Ausgabe 
9.1.1932
 
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Tours,

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fei Deutschland in dem Augenblick in Schwierig-- keiten geraten, als es seine Zahlungsverpflich- tungen an das Ausland nicht mehr durch An­leihen abgelten konnte. 3c näher der Bericht an den Kern des Verschuldungsproblems kommt, um so vorsichtiger wird er in seinen Formu­lierungen. Bon den 18 Milliarden Ausland- schulden seien 10,3 Milliarden von den Repara­tionen in Anspruch genommen, von denen nur ein Bruchteil langfristig ausgenommen werden konnte, weil die Gläubiger vor stärkeren lang­fristigen Engagements in Deutschland zurück­schreckten. Hier liegt der Hund begraben! Weil es uns unmöglich gemacht wurde, die Repara­tionen aus dem Ausfuhrüberschuß zu zahlen, entstand die katastrophale kurzfristige Ausland­verschuldung und damit der unechte Transfer.

Der Bericht hält sich dann in seinen Schluß­folgerungen eng im Rahmen des Voung- plans und folgt damit ganz den französischen Wün­schen, wenn er feststellt, daß Deutschland zu der Erklärung berechtigt sei, den geschützten Teil der Annuitäten des Jahres 1932 nicht transferieren zu können. Darüber hinaus wird noch gesagt, daß der Voungplan ein wachsendes Handelsvolumen vorausgesetzt habe, die Entwicklung sei aber ent­gegengesetzt und das Sinken des Goldpreises be­deute eine Erhöhung der Schulden. Kein Wort von dem volkswirtschaftlichen llnfinn der Tribut­zahlungen, kein Wort davon, daß das System ein­seitiger Milliardenzahlungen ohne Gegenleistung der Angelpunkt der deutschen Krisis überhaupt und die Lähmung Deutschlands eine der wichtigsten Ursachen für die Störung der Weltwirtschaft ist, die nur durch die Beseitigung der Reparationen behoben werden kann. Man überläßt es hen Re­gierungen, alles dies und die praktischen Folge­rungen zwischen den Zellen zu lesen und vorsichtig eingestreuten Andeutungen die wahre Auffassung der Mehrzahl der Baseler Sachver­ständigen zu entnehmen. Man ist also diesmal in Basel hinter dem Gutachten des Wiggins-Aus^ schusses beträchtlich zurückgeblieben und Frankreich hat mit dem Rückgreifen auf den Boungplan sein erstes Ziel, eine Verschleppung der Repa­rationskonferenz um mehrere Monate erreicht. Sie soll nun auf englische Anregung hin am 18. Ja­nuar in Lausanne zusammentreten, aber Frankreich hat den Versuch noch nicht aufgegeben, mit Hinweis auf die Tagung seines Parlaments eine weitere Verzögerung zu erreichen, um dann vermutlich unter dem Zwang zur Beschickung der auf den 2. Februar nach Genf einberufenen Ab­rüstungskonferenz mit irgendwelchen provisorischen Vereinbarungen sich wiederum um eine endgültige Lösung, auf der es der deutschen Regierung mit Recht allein ankommt, herumdrücken zu können. Frankreich steht überhaupt grundsätzlich auf dem Standpunkt und glaubt auch aus dem Basler Gut­achten eine Begründung seiner Ansicht heraus» lesen zu können, daß Deutschlands Zahlungs­unfähigkeit lediglich eine vorübergehende Erscheinung sei, der man mit einer bloßen Ber- länge rung des Moratoriums für die geschützten Annuitäten unter grundsätzlicher Auf­rechterhaltung des Poungplans und der dort fest- gelegten Zahlungspflicht Deutschlands hinlänglich beikommen könne. Wenn man noch ein übriges tun wolle, so könnten die ungeschützten Annui­täten, die Deutschland weiter aufbringen müsse, ihm in Form einer Anleihe an die Reichsbahn wieder zur Verfügung gestellt werden. 3m schärf­sten Gegensatz zu dieser Auffassung hält Deutsch­land strikt daran fest, daß der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft ein vollkommener ist und die Katastrophe unausbleiblich wird, wenn nicht unver­züglich in Lausanne durch Beseitigung des bei dem Versuch zur Verwirklichung des Voungplans ad absurdum geführten Tributsystems freie Dahn ge­schaffen wird.

