Ausgabe 
9.7.1932 Frühausgabe
 
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Aus Der Provinzialhauptfiavt.

Gießen, den 9. Juli 1932.

Oie Saisonschlußverkäufe.

Don der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben:

Das Kreisamt hat nach Anhörung der Industrie- und Handelskammer für die Saisonschluß- verkaufe den Beginn auf den 18. Juli und den Schluß auf den 6. August festgesetzt. Die Festlegung und Dauer dieser Veranstaltungen ist getroffen worden, um ein ungeregeltes, wildes gegenseitiges Ueberbieten oder Wettlaufen mit der­artigen Verläufen auszufchließen. Der ganze Sinn der Veranstaltung von Saisonschlußverkäuten wird nun aber in Frage gestellt, wenn schon eine Woche vor ober eine Woche nach diesen Saisonschlußver- käufen Verkäufe in der Form von Sonderanzevo- ten mit Rabatten und dergl. veransialtet werden. In diesem Vorgehen ist eine unzulässige und im allgemeinen Interesse bedauerliche Erweiterung der -Saisonschlußvcrkäufe und im besonderen eine empfindliche Schädigung derjenigen Handelskreise zu erblicken, die sich stregg an die gesetzlichen Vor­schriften halten. Aus diesem Gesichtspunkte heraus haben sich denn auch Gerichte und Einigungsämter auf den Standpunkt gestellt, daß die Veranstaltung von Sonderoerkäufen vor oder nach den Saison­schlußverkäufen als verschleierte Vorwegnahme bzw. als Verlängerung des Saisonschlußverkaufs anzu­sehen sind und nach § 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb als gegen die guten Sitten verstoßend geahndet werden können.

Kundgebung der SPO.

Die Ortsgruppe Gießen der Sozialdemokratischen Partei veranstaltete gestern abend im Lass Leib eine Protestkundgebung gegen die Zeitungsverbote, die sehr stark besucht war.

Zunächst sprach Redakteur Puttkammer von der FrankfurterDolksstimme". Es liege, so führt« er u. a. aus, System in den Verboten. Die Ant­wort Müsse am 31. Juli gegeben werdenFort mit der Regierung von tßapen!" müsse die Parole lau­ten. Im Auftrage der Redaktion sage er, man werde sich nicht einschüchtern lassen. Das Echo, das das Verbot ausgelöst habe, spreche für die SPD. Die Kritik des Interviews, das der Reichskanzler dem Vertreter des ,,'JOlatin" gewährt habe, fei der An­laß des Verbotes. Das, was man neuerdings von leiten der Regierung Papen zu bezahlen für mög­lich erachte, fei gegenüber den Forderungen des Poungplans als eine Erleichterung zu betrachten, das Verdienst v. Papens sei das allerdings nicht. Un­ter Brünings Vertretung deutscher Interessen wäre unser Vaterland billiger weggekommen. Von Papen have nicht das deutsche Volk hinter sich. Die SPD. werde möglicherweise die Verantwortung für dar-, was in Lausanne versprochen werde, diesmal jenen Parteien überlassen, die mit der Regierung sympa­thisieren. Hitler habe in allen Röten der Gegenwart nichts anderes gewußt, als für die Aufhebung Des SA.-Verbotes, für die Demonstrationsfreiheit u. a. m. der neuen Regierung die Steigbügel zu halten. Die Partei fühle "sich stark genug, den Kampf aus­nehmen zu können. Der einzige Gegenspieler Hit­lers sei heute die SPD. Und die SPD. marschiere! (Anhaltender Beifall!)

