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Nachdruck verboten!

5. Fortsetzung.

wußte.

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das kleine Haus am Wassergraben der-

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Gießen, Worms, den 9. Juni 1932.

Die Beerdigung findet in aller Stille statt. Von Beileidsbesuchen wolle man absehen.

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Der Herr über Leben und Tod hat am Dienstagabend meinen innigst- geliebten Mann,unseren treusorgenden, guten Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel

Heinrich Köhler, Gastwirt

aus seinem schweren Leiden zu sich in ein besseres Jenseits gerufen.

Die trauernden Angehörigen: Anna Köhler, geb Beerbaum Gustel Heun, geb. Köhler Elisabeth Köhler Heinrich Heun

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Elisabeth sah allein am Fenster. Sah hinaus in den trüben Tag. Diele, viele Menschen hatten der toten Mutter die letzte Ehre erwiesen. Auch die Kommerzienrätin Heilmann und die Larsens waren dabei gewesen. Alles war an Elisabeth vorbeigezogen wie ein dunkler Traum. Es war ihr, als ob sie sich in alledem noch nicht zurecht­finden konnte, was sie in den letzten Tagen erlebt hatte.

Auch jetzt saß sie wieder starr und unbewegt da, ohne eine Träne zu finden.

Der alte Pfarrer kam.

Sanft strich er über das zerwühlte Haar des Mädchens. Fast geistesabwesend sah Elisabeth zu ihm auf.

Elisabeth, ich muh mit Ihnen reden, als ^hr Vormund und als der treue Freund Ihres Vaters. Wir müssen an Ihre Zukunft denken. Es ist schwer für Sie, ich weih es; aber wir stehen einem harten Muh gegenüber..." u

Ich weih ... aber jetzt noch nicht... spater...

Ich glaube es, Kind, dah Sie wenig Sinn dafür haben. Aber wir müssen vernünftig sein. Müssen den Tatsachen in die Augen sehen. Sie sind jung und gesund, Elisabeth, und Sie haben Freunde, die es gut mit Ihnen meinen. Sie können arbeiten, Kind, und Sie werden es auch müssen. Von dem Wenigen, was Ihnen die Mutter hinterlassen hat, wOrden Sie nicht leben können.

Ich toiifbe Ihnen so gern bei mir eine Heimat bieten, aber ich werde demnächst in den Ruhe- stand versetzt und werde das Pfarrhaus verlassen müssen.

Ihre Gesangsstunden werden Sie ja aufgeben müssen, Elisabeth, das wird nicht anders gehen. Aber Sie spielen ja so gut Klavier, und da hat meine Frau einen Vorschlag für Sie. Sie hat eine Schwester, in Dresden..."

Entsetzt war Elisabeth aufgefahren. Sie hatte nur das eine Wort gehört:Dresden".

Dein... nein... nicht nach Dresden... da kann ich nicht hingehen..."

Aber, Kind, warum wollen Sie nicht nach

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+ Herr, dein Wille geschehe!

Plötzlich und unerwartet rief Gott, der Herr, meinen innigst- geliebten, unvergeßlichen, treuen Mann,meinen treusorgenden Vater, unseren guten Bruder, Schwager und Onkel, den Wertetätienrsteter Marti Teo im Alter von 54 Jahren, wohl versehen mit den Gnadenmitteln unserer hl. katholischen Kirche, zu sich in sein himmlisches Reich.

In tiefem Schmerz:

Frau Therese Topp Wwe. und Sohn Heini.

Gießen (Krofdorfer Straße 10). Q T . 1(yy>

Warmen, Fröndenberg, Arnsberg, Bad Salzuflen, den 8. Juni 1952.

Die Beerdigung findet am Freitag, dem 10. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.-Das feierliche Seelenamt wirdgehalten: Montag, den 13. Juni, vormittags 6.30 Uhr.Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen.

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Die, sagen Sie mir, wie ich Ihnen helfen kann!

Stundenlang sah der alte Mann neben dem Mädchen, redete langsam und leise auf sie ein, streichelte ihre Hände, nahm ihren Kopf an seine Schulter, war zärtlich und unermüdlich um sie beschäftigt, so lange, bis Elisabeth endlich aus ihrer Starrheit erwachte und leise zu weinen anfing. Lange weinte sie, dann nahm sie der Schlaf in seine tröstenden Arme.

Der alte Professor ging nach Hause. Er hatte seine Pläne. Gut, dah er vorgearbeitet hatte. Er

Elisabeth würde ihren Weg machen.

