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9.7.1932 Erstes Blatt
 
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Innenministers Severing durch. Die Sit- zung mußte wieder unterbrochen werden.

Es wurde dann die politische Amnestie, gegen die der Staatsrat Einspruch erhoben hatte, wiederum zur Abstimmung gestellt. Die notwendige Zweidrittelmehrheit für Beseingung des Einspruchs wurde nicht erreicht. Es wurden 401 Stimmen abgegeben, wovon die Zweldc ttel- Mehrheit 268 gewesen wäre. Für die politische Am. nestle stimmten aber nur 244, dagegen 155, so daß der Staatsratseinspruch ausrechterhalten bleibt. Das Eraebnis wurde mit stürmischen Pfui-Rufen bei den Nationalsozialisten ausgenommen. Abg. K u b e (Nts.) erklärt, daß damit die wirkliche politische Amnestie gescheitert sei. An dem Amnestieschmarren, den der Staatsrat vorgelegt habe, hätten die National­sozialisten kein Interesse. Er richtet heftige Angriffe gegen Zentrum und Sozialdemokraten und erklärt schließlich, da die politische Amnestie gefordert sei, seien die Nationalsozialisten dafür, daß Schluß mit dem ganzen faulen Zauber gemacht werde. Vor dem Volk werde man zeigen können, was eigentlich Not

sei. Er schloß mit einem auf Adolf Hitler und Deutschland ausgebrachtcn Heil, in das die national­sozialistische Fraktion einstimmte. Dann erheben sich die Nationalsozialisten und singen das Horst-Wesfcl- Lied. Präsident Kerrl verläßt seinen Platz; die Landtagssitzung war ausgcflogen. Nachträglich blieben Nationalsozialisten und Kom­munisten noch im Sitzungssaal. Als die Kommu­nisten die Internationale anstimmten, wurden sie von den Nationalsozialisten durch den gleichzeitigen Gesang nationalsozialistischer Lieder übertönt. Erst allmählich leerte sich der Sitzungssaal.

Oie Verhaftung des Abg. Beckerle.

WSN. Frankfurt a. M., 8. Juli. Nach einer Demonstration der Nationalsozialisten im Anschluß an die Beerdigung des am Montagabend erfchos- senen SA.-Mannes Handwerk wurde der national­sozialistische Landtaasabgeordnete B e ck e r l e heute mittag in dem Augenblick verhaftet, als er ein Flugzeug auf dem Frankfurter Flugplatz be­steigen wollte, um sich nach Berlin zu der Land-

tagssitzüng zu begeben. Die Verhaftung erfolgte, weil Beckerle der Anführer der verbotenen Demon­stration gewesen sein soll. Dieser Vorgang führte im Landtag zu erregten Szenen. Innenminister Severing teilte mit, daß er die Enthaf­tung des Abg. Beckerle angeordnet habe. Der Frankfurter Polizeipräsident habe mitgeteilt, daß trotz Verbots sich der verhaftete Abgeordnete an der Spitze eines Demonstrationszuges befun­den habe.

Aufhebung der Mitgliedersperre bei der NSOAp.

M ü n ch e n , 9. Juli. (WTB. Funkspruch.) In einer in der nationalsozialistischen Parteikorrespondenz ver- öffentlichten Mitteilung des Reichsschatz- meisters der NSDAP, wird bekanntgegeben, daß die am 19. Mai 1932 verfugte Mitgliedersperre am 15. Juli 1932 als erloschen anzusehen ist.

Abg. Lenz (Natf.) begründet den Antrag, die Negierung solle bei der Reichsregierung die Aufhebung der Kürzungen der Sozial­versicherungsrenten, der Versorgungsrenten uick» der Arbeitslosenversicherung fordern. Die Ra­tionalsozialisten hätten mit dem Kabinett v. Po­pen genau so viel zu tun, wie mit dem Kabinett Brüning. Die Rationalsozialisten könnten nur eine Reichsregierung anerkennen, an deren Spi,tze Adolf Hitler st ehe.

