Ausgabe 
9.8.1932 Erstes Blatt
 
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in Markow itz. eines bekannten Polenführers, wurde ein Handgranatenanschlag verübt. 3n Reichend ach wurde von einem SA.-Mann auf den Redakteur des sozialdemokratischen Blattes Der Proletarier" ein Handgranatenanschlag versucht. Die Handgranate explodierte jedoch vor­zeitig und der SA.-Mcmn erlitt so schwere Ver- letzungen, daß er noch in der Rächt seinen Verletzungen erlag. 3n Wünschet- bürg, Kreis Reurode, wurden sieben Schüsse auf die Wohnung eines Reichsbannerführers abgegeben. Personen wurden nicht verletzt. 3n Münsterberg erfolgte ein Feuerüberfall ge­gen das Haus der Münsterberger Zeitung und gegen ein Geschäftshaus. Personen wurden nicht verletzt. Auf das Konfumlager in Rieder- Heidersdorf wurden in der vergangenen Rächt Schüsse abgegeben, eine Stielhandgranate und eine Flasche mit explosiver Flüssigkeit be­worfen. Personen sind nicht verletzt worden.

Die Sozialdemokratische Partei (Be­zirk Mittelschlesien), der Allgemeine Deutsche Ge- werkschüftsbund, der Allgemeine Freie Ange­stelltenbund und das Reichsbanner haben a n den Reichspräsidenten und den Reichs­innenminister gleichlautende Telegramme gesandt, in denen sie unter Hinweis auf die Anschläge in Mittelschlesien um Schuh bitten.

Oie NSOAp. zu den Sprengstoff­anschlägen in Braunschweig.

Braunschweig, 8. Aug. (CRD.) Der Prä­sident des Braunschweigischen Landtages, Reichs- tagsab-eordneter Börner, erklärte der Braunschweigischen Landeszeitung", die Urheber der Sprengstoffexplosion in der Langen Straße hätten sich durch ihre Tat selbst aus der Partei ausgeschlossen. 3m übrigen sei noch nicht festgestellt, woher diese aus­wärtigen Nationalsozialisten ge­kommen seien, und unter welchen älmständen sie Mitglieder der Partei wurden. 3e mehr die Bewegung wachse, um so mehr müsse man sich vor ungeeigneten Elementen und Spitzeln schützen. Ganz besonders unklug feien solche Streiche im Lande Braunschweig, für dessen Ruhe und Sicherheit ein nationalsozialisti­scher Minister verantwortlich sei. Der Rational­sozialismus erkämpfe sein Ziel auf legalem Wege. Erst, wenn versucht werden sollte, die Bewegung mit illegalenMitteln ander Machtübernahme zu verhindern, würde im gleichen Augenblick auch die Partei volle Handlungsfreiheit erhalten.

Oer Verfaffungsstreii zwischen -em Reich und Preußen.

Die Streitschrift des Reichs in Leipzig vorgelegt.

Berlin, 8. Aug. Die Gegenerklärung der Reichsrcgierung gegen die Klage der bisherigen preußischen Staatsregierung sowie der preußi­schen Landtagsfraktion der Sozialdemokraten und des Zentrums über die Einsetzung des Reichs­kommissars in Preußen ist jetzt beim Staats­gerichtshof eingegangen. Es wird betont, daß für die Anwendung des Artikels 48 die gegen­wärtige Sachlage, die man alsBürger- kriegslage" bezeichnen könne, keinen Augen- blick außer acht gelassen werden dürfe. Auch die Richtlinien der Politik, die nach Artikel 56 der ReichsverfassINg der Reichskanzler bestimme, würden von einer solchen Lage fortwährend ent­scheidend beeinflußt.Reichspräsident und Reichs­regierung", so heißt es weiter,waren der äleber- zeugung, daß die Kommunistische Par­tei, von staatsfeindlicher Gesinnung beseelt, ge­rade in Preußen in erster Linie für die Entstehung blutiger Unruhen

Original-Roman von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.