Deutschland steuert also auf eine End­lösung des Reparationsproblems hin, während Frankreich sich wiederum mit einem Provi­sorium begnügen will und alle Minen springen läßt, auch England zu dieser Meinung zu be­kehren. Lind fast scheint es so, daß die englische Regierung wider ihre bessere Llebcrzeugung und entgegen der in der großen Presse überwiegenden Auffassung, dem französischen Druck weichen wolle, obwohl man erkennt, daß ein bloßes Moratorium die Wiederherstellung des Vertrauens und damit eine baldige Stabilisierung des englischen Pfundes unmöglich macht, daß jedes Provisorium in un­übersehbare Verwicklungen hineintreiben muß. Auf die Politik Frankreichs sowohl wie Englands ist natürlich die scharf ablehnende Haltung von Ein­fluß gewesen, die der amerikanische Kon­greß in der Frage einer Streichung der alliier­ten Kriegsschulden angenommen hat. Damit tritt in Verbindung mit der deutschen Zahlungsun­fähigkeit an England und Frankreich als Schuld­ner Amerikas die Frage heran, ob sie nicht in dieser Situation ihrerseits eine Zahlungserleich­terung in Washington durchsetzen solle, oder gar im Falle Deutschland sich weigern sollte, Tribute zu leisten, ihre eigenen Zahlungen an Amerika einstellen sollen. Also eine Front der europäischen Schuldner gegen den Gläubiger Amerika, ein Ge­danke, der in den französisch-englischen Vor­besprechungen für Lausanne gewiß eine Rolle gespielt tyaben wird. Deutschlands Linie ist klar. Es gibt keine, wie auch immer geartete Re­gierung, Die einem Provisorium zustimmen könnte, es gibt keine Partei von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, die einer Wiederauf­nahme der Tributzahlungen das Wort reden könnte. Der Christlich-Soziale Volksdienst hat an­geregt, in einer kurzen Reichstagssitzung vor dem Zusammentritt der Reparationskonferenz diese Einheitsfront des deutschen Volkes gegen die Fortsetzung der Tributleistungen durch das Par­lament noch einmal ausdrücklich vor aller Welt festzustellen. Die Reichsregierung scheint diesen Gedanken anfangs, nach beschämenden Erfah­rungen bei früheren ähnlichen Gelegenheiten muß man leider sagen, nicht ohne Grund mit einiger Skepsis ausgenommen zu haben. Aber in Zusam­menhang mit dem Plan einer Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten könnte die Anregung der Christlich-Sozialen verwirklicht werden. Wir haben hier gestern schon ausgeführt, daß es in dieser Schicksalsstunde deutscher Ge­schichte nicht schwer fallen dürfte, den Mann, dessen Rame in der Welt schlechthin Deutschland gleichgesetzt wird, dessen Silvesterbotfchaft eben erst wieder im deutschen Volke die Gefühle stolzer Dankbarkeit und Zuversicht und draußen in der Welt Ehrfurcht und Bewunderung erneuerte, durch einmütigen Parlamentsbeschluh zu bitten, die Bürde seines hohen und schweren Amtes noch solange zu tragen, bis die großen Entscheidungen für unser Volk gefallen sind. Schon diese Willens­kundgebung würde ihren starken Eindruck auf das Ausland nicht verfehlen und den Wortführern unserer Sache in Lausanne eine moralische Rücken­deckung ohnegleichen geben, zumal da ja Hinden-

schnittspreis 47 Pf. beträgt. Der Krafttarif ist im Durchschnitt von 23 auf 21,3 Pf. er­mäßigt worden, der Haushaltstarif von 23,2 auf 21,85 Pf. Die Minimalabnahme entfällt künftig. Das Haushaltsgas wurde von 17 auf 16 Pf., das Raumheizgas von 11 auf 9 Pf. und das Gas für gewerbliche und inbuftrIdle Zwecke um 0,5 Pf. je Kubikmeter verbilligt. Bei dem Gas- und Elektrizitäts­werk zusammen betrügt die Gesamtsumme der Preisermäßigungen 1568900 Mark, der eine Ersparnis auf Grund der Notverordnung von 1 161000 Mark gegenübersteht. Bei beiden Werken wurde ein ganz neues larifge- bäude aufgestellt.

