Ausgabe 
9.8.1932 Erstes Blatt
 
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Sie sich bann entschlossen." Und er geht mit großen Schritten auf seinen Wagen zu.

Mit hat aber doch jemand geschrieben", brüllt der mit dem roten Gesicht und drückt auf die Zündung, wenn ich den erwische, Fischleim soll er aus Ihren Karpfen kochen, zweitausend Pfund soviel Sie liefern, Herr Buhlemann." Dann sieht er, daß sein Klicker- pucker dem großen Wagen im Wege steht, er schiebt ihn zur Seite, Schrammen kosten Geld und Klagen find teurer als ein neuer Wagen. Dann ratterte und holperte auf dem stillen Lehmweg von bannen, als waren zwei Gespenster auf der Jagd hintereinander.

Buhlemann bleibt allein, er blickt seine Frau an, die Frau schüttelt den Kopf, sie begreift nichts, aber sie wundert sich über Buhlemanns Mut.Was hat

er gesagt? Tausend Pfund Karpfen? Wae sagt er Fischmehl? Hast du was verstanden?"

Buhlemann hat Nichte verstanden, aber er hat eine entfernte Ahnung. Und weil fürs Ueberdenken die Muße gut tut und unten am Teich ein frischer Wind weht, schlendert er qualmend hinab auch um seine Karpfen zu zählen, damit ihm bei so vielen guten und bösen Wünschen nicht einer abhanden kommt. Aber die Karpfen treiben wie zu Sommers Anfang in der Mitte des Teiches, sie drehen sich gemächlich einer um den andern. Und der größte, der, wie Buhlemann vermutet, bald Moos auf dem Rücken ansetzen wird, schmatzt wieder deutlich vernehmbar hustet, könnte man sagen, stünde nicht gerade der eigne Herr am Teich ...

Wirtschaft.

Oer Karstadt-Bericht.

Berlin, 9. Rüg. Der Geschäftsbericht der Rudolph Karstadt 2IG.. Berlin, spricht aus, daß die mit dem Riedergange der Wirtschaft verbundene allgemeine Einschränkung der Lebensführung sowie der Rückgang aller Preise sich in einer Minderung des Gesamt­umsatzes in den Detailbetrieben im Berichtsjahre 1931 32 auf 252,24 Millionen Mark gegenüber 310,61 Millionen Mark im Vorjahre ausdrückte. Diesem Llmsahrückgang konnte eine entsprechende Senkung der Spesen nicht im gleichen Zeitmaß folgen. Das reguläre Geschäft schließt in 1931/32 nach Vornahme der regulären Abschreibungen mit einem Verlust von 1,55 Millionen Mark ab. Die anhaltende Abwärtsbewegung aller Warenpreise machte über die üblichen Abschreibungen hinaus Sonderabschreibungen von rund 12 Millionen Mark erforderlich. Das Ergebnis wird weiter verschlechtert durch die Rotwendigkeit großer außerordentlicher Abschreibungen. Insgesamt waren außer den bereits erwähnten 12 Millionen Mark Konjunkturverlusten außerordentliche Ab­schreibungen von 24,64 Millionen Mark erforder­lich- 2m Bericht wird sodann der Verkauf der Cpa-Aktien und die Umwandlung von nom. 20 Millionen Mark Stammaktien in einen gleichen CBetrag Vorzugsaktien erwähnt und zu der Ent­wicklung des neuen GeschäftstypsKarzentra" ausgeführt, es habe sich gezeigt, daß es dem Kunden, der nur das Rotwendigste zu kaufen in der Lage sei, weniger auf die Auswahl, als vielmehr auf besondere Leistung ankomme. Dem­entsprechend seien in verschiedenen Geschäften des Konzerns die Sortimente erheblich verringert worden, um durch die dadurch herbeigeführte Konzentration des Bedarfs und des Einkaufs leistungsfähiger zu werden. Die bisherige Ent­wicklung der umgestellten Geschäfte habe die Er­wartungen bestätigt.