29. Fortsetzung.

Rachdruck verboten!

21. Kapitel.

Ein Dlick in Celias Vergangenheit!

Wie sie es sich vorgenommen, wich Celia nicht um die geringste Kleinigkeit von dem ab, was sie zu Werner gesagt, als sie später von dem Kommissar befragt wurde, der mit einem Po­lizeiarzt gekommen war.

Der Arzt meinte:3ch bezweifle natürlich 3hre Aussage nicht im geringsten, Frau Gräfin, aber wenn sonst jemand, zum Beispiel irgendeine un­glaubwürdige Person, dasselbe erklärt hätte wie Sie, würde ich ihr entgegensetzen: Sie haben den Mann aus irgendeinem Grunde derb zu- rückgestoßen, dadurch stolperte er und fiel gleich so stark. Wenn er von selbst, nur durch einen ungeschickten Rückwärtsschritt gestolpert wäre, hätte er das Gleichgewicht wiedergefunden."

Er sah Celia durch die funkelnden Kneifer- glaser an.

Celia hielt dem Blick stand und erwiderte mit leichter Heftigkeit:3ch wühle keinen Grund, weshalb ich lügen sollte über die böse Sache, die mir schrecklich ist. Stefan Brauner war, so weit ich ihn kenne, ein braver, anständiger Mensch, ich hätte keinen Grund gehabt, ihn zurückzu- stoßen. Sein Respekt verbot ihm übrigens, allzu nahe an mich heranzutreten."

Man las ihr die Empörung vom Gesicht ab.

Der Arzt machte eine beschwichtigende Hand­bewegung.

Frau Gräfin, ich wiederhole, ich bezweifle 3hre Aussage nicht. 3d) äußerte nur, wie ich das Geschehene ansehen würde, wenn nicht Sie, eine durchaus glaubwürdige Dame, die Aussage gemacht hätten." Er wandte sich an den Kom­missar.Der Mann hat sich den Tod bei dem harten Aufschlagen des Hinterkopfes auf die Truhenecke geholt. Ein Mord kommt ja sowieso nicht in Frage, also können wir den Toten wohl abholen lassen?"

Der Polizeiarzt nickte Celia zu.Ein unan­genehmes Erlebnis für Sie, Frau Gräfin, aber sobald der Tote abgeholt ist, wird es Sie nicht mehr so beängstigen."

Celia schenkte dem Arzt einen ihrer bezau­berndsten Blicke.

Sie haben Verständnis für mein Empfinden." Kommissar Fritz schüttelte den Kopf.

Oie Aufgabe der Polizei im Staat.

Eine Rede Or. Brachts vor den preußischen polizeiosfizieren.

Berlin, 8. Aug. (ERB.) Die Vereini­gung der Polizeioffiziere Preußens veranstaltete im Rathaus Schöneberg aus Anlaß ihres zehnjährigen Bestehens eine Gedenkfeier, zu der il a. der Bevollmächtigte des Reichskommis­sars für Preußen Dr. Bracht, ferner der preu­ßische Landtagspräsident K e r r I, Polizeipräsi­dent Melcher und andere erschienen waren.

Dr. Bracht dankte für die Begrüßungsworte des Vorsitzenden der Vereinigung und führte dann il a. aus: 3ch persönlich beabsichtige nicht, mich im preußischen Ministerium des 3nnern häus­lich einzurichten, und so notwendig und un­aufschiebbar auch die Reuregelung der staatsrecht­lichen Beziehungen zwischen Reich und Preußen ist, so muß ich doch hoffen und wünschen, daß die Tätigkeit des Reichskommissars dabei nur eine vorübergehende bleiben wird. Ge­rade in diesen aufgeregten Zeiten ist die preußi­sche Polizei mehr denn je berufen. Hort der Staatsautvrität zu sein: Darum wird es auch mehr denn je Ihre Aufgabe sein, m i t strengster Gerechtigkeit und Hebet- Parteilichkeit Ihres Amtes zu walten. Ich stehe ebenso wie Sie unter dem Eindruck, daß in den vergangenen Fahren in manchen Fällen im Staatsleben die Parteipolitik die Staatspolitik überwuchert hat. 3etzt gilt es, sich wieder nachdrücklichst des Wortes der Verfassung bewußt zu werden, daß der De- amteDienerderGesamtheitundnicht einer Partei ist, jetzt gilt es, das Wort Staat wieder groß zu schreiben und den Dienst

