arbeitnehmerzahl. Voraussetzung sei auf jeden Fall, daß der Betrieb noch bestehe und auch produziere. Da diese Bestimmungen, wie auch schon die Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden ergeben hätten, mannigfachen Ausdeutungen ausgesetzt seien, so sei anzunehmen, daß eine Durchführungsverordnung zum ersten Teil herauskom- men werde, die vor allem den Begriff der R e u e i n st e l l u n g interpretieren werde. Es fei selbstverständlich, daß bei der .zulässigen Unter- schreitung der tarifvertraglichen Lohnsätze nur bi e eigentlichen Lohnsätze und nicht die Leistungszulagen und aobere Zulagen gemeint seien, wie überhaupt diese einzelnen Bestimmungen der Verordnung nur auf solche Betriebe Anwendung finden könnten, für die ein Tarifvertrag bestehe.
Wenn die Voraussetzungen des Paragraphen 1 der Verordnung über die Vermehrung der Arbeitnehmerzahl und die Bestimmungen des Paragraphen 7 über die Erhaltung gefährdeter Betriebe z u s a m - men fiel en, dann dürfe der Schlichter nicht über eine Gesamtlohnkürzung von 20 v- H. hinausgehen. Da nun in der Praxis wohl zuerst ein Betrieb von feiner Notlage Gebrauch wachen werde, und auf Grund dieser Notlage ihm dann die Unterschreitung der Tariflöhne bis 20 v. H. zugestanden werde, hierdurch aber eine Verschiebung seiner Konkurrenzfähigkeit insofern eintrete, daß er in die Lage versetzt werde, nunmehr eine Vermehrung ber Arbeitnehmerzahl vorzunehmen, sollen die Schlichter angewiesen werden, gleich in ihrer Entscheidung über die Erlaubnis der Unterschreitung bis zu 20 v- H. im Sinne der Erhaltung gefährdeter Betriebe fest zulegen, daß, wenn auf Grund des ersten Teiles der Verordnung über die Vermehrung der Arbeitnehmerzahl Neueinstellungen vorgenommen werden, die Vergünstigungen aus dem zweiten Teil über die Erhaltung gefährdeter Betriebe in Fortfall kommen. Die Finanzämter würden angewiesen werden, unter Umständen auch bie Buch- Prüfung dem Schlichter zur Verfügung zu stellen, wenn dies die Lage des Betriebes und des einzelnen Falles notwendig mache.
Ueber die Anwendung der Generalvollmacht für bie Aenderung aller Zweige ber Sozialver- sichern ng gab der Minister die Erklärung ab, daß er eine solche Aenderung nur im engsten Einvernehmen mit den Verbänden der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, der einzelnen Länder und sonstigen irgendwie interessierten Gruppen vornehmen wolle. Vorerst sollen in Referenten- besprechungen die Möglichkeiten der Anwendung
„Morgen wieher lustik!"
Neues vom fröhlichen König Ströme.
Das kurzlebige Königreich Westfalen, das des großen Napoleon jüngster Bruder Järome wie einen höfischen Karneoalsicherz behandelte, ist noch heute nicht vergessen: da saß einer auf dem Thron, der damals in Westfalen alles auf den Kops stellte. Aber selbst seine Gattin Katharina, die Tochter des Königs Friedrich von Württemberg, die bei diesem Frauenjäger allen Anlaß zur Klage hatte, verzieh ihm immer wieder und folgte ihm nach dem Sturze des großen Bruders in die Verbannung, wo sie mit bem immer noch zu Seitensprüngen Geneigten eine gut bürgerliche Ehe führte. Unter ben vielen Damen, bie der „liebe F i f i", wie Jsröme von seiner ijrau genannt würbe, mit seiner Gunst beglückte, befanb sich auch bie schöne Gräfin von Löwenstein, bie Gattin eines seiner Kammerherren, bie ihm einen Knaben Charles-Henri schenkte. Jsröme soll als Herrscher, ba ihm seine Gattin zunächst keine Nachkommen schenkte, daran gebacht haben wie sein Bruder sich von seiner-Gemahlin zu trennen unb die Gräfin Löwenstein zu heiraten. Aber ber kleine Charles-Henri würbe vor bem Schicksal eines Thronerben durch ben Verlust ber westfälischen Krone bewahrt, der seinen Vater ereilte. Er wurde bei einem einfachen Bureaubeamten in einer württemdergischen Gemeinde aufgezogen, und wenn er die Beziehung zu seinem erhabenen Papa nicht verlor, so lag dies weniger an diesem als an der guten Katharina, die auch, nachdem sie ihrem Manne zwei Söhne und eine Tochter geschenkt hatte, sich noch immer um ben Bastarb kümmerte. Als Sohn bieses Charles-Henri entpuppt sich nun ber bekannte französische Zeichner unb Schriftsteller Ferdinanb 58 ac in einem soeben erschienenen Buch, bas er über den „Prinzen Napoleon" veröffentlicht. Dieser „Prinz Napoleon", ber roäbrenb des zweiten Kaiserreichs eine bedeutende Rolle spielte, war ber zweite Sohn Jörömes, während der erste als württembergischer Offizier schon vor bem Sturze des Bürgerkönigs starb. Durch nahe Beziehungen zu dem Bruder unb zu ber Schwester, der Prinzessin Mathilde, hat dieser „wilde Sproß" vom Stamme des .Königs Immer-Lustik" viel von der intimen Familienüberlieferung des napoleoni» fdjen Hauses erfahren und erzählt in dem Buche eine Fülle unbekannter Züge und Geschichten. Er führt den Prinzen Napoleon redend ein und läßt ihn von seiner Großmutter, Madame Letizia, plaudern.