Aus aller Well.

Spionenjagd

und Deulfchenhehe in der Tschechoslowakei.

Die tschechischen Behörden haben einen 19jäh- rigen reichsdeutschen Staatsangehörigen, den Primaner Hans Werner 3aensch aus Berlin, der sich mit seiner Großmutter auf einem Weihnachtsbesuch in Mordb öhinen be­fand, unter Spionageverdacht verha s t e t, weil er auf dem Bahnhof in Schluckenau rn.it einer i h m zum Christfest geschenkten Ka­rn e r a am Heiligen Abend p h o t o g r a p h-i s ch e Aufnahmen gemacht hat. Er photographierte in Gegenwart zahlreicher Personen Perron und Lokomotive. 3aensch, der übrigens ein Waisenkind ist, wurde in die Hast des Kreis­gerichts von Böhmisch-Laipa eingeliefert, wo er sich gegenwärtig noch befindet, obwohl der Spio­nageverdacht inzwischen fallengelassen tverden mußte. Man erhebt jetzt gegen ihn die Beschuldi­gung der ilebertretung des §24 des Republikschuhgesehes, der das Photo­graphieren staatswichtiger Objekte ver­bietet. Die Verhaftung erregt wegen ihrer besonderen Rücksichtslosigkeit und Sinnlosigkeit Aussehen, umsomehr als ge­naue Wiedergaben sämtlicher tschechischer Loko­motiven regelmäßig in dem auch im Ausland« verbreiteten Fachblatt der 3ngenieure erscheinen. Die deutsche Gesandtschaft in Prag ist um die so­fortige Freilassung des Verhafteten bemüht.

Gegen die Warenautomaten.

Der Gewerkschaftsbund der An­gestellten wendet sich in einer Eingabe an das Reichsarbeitsministerium gegen Sie ver­mehrte Aufstellung von Automaten und die Förderung ihrer Benutzung durch Zu­lassung der Warenabgabe auch während der allgemeinen Ladenschlußzeiten. Eine Erlaubnis würde zu einer weiteren Ein­schränkung des Personalbedarfs im Einzelhandel führen und die Zahl der be­schäftigungslosen Angestellten, die nach einer amtlichen Meldung bereits über 500 000 beträgt, steigern. Eine von großen Unternehmun- gen betriebene stärkere Automatisierung dürfte sich auch zum Schaden der mittleren Cinzelunternehmungen auswirken.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der flache Hochdruck, der im Laufe des gestriaenl Tages von der Biscaya her bis nach England hin abgebaut hat, wird durch die neue Störung zwischen Island und Irland ostwärts verdrängt. Infolge- dessen gelangen wir zunächst unter den Einfluß hohen Druckes, wodurch trockenes und nur leicht wolkiges Wetter mit Nachtfrost aufkommt. Mit dem weiteren Vorschreiten des neuen Tiefs dürfte die Besserung nur von kurzer Dauer sein, so daß mit Beginn der nächsten Woche wieder milderes Wetter und Niederschläge zu erwarten sind.

Aussichte n für Sonntag: Leichter Nacht­frost, morgens dunstig, sonst leicht wolkig mit 'Auf­heiterung, meist trocken.

Aussichten für Montaa: Eintrübung und meist bedeckt, milder und Niederschläge.

Amtliche Dintersportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Klar, 4 Grad, 5 Zentimeter Schnee, 2 Zentimeter Reu­schnee, keine Sportmöglichkeit. Herchen- hainer Höhe: Bewölkt, 1 Grad, geringer Schnee, keine Sportmöglichkeit.

Rhön, Wasserkuppe: Schneefall, 2 Grad, 7 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglich­keit für Ski und Rodel gut.