Sodann sprach Reichstagsabgcordneter Oberregie­rungsrat Ritzel. Der Redner erinnerte zunächst an das Verhältnis der Monarchie und der Zensur zur Presse. Er verlas in diesem Zusammenhang einige alte Dokumente und zog gleichzeitig Parallelen zur Gegenwart. Er werfe in diesem Zusammenhänge die Frage aus, ob die Karikatur derVolksstimme" das Reich wirklich gefährde. Die Karikatur wolle nur Kritik an der Regierung üben. In der Regierungs­erklärung habe die Regierung betont, daß sie von christlichen Grundsätzen ausgehen werde. In den Notverordnungen werde aber den Arbeitern, den Erwerbslosen das Brot weggenommen. Das sei in höchstem Grade unsozial. Das Verbot der Zeitungen sei auf eine Forderung der Nationalsozialisten zu­rückzuführen. Man könne dagegen in einem Zuge marschieren, der eine neue Einheit darstelle. Die SPD. könne eine Front stellen, die die Regierung aus dem Sattel hebe. Die Nationalsozialisten allein seien nicht die Nation. Inwieweit sie es sein könn­ten, hänge von der SPD. ab. Die Nationalsozialisten flüchteten auch heute noch vor der Verantwortung. Die Erklärung Hitlers gegen die neue Notverord­nung stehe noch aus. Die NSDAP, toleriere an= cheinend die Kürzungen an den Bezügen der Aeriw ten. Man müsse sich überlegen: das Volk werde nicht tillschweigend hungern. Noch habe das Volk den Stimmzettel als Waffe. Die Macht des Proletariats müsse aber 100prozentig eingesetzt werden. Die SPD. müsse wieder Einfluß gewinnen auf die Regierung. Der Terror werde den Wahlwillen nicht unterdrücken können. Der deutsche Arbeiter sei seines Landes größter Sohn noch immer gewesen. Man fordere gegenüber Hitler und gegenüber der Negierung ein freies, ein gesundes und in gutem Wohlstand leben­des Volk. Die Hessenwahl habe gezeigt, daß die 5PD. und die Eiserne Front marschiere. Man werde triumphieren über die Mächte der Reaktion, es komme der Tag der Vergeltung, da die Regierung Papen und Hitler hinweggefegt werden würden. Die drei Pfeile würden die Arbeiterschaft zum Ziele und zum Sozialismus führen. (Starker Beifall.)

Nach einem kurzen Schlußwort des Versamm- ! mgsleiters sand die ruhig verlaufene Kundgebung ihr Ende.

Neue Llnruhen in Gießen.

Im Lause des gestrigen Nachmittags und der letzten Nacht tarn es an verschiedenen Stellen der ciabt bedauerlicherweise wieder zu Unruhen, die wiederholt das Eingreifen der Polizei erforderlich machten. Zunächst entstand gestern nachmittag in der Bahnhofstraße ein Tumult, der dadurch veranlaßt wurde, daß Plakate derEisernen Front" von poli­tischen Gegnern abgerissen bzw. überklebt wurden. Die von Anhängern der Linksparteien benachrichtigte Polizei hatte bei der Zwangsgestellung der Täter mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen, es kam dann zu weiteren Auseinandersetzungen, bei denen u. a. auch der Gummiknüppel in Aktion trat und schließlich eine Sistierung zwecks Feststellung der Personalien des Töters oorgenommen werden mußte.

Gegen Abend kam es an der Ecke Mühlstrahe- Westanlage wieder zu einem Zusammenstoß zwi­schen Parteigängern der Rechten und dec Linken, bei dem auch geschossen und auf beiden Seiten allerlei Hiebe ausgeteilt wurden. Diese Schlägerei fand dann eine ernstere Fortsetzung gegen 19 Ul>r an der Ecke Schulstraße-Sonnenstrahe, wo schließ­lich ein junger Rationalsozialist in der Be­drängnis aus einer Schreck- oder Gaspistole einen Schuß abgab, der für seine Gegner das Signal war, mit großer Wucht über ihn herzu- fallen und ihn so schwer zu verprügeln, daß er zunächst von der Polizei im Polizeiamt verwahrt und dann nach der Klinik verbracht werden mußte,

wo man einen Bruch des Rasenbeins und ein» Verletzung an der Hand fest stellen muhte. Das Befinden des jungen Mannes machte es erforder­lich, ihn gestern abend zunächst in der Klinik zu behalten.