an Staat und Volk allein als Blickpunkt unserer ganzen Arbeit hinzustellen. Strengstes Pflichtge­fühl, aber auch eiferne Rerven sind jetzt für dis Polizei die vordringlichsten Forderungen. Alle, die guten Willens sind, müssen dabei nebeneinan» Verarbeiten. Es ist keinesfalls danach zu fragen, wie der Vorgesetzte oder Rachbar parteipolitisch orientiert ist.

Unser ganzes Volk verlangt nach Autori­tät, und auch unsere gesamte Beamtenschaft sehnt sich gerade nach einer klaren, festen, gerechten, ü b e rp a r t e i l i ch e n Führung, die sich nicht nach Masseninstinkten, sondern nach Staatsnotwendigkeiten orientiert. Ich werde alles tun, daß nach dem Leistungs­prinzip ausgesuchte Männer in Führerstellun­gen gelangen. Den, der seine Pflicht tut, werde ich schützen, auch gegenüber Presse- und Parlaments­angriffen. Lassen Sie sich durch nichts beeinflussen, in aller Nutze Ähren Dienst zu tun. Ich hoffe, daß es Ihnen gelingt, im Nahmen der preußischen Staatsgewalt unter Führung charaktervoller Män­ner mit einer ihrer Pflichterfüllung hingegebenen Beamtenschaft unsere gemeinsame Aufgabe zu er­füllen: Volk und Vaterland über diese Rotzeit ungefährdet Hinwegzubringen."

Präsident Serri erklärte, die Aufgabe der Zu­kunft werde es sein, die Parteipolitik aus dem Staatswesen auszu schließen. Das wage er zu sagen, obgleich er heute noch Prä­sident eines Hauses fei, in dem die Parteipolitik ihr Unwesen treibe.

verantwortlich zu machen sei und daß der verantwortliche Leiter der preußischen Politik, der Ministerpräsident, und der für die Polizei zuständige preußische Mini st er des 3 n n e r n wegen ihrer einseitigen, den Rational­sozialisten weit mehr als den Kommunisten ab­geneigten Einstellung nicht mehr im stände waren, dieser Lage genügend Rech­nung zu tragen. 3m Zusammenhang hier­mit sei auch die Aenderung der Geschäftsord­nung des Preußischen Landtags zur Erschwerung der Wahl des Ministerpräsidenten von Bedeu­tung. Der Landtag habe bei seiner wichtigsten Befugnis, der Wahl des Ministerpräsidenten, versagt. Ein derartiges Versagen könne die Voraussetzungen von Artikel 48 Abs. 1 und 2 erfüllen. Schließlich vertritt die Schrift noch ein­gehend den Standpunkt, daß die älebernahme der Diktaturgewalt durch den Reichspräsidenten eine rein politische Entscheidung darstelle, bei der der Staatsgerichtshof nicht die Rach­prüfungsbefugnis habe, die ihm etwa beim Erlaß von Rotverordnungen darüber zustehe, ob die Mitwirkungsrechte gewahrt seien.

Aus aller Wett.

Vertretertag der deutschen Krankenkassen in Würzburg.