Abg. Gum bei (Soz.) lehnt die nationalsozia­listischen Anträge als ein Produkt des schlechten Gewissens ab. Adolf Hitler, der am Sonntag wieder zur Tolerierung des Kabinetts v. Papen aufgefordert habe, habe die Uniformen, den Rundfunk, die Riederlage der Länder und die Auflösung des Reichstages durchgesetzt, und jetzt kämen diese armseligen Anträge. Wenn Hitler wirklich gewollt hätte, wäre es ihm sicher eine Kleinigkeit gewesen, diese Forderungen auch durch- zusehen.

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dann eine mehrstündige Debatte.

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Aus aller Welt

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Karte der Unglücksstelle bei Kap Levi, nahe dem Kriegshafen Cherbourg.

Werner Adelung Kirnberger Keil

Nie Katastrophe des französischen U-Bootespromethee"

Italienische Hebeschiffe zur Hilfeleistung unterwegs. - Wenig Hoffnung auf Rettung her Besatzung.

Katastrophe aus ein falsches Manöver zu­rückzuführen ist. Wahrscheinlich wurden versehen!« lich die Ballastkammern mit Wasser gefüllt, worauf das Schiff notgedrungen absacken mußte.

35 Stimmen,

17

10

8

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NORMANDIE AMW

2Ibg. Lenz (Natsoz.) schlägt erneut den Abg. Dr. Werner vor und richtet an das Zentrum die Ausforderung, angesichts des ersten Wahlganges °.uj -'nen eigenen Kandidaten zu ver- ziehen ° Un& notwendigen Konsequenzen zu

die Aufhebung des 11. August als Volksfeiertag einsehen.

3n der Abstimmung wird der kommunistische Abänderungsantrag:Der Derfassungsfeiertag des 11. August wird aufgehoben", mit den Stim­men sämtlicher Parteien gegen die Sozialdemo­kraten angenommen, ebenso der national­sozialistische Antrag und der Initiativantrag des Zentrums. In diesem Jahre wird also der Verfassungstag nicht mehr gefeiert

werden.

Die Reichönotverordnung.

Der letzte Punkt der Tagesordnung: träge zur letzten Rotverordnung der Reichsregierung vom 14. Juni 1932 veranlassen

Oie Freitagsitzung des Hessischen Landtags.

Oie Wahl des Staatspräsidenten auf den 14. Juli vertagt. Mißtrauensanträge gegen MinisterLeuschnerund dasGesamtkabinett angenommen.-Aufhebung desVerfaffungsfeiertags

schiedenheiten über die Einbringung der Heuernte in Streit, in dessen Verlauf er seine Flinte holte und den eigenen Sohn kurzerhand über den Haufen schoß. Der Schuß traf den jungen Schomburg i n die Schläfe, so daß er, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war, verblutete.

Schon wieder ein Schulbrand in Berlin.

In der letzten Zeit wurde in Berlin eine Reihe von Schulbränden gemeldet, über deren Ent­stehung bisher nichts ermittelt werden konnte. Dieser Tage ereignete sich ein neuer, ebenso mysteriöser Fall- In einer Gemeindeschule im Nordosten brach ein Brand aus, der wiederum in einem Klassen­schrank gelegt worden war. Das Feuer konnte er­stickt werden, ohne daß größerer Schaden entstanden wäre.

DOVER. ^u^NPT0Noprsh0ur

Räuberunwefen in der Umgebung von Insterburg.