Die Mutter Napoleons, die zu Rom im Palais Jtinuccim residierte, durch ein Unglück für die letzten >We ihres langen Lebens an die Chaiselongue ge- fcHelt, war der Mittelpunkt eines großen Gesell
schaftskreises und wurde von ihren Kindern sehr verehrt. Wenn ber verbannte Fifi und seine Katharina die Erlaubnis erhielten nach Rom zu gehen, bann führten sie ihre Kinber ber ehrwürdigen Großmutter ZU. Sie war um 1830 80 Jahre unb trug feit bem Tobe Napoleons stets Trauer. Sie schnupfte stark, trank viel Kaffee und war von einer „unvergeßlichen Atmosphäre von Lorbeergeruch und Schnupf- tadak" umgeben. Verklärt durch den Ruhm ihres großen Sohnes, hielt sie auf strenge Feierlichkeit; man ging in ihrer Gegenwart auf Zehenspitzen und sprach leise. Sie selbst aber nahm kein Blatt vor ben 2)lunb unb setzte die Gesellschaft in Erstaunen durch Äußerungen wie die folgende: „Ich habe mit meinen Kindern viel Pech gehabt; aber ich habe wenigstens bie Genugtuung, sie ordentlich verhauen zu haben." Sie hatte ja den ungeheuren Aufstieg ihres Sohnes ebenso erlebt wie seinen Sti'-z und für sie blieb der Heros der Weltgeschichte stets der kleine Junge, dessen Wäsche sie selbst gewaschen, und dem sie etwas Gehöriges „hinten drauf" gegeben patte, wenn er ungezogen war. Von ihren anderen Kindern den entthronten Königen, sprach sie als von „ihren Affen" mit der Schlichtheit und Dem guten Humor einer Bauersfrau. Die Enkelkinder hatten vor der Großmama Angst und mochten besonders den Tabakgeruch nicht, der ihren großen " schen- uchern entströmte. Der Papa Jsrüme ber bie Seit feiner Verbannung dank ber Aufopferung feiner Ge- maMin reefjt vergnügt verbracht hatte, aber oft knapp bet Gelbe war^ würbe unversehens burch bie Kaiser-
e,Je!"e5 NA?", mieber emporgehoben. Er nahm offiziell seinen Königstitel an, empfing von neuem ben Marschallstad unb ben gut bezahlten Posten eines „©ouDcrneurs ber Invaliden". Die arme Katharina war 1839 gestorben, unb ihr „lieber Fifi" war als Witwer dem Andenken feiner guten Frau nicht freuer, als er es bei ihren Lebzeiten gewesen war. Noch immer lief er hinter jeder Schürze her aber er war der Bruder des „andern", des großen Napoleon, den die Gloriole ber Unsterblichkeit umgab. Während des Krimkrieges mußte der alte König Jöröme an einem Staatsrat teilnehmen unb sollte auch seine Ansicht über bie Kriegführung abgeben. Es war eine reine Formsache, benn er kümmerte sich schon seit langem nicht mehr um Politik unb Kriege, — wenn er sich überhaupt je barum gekümmert hatte. „Sie wünschen, baß ich mich äußere", sagte der Alte. „Nun wohsi wenn mein Bruber noch lebte, bann würbe mein Bruder so gehandelt haben ..." Was er bann sagte, war sinnlos, aber die bloße Erwähnung dieses großen Bruders, der den Jüngsten noch auf feinen Knien geschaukelt, ihn verhätschelt und wegen seiner Nichtsnutzigkeiten ausgeschimpst hatte, machte einen gewaltigen Eindruck. „Niemand
dachte daran", so berichtet einer ber Anwesenben, »daß ber Greis sich bamit lächerlich mackste, daß er angeben wollte, was fein Bruder in der Krim getan haben würde, sondern es schien, als ob ber Sieger von Austerlitz eingetreten wäre ..
Oas Ehrenbegräbnis des Walfischs.