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Gehorsam stand Elisabeth auf, machte Licht. Setzte sich dann dem alten Herrn gegenüber, zu dem sie unendliches Vertrauen hatte. Erwar­tungsvoll sah sie ihn an.

Also sagen Sie mir zuerst, was Sie eigentlich tun wollen?"

Ich soll mein Häuschen verkaufen, von hier wegziehen, in ... in eine Stadt... und dort Kla­vierstunden geben...

Wer hat Ihnen das alles gesagt, Elisabeth?" Mein Vormund, der Herr Pfarrer, der es sehr gut mit mir meint."

Und Ihre Stimme weih Ihr Vormund nichts von Ihrer Stimme?"

Ach, Herr Professor..."

Haben Sie ihm nicht gesagt, dah es Sunde wäre, diese Stimme verkommen zu lassen? Dah Ihnen ein gnädiges Geschick, eine köstliche Gabe verliehen hat, und dah es feige wäre, die Flinte ins Korn zu werfen? Diele, deren Stimme nicht an die Ihre heranreicht, haben den Kampf mit dem Leben und mit der. Kunst ausgenommen, unter allen möglichen Entbehrungen, und haben ihn siegreich bestanden, ilnb Sie wollen einfach alles gehen lassen?

Ich weih, dah Sie fast fertig sind rnit Ihrer Ausbildung. Dah nicht mehr viel fehltz bis Sie auf die Dühne gehen können. Ich könnte Sie heute schon anbringen an irgendeinem Stadttheater, wenn ich das wollte. Aber das will ich nicht. Ich will, dah Sie gleich ganz groh anfangen, ilnb das können Sie nur, wenn Sie noch an einem großen Institut die letzte Vollendung bekommen.

Sie sind mittellos, Elisabeth, das weih ich wohl. Die selbst können die Kosten nicht bezahlen, die so ein Studium erfordert. Aber ich habe alles in die Hand genommen. Ich habe mit Professor Walter gesprc^)en, er hat regen Anteil an Ihrem Schicksal genommen. Er weih, was aus Ihnen und Ihrer Stimme zu machen ist, und er will Ihnen helfen. Professor Walter ist überzeugt davon, dah es ein unendlicher Derlust wäre für die Kunst, wenn Sie Ihre Stimme nicht ausbilden würden. Er hat einen Mäzen für Sie interessiert, einen reichen Kunstfreund, der sich bereit erklärt hat, die Mittel zu Ihrer weiteren Ausbildung zur Derfügung zu stellen. Sie brauchen nur ein­zuwilligen, Elisabeth. Es wäre ein großes Glück für <Äe..."

Elisabeth schluchzte. Sie fand noch keine Worte. Zu viel war da auf sie eingestürmt. Wie eine Welle des Glücks war es über sie gekommen bei den Worten des Professors. Sie konnte es noch nicht fassen, was sie da gehört hatte. Dah es möglich war, ihr Studium zu vollenden. Dah es Menschen gab, die so gut waren!

Aber... durfte sie dieses Anerbieten auch an­nehmen? War es recht von ihr, die Künstlerlauf­bahn einzuschlagen?

(Fortsetzung folgt.)

Dresden? Die Schwester meiner Frau lebt dort, hat einen grohen Dekanntenkreis. Sie würden dort sicher so viele Klavierschüler finden, dah Sie sich durch den Unterricht ernähren könnten. Das Häuschen hier würden wir verkaufen..."

Wieder schrie Elisabeth auf. Das Häuschen sollte sie verkaufen, ihre einzige Zufluchtsstätte, in der sie so glückliche Zeiten verlebt hatte!

Ich kann nicht... ich kann es nicht... Ich kann nicht nach Dresden gehen, älnd mein Häus­chen verkaufen, ganz heimatlos werden...

Die Tränen stürzten jetzt aus Elisabeths Augen. Haltlos weinte sie vor sich hin.

Ich will Sie zu nichts zwingen, Elisabeth. Heberlegen Sie sich alles in Ruhe, Kind. Sie werden setbst bald einsehen, dah Arbeit für Sie das beste ist, dah Sie nur so wieder zur Ruhe, kommen können. Und vergessen Sie nie, dah ich Ihnen helfen will, so gut ich es vermag.

Ieht verlasse ich Sie. Es wäre das beste für Sie, gleich zu Dett zu gehen. Man sieht es Ihnen an, dah Sie die Ruhe nötig brauchen können.

Der Pfarrer ging, Elisabeth war wieder allein. Drauhen wurde es schon dunkel, obwohl es noch nicht einmal fünf Hhr war.