Die Gegend von Groß-Schunkern bei Insterburg ist in der letzten Zeit wiederholt von Räuber­banden heimgesucht worden. So wurde in der Nacht zum Mittwoch der Besitzer B a r s ch e i s auf dem Hofe seines Gehöfts überfallen. Aus dem Hinterhalt wurden auf Barscheis mehrere Schüsse abgegeben, von denen drei ihn in den Oberschenkel trafen. Trotz seiner schweren Verletzung feuerte der Ueberfallene ebenfalls, und es entwickelte sich ein regelrechtes Feuergefecht. Schließlich zogen sich die Banditen zurück. Die sofort herbei- gerufenen Landjäger konnten bisher der Verbrecher nicht habhaft werden. Dor längerer Zeit erhielt ein anderer Besitzer namens Perkuhl einen Brief, in dem er aufgefordert wurde, in einer der nächsten Nächte 1000 bis 1500 Mark bereit zu halten, an­dernfalls er erschossen würde. Die davon benachrich­tigte Landjägerei ließ das Gehöft daraufhin wochen- lang überwachen. Als sich die Banditen einen Mo- nat hindurch nicht meldeten, hob man die lieber» wachung auf. Kaum aber fehlte der polizeiliche Schutz, als die Räuber das Gehöft, das sich nur einige hundert Meter von dem des Barscheis ent­fernt befindet, üb er fielen und bei Perkuhl in die Wohnung eindranaen. Mit vorgehaltenem Revol­ver zwangen sie den Besitzer, ihnen den verlangten Betrag auszuhändigen. Die Suche nach ihnen war auch diesesmal ergebnislos.

Schreckliches Ende eines Familienstreils.

Eine blutige Familientragödie spielte sich in Seelze bei Hannover ab. Der Gutsbesitzer Schomburg geriet mit seinem 32jährigen Sohn auf der Diele seines Hauses infolge von Meinungsver-

Wettervoraussage.

Der hohe Druck über der Biscaya hat sich weiter gekräftigt, sowie über Frankreich und Deutschland ausgebreitet. Unter seinem Einfluß steht vorerst die Wetterlage, so daß Aufheiterung und Erwärmung einsetzt, wenn auch die vom Ozean kommende Luft zeitweise etwas Bewölkung mit einmischt.

Aussichten für Sonntag: Aufheiternd und wolkig, trocken, wärmer.

Aussjchen für Montag: Fortdauer der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 8. Juli: mittags 21,6 Grad Celsius, abends 19,4 Grad; am 9. Juli: morgens 18,7 Grad. Maximum 22,8 Grad, Minimum 13,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Juli: abends 24,8 Grad; am 9. Juli: morgens 19,7 Grad. Son- nenfcheindauer 3% Stunden.

Abg. Wesp (Z.) findet, daß Deutschland un­ter dem Kabinett Papen bereits zu erwachen be­ginne, das von der Schwerindustrie mit höherem Aufatmen begrüßt worden sei. Das Zentrum lehne die Rotverordnurg vom 14. Juni ab.

An der weiteren Aussprache beteiligen sich dann noch die Abgeordneten Glaser (Landbund), Keil (K.) und Kern (Rats.). In der Abstimmung wird der Antrag der Rationalsozialisten mit Mehrheit angenommen. Der zweite Absatz des natio­nalsozialistischen Antrages, die Kreisdirektoreir und Oberbürgermeister als Leiter der hessischen Bezirksfürsorgeverbände anzuweisen, daß eine neue Herabsetzung der jetzt bereits ganz unzuläng­lichen Richtsätze für die allgemeine und die ge­hobene Fürsorge nicht mehr erfolgt, wird von den Antragstellern zurückgezogen.

Bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten wird der sozialdemokratische Antrag angenom­men, wonach der hessische Reichsratbevollmäch- tigte beauftragt werden soll, im Reichsrat für die Aufhebung der Rotverordnung einzu­treten.

Präsident Werner vertagt dann die Weiter­beratung auf Donnerstag, den 14.Juli, mittags 12 Ähr. Einziger Punkt der Tagesord­nung ist die Wahl des Staatspräsiden­ten.

Paris, 8. Juli. (TU. Funkspruch.) Soeben trifft die Nachricht ein, daß die Suchfahrzeuge auf die sogenannte Telefonboje des am Donners­tag gesunkenen Unterseebootes gestoßen sind. Eine Möglichkeit zur Rettung der Besatzung besteht jedoch nicht. Der Marineminister hat zu­gegeben, daß für die ganz großen Unterseeboote des neuesten Typs ausreichend kräftige Hebeschiffe noch nicht gebaut worden sind. Die Mannschaft muß deshalb nach wie vor als verloren gelten. Die Besatzung hatte für 36 Stunden Sauer­stoff; diese Zeit ist bald abgelaufen. Man fürchtet daher das Schlimmste.