Ein besonders schwerer Zusammenstoß ereig­nete sich schließlich zwischen 23 und 24 Uhr im Seltersweg vor dem Lokal von Soldau. Dort ge­rieten Teilnehmer des Demonstrationszuges, der sich, im Anschluß an die sozialdemokratisck-e Versamm- lung im Lass Leib vom Walltor aus durch die Stadtmitte über den Seltersweg bewegte, mit eini­gen Mitgliedern der NSDAP, aneinander, und im Handumdrehen war eine Schlägerei im Gange, die starken polizeilichen Einsatz erforderlich machte. Bei dem Tumult wurde auch mit einer Tränen­gaspistole geschossen, wodurch der Schupo- wachtmeister Becker von der 6. Hundertschaft in Butzbach an beiden Augen schwer geschä­digt wurde, ferner ein Nationalsozialist Schaden erlitt, während ein anderer Angehöriger der NSDAP, durch Schläge am Kopfe verwundet wurde. Die Polizei griff sofort mit großer Energie durch und trennte die streitenden Parteien, so daß ein weiteres Ausdehnen der Prügelei zum verhindert wurde. Unter starker polizeilicher Be­deckung wurden die im Lokal von Sold an versam­melten SA.-Leute von außerhalb aus dem Brenn­punkt der Ereignisse im Seltersweg sortgeschafft, ebenso die übrigen SA.-Leute unter polizeilichem Schutz in Sicherheit gebracht.

Gleichzeitig wurde auch nach der anderen Seite hin jede erdenkliche Sicherungsmaßnahme getrof­fen. Die Gastwirtschaft von Soldan wurde aus sicherheitspolizeilichen Gründen für gestern abend vorzeitig geschlossen. Dank der umsichtigen und aufopfernden, aber energischen Tätigkeit der Po­lizeibeamtenschaft war es möglich, für den wei­teren Verlauf der Rächt Ruhe und Ordnung zu sichern. Hoffentlich kehrt nun auf allen Seiten Ruhe und Besonnenheit wieder ein, da­mit unserer Stadt Ereignisse wie in den letzten beiden Rächten künftig erspart bleiben.

Heber die vorstehend berichteten Ereignisse konn­ten wir bislang keinen amtlichen Bericht der Polizei erhalten, so dah über die Schuldfrage an den einzelnen Vorgängen und über die Persön­lichkeiten der Täter noch nichts gesagt werden kanm

"Ein Achtzigjähriger. Der ehemalige Gießener Professor Franz Himstedt begeht orn 12. Juli seinen 80. Geburtstag. Der alte Herr ist mit dem Hessenlande doppelt verbunden, denn er war vom Herbst 1886 an Ordinarius der Physik an der Darmstädter Techn. Hochschule, bis ihn im Herbst 1888 unsere Universität, als Roentgen nach Würz­burg berufen wurde, nach Gießen holte. Hier hat er 7 Jahre lang, bis Herbst 1895, gewirkt. Dann rief ihn die Freiburger Universität, an der er vor seiner Darmstädter Tätigkeit als außerordentlicher Pro­fessor gelehrt hatte, nach Freiburg zurück. Dort lebt er heute im Ruhestände, aber noch immer in leb­hafter Tätigkeit für alle Interessen seiner Universi­tät. Noch manche werden sich auch hier in Gießen feiner kräftigen sympathischen Persönlichkeit erinnern und werden seiner mit guten Wünschen zum 80. Ge­burtstage gedenken.

Erneuerung an der S ch iller- E i ch e. Der Verkehrs- und Derschönerungsverein hat dieser Tage den Gedenkstein, der zu Schillers Ehren im Jahre 1905 (zum 100. Todestag des Dichters) vom Verkehrsverein in der Anlage an der Licher Straße errichtet wurde, wieder Herrichten lassen. Der Stein war im Lause der Jahre unansehnlich geworden, und insbesondere die Schrift bedurfte einer Renovierung. Der Stein, die schön gewachsene Eiche, der gärtnerisch gut angelegte Platz um Stein und Baum, stellen ein einfaches, aber doch würdiges Gedenkzeichen für den großen Dichter dar. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein gebührt Dank, daß er sich um die Verschönerung der Anlage bemühte.

" Die Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 älhr bei gewöhnlichen Preisen geöffnet.

** Das Fundsachen-Verzeichnis. Das Verzeichnis über die im Monat Juni gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der An- fchlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Phi- lipp-Plal; 1, eingesehen werden. Die Empsangsberech- tigten weiden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen.