Schwarzwald, Feldbera: Dewö'kt, 3 Grad, 45 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut.

Alpen, Garmisch-Partenkirchen: Be­wölk, 0 Grad, 5 Zentimeter Schnee, verharscht. Sportmöglichkeit mäßig.

Witterungsaussichten f. b. Berg« für Sonntag: Keine nennenswerten Reu- schneefälle, Anhalten des Frostes. >

bürg selber eben erst in seiner Reujahrsansprache an das Diplomatische Korps Deutschlands unab­änderliche Forderungen für Lausanne sowohl tote für die Genfer Abrüstungskonferenz erneut aus­gesprochen hat. , o . .

Wie notwendig die Bekundung eines einigen Dolkswillens in den großen außenpolitischen Fra­gen ist, lehrt uns ein Blick nach Fr an kr e t ch, wo der Ministerpräsident Laval den -^-od seines Kriegsministers Maginot und das wirkliche oder unterstellte Ruhebedürfnis des Außenmtnt» sters Br i and dazu benutzen möchte, unter dem Gindruck der bevorstehenden Konferenzen und gewiß auch der kontmenden Kammerwahlen, Die Basis seines Kabinetts für eine Art nationaler Konzentrationsregierung im Stile Poincares zu verbreitern. Die öffentliche Meinung Frankreichs ist ja in der Reparationsfrage keineswegs mehr so selbstsicher wie noch vor wenigen Monaten. Die innerpolitischen Ereignisse in Deutschland, die auch für Frankreich spürbaren wirtschaftlichen Folgen des Pfundsturzes und der englischen Schutzzollpolitik, die schroffe Haltung Amerikas in der Schuldenfrage und schließlich die schwere Ver­stimmung, die sich überall in der Welt über die intransigente Haltung Frankreichs äußert die man für die katastrophale Zuspitzung der Krisis verantwortlich macht, alles das ist aus die frfln* zosische öffentliche Meinung nicht ohne Eindruck geblieben. Ein Beweis dafür, daß ein so ange­sehenes und verbreitetes Blatt wie die .^Depeche de Toulouse", das führende Organ der Radikal- sozialen in der Provinz, mit ihrem vielbesproche­nen Vorschlag einer gänzlichen Streichung der

Reparationen in der Pariser Presse keiN^wegs aus einhellige brüske Ablehnung stieß. Gewiß, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und es wird noch viel Zeit vergehen, bis sich alle Fran­zosen an den unbequemen Gedanken gewohnt haben werden, von Deutschland keineReParatlvns- zahlungen mehr zu erhalten. Aber sehr siegesbe- wußt scheint die Stimmung diesmal weder m Re­gierungskreisen, noch in der Öffentlichkeit zu sein. Ob es Laval gelingen wird, sein Kabinett auf eine breitere Grundlage zu stellen, erscheint gerade im Hinblick auf die Wahlen doch sehr fraglich. Die Radikalsozialen, die stärkste Partei der Opposition, haben natürlich wenig Steigung, sich mit der Verantwortung für den Zusammen­bruch des bisherigen Tributsystems zu belasten, sie gedenken vielmehr, gegen die mit diesem Odium behafteten Gruppen der Rechten bei den Wahlen das Rennen zu machen. So werden Leute wie Painlevs und der Rüstungsfanatiker Paul- Bo ncour, die als Rachfolger für Maginot und Briand ausersehen sein sollen, dem Kabinett Laval kaum die starke innere Geschlossenheit und äußere Autorität geben können, die der Minister­präsident für die großen außenpolitischen Entschei­dungen für notwendig erachtet. Das kann für Deutschland ein Vorteil sein, wenn es auf seiner festen Linie mit ruhiger Entschlossenheit beharrt und sich nicht auf Provisorien abdrängen läßt, die uns die Rechtsgründe für die Richtigkeit des . Voungplans aus der Hand schlagen würden und das Vertrauen nicht wieder Herstellen könnten, ohne das es keinen Wiederaufbau gibt.

9er mißMie Anschlag ans den Kaiser von Japan.