Die Meldung, daß an der Unglucksstelle UnterseebootesPromöthse" eine Telephonboje funden wurde, hat sich bestätigt. Dennoch sind Hoffnungen, daß vielleicht doch noch ein Teil

Besatzung im Schiffsraum eingeschlossen ist, sehr schwach. Man nimmt vielmehr an, daß die Boje im Augenblick des Unterganges des Schiffes von einem Mitglied der Besatzung gelöst wurde. Marinemini­ster L e y g u e s hat den Kommandanten des ita­lienischen HebeschiffesArtiglio" gebeten, fein Schiff und denRostow", die beide mit den Hebe­arbeiten an derÄegypte" beschäftigt sind, zur Verfügung zu stellen. Beide Schiffe sind sofort nach Cherbourg ausgelaufen.

Es scheint mit <Ächerheit festzustehen, daß die

K A N Ä

- * CAP LEVI CHERBOUP&) SlE HAVRE

V ROUEN

Darmstadt, 8. Juli. (WHP.) Unter außer­ordentlichem Andrang des Publikums fand die heutige Sitzung des Landtages statt, der die Wahl des Staatspräsidenten vornehmen wollte.

Vizepräsident W e ck l e r eröffnet die Sitzung um 11 Uhr. Die Ministerbänke sind leer, dagegen sind alle Ministerialbeamten dec Spitze erschienen. Der Präsident erbittet zum PunktW a h l des Staatspräsidenten" Vorschläge.

Abg. Len, (Tlatso,.)

Sie alle kennen die Forderungen, die wir für diesen Spezialfall der Staatspräsidentenwahl in Hessen schon nach dem Ergebnis der letzten Land­tagswahl der Oeffentlichkeit unterbreitet haben. Wir haben in unserem Brief an das Zentrum damals unsere Forderungen eindeutig fest gelegt: Abkehr von dem das deutsche Volk und das Deutsche Reich vernichtenden Marxismus, klares Bekenntnis zur Politik der nationalen Erweckung, Erhebung und Befreiung unseres Volkes, sittliche Erneuerung auf einer wirklich christlichen Grundlage, eine Staats- regierung, die billig, zuverlässig und sauber arbeitet. Man hat uns den Vorwurf gemacht, wir wollten als Staatspräsi­dent einen Mann stellen, von der Partei komman­diert, der nichts anderes wäre als partei­politisches Vollzugsorgan. Diejenigen, die uns diese Vorwürfe gemacht haben, zeigen heute, daß diese Verfassung und das Recht für sie nichts mehr gilt, weil sie sehen, daß die vorwärts- schreitende NSDAP. nicht aufzuhalten ist. Die­jenigen, die sich seit 14 Jahren an den Futter­krippen gemästet haben, werden wir beseitigen. In Hessen sind die Zustände in den letzten Wochen unerträglich geworden. Terror auf Ter­ror gegen die nationalsozialistische Bewegung breitet sich aus. (Widerspruch links.) Wir können die Beweise dafür geben. Dutzende unserer An­hänger sind niedergeknüppelt worden. Die Hes­sische Regierung ist außerstande, ihre Bürger zu schützen, aber sie kann den kommunistischen Ab­geordneten Hamann aus dem Zuchthaus bringen. Geben Sie uns die Gelegenheit, am Steuer des Staatsschiffes zu beweisen, daß wir nicht die Partei in den Vordergrund stellen, sondern den Staat und das Volk und daß alle Vorwürfe gegen uns falsch sind. Wir schlagen als Staatspräsident den Abg. Professor Dr. Werner vor, den Sie alle als persönlichen Ehrenmann kennen. Er wird sein Amt nicht als Parteimann auffassen, sondern als Beauftragter des ganzen Volkes, un- beeinflußbar von Parteigrundsätzen. Er wird die Garantie dafür bieten, daß in Hessen an- berc Verhältnisse geschaffen werden.