Im einzelnen zeigt die Gewinn - und Ver - l Umrechnung (alles in Mill. Mk.) folgendes Bild: Bruttogewinn 82,48 (111,68), Ergebnisse bei Beteiligungen und Wertpapieren 1,24, außerordent­liche Gewinne 1,79, Agiogewinn aus Zuzahlung auf Vorzugsaktien 10,20, Gewinn aus Einziehung von nom. 5 Mill. Mk. eigenen Aktien 2,43 und dem­gegenüber Unkosten 67,43 (78,94), Zinsen und Bank­provisionen 13,35 (12,99), Steuern 10,45 (13,10), reguläre Abschreibungen 6,05 (5,17), Verwendung des Zahlungsgewinnes aus Vorzugsaktien zu Ab­schreibungen und Rückstellungen 6,44 und zur Zu­weisung an gesetzlichen Reservefonds 3,76, außer­ordentliche Verluste und Abschreibungen 24,64 (25,23.) Es ergibt fi», sodann ein Verlust von rund 34 Mill. Mk., der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll (der im Vorjahre ausgewiesene Verlust von rund 23 Mill. Mk. wurde durch fast völlige Auflösung der Reserve getilgt).

Rach den vorliegenden Bilanzziffern liege, so heißt es in dem Bericht u. a. weiter, die Notwen­

digkeit einer Sanierung der Gesellschaft auf der Hand, um den ausgewiesenen Verlust zu beseitigen und um im Interesse der Rentabilität des Unter­nehmens besondere Abschreibemöglichkeiten auf die Anlagekonten zu schaffen. Wenn die Verwaltung davon absehe, bereits jetzt ein entsprechendes Sa­nierungs-Programm vorzulegen, so sei für sie die Erwägung maßgebend, daß im Rahmen dieses Pro­grammes Opfer nicht nur von den Aktionären und Bankgläubigern verlangt werden müssen, sondern, daß hierzu auch die Mitwirkung der Besitzer der Dollarbonds notwendig sei.

*

* Opel-Automobile-Derkaufs-AG., Frankfurt a. M. Die 1923 gegründete und mit einem Kapital von 500 000 Mk. ausgestattete Opel-Automobile-Verkaufs-AG., Frankfurt a. M., verzeichnet für das Geschäftsjahr 1931 einen Ge­schäftsgewinn von 759 174 Mk. und einen Wert­zuwachs auf Liegenschaften von 195 378 Mk. (i. V. Bruttoüberschuß 466 327 Mk.). Allgemeine Unkosten beanspruchten 755 040 (454 965) Mk., Steuern 50 194 (80 688) Mk., Abschreibungen 38 887 (15 069) Mk. und Rückstellungen 35 630 () Mk. Die Erfolgsrechnung schließt somit ohne Gewinn und ohne Verlust. Für 1930 wurde ein Verlust von 74 801 Mk. ausgewiesen.

Berlin beruhigt, aber leicht schwächer.

Berlin, 9. August. Die innerpolitische Unsicher­heit und besonders die bevorstehenden Entscheidun­gen hinsichtlich der Regierungsumbildung waren für die Tendenz der heutigen Börse bestimmend. Die Wahlagitationshausse in Neuyork blieb auch heute völlig eindruckslos, da aber das Publikum an seinem Besitz festhält und eher Kaufneigung bekun­det, konnten die ersten offiziellen Notierungen im Gegensatz zu den Erwartungen des Vormittags, die auf schwächer gestimmt waren, verhältnismäßig große Widerstandsfähigkeit zeigen. Lebl^ifter war das Geschäft aber nur auf einigen Spezialgebieten und besonders am Montanmarkte. An diesem lagen Harpener und Leopoldgrube recht fest. Auch am Farbenmarkt war eine Beruhigung festzustellen, da ein in den letzten Tagen auf den Markt drückendes Paket Unterkunft gefunden hat. Aus der Wirtschaft lagen wenig anregende Momente vor. Es fei denn, daß man die Festigkeit des Kupfermarktes, den ge­steigerten Passagieroerkehr bei der Hapag oder den Reichsbankausweis für die erste Augustwoche mit einer Entlastung um rund 200 Mill., wobei die Deckung auf 23,4 gegen 22,5 v. H. in der Vorwoche gestiegen ist, als Anregungen betrachten will.