Etwa 250 Delegierte der deutschen Kranken­kassen kamen in Würzburg zur zweiten Vertre - terversammlung des Hauptverban- des Deutscher Krankenkassen zusam­men. Der Vorsitzende Stadtrat Arend, Berlin, wies in seiner Eröffnungsansprache auf die Tat­sache hin, daß die deutschen Krankenkassen erst­mals mit Llnterbilanz abgeschlossen, und daß sich die viel geschmähte Thesaurierungspolitik als berechtigt erwiesen habe. Trotz der schweren Lage stehe die deutsche Krankenversicherung nicht vor dem Bankrott, nicht zuletzt dank der Selbstverwaltung der Krankenkassen. Der Redner

So rasch geht das nicht, Herr Doktor, denn wenn auch kein Mord in Frage kommt, verlangt die Angelegenheit doch mehr Gründlichkeit. Vor allem sollte Frau Gräfin Kurzmann ruhig zu­geben, den Mann kräftig zurückgestoßen zu haben. Irgendwie ist er aufdringlich gewesen und da hat sie sich gewehrt."

Seine kleinen kalten Augen saugten sich an Delias Gesicht fest.Da haben Sie sich gewehrt, Frau Gräfin. Verschleiern Sie die Wahrheit nicht aus irgendeinem Grunde, der sicher keine Lüge wert ist."

Celia war vor Schreck wie erstarrt. Sie hatte ge­glaubt, weil der Polizeiarzt so entgegenkom­mend gewesen, wäre die ganze Angelegenheit erledigt.

Sie riß sich zusammen, überlegte, niemand auf der Welt konnte ihr beweisen, daß es sich anders verhielt, wie sie angegeben und erwiderte, den Kopf zurückwerfend:3ch habe die Wahr­heit gesagt und verbiete Ihnen, mich wie eine Lügnerin zu behandeln! Es ist schon genug und übergenug für meine Rerven, daß so etwas hier in meinem Zimmer geschehen ist, und es ist völlig überflüssig, daß Sie mich noch dazu grob be­leidigen."

3pr Gesichtsausdruck war sehr verächtlich.

Kommissar Fritz musterte sie mit dem gleich kühlen Blick von vorhin.Vergessen Sie, bitte, nicht, Frau Gräfin von Kurzmann, wenn ich Dinge frage, die Ihnen aus irgendeinem Grunde nicht gefallen, tue ich es nur, weil es meine Pflicht ist. Ob es sich hier um einen Mord han- oett oder nicht, ich tue nur meine Pflicht, wenn ich Klarheit zu schaffen versuche. Cs ist vielleicht gleichgültig, weshalb Sie den Mann zurück- stießen

(Sie fiel ihm ins Wort:Ich lasse mir die Wiederholung Ihrer Beschuldigung nicht gefal­len. Ich werde mich beschwerdeführend an Ihre Vorgesetzten wenden."

Sie war außer sich vor Zom und fühlte sich sicher. Riemand konnte den Beweis bringen, daß sie gelogen hatte.

Werner Sturm trat jetzt aus seiner Reserve heraus. Er hatte schon vorhin seine Erklärungen abgegeben, jetzt stellte er sich neben Celia.

Die Gräfin ist überreizt von der bösen Ge­schichte, Herr Kommissar, und ich bürge 3hnen dafür, Sie hat Ihnen die volle Wahrheit ge­sagt. Ich bürge für meine Verlobte."

Der Kommissar kannte Werner Sturm, wie ihn sehr viele Frankfurter kannten, durch sein neues Heilverfahren war er hier populär ge­worden.

Der Kommissar schwieg und murmelte etwas vor sich hin, was niemand verstand. Er neigte sich über den Toten, nahm Papiere aus dessen Drusttasche und blätterte in den Papieren. Er

bezeichnete es als die Hauptausgabe der Tagung, den iuxf> gesunden Kern der Krankenversicherung überdieKrisehinüberzuretten in eine bessere Zeit. Die Anpassung der Ausgaben an die sinkenden Einnahmen müsse weiterhin durch wirk­same Herabsetzung der Vergütungen für die Krankenpflegedienste und die Krankenhaus­pflege gefunden werden. Die Vergütungen der Zahnärzte und Dentisten bedürften der Reureoe- lung. Außerdem fei die Wiederaewährung der Reichshilfe für Familienwochenhilfe notwendig. Geschäftsführer Christian Riedel forderte das Verbleiben der Erwerbslosen in der Kran­kenversicherung. Rach ergiebiger Aussprache über die Referate fanden die von den Referenten auf- gestellten Leitsätze die Billigung der Versamm­lung.