Elisabeth ging im Zimmer hin und her, blieb dann vor dem Klavier stehen. Also so weit war es jetzt schon. Ihre Kunst muhte sie aufgeben. Sollte nicht mehr singen. Und ihr Vaterhaus sollte sie verlassen, hinausgehen in die fremde Welt, unter die kalten Menschen!

Aber mochten sie mit ihr machen, was sie wollten! Sie würde auch das Häuschen hergeben, wenn es nicht anders ginge. Dur nach Dresden würde sie nicht gehen. Lieber bis ans Ende der Welt! Dur nicht dorthin, wo Hubert lebte, wo sie ihm begegnen konnte!

Elisabeths Kopf war auf das Holz des Kla­viers gesunken. Versonnen strich sie mit ihren Händen über den Deckel des Instruments. Dann lieh sie sich unbewuht auf den Klavierstuhl sinken, hob den Deckel empor, und ihre Hände suchten die Tasten, formten leise eine Melodie.

Mit einem Male brach Elisabeth ab, schlug ihre Hände vor das Gesicht und weinte erschüttert auf. Ihr Kopf sank langsam herunter; sie konnte nicht aufhören, schluchzte immer weiter.

Vis zwei Weiche Hände leise über ihr Haar strichen. Elisabeth spürte die Liebkosung, hielt beglückt still. Endlich ein Mensch, eine Seele, die sie verstand. Sie wuhte, wer neben ihr stand.

Unter Tränen sah sie zu Professor Landar auf.

Professor ... lieber Professor!" brach es dann schluchzend aus ihr hervor.Ich soll nicht mehr Stunden nehmen, soll nicht mehr singen dürfen. weil ich zu arm bin... und das Häuschen muh ich verkaufen..." ,

Elisabeth, beruhigen Sie sich! Ich habe mit Ihnen zu reden; es wird alles gut gehen. Dur ruhig müssen Sie werden und mir zuhören.

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Elisabeth biß sich die Lippen blutig, um nicht auszuschreien vor Iarnrner und Qual.

Ich bin so müde, Elisabeth. Ich will jetzt schlafen..."

Die Augen der Kranken fielen wieder zu. Elisabeth blieb neben dem Dett sitzen, regungslos, hielt die Hand der Mutter in der ihren, stunden­lang. Sie merkte nicht, daß der Atem der Schla­fenden auszusetzen begann, endlich nicht mehr zu hören war. Erst als die Hand der Mutter kalter und kälter wurde, ahnte sie das Schreckliche. Elisabeth fuhr in die Höhe, betrachtete mit starren Augen die Tote und brach mit einem Aufschrei neben dem Dett zusammen...

Am anderen Morgen war Elisabeth in aller Frühe auf den Deinen. Die alte Wehnert hatte sie zusammen mit dem Doktor zu Bett gebracht, nachdem man sie aus ihrer Ohnmacht erweckt hatte. Dann hatte sie wenige Stunden geschlafen, einen unruhigen, wenig erquickenden Schlaf.

Als der Morgen graute, lag sie wach. Ihr armer Kopf konnte das alles noch nicht fassen, was in den letzten Stunden auf sie eingestürmt war. Sie konnte nicht weinen, in ihr war alles wie abgestorben.

Vun war die Mutter tot und Hubert verloren. Ganz allein stand sie in der Welt, mutterseelen­allein. Was sollte nur aus ihr werden?

In aller Frühe kam der alte Pfarrer, em Freund ihres verstorbenen Daters und Elisa­beths Vormund.

Er nahm Elisabeth alle die Verrichtungen ab, die ein Todesfall mit sich zu bringen pflegt.

Wenige Stunden darauf hatte Professor Lan­dar die Trauerkunde empfangen, und er kam sofort, sich Elisabeths anzunehmen. Er war inner­lich ergriffen, als er seine Schülerin vor sich sitzen sah, teilnahmslos, mit verfallenem Gesicht und erloschenen Augen. Wenn sie geweint oder ge­schrien hätte, das alles wäre besser gewesen als diese düstere, unheimliche, versteinerte Ruhe.

Elisabeth, kommen Sie doch zu sich. Denken Sie daran, wenn Ihre Mutter Sie jetzt so sehen würde; sie würde keine Ruhe finden. Sie dürfen nicht so starr dasitzen, Kindchen. So sagen Sie doch ein Wort..." ,

Elisabeth gab keine Antwort. Es war, als ob sie gar nichts gehört hätte.

Elisabeth, ich bitte Sie. Ich, ihr alter Lehrer und Freund. Sprechen Sie doch endlich, weinen

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