Etwas stärker war das Angebot dagegen am Rentenmarkt, an dem Reichs-fchuldbuchforde- rungen 0,50 bis 0,75 v. H. einbüßten. Auch die Alt­besitzanleihe gab bis zu 0,75 v. H. nach. Jndu- ftrieobligationen lagen ebenfalls eher schwächer, nur Reichsbahnvorzugsaktien setzten ihre Aufwärtsbe­wegung fort. Auch im Verlaufe blieb die Umsatz­tätigkeit an den Aktienmärkten auf ein Minimum

beschränkt und man hörte zunächst Anfangskurse hin und her. Später machte sich am Farbenmarkt Abgabedruck bemerkbar, der sich auch auf die übri­gen Märkte, allerdings mehr stimmungsmäßig, übertrug.

Am Berliner Geldmarkt war Tagesgeld mit 5,25 v. H. erhältlich, für erste Adressen auch schon mit 5,13 v.H. Am Privatdiskontmarkt war weiter kleine Nachfrage festzustellen und auch für Reichsschatzwechsel per 5. November bestand nach wie vor Interesse. Reichsschatzanweisungen per 15. November wurden in kleinen Posten umgesetzt.

Frankfurt zurückhaltend, unsicher.

Frankfurt a. M., 9. Aug. An der Vorbörse nannte man recht matte Kurse, da die Börse in der innerpolitischen Lage eher eine Verschärfung sehen wollte, und man daher wieder größte Zurückhaltung bekundete. Zu Beginn des Verkehrs lagen vereinzelt kleine Kauforders von außen vor, so daß die Kurse der gestrigen Abendbörse meist wieder erreicht wur­den und darüber hinaus noch vereinzelt kleine Besse­rungen zu verzeichnen waren. Im allgemeinen aber war die Ausgestaltung nicht einheitlich und die Ten­denz unsicher. Die weiter feste Haltung der gestrigen Auslandbörsen blieb nach wie vor ohne jeden Ein­fluß. Gegen die Abendbörse eröffneten IG. mit 88 v. H. 0,5 o. H. höher, nachdem sie vorbörslich bis auf 86,75 v. H. heruntergesprochen worden waren.

Scheideanstalt und Metallgesellschaft blieben behaup­tet, wogegen Deutsche Erdöl fast 1 v. H. niedriger lagen. Am Montanmarkt setzten Rheinstahl 1 und Stahlverein 0,25 v. H. höher ein, Klöckner verloren 0,65 v. H., Harpener, Gelsenkirchen und Phönix lagen unverändert. Von Elektrowerten gingen AEG. 0,25 v. H. zurück, Schuckert konnten sich um Bruchteile eines Prozents erholen. Etwas höher eröffneten noch Hapag, Daimler und Holzmann, während Aku und Reichsbank je 0,75 v. H. nachgaben. Die Umsatztätig­keit hielt sich auf allen Marktgebieten in engsten Grenzen. Am Rentenmarkt verloren Altbesitz 0,75 v. Sy, dagegen lagen Neubesitz 0,13 o. H. freundlicher, ebenso Reichsbahnvorzugsaktien. Späte Reichsschuld, buchforderungen bröckelten weiter etwas ab.

Goldpfandbriefe waren weiter angeboten und 0,25 bis 0,75 v. H. schwächer. Liquidations- Pfandbriefe lagen dagegen nur wenig verändert und zum Teil etwas hoher. Niedriger im Kurs stehende Kommunalobligationen waren noch gesucht. Deutsche Anleihen bröckelten im Verlaufe weiter ab, ebenso gingen Reichsschuldbuchforderungen erneut um 0,5 v. H. zurück. Im Verlause kam in IG. später An­gebot heraus, das den Kurs bis auf 86,75 v. H. drückte, während an den übrigen Marktgebieten nur unwesentliche Abschwächungen eintraten. Schiffahrls- aftien waren sogar gesucht und bis zu 0,75 v. H. hoher. Tagesgeld blieb zu 4 v. H. unverändert.