21. Deutscher Feuerwehrlag.

Auf das Huldigungstelegramm der Hauptver­sammlung des Deutschen Feuerwehrverbandes hat der Reichspräsident wie folgt geantwortet:Besten Dank für Degrüßungstelegramm. Rehme Gelöb­nis der Treue und opferwilligen Hilfsbereitschaft gern entgegen. Allen Angehörigen des Feuer­wehrtages seirde ich in aufrichtiger Anerkennung der hervorragenden Leistungen der braven deut­schen Feuerwehrmänner herzliche Grüße." Man schätzt, daß 18 000 bis 20 000 Gäste den Höhe­punkt des großartigen Festes miterlebten. Auf dem Stresemcmn-Platz ging eine große Hebung der Karlsruher Feuerwehren vor sich. Brand­objekt war die städtische Festhalle, in der, wie angenommen wurde, während eines Maskenballs Feuer ausgebrochen tirar. Die große Haupt- und Schauübung, deren Idee aus einem wirklichen Er­eignis. dem schrecklichen Hoftheaterbrand in Karlsruhe (1874) geschöpft wprde, erbrachte den Beweis, daß die Karlsruher Wehren im Ernst­fall sehr tvohl in der Lage fein werden, große gefährliche Brände rafd) und in zweckmäßiger Weise zu löschen. An dem großen Festzug nah­men etwa 10 000 Feuerwehrleute, die Dürger-

war wütend auf die Gräfin, die ihm entgegen* geschleudert, sie werde sich beschwerdeführend an seine Vorgesetzten wenden. Hnd noch dazu in Gegenwart anderer hatte sie ihm die Beleidigung zu sagen gewagt. Er empfand die Worte als eine sehr grobe Beleidigung.

Er beschäftigte sich nur mit den Papieren, um zu überlegen.

Er stutzte, ein Briefumschlag lag zwischen Aus­weisen und ein paar Rechnungen, und dieser Briefumschlag trug die Adresse der Gräfin Kurz- mann.

Der Umschlag war unverschlossen. Kommissar Fritz ging damit in die äußerste Zimmerecke und überflog dort den Inhalt des Briefes. Dabei legte sich ein triumphierendes Lächeln um seinen schmallippigen Mund.

Er sagte befehlend:Ich bitte alle Anwesenden, bas Zimmer zu verlassen, außer Gräfin Kurz­mann."

Celia war wütend. Hatte der widerwärtige Beamte noch nicht genug von ihr?

Da der Konimissar den im Zimmer Anwesen­den, Frau von Welp, dem Polizeiarzt, Werner Sturm und Celia vollständig den Rücken gewandt beim Lesen des Brieses, hatte niemand gesehen, was er getan. Richt das leiseste Mißtrauen warnte Celia, etwas vorsichtig zu fein.

Sie erwiderte schroff:Wir haben keine Ge­heimnisse miteinander, Herr Kommissar. Ich mochte nicht mit Ihnen allein bleiben, um mich weiter quälen und beleidigen zu lassen. Ich wünsche, nein ich fordere, daß mein Verlobter bei mir bleibt.

Also auf Ihren ausdrücklichen Wunsch bleibt Ihr Verlobter, Frau Gräfin."

Er betonte silbenweise das Wortausdrück­lichen".

3a, es ist mein ausdrücklicher Wunsch", gab sie zurück.Außerdem haben wir Zimmer ge­nug im Hause, ich kann den Anblick des Toten nicht mehr ertragen.

Bitte, öffnen Sie uns ein anderes Zimmer", gestattete er.

3n einem der Räume Frau von Welps stan­den sich ein paar Minuten später der Kommissar, Celia und Werner Sturm gegenüber. Celia war vor Wut dem Weinen nahe. Konnte der Un­verschämte denn keine Ruhe geben? Was wollte er denn nun noch von ihr? Sie nahm sich vor, wirklich Beschtoerde über den eifrigen Beamten zu führen.