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 8. Juli. Am 29. Februar 1932 sollte in einem Saal in Alten-Buseck eine öffemt- liche Versammlung der RSAPD. stattsinden: diese wurde jedoch von dem Kreisamt verboten, älm den von auswärts gekommenen Redner zu beschäf­tigen, sollte dann eine Mitgliederversammlung stattsinden. Zu dieser kamen denn auch eine ganze Reihe Gäste. Die Versammlung wurde später von den überwachenden Polizeibeamten aufgelöst. Gegen Veranstalter und Redner wurde Anklage erhoben, weil es sich tatsächlich um eine verschlei­erte öffentliche Versammlung gehandelt habe. Das Amtsgericht Gießen stellte dies auch urteilsmäßig fest, verurteilte aber die Angeklagten insoweit nicht, weil es nicht für erwiesen ansah, daß sie die Oefsentlichkeit der Versammlung gekannt hät­ten Es erkannte dagegen auf Hast- und Geld­strafen auf Grund des Dereinsgesetzes, weil die Angeklagten nach Auflösung der Versammlung nicht alsbald den Raum verlassen hätten. Dem An­trag der Staatsanwaltschaft entsprechend, sprach die Strafkammer die Angeklagten frei. Die frag­lichen Bestimmungen über Genehmigung öffent­licher Versammlungen usw. sind inzwischen auf­gehoben toerben; es konnte deshalb eine Verur­teilung nicht mehr erfolgen. Ein Verstoß gegen das Vereinsgesetz stand nicht unter Anklage.

Es ist verboten, neben Schußwaffen auch Hieb- und Stichwaffen außerhalb seiner Wohnung zu führen Der Bewohner eines Landortes hatte im Februar b. 3. einen Dolch bei sich getragen als er einen Rachbarort besuchte und war deshalb zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt wordem Auf die Tein nng der Staatsanwaltschaft wurde die Strafe auf eine Woche Gefängnis er­höht. __________

Schwere Zusammenstöße in Raunheim.

WSR Raunheim (Kr. Biedenkopf), 8. Juli. Gestern abend foHte hier eine n a t i o n a lso­zialistische Versammlung stattfinden, zu der die SA-Leute aus den Kreisen Biedenkopf und Wetzlar mit Lastautos erschienen warem Da die Rationalsozialisten in dem Ort einen Saal

Bilanz der Filmerfolge.

,pu6tifumdgefd?macP/ künstlerisches Niveau und gutes Geschäft .

Don A K. von Hübbenet.

Der Wunsch, das Geheimnis des Publi­kumserfolges zu ergründen, ist zwar keine Errungenschaft des Tages, aber er war noch nie so lebhaft in den Herzen der Filmproduzenten wie jetzt. Denn noch nie war eine Kunstsorm im Entstehungsprozeß derart abhängig von ge­schäftlichen Gesichtspunkten, wie heute der Film. In tiefgründigen theoretischen Abhandlungen wird immer wieder die Frage er­örtert, wie sich das künstlerische Riveau der Filme auf ihren Erfolg beim Publikum aus­wirkt und je nach Einstellung kommen die Au­toren zu verschiedenen Ergebnissen. Beliebter als solche Abhandlungen sind deshalb Rundfra­gen, die ein mehr oder weniger objektives Bild Der tatsächlichen Lage ergeben. Das klassische Land der Rundfragen ist USA., wo alljährlich der Film, der Regisseur, Autor, Kameramann, Star usw. ermittelt wird, den die Befragten für denbesten der Welt" (unter dem machen es die Amerikaner bekanntlich nicht) halten. Eine wirklich inter­essante Rundfrage wird feit einer Reihe von Jah­ren in Deutschland vomFilm-Kurier" durchge­führt. Da hier nicht nach subjektiven Urteilen ge­forscht wird, sondern die Fragestellung klipp und klar ermitteln will, welche Filme die nachweisbar größten Kasscnersolge erbrachten, hat diese Rund­frage den Verzug größtmöglicher Objektivität. Cs werden tatsächlich diePublikumserfolge" ermittelt und Rückschlüsse auf den vielgelästertenP u» blikumsgeschmack" ermöglicht. Dabei er­weist sich, daß der Publikumsgeschmack keineswegs so minderwertig ist, wie es die düstersten Ge­schäftemacher der Filmindustrie zur Rechtfertigung ihrer Schundproduktion weismachen wollen. Ge­wiß erlebt man immer wieder, dah ein künstlerisch hochwertiger Film bei der Zuschauermasse keinen Anklang findet und daß andererseits ein belang­loser Film zum ausgesprochenen Publikumserfolg wird. Das liegt aber nie daran, daß der gute Film zu künstlerisch" und der andere eben schlecht ge­macht ist, sondern fast stets am Stoff, und trotz aller Einschränkungen bleibt die Feststellung be­stehen: die

größten Publikumserfolge sind fast durchweg von mindestens handwerklichem Riveau.