Ö.J.-fpori

Wolrat Eberle belegte den dritten Platz im Zehn­kampf und gewann damit eine Bronzene Medaille für Deutschland.

Deutscher Wasserballsieg.

Das Olhmpiaprogramm öe£ Montags war ver­hältnismäßig schwach. Vor allem wurden die Schwimmwettkämpfe fortgesetzt. Deutschland ge­wann das Wasserballspiel gegen Brasilien 7:3, wobei die Polizei infolge skandalösen Verhaltens der Brasilianer Ruhe schaffen mußte.

Oer Abschluß in Trier.

Höhepunkt des Kreisturnfestes am Montag.

Das Mittelrheinische Kreisturnfest in Trier er­reichte am Montag seinen Höhepunkt. Etwa 2500 Turner und Turnerinnen beteiligten sich an den ver­schiedenen Mehrkämpfen, die früh morgens in An­griff genommen wurden und sich bis zum Nachmittag erstreckten. Im Zwölfkampf der Turner und im Siebenkampf der Turnerinnen gab es zwei ganz

große Ueberrafdjungen. Der im Zwölf­kampf allgemein als Favorit geltende Ernst Win- t e r (Frankfurter Turngemeinde Eintracht) tarn nur auf den vierten Platz. Sieger wurden der letzte Deutsche-Turnfest-Sieger Karl Reuter (Tv. 1846 Gießen) und Gobüg (Tv. Mainz-Mombach) mit je 207 Punkten. Winter war in seinen Hebungen stark vom Pech verfolgt, hätte aber besser abgeschnitten, wenn er die Möglichkeit ausgenutzt hätte, eine seiner volkstümlichen Hebungen durch eine Schwimmübung zu ersetzen, lieber die Ergebnisse im einzelnen be­richten wir, soweit es nicht schon geschehen ist, dem­nächst.

Hochschulnachrichten.

Das Vorlesungsverzeichnis der Handels- Hochschule Leipzig für das Wintersemester 1932/33 gibt eine llebersicht über die Vorlesungen und Hebungen u. a. aus dem Gebiete der Be­triebswirtschaftslehre, Rechts-, Dersicherungs- und Sleuerwissenschaft, Volks- und Weltwirt­schaftslehre, Technologie, Warenkunde und Han­delsschul-Pädagogik. Das Verzeichnis enthält auch Angaben über das Steuer-Institut, das Welt­wirtschafts-Institut, das Institut für Revisions­und Treuhandwesen (Bücherrevisorenkurs) sowie die Studienabteilung für Wirtschafts-Iournalls- mus und Zeitungs-Betriebslehre.

Wettervoraussage.

Die Umgestaltung zu beständigem Wetter hat sich durch den Einfluß hohen Druckes weiter voll­zogen, während im Osten die Rückseitenwirkung der Lettlandstörung noch zur Geltung gelangt. Wenn auch neuerdings an der Westküste von Ir­land und England Störungsbildungen in Form von Regen zu erkennen sind, so wird für unser Gebiet vorläufig der hohe Druck standhalten.

Aussichten für Mittwoch: Dis auf stellenweise Dunstbildungen in den Morgenstun­den oder leichte Bewölkung meist aufheiterndes, wärmeres und trockenes Wetter.

Aussichten für Donnerstag: Fort­dauer des beständigen und aufheiternden Wet­ters, tagsüber warm.

Gießen, den 8. August 1932.

04662

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Köhler, Darmstadt, sowie für die liebevolle Pflege der Schwestern der Medizinischen Klinik und für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank.

Wilhelm Wallbott und Kinder.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an­läßlich des Hinscheidens unseres lieben Entschla­fenen, dem Herrn Pfarrer Naumann für die trost- reichenWorte am Grabe, dem Krieger-und Schützen­verein Alten-Buseck, den Alterskollegen und In­validen für die erwiesene Ehre, für die zahlreichen Kranzspenden und allen denen, die ihn zur letzten Ruhe geleiteten, sagen wir auf diesem Wege auf­richtigsten Dank. Kath.Ran,geb.Engelhardt. Trohe, den 9. August 1932. 01663

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