Sie blickte madonnenhaft zu Werner auf, flü­sterte:Ich danke dir dafür, daß du mich be­schützest.

Der Kommissar sagte:Sie sind hier daheim und können sich natürlich setzen, toenn Sie wol­len."

wehren von Ettlingen, Bretten und Zella.H. tu historischer Tracht, sowie mehrere Reitervereine aus der Karlsruher Umgebung teil.

Drei Todesopfer eines Grubenunglücks.

Im unterirdischen Betrieb der Zeche Kaiser­schuh Il bei Dortmund waren am Samstag drei Bergleute durch Einsturz eines Kohlen­pfeilers verschüttet worden. Die Rettungs­arbeiten gestalteten sich sehr schwierig, da dauernd Gesteinsmassen nachstürzten. Erst in der Rächt zum Sonntag konnten der Bergmann Watermann und der Bergmann Baumgardt tot geborgen werden. Der dritte Verunglückte, der Hauer San­der, wurde nun gleichfalls tot aufgefunden.

Ein Lastkraftwagen mit Hochzeitsgesellschaft umgekippt.

Im Osten Berlins geriet ein mit einer Hoch­zeitsgesellschaft besetzter Lastkraftwagen beim Ueber- holen eines Radfahrers ins Schleudern und kippte um. Hierdurch erlitten sechs Personen so schwere Verletzungen, daß sie in ein Krankenhaus übergeführt werden mußten.

Schweres Autounglück in Spanien.

6 Tote, 20 Schwerverletzte.

Ein folgenschweres Verkehrsunglück er­eignete sich in der Rähe von Salamanca. Wie Journal" aus Madrid berichtet, stürzte ein mit 26 Personen besetzter Autobus, der Aus­flügler nach Salamanca zurückbringen wollte, in eine 30 Meter tiefe Schlucht, da die Bremsen versagt hatten. Von den Insassen fanden sechs den Tod, alle anderen wurden schwer verletzt.

Feuergefecht bei einer Verhaftung.

Ein aufregender und blutiger Zwischenfall spielte sich dieser Tage in Lichtenberg bei Berlin ab. Dort erschienen im Hause Gürtelstraße 31 zwei Polizei- beamte des zuständigen Reviers, um den 29jähri­gen Arbeiter Walter P ü s ch l o w auf Grund eines Haftbefehls festzunehmen. Püfchlow sollte eine drei­monatige Gefängnisstrafe antreten, zu der er in einer Diebstahlsangelegenheit verurteilt worden war. Als die Beamten Einlaß begehrten, wurden sie von Püschlow mit der Waffe be­droht. Die Beamten benachrichtigten darauf das Ueberfallkommando, das kurz darauf mit einem Schnellwagen erschien. Püschlow hatte sich inzwi­schen im Schlafzimmer seiner Wohnung verbarrika­diert. Als die Beamten eintraf<?n, begann er so- fort auf sie zu feuern. Ein Versuch der Polizei, vom Hof aus in die Wohnung einzudringen, wurde von Püschlow gleichfalls mit Schüssen beantwortet. Die Beamten mußten schließlich ebenfalls von der Waffe Gebrauch machen, und es entspann sich ein lebhafter Kugelwechsel. Rach längerer Be­lagerung drangen die Polizeibeamten in die Woh­nung ein und sanden Püschlow mit einem Kopfschuß' t o t am Boden liegen. Neben ihm lag eine Pistole, die noch mit drei Patronen geladen war. Püschlow hat sich, als er einsehen mußte, daß sein Widerstand zwecklos war, selbst erschossen, nachdem er zuvor seine Ehefrau durch einen Schuß getötet hatte^ Bei dem Kugelwechsel hatte Püschlow außerdem" eine Dkachbarin, Frau L e h w a l d, durch einen Schuß schwer verletzt.

Erdbeben auf den Azoren.