Oie Debatte

Abg. Hoffmann (Z.) schlägt als Kandidaten Fmanzminister Kirnberger vor, 2lbg. Zinn- k a n n (Soz.- den Staatspräsidenten Adelung, Abg. Hammann (Komm.) den Abg. Keil. Abg. R i e p o t h (DVP.) betont seine Zustimmung für den nationalsozialistischen Kandidaten. Die RSDAP. müsse in die Verantwortung hinein. Die Haltung der DVP. gegenüber der neuen Regierung werde von deren Leistungen be­dingt sein.

Abg. Zinn kann (Soz.) weist die national­sozialistischen Vorwürfe der Geschäftemacherei ge­gen die seitherige Regierung zurück. Die Taten der nationalsozialistischen Länderregierungen, ins­besondere in Braunschweig, zeigten das Par­te i b uch b e a m te n t u m der RSDAP. ganz unverhüllt. Don ihren Versprechungen hätten die Rationalsozialisten, die die Regierung Papen und deren Rotverordnung deckten, bisher nichts wahr- gemacht.

Abg. Glaser (Lv.) fordert Betrauung der Rationalsozialisten mit der hessischen Regierung. Abg. Böhm (Dntl.) erinnert an den seitherigen Oppositionskampf seiner Partei gegen die hessische Regierung. Wenn man schon das parlamentarische System besitze, mühten auch seine Spielregeln Anwendung finden. Er werde für den Kandidaten der NSDAP, stimmen.

Oie Wahl

ergibt, wie schon gestern kurz gemeldet, für

Vizepräsident Weckler stellt fest, daß die Art. 37 Abs. 2 der Verfassung notwendige abso­lute Mehrheit von keinem Bewerber er- reicht ist.

Zwischen den Abgg. Dr. Werner (Natsoz.), Ade- lung (Soz.), Hoffmann (Z.) Dr. Niepoth (DVP.), Schul (ZI entspinnt sich eine Auseinandersetzung, ob Stichwahl möglich ist, wie das von Dr. Werner gefordert wurde. Man einigt sich dann auf den zulässigen zweiten Wahlgang.

Vertagung des zweiten Wahlgangs.

Abg. Hoffmann (Z.) nominiert erneut Finanzminister Kirnberger und erklärt, das Zentrum lasse sich sein Handeln nicht vorschrei­ben, auch nicht durch Ueberraschungs- Manöver. Es sei selbstverständlich, daß man sich bei einer Präsidentenwahl wenigstens vorher über das, was kommen solle, verständigen müsse.

Abg. Z i n k m a n n (Soz.) schlägt Dr. Adelung, der Abg. Hammann (K.) erneut den Abg. Keil vor. Jetzt beantragt Abg. Lenz (Rats.) Unterbrechung der Sitzung. Das Haus stimmt dem zu. Nach fast zweistündiger Pause gehen die Beratungen weiter mit der Erklärung des Vizepräsidenten, daß auf Wunsch verschiedener Fraktionen die Wahl des Staatspräsidenten von der Tagesordnung a b g e s e tz t werde. (Hört! Hört!)

Mißtrauensanträge gegen Minister Leuschner und das Gesamtkabinett.

Es folgt die Beratung des nationalsozialistischen M i ßtrauensantrages gegen Innen- Minister Leuschner und des kommunistischen Mißtrauensantrages gegen die Gesamtre­gierung.

Abg. Lenz (Rats.) verliest zur Begründung eine Reihe von Vorfällen, in denen Nationalsozialisten von Kommunisten und Reichsbannerleuten Über­fällen, mißhandelt und beschossen wor­den seien. Der Terror wage sich deshalb so sehr auszubreiten, weil Innenminister Leuschner über dielen Leuten stehe (Tumult links). Ein Minister, dessen Liebesbriefe täglich in der Zeitung erschienen, sei unmöglich. Die politische und persönliche Quali­fikation des Innenministers mache ihn für das hessische Volk untragbar.