Es fällt vor allem auf, daß es nicht erst seit Be­stehen des Tonfilms, sondern bereits in stummen Filmzeiten saft ausschließlich deutsche Filme sind, die in den deutschen Kinos d i e größten Erfolge erzielen. Ausnahmen bil­den nur die mit gigantischem Aufwand hergestell- ten amerikanischen Produktionen wieB e n H u r" W o l g a sch i f f e r",Dieb von Bagdad" usw. 3m übrigen ergibt sich folgendes Bild: in der Saison 1925/26 waren am erfolgreichen der erste MilieufilmDie Verrufenen", der später nochmals verfilmteRosenmontag" und der ame­rikanische Reißer ..Mädchenhändler von Äeuhork" der eine wahre Sintflut von unerfreulichen Mäd­chenhändlerfilmen heraufbeschwor. 1926/27 gefielen am meisten die nicht gerade hochkünstlerischen, aber sauber gemachten FilmeAn der schönen blauen Donau" und3ch hab' mein Herz inHei- d e l b e r g v e r l o r e n" die wieder als erste ihrer Art die Seuche der Wien- und Rhein-Filme und der ellenlangen Titel entfesselten. Darauf folgten die AmerikanerWolgaschiffer" undDen Hur". 1927/28 stehtBen Hur" an der Spitze, gefolgt vonDer Katzensteg",Das tanzende Wien", Metropolis",Weltkrieg", nochmalsWolga- schiffer" und ChaplinsZirkus". Die Saison 1928/29 erlebt einen überragenden Erfolg in der Verfilmung des RomansDie Heilige und ihr Rarr". Die nächsten Plätze belegenWolga- Wolga",Ungarische Rhapsodie",Der Kampf ums Matterhorn" und als erster amerikanischer FilmAnna Karenina" mit Greta Garbo. 1929 30 sindFrau im Mond" undDie weiße Hölle vom Piz Palü" die großen Kassenmagneten, es folgen der französischeVerdun"-Film und der pompöse AmerikanerArche Roah". Die Liste der ersten Tonfilmerfolge wird angeführt vonA t- l a n t i k" undL i e b e s w a l z e r". 1930/31 ist die erste reine Tonfilmsaison und zugleich die erste Saison Der ausgesprochenen Lustspielhausse. An der Spitze liegenDie Drei von derTank- stelle" undDrei Tage Mittelarrest", der Vater der Militärschwänke. Darauf folgenD a s Flötenkonzert von Sanssouci"Das Land des Lächelns",P riva tsekre- tärin",Zwei Herzen im Dreivier­teltakt", und dann erstDreyfuö"^ Stürme über dem Montblanc' Westfront 1918",Der blaue Engel" und wiederAtlantik" undLiebeswalzer".

Die diesjährige Abstimmung

desFilm-Kurier" für die Saison 1931/32 ergab erwartungsgemäß einen überragenden Erfolg von Der Kongreß tanzt". Es folgenBom­ben auf Monte Carl o",R eserve hat Ruh",Yorck",Berge in Flammen" JmWestennichtsReue s". Unter Den wei­teren Großerfolgen finden sich neben einigen Mi­litärlustspielen und anderen wenigen belangvollen