Eine Sage in Anam erzählt, daß zur Zeit der Herrschaft des Königs Gia-Long, des Begründers der jetzigen Dynastie, dieser Herrscher in einem Kriege mit feinem Nachbarn Taison Schiffbruch er- litt unb aus ben Fluten durch einen Walfisch gerettet wurde, der ihn sicher ans Ufer trug. Aus Dankbarkeit für diese wundersame Errettung ordnete Gia-Long an, Pagoden zur Verehrung der Walfische zu errichten und pries in einem Erlaß bie Familie dieser großen Fische als „rettende Schutzgeister" feines Volkes. Der Kult ber Walfische ist seitdem in Anam lebendig geblieben, und wenn zufällig ein solcher Riese des Meeres an bie Küste des Landes getrieben wird, bann wird von der Regierung eine beträchtliche Summe unb ein Stück roter Seide für fein Ehrenbegräbnis ausge« gesetzt. Eine solche feierliche Bestattung eines Walfisches hat kürzlich wieder ftattgefunben, wie der Direktor der Schule von Degi, Ngo-le-To, in einem französischen Blatt berichtet. Ein Einwohner des Dorfes Vin-Loi bemerkte an ber Küste einen fter- benben Walfisch unb machte sofort ben Behörden davon Mitteilung. Sogleich erschienen hohe Beamte von einer großen Menge Volks begleitet, mit Fahnen, Trommeln, Musik, mit Tänzern und Tänzerinnen, in Festkleidung, und geleiteten den ehrwürdigen Toten, der als „Ong", d. h. Großvater ober erhabener Geist, angeredet wird nach dem Dorf. Der „erhabene Geist" war mehr als 6 Meter lang unb von schwarzer Farbe. Währenb der Woche, bie bis zu seinem Ehrenbegräbnis ba= bmging, ruhte alle Arbeit. Die ganze Bevölkerung, mit ber sich die Fischer ber angrenzenden Ortschaften verbanden, versammelte sich vor dem Kadaver des Fisches und erwies ihm bie Huldigung durch beständige Verbeugungen. Das Tier selbst, mit vergoldeten Körben und roten Seidenstoffen geschmückt, wurde in einen prächtigen Bambus-Sara gelegt und vor einem reich verzierten Altar aufgebahrt. Die Leidtragenden opferten dem dahingeschiedenen "Schutzgeist" Kerzen unb Geldmünzen, verbrannten vor ihm Gold- und Silberpapier und Weihrauch und warfen sich in Ehrfurcht vor bem Altar nieder. Nicht minder feierlich war das Ehrenbegräb- ms des Walfisches, bas ganz in ben Formen der Bestattung eines Groß-Mandarins vollzogen wurde.
Trommeln und Musik waren unterbrochen zu hören, und dichte Weihrauchwolken fliegen über bem Grabe empor, benn „man liebt und ehrt den Walfisch in Anam, wie Sian feinen Vater liebt unb ehrt", bemerkte Ngo-le-To. Der, ber das Tier zuerst gesehen tyat, trug zum Zeichen der Trauer einen weißen Turban, ben er ein Jahr lang nicht ablegen darf. Nach Ablauf des Trauerjahres wird bet Walfisch ausgegraben und das Skelett in einen Holzsarg eingefchlossen, ber mit neuen Zeremonien m einer Pagode beigesetzt wird. Außerdem feiert man für alle Zeiten ben Jahrestag des Walftfch- Todes ...
Peter Voß im Film.
Eines ber hübschesten unb lustigsten Bücher von Ewald Gerhard Seeliger behandelt die abenteuerliche Geschichte vom Millionendieb Peter Voß. Bruno Frank und E. A. Dupont, der auch Regie führt, haben einen Film daraus gemacht. Das heißt, im Roman ist das Meiste ganz anders; geblieben ist nur die originelle unb witzige Lustspielidee: die Millionen, um bie es sich handelt, sind nämlich gar nicht vorhanden; der Diebstahl wird fingiert, um die infolge eines „schwarzen Freitags" an der Börse vom Zusammenbruch bedrohte Firma zu retten. Das kann geschehen, wenn die Flucht und die Jagd um Den Erdball fo lange ausgedehnt wird, bis die ms Bodenlose gefallenen Kurse (hier Electric, dort Kupfer) sich wieder erholt haben und zu klel- ern anfangen. Den Peter Voß spielt als einen v/l.-.^un9en “ obwohl etwas weicher
Im R?nian: der Typus des smarten Deutschamerikaners ist ins Wienerisch-Elegante und liebenswürdig Hochstaplerische umgebogen — m ° ' der übrigens zur Zeit nach einem
in Berlin in der Klinik liegt und einer «trafverhandlung entgegensieht. Polly, hier nicht, wie im Roman, Peters Frau, ist Alice Treff, ein neuer Emelka-Star; Bobby Dodd, der große •uetetuD, ist ber aus vielen Filmen bekannte Paul Hörbiger. Sonst: Ida Wüst; Otto Wernicke; H. H. Schaufuß. Eine nette Abendunterhaltung tm Lichtspielhaus. Leider läßt die Verständlichkeit des Textes stellenweise recht zu wünschen übrig. —
Sochschulnachrichten.
— Professor Dr. H. von Wartenberg in Danzig hat den Ruf auf den Lehrstuhl der anorganischen Chemie an der Universität Göttingen angenommen und bereits seine Ernennung zum o. Professor in Göttingen erhalten.