Das Attentat.

Der vierte Angriff auf das Leven des dreißigjährigen Kaisers.

Tokio, 8. Ian. (TU.) Der Bombenan­schlag auf den Kaiser von Japan bei sei­ner Rückkehr von einer Neujahrsparade wurde ver­übt, als er gerade in das berühmte Kirchentor Sakuragamon seines Palastes einfahren wollte. Durch die Explosion der Bombe wurde nur ein Pferd der Ulanenabteilung, die unmittel-

Kaiser Hirohito von Japan.

bar der kaiserlichen Staatskarosse folgte, getötet. Der Attentäter ist ein 32jähriger Koreaner T i h o s e h o. Die Polizei fand in seinem Besitz eine zweite Bombe und brachte ihn in ein in der Nähe gelegenes Polizeigebäude. Er hatte in Japan unter falschem japanischen Namen gelebt.

Die ausländischen Diplomaten hatten an der Parade teilgenommen, befanden sich aber nicht an der Stelle, wo das Attentat verübt würde. Der K a i s e r hat während des Attentats feine Ruhe nicht verloren. Die Bombe war mit Metallstucken geladen. Der Platz des Attentats wurde abgesperrt, so daß man die Einzelheiten genau untersuchen kann. Dieses ist d e r o i e r t e A n g r i f f a u f d a s Leben des Kaisers Hi r o h i t o , der ein ,un- ger Mann von 30 Jahren ist und seinem Vater, dem Kaiser Joshihito 1926 aus den Thron gefolgt ift.

In Japan hat der Anschlag großes Aufsehen er­regt. Die diplomatischen Vertretungen haben sofort der Regierung ihre Glückwünsche über den glück­lichen Ausgang ausgesprochen. Auch von der Be­völkerung laufen bei der Regierung und im Schloß des Kaisers Glückwünsche und Anfragen nach dem Befinden des Kaisers ein.

Die Auftraggeber des Attentäters.

Die Fäden laufen zu Koreanern in Schanghai

Tokio, 8. 3an. (TU.) Die japanische po­litische Polizei hat festgestellt, daß der Atten­täter mit der fo genannten koreanischen Re­gierung, die ihren Sih in Schanghai hat, in Verbindung gestanden und in deren Auftrag gehandelt hat. Weiter soll fest­gestellt worden sein, daß der Attentäter und seine Auftraggeber Beziehungen zu kommu­nistischen Verbänden unterhalten haben und daß weitere Attentate gegen j a - panische Regierungsführer geplant waren. Der Verhaftete hat bisher nur ein Teil­geständnis abgelegt. Er weigerte sich, weitere Einzelheiten bekanntzugeben und Ramen seiner Gesinnungsgenossen in Tokio zu nennen. Bisher sind sechs weitere Verhaftungen erfolgt. Wie ver­lautet, soll die Untersuchung ergeben haben, daß der Urheber von der provisorischen koreanischen Regierung in Schanghai zwei Bomben und 3 0 0 V e n erhalten habe.

Die amerikanische Rote an Japan.

Tokio lehnt jede Einmischung ab, ist aber zur Einhaltung der Verträge bereit.

Washington, 8.3an. (WTD.) Eine Mel­dung der Associated Preß aus Tokio von heute 10 Uhr japanischer Zeit besagt, die ameri­kanische Rote sei in Tokio noch nicht veröffentlicht worden. 3apan stehe aber dem Vernehmen nach

auf dem Standpunkt, daß die Mandschure: nur3apan und China angehe und daß daher kein Dritter Anlaß zur Einmi­schung habe. Das japanische Außenministerium kündigt inoffiziell die Absendung einer versöhnlich gehaltenen Antwort- n o t e an die Washingtoner Regierung an, in der die Einhaltung des Kellogg-Dertrages und des Reun-Mächte-Abkommens zugesagt und der Wunsch nach direkten Verhandlun­gen mit China wiederholt wird. 3apan be­trachte die Unabhängigen Regierungen in der Mandschurei als Erleichterung des Grundsatzes gleicher Vorteile für Alle.