Filmen auch .Der weihe Rausch",Mäd­chen in Uniform", Fritz LangsAl".Film. Von den voriährigen Erfolgen trifft man u. a. wieder:Der Schrecken der Garnison".Die Drei der Tankstelle",Privatsekretärin",Drei Tage ^Mittelarrest", sowieDas Land des Lä­chelns ,Das Flötenkonzert von Sanssouci" und Stürme über dem Mont Dlanc". Auch der ver- Hur" ist wieder da und repräsentiert mttTrader Horn" und den mit deutschen Schau­spielern hergestelltenMenschen hinter Gittern" die einzigen Ausländer in der ganzen, 46 Filme umfassenden Erfolgsliste! Fremdsprachige Filme auch wenn sie so gut sind wie Rene ClairsM i l - l i o n', können seit Einführung des Tonfilms nur auf das Interesse einer sehr dünnen Publikums- schicht rechnen. Don den vielen Schwänken zahl­reich wie Sand am Meer und große Blöde der letzten Produktionsperiode, hat kaum einer die Er­wartungen erfüllt. Skrupellose Spekulationen auf denPublikumsgeschmack", der in Wirklichkeit der Geschmack der Verleiher und Vertre- t e r ist, haben sich zumeist als arger Fehlgriff her- ausgestellt, und das Mysterium des ersehnten Pu- blikumserfolges, des Symbols für die noch heißer ersehnten Kassenrekorde, ist wieder in undurchdring- l'cher Pracht erstrahlt: Nassauer, die jedem Erfolg nachlaufen und ihn mit geringstem Aufwand an Geist und Geld zu wiederholen trachten, haben mehr Enttäuschungen als Bargeld eingeheimst. Außerge- wohnlich ist dagegen der Erfolg der Ufa, die in die- jem Jahr unter 46 mit 13 Filmen vertreten ist und ihre Filme an erster, zweiter und vierter Stelle der JJifte zu stehen hat. Zweifellos sucht der Durch, schnittsbesucher im Kino in erster Linie

Unterhaltung und nicht Problematik, Ablenkung und nicht Kunst.

®r, will, ohne sich geistig überanstrengen zu müssen, möglichst viel sehen, erleben und sich freuen. Slünfb lerisches Niveau verlangt er von den Filmen ge- wissermaßen nur so nebenbei, aber seine An­sprüche in dieser Hinsicht sind im Laufe der Zeit erheblich gestiegen, jedenfalls rascher, als das Durch- schnittsniveau der Produktion. Schon in den ver­gangenen Jahren fanden sich die meisten künstle- risch bemerkenswerten Filme auch in der Liste der geschäftlich überdurchschnittlich erfolgreichenVa- nett?',Walzertraum",Student von Prag",Hotel Stadt Lemberg",Patriot",Goldrausch", fast alle großen Filme der Regisseure Fritz Lang, Joe May, Pabst, Sternberg, Schwarz, die Dergfilme Fancks und Luis Trenkers, die großen Russenfilme wiePanzerkreuzer Potemkin", Mutter",Sturm über Asien". Auch so spannende Kultur- und Neisefilme wieChang",Moana, der Sohn der Südsee",Weiße Schatten",Mit Byrd am Sudpol", haben stets ihr Publikum gefunden. In den letzten Jahren ist die geschäftliche UeberlegenheitderQualitätsproduk- tion noch größer und das Versagen der Durch- schnittsfilme noch eklatanter geworden. Vor allem schiebt sich bas Manuskript als wichtigste Grundlage für die Gesamtleistung wie auch für den Erfolg immer mehr in den Vordergrund. Stoff- wähl und (Stoffbearbeitung scheinen allmählich sogar wichtiger geworden zu sein, als die Besetzung, Denn nach der letzten Abstimmung können wohl nur Die wenigsten Stars überragende persönliche Erfolge für sich in Anspruch nehmen. Dabei ist noch zu beden­ken, daß gerade für diese teuer bezahlten Stars die Filme besonders sorgfältig vorbereitet und mit gro­ßem Kostenaufwand hergestellt werden. Ein inter« essierender Stoff wird vom Publikum mitunter auch in minderwertiger Ausführung ohne weiteres akzep­tiert. Wenn jedoch ein guter Film abgelehnt wird, liegt das nie an seinerzu künstlerischen" Gestal­tung, sondern wiederum nur am Stoss. Ost inter« essiert den Zuschauer der Vorwurf nicht, ein ander­mal findet er zu Stoff und Darstellung nicht das rechte Verhältnis. All Dies gibt aber noch keines­wegs die Berechtigung, den angeblichenPublikums- geschmack" für die schlechtesten Filme verantwort­lich zu machen, die die Produktion hervorbringt.