Staatsprä sident Adelung, oft unter- brachen von den Nationalsozialisten, bezeichnet den nationalsozialistischen Antrag auf Abberufung des Innenministers als verfaifungsmäßig'un­zulässig. Ganz entschieden müsse er Verwahrung einlegen gegen die unerhörte Unterstellung, als stehe irgend ein Mensch über Leuten, die Blut ver- giehen. (Zuruf Lenz:Es hat aber den Anschein.") Wir fordern von Ihnen die Beweise für Ihre Behauptungen. Jedes Verbrechen gegen die Gesetze werden wir, wie stets, nachprüfen, beurteilen und verurteilen. Wir werden sehen, was an Ihren Be­hauptungen Wahres ist. Was die persönlichen Dinge angeht, so meine ich, es gibt Dinge zwi­schen zwei Menschen, die nicht in der von dem Abg. Lenz beliebten Form in die Oeffentlichkeit gehören. Auch im Parlament sollte man heute noch etwas Schamgefühl behalten.

Abg. Storck (Soz.) verliest nun eine G e gen! iste, in denen Nationalsozialisten die Täter bei Ueberfällen und Schießereien gewesen seien. Der heutige Terror sei durch die SA. und SS. auf die Straße getragen worden. (Widerspruch bei den Nationalsozialisten.)

Abg. S ch ü I (Z.) erklärt den Antrag für recht- lidfbelanglos und kündigt Stimmenthaltung des Zentrums, wie im vergangenen Landtag, an.

Abg. Jung (Natsoz.) meint, die Formulierung der Verfassung rechtfertige den Antrag, denn auch ein geschäftsführendes Kabinett aus zwei Ministern genüge ebenfalls. An dem Ton des Parlaments fei die Linke schuld.

Oer Verfaffungstag als Feiertag abgeschafst.

Abg. Z i n n k a n n (S.) verliest bann Ausfüh rungen desVölkischen Beobachters", die in dem von Rechtsanwalt Jung beanstandeten Ton gehal­ten sind.

Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen die Gesamtregierung wird bei Stimmenthaltung der Nationalsozialisten, des Zentrums und der Sozial- demokraten mit den 8 Stimmen der Antragsteller angenommen. Der nationalsozialistische Ab­berufungsantrag gegen Minister Leuschner wird von den Nationalsozialisten, den Bürgerlichen und den Kommunisten bei Stimmenthaltung des Zentrums und der Sozialdemokraten angenommen.

Abg. Lenz (Rats.) plädiert für den nationalsozia­listischen Antrag, daß der 11. August auf der Liste der Regierungsfeiertage gestri­chen und weder durch öffentliche, noch durch interne Veranstaltungen gefeiert werden darf. Die Utopie von Weimar sei nicht wert, daß sie gefeiert werde. Heute bestehe nur noch der Artikel 48 dieses schönen Romanes.

Abg. Wittmann (S.) bezeichnet die Ausfüh­rungen des Vorredners als eine nationale Würde­losigkeit, die in jedem anderen Lande der Welt un­möglich gewesen seien. Wenn von dem National- fozialismus keine Erinnerung mehr bestehe, werde das Werk von Weimar in der Geschichte noch weiter bestehen.

Abg. S ch ü l (Z.) erklärt, das Zentrum weise die Ausführungen des nationalsozialistischen Vorredners, der die Verfassung schamlos in den Kot gezogen habe, energisch zurück. Das Zentrum verlange, daß der Artikel 1 des Gesetzes über den Verfassungstag vom 20. Juni 1929 aufgehoben werde.

2lbg. Beutel (K.) lehnt die Verfassung als Machtinstrument der herrschenden Älaffc ab und will den 1. M a i als Feiertag eingeführt wissen.

Abg. Dr. Niepoth (D. Vp.) erklärt, die Volkspartei werde, wie seit Jahren, sich für

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