Reuter meldet aus Washington, die amen- kanische Rote an 3apcm und China beabsichtige anscheinend, die Entrüstung der Welt gegen irgendwelchen Zusammen­bruch des Vertragssystems zu lenken, durch das China geschützt ist. Künftige Schritte werden offenbar entsprechend der Ent­wicklung der Lage erfolgen. Das Gerücht von einer sofortigen drastischen Maßnahme einschließ­lich des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen fand in amtlichen Kreisen keine Bestätigung. Die Rote stellt eine neue Wendung in der bisherigen Politik von Pro- teften dar, die den jcchanischen Vormarsch in der Mandschurei begleitet haben. Die ameri­kanische Regierung erhebt keine Vorstel­lungen mehr, sondern sie weist mit Ent­schiedenheit auf die Rechte der Bür­ger hin. Ob England sich dem amerikanischen Schritt anschließt, steht noch nicht fest.

Cvening Standard" erfährt, daß die englische Regierung nach wie vor an ihrer Politikder offenen Tür" in bezug auf die'Mandschurei feft- halte. Maßgebende Stellen seien der Ansicht, daß die amerikanische Rote die Arbeit des Untersuchungsausschusses für die Mandschurei in keiner Weise berühre.

Keine Verschiebung der Preußenwahlen.

Der Landtag wird vor dem 20. Mai neugewählt werden.

Berlin, 8.3an. (WTD.) Dem Wolfsschen Bureau hat der Staatssekretär des preußischen Staatsministeriums Dr. W e i s m a n n auf die Frage, wie die preußische Staatsregierung zu den immer wieder auftauchenden Gerüchten stehe, es werde mit dem Gedanken einer Verschiebung derPreußenwahlen gespielt, folgende Ant­wort gegeben: Artikel 13 der preußischen Verfas­sung lautet:Der Landtag wird auf vier 3ahre gewählt. Die Reuwahl muß vor dem Ablauf dieser Zeit erfolgen." Da der derzeitige preußische Landtag am 20. Mai 1928 gewählt wor­den ist, so steht fest, daß der neueLand- t a g vor dem 20. M a i 1 932 gewählt werden muß. Die preußische Staatsregierung als Regierung eines demokratischen Staates hat niemals daran gedacht und denkt auch jetzt nicht daran, gegen diese klare Bestimmung der preußischen Verfassung zu ver­stoßen. Die Wahlen werden zum verfas­sungsmäßigen Termin stattfinden.

Der Einzelhandel beim preiskommiffar.

Berlin, 8.Jan. (WTB.) Amtlich. In einer Besprechung des Reichskommissars für Preisüber­wachung mit Vertretern der Hauptgemein­schaft. des deutschen Einzelhandels über die unbedingt notwendigen Preissenkungsmaß. nahmen erklärte sich der Einzelhandel bereit, den Reichskommissar auch weiterhin zu unterstützen durch Aufklärung der Verbraucher über die Bedeu- tung der Preissenkungsaktion und durch Preis- auszeichnung der Waren, soweit nicht im einzelnen durch Anordnung vorgeschrieben. In der Frage der Preissenkung bei den Werk­tarifen, Steuern und Jnseratenprei- s e n wies der Reichskommissar darauf hin, daß sich das Ausmaß der Senkung erst nach dem 10.Ja­nuar genauer werde übersehen lassen. Der Reichskommissar betonte, daß er eine Zusam­menarbeit mit den Vertretungen des Einzelhandels im Interesse der schnellen Lösung der Preisprobleme begrüße. Wie wir erfahren, wird eine neue Ver­ordnung des Reichskommissars veröffentlicht wer­den, in der die Ausdehnung der Preis­auszeichnungspflicht auf alle lebens, wichtigen Waren, insbesondere auf alle L e - b e n s m i t t e l, bestimmt wird.

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In Stuttgart hat der Gemeinderat mit so­fortiger Wirkung den Lichttarif für das Gewerbe von 55 auf 45 Pf. pro kWh herabgesetzt. Dazu kommt noch eine monatliche Hebegebühr von 30 Pf., so daß der künftige Durch.