Der portugiesische Innenminister hat einem Funkspruch aus Lissabon zufolge vom Gouverneur von Ponta Delgada (Azoren) einen Bericht über den Schaden erhalten, den das kürzlid)e Erdbe­ben angerichtet hat. 300 Häuser find einge­lt ü r z t, 500 stark beschädigt. Viele von ihnen drohen zusammenzustürzen. 14 Personen werden bisher als verletzt gemeldet. Der Sachschaden soll sich auf 5000 Contos de Reis belaufen. Am meisten hat die Insel St. Miguel gelitten, wo viele hundert Menschen infolge Einstürzens von Häusern obdachlos geworden sind. 3n Fayal stürzten die Kirche /und 100 Häuser, .in Qlgua Retorta etwa 50 Häuser, und in Lomba do Cava- leiro sämtliche Häuser ein, so daß Dort die gesamte Bevölkerung unter freiem Himmel schlafen muß.

Er setzte sich selbst, was jetzt kam, wollte in Bequemlichkeit von ihm abgemacht werden. Jetzt sollte die Gräfin bereuen, ihn so bitterbös ge­reizt zu haben.

Celia sank mit einem absichtlich lauten Seufzer in einen Lehnstuhl, der mit köstlichem purpurnen Brokat überzogen war. Werner blieb neben ihr stehen, stützte sich leicht mit der Hand auf die Rücklehne des Sessels.

Der Kommissar begann:Es handelt sich um keinen Mord wie wir wissen, nicht einmal fahr­lässige Tötung ließe sich zusammenbringen, den­noch ist die Angelegenheit mir wichtig genug, allen Verschleierungsversuchen entgegenzutreten. Id) bleibe dabei, Frau Gräfin, Sie haben Ihren früheren Chauffeur Stefan Brauner mit aller Kraft zurückgestoßen und füge hinzu, Sie taten es, weil er Ihnen zu nahe kam. Vielleicht faßte er sie um, vielleicht rückte er Ihnen bedrohlich zu Leibe."

Celia sah zu Werner auf.

Du hast für die Wahrheit meiner Arrssage gebürgt, Werner, also beleidigt dich dieser Kom­missar jetzt auch dadurch, daß er mich für eine Lügnerin hält." Sie fauchte, ihrer nicht mehr mächtig, den Beamten an:Sie hat der Himmel im Zorn einen Beruf gegeben, in dem jeder Rachtwächter besser zu gebrauchen wäre."

Werner Sturm erschrak. Celia ließ sich wirklich zu sehr gehen.

Er beschwichfigte:Liebe Celia, dein Rcchts- gefühl, darf dich nicht zu sehr fortreißen. Die Polizei braucht und kann nicht blind glauben, wo sie zweifelt."

Celia fuhr hoch.

Diese Zweifel sind Beleidigungen für mich." wandte sich dem Kommissar zu.Ich lehne es ganz entschieden ab, Ihnen überhaupt noch eine Antwort zu geben. Wenn Sie noch etwas von mir wollen, fragen Sie meinen Verlobten, ich kümmere mich um nichts mehr."

Sie stand blaß und zitternd vor Empörung da und sah den Kommissar mit bösen Augen an.

Der Kommissar neigte den Kopf:Wie Sie wünschen, Frau Gräfin." Er sah Werner Sturm an.Darf ich Sie bitten, Herr Doktor, als Ver­treter der Frau Gräfin?"

Celia merkte nicht, wie schadenfroh der Sah klang. Sie sank wieder in den purpurnen Lehn­stuhl, verwünschte den Toten, verwünschte den Kommissar. Sie stützte den rechten Ellbogen auf öie Seitenlehne des Stuhles und bedeckte ihre Augen mit der Hand. So mochte den dreisten Kommissar gar nicht mehr sehen und so entging es ihr, daß der Kommissar Werner Sturm den Brief reichte, den er in offenem Umschlag zwi­schen den Papieren des Toten gefunden und der an die Adresse der Gräfin gerichtet war.

(Fortsetzung folgt)

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