Ein Gegenstück zu der Rundfrage desFilm- Kuriers" ist die Rundfrage einer Berliner Tages­zeitung, die an jedem Jahresende an verschiedene Prominente im In- und Auslande gerichtet wird und fragt,welcher Film auf sie im vergangenen Jahr Den stärksten Eindruck gemacht habe." Es würde au weit führen, sich hier mit den Ergebnissen dieser Abstimmung, die 1923 erstmalig durchgeführt wurde, eingehend ,ju befassen, um so mehr als weder Die Auswahl Der befragten Prominenzen, noch Die von ihnen vertretenen Meinungen durchweg überzeugen. Da die Ergebnisse nicht durch objektive Tatsachen, sondern durch subjektive Urteile willkürlich ausge- suchter Personen zustande kommen, und da die Vor- aussetzung fehlt, daß alle Befragten alle fraglichen Filme gesehen haben, hat diese Rundfrage als sta­tistisches Material keinen Wert. Aber sie ist inter- effant als Kulturdokument, in dem sich immerhin eine ganze Anzahl prominenter und scheinpromi- nenter Zeitgenossen mitsamt ihrer Urteilskraft oder Urteilslosigkeit verewigt haben.

nur gegen Bezahlung von 150 Mk. erhalten konn­ten, war beschlossen worben. Die Versamm­lung unter freiem Himmel abzuhalten. Kommunisten und Reichsbcmnerleute hatten von Dieser Veranstaltung Kenntnis erhalten und sich in einer Stärke von nahezu 1500 Mann eingefun­ten. Auf Dem Platz, wo Die Versammlung ftatt- finben sollte, wehten Die Sowjet- unD Die Reichsbannerflagge. Vor Eintreffen Der Rationalsozialisten hatten sich Die Reichsbanner­leute unD Kommunisten mit Steinen bewaffnet. Als Die Rationalsozialisten in Den Ort einzogen, würben sie mit einem Steinhagel emp­fangen. Die Versammlung konnte nicht statt- finden. 3n Der Wirtschaft Des Ortes kam es eben­falls zu Zusammenstößen, Die Dann zu einer Schlägerei ausarteten, bei Der Biergläser unD Eelterswasserflaschen als Wurfgeschosse benutzt wurden. Auf Der Straße setzte sich Dann Das Stein- bombarDement fort. Die anwesenDe Polizei war Den Angreifern gegenüber machtlos. Den Rationalsozialisten gelang es, ihre Autos toieöer zu erreichen. Auf Der Fahrt wurden sie immer wieder mit Steinen beworfen. 3n Herrn ann - st e i n kam es zu einer schwerenSchläg e r e t, wobei auch Schüsse gewechselt wurden, gier- frei wurde ein Mann aus Launsbach durch einen Lefrerschuh schwer verletzt Anter den schwierigsten Umständen gelang es den Rn- tionalsozialisten, ihre Heimfahrt anzutreten. Etwa

30 Personen wurden verletzt. Darunter einige schwer. Von Dem Sturm GlaDcnba b sinD ach t Personen schwer verletzt, dar­unter einer so schwer, daß er bis jetzt das Be­wußtsein noch nicht toieDcrerlangt hat. Außerdem sind zwei Leute in ihrem Heimatdorf tete t noch nicht wieder eingetroffen. rt Raunheim verweigerten die Einwohner Die H frringung Der Verletzten in ihren Häusern.

Oer Einzelhandel gegen Kaufhäuser und Filialbetriebe.

WSN. F r a n k f u r t a. M., 8. Juli. Die am 6. Juli in Frankfurt a. M. zusammengetretenen Landes­verbände Des Einzelhandels von Baden, Bayern, Hessen, Hessen-Nassau (Süd), Hessen- Waldeck und Nachbargebiete, Pfalz, Thüringen und Württemberg verlangten einstimmig Das Aus- scheiDen des Verbandes Deutscher Waren- und Kaufhäuser und Des Reichsoerbanbes deutscher Nahrungsmittelfilialbetriebe aus Der Hauptgemein­schaft Des Einzelhandels. Eine weitere Zu­sammenarbeit mit den genannten Verbänden in der Hauptgemeinschaft sei aus wirtschaftlichen Gründen, insbesondere angesichts Der Entwicklung Der Wettbewerbs- und Betriebsformen der in den beiden Organisationen hauptsächlich zusammenge­schloffenen Unternehmungen, nicht mehr trag­bar.